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Lord Low Offline




Beiträge: 652

06.09.2016 18:46
#211 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Der Film hat mit dem heutigen Tag schon 50 Jahre "auf dem Buckel".



Schaut ihr euch den "Hunchback of Soho" zum Jubiläum auch nochmal an?

Peter Offline




Beiträge: 2.841

06.09.2016 20:33
#212 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Zitat von Lord Low im Beitrag #211
Der Film hat mit dem heutigen Tag schon 50 Jahre "auf dem Buckel".
Schaut ihr euch den "Hunchback of Soho" zum Jubiläum auch nochmal an?

Lieber nicht.

Trotzdem herzlichen Glückwunsch...

Ray Offline



Beiträge: 1.300

08.10.2016 22:05
#213 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Der Bucklige von Soho (BRD 1966)

Regie: Alfred Vohrer

Darsteller: Günther Stoll, Pinkas Braun, Monika Peitsch, Eddi Arent, Siegfried Schürenberg, Gisela Uhlen, Agnes Windeck, Hubert von Meyerinck, Uta Levka, Richard Haller, Hilde Sessak, Suzanne Roquette, Joachim Teege, Susanne Hsiao, Ilse Pagé, Kurt Waitzmann, Albert Bessler, Tilo von Berlepsch u.a.



Mit der Einführung des Farbfernsehens musste sich auch die Wallace-Reihe dem Fortschritt beugen und stellte ab 1966 mit "Der Bucklige von Soho" auf bunte Bilder um. Vorweg: der "Bucklige" ist kaum dazu geeignet, Schwarzweiß-Anhänger von den Vorzügen von Wallace in Farbe zu überzeugen.

Der Film beginnt wie der letzte Vohrer-Wallace erstklassig. Nebelschwaden, ein Schriftzug "Mekka" erscheint. (Wobei eben jener Schriftzug schon einen Vorgeschmack auf das "Recycling" bietet, welches der folgende Film in vielerlei Hinsicht repräsentieren wird.) Eine attraktive junge blonde Frau läuft panisch aus der Hintertür des Etablissements heraus. Sie ist nur mit schwarzer Unterwäsche und einem weißen Hemd bekleidet und rennt in Richtung Telefonzelle. Aus dem neben der Zelle stehenden Haus kommt ein hinkender Mann heraus - der "Bucklige". Er drängt die junge Frau in die Telefonzelle und erwürgt sie. Die Credits samt dem großartigen Titeltrack (Ohrwurmgarantie!) setzen ein, während immer näher an das Gesicht der Frau herangezoomt wird. Ein herausragender Start in die Farb-Ära. Leider kann der Rest des Films nicht das halten, was diese ersten Momente versprechen.

Denn dafür, dass man sich diesmal vergleichsweise viel Zeit ließ (zwischen Start des "Mönchs" und des "Buckligen" liegen fast neun Monate), wirkt das Endprodukt an vielen Stellen ungewohnt schlampig. Ob die billigen Kulissen (insbesondere "Waschkeller") oder die extrem plötzliche Explosion des Wagens (da vorher keine Szene von Stoll und Levka im Wagen gezeigt wird, weiß man erstmal gar nicht, wer überhaupt im Auto sitzt) - solche Schwächen in dieser geballten Form sind dem geneigten Wallace-Freund doch einigermaßen neu. Die Szenen in der "Wäscherei" strotzen zudem nur so vor verschämten Andeutungen und Verklemmtheit, dass sie bei heutiger Begutachtung Unbehagen auslösen. Die Momente, in denen Schürenberg, von Meyerinck und Windeck vereint sind, bewegen sich im Übrigen gefährlich nahe an jenem Klamauk, der schon sehr bald im bundesdeutschen Kino Einzug halten sollte. Generell fällt auf, dass man sich an "Hexer" und "Zinker" orientierte ("Mädchenheim", Teestunden mit Agnes Windeck...). Bei Ilse Pagé muss sich der Betrachter darüber hinaus ernstlich fragen, warum man unter all den jungen Damen ausgerechnet sie für die Rolle der Miss Finley auswählte, da sie im Vergleich zu ihren Kolleginnen weder durch Optik noch durch übermäßiges schauspielerisches Können heraussticht. Last but not least bleibt die Titelgestalt bis auf die Eingangssequenz einigermaßen wirkungslos.

