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Dieses Thema hat 245 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

09.08.2015 22:46
#76 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Zitat von Berthold Deutschmann im Beitrag #71
Helen Shingler hat am 29. August 2015 ihren 96. Geburtstag. Ob man ihr - z. B. über Facebook (ich bin noch nicht dort registriert) - zu Rupert Davies eine Frage stellen kann?


Ich meide dieses soziale Netzwerk ganz bewusst und glaube leider auch nicht, dass die Dame sich in ihrem hohen Alter noch kontaktieren lässt, wäre aber natürlich über das Gegenteil hoch erfreut. Übrigens weilt Neville Jason, der brave Lapointe, ebenfalls noch unter uns.

Aber vielleicht ist jemand im Besitz von Archivmaterial, in dem sich die Darsteller über die Serie geäußert haben.

Und hier einige wie ich finde sehr schöne Beiträge:

http://www.maigret.de/index.php/standard.../rupert_davies/

http://www.maigret.de/index.php/standard...gern_mal_filmen

http://www.maigret.de/index.php/standard...e_nach_st_pauli



Rupert Davies und Helen Shingler in "Maigret und sein Revolver"

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

15.08.2015 18:43
#77 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten









“Maigret und die Bohnenstange”
(“The Burglar’s Wife”)

Regie: Julian Amys

Drehbuch: Roger East

Darsteller: Rupert Davies (Kommissar Jules Maigret), Helen Shingler (Madame Maigret), Ewen Solon (Lucas), Neville Jason (Lapointe), Andree Melly (Ernestine Jussiame), Hugh Burden (Guillaume Serre), Noel Hood (Madame Serre)

Literarische Vorlage: “Maigret et la Grande Perche” (“Maigret und die Bohnenstange”) von Georges Simenon


“Sie sagt, Sie würden sich bestimmt an sie erinnern, weil sie sich mal ganz vor Ihnen ausgezogen hat.”
(Lapointe)
“Und was hab ich gemacht?”
(Maigret)
“Nichts. Deshalb will sie Sie ja sprechen.”
(Lapointe)

“Sie wird warten, wenn du’s ihr wert bist.”
(Maigret)
“Wer denn?”
(Lapointe)
“Deine Freundin. Kannst sie ja anrufen von meinem Privatapparat.”
(Maigret)

“Aber sei vorsichtig! Die Serre-Familie hat mindestens zwei Generale und vier Abgeordnete zu bieten.”
(Maigret)
“Vive la France!”
(Lucas)

“Ich habe mir Einlass in die Wohnung erwirkt und ...”
(Lapointe)
“Du bist reingegangen. Lass doch diese Amtssprache!”
(Maigret)

“Safe-Freddy hat Magengeschwüre und trinkt nur Milch.”
(Lapointe)
“Milch?”
(Lucas)
“Würde ich auch tun, wenn ich Magengeschwüre hätte, und die kriege ich hier bald.”
(Maigret)

“Lass Freddys Wohnung beobachten, und wenn er kommt, bringt ihn hierher.”
(Maigret)
“In Ordnung.”
(Lucas)
“Ich bin gespannt, ob ihr ihn erwischt. Seine Frau schuldet mir nämlich noch sechs Kognak.”
(Maigret)

“Hallo Lucas? Monsieur Serre möchte eine Erklärung bezüglich Steuerhinterziehung abgeben. Geh mit ihm in die Beichtstube.”
(Maigret)

“Wollen Sie sie verprügeln?”
(Ernestine Jussiame)
“Bohnenstange, dafür brauch’ ich dich doch nicht!”
(Maigret)

“Der Beamte, der eben vorbei ging ...”
(Madame Serre)
“Das ist Kommissar Maigret.”
(Ernestine Jussiame)
“Ja, so heißt er, glaube ich. Er scheint sehr korrekt zu sein.”
(Madame Serre)
“Als ich das erste Mal in seinem Büro war, hat er mich vierundzwanzig Stunden lang splitternackt stehen lassen. Bei offenem Fenster mitten im Winter.”
(Ernestine Jussiame)

“Dieser Maigret ist ein Teufel, ein brutaler Kerl!”
(Ernestine Jussiame)

