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Dieses Thema hat 622 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.546

13.07.2008 12:54
#31 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

"Ein Schrei vor dem Fenster"

Die zehnte Folge ist ganz auf Maria Schell zugeschnitten. Sie dominiert die Jagd nach
einem Flüchtigen und setzt den Kommissar unter Druck, wie selten in einer Episode
der Reihe.
Hervorzuheben sind besonders ihre Versuche, den Hausmeister ( Hans Hermann Schaufuß )
zu beeinflussen. Sie spricht in suggestiver Weise auf ihn ein, bittet ihn, droht ihm sogar.
Die anderen Darsteller passen sich dem Tempo der Geschichte an und versuchen, den
Toten so schlecht wie möglich zu machen bzw. den Mörder aus der Unterwelt zu
rekrutieren.
In der Tat : Berthold Thiemel ( Gunter Beth ) bleibt unscheinbar. Er läuft durch die ganze
Episode und die Polizei hinter ihm her. Das Ende kulminiert in einer Sequenz, die an den
"Dritten Mann" erinnert. Leider wirken die Feststellungen des Kommissars etwas vage
und zurechtgezimmert. Zu den Schlussfolgerungen, die er anstellt, hätte er auch früher
kommen können. Diese Folge ist jedoch weniger von kriminalistischer Arbeit geprägt,
sondern zeigt den verzweifelten Versuch einer Schauspielerin, ihren Sohn zu retten,
indem sie all ihr Talent anwendet, um das Publikum - in diesem Fall : die Polizei - zu
überzeugen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.546

13.07.2008 13:39
#32 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten
Ich möchte noch erwähnen, daß sich in dieser Folge wieder einmal das hässliche Gesicht der
Gesellschaft am Rande auftut. Die Szene in der Absteige ( die angetrunkene Nutte ) wirkt
unpassend und dient als Lückenfüller. Man wollte Berthold Thiemel einmal von der Nähe zeigen
und hat ihn deshalb in diese heikle Situation gebracht, um zu zeigen, daß er die Waffe auch
einsetzt und eventuell doch der Mörder sein könnte. Man wollte das Publikum von der starken
Hauptfigur ( Irene Pauli ) ablenken und einen "roten Hering" auslegen.
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.546

20.07.2008 14:33
#33 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

"Die Schrecklichen" ( 1969 )

In gewisser Weise ähnelt diese Folge der dritten Episode der Reihe ( "Ratten der Großstadt" ).
Wir haben es mit fünf alten Männern zu tun, die sich aufführen wie ungezogene Schuljungs.
Sie streifen durch die Stadt, provozieren arbeitende Menschen und belästigen Spaziergänger.
Am liebsten halten sie sich jedoch am Ufer der Isar auf. Dort werden immer wieder ertrunkene
Männer gefunden - stark alkoholisiert und ausgeraubt.
Der Kommissar scheint anfangs belustigt von dem Treiben der Fünf. Er folgt ihnen und geht dabei
seinen eigenen Weg, während Robert einen Stammgast der Kneipe befragt, in der der Tote
zuletzt gesehen worden ist. Der schmierige Wirt und dessen Freundin - eine klassische Schlampe -
verkörpern die untere Schicht der Gesellschaft. Harry versucht inzwischen an die Tochter des
Wirts, Herta Panse ( wieder einmal zerbrechlich - authentisch gespielt von Helga Anders ),
heranzukommen, um hinter das Geheimnis der zwielichten "Familie" zu kommen. In einer
poetischen Sequenz tanzt Herta auf einer sonnendurchfluteten Wiese, während Harry sie
beobachtet. Der Kommissar gesteht Robert, er habe in betrunkenem Zustand immer ein Lied
gesungen und zeigt damit, daß er bereits vermutet, wie es zum Tod des Mannes kommen
konnte. Leichtsinn, Geldgier und Skrupellosigkeit - all diese Elemente haben dazu geführt,
daß ein Geschäftsmann zu Tode gekommen ist.
Durch einen Trick überführt Keller die Schuldigen, die allerdings erwartungsgemäß keine
Reue zeigen. Auch sonst wird sich an den Umständen der Beteiligten nichts ändern.
Insofern lehrt uns die Episode : Halte Dich von den Maßlosen fern, sonst könntest Du unter
die Räder gelangen.
Wie viele spätere Episoden der Serie, bietet die elfte Folge mit "Corinna, Corinna" erstmals
einen Schlagerhit.

