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Dieses Thema hat 212 Antworten
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max Offline



Beiträge: 201

03.02.2017 16:16
#166 RE: Bewertet: "Der grüne Bogenschütze" (4) Zitat · Antworten

Moin zusammen,
Zum Verbleib von Ruth Hausmeister im Film ist mir noch eine Idee gekommen:
Im Tses-Buch auf Seite 207 erzählt Jürgen Roland im Interview von einer Toilettenszene. Eine Toilettenfrau sitzt am Tisch und strickt, während Münzen in den Teller geworden werden. Eine Person wirft keine Münze, die Frau blickt auf und es ist Eddi Arent, der "Presse" sagt.
Für diese Szene soll es in der Presse wohl ordentlich Kritik gehagelt haben.

Ich kann mich jedoch an keine Szene dieser Art erinnern. Vielleicht war ja die Toilettenszene in der Kinofassung drin und wurde für die TV-/DVD-Veröffentlichungen entfernt.
Sollte Ruth Hausmeister also die Toilettenfrau gespielt haben, würde dies erklären, warum ihre Mitwirkung genannt wird, sie aber nicht zu sehen ist.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

04.02.2017 01:06
#167 RE: RE:Bewertet: "Der grüne Bogenschütze" (4) Zitat · Antworten

Eine spannende Fährte - zumal es ohnehin interessant wäre, mehr über diese Szene und ihren eventuellen Verbleib in Erfahrung zu bringen. Die lange Zeit für wahrscheinlich angenommene Theorie, dass Hausmeister die Reporterin am Flughafen spielt, würde ich nach der neulichen Sichtung der beiden "Stahlnetz"-Folgen, in denen sie auftritt, nämlich eher negieren. Es ist jedenfalls garantiert nicht ihre Stimme, auch wenn sie mit sehr kurzer Frisur und entstellender Brille vielleicht so ähnlich hätte aussehen können.

max Offline



Beiträge: 201

04.02.2017 17:29
#168 RE: RE:Bewertet: "Der grüne Bogenschütze" (4) Zitat · Antworten

Ah, okay, beim Stahlnetz kenne ich mich leider nicht aus, ich kenne sie nur aus der "Brücke", aber die Reporterin wirkt mir etwas zu jung dafür.
Das Interview mit Jürgen Roland liest sich so, als ob er davon ausginge, dass man die Szene kennt ("Beim grünen Bogenschützen gibt es doch eine Szene, wo die Toilettenfrau...").

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

04.02.2017 21:43
#169 RE: RE:Bewertet: "Der grüne Bogenschütze" (4) Zitat · Antworten

Zitat von max im Beitrag #168
Das Interview mit Jürgen Roland liest sich so, als ob er davon ausginge, dass man die Szene kennt ("Beim grünen Bogenschützen gibt es doch eine Szene, wo die Toilettenfrau...").

Wenn es so formuliert ist, könnte es auch eine Suche nach Bestätigung wegen eigener Unsicherheit sein (à la "Diese Szene gibt es doch im Film?!"). Kennt jemand eine ähnliche Szene ggf. aus einer anderen Roland-Produktion? Ich finde es kurios, dass man darüber in der "seriösen" Sekundärliteratur zum Bogenschützen eigentlich nichts findet.

DanielL Offline




Beiträge: 4.141

05.02.2017 05:23
#170 RE: RE:Bewertet: "Der grüne Bogenschütze" (4) Zitat · Antworten

Wenn es sich tatsächlich um Arent gehandelt hat, kommen nur in Frage:
Der grüne Bogenschütze
Der rote Kreis
Stahlnetz - Verbrannte Spuren
un im Zweifel: Die seltsame Gräfin

Gruß,
Daniel

Count Villain Offline




Beiträge: 4.559

05.02.2017 10:46
#171 RE: RE:Bewertet: "Der grüne Bogenschütze" (4) Zitat · Antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #170
Wenn es sich tatsächlich um Arent gehandelt hat, kommen nur in Frage:
Der grüne Bogenschütze
Der rote Kreis
Stahlnetz - Verbrannte Spuren
un im Zweifel: Die seltsame Gräfin