“Ich bin froh, dass ich nicht Ihren Beruf habe.”
(Guillaume Serre)
“Und ich bin froh, dass ich nicht in Ihrer Haut stecke.”
(Maigret)

“Na, wie war’s?”
(Maigret)
“Ich hab’ Sie so schlecht gemacht, dass sie schon ganz weich ist.”
(Ernestine Jussiame)
“Du bist klasse!”
(Maigret)

“Das soll Kaffee sein? Haben Sie nichts besseres zu bieten als diese trübe Brühe?”
(Ernestine Jussiame)
“Klar, kriegst was anderes.”
(Maigret)

“Das Verhalten eines systematischen Mörders erscheint einem immer absurd.”
(Maigret)

“Und was ist mit dem Moped?”
(Ernestine Jussiame)
“Krieg’ ich das zurück?”
(Alfred Jussiame)
“Das verkaufen wir und verjubeln das Geld.”
(Maigret)

“Jetzt bist du aber dran, mich einzuladen.”
(Maigret)
“Ja, zu ‘nem Glas Milch.”
(Ernestine Jussiame)


Kommissar Maigret schaut an seinem ersten Urlaubstag noch rasch in seinem Büro am Quai des Orfèvres vorbei und ist alles andere als erfreut, als ihn in dort eine alte Bekannte aufsucht. Vor zehn Jahren hatte er Ernestine Jussiame, die den Spitznamen “die Bohnenstange” trägt, wegen Handtaschendiebstahl verhaftet und ihr nach ihrem vierzehntägigen Gefängnisaufenthalt fünfzig Franc geschenkt mit der Empfehlung, sie solle sich bessern. Ernestine hat den menschlichen Kommissar nicht vergessen und wendet sich mit einer privaten Angelegenheit an Maigret. Ihr Mann Alfred, genannt "Safe-Freddy", ein berüchtigter Safeknacker, hat vor zwei Tagen in Neuilly bei einem seiner Coups eine Frauenleiche entdeckt und hält sich seither versteckt, da er befürchtet, man könne ihn des Mordes verdächtigen.

Während der brave Lapointe von Maigret in die wohl verdienten Ferien entlassen wird, ist sich Madame Maigret aufgrund der Ermittlungsarbeit ihres Mannes noch nicht so ganz sicher, ob sie mit ihrem Jules wie geplant in den Urlaub nach Spanien fahren wird.

Seine Nachforschungen führen Kommissar Maigret zu dem angesehenen Zahnarzt Guillaume Serre, einem kränkelnden Mann von verbindlichen Umgangsformen aber ohne eigene Willenskraft. Seine Mutter herrscht über ihn mit zwar sanfter doch umso nachdrücklicher Tyrannei. Serre bestreitet, dass in sein Haus eingebrochen wurde. Eine neu eingesetzte Fensterscheibe erklärt er mit einem Sturmschaden. Kurz darauf meldet er gegenüber Kommissar Maigret den Diebstahl seines Wagens. Merkwürdigerweise hatten außer Guillaume Serre noch weitere Angehörige seiner Familie gesundheitliche Probleme mit dem Herzen: nicht nur seine derzeitige Gattin sondern auch seine verstorbene erste Frau Jeanne sowie sein ebenfalls verblichener Vater. Serres Frau Maria hat ihn vor zwei Tagen verlassen, um zu ihrer Familie nach Holland zurückzukehren. Allerdings ist die junge Frau dort niemals angekommen ...

Anmerkungen:

Zitat
“Sie sollten schon längst wissen, dass es Dinge gibt, die Menschen wie wir besser durchschauen als Sie.” Dieses “wir” bezeichnete augenscheinlich eine ganze Welt, die nämlich, in der die Bohnenstange lebte, die Welt auf der anderen Seite der Barrikade.”

“Wenn Sie mich zufällig aufsuchen müssen, brauchen Sie keine Angst zu haben, dass ich mich ausziehe. Jetzt behalte ich lieber mein Kleid an! ... Das ist für alle Beteiligten besser.”

(Georges Simenon: “Maigret und die Bohnenstange”)



“Maigret und die Bohnenstange” ist ein Kammerspiel über die ganz private Hölle, die manche Menschen für sich selbst erschaffen, das in einem höchst dramatischen Schlussakkord endet. In dem antik möblierten und mit zahlreichen Erinnerungsfotos dekorierten Haus der Familie Serre scheint die Zeit still zu stehen. Die in dieser ungesunden Atmosphäre lebenden Menschen sind in tiefster Seele vergiftet.

