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Dieses Thema hat 221 Antworten
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Peter Offline




Beiträge: 2.866

27.09.2016 09:16
#196 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Zitat von Humphrey Connery im Beitrag #195
Vorwerg ist doch Lord Curtain im Hexer 2, oder?

Ja, klar. Ob und wie er stimmlich nachbehandelt wurde, weiß ich allerdings auch nicht. Er sagt hier ja fast nichts.

Jan Offline




Beiträge: 1.510

27.09.2016 09:32
#197 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Zitat von Humphrey Connery im Beitrag #195
Zitat von Jan im Beitrag #187
Äh, der Wilhelm Vorwerg ist aber doch wohl in allen Filmen fremdsynchronisiert worden. Im Tuch und in den beiden Mönchen definitiv, sogar von durchaus bekannten Synchronstimmen. Im Hexer weiß ich nun nicht, im Hexer 2 wüsste ich aus dem Kopf gar nicht, wo er überhaupt auftaucht.

Gruß
Jan

Vorwerg ist doch Lord Curtain im Hexer 2, oder?

Ja, richtig. Außer einem "Verdammt!" kommt aber nur wenig aus seinem Mund.

@Lord Low : Sofern von Interesse, würden sich Anfragen im Synchronforum anbieten zu den einzelnen Stimmen.

Gruß
Jan

Lord Low Offline




Beiträge: 676

27.09.2016 10:53
#198 RE: RE:Bewertet: "Das indische Tuch" (14) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #197


@Lord Low : Sofern von Interesse, würden sich Anfragen im Synchronforum anbieten zu den einzelnen Stimmen.

Gruß
Jan


Sind schon erfolgt.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

23.02.2019 08:45
#199 Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten



Edgar Wallace: Das indische Tuch

„Da waren’s nur noch neun“, mag man in numerisch absteigender Reihenfolge ausrufen, wenn man „Das indische Tuch“ sieht und die potenziellen Erben des Lebanon-Vermögens einer nach dem anderen – ganz gepflegt mit indischen Seidentüchern – den Hals umgedreht bekommen. Unter Alfred Vohrers Regie und der Drehbuchmitarbeit des nicht minder erfahrenen Harald G. Petersson wurde hier ein Edgar-Wallace-Roman zu einem unverhohlenen Agatha-Christie-Spin-off umgearbeitet.

Ist die Formel der todgeweihten Verwandten auf dem sturmumtobten Schloss für euch die ideale Voraussetzung für einen wohligen Krimi (egal ob Wallace oder Christie) oder hättet ihr euch für diesen Film etwas mehr Ernst und Originaltreue gewünscht?

Links:

Platzierung im Edgar-Wallace-Filmgrandprix 2014: Platz 8 von 36 (81,23 %)

Uli1972 Offline



Beiträge: 42

23.02.2019 11:26
#200 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

"Das indische Tuch". Naja, was soll man von diesem Film halten. Es sollte wohl mehr ein Unterhaltungsfilm als ein Krimi werden. Denn ernst nehmen kann ich ihn zu keinem Zeitpunkt und das ist wohl auch so gewoĺlt. Leider ist er doch arg klamaukig. Die Darsteller reissen es auch nicht raus. Flickenschildt war schon überzeugender, Schürenberg und die anderen Wallace-erprobten Darsteĺler spulen ihr übliches Programm ab. Und über Hans Clarin als Psycho kann ich einfach nur lachen. Total over the top - einfach schlecht.
Nach dem Bogenschützen und der Schlange der schwächste Wallace der s/w- Ära. 2 von 5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 3.204

23.02.2019 20:00
#201 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Das indische Tuch (1963)



Regie: Alfred Vohrer

Drehzeit: 08.07.1963 - 13.08.1963

Mit: Heinz Drache, Corny Collins, Elisabeth Flickenschildt, Klaus Kinski, Hans Clarin, Hans Nielsen, Gisela Uhlen, Siegfried Schürenberg, Eddi Arent, Richard Häussler, Alexander Engel, Ady Berber, Wilhelm Vorwerg, Eberhard Junkersdorf


Handlung:

Der alte Lord Lebanon wird von einem unbekannten Halstuchmörder erdrosselt. Seine untereinander verstrittenen Erben müssen laut Testament sechs Tage und sechs Nächte gemeinsam in seinem Schloss Marks Priory verbringen, um den Anspruch auf ihren Anteil geltend machen zu können. Welche Herausforderung dies darstellt wird erst deutlich, nachdem nun auf dem durch ein schweres Unwetter abgeschnittenen Herrensitzt einer nach dem anderen auf dieselbe Weise dem Würger zum Opfer fällt, wie ursprünglich der Lord...

