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Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

05.11.2010 16:02
#136 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Zitat von Thomas Fortuna
Mit dem Roman hat der Film wenig zu tun allerdings ist dieser Stoff auch eher schwach.


Das ist Ansichtssache. Interessant ist schon, dass er als Original-Stoff mehrmals verfilmt wurde, was man ja von anderen Romanen wie z.B. "Der schwarze Abt" nicht behaupten kann.

Joachim.
*Filme und Bücher werden niemals alt!*

Der Schwede Offline



Beiträge: 24

09.11.2010 15:35
#137 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

“Das indische Tuch” ist immer eine Enttäuschung für mich gewesen, weil das Original mein Lieblingswallace ist. Anstatt die Wallaceischen Originaldialoge hat man eine blasse Kopie von Agatha Christie konstruiert. Es ist wahr, dass das Schauspiel (Wallace hat es später zum Roman umgeschrieben) für ihn ganz atypisch ist, es handelt sich hier nicht mehr um mysteriöse Gangsterbande oder Meisterverbrecher mit phantasievollen Namen. Vielleicht gerade deshalb scheint es das einzige seiner Stücke zu sein, das heute noch ab und zu gespielt wird, und das obwohl es verhältnisweise viele Schauspieler bedarf und nur zwei weibliche Rollen hat.

Das Stück (sein vorletztes) war einer Art „Comeback“, da seine vorherige Stücke entweder Flops (The Mouthpiece, The Lad, Charles III – übrigens eine Bearbeitung von Curt Goetz „Der Lügner und die Nonne“) oder nur mäßige Erfolge (Smoky Cell, The Old Man, Persons Unknown) waren.

Die Uraufführung erfolgte am 18. August 1931 im Wyndham’s Theatre (sein bevorzugtes Theater) unter der Regie von Wallace selbst und wurde ein großer Erfolg (191 Vorstellungen). Wie die meisten Erfolgsstücke zur Zeit des frühen Tonfilms wurde es von der Filmbranche aufgeschnappt (Uraufführung im März 1932). Von den Schauspielern der Originalbesetzung wurden acht für den Film engagiert, unter ihnen die Darsteller von Lord und Lady Lebanon, Emlyn Williams und Cathleen Nesbitt (Lady Emberday in „Das Geheimnis der weißen Nonne“). Williams wiederholte die Rolle auf Broadway 1932 (161 Vorstellungen) und Nesbitt in der ersten Fernsehaufführung 1938. In den USA wurde es mindestens zweimal im Fernsehen aufgeführt, 1948 und 1953 mit Basil Rathbone (Sherlock Holmes) als Lord Lebanon.

Im Juni 1940 wurde die zweite britische Filmversion uraufgeführt. (Sie ist mittlerweile auf DVD erscheinen.) Es ist schwer zu sagen, falls die erste Version noch erhalten ist. Britische Filme der frühen dreißiger Jahre schlummern fast alle im Archiv, es kann auch sein, der Film wurde sogar vor der Aufführung des Remakes zerstört, solche Dinge kamen damals vor. Der Französische Film aus dem Jahr 1933 scheint aber definitiv verschwunden zu sein. Übrigens glaube ich, dass dies eine rein französische Produktion gewesen zu sein, keine Sprachversion des englischen Films wie im Falle der französischen Version vom „Hexer“ (Le jugement du minuit, 1932, Original: The Ringer 1931)

Im Internet Movie Database habe ich auch eine italienische Fernsehversion aus dem Jahr 1971 gefunden. Das letzte Mal, dass das Stück für das Fernsehen bearbeitet wurde war 1983, vor einiger Zeit habe ich eine Aufzeichnung davon bekommen, was für mich ganz erfreulich war, denn gerade diese Produktion hat damals mein Interesse für Wallace geweckt.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.401

09.11.2010 20:35
#138 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Gibt's auch ausländische Produktionen mit deutscher Synchronisation?