Hugh Burden (1913 - 1985) verkörpert einen kranken Arzt, der wohl andere zu heilen versteht, aber sich selbst nicht zu helfen weiß. Eine gewisse physische Ähnlichkeit zu Jean Desailly und die ebenfalls pathologische Mutterbindung des von ihm verkörperten Charakters wecken Assoziationen zu “Kommissar Maigret stellt eine Falle” (1958).
Synchronisiert wird er von Reinhard Glemnitz, dem man als meist ziemlich barschen Inspektor Robert Heines in der Serie “Der Kommissar” (1969/1976) in bester Erinnerung hat.
Von 1969 bis 1971 spielte Hugh Burden die Titelrolle in der sechzehnteiligen Fernsehserie „Der Spürsinn des Mr. Reeder“ (“The Mind of Mr. J.G. Reeder”) basierend auf Edgar Wallace.

Noel Hood (1909 - 1979) erinnert mit ihrem großartigen Porträt einer von Herrschsucht, Egoismus und Habgier dominierten Frau, die nach außen die Fassade perfekter bürgerlicher Anständigkeit zu wahren weiß, an die düsteren, furchterregenden Mutterfiguren bei Alfred Hitchcock wie beispielsweise Leopoldine Konstantin als Anna Sebastian in “Berüchtigt” (1946)

Im Gegensatz dazu agiert Andree Melly (Jahrgang 1932 und wie Rupert Davies in Liverpool geboren) als Prostituierte Ernestine Jussiame mit herzerfrischender Natürlichkeit. Allein die Szene, in der Ernestine auf Geheiß von Maigret den Charakter und das Verhalten des Kommissars in den schwärzesten Farben schildert, um Madame Serre nachhaltig zu verunsichern, ist höchst amüsant.

Der Kontrast zwischen dem angeblichen “Teufel”, als den ihn Ernestine aus Gründen der Abschreckung beschreibt und der tatsächlichen Persönlichkeit von Kommissar Maigret könnte nicht größer sein. So sieht der sanfte Brummbär zwar irritiert aber dennoch großzügig darüber hinweg, dass sein junger Assistent Lapointe bereits im Büro mit einem Tennisschläger für den bevorstehenden Urlaub trainiert. Und natürlich weiß der lebenserfahrene Maigret, warum Lapointe so nachdrücklich auf seinen Ferien besteht und gibt ihm so rasch wie möglich die Gelegenheit, sie mit einer neuen Freundin zu genießen.

Die Herzensgüte dieses Mannes ist unbeschadet von den Abgründen der menschlichen Seele, mit denen er tagtäglich durch seinen Beruf konfrontiert wird.

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

16.08.2015 16:46
#78 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Warum reagiere ich erst jetzt? - Ganz einfach, liebe Cora Ann: Diesmal blieb mir die Sprache weg. Vielen Dank für Deinen großartigen Beitrag!

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

16.08.2015 17:06
#79 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Vielen Dank, lieber Berthold! Ich freue mich sehr.

Und damit uns die Zeit, bis wir zu "Maigret und sein Revolver" kommen, nicht so lang wird, hier noch etwas mehr von Rupert Davies:

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

16.08.2015 17:17
#80 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Das erste Bild von den dreien, auf dem Rupert Davies sich die Pfeife ansteckt, habe ich von ihm höchstpersönlich als Originalfoto - mit Autogramm!

brutus Offline




Beiträge: 12.805

18.08.2015 13:28
#81 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Da diese Veröffentlichung sich ja durchaus zu einem Verkaufserfolg entwickelt, darf Pidax gerne schon mal über Teil 2 nachdenken

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

29.08.2015 12:31
#82 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Happy Birthday and Best Wishes to You, Helen Shingler!

http://www.clickautographs.com/detail.php?id=7245

edit: Helen Shingler war in ca. 30 Episoden der 52-folgigen Maigret-Serie der BBC (1960-63)
die Madame Maigret.

Außerdem war sie im 90-minütigen "Zuschlag" zur Serie, in "Maigret at Bay" (BBC 1969),
noch einmal an der Seite von Maigret Rupert Davies die Madame.