Allerdings spielt Arent nur im Bogenschützen einen Pressevertreter.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

08.12.2018 10:15
#172 Wallace der Woche (05): Der grüne Bogenschütze (1960/61) Zitat · Antworten



Edgar Wallace: Der grüne Bogenschütze

Wer glaubt denn schon an Geister? Der grün gewandete Geselle, der dem Krösus Abel Bellamy das Leben schwermacht, dürfte eine von Wallace’ urbritischsten Mordfiguren sein – der grüne Bogenschütze. Jürgen Roland nahm sich des Stoffes mit leichter Hand an und legte damit seine zweite und letzte Wallace-Umsetzung vor.

Wie steht ihr zum Bogenschützen? Wisst ihr den grünen Schwerenöter zu schätzen oder würdet ihr am liebsten selbst einen Pfeil auf ihn abfeuern? Ich bin jedenfalls gespannt wie ein Flitzebogen (sorry, dieser Spike-Holland-Joke ließ sich nicht vermeiden).

Links:

Platzierung im Edgar-Wallace-Filmgrandprix 2014: Platz 16 von 36 (72,84 %)

patrick Offline




Beiträge: 3.242

08.12.2018 13:46
#173 RE: Wallace der Woche (05): Der grüne Bogenschütze (1960/61) Zitat · Antworten

Der grüne Bogenschütze (1960/1961)




Regie: Jürgen Roland

Drehzeit: Oktober 1960 bis Jänner 1961


Mit: Klausjürgen Wussow, Karin Dor, Gert Fröbe, Eddi Arent, Harry Wüstenhagen, Wolfgang Völz, Heinz Weiss, Stanislav Ledinek, Hans Epskamp, Georg Lehn, Edith Teichmann, Hela Gruel, Charles Palent, Helga Feddersen, Karl-Heinz Peters, Sigrid von Richthofen, Hans Ganswind, Henry Lorenzen, Robert Hore, Ruth Hausmeister


Handlung:

Der ungehobelte, aber dank seiner kriminellen Tüchtigkeit sehr reiche, Amerikaner Abel Bellamy hegt im geheimen Keller seines englischen Schlosses ein wohlbehütetes Geheimnis in Form seiner eingesperrten alten Liebe Elaine. Was ihn allerdings sehr nervös macht, ist das ständige Erscheinen eines angeblichen Geistes, nämlich des berüchtigten grünen Bogenschützen. Auch taucht nun Valerie Howett, die Tochter von Elaine, auf, die ahnt, dass ihre Mutter noch am Leben ist und Bellamy gerät inzwischen in den Fokus von Scotland Yard. Welche Rolle spielt aber das mordende grüne Phantom in der Geschichte...


Anmerkungen:

"Der grüne Bogenschütze" führt den durch "Rächer" und "Bande" so richtig losgetretenen Grusel-Wallace-Trend natlos weiter und beginnt schon mal mit einer sehr vielversprechenden Prätitelsequenz in einem "Old-Dark-House-Ambiente". Der Film entführt in ein wunderbares altes Gemäuer mit geheimen Gängen und tollem Dekor, was alles in imposantem Gothic-Stil ausgeschmückt ist. Käuzchenrufe und nächtliche Auftritte des grünen Bogenschützen bescheren schöne Grusel-Momente. Freilich hätte man aus dem Stoff durchaus noch mehr machen und das Phantom öfters im dunklen Schloss herumgeistern und dabei lange Schatten werfen lassen können. Da der Film Dank einer recht turbulenten und abwechslungsreichen Handlung aber nie langweilig wird, darf man mit dem Endprodukt trotzdem mehr als zufrieden sein. Jürgen Roland hat sich gegenüber dem "Roten Kreis" erfeulicherweise atmosphärisch deutlich gesteigert. Whudunit-Freaks dürfte der Film dennoch weniger gefallen, da die Dramaturgie nicht so sehr die Entlarvung der Titelfigur schmackhaft macht, als viel mehr auf den grobschlächtigen Abel Bellamy und seine schmutzigen Geheimnisse ausgerichtet ist. Bei der Erstsichtung ist die Story recht verwirrend und wird noch weiter dadurch verkompliziert, dass man am Schluss plötzlich mit zwei Bogenschützen beglückt wird. Im Grunde wohnt der Geschichte aber dennoch eine gewisse Logik inne.

