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Dieses Thema hat 192 Antworten
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 Schauspieler/-innen
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Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

18.09.2011 15:06
#61 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Die vielleicht berühmteste Synchronrolle von Heinz Drache ist Trevor Howard als Inspektor Calloway in „Der dritte Mann“ von Carol Reed. Sehr schön klingt er auch für Patrick MacGoohan in „Geheimauftrag für John Drake“ sowie in der „Columbo“-Folge „Des Teufels General“.
Ich mag Heinz Drache lieber als Joachim Fuchsberger, weil er so wunderbar doppeldeutig in seinem Auftreten ist. Die beiden hätten im „Hexer“ (mein persönlicher Lieblings-„Wallace“) zum Beispiel niemals die Rollen tauschen können. Und eine so zweilichtige Figur wie in „Der Hund von Blackwood Castle“ würde man „Blacky“ nie und nimmer abkaufen.
Gerade sein mysteriöses Auftreten gepaart mit dieser immensen Lässigkeit und Selbstsicherheit machen Heinz Drache für mich so interessant. Wer das Arroganz nennen will – meinetwegen. Besonders schön spielt er mit Barbara Rütting in „Neues vom Hexer“ und in „Der Zinker“. Beides sehr selbstbewußte Menschen, die eigentlich gut zu einander gepaßt hätten. Zu Margot Trooger hätte er natürlich auch sehr gut gepaßt, aber die war ja anderweitig vergeben. Schön ist auch sein wunderbar trockener Humor. Zum Beispiel fragen die Gangster im „Zinker“: „Können wir jetzt gehen?“ – und er erwidert nur eiskalt: „Sitzen werdet ihr! Und nicht zu knapp!“
Weil ich Heinz Drache so mag, kann ich auch die mitunter negativen Kritiken an „Neues vom Hexer“, „Der Zinker“ und „Das indische Tuch“ nicht teilen. Sie gefallen mir alle. Die Story von „Die Tür mit den sieben Schlössern“ ist vielleicht ein bißchen wirr, aber daran hat der Hauptdarsteller keine Schuld.
Seine Auftritte als Hans-Georg Bülow im TATORT in den Achtziger Jahren fand ich allesamt schön, besonders als er sich in „Tödliche Blende“ in eine berühmte Schauspielerin verliebt, die dann ermordet wird oder wie er in „Die kleine Kanaille“ realisieren muss, dass er ein junges Mädchen mit krimineller Energie völlig falsch eingeschätzt hat. Hier wie bei den „Wallace“-Filmen verkörpert er immer stilvolle Eleganz.
Da dies mein erster Beitrag zu Ihrem Forum ist, darf ich noch sagen, dass es sehr schön ist, zu wissen, dass es noch viele andere Menschen gibt, die sich so für die „Wallace“-Filme interessieren. Das Buch von Joachim Kramp zur Reihe ist wunderbar gelungen, wenn ich – siehe oben – auch nicht seine Meinung zu bestimmten Filmen teile.

Gubanov Online




Beiträge: 14.379

18.09.2011 15:14
#62 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Hallo Cora Ann,

müssen wir jetzt böse Befürchtungen hegen? Wo seine Frau ist, kann schließlich auch der Hexer selbst nicht weit sein...

Ich teile dein Lob für Heinz Drache und die Filme, in denen er mitgespielt hat, möchte aber gleichzeitig das Dauerargument, Blacky hätte man eine zwielichtige Rolle nicht abgenommen, anzweifeln. Er hat schlicht (fast) keine bekommen und deshalb liegt es nicht bei uns, Mutmaßungen über Leistungen anzustellen, die er nie erbringen durfte.

Ich bin gespannt, was noch von dir zu hören respektive lesen sein wird.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