Helen Shingler hat heute, am 29. August 2015 (einige andere Quellen sagen: bereits am 19. August)
ihren 96. Geburtstag.

http://www.imdb.com/name/nm0793934/?ref_=fn_al_nm_1

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

29.08.2015 15:10
#83 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten










“Maigret und sein Revolver”
(“The Revolver”)

Regie: Chloe Gibson

Drehbuch: Roger East

Darsteller: Darsteller: Rupert Davies (Kommissar Jules Maigret), Helen Shingler (Madame Maigret), Ewen Solon (Lucas), David Webb (Alain Lagrange), Harold Scott (Dr. Pardon), Peter Stephens (“Baron” Francois Lagrange), Margaretta Scott (Jeanne Debul), Campbell Singer (Inspector Pyke), Susan Burnet (Georgette Renault), Dandy Nichols (Concierge), Robert Hunter (Gaston Grimal)

Literarische Vorlage: “Le Revolver de Maigret” (“Maigret und sein Revolver”) von Georges Simenon


Der folgende Beitrag enthält Spoiler.

“Als Horsd’œuvre gibt es Artischocken mit Sauce hollandaise, dann Poularde mit Pommes frites, dazu gemischten Salat und als Dessert Erdbeeren.”
(Madame Maigret)

"Ich rief an, aber du warst nicht da."
(Madame Maigret)
"Ja, ich musste dringend weg."
(Maigret)
"Ja, ins "Dauphin" zu einem Apéritif ..."
(Madame Maigret)

“Wie kannst du ‘n wildfremden Menschen hier reinlassen?”
(Maigret)
“Bitte, Liebling, schimpf nicht!”
(Madame Maigret)
“Wenn er mit meinem Revolver jemanden umgebracht hat, bin ich in ‘ner feinen Situation.”
(Maigret)

“Kriminalkommissar Maigret hat bewiesen, dass er ein hervorragender Psychologe ist. Ein Mensch, der sich immer fragt, wer ist der wirklich Schuldige an einem Verbrechen.”
(Dr. Pardon zitiert einen Zeitungsartikel)

“Vor allem ist es für mich sehr peinlich. Das FBI verehrt mir einen Spezialrevolver, eine Schnellfeuerwaffe, und jetzt geistert das Ding durch Paris. Dazu noch geladen und mit meinen Initialen auf dem Griff.”
(Maigret)

“Da hat sich auch noch ein Mädchen gemeldet, das den Jungen heute Nachmittag gesehen haben will.”
(Lucas)
“So? Na, kein Wunder. Es ist Frühling, und er ist neunzehn.”
(Maigret)
“L'Amour ...”
(Lucas)

“Sie haben mich aufgeweckt!”
(Georgette Renault)
“Das tut mir leid, aber es ist wichtig. Gehen Sie immer so früh zu Bett?”
(Maigret)
“Ich war heut’ noch gar nicht auf.”
(Georgette Renault)

“War heute nachmittag ein junger Mann hier?”
(Maigret)
“Ja, aber der wollte leider nicht zu mir.”
(Georgette Renault)

“Lucas, bewahrt deine Mutter die Kleider ihrer Kinder auf?”
(Maigret)
“Meine Mutter hat mein erstes Paar Schuhe aufbewahrt.”
(Lucas)
“Zur Erinnerung?”
(Maigret)
“Nein, für meinen kleinen Bruder.”
(Lucas)

“Ach, sieh dir mal Madame Debuls Schreibtisch an. Georgette wird ‘n dir zeigen. Viel Spaß!”
(Maigret)

“Was gab’s denn heute bei euch?”
(Maigret)
“Viel Regen.”
(Lucas)
“Nein, zum Mittag.”
(Maigret)
“Ach, zum Essen. Ein Filetsteak mit Salat und Pommes Frites. Dann ‘n bisschen Käse, Kaffee, ein halbes Dutzend Austern vorher und dann natürlich meine übliche Schokoladencreme. Aber Sie werden natürlich viel besser essen.”
(Lucas)
“Hast du ‘ne Ahnung ...”
(Maigret)

“Falls Sie meinen Revolver haben sollten, halten Sie die Mündung nach unten. Ich möchte mit Ihnen reden.”
(Maigret)

