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Dieses Thema hat 89 Antworten
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 Filmbewertungen
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Blinde Jack Offline




Beiträge: 2.000

13.10.2015 22:46
#76 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" (5) Zitat · antworten

Die toten Augen von London ist wahrlich einer der besten Filme der ganzen Serie. Hier ein kurzes Statement...

Die Darsteller sind wirklich einwandfrei in ihren Rollen besetzt. Blacky gibt einen sympatischen Inspektor ab, auch wenn er diesen Part mitunter noch wesentlich besser gespielt hat. Karin Baal gefällt mir sehr gut in ihrer Rolle und ihre angedeutete Hintergrundgeschichte ("ich war leider nicht vorischtig in der Wahl meiner Eltern") liegt jederzeit glaubhaft in ihren Gesichtszügen. Liegt sicher daran, dass diese härter sind, als bspw. Frau Dors.
Dieter Borsche, Wolfgang Lukschy, Klaus Kinski und besonders Harry Wüstenhagen als unvergesslicher Flimmer-Fred liefern wunderbare Darbietungen ab und die Figur des Reverend ist ein sehr eindrucksvoller Schurke der Wallace-Reihe.
Ann Savo spielt genauso einprägsam und mit einer tollen Ausstrahlung.
Auch Rudolf Fenner, Ida Ehre, Joseph Offenbach und Bobby Todd bleiben immer im Gedächtnis und werden zu schrägen Typen, die selten in dieser wohltuenden Anzahl in einem Wallace-Film zu finden sind. Die Krone bekommt allerdings Ady Berber verliehen, der als "blindes Ungeheur" zum unsterblichen Sinnbild geworden ist.
Einzig Eddi Arent gefiel mir nicht so gut, geht aber in der Großartigkeit des Ensembles dennoch passend auf.

Was mich wirklich am meisten begeistert, ist die Leistung von Egon Eis. Er schrieb ein perfektes Drehbuch, welches durchgängig logisch ist, keine offenen Fragen zurücklässt und es vor allem schafft sich auf das wesentliche zu konzentrieren, ohne dabei auf stimmungsvolle Szenen zu verzichten. Eine wirklich tolle Arbeit von ihm, wo spürbar die eine Szene in die andere übergreift und damit eine angenehme Dynamik entwickelt.
Das nächste Lob geht an Vorher, der diese Vorlage zu nutzen weiß und das Geschehen gruselig und spannend inszeniert.
Das Zusammenspiel von atmosphärischen Drehorten (Blindenheim, Greenwich Versicherung, der Roulette-Club), sehr guter Kameraarbeit und einem düsteren Soundtrack ist in fast keinem anderen Film so gut gelungen wie in diesem hier.
Mit den überragenden Schauspielern, die jedem Charakter Leben einhauchen, bleibt mir nur übrig

5 von 5 Punkten

zu vergeben!

Ray Offline



Beiträge: 642

21.08.2016 22:19
#77 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" (5) Zitat · antworten

Die toten Augen von London (BRD 1961)

Regie: Alfred Vohrer

Darsteller: Joachim Fuchsberger, Karin Baal, Eddi Arent, Dieter Borsche, Wolfgang Lukschy, Klaus Kinski, Harry Wüstenhagen, Adi Berber, Rudolf Fenner, Ann Savo, Franz Schafheitlin u.a.



"Die toten Augen von London" gilt - und da besteht überraschenderweise weitgehende Einigkeit - heute als bester Edgar Wallace-Film überhaupt und das kann man besten Gewissens unterschreiben.