18.09.2011 16:15
#63 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Sehr geehrter Gubanov,
da du mich duzt, darf ich das Kompliment sogleich erwidern. Da du dich nach einer wunderbar zwielichtigen Figur des unvergleichlichen Klaus Kinski in „Das Gasthaus an der Themse“ benannt hast, gehe ich wohl nicht fehl in der Annahme, dass du ein Fan dieses Darstellers bist. Er ist wie das Salz in der Suppe eines jeden „Wallace“-Films, in dem er auftritt.
Dein Argument hat einiges für sich. Es gab ja auch schon Mörder mit überaus Vertrauen erweckenden Gesichtern, wenn man zum Beispiel an Karlheinz Böhm in „Augen der Angst“ denkt.
Eine Information, die vielleicht von Interesse sein dürfte: ARTE bringt demnächst einen Themenabend zu den Edgar-Wallace-Verfilumungen. „Das Gasthaus an der Themse“, eine Dokumentation sowie eine UFA-Verfilmung von „Der Zinker“ werden gezeigt.
Nachdem ich soeben meine Eloge an Heinz Drache vorgebracht habe, würde ich gern noch eine Lobeshymne auf einen anderen Schauspieler loswerden, der zwar nur einen einzigen „Wallace“ gedreht hat, aber dafür halte ich „Die toten Augen von London“ auch für den gruseligsten der ganzen Reihe. Er hat darüber hinaus noch in „Das siebte Opfer“ von Bryan Edgar Wallace gespielt. Ich meine natürlich Wolfgang Lukschy. Er hat eine solche Aura von Souveränität und dazu diese unvergleichlich schöne, etwas rauchige Stimme, die er unter anderem Gregory Peck, Gary Cooper und John Wayne geliehen hat. Ich mag ihn wirklich sehr.
Übrigens war der erste „Wallace“-Film, den ich sah „Der Frosch mit der Maske“, den ich seitdem auch ganz besonders in mein Herz geschlossen habe. Besonders Siegfried Lowitz als Inspektor Elk, der immer dann Schwerhörigkeit vortäuscht, wenn man ihn mit unangenehmen Fragen belästigt, fand ich wunderbar gelungen. In „Der Fälscher von London“ hat er eine ähnliche Glanzleistung vollbracht.
Während ich Adrian Hoven und Harald Leipnitz als Inspektoren eher als blass empfinde, finde ich Charles Regnier in „Der schwarze Abt“ phantastisch, obwohl der Film als ganzes nicht zu meinen Favoriten zählt.
Im übrigen kann ich nicht verhehlen, dass meine Sympathie meistens den Darstellern der negativen oder zwielichtigen Figuren gilt (natürlich nicht für das, was ihre Charaktere tun!), sie sind einfach interessanter. Was zum Beispiel Pinkas Braun aus seine Figuren in „Die Tür mit den sieben Schlössern“ oder in „Das Rätsel der roten Orchidee“ macht, ist einfach fabelhaft.
Mit den komischen Parts ist es bei mir so eine Sache. Während die meisten Auftritte von Eddi Arendt und Siegfried Schürenberg sehr gelungen finde, kommt mir Hubert von Meyerrinck oft maßlos übertrieben und daher nicht witzig vor.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.263

18.09.2011 20:07
#64 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Zitat von Cora Ann Milton
.
Eine Information, die vielleicht von Interesse sein dürfte: ARTE bringt demnächst einen Themenabend zu den Edgar-Wallace-Verfilumungen. "Das Gasthaus an der Themse", eine Dokumentation sowie eine UFA-Verfilmung von "Der Zinker" werden gezeigt.



Herzlich Willkommen im weltbesten Forum! Du wirst es kaum glauben - diese Information dürfte für das Gros des Forums nicht ganz neu sein.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.342

18.09.2011 20:12
#65 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Sehr geehrte Cora Ann Milton,

ich freue mich besonders, hier eine/n weitere/n Verehrer/in des distinguierten Herrn Lukschy begrüßen zu dürfen. Gubanov und ich haben ihm im Juni die Ehre erwiesen und in Berlin sein Grab besucht und geschmückt. Er hatte in der Tat eine wundervolle Stimme und stand auch für mehrere Hörspiele (u.a. die Sherlock-Holmes-Reihe des Bayrischen Rundfunks) zur Verfügung.

Jacob Starzinger Offline



Beiträge: 1.413

12.10.2011 17:03
#66 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Heinz Drache ist für mich nach Joachim Fuchsberger einer der besten Inspektoren der Wallace Reihe und ist ein guter Schauspieler. Er ist aehnlich wie mit Kinski, Arrent, Fuchsberger, Schuerenberger, Flickenschildt und Glas.

MfG Jacob

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

12.10.2011 18:50
#67 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Für mich ist Heinz Drache schlicht und einfach ein erstklassiger Schauspieler (nicht nur in den Wallace-Filmen), und ich verehre ich ihn über alle Maßen.