Karin Dor ist hier deutlich mehr auf Strahlkraft geschminkt als in der "Bande". Klausjürgen Wussow schindet als Ermittler keinen nennenswerten Eindruck und fällt hinter seine Performance im "Kreis" deutlich zurück, was nicht weiter stört, da der leibesfüllige und gewaltige Gert Fröbe und das tolle Ambiente die wahren Stars dieses Streifens sind. Der rothaarige Sachse spielt mit seiner potenten Präsenz den Rest der Darstellerriege mühelos an die Wand und steigert sich von einem cholerischen Anfall in den nächsten, was köstliche Unterhaltung bietet. Harry Wüstenhagen präsentiert sich als schlitzohriger und nicht allzu seriöser, aber im Grunde auch nicht unsympathischer, Zeitgenosse, den er später auch beim "Schwarzen Abt" ähnlich mimen sollte. Stanislav Ladinek als primatenhafter, aber von Gert Fröbe in Punkto Ungehobeltheit klar ausgestochener, Ganove ist eine weitere Figur, die im Gedächtnis bleibt.

Fazit:

Durch das dargebotene Verwirrspiel und die Doppelentlarvung mit dem "Schützen seines Herrn" fühlen sich zahlreiche Krimi-Freunde nicht ganz zu Unrecht hinter's Licht geführt. Ich möchte daher nicht in Abrede stellen, dass der Film seine Schwächen hat. Als Liebhaber alter Gemäuer und ur-typischer Wallace-Atmosphäre werde ich von Jürgen Rolands zweiten und (vor)letzten Wallace-Streich, der ausgesprochen kurzweilige Unterhaltung bietet, jedoch allerbestens bei Laune gehalten. Gerade dieser Film eignet sich ganz besonders gut für mehrfache Sichtungen, was durch die zahlreichen TV-Wiederholungen und den besonderen Stellenwert, den der "Bogenschütze" im Wallace-Universum innehat, bestätigt wird. Ich bin daher gerne bereit für diesen Streifen, der hier im Forum leider kein angemessenes Ansehen genießt, eine Lanze zu brechen und volle 5 von 5 Punkten springen zu lassen.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

08.12.2018 13:50
#174 RE: Wallace der Woche (05): Der grüne Bogenschütze (1960/61) Zitat · Antworten



Edgar Wallace: Der grüne Bogenschütze

Kriminalfilm, BRD 1960/61. Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: Wolfgang Menge, Wolfgang Schnitzler (Romanvorlage „The Green Archer“, 1923: Edgar Wallace). Mit: Gert Fröbe (Abel Bellamy), Karin Dor (Valerie Howett), Klausjürgen Wussow (Inspektor James Featherstone), Harry Wüstenhagen (Julius Savini), Eddi Arent (Spike Holland), Wolfgang Völz (Sergeant Higgins), Charles Palent (Sergeant Bannister), Hela Gruel (Elaine Bellamy), Hans Epskamp (Mr. Howett), Heinz Weiss (John Wood), Stanislav Ledinek (Coldharbour Smith), Georg Lehn (Lacy), Edith Teichmann (Fay Savini), Karl-Heinz Peters (Mr. Creager), Robert Harre (Bellamys Diener San) u.a. Uraufführung: 3. Februar 1961. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Frankfurt / Main im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Der grüne Bogenschütze
Seit der herrische Amerikaner Abel Bellamy Garre Castle bezogen hat, geht dort eine alte Spukgestalt wieder um: der „grüne Bogenschütze“, der mit seinen Pfeilen gern auch Jagd auf Menschen macht. Das zieht nicht nur neugierige Touristen, sondern auch Valerie Howett und ihren Vater an, die mit Abel Bellamy noch eine alte Rechnung offen haben, weil dieser vor zwanzig Jahren in das Verschwinden von Valeries Mutter involviert war. Was Valerie nicht weiß: Bellamy hält ihre Mutter im Keller von Garre Castle gefangen. Die Tochter sucht in der verrufenen Shanghai-Bar nach Spuren und bringt sich mit ihrer Neugierde in eine brandgefährliche Situation, während der Bogenschütze weiter mordet. Ein Gefängnisaufseher, der Bellamy erpresst, und der Betreiber der Shanghai-Bar fallen ihm zum Opfer ...


