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Dieses Thema hat 280 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Lord Peter Offline




Beiträge: 523

25.09.2015 13:39
#106 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

Soeben habe ich die Versandbestätigung für Vol. 2 von Pidax erhalten!

Und da die Post (zumindest offiziell) momentan nicht streikt, geht es diesmal hoffentlich etwas schneller...

Cora Ann Milton Offline



Beiträge: 5.110

26.09.2015 14:28
#107 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten








“Mein Freund Maigret”
(“My Friend the Inspector”)

Regie: Eric Tayler

Drehbuch: Margot Bennett

Darsteller: Rupert Davies (Kommissar Jules Maigret), Ewen Solon (Lucas), Avril Fane (Ginette), Marian Spencer (Irene Wilcox), Pete Murray (Philippe de Moricourt ), Alex Scott (Jef de Greef ) Leslie French (Émile Voutier), Toke Townley (Charlot Girard), Arnold Marlé (Duval), Zoreen Ismail (Anna), Charles Farrell (Marcellin Pacaud), Frederick Treves (Lechat), Charles Hill (Monsieur Paul, Wirt)


“Fahren Sie runter?”
(Lucas)
“Soll ich hier im Regen sitzen?”
(Maigret)

“Darf ich fragen, was Sie in dieser Tasche haben? Ein Mikroskop für Fingerabdrücke? Chemikalien?”
(Monsieur Paul)
“‘nen Pyjama und ‘n frisches Hemd.”
(Maigret)

“Ich könnte Ihnen auch eine Badehose leihen.”
(Monsieur Paul)
“Ich verliere zu viel von meinem Reiz in so einem sparsamen Aufzug.”
(Maigret)

“Renoir hat mich auf seinen Armen getragen, als ich noch ein Baby war.”
(Duval)
“Nett von ihm.”
(Lucas)

“Mit seinem Talent? Der verkauft kein Bild, so lange er lebt. Nach seinem Tod werden seine Bilder was wert sein.”
(Duval)

“Von einem, der schon auf dem Friedhof liegt, kann man keine Provision bekommen.”
(Duval)

“Er war auf dem Weg reich zu werden, weil er etwas wusste, aber es hat ihn das Leben gekostet. Ginette weiß auch etwas, und wenn sie keinen Wert darauf legt, innerhalb kurzer Zeit ebenfalls tot zu sein, sollte sie sich an die Polizei wenden.”
(Charlot Girard)

“Ein Geheimnis, für das jemand ermordet wird, muss Gold wert sein.”
(Charlot Girard)

“Leider lässt sich nicht alles, was man sich wünscht, mit Geld kaufen.”
(Irene Wilcox)

“Niemand wird Sie anrühren. Fragen, Fragen, Fragen, die Sie beantworten müssen, sonst nichts, aber es reicht.”
(Maigret)

“Es wird Ihnen, ein Genuss sein, mir alles zu erzählen. Von dem Moment an , als er zu Ihnen kam, bis zu Ihrem Versuch, Ginette zu erledigen.”
(Maigret)

“ ... dass du eine widerwärtige kleine Wanze bist. Halt’s Maul!”
(Maigret)

“Dann zogen Sie Ihren Revolver, und Sie schossen nicht einmal sondern sechsmal aus sadistischer Freude daran, ein Menschenleben auszulöschen.”
(Maigret)

“Sie haben eine Belohnung verdient.”
(Ginette)
“Die Polizei darf keine Geschenke annehmen.”
(Émile Voutier)
“Es sei denn, sie werden taktvoll überreicht.”
(Charlot Girard reicht Maigret ein Glas Wein)


Kommissar Maigret wird aus dem verregneten Paris auf die sonnige Insel Porquerolles in der Nähe von Toulon gerufen, um den Mord an Marcellin Pacaud aufzuklären. Der mittellose Fischer wurde erschossen. Da das Opfer als allgemein beliebt galt, lässt sich angeblich kein anderes Motiv für das Verbrechen finden, als dass Pacaud während eines Streits Kommissar Maigret als seinen Freund bezeichnete. Maigret hatte in der Vergangenheit häufig mit dem mehrfach vorbestraften Pacaud zu tun, dessen an Tuberkulose erkrankter Freundin Ginette er den Aufenthalt in einem Lungensanatorium ermöglichte.

In Porquerolles macht Kommissar Maigret die Bekanntschaft einiger dubioser Personen.
Der Holländer Jef de Greef hat sich mit seinem wohlhabenden Vater überworfen, fühlt sich zum Maler berufen, verachtet das Establishment und lebt mit seiner Geliebten Anna mehr schlecht als recht von seiner Kunst. Irene Wilcox, eine Dame der besseren englischen Gesellschaft, versucht, ihre entschwundene Jugend durch die Affäre mit einem deutlich jüngeren Mann namens Philippe de Moricourt zurückzugewinnen, der offiziell als ihr Sekretär fungiert. Der Kleinkriminelle Charlot Girard, ein alter Bekannter Maigrets, hat in einigen Lokalen der Insel Glücksspielautomaten aufgestellt und ergeht sich des öfteren in mysteriösen Andeutungen, verweigert aber konkrete Aussagen. Der Kleinbürger Émile Voutier echauffiert sich über Annas freizügiges Benehmen, doch hindert ihn seine moralische Empörung nicht daran, in Toulon und Marseille etwas zu betreiben, was er verharmlosend als “Familienunternehmen” bezeichnet, wobei es sich jedoch in Wirklichkeit um Stripteaselokale handelt.
De Greef hatte sich am Abend des Mordes mit Marcellin Pacaud gestritten, und sowohl Philippe de Moricourt als auch Émile Voutier hatten sogar handgreifliche Auseinandersetzungen mit ihm.

Maigret ist erstaunt, auch Ginette in Porquerolles anzutreffen, hatte er doch - bedingt durch ihren damaligen Gesundheitszustand - eher mit dem vorzeitigen Ableben der “halben Leiche” gerechnet. Die Dame ist inzwischen ebenso rundlich wie er und frönt ihrem Hang zu Höherem. Sie hat sich von dem mittellosen Marcellin abgewandt und beabsichtigt, den vermögenden Émile Voutier zu heiraten, für den sie eines seiner Lokale managt.