Aber es gibt auch weitere positive Aspekte. Günther Stoll und Monika Peitsch bieten in den Hauptrollen eine willkommene Abwechslung. Schien man von den Star-Qualitäten Stolls ob seiner relativ geringen Präsenz auch nicht restlos überzeugt zu sein, gelang es diesem gleichwohl, die ihm eingeräumte Zeit ansprechend auszufüllen. Er legt den Part ganz anders an als beispielsweise Fuchsberger, so zeigt er etwa kaum privates Interesse an den zu beschützenden Damen. Zurückhaltend, dabei aber mit natürlicher Coolness - schade, dass Stoll zunächst links liegen gelassen wurde. Schürenbergs Screentime scheint dagegen von Filmzu Film zuzunehmen. Höhepunkt von humoristischer Warte ist die herrliche Pressekonferenz, die Sir John zu Anfang abhält und dabei ein ganz anderes Ende nimmt als von ihm gewünscht. Pinkas Braun ist mit seiner Persönlichkeit stets ein Gewinn, Joachim Teege gewinnt zumindest das Duell der überzeichneten Juristen-Figuren gegen Eddi Arent ("Gruft"). An Arent scheinen sich offenbar - ähnlich wie am Film in seiner Gesamtheit - die Geister zu scheiden. Mir persönlich gefällt sein Auftritt besser als im "Dreieck", gegenüber einigen überzogenen Darstellungen aus der Vergangenheit würde ich die vorliegende ebenfalls vorziehen. Immerhin darf er mal unterschiedliche Facetten seines durchaus vorhandenen schauspielerischen Könnens zur Schau stellen. Bei den jungen Damen wissen schließlich Susanne Hsiao und Suzanne Roquette zu gefallen, eher überfordert ist hingegen Uta Levka.

Man merkt dem Drehbuch an, dass es ordentlich "Recycling" betreibt und vermutlich einigermaßen hektisch umgeschrieben wurde. Die Wandlung des Täters am Ende hätte man noch etwas mehr ausbreiten müssen, so bleiben durchaus Zweifel an der Glaubwürdigkeit bestehen, verhält sich die betreffende Person vorher doch nicht gerade so, als wäre sie in der Lage, Leute wie Braun in Schach zu halten. In besten Momenten fallen die zahlreichen Mängel angesichts des hohen Tempos kaum auf. Wenn dann noch die Thomas-Sounds einsetzen, ist man dem Film vorübergehend richtiggehend zugeneigt. In Sachen Inszenierung/Kameraarbeit fällt allerdings auf, dass man noch nicht recht mit dem neuen "Medium" umzugehen wusste. Der Film wirkt an manchen Stellen wie ein nachcolorierter Schwarzweiß-Film. In anderen Momenten wiederum übertreibt man es mit der Farbgebung. Alles noch nicht recht ausbalanciert, was sinnbildlich für den ganzen Film steht. Insgesamt kein wirklich gelungener Start in die Farb-Ära, qualitativ findet sich der Film bis dato ziemlich am unteren Ende wieder, wenngleich der Film mir diesmal einen Ticken besser gefallen hat als sonst.


Der Start in die Farb-Ära ist tendenziell als "misslungen" zu bezeichnen. Zwar stehen eine exzellente Eröffnungssequenz, ein formidabler Soundtrack und ein durch hohes Tempo überzeugender Unterhaltungswert auf der Habenseite. Diese positiven Aspekte können die vielen negativen Punkte (billige Kulissen, verklemmte Sexualmoral, holpriger Schnitt, amateurhafte Auto-Explosion, weitgehend wirkungslose Titelfigur) jedoch nur bedingt ausgleichen. Wackelige 3,5 von 5 Punkten.

greaves Offline




Beiträge: 521

08.10.2016 22:58
#214 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Wie ich schon in einer vorherigen Filmbewertung geschrieben habe,hätte ich gerne z.b diesen Film als HEXER 66 gesehen.Fast mit den selben Schauspielern aber eben als 3.Teil des Hexers.