Anmerkungen:

"Das indische Tuch" bedient sich des eigentlich von Agatha Christie erdachten Zehn-Kleine-Negerlein-Motivs und hat dadurch mit seiner literarischen Vorlage praktisch nichts mehr gemeinsam. Dies ist allerdings alles andere als ein Nachteil, denn die Geschichte ist für einen guten Wallace-Film wie maßgeschneidert. Das alte Schloss, sein Dekor, die unterirdischen, mit Skeletten garnierten, Katakomben und die klaustrophobische Bedrohung durch den Mörder an dem von der Außenwelt abgeschnittenen Handlungsort sind die allerbesten Voraussetzungen für einen Grusel-Krimi der alten Schule. Alfred Vorher hat es dann auch entsprechend verstanden, daraus wirklich das Beste zu machen und die Reihe mit einem weiteren absoluten Highlight zu bereichern. Die Geschichte spielt sich ausschließlich in dem sehr reizvollen schottischen "Old-School-Ambiente" ab und die zahlreichen Morde unter den gierigen und sich nicht im Übermaß wohlgesonnenen Erben lassen nicht lange auf sich warten. Die Protagonisten müssen rasch erkennen, dass sie in eine Mausefalle geraten sind. Eine sehr spannende Handlung nimmt ihren Lauf.

Bei der Auswahl der Besetzung hat man erneut ein sehr gutes Händchen bewiesen. Hans Clarin darf als klavierspielender und konfliktbeladener Außenseiter und Muttersöhnchen ganz wunderbar in einer Rolle brillieren, die auch Klaus Kinski sehr gut zu Gesichte gestanden hätte. Letzterer darf natürlich auch nicht fehlen und als Peter Ross den Film bereichern. Er liefert sich mit Heinz Drache einige zynische Dialoge, wie die beiden sie bereits im "Rächer" ausgetragen haben. So z.B entgegnet Ross auf Tanners Frage, wo denn die Tücher seien, mit einem sarkastischen und kaltschnäuzigen "Das wird nicht verraten, die brauche ich noch für die Anderen." Abwechslung bringt die Tatsache, dass Drache hier lediglich als Anwalt auftritt, der für die Testamentsvollstreckung zuständig zeichnet, sich aber selbst zum Ermittler erhebt, der mit praktisch allen seinen Verdächtigungen völlig auf den Holzweg gerät und damit sehr limitierte kriminalistische Fähigkeiten demonstriert, die aber nicht im Geringsten an seinem unbeirrbaren Selbstbewusstsein rütteln. Bei der Besetzung der alten Lady Lebanon mit der bewährten Elisabeth Flickenschildt wurde die denkbar beste Option getroffen. Auffallend ist, dass sie bei ihren lediglich drei Auftritten im Rahmen der Reihe ausschließlich in Top-Filmen mitspielen durfte. Nachdem die Geschichte keinen Platz für Sir John bietet, spielt Siegfried Schürenberg eines der Opfer und macht sich in der relativ ernsten Rolle auch ganz angenehm. Allerdings war er in dieser Phase der Wallace-Reihe auch als Scotland-Yard-Chef noch nicht als geistiger Tiefflieger festgelegt.

Wermutstropfen sind lediglich zwei verunglückte humoristische Entgleisungen, nämlich einerseits der Unsinn mit dem selbst fahrende Servierwagen und andererseits die hanebüchene Schlussszene mit den sich von selbst bewegenden Stühlen. Wenigstens trägt Eddi Arent als Butler nicht allzu dick auf und spielt seine Rolle wieder mit etwas dezenterem Humor, womit er sich sehr viel näher am britischen Stil bewegt und nicht so "gequält witzig" wirkt, wie in manch anderer Produktion. Beim musikalischen Titelthema hat sich Peter Thomas etwas sehr schönes und phantasievolles ausgedacht, indem er einfach das vom jungen Lord Lebanon gespielte Stück Klassik in eine moderne und fetzige Interpretation um-vertont, die als weiterer Ohrwurm der Reihe in Erinnerung bleibt.