Übrigens hat Heinz Drache in den Wallace-Filmen nicht nur Inspektoren gespielt. In "Der Hexer" stellt er sich in der Schlußsequenz als Kommissar Wesby vor, im Nachfolger "Neues vom Hexer" ist er "nur" noch Inspektor wie auch als Richard Martin in "Die Tür mit den sieben Schlössern" und als Bill Elford in "Der Zinker". In "Das indische Tuch" spielt er den Rechtsanwalt Frank Tanner, in "Der Rächer" verkörpert er Michael Brixon, einen Detektiv im Dienste des Außenministeriums, in "Der Hund von Blackwood Castle" stellt er den mysteriösen Versicherungsdetektiv Connery dar, in "Das Rätsel des silbernen Dreieck" spielt er einen mordverdächtigen Zirkusdirektor namens Carl und in "Sanders und das Schiff des Todes" den Kapitän Johnny von Karsten.

Sehr unterschiedliche Rollen, in denen sich Heinz Drache nie nur auf den Typ des eindimensional positiven Helden festlegen lies und seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

19.10.2011 20:05
#68 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Ich hatte gestern Abend das Vergnügen, Heinz Drache nach langer Zeit wieder einmal in "Der Rächer" zu bewundern.
Der Film als ganzes wird meiner Meinung nach zu harsch kritisiert, wenngleich er mich in einigen Passagen auch nicht gänzlich überzeugt hat.

Aber Heinz Drache liefert als Michael Brixon wieder einmal eine interessante, facettenreiche Darstellung, die seine späteren großartigen Auftritte bei den Rialto-Wallace-Filmen schon ahnen läßt. Nur die Dominanz fehlt ihm hier noch ein bißchen. Nichts desto trotz:

Schon allein wie dieser Mann das Büro seines Vorgesetzten betritt. Dafür wurde wohl ein Wort wie stolzieren erfunden. Wie er sich mit Klaus Kinski verbal duelliert. Wie er am Nachmittag (!) von Siegfried Schürenberg aus dem Schlaf gerissen wird und mit einem Hundeblick par exellance nur schnoddrig erklärt: "Welch liebliche Erscheinung am frühen Morgen!"
Die Kammertöne hingegen vergibt er an Ludwig Linkmann, als er dessen Wahnsinn erkennt.
Ganz ungewohnt sanft präsentiert er sich beim Werben um Ina Dusche, der er fast scheu einen kleinen Blumenstrauß verehren will, und dabei noch mit dem Kopf gegen den ihren stößt. Erst am Schluß wird er wie gewohnt energisch mit ihr zur Sache gehen...

Der Film "Der Rächer" mag seine Schwächen haben - Heinz Drache gehört eindeutig nicht dazu!

Pink F. Offline



Beiträge: 10

26.10.2011 20:18
#69 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Es gibt nur sehr wenige Schauspieler der alten Garde,die wohl so viel Polarisieren wie Drache.Er muss wohl nicht so sehr umgänglich gewesen sein mit leichtem Hang zur Egozentrik.Gerade auch in seiner Spätzeit als Tatort Ermittler machte er es den übrigen Protagonisten nicht gerad leicht am Set.Man könnte die Bezeichnung Ekel hier durchaus gebrauchen.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

26.10.2011 20:28
#70 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Ich habe ich nicht persönlich kennen gelernt - hast du es? Ehe du solch ein gravierendes Wort über einen solch grandiosen Darsteller hier verwendest, solltest du es bitte überdenken!

Für mich ist er ein immens faszinierender, in seinen Rollen sehr wandlungsfähiger Schauspieler, der zu den besten seiner Zunft zählt, die wir hier in Deutschland hatten. Kultiviert in Auftreten und Sprachduktus. Ein Genuss für das Auge und das Ohr.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

03.11.2011 21:02
#71 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Heinz Drache in “Der Rest ist Schweigen”

“Es ist gar nicht so einfach, zugleich verachtet und bewundert zu werden...”
“Frech, schamlos und hart...”
Herbert von Pohl (Heinz Drache) über sich selbst

Bundesrepublik Deutschland 1959.
Im Hauses des Industriellen Paul Claudius wird der lange in den USA lebende Erbe des Unternehmens, John Claudius, erwartet. Er läßt die ganz und gar nicht traute Familie lange Zeit warten.
Johns Vater ist während des Zweiten Weltkrieges unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen. Kurz darauf heiratete Johns Mutter Gertrud den Bruder ihres verstorbenen Gatten, Paul. John, der Paul immer schon verabscheute, überwarf sich deshalb mit seiner Mutter. Nun ist der “verlorene Sohn” zurückgekehrt.

