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Dieses Thema hat 153 Antworten
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Jacob Starzinger Offline



Beiträge: 1.413

12.10.2011 13:14
#76 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Meiner Meinung nach ist der Zinker einer der Besseren Filmem aus der Wallace-Reihe. Die ganze Geschichte ist gut und die Umsetzung ist auch wunderbar gelungen. Aber trotz der tollen Besatzung droht die Spannungskurve ein wenig ab zu fallen. Nicht desto trotz gebe ich 5/5.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

30.10.2011 13:45
#77 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Inspektor Bill Elford in “Der Zinker”

“Sonst noch was!?”
“Sitzen werdet ihr - und nicht zu knapp, es sei denn ihr findet einen Richter, dem ihr mit eurer Story das Herz brecht!”
“Die Wahl der Methoden müssen Sie schon uns überlassen!”
“Sie werden staunen, was noch alles möglich ist!”


Eine kleine Auswahl von Originalzitaten von Inspektor Bill Elford in “Der Zinker”.
Der elegant gekleidete Herr von Scotland Yard tritt meist betont forsch auf und neigt zur Ironie. Der Mann weiß, was er will, und er tut, was er für richtig hält.

Von Autoritäten hält er nicht viel. Wenn der von Elfords dynamischem Ermittlungsstil pikierte Zeitungsverleger Sir Geoffrey Fielding ihm mit seinen Beziehungen - die bis ins Oberhaus reichen - droht, so läßt das den Inspektor völlig kalt.

Auch seine Mitarbeiter haben es mit Inspektor Elford nicht immer leicht, denn er äußert sich zu ihnen mitunter in einem nicht immer verbindlichem Tonfall.
Der würdevolle Polizeiarzt Dr. Green ist des öfteren das Ziel von Elfords ironischen Bemerkungen. Um die Arbeitsweise des “Zinkers” zu demonstrieren, schießt er ihm schon einmal einen Strohhalm ins Gesicht und amüsiert sich dabei köstlich.

Seinen stoischen Assistenten Lomm scheint das wenig zu berühren.
Er ist auch meist derjenige der seinem kettenrauchenden Chef das Feuer für dessen Zigaretten gibt. Elford hat buchstäblich nie ein Streichholz oder Feuerzeug zur Hand. Erst gegen Ende seiner Ermittlungen schenkt ihm der Reporter Josua Harras ein Feuerzeug in Form einer Kamera.

Wenn es darauf ankommt, beweist Inspektor Elford jedoch auch immenses Taktgefühl.
Bevor er Mrs. Mulford zum tragischen Tod ihres Gatten befragt, meint er in sehr sanftem Tonfall: “Verzeihung, ich möchte keine alten Wunden aufreißen...”

Als Beryl Stedman die Wahrheit über Frank Suttons Identität erfahren hat, vermittelt Bill Elford der jungen Frau keinen billigen, rührseligen Trost. Er weiß, dass die selbstbewußte Dame wieder zu sich finden wird, und wenn nötig wird er ihr dabei helfen...

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

13.12.2011 21:02
#78 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Bill Elford und Beryl Stedman in “Der Zinker”

“Wie kommen Sie denn hier rein?”
(Bill Elford)
“Durch die Tür!”
(Beryl Stedman)
“Sehr witzig!”
(Bill Elford)



“Haben Sie schon einen bestimmten Verdacht, wer der Täter sein könnte?”
(Beryl Stedman)
“Können Sie schweigen?”
(Bill Elford)
“Selbstverständlich!”
(Beryl Stedman)
“Ich auch - Guten Tag!”
(Bill Elford)


“Das ist nun das Ende der Geschichte, Miss Stedman. Zwar nicht ganz so hübsch wie in Ihrem Roman, aber trotzdem wenn Sie für Ihr neues Buch mal einen Tipp brauchen, rufen Sie mich ruhig an.”
(Bill Elford)


Der Gentleman und die Dame, die sich derlei Wortgefechte liefern, sind ein überaus energischer Inspektor von Scotland Yard, der mit der Aufklärung einiger mysteriöser Todesfälle befaßt ist, die auf das Konto eines berüchtigten Verbrechers genannt “Der Zinker” gehen sowie eine Kriminalschriftstellerin, deren neuestes Werk “The Red Killer” (“Der Rote Killer”) heißt. Ihre Tante Nancy Mulford hält Beryl Stedman für sehr begabt, da sie es bereits in ihrem ersten Kapitel auf acht Tote gebracht hat.