Fazit:

Das immer wieder gern gesehene "Indische Tuch" bietet praktisch alles, was einen guten Wallace-Film ausmacht und sichert sich damit eine Position unter den absoluten Top-Filmen des Genres, der ohne Weiteres auf dem Podest Platz nehmen darf. Über den geistige Diebstahl bei Agatha Christie darf natürlich hinweggesehen werden, denn der klassische, mit wunderbarem Dekor verzierte, Schauplatz, der heimtückische und mit subjektiver Kamera gefilmte Halstuchmörder und das gelungene "Locked-Room-Mystery" bieten "Old-School-Unterhaltung" vom Feinsten. Der Streifen scheint die Popularität der 1962 so erfolgreich gelaufenen Mini-Serie "Halstuch" mit jener des Christie-Klassikers "Ten Little Indians" zu kreuzen und hat damit voll in's Schwarze getroffen, was ein ganz klares 5 von 5-Punkte-Verdikt meinerseits nach sich zieht. Nachdem die Reihe nun in unmittelbarer Folge gleich zwei Highlights hervorbrachte, darf das Jahr 1963 wohl den Höhepunkt der German-Grusel-Wave markieren, wozu natürlich auch die BEW-Nebenlinie mit seinen ebenfalls ausgesprochen starken Lebenszeichen beitrug. Leider sollte bald der unvermeidliche Qualitätsabfall dämmern, was eine derartige Dichte an Top-Produktionen nicht mehr zulässt. Trotzdem ist es natürlich viel zu früh, den Kopf hängen zu lassen, den auf so manches Schmankerl darf man sich nach wie vor noch freuen.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

23.02.2019 20:15
#202 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten



Edgar Wallace: Das indische Tuch

Kriminalfilm, BRD 1963. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Harald G. Petersson, Georg Hurdalek (Romanvorlage „The Frightened Lady“, 1933: Edgar Wallace). Mit: Heinz Drache (Frank Tanner), Corny Collins (Isla Harris), Elisabeth Flickenschildt (Lady Emily Lebanon), Hans Clarin (Lord Edward Lebanon), Klaus Kinski (Peter Ross), Richard Häußler (Dr. Amersham), Siegfried Schürenberg (Sir Henry Hockbridge), Gisela Uhlen (Mrs. Tilling), Hans Nielsen (Mr. Tilling), Eddi Arent (Richard Maria Bonwit), Ady Berber (Chiko), Alexander Engel (Reverend Hastings), Wilhelm Vorwerg (Lord Francis Percival Lebanon), Eberhard Junkersdorf (Double des Halstuchmörders), Rainer Brandt (Stimme am Telefon) u.a. Uraufführung: 13. September 1963. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Berlin im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Das indische Tuch
Als der Hausherr des Schlosses Marks Priory, der 28. Lord of Lebanon, stirbt – angeblich an einem Herzinfarkt –, wird die geldgierige Verwandtschaft von einem ungewöhnlichen Testament überrascht: Die zerstrittenen Familienmitglieder sollen sechs Tage und Nächte gemeinsam auf dem Schloss ausharren, um die Bekanntgabe des letzten Willens zu erwarten. Zu allem Überfluss geht über dem Schloss ein schwerer Sturm nieder, der jede Kontaktmöglichkeit zur Außenwelt abbricht. Ein schwarzes Schaf nutzt diese Gelegenheit aus, um die potenziellen Erben nacheinander mit indischen Seidentüchern zu erdrosseln und den eigenen Anteil an der Hinterlassenschaft von mehr als einer Million Pfund damit drastisch zu erhöhen. Wie viele Anwesende wird der schnelle Tod treffen, bevor Testamentsverwalter Frank Tanner den Mordfall löst?