“Ich will Ihnen jetzt keinen Rat geben, denn Sie müssen selbst wissen, was Sie tun. Ich will Ihnen nur eine Geschichte erzählen. Vor einiger Zeit kam ich an einem Sommerabend nach Hause. Sie wissen ja, dass in der Straße, in der ich wohne, Bäume stehen. Das haben Sie ja gesehen, als Sie bei mir waren. Unter einem dieser Bäume stand eine Menge Menschen. Ich weiß nicht, wer die Katze zuerst gesehen hat. Ich glaube, ein kleines Mädchen, das schon längst hätte zu Hause sein müssen. Die Katze sass völlig verängstigt auf einem ziemlich dünnen Ast. Sie wagte nicht, sich umzudrehen, sie wagte auch nicht zu springen. Wie sie dahin gekommen war, wusste sie wohl selbst nicht. Schon ‘ne scheußliche Situation für eine Miezekatze. Und sie wusste nicht, dass die Menschen ihr nur helfen wollten. Sie haben ihr Stöcke hingehalten, den Baum geschüttelt und Leitern hingestellt. Die Katze blieb weiter auf dem Ast hocken aus lauter Angst. Dabei meinten es alle nur gut mit ihr. So wie ich es gut mit Ihnen meine.”
(Maigret)

“Also legen Sie mal los. Um elf Uhr ist hier Polizeistunde. Wenn wir dann noch was trinken wollen, müssen wir auf mein Zimmer gehen.”
(Maigret)

“Was machen wir jetzt? Haben Sie Hunger?”
(Maigret)
“Ja, großen.”
(Alain Lagrange)
“Fein, dann essen wir eine Riesenportion Roastbeef. Also, Kopf hoch!”
(Maigret)


Eine Pariser Zeitung hat einen sehr wohlwollenden Artikel über das psychologische Einfühlungsvermögen von Kommissar Maigret veröffentlicht. So hegt Madame Maigret keine Hintergedankten, als ein junger Mann in ihrem Domizil am Boulevard Richard-Lenoir vorstellig wird, um ihren Gatten in einer privaten Angelegenheit zu sprechen. Sie bittet ihn, im Wohnzimmer zu warten, während sie versucht, ihren Mann telefonisch zu erreichen. Der unbekannte Besucher entwendet unterdessen einen Revolver, den der Kommissar von seinen amerikanischen Kollegen des FBI als Geschenk erhalten hat und entflieht damit.

Der Kommissar reagiert mit verständlicher Entrüstung auf den Diebstahl, versucht aber dennoch, sich seinen Ärger gegenüber seinem langjährigen Hausarzt Dr. Pardon nicht anmerken zu lassen, der als Gast zum Abendessen bei ihm weilt. Ursprünglich hatte Dr. Pardon einen alten Schulfreund mitbringen wollen, einen gewissen Francois Lagrange, der aufgrund seines vermeintlichen Umgangs mit dem Hochadel den Spitznamen “Baron” trägt, doch sei dieser aus unbekannten Gründen verhindert.

Inspektor Lucas ermittelt am nächsten Tag, dass ein junger Mann Munition für eine Smith & Wesson Kaliber 45 gekauft hat. Kommissar Maigret erfährt von Dr. Pardon in einem Telefonat, warum “Baron” Lagrange seine Verabredung zum Abendessen nicht einhalten konnte. Der arme Mann sei erkrankt und überdies sei sein neunzehnjähriger Sohn Alain verschwunden. Die Personenbeschreibung passt exakt auf den jungen Mann, der die Munition erworben hat. Maigrets Besuch bei Lagrange verläuft ergebnislos. Lediglich die Concierge erzählt ihm, dass gestern Abend ein großer Koffer aus dessen Wohnung entfernt wurde. Als Maigret das Gepäckstück im Gare du Nord öffnet, finden er und Lucas darin die Leiche des jungen Abgeordneten Andrè Delteil, der sich einen Namen mit dem Aufdecken von diversen Skandalen gemacht hat. Er ist erschossen worden.

