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Dieses Thema hat 138 Antworten
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 Filmbewertungen
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HorstFrank Offline



Beiträge: 697

10.05.2009 23:04
#61 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

DER ZINKER gehört auf jeden Fall zu meinen Top-Wallace-Filmen!

Die Darsteller sind bis in die kleinste Rolle super besetzt. Heinz Drache und Barbara Rütting bilden ein tolles Duo. Klaus Kinski überzeugt in einer stummen Rolle auf ganzer Linie. Eddi Arent lockert mit wohl dosiertem Humor bestens auf. Sein Zusammenspiel mit Siegfried Schürenberg ist super. Auch Günther Pfitzmann, Albert Bessler, Stanislav Ledinek Heinz Spitzner und Jan Hendriks spielen ihre Rollen ausgezeichnet. Besonders aber auch Agnes Windeck macht diesen Film besonders schön. Es gibt viele tolle Szenen, z.B. als Elford den Boxclub aufsucht; Krischna mit der Schlange oder wie Mrs. Mulford dirigiert...
Die Musik ist sehr gelungen und paßt wunderbar in den ganzen Film, besonders auch das Stück, als die Schlange in Suttons Zimmer über das Bild kriecht.

5/5 Punkten für einen der besten Vohrer-Wallace-Filme!

Gubanov Offline




Beiträge: 14.851

05.07.2009 12:12
#62 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

„Der Zinker“ belegt mit 86 Prozent den 11. Platz im Edgar-Wallace-Filmgrandprix 2009. Der Film erhielt folgende Wertungen:
Gesamtpunktzahl: 807,18 Punkte; durchschnittliche Punktzahl pro Werter: 38,44 von 50
Ergebnisse der Einzelkategorien:
• Gesamtwertung: 249,0 Punkte – Platz 10 (85%) +1
• Einzelwertung „Darsteller“: 88,5 Punkte – Platz 14 (86%) -3
• Einzelwertung „Spannung“: 77,0 Punkte – Platz 14 (81%) -3
• Einzelwertung „Mörder“: 72,5 Punkte – Platz 15 (76%) -4
• Einzelwertung „Regie“: 84,5 Punkte – Platz 9 (88%) +2
• Einzelwertung „Drehbuch“: 76,0 Punkte – Platz 10 (82%) +1
• Einzelwertung „Musik“: 77,2 Punkte – Platz 14 (82%) -3
• Einzelwertung „Humor“: 82,5 Punkte – Platz 4 (95%) +7


Die größte Abweichung von der durchschnittlichen Wertung beträgt 11,6 Punkte nach oben, die durchschnittliche Abweichung beträgt 6,9 Punkte. Am nächsten dran war horatio mit einer Abweichung von nur 2,4 Punkten.

2. Edgar-Wallace-Grand-Prix: Übersicht / Epigonen-Grandprix: Übersicht / Quoten
UND NOCH MEHR LINKS: Der Lümmel-Blog / Das Lümmel-Forum
/ JBV1 JBV2 / EWP1 EWP2 EWP3

DieterBorsche Offline



Beiträge: 138

27.10.2009 16:14
#63 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Ich hab mir den Film am Wochenende nach längerer Wallace-Abstinenz angeschaut und hatte sofort wieder das gute alte Wallace-Feeling.
Heinz Drache hat mich begeistert (besonders seine markigen Sprüche). Die Szene, in der er die Nachricht überbringt, dass sein Seargent in die Mulford-Tierhandlung eingeschleust und ermordet wurde und sich dann noch so ein bisschen mit Fielding (Schürenberg) anlegt, ist einfach super genial!

"Der Zinker" ist zwar nicht DER Edgar Wallace-Film schlechthin, aber trotzdem immer wieder sehenswert!
Mit anderen Worten: der 11.Platz im Grand Prix ist gerechtfertigt.