Schon die erste Szene zwischen Bill Elford und Beryl Stedman macht deutlich, dass hier zwei starke Charaktere auf einander treffen.
Offensichtlich kennen sich die Beiden schon länger, zumindest läßt ihr fast schon selbstverständliches Betreten seines Büros wie auch ihr strahlendes Lächeln zu seiner Begrüßung darauf schließen. Seine Bemerkung, sie suche wohl wieder Material für ihren Kriminalroman spricht ebenfalls dafür.
Selbstbewußt bauen sie sich vor einander auf, lassen sich nicht aus den Augen und liefern sich einen ironischen Schlagabtausch, den Beryl zwar verliert, es Elford aber in keiner Weise übelnimmt, dass sie keine Informationen von ihm erhalten hat.

Im Zuge seiner Ermittlungen sucht Bill Elford in der Villa von Mrs. Mulford Frank Sutton, den Verlobten von Beryl Stedman, auf, um ihn zu befragen.
Es erscheint sehr bezeichnend, dass Bill Elford erst Platz nimmt, als ihn Beryl Stedman darum bittet. Zuvor hatte er das Angebot dazu sowohl von Mrs. Mulford als auch von Frank Sutton geflissentlich ignoriert.

Als nach einem nächtlichen Angriff auf Frank Sutton durch eine Mamba sich dessen Verlobte Beryl mit ihm entfernt, sieht Bill Elford den Beiden lange und nachdenklich hinterher.
Wahrscheinlich hat er sich ein ganz anderes Bild von dem scheinbar so glücklichen Paar gemacht.
Und Bill Elford soll recht behalten.

Zwischen Kummer und Zorn schwankend reagiert Beryl Stedman auf die Wahrheit über ihren Verlobten und geht scheinbar verloren am Themseufer entlang. Einer jedoch hat sie gesucht und schließlich auch gefunden: Bill Elford.
Obwohl ihm Beryls Gemütszustand durchaus bewusst ist, spendet Bill Elford der jungen Frau keinen billigen Trost, sondern reizt ihren Zorn weiter an, um sie von ihrer Trauer abzulenken.
Es ist auch auffallend, wie dicht Bill Elford neben Beryl Stedman Platz nimmt. Da wird offensichtlich Kontakt gesucht...

Nach der Entlarvung des Zinkers scheint Bill Elford lediglich damit beschäftigt zu sein, wieder einmal vergeblich nach einem Feuerzeug für seine Zigarette zu suchen, doch sein Blick geht zu einer zutiefst erschütterten Beryl Stedman. Apathisch steht sie vor einem Spiegel, während er sich kühl und ironisch zu den kriminellen Machenschaften des “Zinkers” äußert.
Wieder verweigert er der jungen Frau jeden verlogenen Trost, denn er weiß, dass sie stark genug ist, um über ihre schreckliche Enttäuschung hinweg zu kommen.
Bill Elford bietet Beryl Stedman jedoch ganz praktisch seine Unterstützung an. Und beide wissen, dass er zwar von Tipps für ihr neues Buch spricht, jedoch in Wirklichkeit meint, sie könne jederzeit mit seiner Hilfe rechnen.

Es ist höchst wahrscheinlich, dass Beryl Stedman auf sein Angebot eingehen wird, denn als er das Zimmer verläßt, steht bereits wieder der Hauch eines Lächelns in ihren Augen und spielt um ihre Lippen.
Offenbar hat Bill Elford genau die richtigen Worte gewählt, um Beryl Stedman wieder auf sich selbst zu besinnen.

Die Zukunft wird erweisen, wie weit sich die beiden einander annähern werden, wenn sie sich wieder begegnen werden ...