„Und wenn einer hier stirbt?“ – „Dann hat er Pech gehabt: Leichen sind nicht erbberechtigt.“

Nach dem Rekordjahr 1961 steht 1963 mit viereinhalb Krimis in Bezug auf die Produktivität der Edgar-Wallace-Reihe an exponierter zweiter Stelle. Die Macher bei der Rialto-Film – zumal ihnen Artur Brauners CCC bereits einen Starttermin im Februar weggeschnappt hatte – mussten folglich im Akkord arbeiten, um den selbstgewählten engen Zeitplan zu erfüllen und den maximalen Profit aus dem gut eingespielten Geschäft mit prickelnder Angst und kreativen Morden zu schlagen. „Das indische Tuch“ ist der erste Wallace-Film, dem man seine Fließband-Entstehung in fast jeder Beziehung anmerkt, und damit ein Wegbereiter für die Art Unterhaltung, die dem erwartungsfrohen Publikum in den kommenden Jahren immer wieder in relativ unveränderter Zusammensetzung angeboten werden sollte. Das merkt man ganz prominent an der mittlerweile selbstsicher eingespielten, selbst zur Marke gewordenen Alfred-Vohrer-Inszenierung mit ihren ironischen Untertönen und ihrer effektiven Spannungsmache; aber auch in anderen Bereichen treten Anzeichen von Routine unübersehbar auf: Überwältigende Teile von Besetzung und Stabmitgliedern waren zuvor bereits mit Wallace-Filmen in Kontakt gekommen (lediglich die drei in diesem Bereich nicht sonderlich langlebigen Personalien Corny Collins, Hans Clarin und Georg Hurdalek stießen neu hinzu), die Mühe, ein authentisches schottisches Schloss-Setting zu erschaffen, hielt sich in baulich sehr engen Kammerspielgrenzen und der Umgang mit der Wallace’schen Buchvorlage entsprach auch nicht mehr dem Qualitätsbewusstsein der ersten Serienstunde.

Natürlich bringt der Mangel an Innovation auch positive Auswirkungen mit sich: Wenn sich mit der kommentierenden Schnitttechnik von Hermann Haller gewissermaßen der Vorhang über der Theaterbühne Marks Priory erhebt, birgt dies ein ungeheures Maß an Vertrautheit und lässt im Zuschauer das Gefühl aufkommen, hier einen der klassischsten Wallace-Filme zu sehen, der so ziemlich alle erwartbaren Kriterien erfüllt und durchaus auch von der Erfahrung der Mitwirkenden profitiert. Tempo und Atmosphäre sind von Anfang an stimmig; der gruselige Mord an Lord Lebanon, die omnipräsente Klaviermusik nach Motiven von Chopin, die gegeneinander aufgebrachte Adelsfamilie mit ihren unterschiedlichen Charakteren, das no escape-Szenario und die rasche Dezimierung der Anwesenden, die mit ständigen falschen Verdachtsmomenten verknüpft wird, taugen zu bester Unterhaltung. Die Schauspieler sind rollentypisch besetzt, wobei „Das indische Tuch“ das höchste Niveau vielleicht dadurch verpasst, dass man zugkräftige Namen wie Elisabeth Flickenschildt, Siegfried Schürenberg, Gisela Uhlen und Ady Berber schon in besseren Darstellungen gesehen hat. Sehr überzeugend hingegen gebärden sich ein ausnahmsweise selbstironisch eingestellter Heinz Drache, der mehr red herrings hinterherläuft als in jedem anderen Film, ein schnodderig-undurchsichtiger Klaus Kinski, ein peinlich berührter Richard Häußler und ein verhuscht-sensibler Hans Clarin.

Dem Buch sind nur einige wenige Aspekte entnommen – das wenig rühmliche, mit Geisteskrankheit verbundene Ende des Lebanon-Stammes dürfte die wesentlichste Parallele darstellen. Eine derartige kreative Freiheit stellt ein Novum innerhalb der Reihe dar, was insofern bedauerlich ist, als ein Film wie „Der schwarze Abt“ vermutlich mehr davon profitiert hätte als ausgerechnet die ohnehin schon gelungene Erzählung „Das indische Tuch“. Die Inspiration, die man sich bei Agatha Christies „Zehn kleinen Negerlein“ nahm, ist unverkennbar und mithin nicht gerade das einfallsreichste Ruhmesblatt für die im Schnitt sehr starke Wallace-Filmografie des Drehbuchautors Harald G. Petersson. Nichtsdestoweniger ist das Drehbuch solide konzipiert, was vor allem auf die stark ausgeprägte Whodunit-Note, die guten, einprägsamen Charaktere sowie die geschmierten Dialoge zurückzuführen sein dürfte. Humor ist erneut sehr ausschweifend vertreten und schwankt zwischen genialen, trockenen Onelinern und (glücklicherweise nicht sehr häufigem) plumpem Klamauk. Alles in allem stimmt die Mischung, wenngleich die Zunahme der nicht ernstzunehmenden Momente gegenüber den frühen Filmen schon sehr ins Auge fällt.