Apfelmus Offline



Beiträge: 2

16.11.2010 13:42
#139 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Mir hat »Das indische Tuch« immer schon sehr gut gefallen und ist auch einer meiner Lieblingsfilme aus der Wallace-Reihe. Das Buch habe ich nicht gelesen, kann also deshalb nichts dazu sagen, aber der Film soll nicht gerade nah am Buch sein.

Ich denke aber, dass Alfred Vohrer hier einen sehr guten und auch spannenden Film mit sehr guter Besetzung und toller Atmosphäre liefert. Heinz Drache, Elisabeth Flickenschildt und Hans Clarin sind in Topform, aber besonders Eddi Arent und Klaus Kinski gefallen mir in diesem Wallace.

Mir gefällt das Grundkonzept des Filmes sehr gut, eine Reihe von Menschen, die irgendwo festsitzt und die alle nacheinander umgebracht werden. Ich mochte das Konzept bereits bei »Ten Little Niggers« sehr und auch dieser Film ist ein gutes Beispiel dafür.

Für mich ganz klar 10/10 Punkten.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.335

07.07.2011 09:01
#140 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Dieser Film war mein Einstieg in die Wallace-Welt: irgendwann Mitte der 90er, wir waren gerade umgezogen und erstmals mit dem Segen von Satellitenschüssel und somit mehr als die doch retrospektiv sehr sehenswerten „drei Programmen“ ausgestattet (allerdings würden mir aus heutiger Sicht die vielen vorher „unsichtbaren Dritten“ doch sehr fehlen *gg*).

Wie auch immer, am ersten Abend im neuen Haus blieben wir beim Zappen bei Kabel 1 hängen, und da lief dann das indische Tuch (der „Einstieg“ dürfte nach meiner verschwommenen Erinnerung so kurz vor der Ermordung von Mr. Tilling gewesen sein). Tja, in der festen Überzeugung es handele sich um eine Agatha Christie Verfilmung verfolgten wir das Bildschirmgeschehen zunehmend gebannter (wie es der Zufall so will war just mein Einstieg zu Christie kurz zuvor ein alter Band mit der „10 kleinen Negerlein“-Geschichte veröffentlicht unter dem Titel „Letztes Weekend“)… Welch Erstaunen, als sich herausstellte, dass es sich hier um einen „waschechten“ Wallace-Film handelte und wie irre groß die Freude, als sich herausstellte, dass auf dem selben Sendeplatz weitere Filme dieser Art folgen würden.

Als nächstes (und somit als ersten komplett und bewusst genossenen und im Vorfeld darauf hingefieberten Wallace-Film) folgte dann meiner Erinnerung nach „Der grüne Bogenschütze“, ein Film für den ich immer noch eine große Schwäche habe, und ihn wohl in meiner subjektiven Wertung sehr hoch einstufe. Unglaublich betörend und irgendwie prägend waren für mich damals die Auftritte von Kinski im Tuch (vor allem das zerdrückte Glas beeindruckte mich) und Fröbe im Bogenschütze.
Tja, der Rest ist Geschichte, beginnend mit ausgeschnittenen Bildern aus Programm-zeitschriften und ersten Beurteilungen und Wertungsversuchen und resultierend in einer Sammlung von Wallace-Büchern und sonstigen Krimis und einer wachsenden DVD-Krimisammlung.

Dem indischen Tuch wurde seine Pionierleistung in Sachen Wallace bei mir zu einer etwa zweischneidigen Angelegenheit, einerseits rechne ich dem Film das doch irgendwie positiv an, andererseits hielt mich das Ganze auch etwas ab, denn Film wirklich öfter wiederzusehen, was vielleicht auch an der Art Geschichte liegen mag, die er erzählt, und die man eben relativ schnell intus hat und zur Genüge zu kennen glaubt.