Günter57 Offline



Beiträge: 3

20.07.2008 23:04
#34 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Der Song (Corinna Corinna) aus der Folge "Die Schrecklichen" hat mir gut gefallen.Kann mir jemand sagen wer das gesungen hat? ich weiß nur,daß es nicht Peter Beil war.

tenpin302 Offline




Beiträge: 46

20.07.2008 23:28
#35 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten
Neben der Version von Peter Beil gab es noch eine Version
von Tommy Kent.
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.546

27.07.2008 12:53
#36 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

"Die Waggonspringer"

Obwohl zu Beginn der Episode gezeigt wird, wie es zum Tod des jungen Mannes
gekommen ist, erschließt sich dem Zuseher eine Folge voller Bewegung und interessanter
neuer Aspekte, die uns die Mitarbeiter des Kommissars in Aktion zeigen.
Im Zuge der Ermittlungen wird Robert nach Frankfurt geschickt, von wo aus er den
Kommissar aus einer Telefonzelle in einem öffentlichen Freibad anruft. Keller rät ihm,
nicht wieder ins Wasser zu gehen. Helga und Harry ermitteln in einer Bar, um den
Hehler für die gestohlenen Güter zu ermitteln. Dabei wenden sie ein Mittel unverbindlicher
Kontaktaufnahme an : Sie tanzen und kommen so mit dem Gesuchten ins Gespräch.
Beim anschließenden Verhör des Verhafteten ( gespielt von Thomas Astan, der insgesamt
sechs Mal beim "Kommissar" mitwirkte ) überzeugt Harry durch scharfe, blitzschnelle
Einwände.

Eine Gruppe junger Männer springt nachts auf Güterzüge auf, um sie zu öffnen und
die Ladung unterwegs aus den Waggons zu werfen. Bei einem dieser Raubzüge
verletzt sich einer der Männer an der Tür des Zuges und stirbt. Es ist ein Unfall,
doch die Gruppe schafft die Leiche fort, da der Hintermann Graffe ( Erik Schumann )
fürchtet, die Polizei könnte ihnen auf die Schliche kommen. Auf einer Müllhalde
findet der Verunglückte schließlich seine letzte Ruhe, was einem Mitläufer der
Gruppe so zusetzt, daß er am Ende der Folge zur Polizei geht und Graffe anzeigt.
Gerade noch rechtzeitig, denn dieser hatte sich bereits entschlossen, eine Gewalttat
durchzuführen. Schumann zeigt einen skrupellosen Mann mit berechnendem Verstand,
der durch die Ausleuchtung der Nachtszenen an den Geleisen besonders
abstoßend wirkt, da die Kamera vor allem auf seine Gesichtsnarben gerichtet ist.
Harry Klein beweist in den letzten Minuten der Folge Geschick, indem er auf
den fahrenden Zug aufspringt und einen Mord verhindern kann.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.498

28.07.2008 15:40
#37 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten
„Der Kommissar – Auf dem Stundenplan: Mord“ (BRD 1969, TV)

- Darsteller
Die gestrige Folge wartet mit einer Besetzung auf, die für jeden einige Schmankerl bereithält. Für Wallace-Fans gibt es Vadim Glowna (Die Tote aus der Themse) und Renate Grosser (Im Banne des Unheimlichen), für Lümmelfilm-Fans Pierre Franckh (Pepe, der Paukerschreck), für Synchron-Freaks Thomas Holtzmann, für die Herren Eva Kinsky und für alle anderen einen wunderbar korrekten Hans Quest.
Thomas Holtzmann gibt dem wenig durchsetzungsfähigen, von Schülern und Polizei gemarterten Lehrer Dr. Dommel ein nachhaltig einprägsames Gesicht, während seine Filmschwester Renate Grosser als sittenstrenge Biederfrau auftritt. Beide, auch zusammen mit dem Pedell-Ehepaar, stehen als direkter Kontrast zu den Schülern des Jahres 1969, die sich gegen ihren unbeliebten Pauker verschworen haben. Wie bereits Quest eingangs den Ermittlern, die hier wieder ausgewogen und wohl dosiert auftreten, zu verstehen gibt: „Diese Lehrer mag man, jene nicht. Zweifellos gehört der Kollege Dommel zu jenen, die man nicht mag.“ – auf diesem Verhältnis basieren Spiel und Spannung der Folge.
Vadim Glowna überzeugt als verbitterter Exfreund der Toten und Anführer der Schülerclique, die zusammenhält wie Pech und Schwefel. Die Tatsache, dass es sich um eine Berufsschule handeln soll, in der die Geschichte spielt, macht sein Alter wenigstens einigermaßen akzeptabel, wobei man sagen muss, dass sein hervorragendes Spiel auch diesen Patzer gering erscheinen lässt.