Alain Lagrange wollte am Nachmittag einer gewissen Jeanne Debul einen Besuch abgestatten, wie deren Hausmädchen Georgette Renault Kommissar Maigret erzählt. Die Dame ist jedoch bereits am Morgen nach London gereist, nachdem sie einen Anruf von ihrem Bekannten, dem “Baron” Lagrange erhielt, den sie wenig schmeichelhaft “der alte Waschlappen” nennt. Da sie den gesamten Inhalt ihres Safes mitgenommen hat, scheint sie eine Rückkehr nach Paris nicht zu erwägen. Alain Lagrange hat sich durch den Überfall auf einen Passanten namens Gaston Grimal das nötige Geld beschafft, um ebenfalls nach London fliegen zu können und nimmt die Verfolgung von Madame Debul auf.

Kommissar Maigret reist den Beiden in die englische Hauptstadt nach, wo er von einem alten Bekannten, Inspektor Pyke von Scotland Yard, Amtshilfe erhält.

Anmerkungen:

Zitat
“Es schien ihm, die Laternen leuchteten anders als in Paris, das Abenddunkel hatte eine andere Farbe, die Luft einen anderen Geruch.”

“So war das immer im Ausland. Dies und jenes begeisterte ihn, aber dann erlebte er gleich darauf etwas, das ihm gegen den Strich ging.”

“Wie bei der Katze genügte bei dem Jungen eine falsche Bewegung oder eine jähe Unüberlegtheit ... Er vergaß nicht, dass der junge Mensch bewaffnet war, hielt es aber für richtig, ihm Zeit zu lassen, wieder zu sich zu kommen.”

(Georges Simeneon: “Maigret und sein Revolver”)



Eine Kollision der Kulturen erlebt Kommissar Jules Maigret in dieser Folge. Fern von seinem vertrauten Paris muss er sich mit einer Sprache plagen, die ihm so fremd ist, dass er sich in seinem Hotel dem Kellner und dem Zimmermädchen nur schwer verständlich machen kann. Ein einfaches Telefonat erweist sich als höchst komplizierte Angelegenheit, wenn man nicht begreift, dass man zunächst eine Amtsleitung verlangen muss, um mit Scotland Yard sprechen zu können. Der Qualm seiner geliebten Pfeife wird als “shocking” und “terrible” empfunden, ein Roastbeefsandwich ist in London offensichtlich etwas anderes als in Paris, und man darf lediglich bis elf Uhr in der Hotellobby dem Alkohol zusprechen.
Die Tatsache, dass Rupert Davies selbst gebürtiger Engländer ist, jedoch in seiner Rolle als Maigret einen sich in London fremd fühlenden Franzosen verkörpert, erhöht die Ironie dieser amüsanten Situationen noch beträchtlich.

Maigret und sein Mitarbeiter Lucas pflegen ohne Lapointe, den Dritten im Bunde, den sie des öfteren zu frotzeln pflegen, im Umgang mit einander einen für den Zuschauer sehr vergnüglichen trockenen Humor. Für Erheiterung sorgt auch Maigrets Verhör mit dem attraktiven Hausmädchen Georgette, deren einzige Verfehlungen darin bestehen, die Asche ihrer Zigaretten in einer antiken Blumenvase zu entsorgen und es sich während der Abwesenheit ihrer Arbeitgeberin in deren Bett bequem zu machen.

Der Zuschauer kommt in dieser Folge in den Genuss einiger Außenaufnahmen, unter anderem wenn Maigret und Lucas sich zum Gare du Nord begeben, bei der Ankunft des Kommissars in London sowie einige der dortigen Sehenswürdigkeiten.

Die Ausstattung erweist sich erneut als überaus liebevoll und detailliert, sei es das gemütlich möblierte und mit zahlreichen Büchern ausgestattete Wohnzimmer der Maigrets, das verwahrloste, stets im Halbdunkel befindliche Appartement von Francois Lagrange oder die mondäne Wohnung von Jeanne Debul.

Ein Novum ist der Auftritt von Maigret in einem anderen Kleidungsstück als in seinem gewohnten Nadelstreifenanzug, obwohl sich dem Kommissar nicht so recht erschließen will, weshalb er sich für seinen Hausarzt, den er schon viele Jahre kennt, einen Smoking zum gemeinsamen Abendessen anziehen soll.