Jetzt beim erneuten Wiedersehen also nur ein paar Bemerkungen von mir:

Ich finde, der Humor ist in diesem Film sehr prägnant und überhaupt nicht verfehlt. Eine Stärke der Wallace-Filme war immer auch, sich selbst nicht zu Ernst zu nehmen, und dies treibt dieser Film teilweise schon selbstparodistisch (aber immer noch geschmackvoll und atmosphärisch!) auf eine neue und in dieser Form sonst selten erreichte Höhe. Würde irgendetwas von diesem Klamauk (und ich finde nicht, dass dieses Wort per se etwas negatives hat!) erklärt, zum Beispiel mit telekinetischen Fähigkeiten Arents o. ä., dann empfände ich es allerdings als sehr peinlich. So aber: die Gags zünden punktgenau und ich habe auch an dem Ende (abgesehen von dem kleinen Schönheitsfehler der falschen Stimme am Telefon) wirklich gar nichts auszusetzen, im Gegenteil finde ich es runder und gelungener als viele andere.

Das Schauspielerensemble ist so hochkarätig wie nur geht, tatsächlich bin ich aber auch der Meinung, dass viele Darsteller in anderen Rollen und Filmen noch wesentlich besser zur Geltung kamen, und tatsächlich einige Schauspieler (v. a. Schürenberg, Häussler, Uhlen) eher ihre übliche „Masche“ abspulen ohne wirklich auf die „Extremsituation“, in der sie sich befinden, einzugehen. Daher muss man in Sachen Spannung schon an der einen oder anderen Stelle Abstriche machen.

Der „Schauplatz“ ist schon in Ordnung, man hat zwar schon beeindruckendere Innenräume gesehen, aber die Beleuchtung leistet Gutes und ein Blick aus den Fenstern lohnt wirklich *immer* (es ist wirklich toll, wie man sich da ins Zeug gelegt hat, in Sachen „Unwetter in die Zuschauerherzen transponieren“!). Auch die Sache mit der Leinwand zu Beginn und Ende finde ich gelungen und trägt sehr zur Atmosphäre bei.

Tja, und die Geschichte: ich ziehe zwar auch insgesamt gesehen die „herkömmlicheren“ Wallace-Stories vor und die Idee in Christies Original zur „Verschleierung“ des Mörders ist sicher genialer, ich bin aber gar nicht böse, dass man hier einen anderen Weg geht und so gerade auch aufgrund der omnipräsenten Musik doch dem Film einen ganz eigenen Stempel aufdrückt und roten Faden gibt…auch wenn ich abgesehen von den klassischen Stücken die eigentliche Filmmusik als ziemlich belanglos einstufe.


Kurz und gut: der Film hat Stärken und Schwächen, man kann ihn aber aufgrund seiner Stringenz und Kompaktheit sehr gut genießen, da eigentlich keine seiner 83 Handlungsminuten verschwendet wird und immer noch zumindest ein kleiner Gag (der Staub aus dem Telefon am Ende z. B.) drin ist. Und mit dieser Gagdichte und Selbstironie setzt der Film doch deutliche Zeichen…ohne dass die Spannung und Glaubwürdigkeit des Filmes deswegen ernsthaft leiden müssen.
Eine nette Abweichung (aber nicht so genial und essentiell für mich wie die anderen Wallace-„Ausreißer“) und gleichzeitig stilbildender Film (was Humor und Selbstverständnis der Filme angeht) innerhalb der Wallace Reihe.

Für mich über dem Durchschnitt, aber noch nicht im Wallace-Olymp.

Cora Ann Milton Offline



Beiträge: 5.110

01.10.2011 16:03
#141 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Zitat von Mr Keeney


Ich finde, der Humor ist in diesem Film sehr prägnant und überhaupt nicht verfehlt. Eine Stärke der Wallace-Filme war immer auch, sich selbst nicht zu Ernst zu nehmen, und dies treibt dieser Film teilweise schon selbstparodistisch (aber immer noch geschmackvoll und atmosphärisch!) auf eine neue und in dieser Form sonst selten erreichte Höhe. Würde irgendetwas von diesem Klamauk (und ich finde nicht, dass dieses Wort per se etwas negatives hat!) erklärt, zum Beispiel mit telekinetischen Fähigkeiten Arents o. ä., dann empfände ich es allerdings als sehr peinlich. So aber: die Gags zünden punktgenau und ich habe auch an dem Ende (abgesehen von dem kleinen Schönheitsfehler der falschen Stimme am Telefon) wirklich gar nichts auszusetzen, im Gegenteil finde ich es runder und gelungener als viele andere.