Scarpine ( gelöscht )
Beiträge:

13.11.2009 22:53
#64 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

DER ZINKER (1963)

Nach zwei Jahren habe ich mir nun "Der Zinker" mal wieder angesehen und ich muss sagen, dass er mir dieses Mal wesentlich besser als früher gefallen hat. Vielleicht hat das mit meiner langen Wallace-Abstinenz zu tun oder mit der Tatsache, das ich mir letzte Woche bereits den Originalroman von Wallace zu Gemüte führte. Wer weis?

Beeindruckt war ich auf jeden Fall von der Regie Alfred Vohrers. So frisch und souverän hatte ich Vohrers Arbeit bei diesem Film gar nicht in Erinnerung. Es gibt einige sehr interessante Bildmotive in "Der Zinker": Kinski & die Schlange, das Händewaschen des Zinkers, die Schlange auf dem stilsicheren Tisch, der tot vom Gestänge hängende Krischna, Suttons Lolita-Lektüre mit Schlangenangriff und das Klappern von Krischnas Maschinengewehr am Stahlgitter der Käfige. Der Streifen präsentierte sich mir so frisch wie nie zuvor.

Den Vorwurf der Langeweile kann ich aber teilweise nachvollziehen. Trotzdem gelingt es Vorher den Zuschauer mit sorgsam gestreuten Spannungsmomenten bei der Stange zu halten. Gut funktionieren auch die humorigen Elemente. Arents Charakter Harras fällt meistens positiv auf. Seine Streitgespräche mit Fielding, der Beinflirt mit der Sekretärin und die Schlusspointe sitzen. Als fürchterlich empfand ich lediglich sein Löwengebrüll in Suttons Büro.

Das Ensemble ist gut gewählt. Heinz Drache gibt den Inspektor voller Tatendrang. Auch Günther Pfitzmann, Siegfried Schürenberg, Inge Langen und Jan Hendriks überzeugen. Besonders Pfitzmann passt hervorragend in seine Rolle. Demgegenüber kann mich Barbara Rütting, besonders nach der Lektüre des Romans, überhaupt nicht überzeugen. Sie passt, wie ich finde, nicht wirklich in die Rolle der Beryl Stedman. In "Neues vom Hexer" hatte man sie passender besetzt. Das Duo Agnes Windeck & Albert Bessler setzt gleich in seinem ersten Auftritt Maßstäbe und Klaus Kinski liefert als Krischna ein Kabinettsstückchen der besonderen Art.

Negativ gilt es noch zu bemerken, dass ich den antwortenden Mr. Mulford am Ende fürchterlich peinlich finde. Das ist sehr gut mit dem Ende von "Das indische Tuch" vergleichbar, dass mit Wallace als Alleinerben auch lächerlich wirkt. Zudem erschließt sich mir nicht, wieso man die Idee mit dem gespaltenen Fingernagel aus dem Roman nicht verwendete. In den Hehlerszenen mit dem Zinker hätte sich das doch angeboten. Ein weiteres Manko ist, dass man aufgrund des kleinen Verdächtigenkreises sehr schnell den Täter erraten kann.

Als positiv ist hingegen zu verzeichnen, dass man die Figur des Krischna als unheimlicher Handlanger sehr gut funktioniert. Auch die Idee mit dem Schussgerät wertet den Zinker als Täter ungemein auf und lässt ihn einzigartiger erscheinen als im Roman. Ebenso ist das gesamte Finale mit der Entlarvung des Zinkers eine interessante Variante im Vergleich mit der Romanhandlung.

Insgesamt: "Der Zinker" ist ein ordentlicher Wallace-Krimi, der sich auch noch im gebührenden Maße an der Vorlage orientiert und gute Unterhaltung bietet.

7 von 10 Punkten


tilomagnet Offline



Beiträge: 496

14.11.2009 18:06
#65 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Stimme ich dir größtenteils zu. Der Film hat mit den winterlichen Aufnahmen eine in der Serie einzigartige Athmosphäre und die Regieleistung Vohrers ist eine seiner besten.