In keiner der bisherigen Folgen zeigt sich der Kommissar mitfühlender als in dieser.
Obwohl er den “Baron” Lagrange erst kennen gelernt hat und kaum etwas über ihn weiß, gibt er dessen Concierge sogleich einen Geldbetrag mit der Bitte, für den kranken Mann Sorge zu tragen.
Maigrets väterliche Güte sowie sein großes psychologisches Einfühlungsvermögen bewahren Alain Lagrange davor, sich in blinder Rachsucht selbst aufzugeben. Der Moment ihrer ersten persönlichen Begegnung ist von immenser Spannung, wenn der Kommissar lediglich die Macht seiner Worte zur Verfügung hat, um den bewaffneten jungen Mann von der Unsinnigkeit seines Vorhabens zu überzeugen.
Doch auch Madame Maigret nimmt am Schicksal des verzweifelten Alain Lagrange regen Anteil und fürchtet sogar, er könne sich mit dem Revolver ihres Gatten das Leben nehmen.

David Webb (1931–2012) und Rupert Davies haben 1968 in dem verstörenden Horrorfilm “Der Hexenjäger” erneut einen gemeinsamen Auftritt. Webb verkörpert darin den Gefängniswärter des von Rupert Davies gespielten Priesters John Lowes, den man der Hexerei bezichtigt.

Margaretta Scott (1912 - 2005) , viele Jahrzehnte als Charakterdarstellerin in Großbritannien aktiv, dürfte dem Publikum wohl am vertrautesten als Mätresse des von Ralph Richardson verkörperten Bosses von Everytown in dem Science Fiction Klassiker “Was kommen wird” (“Things to come”) (1936) sowie als exzentrische Witwe Mrs. Pumphrey, Besitzerin des verhätschelten Pekinesen Tricky Woo in der Fernsehserie “Der Doktor und das liebe Vieh” (1978/90) sein.

Campbell Singer (1909 - 1976) ist der Edgar-Wallace-Fangemeinde durch seinen Auftritt als Sir Archibald in “Das Geheimnis der gelben Narzissen” (1961) bestens bekannt.

Die Kostümbildner der Serie haben sich mit der Wahl des Nadelstreifenanzuges für Rupert Davies offensichtlich an einem Vorbild orientiert:




Selbstverständlich auch von mir herzliche Glückwünsche an Helen Shingler - Happy Birthday!



Helen Shingler und Rupert Davies in "Maigret hat Skrupel" - Kommissar Jules Maigret ist ohne seine liebende Gattin Louise undenkbar.

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

29.08.2015 15:59
#84 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Da hast Du Dir ja ein tolles Bild von Deinem Jean Gabin ausgesucht:
Selbst das Canapé im Hintergrund trägt einen Nadelstreifenanzug!

Ist der Screenshot wirklich aus einem der drei Gabin-Maigrets?
Möchte ich nämlich bezweifeln.

Dein Beitrag ist aber auf jeden Fall wieder einfach vorzüglich.
Ich danke Dir dafür, Cora Ann.

Herzlicher Gruß
Berthold

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

29.08.2015 16:14
#85 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Sehr gern geschehen und vielen Dank!

Der von mir erstellte Screenshot von "meinem" Jean Gabin stammt aus dem Klassiker "Wenn es Nacht wird in Paris" (1954) und ich habe ihn deswegen gepostet, weil er meiner Meinung nach eine gewisse physische Ähnlichkeit zwischen den beiden Darstellern verdeutlicht, der durch die Garderobe noch verstärkt wird.

Übrigens erinnert mich Rupert Davies mit Teilen seiner Darstellung in der nächsten Folge "Maigret in der Liberty Bar" sehr an Jean Gabin. Doch dazu werden wir später kommen.

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

29.08.2015 16:33
#86 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Bei mir ist das eher umgekehrt:
Wenn ich mir einen Jean-Gabin-Film anschaue, glaube ich (fast), in der Hauptrolle Rupert Davies zu sehen ...

Peter Offline




Beiträge: 2.780

30.08.2015 11:06
#87 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Liebe Cora Ann, auch von mir herzlichsten Dank für deinen großen Einsatz!
Habe inzwischen mit einigem Vergnügen die ersten drei Rupert-Davies-Maigrets gesehen. Gestern die "Bohnenstange". Macht viel Freude, die Folgen anhand deiner reichhaltigen Hintergrundinfos, Zitate und Bilder aufzufrischen.....