Dem kann ich nur zustimmen! Ich fand den Film immer schon sehr gelungen. Die Schauspieler sind allesamt ausgezeichnet, wobei Elisabeth Flickenschildt wieder einmal fast nach Belieben die Szenerie dominiert. Hans Clarin, Klaus Kinski und Eddi Arendt sind die Sahnehäubchen obendrauf. Heinz Drache (tut mir leid, ich bin da befangen!) finde ich wieder wunderbar.

Nur der Schluß ist wirklich seltsam. Nicht nur der falsche Inspektor Fuchsberger (der würde ja wohl eher Higgins, Long oder Holt heißen) am Telefon sondern auch dieses merkwürdige Testament. Wenn Lord Lebanon gewußt hat, dass sein Sohn ein irrsinniger Mörder ist, der die ganze Familie ausrotten wird, warum um Himmels Willen hat er ihn dann nicht schon längst in eine Anstalt bringen lassen statt sich von ihm ermorden zu lassen? Und wer vermacht sein gesamtes Vermögen einem Mann, der zum Zeitpunkt des Films bereits über dreißig Jahre tot ist?

Abgesehen davon macht "Das indische Tuch" immer wieder Vergnügen!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.587

01.10.2011 16:15
#142 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Ich könnte mir mehrere Gründe für das Verhalten von Lord Lebanon sen. denken:
Er nahm aufgrund des unkonventionellen Gebahrens seines Sohnes (lebt nur für die Musik, verachtet Geld) an, dass dieser verrückt sei, hatte aber keine Anhaltspunkte, dies medizinisch zu beweisen und hoffte deshalb auf eine Einweisung aufgrund gesellschaftsschädigenden - kriminellen - Verhaltens.
Der alte Lebanon hatte bereits mehrere Herzanfälle hinter sich und nahm seinen Tod deshalb billigend in Kauf. Wenigstens kamen die Dinge - wie er sie sich gewünscht und sie vorausgesehen hat - nun ins Rollen.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

01.10.2011 16:28
#143 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister
Der alte Lebanon hatte bereits mehrere Herzanfälle hinter sich und nahm seinen Tod deshalb billigend in Kauf.


Wenn man dies als Ausgangspunkt nimmt und hinzufügt, dass die Familienmitglieder stark verfeindet waren, dann könnte man argumentieren, dass Lord Lebanon nicht nur auf seinen eigenen Tod, sondern vor allem auf den seiner Verwandten gehofft hat. Die Erbfrage bestätigt das, denn am Ende erbt ein völlig anderer. Das erwachende Interesse für die Verwandtschaft war demnach nur ein Vorwand, um dafür zu sorgen, dass die komplette Familie anwesend ist, um ausgerottet zu werden. In diesem Fall gäbe es ja direkt einen neuen Haupttäter für das "indische Tuch".

Count Villain Offline




Beiträge: 4.318

01.10.2011 22:44
#144 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov
Wenn man dies als Ausgangspunkt nimmt und hinzufügt, dass die Familienmitglieder stark verfeindet waren, dann könnte man argumentieren, dass Lord Lebanon nicht nur auf seinen eigenen Tod, sondern vor allem auf den seiner Verwandten gehofft hat. Die Erbfrage bestätigt das, denn am Ende erbt ein völlig anderer. Das erwachende Interesse für die Verwandtschaft war demnach nur ein Vorwand, um dafür zu sorgen, dass die komplette Familie anwesend ist, um ausgerottet zu werden. In diesem Fall gäbe es ja direkt einen neuen Haupttäter für das "indische Tuch".