Der blonde und blasse junge Mann erscheint schwach, entscheidungsunfähig und an der Welt leidend. Ein Widerpart erwächst John in einem fünf Jahre Älteren, mit dem er als kleiner Junge spielte und den er immer bewunderte, weil er so sein wollte wie dieser.

Herbert von Pohl ist 33 Jahre alt, seit drei Jahren aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen und beabsichtigt, an der Pariser Sorbonne die Fächer Nationalökonomie, politische Wissenschaften und Geschichte zu belegen.
Er ist der Sohn des Sanitätsrates Max von Pohl, der mit seiner Tochter Fee im Hause von Paul Claudius lebt. Herbert spricht in der für ihn typischen zynischen Offenheit von einem “Gnadenbrot”.

Der eloquente, elegante und selbstsichere Mann, der Zigaretten und Alkohol in großen Mengen vertilgt, sprüht vor Zynismus und Menschenverachtung. Lediglich sein Vater und seine Schwester vermögen noch, ihn zu sanfteren Gefühlen zu bewegen.

Als ihn sein Vater verabschiedet, als Herbert zum Studium fährt, verbittet sich der Sohn jegliche Phrasen, doch sein Umgang mit dem alten Herrn ist hinter aller äußeren Härte von fast rührender Sanftheit.
Seine Schwester Fee hingegen weist Herbert schroff zurecht, als er glaubt, sie wolle sich an John, den Erben des Hauses Claudius, wegen seines Vermögens heranmachen. Das ist mit seinem Stolz nicht vereinbar.

Während seiner Abwesenheit ist durch eine Verkettung unglücklicher Umstände sein Vater einem Herzanfall erlegen. Herberts erste Sorge gilt nach seiner Rückkehr seiner immer schon psychisch labilen Schwester Fee. Entsetzt muß er feststellen, dass sie durch den Schock über den Tod ihres Vaters in geistige Umnachtung gesunken ist.

Nicht ganz zu unrecht macht der haßerfüllte und rachsüchtige Herbert von Pohl John Claudius dafür verantwortlich.
Am Grabe seines Vaters weist er zunächst jede Annäherung des in seinen Augen Schuldigen zurück. Als John nunmehr seinerseits seinen Onkel Paul, den er zurecht des Mordes an seinem Vater verdächtigt, gegen den er aber keine Beweise hat, schlägt ihm Herbert die Faust ins Gesicht.

Herbert von Pohl , der sich zuvor noch mit seinem gewohnten Zynismus jegliches Mitleid des behandelnden Psychiaters verbat, erklärt später mit rührendem Zartgefühl und einem fast unmerklichen hilflosen Lächeln, dass man Fee nunmehr in die Anstalt bringen würde. Nur ganz kurz senkt der zutiefst ergriffene Bruder den Kopf über das Schicksal seiner Schwester.

Das Eintreffen von John Claudius ändert Herberts Gemütszustand.
John stellt seinen Onkel Paul zur Rede. Er soll den Mord an Johns Vater gestehen, Paul jedoch erklärt John für unzurechnungsfähig. Herbert glaubt, John wolle Paul angreifen und attackiert im Gegenzug ihn. Gertrud erklärt Herbert die Wahrheit: Paul hat seinen Bruder umgebracht, und sie wußte über alles Bescheid.
Unfähig, seinen Onkel zu töten, läßt John die Waffe sinken, Gertrud ergreift sie und erschießt Paul.
Herbert von Pohl informiert am Telefon die Polizei.

Der Rest ist Schweigen...

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

04.11.2011 20:25
#72 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Heinz Drache als Tony Wendice in “Bei Anruf Mord”

“Ich meine, dass ich immer darauf aus war, eine reiche Frau zu heiraten. Ich konnte gar
nicht anders. Weißt du, ich hatte mir direkt in den Kopf gesetzt, die erste beste Chance zu
nutzen. Und glücklicherweise war meine Frau sogar noch blödsinnig in mich verliebt...”


Ich finde, man muß immer wissen, welchen Preis man bezahlen will. Darauf kommt es
an. Alles auf dieser Welt hat seinen Preis. Es ist ein großer Irrtum zu glauben, dass man
billig einkaufen kann. Ich habe jedenfalls für alles, was ich wirklich haben wollte, einen
hohen Preis bezahlen müssen. Aber ich habe es dann auch bekommen...”