Nun ja,was da Alfred Vohrer uns hier aus meiner Sicht zeigt,ist nicht besonders gut und auch nicht besonders schlecht.Den Drehort Spandauer Zitadelle als Schloss Castlewood auszuwählen finde ich einwenig fehlbesetzt.Da hätte man sicher noch andere tolle Villen oder ähnliches in West Berlin gefunden.Auch die Figur des Buckligen hätte man irgendwie anders rüber bringen können.
Die Location mit dem Casinoclub mit dem geheimen Raum hinter dem Spiegel für die Bösewichte finde ich wieder als gelungen.
Als Inspektor hätte ich gerne einen anderen als Günther Stoll hier gesehen.Gisela Uhlen,Eddi Arent,Agnes Windeck,Monika Peitsch und vorallem PINKAS BRAUN gefallen mir gut und passen gut in diesen Streifen.Joachim Teege hätte von mir aus ,aus einem Wallace Film ganz streichen können und mehr in den Lümmelfilmen auftreten lassen.
Wenn dieser Bucklige von Soho Film noch in s/w gedreht wurde,hätte in meinen Augen das noch ein toller Film werden können

Lord Low Offline




Beiträge: 652

09.10.2016 01:27
#215 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #213
Bei Ilse Pagé muss sich der Betrachter darüber hinaus ernstlich fragen, warum man unter all den jungen Damen ausgerechnet sie für die Rolle der Miss Finley auswählte, da sie im Vergleich zu ihren Kolleginnen weder durch Optik noch durch übermäßiges schauspielerisches Können heraussticht.


Als Miss Finley hat Pagé super gepasst, obwohl natürlich auch Ann Savo perfekt war. Ihre Rollen waren jedoch komplett verschieden angelegt.


Zitat von Ray im Beitrag #213


Günther Stoll und Monika Peitsch bieten in den Hauptrollen eine willkommene Abwechslung.


Obwohl mir Stoll und Peitsch hier früher sehr gut gefallen haben, kann ich ihren Darstellungen mit jeder Sichtung weniger abgewinnen. Statt Stoll hätte mir hier Harald Leipnitz besser gefallen. Wenn man den Film wie geplant als dritten "Hexer" umgesetzt hätte, dann wäre vermutlich Heinz Drache wieder zum Zug gekommen, was auch sehr gut gepasst hätte. Trotzdem sind Stoll und Peitsch immer noch klar besser als die späteren Wallace-Stars Tappert und Glas.

Zitat von Ray im Beitrag #213
Höhepunkt von humoristischer Warte ist die herrliche Pressekonferenz, die Sir John zu Anfang abhält und dabei ein ganz anderes Ende nimmt als von ihm gewünscht.


Gerade diese PK ist eine der Szenen, die mir im Film am wenigsten gefällt.


Zitat von Ray im Beitrag #213
Pinkas Braun ist mit seiner Persönlichkeit stets ein Gewinn (...). An Arent scheinen sich offenbar - ähnlich wie am Film in seiner Gesamtheit - die Geister zu scheiden. Mir persönlich gefällt sein Auftritt besser als im "Dreieck", gegenüber einigen überzogenen Darstellungen aus der Vergangenheit würde ich die vorliegende ebenfalls vorziehen. Immerhin darf er mal unterschiedliche Facetten seines durchaus vorhandenen schauspielerischen Könnens zur Schau stellen.


Für mich sind Arent und Braun hier das perfekte Gangster-Duo. Von Meyerinck hätte es da eigentlich gar nicht mehr gebraucht.