Georg Offline




Beiträge: 2.886

06.05.2012 19:20
#79 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Nach der Sichtung der beiden deutschen Der Zinker-Versionen an einem Tag ist ganz eindeutig: hier hat man es mit zwei völlig unterschiedlichen Filmen zu tun, deren Verwandtschaft unter Ausklammerung des Titels und einiger Personennamen überhaupt nicht auffallen würde. Zwei völlig verschiedene Filme. Das nur so nebenbei.
Was die 1963er-Version dieses Stoffes angeht, so schließe ich mich der Mehrheitsmeinung hier im Thread an: ein ziemlich durchschnittlicher, ja teilweise langatmiger und tempoloser Kriminalfilm, aus dem Alfred Vohrer mehr machen hätte können. Sicherlich hat der Film seine Pluspunkte, die natürlich in der Besetzung mit Schürenberg, Arent und vor allem der großartigen Agnes Windeck zu suchen sind, aber weder die Schauplätze noch die Musik von Peter Thomas, die - vor allem was das Titelthema betrifft - mehr als mittelmäßig ist, überzeugen. Selbst Heinz Drache als Inspektor hatte innerhalb der Serie stärkere und einprägsamere Parts und Günter Pfitzmanns Schauspielkunst kommt viel zu wenig zur Geltung. Alles wirkt irgendwie unausgegoren.
Um auf die Diskussion im Der Rächer-Thread zurückzukommen: diese Produktion aus dem Jahre 1960, die nicht aus dem Hause Rialto stammt, ist in meinen Augen wesentlich gelungener als etwa Der Zinker.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

06.05.2012 19:58
#80 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Das kann ich nun überhaupt nicht nachvollziehen!

Mir fehlt zwar der Vergleich zum Film von 1931, aber ich halte "Der Zinker" aus dem Hause Rialto für einen rundum gelungenen Film, in dem alle Schauspieler glänzend aufgelegt sind.

Heinz Drache gibt seinen Inspektor Bill Elford mit wunderbar sarkastischer Coolness, kann aber auch die nötigen einfühlsamen Worte gegenüber Nancy Mulford und Beryl Stedman finden. Sein Zusammenspiel mit Wolfgang Wahl als Lomm und mit Heinz Spitzner als Dr. Green halte ich ebenfalls für sehr geglückt.

Die verbale Dauerfehde zwischen Eddi Arent und Siegfried Schürenberg ist in der Tat äußerst amüsant.
Agnes Windeck liefert - wie es sehr richtig erwähnt wurde - eine Glanzleistung, wie man es bei ihr eigentlich auch gewöhnt ist.
Auch Klaus Kinski trägt in seiner stummen Rolle als Krischna wunderbar zum Gelingen des Filmes bei.
Günter Pfitzmann halte ich für durchaus doppelbödig in seiner Rolle, man verfolge nur den mysteriösen Blick, mit dem er Heinz Drache nach seinem ersten Verhör nachschaut. In der Schlußsequenz wird er zwar von Agnes Windeck an die Wand gespielt, aber das hat mehr mit der Rollenverteilung zu tun.
Barbara Rütting spielt eine starke, selbstbewußte Frau, die über die ihr zugefügte Enttäuschung mit der Kraft ihrer Persönlichkeit hinwegkommen wird.
Erwähnen sollte man auch Jan Hendriks, dessen mysteriöse Auftritte sich erst spät erklären.
Nicht zu vergessen: Inge Langen ist ausgezeichnet als verhärmte, unglückliche Millie Trent.

"Der Rächer" mag vielleicht einige unheimlichere Momente enthalten (vor allem gegen Filmende), ich würde ihn allerdings als Gesamtkunstwerk nicht über den "Zinker" stellen.

Was die Schauplätze angeht, so haben wir hier wie dort die Büros von Scotland Yard bzw. des Foreign Office, im "Zinker" die Villa der Mulfords und im "Rächer" dafür zwei Schlösser (von Sir Gregory Penn und von Henry Longvale)
Beim "Rächer" haben wir außerdem das Hotel, in dem das Filmteam abgestigen ist, das Schlafzimmer von Michael Brixan, das Verlies von Longvale und einige Außenaufnahmen.
Im "Zinker" gibt es das Büro von Frank Sutton, dessen Tierhandlung, den Boxstall vom Champ, das Büro von Sir Geoffrey Fielding im "Telegraph" und einige Außenaufnahmen.