Es gibt ein paar sehr spannende Sequenzen (z.B. der nächtliche Einbruch von Leslie in Suttons Büro und seine anschließende Ermordung), aber trotzdem entsteht für meine Begriffe kein wirklich packender Spannungsbogen. Die Geschichte nimmt nie richtig Fahrt auf, was teilweise sicher am Mangel an weiteren ernsthaften Verdächtigen liegt.

Auch ist die Auflösung dann schwach aufgebaut, weil der Konfrontation von Sutton and Mrs. Mulford keine wirklich spannende Szene vorausgeht. Das Tempo ist bis zu diesem Zeitpunkt eher gemächlich, dann hat der Inspektor auf ein Mal einen Wissensvorsprung dem Zuschauer gegenüber und die Entlarvung schließt dann eher unvermittelt an, was den Rhythmus des Films doch noch spürbar stört.

So besticht der Film eher durch schöne Aufnahmen und Einstellungen und ein Schaulaufen großartiger Darsteller denn als überzeugender, gut aufgebauter Krimi.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.851

30.01.2010 17:44
#66 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Heute habe ich den wunderbaren und inhaltlich lückenlos aufgebauten "Zinker" wieder einmal gesehen und möchte auf die Fragen von Percy Lister eingehen:

Zitat von Percy Lister
Ich hätte noch eine Frage : Nancy Mulford wirft dem "Zinker" am Ende des Films vor, er hätte
auch sie töten wollen und zwar vor seiner Abreise nach Nairobi.
Weshalb ? Wenn er Beryl Steadman mitgenommen hätte, was er ja durchaus vor hatte, wäre er
als Verdächtiger aus dem Schneider gewesen. Wie wäre es dann aber weitergegangen ? Millie
Trent hätte sicher ihre wahre Identität enthüllt. Hätte der "Zinker" auch Beryl getötet ?

Fragen über Fragen !


Sicher wäre Frank Sutton mit Beryl Stedman nach Nairobi geflogen. Um deshalb einen Streit mit Millie oder sogar die Enttarnung durch sie zu verhindern, wies er seinen Handlanger Krishna an, Millie zu töten, was dieser ja auch tat. Sutton hätte damit keine Angst mehr vor einer Enthüllung durch Mrs. Trent zu haben brauchen und es bestünde für ihn keine Notwendigkeit, Beryl zu töten oder anderweitige Risiken einzugehen, die seine "Frauengeschichten", denen ja auch der Inspektor unterdessen auf die Schliche gekommen war, noch mehr auszuweiten. Einen Mord an Nancy Mulford halte ich deshalb ebenfalls für unwahrscheinlich. Hier schießt Mrs. Mulford einfach mit ihrer Fantasie und ihren Anschuldigungen übers Ziel hinaus.

Denkbar wären die Morde an Mrs. Mulford und Beryl dennoch, wenn man sich die Romanvorlage ansieht, in der Sutton über das Heiratsgeheimnis mit Millie Trent hinaus auch noch andere Ehebetrügereien auf dem Konto hat und inkognito als Heiratsschwindler fungiert. Es wäre möglich, dass er Beryl Stedman heiraten, dann Mrs. Mulford töten und schließlich auch Beryl ermorden würde, um so an das Vermögen der beiden miteinander verwandten Damen heranzukommen.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.851

30.01.2010 18:54
#67 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Ein interessanter Aspekt ist übrigens folgender: Während Siegfried Schürenbergs Rolle im "Zinker" eigentlich, wie allgemeinhin bekannt, Sir Geoffrey Fielding heißt, sagt das Schild an seiner Bürotür etwas ganz anderes. Wenn man in der Szene, in der Arent Pingpong im Simultanverfahren - ohne Netz und doppelten Boden - spielt, ganz genau hinsieht, erkennt man dort den Schriftzug Gerald C. Fielding, Chief Executive.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

08.03.2010 22:18
#68 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Der Zinker (Deutschland 1963, Originaltitel: Der Zinker)