Von der ortsansässigen Telefonistin erhält Maigret einige sehr interessante Informationen. Vor zehn Tagen rief Marcellin Ginette an und erkundigte sich nach einem gewissen Vincent bei ihr, woraufhin sie ihm mit einem Telegramm antwortete, in dem lediglich die Zahl 1890 stand. Merkwürdigerweise findet sich in der Behausung des Ermordeten an der Wand die Zahl 189 ...

Anmerkungen:

Zitat
“Die Sonne war untergegangen, und man atmete auf, weil es nicht mehr so heiß war. Auch die Geräusche waren nicht mehr die gleichen. Man hörte, wie das Wasser leicht gegen die Steine des Landungsstegs schlug, und diese Steine waren jetzt so grau wie die Felsen. Das Laub war dunkel, fast schwarz, geheimnisvoll, und ein Torpedoboot, dessen Nummer hell am Rumpf leuchtete, glitt leise in einer fast schwindelerregenden Schnelligkeit aufs Meer hinaus.”

“Wer hätte gewagt, ihn nicht ernst zu nehmen? Scharen von Leuten, die kein gutes Gewissen hatten, zitterten schon beim bloßen Nennen seines Namens. Er hatte die Macht, sie zu verhören, bis sie vor Angst winselten, sie einzusperren oder sie der Guillotine zu überantworten.”

(Georges Simenon: “Mein Freund Maigret”)



“Mein Freund Maigret” markiert die bisher gravierendsten Veränderungen zwischen der literarischen Vorlage von Georges Simenon und den Drehbüchern.
Während der Roman von den Gegensätzen zwischen dem hemdärmeligen Kommissar Maigret und seinem korrekten englischen Kollegen Inspector Pyke lebt, der ihn bei der Aufklärung des Falles unterstützt, tritt der Herr von Scotland Yard in der Fernsehfassung überhaupt nicht in Erscheinung, zumal ein Kennenlernen der beiden alten Bekannten aus “Maigret und sein Revolver” in einer früher gesendeten Episode hätte erfolgen müssen. Im Roman steigert sich Maigrets profundes Unbehagen gegenüber dem weltmännischen Auftreten seines englischen Kollegen, fast bis zu einem Minderwertigkeitskomplex, was bei einem sonst so in sich selbst ruhenden Menschen wie Maigret kaum nachvollziehbar erscheint. Darüber hinaus übt - ähnlich wie in “Maigret in der Liberty Bar” - die ihn umgebende Atmosphäre von süßem Nichtstun eine Sogwirkung auf den Kommissar aus, so dass er sich des öfteren förmlich dazu zwingen muss, seiner Tätigkeit nachzugehen. In der Fernsehfassung ist Maigret hingegen der gewohnt energische Ermittler, der sich als einzige Bequemlichkeit lediglich gestattet, in einer Szene das Jackett über die Schulter zu hängen.
Eine amüsante Beigabe von Drehbuchautorin Margot Bennett ist die Figur des exzentrischen Kunsthändlers Duval, die bei Simenon nicht vorkommt.

Weitere, allerdings nicht besonders ins Gewicht fallende Änderungen sind unter anderem der Beruf von de Grefs Vater (im Film ist er Bankier in Rotterdam, im Roman Richter in Groningen) sowie die Tatsache, dass Émile Voutiers Mutter im Roman noch lebt und er ihren Tod geradezu ersehnt, während sie im Film bereits verstorben ist. Außerdem handelt es sich bei dem "Familienunternehmen" von Voutier im Roman um Bordelle, während man - möglicherweise um das Wohlwollen der Zensurbehörde nicht allzu sehr zu strapazieren - in der Verfilmung daraus Stripteaselokale machte.

In der Fernsehfassung wie im Roman ermittelt Maigret in erster Linie allein, lässt sich lediglich von dem ortsansässigen Inspector Lechat assistieren, der früher am Quai des Orfevres seinen Dienst versah, und erhält wertvolle Hinweise von seinem treuen Mitarbeiter Lucas in Paris.

Die Sommerlandschaft auf der Insel wird in schönen Bildern eingefangen, und in dem gemütlichen Ambiente von Monsieur Pauls Lokal möchte sich der Zuschauer selbst gern zu einem Glas Weißwein niederlassen. Die entspannte Atmosphäre von Porquerolles wird nicht einmal durch den Mord an Marcellin und beiden Attentate auf Ginette ernsthaft getrübt. All dies kontrastiert mit dem verregneten Paris, wo der arme Lucas frierend Nachforschungen für seinen Chef anstellen muss.

Kommissar Maigret sieht mit gewohnter Toleranz über de Greefs Bohemienleben ebenso hinweg wie über Mrs. Wilcox’ zwanghaften Versuch, den Verlust ihrer Jugend durch die Affäre mit einem Mann, der ihr Sohn sein könnte, zu kompensieren. Worüber Maigret sich hingegen entrüstet, ist offensichtliche Niedertracht, die in diesem Fall aus Geldgier zu einem Mord und in dessen weiterer Folge zu einem unerwarteten und deshalb umso schmerzlicher empfundenen Suizid eines anderen Menschen führt.

@Lord Peter Vorfreude soll zwar die schönste Freude sein, noch mehr werden wir uns allerdings freuen, wenn wir die zweite Staffel endlich in Händen halten.

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 171

27.09.2015 13:18
#108 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

Vielen, vielen Dank für Deine Präsentation "Mein Freund Maigret", hochverehrte Wallace-Queen Cora Ann. Ist wieder brillant geworden, weil man merkt, dass das keine oberflächliche Abhandlung ist, sondern eine auf breiter Basis erarbeitete (Buch + Film, auch werden andere Bücher + Filme der Reihe vergleichshalber mit in Betracht gezogen).