Tony Wendice

Der ehemalige Tennischampion Tony Wendice plant, seine Frau Margot umzubringen. Dazu treibt ihn weniger die Eifersucht, weil Margot ihn vor einem Jahr mit dem amerikanischen Schriftsteller Mark Halliday betrogen hat. sondern die schlichte Existenzangst.
Der ebenso elegante wie selbstsichere Dandy kann und will nicht auf seinem gewohnten gehobenen und deshalb kostspieligen Lebensstandard verzichten. Würde sich Margot jedoch von ihm scheiden lassen, wie Tony befürchtet, wäre es damit vorbei.
Geeignete Maßnahmen müssen ergriffen werden...

Tony Wendice dingt einen alten Bekannten aus der Schulzeit, der sich mittlerweile Lesgate nennt und in allerlei dunkle Machenschaften verwickelt ist, als Mörder seiner Frau und verschafft sich selbst ein Alibi, indem er mit Mark Halliday zu einem “Herrenabend” geht.
Während Tony seine Frau mit einem Telefonat aus der Sicherheit ihres Schlafzimmers locken will, soll Lesgate Margot erwürgen.
Doch Tonys Plan schlägt fehl. Das ist für ihn jedoch kein Grund, nicht auch weiterhin alles zu versuchen, sich seiner mißliebigen Gattin doch noch zu entledigen...

Heinz Drache gibt den distinguierten Playboy Tony Wendice mit einem unwiderstehlichen, verdorbenen Charme, dem man sich einfach nicht entziehen kann.
Mit seinem souveränen Auftreten spielt er die weiteren Mitwirkenden gnadenlos an die Wand, einzig Siegfried Lowitz als Chefinspektor Hubbard vermag einige Akzente zu setzen.

Sein ständiges eisiges, überlegenes Lächeln.

Allein schon wie er sich dem unbedarften Lesgate gegenüber als durch eine Beinverletzung gehandicapt ausgibt, damit dieser zu ihm in die Wohnung kommt - und das diebische Vergnügen darüber dass der Vorwand obsolet ist. Wie er mit amüsierter Miene fachmännisch Lesgates Fingerabrücke entfernt. Wie er ihn ganz und gar in die Enge treibt und lediglich kalt Lesgates Zusammenbruch studiert.


Wie er immer beherrscht bleibt, auch wenn sein bisheriger Plan gescheitert ist und ihn zunächst leichte Panik befällt, er aber bald wieder ganz er selbst ist. Wie er den treusorgenden Gatten heuchelt und mit der verbindlichsten Miene die abstrusesten Lügen in die Welt setzt - all das ist ein Genuss zu sehen.

Es tut fast weh, zu sehen, dass der so brillante Planer sich am Ende mit einer simplen Falle fangen läßt. Sein Blick jedoch, als er weiß, dass er ausgespielt hat, ist wahrlich zum Fürchten.

Heinz Drache liefert als Tony Wendice ein Meisterstück ab. Allein wegen ihm ist "Bei Anruf Mord" ein absolutes Vergnügen.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

07.11.2011 18:44
#73 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Das wahrscheinlich größte Kapital eines Schauspielers ist seine Stimme.
Klingt sie besonders schön und prägnant dürfen wir sie nicht nur bei ihrem Eigentümer genießen, sondern auch bei anderen.