„Ein Mörder mit einem Flitzbogen. Der grüne Bogenschütze? Absurder Gedanke!“

Für den Zuschauer, der in den Edgar-Wallace-Krimis mehr als bloße Märchenunterhaltung zum Hirnabschalten sucht und zugleich von den vergangenen Filmen der Reihe einen hohen Thrill- und Gruselfaktor geboten bekam, stellt es eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, sich nun plötzlich auf einen Gespensterschurken im robin-hood-haften Strumpfhosen-Look einzustellen. Wo es der Rialto anderweitig gelang, selbst einen Verbrecher im Froschkostüm unheimlich und bedrohlich wirken zu lassen, vermittelt der Bogenschütze hier einen deutlich weniger gefährlichen, eher angestaubten und teilweise unfreiwillig komischen Eindruck – so als sei der Film, dessen Buchvorlage fast 40 Jahre früher entstand, aus der Zeit gefallen und der Schurke dergestalt konzipiert, dass nur naive, geistergläubige Briten ihn für bare Münze nehmen können. Den Machern schien diese Problematik deutlich bewusst zu sein – anstatt jedoch einen anderen, besser für eine moderne Adaption geeigneten Roman auszuwählen, entschied man sich, auf zwei Weisen mit ihr umzugehen: Einerseits adressiert Eddi Arent unverhohlen in der Auftaktszene die Unglaubwürdigkeit des Täters. Die Idee, den „Mörder mit Flitzbogen“ zunächst zu diskreditieren, um das Publikum unmittelbar darauf eines Besseren zu belehren und mit einer frühzeitigen Leiche die sehr wohl vorhandene Blutrünstigkeit des Bogenschützen unter Beweis zu stellen, funktioniert aufgrund einer sehr atmosphärischen Inszenierung der Szene recht gut – gerade auch weil man den von Gretl Wehrsig allzu klassisch-betulich eingekleideten Mörder nicht zu Gesicht bekommt, sondern dieser seinen Phantom-Status zunächst aufrechterhält. Zweitens optierten Jürgen Roland und seine Drehbuchautoren jedoch für eine sehr humorlastige Aufarbeitung des Stoffs. Sie verwendeten zum ersten Mal im Rahmen der Serie die konsequente Selbstironie, welche später zum Markenzeichen der teilweise nicht mehr für voll zu nehmenden Mid-to-Late-Sixties-Wallace-Krimis werden sollte. Was im selbstreferenziellen Wiederholungszeitalter der Wallace-Farbfilme aus mangelnder Bereitschaft und Möglichkeit, das Rad neu zu erfinden, hin und wieder durchaus akzeptabel ist, wirkt hier eher aufgesetzt und ist der bedrückenden Atmosphäre, die von anderen Elemente der Geschichte ausgeht, abträglich.