Es ist meines Erachtens schon so etwas wie ein Wunder, dass es das überhaupt gibt: Du als neuer Fan dieser über 50 Jahre alten Serie, und zwar mindestens in dem Ausmaß wie ich es in den 60er Jahren war. Dass so etwas möglich ist, erstaunt mich wirklich. Auch der Intensitätsgrad der Auseinandersetzung ist für meine Begriffe ganz außergewöhnlich (das gilt ja auch für sehr viele Wallace-Forianer in Bezug auf die Wallace-Filme): nicht nur den jeweiligen Film einfach "anzusehen", sondern ihn in möglichst allen Einzelheiten zu begreifen und ins Gedächtnis einzugravieren. Das geht ja so weit, dass sogar fremd-zitierte Dialogfetzen von anderen Forenmitgliedern ohne weiteres zugeordnet werden können. Mit Verlaub, mich erinnert das an den Pfarrer, der die Bibel in- und auswendig kann.

Bei mir ist das übrigens nicht so. Der Gesamteindruck, den ein Film bei mir hinterlässt, ist für mich ausreichend. Natürlich bleiben dabei auch manche Details besonders stark im Gedächtnis hängen, und natürlich möchte ich auch mal einen besonders interessanten Film mehrmals sehen, auch in kürzeren Abständen hintereinander (manchmal bei besonderen Kinoereignissen). Der Film, den ich in längeren Abständen (alle paar Jahre) immer mal wieder gerne ansehe, ist Jean Renoirs "Das Testament des Dr. Cordelier" (mit Jean-Louis Barrault). "Maigret" mit Rupert Davies schaue ich mir nur zwei- oder dreimal im Leben an. Da es insgesamt 52 Filme waren, bleibt natürlich ein starker Gesamteindruck zurück, und deshalb halte ich es für wichtig, eine gewisse Distanz zu wahren, bevor ich selber glaube, ich sei Maigret.

@Lord Peter: In Maßen genießen! "Maigret" war so angedacht, dass man jede neue Folge mindestens eine Woche lang erwarten musste ...

Lord Peter Offline




Beiträge: 523

27.09.2015 18:28
#109 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

Na logo, nie mehr als eine Folge pro Abend.

Aber auf 9 Wochen zu stecken, das werde ich wohl nicht schaffen...

Cora Ann Milton Offline



Beiträge: 5.110

27.09.2015 22:18
#110 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

@Berthold Deutschmann Ein ganz großes Dankeschön für deine herzerwärmenden Worte.

@Lord Peter So soll es sein, eine Folge pro Abend. Was würde ich ohne meine tägliche Dosis "Maigret" mit Rupert Davies machen - unvorstellbar.




Immer schön auf Achse bleiben, Monsieur le Commissaire ...

"Das ganze ist eine Sache der Vorstellungskraft. Phantasie."
(Heinz Drache in "Der Hexer")

Lord Peter Offline




Beiträge: 523

29.09.2015 17:34
#111 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

Zitat von Cora Ann Milton im Beitrag #107
@Lord Peter Vorfreude soll zwar die schönste Freude sein, noch mehr werden wir uns allerdings freuen, wenn wir die zweite Staffel endlich in Händen halten.


Ich halte sie jetzt in Händen!

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 171

29.09.2015 19:59
#112 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

Lord Peter Offline




Beiträge: 523

01.10.2015 22:21
#113 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

Puh, drei Episoden in drei Tagen, stilecht (mit Pfeife und Bier) genossen. Aber jetzt bin ich brav, die restlichen 6 Episoden werden streng eingeteilt!

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 171

02.10.2015 15:10
#114 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

Dass man in Maßen genießen sollte, ist ja eine alte Weisheit, die ich einfach nur so erwähnt hatte, ohne es allzu ernst damit zu meinen. Vielleicht lohnt es sich jedoch, etwas darüber nachzudenken. "Maigret" wurde 1965 im wöchentlichen Abstand gebracht, jeden Samstagabend um neun. Es war natürlich der Wunsch da, möglichst bald die nächste Folge zu sehen, aber man musste eben eine Woche warten. Später ging das ZDF sogar dazu über, interessante Serien im zweiwöchigen Takt zu senden: "Mit Schirm, Charme und Melone" wechselte an Dienstagabenden um neun ab mit "Solo für O.N.K.E.L.", so dass Emma-Peel-Fans ganze zwei Wochen lang auf die Folter gespannt wurden bis zur nächsten Episode. Ich frage mich, ob das nicht dazu beigetragen hat, den Reiz der Serie zu erhöhnen.

52 ZDF-Folgen waren also mit einwöchigem Sende-Rhythmus in einem Jahr durch. Das stimmt beinahe überein mit 46 Pidax-Folgen, die, wenn der Veröffentlichungstakt so beibehalten bleibt (alle 3 Monate 9 weitere Folgen), in 15 Monaten durch wären.

Selbstdisziplin ist nicht jedermanns Sache. Wer will, kann sich per Player eine komplette Serie in einer einzigen Stunde reinziehen, mit der Fast-Forward-Play-Taste.

Lord Peter Offline




Beiträge: 523

02.10.2015 15:20
#115 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

Du hast ja durchaus recht damit, und bis zum Nachschub dauert es ja wieder etwas.

Zitat von Berthold Deutschmann im Beitrag #97
Und "Maigret unter den Anarchisten" ist mit dabei, die Folge, die ich direkt vom ZDF nicht bekommen hatte! Das ist wirklich eine Überraschung! Dann wird sich ja bald herausstellen, ob ich mich 50 Jahre lang richtig zurückerinnern kann, dass Maigret in dem Fall, gegen Schluss, auf Eisenbahngleise gestoßen wird, um ihm ein für allemal seine Schnüffelei abzugewöhnen.
Die Szene wurde ausgeblendet. Ob eine herannahende Lokomotive oder ein einzelner gelöster Waggon daherkommt, weiß ich nicht mehr genau ... Und ob Maigret diesen Fall überlebt, verrate ich hier nicht (um Spoiler zu vermeiden) ...