- Regie / Inszenierung
Gedreht im Maximiliansgymnasium in München, ist „Auf dem Stundenplan: Mord“ auf jeden Fall ein besonderer Leckerbissen für Liebhaber der Filmreihe „Die Lümmel von der ersten Bank“, die großteils ebenfalls in dieser Schule entstand. Hier bekommt man das Gebäude nun einmal ausführlich auch aus anderen Perspektiven zu sehen.
Die Regie vermag einen durchaus hinters Licht zu führen. Holtzmann und Glowna werden geschickt eingesetzt, sodass sich die episodentragende Frage, wer von ihnen beiden der Täter ist, mit großer Spannung durch das Geschehen zieht. Die Mischung aus hellen und dunklen Szenen ist genau passend, den Zwist zwischen beiden Betroffenen zu verdeutlichen, wobei sogar in den lichterfüllten Passagen der Abgrund, der sich über lange Zeit aufgebaut hat, merklich zu spüren ist.

- Drehbuch / Kriminalfall
Dieser Kriminalfall beweist, dass es nicht immer nötig ist, viele Verdächtige zu haben. Im Grunde kommen nur zwei Personen in Frage, den Mord begangen zu haben, auch wenn zeitweise der Verdacht des Zuschauers auf Wilma Dommel oder das Pedell-Ehepaar gelenkt werden soll. Schüler und Lehrer verhalten sich beide so merkwürdig, dass man niemanden wirklich entlasten kann.
Reinecker fügt hier leichte differenzierte Töne ein, die aber unterstützend und, beispielsweise im Gegensatz zu der im Studentenmilieu angesiedelten Folge „Ein Mädchen meldet sich nicht mehr“, nicht störend neben dem Kriminalfall auch eine gesellschaftskritische Ebene kreieren. Besonders manifestiert sich dieses in der Szene, in der Dommel tags darauf in die Schule geht und von seinen Schülern als Mörder bezeichnet und boykottiert wird.
Hervorragend ist auch der Schluss, der für den Zuschauer plötzlich und überraschend kommt. Es ist nicht nötig, das Geschehen mit einer langen, erklärenden Szene zu verwässern. Der so erreichte Eindruck bewirkt, dass dies die bisher erste Kommissar-Folge ist (aus der Gruppe, die ich gesehen habe), die man nach dem Ausschalten nicht sofort als beendet ad acta legt.

- Gesamtwirkung
Auch wenn zwischen Vadim Glowna und Pierre Franck zwölf Lebensjahre liegen, so wird uns hier die meiner Meinung nach bisher beste aller Kommissar-Folgen präsentiert, die sogar „Der Tod fährt 1. Klasse“ übertrifft und mit einer gelungenen Mischung aus Kriminalfilm und psychologischer Studie aufwartet. Der Mord am Anfang ist nicht so sehr der zentrale Punkt der Geschichte, sondern dient nur als Auslöser für das Entladen des zwischen Dommel und Palacha aufgestauten Hasses.

Meine Wertung: 5 von 5 Punkten!

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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.546