@patrick hat ja bereits den Vergleich zum Film Noir gezogen, der zumindest auf formaler Ebene deutlich zu Tage tritt. Der Film enthält nahezu ausschließlich Außenaufnahmen in der Dunkelheit und wenn man ausnahmsweise mal tagsüber draußen drehte, dann auf einem Friedhof, so dass die düstere Stimmung gewahrt werden konnte. Des Weiteren wurde starker Gebrauch von Low-Key-Ausleuchtung gemacht. Davon abgesehen etablierte Vohrer in seinem ersten Film bereits seinen ganz eigenen Stil, der in der lesenswerten Publikation "Visueller Stil in den Edgar-Wallace-Filmen der Rialto/Constantin" von Felix Brand detailliert erforscht und ausgewertet wurde. Einige Dinge fallen jedoch auch einem Laien wie mir auf: "impossible shots" (Kameraperspektive aus dem Mund Gordon Stuarts beim Zähneputzen, starke Zooms, "Ekel-Effekte" (hier mit den Ratten noch weniger ausgeprägt) - all jene Elemente, die von nun an zum Standardrepertoire gehören sollten. Gleichsam bekommt man erstmals eine Titelsequenz präsentiert, wie sie ab sofort zum guten Ton gehören sollte (beim "grünen Bogenschützen" schon ansatzweise der Fall, aber hier noch stärker in Dialogszenen eingebettet): bevor auch nur ein Wort gesprochen wird, geschieht der erste Mord, wobei der Mörder die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers bewusst zur Tötung ausnutzt, mithin heimtückisch vorgeht.

Im direkten Vergleich zu den Vorgängern offenbart sich jedoch noch eine ganz andere Stärke: die Dialoge bzw. der Dialogwitz. Diesen hat man neben Egon Eis wohl vor allem Wolfgang Lukschy zu verdanken, der an den Dialogen feilte und so zu dieser Qualität beitrug. Beispielhaft genannt sei etwa die Szene, in der Flimmer Fred den vergifteten Kuchen bei Scotland Yard vorbeibringt und sich mit Sgt. Harvay alias Eddi Arent einen herrlichen Schlagabtausch liefert. Überhaupt ist der Film durch die Stärke des Drehbuchs weniger auf Klamauk-Einlagen von Arent angewiesen, was nicht nur seiner persönlichen Performance, sondern auch dem Film an sich guttut.

Der Film enthält außerdem einige jener Szenen, die den Weg in meinen imaginären "Best Of-Clip" geschafft haben. Ob die Szene, in der Flimmer Fred Stephen Judd plötzlich mit dem Messer bedroht und dabei ausruft "Achtung heiß, sehr heiß", jedoch alsbald von Fuchsberger "abgekühlt" wird, Flimmer Freds Ermordung im Fahrstuhl, die Ermordung von Kinskis Figur inklusive (fast schon legendären) Worten "Aber ich hab doch nur das getan, was man mir aufgetragen hat. Ich weiß doch von nichts". Insgesamt fällt die Detailverliebtheit auf, die sich anhand der Szene im Club, in der sich das Antlitz Flimmer Freds in Edgar Strauss´ Sonnenbrille spiegelt genauso illustrieren lässt wie an dem wunderbar harmonischen Schnitt. Selbst die Musik Heinz Funks weiß ich inzwischen zu schätzen.

Auf Seiten der Darsteller ist zu bemerken, dass Fuchsberger endgültig in seinem Element ist, er passt sich dem hohen Niveau des Gesamtprodukts mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit an. Karin Baal nutzt die vergleichsweise dankbare Rolle für eine "First Lady" ebenfalls, um eine natürlich-charismatische Darbietung abzuliefern. Dass man mehrere Jahre auf sie verzichtete, ist ähnlich unverständlich wie der Umstand, dass der herausragende Wolfgang Lukschy, der den "Biedermann" Judd ganz ausgezeichnet verkörpert, gar keine Berücksichtigung mehr fand. Ann Savo endlich gibt die perfekte Bardame, eine vermeintlich simple Rolle, an der sich andere dennoch die Zähne ausbeissen würden, nicht so die verführerische Savo - chapeau! Harry Wüstenhagen spielt mit Flimmer Fred wohl die Rolle seines Lebens, an seine hier gezeigte Leistung sollte er bei seinen folgenden Auftritten nicht mehr herankommen. Adi Berber kreierte sein Rollenklischee, so gekonnt wie hier sollte er kein weiteres Mal in Szene gesetzt werden. Die Rechtfertigung für die in der geballten Form geradezu unmenschliche Armbehaarung erschließt sich mir hingegen nicht. Last but not least gelang Dieter Borsche der Spagat zwischen seinen "zwei Rollen" ganz vortrefflich. Einzig negativ fällt Franz Schafheitlin auf, dessen Part im Grunde völlig überflüssig war. In den wenigen Szenen, in der er präsent war, konnte er keinerlei Charisma entwickeln. Die "Doppellung" mit der Figur des Chefinspektors, der auch immer mal wieder dazwischenfunkt, erweist sich - ob romangetreu oder nicht - als ein wenig unglücklich. Ansonsten gibt es an Vohrers Debüt nichts auszusetzen. Ein Horrormärchen par excellence!