Ich kann Dir übrigens bestätigen, daß Dich Deine Erinnerung nicht trügt - Maigret wird vor einen Zug gestoßen! Die Szene wird (nach Maigrets unsanfter Landung) recht abrupt ausgeblendet, den sich nähernden Zug sieht man nur kurz vor dem Stoß. Der Anschlag passiert allerdings nicht gegen Ende, sondern schon nach ca. 20 Minuten.

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 171

02.10.2015 15:44
#116 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

Danke für diese Info. Ich hätte Dich sonst danach gefragt. Habe nämlich bis heute noch nicht einmal die erste Maigret-Box (allerdings besitze ich über 30 Maigret-DVDs direkt vom ZDF, wie Du schon weißt). Die Boxen will ich mir nicht aus dem Versandhandel besorgen, sondern ich will sie in DVD-Abteilungen "entdecken", wie ich auch schonmal mitgeteilt hatte. Allmählich ist es aber soweit: In Saturn-Filialen breitet sich "Maigret" allmählich mehr und mehr aus, jetzt auch in den Städten, wo ich mich zeitweise aufhalte. Bin gespannt auf den baldigen Entdeckungsmoment!

Cora Ann Milton Offline



Beiträge: 5.110

03.10.2015 16:35
#117 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten









“Hier irrt Maigret”
(“The Mistake”)

Regie: Andrew Osborn

Drehbuch: Roger East

Darsteller: Rupert Davies (Kommissar Jules Maigret), Helen Shingler (Madame Maigret), Ewen Solon (Lucas), John Robinson (Professor Étienne Gouin), Peggy Thorpe-Bates (Germaine Gouin), Annabel Maule (Dr. Lucile Decaux), Valerie White (Antoinette Olivier), Eric Thompson (Pierre Eyraud), Ilona Ference (Desireé Brault), John Salew (Dr. Paul), George Betton (Louis), Dennis Edwards (Dr. Lanvin), Totti Truman Taylor (Concierge Cornet)

Literarische Vorlage: “Maigret se trompe” (“Hier irrt Maigret”) von Georges Simenon


Der folgende Beitrag enthält Spoiler.

“Ich will nicht gestört werden, höchstens wenn es sich um einen Mord handelt.”
(Maigret)

“Tatsache ist, dass er Frauen liebt wie andere Männer es vielleicht lieben zu trinken.”
(Germaine Gouin über ihren Gatten)

“Haben Sie den Professor gestern Abend noch gesehen?”
(Maigret)
“Flüchtig.”
(Antoinette Olivier)
“Was machte er für einen Eindruck?”
(Maigret)
“Den selben, den er sonst auch auf mich macht.”
(Antoinette Olivier)
“Wie meinen Sie das?”
(Maigret)
“Den eines Mannes, der glaubt, sich über alle Gesetze der Moral und des Anstands hinwegsetzen zu können.”
(Antoinette Olivier)

“Sogar die Polizei lässt sich von einem berühmten Namen beeindrucken.”
(Antoinette Olivier)

“Sie haben anscheinend eine sehr ausgeprägte Phantasie.”
(Maigret)
“Das kann man von Ihnen nicht behaupten, sonst würden Sie hier nicht Ihre Zeit vertrödeln.”
(Antoinette Olivier)

“Ich bin hier, um einen Mord aufzuklären und muss jeder Spur nachgehen. Das ist nun mal so in meinem Beruf. Es gibt nichts, was mich besonders schockieren könnte. Genau wie ein Arzt behandele ich meinen Fall und gehe Schritt für Schritt voran ”
(Maigret)

“Du darfst ihn nicht unterschätzen, Étienne. Er ist so geduldig wie ein Arzt und achtet auf Symptome.”
(Dr. Lucile Decaux über Maigret)

“Lucas?”
(Maigret)
“Ja?”
(Lucas)
(Lucas)
“Sieh doch, ob du ‘n paar belegte Brote auftreiben kannst.”
(Maigret)
“Mit was?”
(Lucas)
“Mit gebratenen Hähnchen, die können wenigstens nicht weglaufen.”
(Maigret)

“Sie glauben mir?”
(Pierre Eyraud)
“Ja, wenn Sie’s sagen.”
(Maigret)

“Trinken Sie aber nicht mein Bier aus!”
(Maigret zu Pierre Eyraud)

“Für Dinge, die man nicht gern tut, und die man auf die lange Bank schieben will, findet man immer eine Ausrede.”
(Maigret)

“Ich möchte gern, dass ein großer Mann ein großer Mann bleibt.”
(Maigret)

“Was heißt denn schon Liebe? Ein äußerst dehnbarer Begriff.”
(Professor Étienne Gouin)

“Ein Chirurg würde immer nur aufgrund eines einwandfreien sachlichen Befundes eine Diagnose stellen.”
(Professor Étienne Gouin)
“Ja aber, Sie werden doch zugeben, dass man auch aus einem Instinkt die richtige Lösung finden kann. Ich jedenfalls hab’ diese Erfahrung oft gemacht.”
(Maigret)
“Ja natürlich, aber ein erfahrener Mann wie Sie dürfte sich nicht allzu sehr darauf verlassen.”
(Professor Étienne Gouin)
“Von Ihrem Standpunkt aus mag das richtig sein. Eine falsche Diagnose kann den Tod bedeuten.”
(Maigret)
“Ja, Sie können sich’s eher leisten, aus einem Instinkt zu handeln. Eine Verhaftung kostet nicht gleich das Leben, es gibt nur eine Gerichtsverhandlung.”
(Professor Étienne Gouin)
“Sehr richtig. Ich hab’ mehr Spielraum.”
(Maigret)

"Dieser Mensch geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf."
(Maigret)
"Wer denn?"
(Madame Maigret)
"Professor Gouin. Er ist doch ein bedeutender Mann und ein ganz berühmter Arzt. Ich kann einfach nicht verstehen, dass er als Mensch so versagt."
(Maigret)


Kommissar Jules Maigret hat sein Büro am Quai des Orfèvres verlassen, um in der Abgeschiedenheit seiner Wohnung am Boulevard Richard-Lenoir einen Bericht für das Innenministerium zu verfassen. Er bittet sich bei seiner Frau absolute Ruhe aus, was nicht nur jegliche mögliche Störung durch Besucher und Telefonate einschließt sondern auch ihren Hausputz. Doch die Stille währt nicht lange, denn Inspektor Lucas sucht seinen Chef in Begleitung einer gewissen Desireé Brault auf. Die Dame bestritt vormals ihren Lebensunterhalt im horizontalen Gewerbe und ist außerdem wegen Ladendiebstahls vorbestraft, inzwischen ist sie als Putzfrau tätig und hat in dieser Eigenschaft die Prostituierte Louise Filon erschossen in einem Appartement in der Avenue Carnot aufgefunden.