Zitat von Ray im Beitrag #213
Bei den jungen Damen wissen schließlich Susanne Hsiao und Suzanne Roquette zu gefallen, eher überfordert ist hingegen Uta Levka.


Auch Levka findet ich ganz toll in ihrer Rolle, wenn auch nicht ganz so gut wie im "Mönch".

Zitat von Ray im Beitrag #213


Der Start in die Farb-Ära ist tendenziell als "misslungen" zu bezeichnen. Zwar stehen eine exzellente Eröffnungssequenz, ein formidabler Soundtrack und ein durch hohes Tempo überzeugender Unterhaltungswert auf der Habenseite. Diese positiven Aspekte können die vielen negativen Punkte (billige Kulissen, verklemmte Sexualmoral, holpriger Schnitt, amateurhafte Auto-Explosion, weitgehend wirkungslose Titelfigur) jedoch nur bedingt ausgleichen. Wackelige 3,5 von 5 Punkten.


Der Film hat zwar ohne Zweifel ein paar Mängel. Trotzdem gehört er für mich wegen der Musik und den sehr guten Darstellern (Braun, Arent, Roquette, aber auch Bessler und Schürenberg) klar in die obere Hälfte der Wallace-Filme.

Jan Online




Beiträge: 1.427

09.10.2016 14:22
#216 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Der Bucklige gehört auch zu meinen Lieblingen. Das Buch ist zwar einigermaßen einfallslos und hinsichtlich des Plots nicht sonderlich überzeugend geraten; was Alfred Vohrer jedoch daraus gemacht hat, kann sich m.E. wirklich sehen lassen und bietet an vielen Stellen eben das, was ich mir unter einer Inszenierung mit viel ironischem Geschick vorstelle. Da führt eine Frau einen Hasen an der Leine durch das Hotel oder es liegt in der Leichenhalle eine nackte Frau kopfüber mit heraushängenden Beinen in einer Art Badewanne. Das ist ebenso wenig ernst gemeint wie der wild blinkende Stadtplan von London oder der kurzsichtige Rechtsanwalt Stone, den Joachim Teege übrigens nach meinem Dafürhalten konsequent und herrlich bescheuert verkörpert. Auch konnte ich nie eine verklemmte Sexmoral feststellen; man zeigte eben, was im Jahr 1966 zeigbar war und setzte die hübschen Mädels so berechnend ein, wie es nur eben ging. Der Aufseherin noch deutlichere Züge von Sadismus und Homosexualität zu verpassen, hätte vermutlich den Schnitt der FSK-Schere bedeutet. Rolf Olsen hat etwas Vergleichbares ja in "Rasthaus der grausamen Puppen" inszeniert und sich noch im fertigen Film klar erkennbare Schnitte und verstümmelte Szenen eingehandelt.

Der Film kann es meiner Meinung nach deswegen nie ganz nach oben schaffen, weil ihm leider ein richtiger Hauptdarsteller fehlt. Günther Stoll spielte in "Melissa" und in "Straßenbekanntschaften in St. Pauli" abgesehen vom Buckligen die Hauptrollen und danach dann m.W. auch nie wieder. Zu blass, zu brav, zu gebrechlich, würde ich meinen. Das Strahlende eines Joachim Fuchsberger, das Schneidige eines Heinz Drache oder das Energische eines Harald Leipnitz gingen Stoll leider ab. Eine echte eigene Note als Hauptdarsteller vermag ich bei Günther Stoll nicht zu erkennen. Vielleicht auch konnte Alfred Vohrer mit ihm nicht viel in der Rolle anfangen und verpasste es etwas, Stoll mehr Kante zu verpassen. Interessanterweise war es aber gerade Alfred Vohrer, der in späteren Jahren beim "Derrick" dem in die dritte Reihe gerutschen Günther Stoll noch einmal Profil geben konnte. In Vohrers Episoden (besonders "Hals in der Schlinge") hatte Günther Stoll seine markantesten und auch umfangreichsten Auftritte als Derricks Mitarbeiter Schröder, währenddessen ihn Buch und Regie ansonsten eher links liegen ließen.