Die Unterwelt Londons zittert! Ein geheimnisvoller Schurke fordert von Raubzügen einen Anteil, wer nicht "zahlt" wird bei der Polizei angeschwärzt, im schlimmsten Fall sogar mit Gift heimtückisch getötet. Niemand kennt die wahre Identität des Zinkers. Als ein Gauner dem Burschen tatsächlich zu nahe kommt, bezahlt er dies mit seinem Leben. Inspector Elford (Heinz Drache) jagt ein Phantom, selbst die Einschleusung eines Maulwurfs bringt keinen Erfolg. Welche Rolle in diesem Treiben spielt Mrs. Mulford (Agnes Windeck), die ältere Dame ist stets freundlich, scheint aber mit allen Wassern gewaschen...

"Der Zinker" ist die zwölfte Edgar Wallace Verfilmung aus dem Hause Rialto Film. Regie führte der fleissige Alfred Vohrer, in der Hauptrolle des Ermittlers ist Heinz Drache zu sehen, sein zweiter Auftritt in einem Rialto Wallace. Erfreulicherweise ist seine Rolle hier etwas ernsthafter angelegt, die gequälte Pseudo-Lockerheit aus "Die Tür mit den 7 Schlössern" war ein wenig unpassend, unnötig. Damit ist allerdings auch schon der grösste Pluspunkt von "Der Zinker" abgehakt, denn ansonsten fällt der Film in Vergleich zu den zahlreichen Vorgängern spürbar ab. Der Besetzung mag ich dafür nur zum Teil verantwortlich machen, denn die Schauspieler liefern ordentliche Arbeit, lediglich ein echter Blickfang für das männliche Chauvi-Auge fehlt ein wenig. Vielleicht kommt die Besetzung in diesem Film insgesamt ein wenig zu unscheinbar, zu wenig prägnant daher. Barbara Rütting spielt solide, hinterlässt aber keinen bleibenden Eindruck. Agnes Windeck als schlitzohrige Mrs. Mulford überzeugt hingegen rundum, sie sorgt für diverse Schmunzler und hat die Sympathien auf ihrer Seite. Klaus Kinski liefert einen herrlichen Irren ab, Eddi Arent kommt als rasender Reporter daher, sein Ohr immer ein wenig zu spät am Puls des prallen Lebens. Siegfried Schürenberg ist nicht in der Rolle des Sir John zu sehen, dieses Mal ist er als Herausgeber einer Zeitung mit von der Partie. Hinter der Rolle von Jan Hendriks steckt erneut mehr als der erste Blick vermuten lässt. Günter Pfitzmann wirkt in einer wichtigen Nebenrolle mit, seine Leistung ist sicher solide, doch ich sehe Pfitzmann leider nicht gern, hätte lieber auf ihn verzichtet.

Was den Film recht beliebig wirken lässt, ist seine nicht wirklich packende Erzählweise. Sonst verstehen die Wallace Filme es vortrefflich kleine Schwächen und Ungereimtheiten durch ihren Charme zu überspielen, doch leider funktioniert dies bei "Der Zinker" oft nicht überzeugend. Der Film neigt zum dahinplätschern, es fehlen die geliebten Gänsehautmomente, zumindest sind sie weniger ausgeprägt. Zwar ist Vohrer ein viel zu versierter Filmemacher, um den Streifen tatsächlich in das Reich der Belanglosigkeit abstürzen zu lassen, doch es bleibt zu oft bei gut gemeinten Ansätzen. Leider nutzt man das Potential der Figur "Zinker" nicht aus, schade um die vertane Chance. Letztlich ist "Der Zinker" nicht nur der schwächste Film aus der "Edgar Wallace Edtion 3", sondern der Tiefpunkt der ersten zwölf Rialto Wallace Werke. Der Fan wird trotzdem passabel unterhalten. Im Rahmen einer solch umfangreichen Reihe -die insgesamt 32 Filme beinhaltet- verzeiht man kleine Ausrutscher gern. Einsteigern würde ich diesen Streifen eher nicht empfehlen, Fans werden mit "Der Zinker" zumindest nicht unglücklich sein.