Maigret wundert sich, dass die mittellose junge Frau in einer derart vornehmen Wohngegend lebte. Von der Concierge erfährt der Kommissar, dass Louise Filon von dem renommierten Chirurgen Professor Étienne Gouin ausgehalten wurde, der ihr mit seiner ärztlichen Kunst das Leben gerettet hatte. Der Professor brachte seine Geliebte in dem selben Haus unter, in dem er mit seiner Gattin Germaine wohnt. Außerdem ergibt die Obduktion des Opfers, dass die junge Frau schwanger war.

Germaine Gouin gibt ohne äußere Gemütsbewegungen zu, von der Affäre ihres Mannes gewusst zu haben, bestreitet jedoch die Kenntnis der Schwangerschaft. Alles woran ihr gelegen zu sein scheint, ist der gute Ruf ihres Gatten.

Germaines Schwester Antoinette Olivier verhält sich gegenüber Maigret äußerst abweisend und verdächtigt ihren Schwager, den sie ganz offensichtlich hasst, unverblümt des Mordes an Louise Filon. Auch dass der Professor angeblich über ein Alibi für die Tatzeit verfügt, lässt die Bibliothekarin ihre Überzeugung nicht revidieren. Lediglich Maigrets Hinweis, aufgrund ihrer vermeintlich unwahren Behauptung wegen einer Klage finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen, bringt sie zum Schweigen.

Dr. Lucile Decaux, die engste Mitarbeiterin von Professor Gouin, gibt offen zu, mit ihrem Vorgesetzten ein Verhältnis zu haben und überdies von der Schwangerschaft des Opfers gewusst zu haben. Maigret überlegt, ob sie dem Chirurgen aus Liebe ein falsches Alibi geben würde.

Inspektor Lucas verfolgt die Spur von Louise Filons Liebhaber, dem Barpianisten Pierre Eyraud, der zur möglichen Zeit des Verbrechens am Tatort gesehen wurde. Der junge Mann entzieht sich seiner Verhaftung durch die Flucht, stellt sich jedoch einige Zeit später der Polizei und versichert Maigret, er habe Louise geliebt und wollte sie heiraten. Obwohl Pierre vorbestraft ist, glaubt der Kommissar instinktiv an dessen Unschuld.

Nachdem Maigret einen Besuch bei Professor Gouin bisher erfolgreich vermeiden konnte, wünscht der Chirurg ihn nunmehr selbst zu sprechen. Eine Frau hat versucht, ihn telefonisch zu erpressen, da sie ihm Besitz der Mordwaffe sei, bei der es sich um seine Pistole handele ...

Anmerkungen:

Zitat
“Früher oder später musste er sich wohl zu einer Begegnung mit Gouin entschließen. Warum verschob er es immer wieder? Es war, als kreiste er ständig um ihn herum und wagte sich nicht an ihn heran, als flößte ihm die Persönlichkeit des Professors eine Art Scheu ein.”

“Während seiner Laufbahn hatte Maigret Tausende, ja Zehntausende von Menschen verhört. Darunter hatten manche beachtliche hohe Stellungen innegehabt; andere waren durch ihren Reichtum berühmt geworden, und wieder andere hatten zu den intelligentesten unter den internationalen Verbrechern gezählt. Und doch hatte dieses Verhör für ihn größere Bedeutung als irgendeines zuvor.”

“Er, der Kommissar, dagegen versuchte ... Was er eigentlich versuchte, hätte er nur schwer zu definieren vermocht. Dass er versuchte, die Menschen zu verstehen, rief in ihm vielleicht ein Gefühl wach, dass nicht nur Mitleid, sondern eine Art Zuneigung war.”

(Georges Simenon: “Hier irrt Maigret”)



“Hier irrt Maigret” wartet mit einer Premiere auf: der Zuschauer erlebt erstmals eine ausgedehnte Verfolgungsjagd durch die Straßen von Paris, bei der sich der robuste Inspektor Lucas zwar physisch verausgabt, aber des flüchtenden Pierre Eyraud dennoch nicht habhaft werden kann.

Weitaus bemerkenswerter ist jedoch, dass der Hauptverdächtige und das Zentrum der Ermittlungen von Kommissar Maigret bis auf die Einleitungssequenz über zwei Drittel der gesamten Folge nicht persönlich in Erscheinung tritt, obwohl ständig über ihn gesprochen wird. Bis auf den Polizeiarzt Dr. Paul - im Roman befragt Maigret seinen alten Freund und Hausarzt Dr. Pardon - sind es ausschließlich Frauen, die sich über den Professor äußern, was nur konsequent ist, da diese außer seiner beruflichen Tätigkeit den hauptsächlichen Inhalt seines Lebens ausmachen, jedoch nicht aus Liebe, denn diese ist Gouin vollkommen fremd, sondern lediglich aus persönlicher Eitelkeit, die keinerlei Rücksicht auf andere Menschen nimmt. Im Grunde seines abstoßenden Wesens, das sich hinter verbindlichen Umgangsformen verbirgt, verachtet er die Frauen und benutzt sie lediglich nach seinem Gutdünken.
Die Konfrontation zwischen Kommissar Maigret und Professor Gouin findet - analog zur literarischen Vorlage von Georges Simenon - erst am Schluss statt und entwickelt sich trotz der von beiden Seiten gewahrten Contenance zu einem psychologischen Duell der ungleichen Männer, das in der Verhaftung der tatsächlichen Täterin kulminiert, um die sich der Kommissar wie bereits zuvor in “Maigret hat Skrupel” auf mitfühlende Weise kümmert, während der moralisch Schuldige zwar Maigrets ganze Verachtung zu spüren bekommt, der Kommissar ihn jedoch nicht juristisch belangen kann.