Den Unterschied der Schauplätze macht für mich die Handlung aus. Ich weiß nicht, was daran im "Zinker" negativer sein soll als im "Rächer" ...

Percy Lister Online



Beiträge: 3.493

06.05.2012 20:11
#81 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Ich mag den "Zinker" ebenfalls sehr gern, aber man muss auch einmal eine andere Meinung gelten lassen.
Ich denke, Georg kann aufgrund seines reichen Film- und Fernsehwissens sehr gut abschätzen, welche Wirkung die verschiedenen EW-Filme auf ihn und andere Zuseher hatten und haben.

Es ist nicht nötig, jedes Mal empört aufzuspringen, wenn ein Film, in dem Heinz Drache mitwirkt, ein wenig kritisiert wird. Das gehört zu einem Forum und wir sollten so großzügig sein, jedem seine Meinung zuzugestehen.

Georg Offline




Beiträge: 2.886

06.05.2012 20:13
#82 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Schön, dass Du den Advocatus Diaboli spielst, Cora Ann, und den Film mit so vielen fundierten Argumenten verteidigst. Wie so viel ist eben alles Geschmacksache. Und Der Zinker war schon immer (nicht nur heute) für mich eine der schwächeren Produktionen. Im Vergleich zu anderen Vohrer-Filmen eher mit mäßigem Tempo. Sicherlich hat er auch starke Seiten, aber gerade "Dein" Heinz Drache hatte in anderen Rollen in meinen Augen mehr Spielraum.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

06.05.2012 20:16
#83 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Ich habe weder Georgs reichhaltige Erfahrung in Sachen Film und Fernsehen in Frage gestellt noch daran den geringsten Zweifel angemeldet! Seine andere Meinung respektiere ich ebenso wie du das mit meiner bitte tun solltest!

“Das ganze ist eine Sache der Vorstellungskraft. Phantasie ..."
(Heinz Drache in "Der Hexer")

Percy Lister Online



Beiträge: 3.493

06.05.2012 20:23
#84 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Hierzu möchte ich gern Cecil Vyse aus "A Room with a View" (Regie: James Ivory) zitieren:
"Temper, my dear, temper!"

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

06.05.2012 20:38
#85 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Und ich zitiere ein klassisches deutsches Sprichwort: "Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus!"

“Das ganze ist eine Sache der Vorstellungskraft. Phantasie ..."
(Heinz Drache in "Der Hexer")

Prisma Offline




Beiträge: 7.514

07.05.2012 00:42
#86 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Mit "Der Zinker" hat man es mit einem Klassiker innerhalb der Edgar Wallace-Reihe zu tun. Die Frage, ob es sich um einen solchen aus persönlichem Empfinden, bezüglich der Umsetzung oder etwa des großen Titels wegen handelt, steht bei dieser Produktion schon im Vordergrund. Wenn man Personen befragt, spontan einen Wallace-Krimi nennen zu müssen, folgt meistens oder ziemlich schnell Alfred Vohrers Beitrag. Ich sehe vielleicht keinen persönlichen Klassiker in diesem Film, allerdings hatte er immer etwas eines Aushängeschildes mit typischen Charakteristika. Leider komme ich innerhalb der Reihe nie um die eingebrannten Eindrücke der Erstsichtungen mit Kindesaugen herum, die sich stets in kritische Vergleiche umgewandelt haben, so auch hier. Die Faszination ging damals von augenscheinlich spektakulären Inhalten aus, die sich aber mit den Jahren als eher gewöhnlich etabliert haben. Schlangen, ein extravagantes Mordinstrument, wilde Tiere und ein düsteres, geheimnisvolles Schloss...etc. Das alles beeindruckt mich als Zuschauer heute eigentlich überhaupt nicht mehr, wobei es doch so typisch für die Reihe ist. Vermutlich sehe ich "Der Zinker" deswegen heute nicht mehr ganz so oft oder nehme ihn vielleicht nicht mehr ganz so ernst wie einst im Mai, aber ich erfreue mich jedes Mal und mittlerweile hauptsächlich an den überdurchschnittlichen darstellerischen Leistungen.