Hier noch kurz der übliche Hinweis auf die entsprechende Box, in der drei weitere Titel enthalten sind:

- Das Rätsel der roten Orchidee
- Die Tür mit den 7 Schlössern
- Das Gasthaus an der Themse

Weniger als 6/10 (ordentliche Mittelklasse) möchte ich für "Der Zinker" nicht ziehen, obwohl ich den ebenso bewerteten "Die seltsame Gräfin" ein klein wenig besser finde.

Lieblingszitat:

"Ich studiere gerade die Tannhäuser-Partitur und da bumst es im ganzen Haus!"

***

Vom Ursprung her verdorben

horatio Offline




Beiträge: 577

23.03.2010 18:49
#69 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Obwohl ich den Zinker schon zigmal gesehen habe,ist mir folgendes bisher immer entgangen:

In Sir Fieldings Büro sitzen Mr.Harras und Sir Fieldings Sekräterin vor dessen Schreibtisch.
Während Harras und die Sekretärin mit ihren Füßen wippen,sieht man Sir Fieldings Beine unter dem Tisch,obwohl dieser im Raum umherläuft!!!
Ich habs gleich nochmal zurückgespult,weil ich nicht glauben konnte,was ich da sah
Echt krass!!!


horatio
"Irgendeiner muß es ja gewesen sein!"

florian Offline




Beiträge: 333

26.03.2010 15:57
#70 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Hallo Horatio, Du spielst auf die 'Goofs' an, die hier im Forum bereits mehrfach erwähnt wurden. Eine perfekte Aufstellung gibt es bei wallace-online.de/Spurensuche/Filmfehler. Hier wird auch besagte Szene im Zinker genannt.
Die Aufstellung ist wirklich genial, wird einem doch mal bewußt, was man alles so übersieht......
In dem Zusammenhang, was macht eigentlich Micha ? Hat jemand Kontakt ? Die letzte Aktualisierung stammt von 2007!!

LG
Florian

horatio Offline




Beiträge: 577

28.03.2010 19:42
#71 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Hallo Florian,

war auf besagter Seite..
Hochinteressant,was alles für Fehler gemacht wurden,besonders das "wandernde Buch" im Schwarzen Abt oder die Schatten von Mikros wäre mir nie aufgefallen...

Aber die alleinstehenden Füße unter Sir Fieldings Schreibtisch sind der absolute Hammer..


horatio
"Irgendeiner muß es ja gewesen sein!"