Abweichend vom Roman tritt Lapointe nicht auf, und während der treue Lucas in der literarischen Vorlage von seinem Chef sowohl zur Befragung von Germaine Gouin als auch zu dem entscheidenden Verhör des Professors persönlich hinzugezogen wird, ohne dass er dort allerdings eine nennenswerte Funktion erfüllt, verzichtet Drehbuchautor Roger East konsequenterweise auf seine Anwesenheit in diesen Szenen.

Die größte Abweichung von der literarischen Vorlage stellt jedoch der titelgebende Irrtum von Maigret dar. Im Roman täuscht sich der Kommissar über die tatsächliche Persönlichkeit von Professor Gouin aus privaten Gründen, weil er einige Gemeinsamkeiten mit dem berühmten Chirurgen teilt. Beide stammen aus einfachen Verhältnissen, verfügen über große Menschenkenntnis und haben Medizin studiert, Maigret freilich nur einige Semester. Überhaupt wird die Ermittlungsarbeit des Kommissars des öfteren - im Roman wie in der Fernsehfassung - mit der Tätigkeit eines Arztes verglichen.
In der Fernsehadaption besteht der angebliche Irrtum von Maigret darin, die falsche Person des Mordes zu verdächtigen, was sich im abschließenden Gespräch mit seiner Frau, bei dem er noch derartig unter dem Eindruck seines soeben abgeschlossenen Falles steht, dass er gedankenverloren seine Suppe mit einer Gabel essen will, sogar als bloße Finte herausstellt, um die tatsächliche Täterin zu einem Geständnis zu bewegen. Der besagte Irrtum hat somit gar nicht stattgefunden.

Die in dieser Folge sehr zahlreichen unterschiedlichen Schauplätze sind erneut liebevoll in Szene gesetzt worden, sei es das behagliche Heim der Maigrets, sein vertrautes Büro am Quai des Orfèvres, die vornehme Wohnung der Gouins, die verrauchte Bar, in der Pierre Eyraud seinen Lebensunterhalt verdient, die Appartements von Louise Fillon und Dr. Lucile Decaux sowie das spartanisch eingerichtete Kontor von Antoinette Olivier. Die Bibliothekarin scheint übrigens eine treue Gaullistin zu sein, denn sie hat ein Bild des Generals, das ihn als Führer des “France libre” zeigt, in ihrem Büro hängen. Da es sich nicht um ein offizielles Porträt des damaligen Staatspräsidenten handelt, das überdies nur in amtlichen Räumen Verwendung fand, dürfte es aus persönlicher Verehrung dort seinen Platz gefunden haben.

Die Darsteller sind wie stets perfekt auf den Typ besetzt, wobei vor allem John Robinson als Professor Gouin und Valerie White als Antoinette Olivier so agieren, als seien sie geradewegs dem Roman von Georges Simenon entstiegen.

Die Wallace-Fangemeinde erlebt in dieser Folge Ernst Fritz Fürbringer (1900 -1988), der in vier Filmen der Reihe mitwirkte, als Synchronsprecher, der die Eiseskälte von Professor Gouin ebenso großartig vermittelt, wie dessen Darsteller John Robinson (1908-1979), der übrigens wie Rupert Davies in Liverpool geboren wurde.

Bei der ansonsten wie gewohnt ausgezeichneten Synchronisation ist in dieser Episode ein Fehler unterlaufen. Als Kommissar Maigret Antoinette Olivier zu einem Verhör aufsucht, stellt er sich als “Inspektor Maigret vom Quai des Orfèvres” vor, während er in der folgenden Szene, als er Dr. Lucile Decaux seine Dienstmarke vorweist, seinen korrekten Dienstgrad angibt.

@Lord Peter und @Berthold Deutschmann Ich muss leider noch knapp 14 Tage auf die zweite DVD von "Maigret" waren, aber bis dahin beschäftige ich mich eben noch etwas mit der ersten Staffel. Den von Lord Peter angesprochenen Suchtfaktor kann ich voll und ganz nachvollziehen, mir geht es da nicht anders.

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 171

04.10.2015 13:29
#118 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

Herzlichen Dank, Queen Cora Ann. Dein scharfer analytischer Geist verblüfft mich immer wieder, bist eine echte Perle in diesem Forum. Habe kürzlich Deinen ersten Beitrag entdeckt im Thema "Schauspieler/-innen: Heinz Drache":

Heinz Drache (5)

Die Wallace-Filme mit Heinz Drache schaue ich mir besonders gerne immer wieder mal an, habe vor ca. 2 - 3 Monaten einen Durchlauf der 10 besten Filme der Reihe gemacht, nach einer von King Gubanov erstellten Liste. Würde gerne mal erfahren, wie der Rupert Davies Maigret bei den übrigen Wallace-Fans so abschneidet.

Cora Ann Milton Offline



Beiträge: 5.110

04.10.2015 17:45
#119 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten

Vielen Dank für deine lieben Worte, Berthold.

Wenn du jetzt auch noch ein Fan von Heinz Drache bist, dann ist meine Sympathie für dich nicht mehr zu steigern. Was andere Verehrer von Rupert Davies und seinem "Maigret" angeht, so fürchte ich, bleibt es wohl bei dir, Lord Peter und mir.