Ein tolles Ensemble gibt sich in diesem Szenario die Klinke in die Hand und die darstellerische Interaktion funktioniert bemerkenswert, so dass die größten Momente tatsächlich im jeweiligen Zusammenspiel entstehen. Man bekommt den positiven Eindruck von ambitionierter Teamarbeit vermittelt. Heinz Drache kann man bereits in seinem dritten Wallace-Auftritt verfolgen und für mich war es nach "Der Rächer" und ähnlichen Produktionen immer irgendwie ganz logisch, ihn weiterhin oder enger in die Reihe einzubinden, meiner Ansicht nach als Kontrast-Verstärker im Bezug auf Erscheinungsbild, Art und Interaktion mit Kollegen, vor allem aber mit Partnerinnen. Heinz Drache gibt seiner Figur eine aussagekräftige Note, er wirkt routiniert und passend besetzt. Dennoch gehe ich eher mit Georg konform, dass ich bei Heinz Drache auch wesentlich stärkere Auftritte in Erinnerung habe, neben aller Überzeugungskraft sehe ich bei vielen anderen Darstellern in diesem Szenario eine höhere Präzision, beziehungsweise eine deutlichere Konzentration, die Charaktere der Anforderung nach zu formen. Es bleibt vielleicht eine Standard-Leistung, von der andere Schauspieler jedoch nur träumen können. Heinz Drache habe ich stets wegen seines Einzelgänger-Charakters geschätzt, was auch diesem Film ganz gut bekommt. Daher hat man mit Partnerin Barbara Rütting eine der bestmöglichen Varianten gefunden, dieses glaubhaft herauszuarbeiten. Beryl Stedman wirkt bodenständig und elegant, sie zeichnet eine intelligente und optimistische Frau, deren Gutgläubigkeit und Gefühle zwar Angriffsfläche für einen Tiefschlag bieten werden, die sich jedoch wieder aus eigener Kraft fangen wird, da sie die Fähigkeit besitzt, die Seiten mit schwarzen Kapiteln irgendwann umzudrehen, und weiter zu blättern. Dieses neue Kapitel wird jedoch keinen Platz für einen gewissen Inspektor Elford haben. Die Perfektion und der Reiz im Zusammenspiel zwischen Heinz Drache und Barbara Rütting besteht für mich darin, dass sie eben in perfekter Weise nicht zusammenpassen, hinsichtlich einer männlich-weiblichen Beziehung, was überhaupt nicht negativ zu bewerten ist, ganz im Gegenteil! Gegenüber stehen sich zwei starke Persönlichkeiten, die ihren Lebensplan lückenlos im Kopf haben und auf ihre gegenseitige Hilfe nur temporär angewiesen sind. Somit liefern Barbara Rütting und Heinz Drache ein erfrischendes Pendant zu einigen Vorgängern. Die vielenorts erwähnte Bindung der beiden besteht in meinen Augen keineswegs, Beryl hatte mit Frank ihr Konzept Mann prinzipiell oder eigentlich gefunden und Elford war erst gar nicht auf einer Suche nach seinem Konzept Frau. Eine herkömmliche Romanze hätte diesem Film in meinen Augen nur geschadet, da es die Hauptdarsteller weder signalisieren, noch symbolisieren.