Ausgleichendes Moment für diese Scherze stellen die ikonischen und mit beträchtlichem Einfallsreichtum entstandenen Mordszenen dar, in denen das Publikum das Geschehen aus der Perspektive des Mörders verfolgt. Um die große Scope-Kamera unterzubringen, mussten die Hände des Halstuchmörders in diesen Einstellungen von zwei verschiedenen Personen gedoubelt werden, was einen beinahe unwirklichen optischen Effekt erzielt. Zusammen mit der prägnanten Mordmethode, dem Vohrer’schen Erfahrungsschatz darüber, wie viel Gewalt man auf der Leinwand zeigen durfte, und den abwechslungsreichen Gelegenheiten, zu denen der Killer zuschlägt, entstanden hiermit einige der eindrucksvollsten Todesmomente der Schwarzweiß-Ära (vor allem jene von Mrs. Tilling, Sir Henry und Lady Lebanon). Sie werden noch dadurch intensiviert, dass das charakteristische Klavierspiel passgenaue filmische Untermalung und inhaltlicher Kunstgriff zugleich ist – so gelingt selbst in einer „Popcorn-Produktion“ wie dieser eine teilweise erstaunliche Verknüpfung von Inszenierung und Handlungsebene, ohne dass wie in späteren Filmen Stil ohne Substanz geboten wird.

Auch wenn die Frische der ersten Wallace-Jahre abhanden gekommen sein mag und das Drehbuch mit einer allzu rigiden Umarbeitung eines guten Romans aufwartet, so überzeugt „Das indische Tuch“ als mustergültiger Wallace-Stoff ohne größere Webfehler. Als solider Ensemblefilm in Kammerspiel-Manier angelegt, ist es eine große Freude, Frank Tanner und den Erben bei ihrer Suche nach dem Mörder über die Schulter zu schauen. Leider erhalten namhafte Mitwirkende wie Elisabeth Flickenschildt aber nur unzureichend Gelegenheit, die ganze Palette ihres Könnens auszuspielen.

Stephan Offline



Beiträge: 114

23.02.2019 21:55
#203 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Gong:
**(durchschnittlich):“Makaber, spaßig, klischeehaft serviert.“

Pauer:
„Was von Vohrers Film bleibt, ist das Vergnügen an den Bosheiten und Intrigen, die der Geldgier der erbschaftheischenden Verwandtschaft entspringen, sowie die Hoffnung, Edgar Wallace möge Lord Lebanons Vermögen nicht wieder beim Pferderennen verspielt haben.““

Kramp:
„Abgesehen von der erneut ordentlichen Musik von Peter Thomas wirkt der Film nicht gerade überragend.“

Tses:
„Andere Gags wiederum waren zu eindeutig und verärgerten die Zuschauer, die bis zwei Minuten vor Schluß einen exzellenten Film gesehen hatten.(…) Makabere Umsetzung des Liedes über die „Zehn kleine Negerlein“. Das ausgezeichnete Spiel der Akteure versinkt in der Lächerlichkeit der letzten zwei Minuten des Films. Ein brillanter Hans Clarin macht den Film trotzdem immer wieder sehenswert.“

Hohmann:
„Das indische Tuch ist vielleicht der außergewöhnlichste Beitrag von Alfred Vohrer. Er bewies damit nachdrücklich, dass er nicht nur die reißerischen und actionbetonteren Produktionen umsetzen, sondern auch einen Film abliefern konnte, der eher an ein Theaterstück erinnerte. (…) Das Finale ist auch heute noch beeindruckend in Szene gesetzt, grandios gefilmt und gehört sicherlich zu den Highlights der ganzen Serie. (…) Unabhängig davon dass das indische Tuch zu Unrecht nicht so gut beim Publikum ankam, hatte der Vohrer-Streifen aber auch unübersehbare Schwächen. Und diese waren in der Summe so auffallend, dass der Film leider doch nicht zu den besten Beiträgen der Rialto-Serie gehört.“