30.07.2008 20:13
#38 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Wir bewegen uns in dieser Folge in einem Umfeld, das immer für
Spannungen gut ist. Deshalb bleibt der Mord in der Schule aktuell und
ist für den heutigen Zuschauer leicht nachvollziehbar.
Die Darsteller machen es uns leicht, eine lebendige, ungekünstelte
Atmosphäre zu erleben und zeigen eindrucksvoll die Schattenseiten
des Aufeinandertreffens zweier Generationen mit unterschiedlichen
Standpunkten und Wünschen.
Dr. Dommel ( Thomas Holtzmann ) steht im Mittelpunkt des Interesses.
Mehrere Schülerinnen hätten sich um ihn bemüht, da er Akademiker ist,
einen eigenen Wagen fährt und Aktien besitzt.
Sieht man sich diesen Lehrer an einer staatlichen Schule jedoch näher
an, fragt man sich, warum die hübsche Inge Maaß sich Hoffnungen
gemacht haben soll. Dr. Dommel wohnt mit seiner Schwester in einer
einfachen Wohnung mit rudimentärem Badezimmer, hat nur ein
klappriges Auto und seine Aktien sind sicher dort, wo sich auch die
Wohnung des Hausmeisterehepaars befindet - im Keller.
Da Dr. Dommel weder bei seinen Kollegen, noch bei seinen Schülern
sonderlich beliebt ist, formiert sich bald eine Gruppe um den jungen
Palacha ( Vadim Glowna ), die den Lehrer des Mordes an seiner
Schülerin beschuldigt.
Wir werden mit zwei Meinungen konfrontiert. Auf der einen Seite
steht die Schwester des Lehrers ( Renate Grosser ), die ihren
Bruder verteidigt und die Mädchen der Provokation beschuldigt,
sowie das Hausmeisterehepaar, das die pädagogischen Qualitäten
Dommels lobt.
Palacha und seine Klassenkameraden stehen dem gegenüber.
Sie sagen aus, der Lehrer habe Inge erwürgt, da sie mit ihm
Schluss machen wollte.
Keller und sein Team verhören die Klassengemeinschaft, das
Lehrerkollegium und die Eltern der Toten.
Der Fall löst sich durch eine überraschende Wendung von selbst.
Keller steht mit leeren Händen da und kann nur mehr feststellen,
wie es zu der Situation gekommen ist.
Die unerträgliche Spannung an der Schule, die jeglichen Unterricht
unmöglich gemacht hat, löst sich auf und man kehrt zum
Alltagsgeschäft zurück.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.498

04.08.2008 13:41
#39 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten
Zitat von Jan
So, genug geschrieben... "Der Kommissar" fängt an!

Den Ball nehme ich doch gern auf:

„Der Kommissar – Das Ungeheuer“ (BRD 1969, TV)

- Darsteller
Einmal mehr wartet eine Kommissar-Folge mit hervorragender Besetzung und vielen bekannten Gesichtern auf: Unter anderem gibt es Paul Edwin Roth (Die Gentlemen bitten zur Kasse), Inge Langen (Der Zinker), Hannelore Elsner (Ein Alibi zerbricht) und Rainer Basedow (Der Todesrächer von Soho) zu sehen. Besonders Paul Edwin Roth beeindruckt nachhaltig als gemarterter Ehemann und Lehrer (scheinbar ist der gebrochene Pädagoge eine Lieblingsfigur der Kommissar-Reihe). Man leidet mit ihm und zumindest ich werde ihm, wenn ich die Folge ein zweites Mal sehe, applaudieren, wenn ihm bei seinem, Entschuldigung bitte, Miststück von Frau die Hand ausrutscht.
Ein weiterer Stereotyp der Reihe ist die Frau, die einen ihr nahestehenden Menschen verteidigt. Bereits zu sehen in „Keiner hörte den Schuss“ (Marianne Hoppe und Michael Hinz), „Schrei vor dem Fenster“ (Maria Schell und Gunther Beth) und „Auf dem Stundenplan: Mord“ (Renate Grosser und Thomas Holtzmann) sowie in abgewandelter, weil männlicher, Form in „Der Tod fährt 1. Klasse“ (Hans Jaray und Nikolaus Paryla), wird dieser Job nun gleich zweimal verteilt: an Hannelore Elsner und Heiner Zogg sowie an Inge Langen und Manfred Seipold. Das daraus resultierende Gespräch zwischen Elsner und Langen, in der beide Frauen versuchen, dem „Schützling“ der anderen den Mord „in die Schuhe zu schieben“, ist wohl der interessanteste Punkt der gesamten Geschichte.
Jedoch auch sonst werden die Verdächtigen aufwendig gezeichnet, sodass es den Darstellern nicht schwer fällt, sich in ihre Rollen hineinzufühlen. Dementsprechend kann man attestieren: Durchweg gute schauspielerische Leistungen, sogar bei den Jungschauspielern Lechtenbrink, Golling und Seipold.
Notiz am Rande: Harry fehlt dieses Mal ebenso wie Rehbeinchen, dafür liefert besonders Robert Heines alias Reinhard Glemnitz eine gute Leistung ab. Der Kommissar selbst bleibt eher blass.