Erst- und leider einmalig agierte Günter Pfitzmann als Frank Sutton, dem ich seine hohe Glaubwürdigkeit vermutlich nur bescheinige, da ich ihn nicht aus vergleichbaren Rollen kenne. Alleine betrachtet bleibt sein Schauspiel zwar solide und einprägsam, das doppelte Gesicht hätte hier und da ein wenig eindrucksvoller herausgearbeitet werden müssen. Seine großen Momente entstehen aber hauptsächlich im Zusammenspiel mit den beteiligten Damen der Schöpfung. Inge Langen mutet zunächst unscheinbar an, sie verleiht ihrer Millie Trent aber häppchenweise ein überzeugendes Gesicht und macht eine kleine Metamorphose durch, bis sie ihr "Opfer" im Tigerkäfig wie eine Schlange ohne Giftzähne lähmen kann und die kurzweiligen Früchte ihrer Berechnung ernten kann. Lange wirkt sie frustriert, fast verzweifelt, bis sie zum Befreiungsschlag ansetzen kann. Interessant finde ich bei ihr, dass man den Eindruck gewinnt, dass ihr die Wahl ihrer schließlich außerordentlichen Mittel unangenehm ist, aber sie keinen Ausweg mehr sieht um ihr Recht geltend zu machen. Wenn jemand eine große Bühne im Film geebnet bekam, ist Anges Windeck zu erwähnen, die Skurrilität und damenhafte Eleganz so geschmeidig verbinden konnte. Ihr gehörte das Finale, sie konnte in niveauvoller Manier demonstrieren, wie man hochklassig abrechnen kann, sie durfte Humor und Ironie der feineren Sorte integrieren, insgesamt eine große Bereicherung für diesen Film. Jan Hendriks Rolle fällt zwar ziemlich knapp aus, doch seine zwielichtige Figur gewinnt auch mit seiner überzeugenden Gabe an Glaubwürdigkeit, außerdem liefern gerade seine Szenen beim Sturz ins Treppenhaus oder in der Versandkiste Nachhaltigkeit. Siegfried Schürenberg unterstützt den Faktor Humor ebenfalls glänzend, für große Schmunzler sorgen die Szenen mit Agnes Windeck, mit Eddi Arent und vor allem bei der Befragung durch Inspektor Elford, der Sir Fielding am laufenden Meter brüskiert und zusammenfaltet. Herrlich! Eddi Arent empfand ich hier schon immer weitgehend angenehm und er konstruiert eine sehr einprägsame Rolle, genau wie Klaus Kinski dies praktisch nur durch seine pure Anwesenheit in teils beängstigender Manier gelungen ist. Er wirkt letztlich wesentlich unberechenbarer als der Zinker selbst. Die weiteren Rollen mit beispielsweise Siegfried Wischnewski, Wolfgang Wahl, Stanislav Ledinek, Albert Bessler oder Heinz Spitzner wirken überaus hochkarätig. Für mich macht dieses Gesamt-Ensemble den großen Reiz dieser Produktion aus heutiger Sicht aus und hilft über einige Längen hinweg.

"Der Zinker" lässt sich immer mal wieder gut anschauen, da er ein ganz klassisches Wallace-Flair zu bieten hat. Blendet man jedoch die alles überlagernden schauspielerischen Präzisionsangriffe mal aus, so entdeckt man schnell einige Mängel. Erwähnt wurde mangelndes Tempo und Langatmigkeit, was sich beim genauen Betrachten nicht leugnen lassen kann. Trotzdem bietet der Film einen glasklaren Aufbau und er wirkt schlüssig, wenn auch stellenweise zu behäbig erzählt. Hervorzuheben sind wirklich die markanten Ideen von Alfred Vorher wie beispielsweise die ausgefallenen Kameraeinstellungen, sein Gespür für Atmosphäre und Kontrast zeigt sich an vielen Stellen sehr bestimmend, aber nicht durchgehend konsequent. Was ich der Geschichte immer schon gerne vorgehalten habe, ist ihre Vorhersehbarkeit, es gibt zu viele überdeutliche Hinweise auf den Täter, dem obendrein auch noch die Show gestohlen wird (wenn auch in äußerster Präzision und versöhnlicher Art und Weise). Der kaltblütige Mörder wirkt schlussendlich zu "ungefährlich", an ihm haften bleibt leise, unfreiwillige Komik. Natürlich, das sind alles keine signifikanten Gründe die den Faktor Spaß und Überzeugung grundlegend schmälern, aber für mich ist es dennoch anzumerken. Die Musik von Peter Thomas unterstützt die facettenreiche Handlung mal gut, mal nur bedingt und kaum eine Score von ihm hat mich insgesamt so unschlüssig zurückgelassen. Mal könnte ich das Titelthema rauf und runter hören und empfinde jeden Ton wie gemacht für jede einzelne Sekunde, manchmal wirkt das Ganze aber fast schon zu grell und verspielt. Und somit hat der launische Zuschauer gesprochen. Abschließend ist zu betonen, dass es sich bei "Der Zinker" um einen Film handelt, der definitiv mehrere Eindrücke und zahlreiche Meinungen zulässt und ganz in Manier des Einbringens von internationalen Redewendungen gebe ich gerne noch folgendes zum Besten: Chacun à son goût!