Meine Meinung:
Ich glaube, ich kann vom Wohlfühlfaktor her – sieht man von den tatsächlich zwei peinlichen Schlussgags mit Inspektor Fuchsberger und dem erbenden Edgar Wallace ab – absolut hier von meinem Lieblings-Wallace reden.
Brillante Darsteller – und zwar durch die Bank weg. Ich finde, dass auch Hans Nielsen, der ja an verschiedener Stelle als Fehlbesetzung eingestuft wird, passt wie die Faust aufs Auge. Es zeichnet die Wallace-Filme sowieso aus, dass es m.E. nicht eine einzige Fehlbesetzung gibt. Durchweg phantastische Schauspieler – über den einen oder anderen könnte man vermutlich auch in der Hinsicht nachdenken, wer diese oder jene Rolle auch hätte ausfüllen können und das wäre auch manchmal ohne Qualitätsverlust machbar, aber eigentlich ist die Besetzung zu ca 90% optimal, und es ginge nicht besser, nur anders. Ich finde Nielsen jedenfalls auch in dieser Rolle richtig klasse. Von meinem persönlichen Liebling Heinz Drache oder auch der als Geschmäckle, vom schauspielerischen Können her aber völlig zurecht, „Gottbegnadeten“ Elisabeth Flickenschildt an der Spitze der erlesenen Riege brauchen wir gar nicht zu reden: perfekt! Und der einzige der nicht auf den Pianisten des Grauens Hans Clarin aufgrund seiner Darbietung her gewesen sein dürfte, war die ständig inkontinente Schnauzerdame des Films: für die finale Verfolgungsjagd steckte sich Pumuckl ein Schnitzel in die Tasche…
Vohrer schafft mit seiner klassischen Musik, die am Set zur Stimmungsmache unter den Aktiven wohl angeblich ununterbrochen lief, und dem düsteren Schloss eine tolle Kammerspiel-Graus-atmosphäre. Die subjektive Mörder-Kameraperspektive zusammen mit der Vertonung von Peter Thomas ist einmal mehr bockstark.
Und dass Peter Thomas hier als Titelmusik Chopin zur jazzigen Swingnummer umarbeitete, unterstreicht, dass dieser Film einfach eine riesige ironische Gruselsause ist.
5 von 5 Punkten!

greaves Offline




Beiträge: 556

24.02.2019 10:02
#204 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Das indische Tuch

Den Film habe ich damals noch nicht gekannt,als ich das erste mal mit der Wallace Welle im TV auf Sat 1 mit geschwommen bin ..
Ich habe ihn dann etwas später auf Kabel eins das erste mal gesehen.

Dieser Film ist toll besetzt.
Heinz Drache,Eddi Arent,Elisabeth Flickenschildt,Hans Clarin,Klaus Kinski,Corny Colins,Hans Nielsen,Richard Häussler,Ady Berber,Siegfried Schürenberg,Gisela Uhlen und Alexander Engel(diesmal mit Bärtchen)der mir besonders immer gut bei Wallace gefällt.In seinen drei Wallace Auftritten ,Gräfin,Tuch und Hund passt er am besten im Zusammenspiel mit Heinz Drache,da kommt bei mir Wallace Feeling auf.Klaus Kinski bleibt bei mir bis heute gut in Erinnerung ,wenn Filmblut aus seinem Mund läuft,als er eins auf s Maul von Hans Clarin bekommen hat.

Der Film ging gestern an mir wie im Fluge vorbei.Eigentlich viel zu schnell,wenn ich an den Vorgänger-Film denke...Bei diesem Film kommt nie Langeweile auf und hat meiner Meinung keine durchhänger.