"Die toten Augen von London" besticht durch eine in dieser Form einmalige handwerkliche Qualität. Inszenierung, Dialogwitz und Schnitt heben die Reihe auf ein neues Level und geben die Richtung für die nachfolgenden Filme vor. 5 von 5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.707

22.08.2016 20:38
#78 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" (5) Zitat · antworten

Ja, die Früh-Vorhers waren noch Wallace-Filme wie sie sein sollten. Welcher Teufel ihn allerdings geritten haben mag, sieben Jahre später sein eigenes Kunstwerk mit einem an Minderwertigkeit kaum mehr zu unterbietenden Thrash-Remake in den Dreck zu ziehen und damit ein Attentat auf den Geschmack ernsthafter Wallace-Fans zu verüben wisse wer wolle.

Giacco Offline



Beiträge: 1.423

22.08.2016 21:42
#79 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" (5) Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #78
Welcher Teufel ihn allerdings geritten haben mag, sieben Jahre später sein eigenes Kunstwerk mit einem an Minderwertigkeit kaum mehr zu unterbietenden Thrash-Remake in den Dreck zu ziehen und damit ein Attentat auf den Geschmack ernsthafter Wallace-Fans zu verüben wisse wer wolle.

Mir gefällt das Trash-Remake. Dazu stehe ich und bezeichne mich trotzdem als "ernsthaften Wallace-Fan".

patrick Offline




Beiträge: 2.707

23.08.2016 09:11
#80 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" (5) Zitat · antworten

Zitat von Giacco im Beitrag #79
Zitat von patrick im Beitrag #78
Welcher Teufel ihn allerdings geritten haben mag, sieben Jahre später sein eigenes Kunstwerk mit einem an Minderwertigkeit kaum mehr zu unterbietenden Thrash-Remake in den Dreck zu ziehen und damit ein Attentat auf den Geschmack ernsthafter Wallace-Fans zu verüben wisse wer wolle.

Mir gefällt das Trash-Remake. Dazu stehe ich und bezeichne mich trotzdem als "ernsthaften Wallace-Fan".



Nun ja, dein gutes Recht. Wäre er als Parodie ausserhalb der echten Reihe gedacht, würde er mir vielleicht auch gefallen. Aber das ist er nicht wirklich. Ganz anders wäre es, hätte man einen echten abgerichteten Gorilla verwendet. Der Film hätte zu einem der Höhepunkte des Genres werden können. Ich glaube mich zu erinnern, irgendwo gelesen zu haben, dass soche Gedanken im Raum standen. Aber das hat das Sparprogramm wohl nicht zugelassen.

Jan Offline




Beiträge: 1.187

23.08.2016 14:22
#81 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" (5) Zitat · antworten

Zitat von Giacco im Beitrag #79
Zitat von patrick im Beitrag #78
Welcher Teufel ihn allerdings geritten haben mag, sieben Jahre später sein eigenes Kunstwerk mit einem an Minderwertigkeit kaum mehr zu unterbietenden Thrash-Remake in den Dreck zu ziehen und damit ein Attentat auf den Geschmack ernsthafter Wallace-Fans zu verüben wisse wer wolle.

Mir gefällt das Trash-Remake. Dazu stehe ich und bezeichne mich trotzdem als "ernsthaften Wallace-Fan".


Da schließe ich mich an, muss mich aber nicht zwangsläufig als ernsthaften Wallace-Fan bezeichnen (lassen).