Jacob Starzinger Offline



Beiträge: 1.413

08.05.2012 19:29
#87 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Der Zinker ist und bleibt für mich einer der besten Wallace Filme. Das liegt wohl daran da er eine tolle Stimmung hat was wohl daran liegt, dass er fast viele Verbrechen die Wallace für seine Romane nutzt beinhaltet. Er ist doch auch sehr temporeich und es gibt immer wieder Spannungsmomente in denen man denkt, jetzt kommt der Zinker. Manchmal kam er dann auch aber wenn er nicht kam wich die Spannung nicht, im Gegenteil denn jetzt wusste man nicht wo der Zinker auftauchen würde.
Für mich einfach ein SUPER Film.

Mfg Jacob

Stroheim Offline




Beiträge: 157

23.06.2013 20:46
#88 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

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Als Kind hab ich die Fernseh-Wiederholungen sämtlicher Wallace-Filme angeschaut und fast alle Folgen gemocht.


Dreißig Kinojahre später und nach dem Kennenlernen vieler Werke anderer Regisseure aus den verschiedensten Ländern und Dekaden bis zurück in die Stummfimzeit relativiert sich freilich einiges.

Gleichwohl gibt's zwei, drei Beiträge der deutschen Wallace-Reihe aus den 60er Jahren, die ich mir auch heute noch immer wieder mal gerne ansehe. Der Zinker gehört dazu. Und zusammen mit den 'Toten Augen von London' rechne ich ihn gar zu meinen Top 100 Lieblingsfilmen.

Vielleicht spielen da auch nostalgische Gefühle eine Rolle. Doch im Vergleich mit den anderen Streifen der Serie enthält der Zinker für mich einfach deutlich mehr denkwürdige Momente: Pfitzmann mit der Dudelmusik aus dem Radio im Bett, kurz bevor die Schlange kommt... Kinski, wie er schweigend mit der Maschinenpistole an den Gitterstäben des Raubtierkäfigs entlangschrammt und das Opfer Millie Trent mit kaltem Blick fixiert; Inge Langen, wie sie mit Tränen in den Augen Barbara Rütting die Tonbandaufzeichnung vorspielt... Agnes Windeck am Dirigentenpult....


Manche werfen dem Zinker mangelndes Tempo vor. Ich sehe das nicht so. Gerade die Action-Sequenzen und der Spannungsaufbau in vielen anderen Wallace-Filmen wirkt im Rückblick auf mich oft plump und belanglos - während im Zinker fast jede Szene mit der folgenden harmoniert und perfekt ineinandergreift.

Unter dem Strich ist der Zinker heute für mich tatsächlich der einzige verfilmte Wallace-Krimi ohne eine einzige langweilige Minute....


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Der schwarze Abt Offline



Beiträge: 3.879

23.06.2013 20:56
#89 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Zitat von Stroheim im Beitrag #88
Gleichwohl gibt's zwei, drei Beiträge der deutschen Wallace-Reihe aus den 60er-Jahren, die ich mir auch heute noch immer wieder mal gerne ansehe.


Heißt das etwa, dass du dir die anderen Edgar-Wallace-Filme nicht mehr gerne anschaust

Stroheim Offline




Beiträge: 157

23.06.2013 21:19
#90 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

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Wenn ich viiiiel Zeit hätte, würde ich dies vielleicht tun.

Doch es gibt mindestens 1500 Filme verschiedener Regisseure, die ich bislang noch überhaupt nicht gesehen habe und unbedingt irgendwann in den nächsten 30 Jahren mal sehen will.

Deshalb gehen per annum maximal drei Wallace-Streifen. Gäbe es jedoch einen Kinski-Mix, der sämtliche seiner Wallace-Auftritte komprimiert enthält, würde ich diesen Zusammenschnitt vermutlich regelmäßig einmal im Monat reinziehen....




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