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.326

19.04.2011 08:32
#72 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Nachdem ich in der nicht allzu fernen Vergangenheit die m. E. sehr gelungene 30er Jahre Verflimung dieses (mir tatsächlich und in Sachen Wallace eher ausnahmsweise sogar von der Romanvorlage her bekannten) Filmstoffes sehen durfte, habe ich mir nun zum Zwecke einer fundierten (höhö…) Kritik diesen Kassenklingler aus den 60ern wieder gleich zweimal in relativ geringen Abstand zu Gemüte geführt.
Leider bewahrheitete sich dabei der von mir bereits vage vermutete Trend, dass der Zinker umso stärker wirkt und scheint, je weiter man sich (auf der Zeitachse) von ihm entfernt. Positiv lässt sich daraus ableiten, dass dieser Film durchaus seine qualitätstragende und imagebildende Rolle innerhalb der Rialto-Wallace-Reihe hat. Die andere Seite der verzinkten Medaille entblößt aber auch das blasse Antlitz eines Filmes, der mich beim direkten Ansehen nicht (mehr) mitreißen kann.
Und das liegt vorrangig wohl daran, dass die Auflösung des Falles mehr oder minder die komplette Rezeption des Filmes beeinflusst, stärker und mehr noch als bei anderen Filmen der Reihe, was auch daran bemerkbar ist, dass man den Täter eigentlich nach der Erstsichtung nie mehr vergisst, was längst nicht für alle Filme der Reihe (nach einem gewissen gegebenen Zeitablauf) gilt. Und nachdem der „Bluff“ (der angeblich geplante Anschlag auf Sutton) in den Augen des Zuschauers nun mal als solcher entlarvt ist, ziehen sämtliche kammerspielartigen Szenen, trotz emsig flackernden Kaminfeuers und zitternden Kronleuchtern in der Villa Mulford nur mäßig, und ich würde für derlei Thrill dann doch vehement den zwei Jahre später entstandenen „Kammer(flimmer)thriller“ „Neues vom Hexer“ vorziehen, vor allem auch weil dieser in ähnlichem Ambiente ähnliches Personal versammelt(ja, ich meine hier konkret das knisternde Kabinettsahnehäubchen Rüttinger-Drache, auch Schürenberg passt zu diesem Bunde als polternder Dritter natürlich immer gut, Kinski sowieso, während Agnes Windeck mir zwar wie immer sehr imponiert, in anderen Filmen aber *noch* besser gefällt). Und, ganz nebenher bemerkt: „Neues vom Hexer“ wächst, nachdem ich ihn anfangs schwächer einstufte, während bei El Zinko wie oben beschrieben leider der gegenteilige Effekt zu verschmerzen ist.
Natürlich weist auch Vohrers Regie die für ihn typischen interessanten Kameraeinstellungen (zum Beispiel die lange Szene, in der der Zinker ohne Kopf zu erblicken ist, während er das Gift extrahiert) und durchaus staatstragenden Spielereien (Paradebeispiel ist die Karotte aus dem Rachenraum aufgenommen, oder auch das Waschbecken bei der Benutzung von unten gefilmt) auf, und ist somit als gelungen zu bezeichnen, kann jedoch aus meiner Sicht das etwas spannungsarme Drehbuch nicht retten. Und manche Szenen (so will es mir zumindest die Nachtigall vergällen), wie der missglückte Anschlag auf den Zinker und dessen Flucht durch den Dosenberg, die an und für sich durchaus bildgewaltig in Szene gesetzt sind, mögen tatsächlich einfach und banal durch unmäßige Ausschlachtung in den Wallace-Trailern von Kabel 1 aus den 90ern ihren Reiz etwas verloren haben. Dies kann man dem Film natürlich nicht anlasten. Aber bezüglich Vohrers exquisiter Regiearbeit kann man durchaus gut und gerne auf seine anderen Werke ausweichen, vorzüglich nenne ich hier sein Wallace-Debüt „Die toten Augen von London“, wo das Gesamtpaket besser passt.
So muss ich diesen Film insgesamt als unteres Mittelmaß einordnen. Er wurde allerdings mit Fug und Recht bei seinem Erscheinen positiv aufgenommen. Die Erstsichtung macht sicherlich viel Spaß.
Was bleibt? Für mich? Was bleibt mir übrig? Zwei Dinge, die ich dem Film als primäre Alleinstellungsmerkmale anrechne, und die mich trotz aller tendenzieller Erwägungen und wider besseres Wissen dazu bringen werden, den Film immer mal wieder etwas Spielzeit einzuräumen: die schönen Schnee-Szenen, und mehr noch sogar,die so unsagbar schön melancholisch sämtliche Tagszenen in der Tierhandlung durchdringenden Hafengeräusche (vornehmlich in den Ehezwistigkeitszenen). Hier wirkt dann auch Günther Pfitzmann sehr überzeugend. Und diese beiden Punkte, die ich jedem Zuschauer gesondert ans Herz legen möchte heben den Film eigentlich weit über jegliches Mittelmaß….zumindest retrospektiv in der Erinnerung!

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

30.09.2011 21:08
#73 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Zitat von Mr Keeney
das knisternde Kabinettsahnehäubchen Rüttinger-Drache



Sie heißt Barbara Rütting, aber nichts für ungut! Obenstehende Formulierung ist wunderbar, weil die Beiden für mich (allerdings leider nur in "Neues vom Hexer") den schönsten widerborstigsten Flirt miteindander treiben, den man sich nur vorstellen kann.