Übrigens: Was den Vergleich Davies/Gabin betrifft, möchte ich auch noch persönlichen Senf beitragen: Natürlich sehe auch ich die beiden als Bereicherung an - und aus einem bestimmten Grund gar nicht so sehr in einem Vergleichswettstreit: Davies scheint mir der perfekt-passgenaueste Maigret zu sein, auch, weil er bei seinem Auftreten nicht wie Gabin automatisch an andere ausgeprägte Charaktere erinnert. Das geht keinesfalls gegen Gabin, der die Rolle glänzend ausfüllt - aber eben durch die Vielzahl seiner großen Rollen nicht als "Inkarnation" einer bestimmten Figur festgelegt ist. Das Potential auch dafür hätte er aber allemal gehabt.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

30.08.2015 13:48
#88 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Vielen Dank, lieber Peter!

Ich freue mich, dass dir die Serie so gut gefällt und hoffe sehr, dass dieser Thread viele Leser dazu anregt, sich Rupert Davies als Kommissar Jules Maigret anzuschauen, weil es einfach faszinierend zu sehen ist, wie er diese Rolle verkörpert. Zunächst einmal muss man natürlich kein Franzose sein, um glaubwürdig einen verkörpern zu können (man muss schließlich auch keinen Mord begehen, um überzeugend einen Killer zu spielen), aber wie sich der Engländer in die ihm doch wohl nicht ganz so sehr vertraute Mentalität einfühlt und sie mit immenser Überzeugungskraft gestaltet, das empfinde ich als ein wirkliches Erlebnis. Rupert Davies ist als Maigret von einer natürlichen und sanften Autorität, zutiefst menschlich, gütig und verständnisvoll, aber auch zupackend und energisch, wenn es ihm geboten erscheint, und er verfügt über einen wunderbar trockenen Sinn für Humor.

Ich sehe Jean Gabin und Rupert Davies übrigens nicht in einer gewissen Konkurrenz, sondern empfinde sie inzwischen vielmehr als "Brüder im Geiste", die diese Rolle einfach brillant ausfüllen.

Und hier der geistige Vater von Kommissar Jules Maigret mit dem Mann, von dem er enthusiastisch meinte: "C'est Maigret!"

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

02.09.2015 12:11
#89 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Schon bei den ZDF-Maigret-Ausstrahlungen von 1965-68 war mir aufgefallen, dass das Bild ab und zu - insbesondere bei Außenaufnahmen - etwas zittrig und sprunghaft war, so als ob nicht 24 Frames pro Sekunde ablaufen würden, sondern vielleich nur 16 oder noch weniger. Aus heutiger Sicht führe ich das zum Teil auf die damaligen Fernsehverhältnisse zurück, als das TV-Bild nur aus 624 Zeilen bestand anstatt aus 1200. Auf den DVDs direkt vom ZDF oder auf denen von Pidax ist diese Zittrigkeit nämlich nicht so stark wie bei den damaligen Fernsehsendungen, obwohl ein Rezensent bei Amazon, Asmodiena, in Bezug auf die Pidax-VÖ auch ein "leicht unruhiges" Bild bemängelt.

Nun habe ich in einem Beitrag von Georg entdeckt, dass fürs ZDF das Bild von einem Monitor abgefilmt worden war, um den optischen Studioeffekt zu "verfremden":

Zitat von Georg im Beitrag Paul Temple (TV Serie GB/ BRD 1969 sqq.)
... damals bei BBC-Importen beim ZDF leider üblich (so auch leider Gottes bei Maigret mit Rupert Davies) - das von einem Monitor abgefilmte Bild, um den Studioeffekt zu verfremden ...


@Georg: Mir war bekannt, dass der englische Audio-Studioeffekt mit der deutschen Synchronisation automatisch ganz entfiel, das mit der optischen Verfremdung ist mir neu. Wieso wird der Studioeffekt durch diese Art von Filmkopieren gemildert? Vielleicht kann Georg einen etwas ausführlicheren Kommentar dazu geben?

Georg Offline




Beiträge: 2.773

03.09.2015 14:48
#90 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Dazu kann ich leider nichts sagen, ich kenne mich technisch überhaupt nicht aus. Aber durch das Umkopieren auf Film verschwindet automatisch die Videoatmosphäre. Sollte wohl "teurer" aussehen.

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