Tatsächlich gibt es nämlich durchaus Elemente, die den „grünen Bogenschützen“ als ausgewachsenes Krimidrama ausweisen. Zum Beispiel zählt die boshafte Gestalt Abel Bellamys, der – wie eine geschickte Überblendung assoziiert – wie eine fette, selbstzufriedene Spinne in der Mitte eines klebrigen Netzes hockt, zu den besonders abstoßenden Bösewichtern im Wallace-Kanon. Als Besetzung für diese Rolle Gert Fröbe verpflichtet zu haben, erscheint rückblickend beinah alternativlos – zumal Fröbe vor der Überzeichnung seiner Rollen (weder zum Jämmerlichen noch zum Aggressiven) nie zurückschreckte. Und so baut er auch Abel Bellamy in seinem typischen Alles-oder-Nichts-Stil zum verabscheuungswürdigen Ekel aus, das auf Wallace’ ohnehin schon beeindruckende Figur noch eins, zwei Portionen Skrupellosigkeit draufsetzt. Sein scheußlichstes Werk ist dabei nicht einmal die Entführung von Valerie Howett, sondern das jahrelange Gefangenhalten ihrer Mutter – eine kaum zu überbietende Grausamkeit, in die sich Hela Gruel, eine von Rolands bevorzugten Charakterschauspielerinnen, mit stoischer Ruhe und doch beklemmenden Hoffnungsgefühlen fügt. Man fragt sich aus diesen Gründen, warum die Macher den Bogenschützen zur eher lapidaren Schießbuden-Mörderfigur machten und sich damit die Möglichkeit vergaben, ihn dezidiert als Rächer für Bellamys Schandtaten auftreten zu lassen. Zwar gibt es die tolle Szene, in der der grüne Geselle nachts bis in Bellamys Schlafzimmer vordringt und auch erfährt man am Ende, dass es zwei Bogenschützen gab (einen im Kampf gegen und einen zweiten im Auftrag von Bellamy), doch die dramaturgischen Möglichkeiten, die sich aus dem Motiv des „echten“ Bogenschützen ergeben, wurden weitgehend ungenutzt weggeworfen.

Von der ergreifenden Nebenhandlung um Elaine Bellamy profitiert vor allem eine: ihre Filmtochter Karin Dor, die sich so engagiert auf die Suche nach ihrer Mutter gemacht hat, dass man Valerie Howett als ihre wohl dankbarste Rolle in einem Edgar-Wallace-Krimi bezeichnen kann. Sie erlaubt ihr zugleich das Zittern als damsel in distress und das verbale Triumphieren in vielen Szenen als selbstbestimmte Frau. Der Sprung von Nora Sanders zu Valerie Howett ist immens, macht sich auch optisch lohnend bemerkbar und erlaubt Karin Dor, diverse Szenen mit Bestimmtheit und Charme zu dominieren – man denke an ihren zurechtweisenden Umgang mit Gert Fröbe und dem nicht weniger faszinierenden Stanislav Ledinek oder ihren nächtlichen Ausflug nach Garre Castle in der „Traumsequenz“. So ist es kein Wunder, dass Klausjürgen Wussow neben ihr als eher konservativer Ermittler wenig Profil gewinnt, obgleich er handwerklich absolut keine schlechte Leistung abliefert. Als ihr Verbündeter steht er handlungsbedingt einfach zu oft im Abseits, weil sich auch Harry Wüstenhagen in Gestalt Julius Savinis rührend um sie bemühen darf. Wüstenhagen trifft in seinem ersten Serienauftritt nicht nur die perfekte Balance zwischen Helfer und Kleinganove (ein selten repräsentierter Graubereich), sondern legt auch eine exzellente leichte Süffisanz an den Tag, die dick aufgetragenen Humor wie den von Arent oder Völz verzichtbar macht. Dennoch gerät Arents Reporterrolle zumindest deshalb recht interessant, weil Roland mit ihr mehrfach die sogenannte vierte Wand durchbricht, ihn also direkt mit dem Publikum interagieren lässt – ein markanter, innovativer Regieeinfall.