Ich finde "Neues vom Hexer" in der Tat besser als "Der Zinker", aber Mittelmaß würde ich diesem Film wirklich nicht unterstellen. Ich finde ihn spannend und amüsant zugleich.

Vor allem Agnes Windeck glänzt in ihren Szenen: "(Meine Nichte ist) ... sehr begabt (als Kriminalautorin) .... schon im ersten Kapitel acht Tote..." Oder zum Ende von Beryls Romanheld "The Red Killer": "Man müßte ihn mit einer kleinen Laubsäge..." Die Szene, in der sie Günter Pfitzmann zur Strecke bringt, ist ein Kabinettstück.

Eddi Arendts Disput mit Heinz Drache, der in dem Stoßseufzer "Inspektorchen!" gipfelt, ist gleichfalls sehr amüsant ebenso wie seine Dauerfehde mit Siegfried Schürenberg.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.326

01.10.2011 15:49
#74 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Zitat von Cora Ann Milton

Zitat von Mr Keeney
das knisternde Kabinettsahnehäubchen Rüttinger-Drache



Sie heißt Barbara Rütting, aber nichts für ungut! Obenstehende Formulierung ist wunderbar, weil die Beiden für mich (allerdings leider nur in "Neues vom Hexer") den schönsten widerborstigsten Flirt miteindander treiben, den man sich nur vorstellen kann.




Ooops, da war mein doppelter Rittberger leider nicht fehlerfrei Keine Ahnung, was mich da geritten respektive "gerütten" hat. Danke fürs "Verzinken"

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

04.10.2011 20:24
#75 RE: Bewertet: "Der Zinker"(12) Zitat · antworten

Aber gern geschehen, Mr. Keeney!

Für mich sind Heinz Drache und Barbara Rütting mein absolutes Wallace-Traumpaar! Wie die Beiden in "Neues vom Hexer" (im "Zinker" leider nicht, weil sie da ja auf Günter Pfitzmann reingefallen ist) mit einander umgehen, ist einfach wunderbar.

In "Neues vom Hexer" geht Barbara Rütting Heinz Drache schon bei ihrem ersten Zusammentreffen "an die Wäsche" (den Oberarm), was er zunächst arrogant zurückweist.

Schon bei seinem ersten Besuch in ihrem Atelier scheint er es sich jedoch anders überlegt zu haben, wenn man sieht, mit welchem Blick er ihren Kleidungswechsel verfolgt. Bezeichnend ist auch, das sie diesen nicht hinter einem blickdichten Vorhang vollzieht, den es ja bei ihr gibt und hinter dem er sich später verstecken wird.

Später steigt er dann in ihr Atelier ein. Sie fragt ihn - mit einer Waffe im Anschlag (weil sie zunächst nicht wußte, dass er es ist): "Was interessiert Sie hier?" Er antwortet ebenso cool wie sie: "Alles!" "Wissen Sie eigentlich, dass Sie in Lebensgefahr sind?" fragt er. Sie erwidert wieder ebenso unterkühlt wie er: "Das ist man von Geburt an!" Die intensiven Blickwechsel zwischen beiden strafen ihre betont lässige Konversation jedoch Lügen.

Als er später verkündet, notfalls die ganze Nacht zu ihrem Schutz bei ihr zu bleiben, sagen ihre Blicke und ihr Lächeln wieder alles.

Man sollte sich auch einmal die Reaktion von Heinz Drache auf Barbara Rüttings kesse Antwort auf Siegfried Schürenbergs Stoßseufzer, es sei doch sehr unangenehm, dass Lady Curtain ermordet worden sei ("Besonders für Lady Curtain!" meint sie) anschauen. Da haben ganz offensichtlich zwei den selben Sinn für schwarzen Humor.

Dass sie natürlich nicht offen ein Paar (und schon gar nicht auf Dauer) werden, liegt bei diesen beiden starken und unabhängigen Persönlichkeiten auf der Hand. Ein "knisterndes Kabinettsahnehäubchen" sind sie allemal!

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