- Regie / Inszenierung
Es ist schön, sich einmal nicht im Zentrum der Millionenstadt München mit ihren alten Gebäuden oder solchen im Stil der Nachkriegsarchitektur wiederzufinden, das viele vergangene Folgen dominierte. Dafür bekommt man eine auf den ersten Blick beschauliche Vorstadtsiedlung mit dörflichem Charakter zu sehen. Dass es so beschaulich aber doch nicht zugeht, erfährt der Zuschauer bald.
Leider wurde bei Spannung und Tempo die Heimeligkeit etwas zu stark zum Leitmotiv der Folge gemacht. Dies mag am Drehbuch liegen, zu dem ich im Folgenden einige detailliertere Anmerkungen geben möchte.

- Drehbuch / Kriminalfall
Unglücklicherweise kann die Episode den Zuschauer nicht wirklich gespannt darauf machen, wer denn nun das Verbrechen wirklich begangen hat. Zu sehr ist sie eine Personenstudie – und zwar eine wirklich schön anzusehende –, zu wenig ein Kriminalfilm. Der Mord zu Beginn sowie die Persönlichkeit des Opfers stehen vollkommen im Hintergrund. Man erfährt über die Tote, „dass es ihr Spaß machte“; gut, über manche Menschen muss man nicht viel wissen, aber das ist dann doch etwas wenig, um sich wirklich für ihren Mörder zu interessieren. Der Fokus liegt ausschließlich auf den Personen aus der Siedlung, den potenziellen Verdächtigen, und ihren kleinen Schwächen. Platz für verblüffende Schlussfolgerungen und interessante Storykniffe bleibt da nicht viel.
Hinzu kommt der völlig unpassende Titel der Folge. Nun, der Gastwirt bezeichnet den Täter als ein „Ungeheuer“ – aber deshalb dieses Wort als Episodentitel wählen? Dazu gehört schon extreme Einfallslosigkeit. Es gibt natürlich Geschichten, zu denen lässt sich nur schwer ein passender Titel finden (diese gehört auch dazu), aber man hätte sie dann ja genauso gut auch „Sind Sie balla balla?“ oder „Was machen wir mit den Pilzen?“ nennen können.

- Gesamtwirkung
Auf der Haben-Seite: Schön gedreht, gut gespielt, hervorragend charakterisierte Personen. Dem gegenüber: Ein uninteressanter Kriminalfall. Da mir das zweite sehr wichtig ist, kann ich leider trotz aller Vorzüge nur eine mittelmäßige Punktzahl vergeben:

Meine Wertung: 3 von 5 Punkten!

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DanielL Offline




Beiträge: 3.738

04.08.2008 21:37
#40 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Mein Eindruck fällt etwas besser aus!

Ich fand die Folge spitze! Reinecker hat hier wieder das heuschlerische Kleinbürgertum vom Lande focusiert. War herrlich unterhaltsam zu sehen wie sich die Nachbarn gegenseitig schlecht geredet haben. Die Spannung habe ich zu keinem Zeitpunkt vermisst. Auf Darstellerseite viele gern gesehene Bekannte.
Etwas zu dick aufgetragen vielleicht die Art und Weise, wie sich der Täter letztendlich verdächtig macht. Etwas weniger hätte dem Keller auch gereicht und für uns wäre die Auflösung vielleicht etwas überraschender gewesen.

Gruß,
Daniel

Jan Offline




Beiträge: 1.330

04.08.2008 22:37
#41 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Ich mochte die Folge stets sehr, was vorrangig daran liegt, dass sie nicht im Großstadtmilieu angesiedelt ist, sondern auf dem Lande. Davon hat Reinecker einige geschrieben, nicht nur beim "Kommissar", sondern auch beim "Alten" oder bei "Derrick". Da wird gerne das etwas bigotte Kleinbürgertum überspitzt dargestellt.

Inszeniert von Dietrich Haugk, gefällt überdies vor allem der flotte Ablauf des ganzen. Ist bei mir also als eine der besseren Folgen abgespeichert.