Leider gelingt es dem Spielleiter darüber hinaus nicht, die Spannung ähnlich kontinuierlich zu halten wie in den vier vorhergehenden Wallace-Filmen oder speziell in seinem eigenen Vorgänger „Der rote Kreis“. Zu sehr auf Kinkerlitzchen konzentriert und darüber hinaus mit zu geringer Handlungsdichte im Mittelteil ausgestattet, erlahmt das Erzähltempo des Films insbesondere zwischen den beiden Besuchen Valeries in der Shanghai-Bar. Erst das erneut sehr beeindruckende Finale, das weder mit Bellamys Allmachtsfantasien noch mit Schaueffekten wie einer Überflutung des Kellers und gehörigen Schusswechseln in der Etage darüber geizt, heizt die Stimmung wieder nennenswert an. Das ist jedoch zu wenig, um im gehobenen Mittelfeld oder gar der Spitzengruppe der Filmreihe mitspielen zu können, weshalb „Der grüne Bogenschütze“ letztlich ein eher schwacher Adaptionsversuch und zurecht Rolands letzter Wallace-Film bleibt. Dass der ironische Regisseur sich hier vergaloppiert hatte, fand offenbar auch die Rialto und gab mit einem ganz neuen Inszenierungsstil nachfolgend ein besonders düsteres Spektakel in Auftrag.

Auch nach unzähligen Sichtungen bleibt unklar, ob das Scheitern des Films seiner unpassend( in Szene gesetzt)en Mörderfigur oder dem überschwänglich komödiantischen Unterton anzulasten ist. Ein dick auftragender Gert Fröbe und eine zielstrebige Karin Dor wissen zwar das Schlimmste zu verhindern und werden von attraktiven Schauplätzen und einer stimmungsvollen Musik unterstützt; doch außer in wenigen Highlight-Szenen präsentiert sich der „Bogenschütze“ hausbackener und spannungsärmer als vergleichbare Filme.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.672

08.12.2018 14:53
#175 RE: Wallace der Woche (05): Der grüne Bogenschütze (1960/61) Zitat · Antworten

Zitat von patrick im Beitrag #2
Der grüne Bogenschütze (1960/1961)


Durch das dargebotene Verwirrspiel und die Doppelentlarvung mit dem "Schützen seines Herrn" fühlen sich zahlreiche Krimi-Freunde nicht ganz zu Unrecht hinter's Licht geführt. Ich möchte daher nicht in Abrede stellen, dass der Film seine Schwächen hat. Als Liebhaber alter Gemäuer und ur-typischer Wallace-Atmosphäre werde ich von Jürgen Rolands zweiten und (vor)letzten Wallace-Streich, der ausgesprochen kurzweilige Unterhaltung bietet, jedoch allerbestens bei Laune gehalten. Gerade dieser Film eignet sich ganz besonders gut für mehrfache Sichtungen, was durch die zahlreichen TV-Wiederholungen und den besonderen Stellenwert, den der "Bogenschütze" im Wallace-Universum innehat, bestätigt wird. Ich bin daher gerne bereit für diesen Streifen, der hier im Forum leider kein angemessenes Ansehen genießt, eine Lanze zu brechen und volle [schwarz]5 von 5
Punkten springen zu lassen.




Meine volle Unterstützung!

Gruss
Havi17

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.943

08.12.2018 16:14
#176 RE: Wallace der Woche (05): Der grüne Bogenschütze (1960/61) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #3
...weshalb „Der grüne Bogenschütze“ letztlich ein eher schwacher Adaptionsversuch und zurecht Rolands letzter Wallace-Film bleibt. Dass der ironische Regisseur sich hier vergaloppiert hatte, fand offenbar auch die Rialto und gab mit einem ganz neuen Inszenierungsstil nachfolgend ein besonders düsteres Spektakel in Auftrag.


Hat eigentlich jemand Informationen, wie viel "Anteil" Jürgen Roland noch an "Die seltsame Gräfin" hatte? Hier sprang er ja für den erkrankten Josef von Baky ein und brachte den Film zum Ende.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.559

08.12.2018 19:38
#177 RE: Wallace der Woche (05): Der grüne Bogenschütze (1960/61) Zitat · Antworten

Plumps

Ja, ja. Der grüne Bogenschütze hat es nach einem, nein, nach dem Wallace-Reißer der frühen Phase wahrlich nicht leicht. Das Krimi-Traumpaar schlechthin, Morde und Spannung am laufenden Band, da wurden Erwartungen geweckt! Erwartungen, die durch Rolands sachlichen Stil der Inszenierung und Menges satirischer Handschrift im Drehbuch natürlich in keiner Weise erfüllt werden können. Nach dem Thrill dominiert nüchtern-ironische Krimispannung. Und prompt fehlt einem (der eine ist mindestens ich) plötzlich etwas. Diese Fallhöhe sollte eigentlich erst wieder zwischen Banne und Gorilla erreicht, bzw. übertroffen werden.