Bis wir zu "Maigret nimmt Urlaub" kommen, folgt hier zunächst ein von mir arrangiertes musikalisches Zwischenspiel:

Cora Ann Milton Offline



Beiträge: 5.110

10.10.2015 21:23
#120 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · Antworten








“Maigret nimmt Urlaub”
(“On Holiday”)

Regie: Eric Tayler

Drehbuch: Margot Bennett

Darsteller: Rupert Davies (Kommissar Jules Maigret), Helen Shingler (Madame Maigret), Ewen Solon (Inspektor Lucas), Griffith Jones (Dr.Philippe Bellamy), Gladys Boot (Madame Bellamy), Perlita Neilson (Schwester Marie des Anges), Barbara Cavan (Mutter Oberin), Nicolette Bernard (Mademoiselle Olga), Peter Elliott (Inspektor Mansuy), Bernard Kay (Francois), Mary Kenton (Popine), Patsy Smart (Mademoiselle Rinquet), Nanette Newman (Odette Bellamy), Gordon Gostelow (Georget), John Ruddock (Monsieur Duffieux), Sian Pryce (Schwester Aurelie)

Literarische Vorlage: “Les Vacances de Maigret” (“Maigret macht Ferien” / "Maigret nimmt Urlaub") von Georges Simenon


Der folgende Beitrag enthält Spoiler.

“Mein armer Jules!”
(Madame Maigret)
“Wieso?”
(Maigret)
“Hast du dich heute wieder gelangweilt?”
(Madame Maigret)
“Erst war ich in einem netten Cafè und später am Hafen, und dann bin ich zum Fischmarkt gegangen.”
(Maigret)
“Nicht in ein anderes Cafè ...”
(Madame Maigret)

“Entschuldigen Sie, Mademoiselle! Haben Sie vielleicht zufällig gesehen, wer den Zettel in meine Tasche gesteckt hat?”
(Maigret)
“Bedaure! Ein so berühmter Detektiv wie Sie müsste das eigentlich selbst herausfinden.”
(Mademoiselle Rinquet)

“Die lieben Schwestern werden durch dich ganz durcheinander gebracht.”
(Madame Maigret)

“Sie ist noch nicht mal unter der Erde. Es wird noch allerhand passieren, bis es soweit ist ...”
(Dr. Bellamy)

“Mama, das ist Kommissar Maigret aus Paris.”
(Dr. Bellamy)
“Er hätte in Paris bleiben sollen ...”
(Madame Bellamy)

“Wie viel Zeit geben Sie uns, um das Mädchen zu finden?”
(Inspektor Mansuy)
“Zwei, drei Stunden.”
(Maigret)
“Zwei, drei ... Wir können doch nicht zaubern!”
(Inspektor Mansuy)

“Wahrscheinlich wird noch jemand in dieser Stadt ermordet, Mansuy.”
(Maigret)
“Noch jemand? Wer?”
(Inspektor Mansuy)
“Ich weiß es noch nicht. Ach, es ist zum Verzweifeln! Vielleicht ist es schon passiert.”
(Maigret)

“Komisch, dass Maigret alles vorher weiß.”
(Inspektor Mansuy)

“Aber eines Tages würden Sie sich fragen: ‘Sie weiß alles. Liebt sie mich auch noch genug?’ Und dann?”
(Maigret)

“Aber trotzdem hat ihm etwas gefehlt."
(Maigret)
“Und was war das?”
(Madame Maigret)
“Die Liebe seiner Frau.”
(Maigret)


Kommissar Jules Maigret hat sich seinen Ferienaufenthalt in Les Sables, einer in der Region Pays de la Loire am Atlantik gelegenen Hafenstadt, gänzlich anders vorgestellt, denn Madame Maigret musste sich einer Blinddarmoperation unterziehen. Maigrets Besuche am Krankenbett seiner Frau sind für den Kommissar zwar Beweise seiner innigen Liebe zu ihr, verbinden sich für ihn jedoch mit einigen Unannehmlichkeiten. Weder darf er im Krankenhaus, das zugleich ein strikt reglementiertes Nonnenkloster ist, sein Jackett ausziehen noch Pfeife rauchen. Zu allem Überfluss sind er und seine Frau mit der Anwesenheit der altjüngferlichen Mademoiselle Rinquet im Nachbarbett gestraft, deren einziger Lebenszweck das Versprühen von boshaften Bemerkungen zu sein scheint.

Während Maigret seine Frau besucht, findet sich in seiner Jacketttasche ein anonymer Zettel mit der Bitte, die Patientin von Zimmer 15 aufzusuchen. Die Neugier des Kommissars ist geweckt. Bei der besagten Frau handelt es sich um Hélène Godreau, die Schwägerin des Chefarztes Dr. Philippe Bellamy. Dieser verweigert mit Hinweis auf den ernsten Gesundheitszustand der Patientin Maigret ein Gespräch mit ihr. Kurz darauf erliegt die junge Frau ihren Verletzungen, die durch den Sturz aus einem von ihrem Schwager gefahrenen Wagen verursacht wurden.

Während der ortsansässige Inspektor Mansuy, der seine Dienstzeit meist der Maniküre seiner Fingernägel widmet, nur allzu rasch bereit ist, Hélène Godreaus Tod als simplen Unfall zu den Akten zu legen, stellt Kommissar Maigret seine eigenen Ermittlungen an.

Dr. Bellamy isoliert seine attraktive Gattin Odette, die angeblich unter Depressionen leidet, nahezu vollständig von der Außenwelt. Einzig einem jungen Mädchen gelingt es, heimlich zu ihr vorzudringen. Kaum hat Kommissar Maigret deren Identität festgestellt, wird die dreizehnjährige Lucile Duffieux erwürgt in ihrem Bett aufgefunden. Die Eltern trifft der schreckliche Verlust umso schwerer, da sie erst kürzlich den ebenso überraschenden wie überstürzten Weggang ihres Sohnes Émile nach Paris verkraften mussten.

Kommissar Maigret ahnt, dass es noch einen dritten Todesfall geben könnte, wenn er sich nicht sogar bereits sogar ereignet hat.

Eine Spur führt ihn zu der Schneiderin Mademoiselle Olga, Odette Bellamys Freundin ...

Anmerkungen:

Zitat
“Maigret hatte einen kleinen Balkon. Er ging im Morgenrock hinaus, und die Aussicht war wirklich schön. Der Strand war breit und blendend, das Meer übersät mit blauen und weißen Segeln.”