Drehorte sind mehrheitlich nur in den ccc Studios,Villa im Grunewald an der Toni—Lesslerstrasse (aussen) /und innen,—tippe ich jetzt mal.In der Szene als Hans Clarin vom Hund durch s Schloss gejagt wird und aus dem Küchenlift aussteigt,sieht man die Säulen der Diele,die man schon im Zinker sah und später noch in ein paar Wallace Filmen zu sehen bekommt.
Was mir wieder auffällt,seit man bei CCC filmt ist(seit dem Zinker—die Szene vom Boxring,wo Heinz Drache die Treppe hinunter laufen kommt)und hier im indischen Tuch,die kurze Kampfszene zwischen Drache und Kinski auf der Kellertreppe ,ist die Treppe und die Raumsituation die man ab hier immer wieder (in den CCC Studios gedrehten Wallace Filmen sieht).Auch in späteren Filmen wie im Hund von Blackwood Castle(Mausoleum-Szenen) der Mann mit dem Glasauge(Billardclubszenen) ,eventuell auch noch in anderen Filmen der Reihe kommt diese Räumlichkeit /Kameraeinstellung immer wieder vor.Achtet euch mal darauf. Ich tippe mal ,dass diese Szenen immer im Studio 1 aufgenommen wurden. Denn der Eingang zum Studio 1 war auch erhöht und durch eine Rampe und später durch eine Treppe von aussen erreichbar.

Ich gebe dem indischen Tuch 4,5 von 5 Punkten

Giacco Offline



Beiträge: 1.985

24.02.2019 10:39
#205 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

"Ein düsteres Schloss in Schottland, von der Umwelt abgeschnitten, und im Speisesaal eine erwartungsfrohe Erbengemeinde, einer dem anderen spinnefeind. Das ist die Ausgangssituation dieses gruselig-spannenden Krimis. Im Verein mit Kameramann Löb haben Autoren und Regisseur für Überraschungen jeder Art, Nervenkitzel und makabren Humor gesorgt. Außerdem stand ihnen ein für diesen Zweck prädestiniertes Ensemble zur Verfügung, darunter Klaus Kinski, Hans Clarin, Richard Häussler, Ady Berber und vor allem Elisabeth Flickenschildt. Für Krimifreunde eine erneutes Amüsement und daher gute geschäftliche Aussichten in den entsprechenden Theatern." (Film-Echo, September 1963)

Film-Echo-Note: 2,6 (68) / Erstnote: 2,0

In Frankreich kam "Das indische Tuch" erst am 20.10.1967 in die Kinos. Der Film lief dort aber nur im Elsass.
In Spanien hatte er 290.801 Besucher.

patrick Offline




Beiträge: 3.204

24.02.2019 12:57
#206 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Zitat von Stephan im Beitrag #5
Ich glaube, ich kann vom Wohlfühlfaktor her – sieht man von den tatsächlich zwei peinlichen Schlussgags mit Inspektor Fuchsberger und dem erbenden Edgar Wallace ab – absolut hier von meinem Lieblings-Wallace reden.




volle Zustimmung.

Dr.Mangrove Offline




Beiträge: 87

24.02.2019 15:31
#207 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Auch wenn der Film oft nicht so gut weg kommt - und im Vergleich zu anderen wirklich nicht so schlecht ist - er leidet m.E. doch sehr am "Humor" gegen Ende. Der Servierwagen, die sich bewegenden Stühle, Inspektor Fuchsberger - meine Güte.

Die Musik habe ich eher als unpassend empfunden - die Titelmelodie würde zu einem Paukerfilm passen - und zwischendurch ist es mir zu dudelig.
Irgendiwe nicht richtig für ein unheimliches von der Außenwelt abgeschlossenes Schloss, in dem grausame Morde geschehen.

Hans Nielsen spielt für mich seine beste EW-Rolle. Geradezu "fröbesk" gibt er hier den Aufbrausenden, der aber von der ganzen Bande der sympathischste ist.
Gisela Uhlen als seine Frau mal wieder eiskalt und zum Fürchten. Hat sie überhaupt jemals sympathische Rollen gespielt? Ich hatte als Kind immer Angst vor ihr - ebenso vor der Flickenschildt, deren Art ohnehin einmalig ist.

Kinski darf endlich mal eine etwas größere Rolle spielen als nur den Irren vom Dienst - und er macht dies überraschend gut.
Hans Clarin allerdings macht auf mich sowohl hier als auch bei Zimmer 13 eher den Eindruck einer Witzfigur. Für mich eine komplette Fehlbesetzung.

Das indische Tuch ist ein solides Kammerspiel, das unter den beschriebenen Albernheiten leidet und nicht so gruselig und spannend ist, wie es hätte sein können.