Operation misslungen...

Dor und Wussow gelingt es als Paar nicht, Dor und Fuchsberger das Wasser zu reichen. Nicht nur, dass Wussow die Spritzigkeit vermissen lässt, die er im Kreis noch hatte, auch das Drehbuch macht es den beiden nicht leicht. Die typische Beschützer-Rolle fehlt. Hier muss ein verheirateter Kleinganove die bedrohte Unschuld zwischendurch retten. Und selbst das ist nicht von großer Dauer, da am Ende allen Beteiligten das Wasser bis zum Hals steht. Doch auch dann bangt man nicht wirklich mit, fehlt dem Film doch ein wirklich durchgängiger Sympathieträger. Das mag für eine - besonders im heutigen Kino vehement geforderten - Grau-, statt einer klassischen Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere sprechen. Aber will man in einem Wallace-Film nicht gerade den strahlenden Helden (oder erfahrenen Hasen) sehen?

Die unrühmliche Rolle von Scotland Yard wird natürlich nach dem Finale besonders eklatant auffällig, als Derrick Yale hellseherisch... als Inspektor Featherstone beiläufig enthüllt, über die Identität des/der Bogenschützen bereits vollauf informiert zu sein. Das altehrwürdige Scotland Yard wird damit zum stillschweigenden Komplizen eines Rachemörders! Unter Sir Archibald/John/Arthur hätte es das nicht gegeben!

Am meisten krankt der Bogenschütze jedoch an zwei Dingen. Das erste ist die absolut farblose Rolle von John Wood, die nun wirklich gar nichts zur Handlung beiträgt und der nur vorhanden zu sein scheint, damit dem Publikum am Ende kein Unbekannter unter der Maske präsentiert wird (diesen Fehler sollte man erst später begehen). Wie ist John Woods Rolle eigentlich im Roman? Das andere ist das ziellos wirkende erste Drittel des Films. Wir lernen die Haupt- und wichtigen Nebencharaktere kennen, die sich gewollt verdächtig, im Endeffekt aber reichlich konfus hin und her bewegen. Hier hätte etwas mehr Stringenz Not getan. Dabei hatte die Vortitelsequenz noch sehr unterhaltsam auf den kommenden Film eingestimmt.

Patient lebt!

Das war allerdings auch kein Kunststück, lernen wir dort doch zwei der schauspielerischen Säulen dieses Films kennen, der tatsächlich in der Hauptsache von Fröbe (immer gut), Ledinek (herrlich fies), Wüstenhagen (seine größte Wallace-Rolle), Dor (selbstbewusster aufspielend als in der Bande) und Arent (nun wieder etwas zurückgenommener) getragen wird. Die Meriten des Drehbuchs findet man hingegen vor allen Dingen in ausgesprochen pointiertem Humor und in einem sehr guten Aufbau der Verdachtsmomente, die nacheinander auf Valerie Howett, ihren Adoptivvater und schließlich auch Bellamy selbst (letzterer als Chef des Bogenschützen und natürlich nicht persönlich am Flitzebogen) fallen. Alles in allem genug für einen unterhaltsamen Krimi-Abend. Dennoch ist das glücklicherweise nicht die Richtung, in die sich die Reihe weiter entwickeln sollte.

Dies und Das

Als Smith sich kurz in der Shanghai-Bar zeigt, wird es dort auf einmal genauso ruhig wie in der Lolita-Bar, als es dort zur Szene zwischen Vater und Sohn kommt. Als würde das Gaststättenpublikum in der Wallace-Welt nur auf solche dramatischen Momente warten.