Gruß
Jan

Lord Low Offline




Beiträge: 652

09.10.2016 18:18
#217 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #216


Der Film kann es meiner Meinung nach deswegen nie ganz nach oben schaffen, weil ihm leider ein richtiger Hauptdarsteller fehlt.




Das Problem ist hier auch, dass das Drehbuch einen solchen gar nicht vorsieht. Sogar die Rolle von Pinkas Braun wirkt größer als die von Inspektor Hopkins. Die einzige wirkliche Hauptrolle hatte vermutlich Monika Peitsch, aber die konnte den Film leider auch nicht tragen.

Ray Offline



Beiträge: 1.300

09.10.2016 21:10
#218 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #216
Auch konnte ich nie eine verklemmte Sexmoral feststellen; man zeigte eben, was im Jahr 1966 zeigbar war und setzte die hübschen Mädels so berechnend ein, wie es nur eben ging. Der Aufseherin noch deutlichere Züge von Sadismus und Homosexualität zu verpassen, hätte vermutlich den Schnitt der FSK-Schere bedeutet. Rolf Olsen hat etwas Vergleichbares ja in "Rasthaus der grausamen Puppen" inszeniert und sich noch im fertigen Film klar erkennbare Schnitte und verstümmelte Szenen eingehandelt.



Dürfte wieder einmal eine Frage der Perspektive sein. Im Jahr 2016 wirken die genannten Szenen aus meiner Sicht befremdlich. Ist eben auch eine Frage des "Alterns". So gesehen ist der "Bucklige" weniger gut gealtert als viele andere.


Wo oben schon der englische Titel fiel. Der italienische klingt für meine Ohren auch sehr schön: "Il gobbo di Londra"


https://www.amazon.de/gobbo-Londra%C2%A0...gobbo+di+londra


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Jan Online




Beiträge: 1.427

09.10.2016 21:58
#219 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #218
Im Jahr 2016 wirken die genannten Szenen aus meiner Sicht befremdlich.

Weil sie sich nur in Andeutungen ergehen und nichts Deutliches zeigen? Ich bin nicht sicher, ob ich Dich recht verstehe. An den Stellen noch mehr zu zeigen, wäre sicher nicht drin gewesen, und für Wallace-Verhältnisse langt man mit den Ganzkörpernetzteilen (keine Ahnung, wie man sowas korrekt bezeichnet) eigentlich schon ziemlich saftig hin. Klar, heute lockt sowas niemanden mehr hinter dem Ofen hervor und man mag schmunzeln ob der gebotenen Zurückhaltung. Aber verklemmt?

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 1.300

09.10.2016 22:20
#220 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Manche Szenen wirken aus heutiger Sicht einfach sinnlos: Die "Oberin" weist die jungen Damen ein wenig ruppig zurecht und Ilse Pagé reißt sich die Bluse auf und fragt nach irgendwelchen Neigungen. Das ist in meinen Augen plumpe Effekthascherei ohne jedwede innere Berechtigung.

Ähnliches gilt für die "Duschszene". Ob das damals eine erotische Wirkung hatte, kann ich nicht beurteilen. Aber aus heutiger Sicht sind solche Szenen überflüssig und stören meiner Meinung nach das Sehvergnügen.

Da schneiden Filme, in denen man derartige Elemente ganz wegließ oder mit mehr Gefühl und nicht mit der Brechstange präsentierte (z. B. Duschszene in "Der Hexer"), insoweit einfach deutlich besser ab.