3/5

Giacco Offline



Beiträge: 1.985

24.02.2019 16:02
#208 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

"Das indische Tuch" gehört zu den von mir nicht sonderlich geschätzten Wallace-Krimis. Spannungstechnisch hat der Film nicht viel zu bieten. Grusel und Nervenkitzel - Fehlanzeige! Stattdessen macht sich eher Langeweile breit. Hans Clarin vermag mich nicht zu überzeugen. Andere Darsteller wie Flickenschildt, Uhlen oder Berber konnten in anderen Filmen der Reihe mehr beeindrucken.
Das Finale mit der Verfolgungsjagd durch den Hund ist einfach nur albern und die Schluss-Pointe gibt dem Film den Rest. Insgesamt eine Wallace-Verfilmung, auf die ich durchaus verzichten könnte.

Wallacefreund Offline




Beiträge: 235

24.02.2019 19:12
#209 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Ich fange mal mit den Darstellern an. S. Schürenberg mal nicht als Sir John erfrischend und gut, E. Flickenschildt spielt gewohnt gut, obwohl ich sie im Gasthaus besser fand, aber das ist jammern auf hohem Niveau. G. Uhlen auch gewohnt gut. H. Nielsen spielt den aufbrausenden US-Amerikaner, erinnert mich ein wenig an Fröbes Auftritt im Bogenschützen. Finde seine Darbietung ebenso wie in der"Tür"gut. Kinski spielt auch gewohnt gut und liefert sich mit Drache einige gute Wortduelle. C. Collins gehört für mich zu den blassesten weiblichen Darstellern der gesamten Wallace Reihe. H. Clarin spielt den geisteskranken Sohn vom Schauspiel her sehr gut, besonders seine Blicke sind echt top. Insgesamt wirkt er aber auf mich zu, ich weiß nicht wie ich es am besten ausdrücken soll, bubenhaft, nicht erwachsen genug. Irgendwie wirkt das auf mich nicht so rund und wertet das Ganze irgendwie ab.
H. Drache mit einer Fehleinschätzung nach der anderen, neben J. Fuchsbergers "Higgins" im Hexer wohl der größte Blindgänger"als Ermittler obwohl er ja "nur" Anwalt ist. Ob es so gewollt ist, keine Ahnung. Sonst spielt er gewohnt souverän. E. Arent spielt hier gut und nicht albern.A. Berber spielt ordentlich, kommt aber an seiner Glanzleistung aus den Augen nicht annähernd heran. Fand ihn auch in der Tür besser, hat hier seinen schwächsten Wallace Auftritt. Der Rest spielt gewohnt gut.

Was die Story betrifft, ich kenbe den Roman nicht, aber ich weiß nicht, ob man das ganze nicht spannender hätte inszenieren können. Das ganze wirkt wie ein Kammerspiel. Das Schloss wirkt auch nicht unheimlich, das hat man schon besser gesehen. Wirklich spannend ist der Film für mich auch nicht. Erstaunlich auch wie schnell die Leute erdrosselt sind, das wirkt irgendwie unglaubwürdig. Was der allein fahrende Servierwagen von Arent soll erschließt sich mir nicht witzig finde ich das ganz und gar nicht. Die sich vorbeugenden Stühle zum Schluss, sind auch total überflüssig und zieht den ohnehin spannungsarmen Film für mich mit dem Schluss des erbenden E. Wallace, noch ein Stück runter. Der Anfang ist auch total billig diese Zeichnung vom Schloss mit dem Zigaretten Qualm.

Insgesamt ein mir zu spannungsarmer Wallace, der durch die guten Leistungen seiner Darsteller noch ein solider Streifen geworden ist.

Fazit:3 von 5 Punkten

schwarzseher Offline



Beiträge: 613

24.02.2019 20:15
#210 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Mein Darsteller Favorit......der schwarze Riesenschnauzer.Mein Herz gehört diesen Hunden schon über 30 Jahre und damit ist dieser Wallace natürlich einer meiner Lieblingswallace.Übrigens ist der Hund ganz geschickt in die Story eingearbeitet worden und kommt auch zum Schluss nicht zu "blutrünstig"rüber indem das "Opfer " nur aus dem Fenster gedrängt wird.
Ansonsten die Schauspieler und Story top besetzt.Einziges (leider dickes ) Minus der leidige/unpassende "Humor" Fuchsberger/Stühle/Servierwagen.....

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