Als erste wirkliche Rächer-Geschichte (der Rächer war so gesehen Etikettenschwindel) werfen sowohl "Der Hexer" als auch insbesondere "Im Banne des Unheimlichen" ihre Schatten voraus. Interessanterweise bekommt hier wie dort eines der Nebenopfer von dem Hauptopfer regelmäßig Geld (Creager von Bellamy, Sabrina von Sir Cecil). Und hier wie dort steigt ein untotes Wesen aus der Gruft (Geist des Bogenschützen, Zombie).

Wie kam Valerie auf die Idee, ausgerechnet im Pyjama nachts zu Garre Castle überzusetzen? Da braucht es dringend praktisch-modische Nachhilfe bei Thalia Drummond und Emma Peel, Verzeihung, Peggy Ward.

Aus welcher Schussrichtung kam eigentlich der Pfeil, der Smith tötete? War da überhaupt Platz für einen verborgenen Bogenschützen?

Und wie stabil war eigentlich die Luke zwischen "Gefängnis" und Weinkeller? Hätte sie dem Wasser standgehalten?

Ansonsten hat die Count'sche Logikpolizei dieses Mal entweder sehr schludrig gearbeitet, oder aber - und das wäre wirklich fast unglaublich - der Bogenschütze hat kaum Logiklöcher, bzw. kaschiert sie gekonnt.

Uli1972 Offline



Beiträge: 48

08.12.2018 20:18
#178 RE: Wallace der Woche (05): Der grüne Bogenschütze (1960/61) Zitat · Antworten

"Der grüne Bogenschütze" ist für mich der schwächste Wallace der SW-Ära. Hintersinniger Humor, ein ironischer Unterton und ein Augenzwinkern sind durchaus beliebte Zutaten der Wallace-Filme. Sollten die Macher dieses Streifens dies im Sinn gehabt haben, so ist der Versuch missglückt. Der Film gleitet mit fortlaufender Dauer in Richtung Klamauk ab. Spannung ist kaum vorhanden. Das Kostüm des Täters? Normalerweise hätte er zur Liquidierung seiner Opfer nicht Pfeil und Bogen benötigt. Bei diesem lächerlichen Aufzug hätten die sich totlachen müssen. Die Auflösung? Wer letztlich unter der Maske des wahren Bogenschützen steckt, ist zum Zeitpunkt der Enttarnung fast schon uninteressant. Man erfährt bei der Ermordung von Abel Bellamy, dass es sich John Bellamy handelt. Es gibt aber bis zur Auflösung keinen einzigen Hinweis, hinter welcher Schein-Identität sich dieser verbirgt. An der Besetzung der Rollen gibt es nichts auszusetzen. Bei einer derart schwachen Inszenierung kann aber selbst ein Schwergewicht wie Gert Fröbe in seinem (leider) einzigen Wallace-Auftritt nicht viel rausreissen. Das ist sehr schade, wenn man an seine grandiose Rolle in "Es geschah am hellichten Tag" denkt.
"Der grüne Bogenschütze" erhält von mir 2 von 5 Punkten. In der Farbfilm-Ära gab es noch schwächere Filme, deshalb brauche ich etwas Luft nach unten.

Giacco Offline



Beiträge: 2.295

09.12.2018 10:44
#179 RE: Wallace der Woche (05): Der grüne Bogenschütze (1960/61) Zitat · Antworten

"Der grüne Bogenschütze" erhielt als erster Wallace-Film eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren.
Zugleich war es der erste Wallace-Film, der in Frankreich nicht in die Kinos kam.

Film-Echo-Note: 3,2 (73 Meldungen) / Erstnote: 2,6

Sowohl der Vorgänger als auch der Nachfolger erhielten vor dem Kino-Start eine Film-Echo-Titelbildwerbung.
Beim "Bogenschützen" verzichtete man darauf.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.672

09.12.2018 12:25
#180 RE: Wallace der Woche (05): Der grüne Bogenschütze (1960/61) Zitat · Antworten

Nieder mit dem Bogenschützen

Gruss
Havi17

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