Jan Online




Beiträge: 1.427

10.10.2016 11:10
#221 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Ja, das ist natürlich alles reine Berechnung, man beabsichtigte neben Grusel, Krimi und Komödie halt auch noch den Sex aufzunehmen. Wenn ich nicht irre, findet sich die Duschszene sogar auf dem Plakat zum Film abgedruckt. Ich denke schon, dass dies damals einige Kinogänger mehr in die Lichtspielhäuser gebracht haben dürfte, man war ja diesbezüglich bei weitem nicht so "versorgt", wie das heute der Fall ist. Insofern ist es aus heutiger Sicht schon eher verhalten, was da gezeigt wird. Letztlich gilt das aber für mich auch für alle übrigen Komponenten der Filme. Weder das Humorverständnis noch die Gruseleffekte mögen so recht in die heutige Zeit passen - mit ein Grund, warum die 1990er Verfilmungen bisweilen so deplatziert daher kamen. Die Originale sind halt 50 Jahre alt...

Gruß
Jan

Lord Low Offline




Beiträge: 652

10.10.2016 11:34
#222 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #221
mit ein Grund, warum die 1990er Verfilmungen bisweilen so deplatziert daher kamen.


Das hat andere Gründe. Die sind einfach sehr billig gemacht.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.247

10.10.2016 12:28
#223 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Eigentlich ist der Bucklige einer der trashigsten Filme der Reihe, aber in irgendeiner Art funktioniert er dennoch. Da muss es also auch Stärken geben. Trotz aller plakativen Elemente, über die man heute teilweise lieber den Mantel des Schweigens deckt, ist es dennoch ein solider Ensemblefilm. Ich würde sagen, Cast und Tempo reißen die sonstige Machart einigermaßen raus.

Jan Online




Beiträge: 1.427

10.10.2016 12:30
#224 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Zitat von Lord Low im Beitrag #222
Zitat von Jan im Beitrag #221
mit ein Grund, warum die 1990er Verfilmungen bisweilen so deplatziert daher kamen.


Das hat andere Gründe. Die sind einfach sehr billig gemacht.


Sehe ich nicht per se so. Die Filme von Peter Keglevic sind handwerklich durchaus in Ordnung bzw. stehen den Originalen in kaum etwas nach. Vielmehr hatte man verpasst, eine eigene und zeitgemäße Note zu realisieren. Anstatt dessen wurde der Stil kopiert und das funktionierte eben zur Mitte der 1990er Jahre nicht mehr.

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 1.300

10.10.2016 19:52
#225 RE: Bewertet: "Der Bucklige von Soho" (1966, 21) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #221
Ja, das ist natürlich alles reine Berechnung, man beabsichtigte neben Grusel, Krimi und Komödie halt auch noch den Sex aufzunehmen. Wenn ich nicht irre, findet sich die Duschszene sogar auf dem Plakat zum Film abgedruckt. Ich denke schon, dass dies damals einige Kinogänger mehr in die Lichtspielhäuser gebracht haben dürfte, man war ja diesbezüglich bei weitem nicht so "versorgt", wie das heute der Fall ist. Insofern ist es aus heutiger Sicht schon eher verhalten, was da gezeigt wird. Letztlich gilt das aber für mich auch für alle übrigen Komponenten der Filme. Weder das Humorverständnis noch die Gruseleffekte mögen so recht in die heutige Zeit passen - mit ein Grund, warum die 1990er Verfilmungen bisweilen so deplatziert daher kamen. Die Originale sind halt 50 Jahre alt...

Gruß
Jan



Um Missverständnissen vorzubeugen: mich stört nicht, dass "zu wenig" gezeigt wird, sondern wie dieses bisschen breitgetreten wird und wie "billig" es präsentiert wird.

Dass die übrigen Komponenten heute auch nicht mehr zeitgemäß wirken, ist natürlich richtig. Nur kann ich bei Action-, Spannung- und Humorszenen in aller Regel darüber hinwegsehen, wenn sie nicht - wie hier z.B. die Auto-Explosion - schon aus damaliger Sicht dilletantisch bzw. altbacken waren. Action, Spannung und Humor gehören bei Wallace nunmal zu den unverzichtbaren Zutaten, weil sie die Stärken der Filme repräsentieren. In Sachen "Sex" gilt jedoch in meinen Augen das ziemliche Gegenteil, so dass derartige wie die hier gezeigten Szenen schlichtweg überflüssig sind.

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