Also diese Überlegungen gefallen mir außerordentlich gut!

Und sie machen sogar irgendwie Sinn.

Cora Ann Milton Offline



Beiträge: 5.110

02.10.2011 09:19
#145 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister
Ich könnte mir mehrere Gründe für das Verhalten von Lord Lebanon sen. denken:
Er nahm aufgrund des unkonventionellen Gebahrens seines Sohnes (lebt nur für die Musik, verachtet Geld) an, dass dieser verrückt sei, hatte aber keine Anhaltspunkte, dies medizinisch zu beweisen und hoffte deshalb auf eine Einweisung aufgrund gesellschaftsschädigenden - kriminellen - Verhaltens.
Der alte Lebanon hatte bereits mehrere Herzanfälle hinter sich und nahm seinen Tod deshalb billigend in Kauf. Wenigstens kamen die Dinge - wie er sie sich gewünscht und sie vorausgesehen hat - nun ins Rollen.



Das ist im wahrsten Sinne des Wortes irre! Und von irgendjemandem muß der gute Edward seinen Wahsinn ja auch geerbt haben.

Cora Ann Milton Offline



Beiträge: 5.110

12.11.2011 16:29
#146 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Rechtsanwalt Frank Tanner in “Das indische Tuch”

“Und so unterziehe ich mich denn der ehrenvollen Aufgabe als der von unserem verehrten Lord Francis Percival Lebanon dazu beauftragte Anwalt, das Testament zu eröffnen...”

“Leichen sind nicht erbberechtigt...”

“Tja, meine Herrschaften, soviel steht fest: hier ist ein Mord begangen worden - und zwar auf eine ganz scheußliche Art und Weise. Und da wir leider die Polizei nicht verständigen können, müssen wir den Fall selbst klären. Ich bin zwar kein Kriminalkommissar, aber wenn es Ihnen recht ist, meine Damen und Herren, werde ich es versuchen ..."

Rechtsanwalt Frank Tanner ist ein Gentleman, der über den Dingen steht.
Das wird schon bei seinem ersten Auftritt deutlich, als nach dem Verlesen des “vorletzten Willens” von Lord Lebanon unter den potentiellen Erben ein Streit entbrennt und er völlig gelassen bleibt und lediglich der schönen Isla Harris verschwörerisch zuzwinkert.

Einige Zeit darauf wird Frank Tanner der jungen Frau einen diskreten Besuch abstatten und ihr mit dem größtem Vergnügen beim Auskleiden zuschauen.
Noch später wird er ihr das Angebot unterbreiten, von jetzt an bei ihm zu schlafen, was sie als wohlerzogene Dame natürlich entrüstet zurückweist. Dabei geht es ihm in erster Linie darum, ihr Leben zu retten, denn in sein Zimmer führt - im Gegensatz zu ihrem - kein Geheimgang, durch den der Mörder gelangen könnte.

Selbstsicher, elegant und kultiviert in Auftreten und Timbre gibt Frank Tanner das Idealbild eines Gentleman. Nur in Ausnahmefällen vergißt er seine gute Erziehung und ist dann fähig, den treuen Butler mit einem gebrüllten “Raus, Bonwit!” zu erzürnen.

Des öfteren zeigt sich seine Neigung zur Ironie zum Beispiel in Gesprächen mit Mr. und Mrs. Tilling, Peter Ross, Richard Maria Bonwit und Isla Harris.

Risiken scheut Frank Tanner in keiner Weise.
So versucht er im Angesicht von Mr. Tillings Revolver, dennoch den Waffenschrank zu öffnen und sich gegen den Mann aus Übersee zur Wehr zu setzten. Butler Bonwit spricht sicher nicht ganz zu unrecht von Tollkühnheit.
Auch im Zweikampf mit Peter Ross im Verlies scheut der doch wohl eher an eine Tätigkeit am Schreibtisch gewöhnte Anwalt keine handfeste Auseinandersetzung.
Um zu überprüfen, ob man das von einem Sturm umtoste Schloß verlassen könne, begibt sich Frank Tanner nach draußen, obwohl dort nichts als Sumpf und Moor sind. Lady Lebanon meint, er habe damit sein Leben in Gefahr gebracht.