Der Gorilla ist enorm unterhaltsam, hat zwangsläufig eines der besten Wallace-Drehbücher der Rialto/Constantin. Die Idee, einen Typen in ein Affenkostüm zu stecken, ist so dämlich, dass ich mir vor Freude auf die Schenkel schlagen könnte. Thomas' Soundtrack ist um Längen besser als der von Heinz Funk, Löbs Kameraarbeit hat mit den Jahren nicht gelitten. Albert Lieven ist nach meinem Dafürhalten kein schlechterer Schmierlappen als Wolfgang Lukschy, Hubsi von Meyerink wirkt wie Ecstasy gegenüber dem kaum ins Gewicht fallenden Schaftheitlein. Dass es die Nachfolger von Borsche, Kinski, Wüstenhagen und Savo nicht mit den Originalen aufnehmen konnten, bleibt unbenommen, trübt aber mein Vergnügen nur geringfügig.

Aber diese Diskussion hat nen Bart. Einen Bart, der kaum weniger Zotteln hat als des Gorillas Pelz!

Gruß
Jan

Wallacefreund Offline




Beiträge: 168

23.08.2016 16:44
#82 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" (5) Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #78
Ja, die Früh-Vorhers waren noch Wallace-Filme wie sie sein sollten. Welcher Teufel ihn allerdings geritten haben mag, sieben Jahre später sein eigenes Kunstwerk mit einem an Minderwertigkeit kaum mehr zu unterbietenden Thrash-Remake in den Dreck zu ziehen und damit ein Attentat auf den Geschmack ernsthafter Wallace-Fans zu verüben wisse wer wolle.



Für mich ist der Gorilla der Höhepunkt der Einfallslosigkeit!Die Wallace-Serie war mMn zu diesem Zeitpunkt sowieso schon über ihrem Zenit,aber dieser Film ist irgendwie die Kirsche auf der Sahne.Deutlicher konnte man nicht klar machen,das die Serie am Ende ist.

Wallacefreund Offline




Beiträge: 168

26.08.2016 15:34
#83 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" Zitat · antworten

Gestern nach längerer Paus mal wieder gesehen.Für mich nach wie vor eines der Highlights der gesamten Reihe.
Die Handlung ist spannend und zu keiner Zeit langweilig,die düsteren nebligen Gassen,herrlich.
Die Schuspieler durchweg gut besetzt,Arent hier mit dosiertem Humor,anders als in manch anderem Streifen.
Besonders D.Borsche möchte ich einmal hervorheben,der hier mMn einen schönen undurchsichtigen Part spielt.Schade,
das er nicht öfter mit dabei war.Ady Berber auch herrlich gruselig,einfach ein Meisterwerk.

Lord Low Offline




Beiträge: 439

03.10.2016 19:32
#84 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" Zitat · antworten

Hat diese Plattform vor dem Fleetschlösschen wirklich existiert oder hat man die nur für den Film gebaut?

Jan Offline




Beiträge: 1.187

06.10.2016 00:21
#85 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" Zitat · antworten

Dabei dürfte es sich um einen existenten Ponton gehandelt haben:



Gruß
Jan

Lord Low Offline




Beiträge: 439

06.10.2016 11:43
#86 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" Zitat · antworten

Kommt man heute noch bis zur Säule runter oder ist da oben abgesperrt?

Peter Offline




Beiträge: 2.757

06.10.2016 12:24
#87 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" Zitat · antworten

Der Zugang ist offiziell gesperrt. Aber wer Mut hat und ohnehin zu einer gefährlichen Bande blinder Hausierer gehört, wird sich wohl nachts im Nebel nicht von einem windschiefen Geländer aufhalten lassen....



Lord Low Offline




Beiträge: 439

06.10.2016 16:48
#88 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" Zitat · antworten

Und wenn man sehr viel Mut hat, kommt man sogar über die Leiter in das Boot, um einen noch besseren Kamerawinkel zu erwischen.

brutus Offline




Beiträge: 12.768

06.10.2016 18:55
#89 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" Zitat · antworten

Zitat von Lord Low im Beitrag #88
Und wenn man sehr viel Mut hat, kommt man sogar über die Leiter in das Boot, um einen noch besseren Kamerawinkel zu erwischen.

Was so ein echter Blinder ist, der scheut für einen gelungenen Schnappschuss kein Risiko

Lord Low Offline




Beiträge: 439

16.06.2017 14:23
#90 RE: Bewertet: "Die toten Augen von London" Zitat · antworten

Wer spricht denn hier in machen Szenen für Dieter Borsche, als sein Alter Ego noch nicht bekannt gegeben werden soll?

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