Gruß
Jan

Gubanov Offline




Beiträge: 15.498

05.08.2008 10:30
#42 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten
PS: Einen sorgsam zurechtgelegten Kritikpunkt habe ich natürlich wieder einmal vergessen:

ACHTUNG, SPOILER!
Die Überführung des Täters ist nicht unbedingt logisch; zumindest bei meinen Vorstellungen der polizeilichen Routinearbeit. Keller hätte den Mann eigentlich nicht aufgrund seiner vielen ausgesprochenen Verdächtigungen überführen müssen, sondern schlichtweg anhand der Tatsache, dass er nicht regulär auf Arbeit war. So etwas wäre doch bei der standardisierten Ermittlungsarbeit aufgefallen!

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DanielL Offline




Beiträge: 3.738

08.08.2008 14:37
#43 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Günther Schramm heute Abend zu Gast beim NDR. Um kurz nach Zehn bei "Tietjen und Dibaba".

Gruß,
Daniel

Havi17 Online




Beiträge: 3.036

08.08.2008 16:41
#44 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Danke für die Information, wie ich finde ein sehr symphatischer und
auch vielseitiger Schauspieler.

Gruss
Havi17

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.546

10.08.2008 12:25
#45 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

"Das Ungeheuer"

Die Episode zeigt uns eine Siedlung am Rande eines Waldes, dem Ursprungsort des Bösen. Eine junge Frau wurde ermordet, während ganz in der Nähe eine andere junge Frau mit ihrem Freund Zärtlichkeiten austauschte. Es ist bezeichnend, dass diese beiden Situationen parallel zueinander geschehen. Die Tote traf sich nämlich - wie wir später erfahren - ebenfalls des öfteren mit einem Mann im Wald, um dort "Spaß zu haben".
Die jungen Frauen sehen sich sogar ähnlich, weshalb der junge Ewald zuerst glaubt, seine Freundin Hannelore liege unter dem Reisighaufen. Leider erfährt man von der Toten nur, dass sie einen roten Rock und einen Korb voller Pilze trug. Unweigerlich denken wir an das Symbol des Märchens: "Rotkäppchen, das vom bösen Wolf überfallen wird", was ja nichts anderes heißt, als dass ein junges, blühendes Mädchen von einem Unhold sexuell belästigt wird. Es ist zudem immer negativ, wenn das Opfer schlechtgemacht wird; die Informationen über die Tote sind spärlich und der Zuschauer bekommt keinen Grund, sich für den Fall zu interessieren.
Da für die Polizei aufgrund der Zeugenaussagen feststeht, dass der Mörder aus der Siedlung stammen muss, nehmen sich Keller und seine Mitarbeiter jede Familie vor. Sie treffen dabei auf marode Beziehungen, Lügen und Betrug, Gewalt und Hass und keinen einzigen glücklichen Menschen.
Unter jedem Dach finden wir sexuell gestörte Bewohner: den angeblich gehbehinderten Erwin Lambert, der sich Bilder von nackten Frauen übers Bett hängt und in seiner Phantasie junge Frauen trifft, Herrn Vollmer und seine Gattin, die ihn mit dem Kellner betrügt, da er ständig abwesend ist und Minderwertigkeitskomplexe hat, Ewald und Hannelore, die sich körperlich einander annähern, sonst aber keine vernünftige Unterhaltung führen können, die Familie Hausmann, in der die Mutter wie die Ehefrau ihrer beiden Söhne (vorbestraft wegen Körperverletzung) wirkt, der verwitwete Lektor, der anderen Frauen nachstellt und Herr Kaduhn, der sich moralisch gibt und hinter jeder Fassade einen Mörder vermutet.
Die Siedlung wirkt wie eine Insel. Sie liegt so weit von der nächsten Stätte der Zivilisation entfernt, dass selbst die Anbindung an das Schienennetz keinen Trost spendet. Wer hier strandet, der ist verloren. Das wird umsomehr deutlich, als Keller und sein Team die ganze Zeit dort bleiben. Es gibt keine vertrauten Szenen im Büro und selbst im Gasthaus bleiben sie mitten unter den Menschen. Die Lösung des Falles ist deshalb nicht das Ergebnis von Analysen und Indizien, sondern dem Redeschwall eines Dorfbewohners geschuldet. Meines Erachtens handelt es sich bei "Das Ungeheuer" um eine der schwächeren Folgen der Serie.

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