Über Frank Tanners kriminalistische Qualitäten hingegen muß man wohl ein ziemlich negatives Urteil fällen.
Natürlich ist er Rechtsanwalt und kein Inspektor von Scotland Yard, dennoch ist es schon etwas besorgniserregend, dass er mit schöner Regelmäßigkeit die zwar glaubhaftesten Theorien bezüglich der auf Schloß Marks Priory grassierenden Mordserie äußert, sich jedoch stets dabei im Irrtum befindet - so methodisch er auch vorgehen mag.

Allerdings wäre bei einer erfolgreicherer Ermittlungstätigkeit von Frank Tanner dieser wunderbar gelungene Film viel zu früh zu Ende gewesen...

ramiro73 Offline




Beiträge: 15

15.01.2012 00:38
#147 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Mein allerster Wallace im Kurtheater in Rastenberg (Thüringen)-War damals 8 Jahre alt und war total fasziniert von diesem Film. War da gerad 8 Jahre und hatte ein gutes Verhältnis zu unserem Vorführer. Er hat mich auch fürs Kinogeschäft geprägt. Es war damals ein unheimlicher und absolut spannender Film, der bis heute zu meinen Lieblingsfilmen gehört. Ausfürlicher Bericht folgt.

Georg Offline




Beiträge: 3.115

22.05.2012 21:10
#148 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Man nehme eine Geschichte basierend auf Agatha Christie, ein Mordwerkzeug von Francis Durbridge samt dessen Ermittler und fertig ist der neue Wallace. Das indische Tuch ist sicherlich eine der besseren Produktionen, unterhaltsam, mit schwarzem Humor und spannend. Die Schauspieler sind gut gelaunt, Eddi Arent gibt ein Glanzstück als Butler ab (saukomisch!), Hans Clarin ist wunderbar als Muttersöhnchen und Heinz Drache als Ermittler ist souverän wie eh und je. Heute habe ich mir gedacht, dass er als Ermittler teilweise viel bestimmter wirkte als Fuchsberger.
Der Faux pas, dass niemand, der erwürgt wird auch noch laut schreien kann (so wie es fast alle Mordopfer tun), sei Regisseur Vohrer verziehen, der hier eine solide Arbeit abliefert und auch wieder Mal seine Liebe zu Spinnen und Co. spüren lässt.
Solide Krimiunterhaltung nach altbewährtem, hundert Mal gesehenem Konzept!

Count Villain Offline




Beiträge: 4.318

24.05.2012 16:35
#149 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Zitat von Georg
Man nehme eine Geschichte basierend auf Agatha Christie, ein Mordwerkzeug von Francis Durbridge samt dessen Ermittler und fertig ist der neue Wallace.



Man wollte mit der Besetzung mit Drache sicher Assoziationen zu dem erfolgreichen Durbridge-Straßenfeger wecken, aber das Mordwerkzeug ist trotzdem eines der wenigen Dinge, die man aus dem zugrundeliegenden Wallace-Roman übernommen hat (neben einigen Namen und gewissen Figurenkonstellationen).

Georg Offline




Beiträge: 3.115

24.05.2012 18:08
#150 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Zitat
das Mordwerkzeug ist trotzdem eines der wenigen Dinge, die man aus dem zugrundeliegenden Wallace-Roman übernommen hat (neben einigen Namen und gewissen Figurenkonstellationen

Ja, klar, das weiß ich natürlich. Leider hat mich der Roman damals ziemlich enttäuscht, weil ich vom Film her mir etwas ganz anderes erwartet hatte.

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