“Sie gingen beide im gleichen Schritt weiter auf dem Kai und betrachteten geistesabwesend den harmonischen Bogen des Strandes, der etwas Weibliches, fast Sinnliches hatte. Es war die Stunde, in der das Meer begann, blasser zu werden, etwas fröstelte, bevor es im Sonnenuntergang aufflammte.”

“Selten hatte er Augen gesehen, die so hart und zugleich so brennend waren, einen Mann, der so sehr seine Nerven beherrschte und in so hohem Grade fähig war, nichts von seinen Empfindungen zu verraten.”

(Georges Simenon: “Maigret nimmt Urlaub”)



Nach “Hier irrt Maigret” bekommt es der Kommissar erneut mit einem Arzt zu tun, wobei seine Begegnung mit Dr. Philippe Bellamy - wenn auch unter völlig veränderten Umständen - ebenso negativ ausfällt wie seine Bekanntschaft mit Professor Èmile Gouin. Die psychischen Abgründe des Mediziners sind diesmal gänzlich anderer Art, doch nicht weniger erschreckend und abstoßend. Die Deformation seiner Seele könnte auf den unseligen Einfluss seiner bösartigen Mutter zurückzuführen sein - eine Parallele zu “Maigret und die Bohnenstange”.

Die Drehbuchautorin Margot Bennett weicht in einigen Punkten von Georges Simenons Roman ab.
Dabei handelt es sich um einige eher unbedeutende Aspekte wie etwa der Vorname von Bellamys Schwägerin - im Film Hélène, im Roman Lili - aber auch um gravierendere Veränderungen wie das Versteck für die dritte Leiche oder dass Maigret Dr. Bellamy nicht im Hospital kennenlernt sondern am Honoratiorenstammtisch in der “Brasserie du Remblai”, die im Film ebenso wenig vorkommt wie Außenaufnahmen des Ferienortes, dessen äußere Schönheit mit den begangenen Verbrechen kontrastiert. Das finale Duell zwischen Maigret und dem Täter gestaltet sich im Film weitaus spannender und dramatischer als im Roman und findet überdies an einem gänzlich anderen, aber konsequent logisch gewählten Schauplatz statt.
Kommissar Maigret wirkt im Roman weitaus missgestimmter als im Film. Der zunächst so ersehnte Urlaub bereitet ihm nichts als Langeweile, und die streng reglementierte Atmosphäre im Krankenhaus versetzt ihn in eine gereizte Stimmung. Im Film hingegen hält Maigret sich mit fast heiterer Nonchalance an die ihm auferlegten Beschränkungen.
Inspektor Lucas, der im Film in Paris wichtige Ermittlungen für seinen Chef anstellt und dabei dessen Angewohnheit übernimmt, gelegentlich vor sich hin zu pfeifen - dieses Mal handelt es sich um den Refrain der Arie "Votre toast, je peux vous le rendre" aus der Oper “Carmen” von Georges Bizet - erscheint im Roman nicht, während im Film wiederum keiner der Honoratioren von Les Sables d’Olonne, wie Maigrets Urlaubsort vollständig lautet, auftritt. Man vermisst sie allerdings auch nicht, während die Abwesenheit des dem Zuschauer mittlerweile sehr vertrauten Lucas gravierender wäre.

Maigret fühlt sich einmal mehr in der Gesellschaft einfacher Leute bedeutend wohler als bei gut situierten Herrschaften.
Nach Lucilles Ermordung, die der Kommissar mit tiefer Betroffenheit aufnimmt - im Roman steigen ihm sogar Tränen ohnmächtiger Wut in die Augen - wirkt er mit sanfter Güte tröstend auf den verzweifelten Vater, einen in bescheidenen Verhältnissen lebenden Nachtwächter, ein. Maigrets Befragung von Francois, dem Diener von Dr. Bellamy, und seiner Geliebten, der Fischhändlerin Popine, gestaltet sich im Hinterzimmer ihres Geschäftes weitaus gemütlicher als die mit formeller Höflichkeit geführten Verhöre des Arztes in dessen Villa. Im Roman wagt Maigret mit eher untypischer Scheu zunächst nicht, den angesehenen Chirurgen zu befragen sondern beobachtet ihn lediglich ausgiebig und interessiert, bis dieser von sich aus den Kommissar anspricht. Im Film wird er von Dr. Bellamy durch Inspektor Mansuy gebeten, ihn zuhause aufzusuchen.

“Maigret nimmt Urlaub” enthält die bisher umfangreichsten gemeinsamen Szenen, in denen Rupert Davies und Helen Shingler die Beziehung des Ehepaars Maigret gestalten. Mit kleinen Gesten, die dadurch umso intensiver wirken, vermitteln sie die tiefe Liebe und innige Vertrautheit zwischen den Beiden: ihre zärtlichen Blicke, ein sanfter Kuss, das Ergreifen der Hand des jeweils Anderen, das Aneianderschmiegen der Köpfe.

Griffith Jones (1909 - 2007), langjähriges Ensemblemitglied der Royal Shakespeare Company, verkörpert Dr. Philippe Bellamy kongenial zur Vorlage von Georges Simenon.

Gladys Boot (1890–1964) knüpft mit ihrer Darstellung von Madame Bellamy nahtlos an Noel Hoods dämonische Mutterfigur der Madame Serre in “Maigret und die Bohnenstange” an.

Mary Kenton (1923–2010) und Bernard Kay (1928–2014) agieren in ihren Rollen als glücklich Liebende voller Lebenslust und Sinnenfreude und bilden eine deutlichen Kontrast zu den zwar hochherrschaftlichen jedoch psychisch derangierten Bewohnern der Villa von Dr. Bellamy.

Die wie gewohnt überaus gelungene Synchronisation wartet in dieser Episode mit zwei hochkarätigen Sprechern auf: Ernst Stankovski für Griffith Jones und Rosemarie Fendel für Nicolette Bernard.

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