Kleine Auswahl der Synchronarbeiten von Heinz Drache

Sean Connery in “Marnie” (1964)
Kirk Douglas in “Stadt ohne Mitleid” (1960)
Kirk Douglas in “Der Fuchs geht in die Falle” (1962)
Kirk Douglas in “Die Totenliste” (1962)
Robert Duvall in “Apocalypse Now” (1979)
Glenn Ford in “Die Saat der Gewalt” (1955)
Laurence Harvey in “Telefon Butterfield 8" (1960)
Laurence Harvey in “Der Fehltritt” (1960)
Charlton Heston in “Der letzte der harten Männer” (1976)
William Holden in “Die 21 Stunden von München” (1976)
Trevor Howard in “Der dritte Mann” (1949)
Gene Kelly in “Wer den Wind sät...”(1960)
Alan Ladd in “Das tödliche Netz” (1959)
Martin Landau in “Die größte Geschichte aller Zeiten” (1964)
Christopher Lee in “Jenseits Mombasa” (1956)
Christopher Lee in “Der Hexentöter von Blackmore” (1969)
Fred MacMurray in “Die Welt gehört der Frau” (1954)
Fred MacMurray in “Der große Regen” (1955)
Fred MacMurray in “Auf heißer Fährte” (1959)
Patrick McGoohan in “Geheimauftrag für John Drake” (1960)
Patrick McGoohan in “Columbo: Des Teufels General” (1974)
Patrick McGoohan in “Columbo: Tod am Strand (1975)
Paul Scofield in “Scorpio, der Killer” (1972)
Frank Sinatra in “Verdammt sind sie alle” (1958)
Frank Sinatra in “Can Can” (1959)
Frank Sinatra in “Colonel von Ryans Express (1964)
Eli Walach in “Nicht gesellschaftsfähig” (1961)
Richard Widmark in “Die Verlorenen” (1955)
Richard Widmark in “Babys auf Bestellung” (1958)
Richard Widmark in “Der Schatz des Gehenkten” (198)
Richard Widmark in “Das war der wilde Westen” (1962)

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

15.11.2011 20:14
#74 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Heinz Drache als Kommissar Kapp in “Der Kronzeuge” aus der Serie “Intercontinental Express”

“Sie sehen, ich bemühe mich durchaus zu nuancieren...”

“Haben Sie eigentlich die Absicht, die ganze Zeit über zu stehen? Setzen Sie sich doch, Herr Fohrler! Kostet das selbe Geld...”

“Sie können natürlich schweigen, ununterbrochen - mir gegenüber, dem Richter gegenüber. Sie können schweigend Ihr Urteil annehmen, und können schweigend in Ihre Zelle gehen. Aber das eine kann ich Ihnen heute schon garantieren, und das ist kein Bluff, das vorliegende Belastungsmaterial reicht aus, um Sie lebenslänglich hinter Gitter zu bringen...”

“Man kann etwas, was man getan hat, ableugnen. Man kann es verdrängen, aber es wird einen nicht in Ruhe lassen. Keinen Tag und keine Nacht bis ans Lebensende. Sie können sich die Lippen zerbeißen, aber Sie werden immer gegen Wände rennen. Sie werden immer in Angst leben, dass Sie sich verraten in irgendeinem unbedachten Augenblick. Ihre Ruhe werden Sie erst finden, wenn Sie die Tat gestanden haben...”

“Wenn Sie Ihren klaren Kopf behalten, werden wir die Vorgänge in aller Sachlichkeit rekonstruieren können...”


Zwei Männer gehen einen Bahnsteig in Frankfurt am Main entlang. Der eine trägt einen offenen Mantel unter dem ein eleganter Anzug und eine modische Krawatte zu sehen sind. In der Hand hält er eine Aktentasche. Selbstbewußt weist er dem neben ihm gehenden Herren den Weg.
Dieser hat seinen Mantel nachlässig zugeknöpft, wirkt angespannt und verschlossen.
Bevor sie den Zug nach Stuttgart besteigen, treffen sich die Blicke der Beiden. Besorgnis und Ungewissheit zeigen sich in den großen dunklen Augen des einen Mannes, der selbstsichere Herr mit der Aktentasche mustert ihn intensiv und lauernd.

An der Wagontür wurde ein Hinweisschild befestigt: “Reservierter Wagen. Leitende Oberstaatsanwaltschaft bei dem Landgericht Frankfurt am Main”.

Entschlossen öffnet er elegant gekleidete Herr die Abteiltür, wirft nonchalant seine Aktentasche auf einen Sitzplatz und schließt das Fenster. Alles am Auftreten dieses Mannes verrät Souveränität und Energie.
Der Herr im nachlässig zugeknöpften Mantel folgt ihm zögernd, wobei ihn der andere Mann nicht aus den Augen läßt.
Während der kultiviert Selbstsichere es sich sogleich bequem macht, bleibt der andere verkrampft am Fenster stehen und weigert sich zunächst, Platz zu nehmen.

Von nun an beginnen diese beiden Männer ein Duell, das sie mit Blicken, Gesten und Worten führen werden.
Herr Fohrler steht im Verdacht, seine Schwester Elisabeth vorsätzlich aus dem fahrenden Zug gestoßen zu haben, und Kommissar Kapp will ihn während einer Rekonstruktion des Tatherganges unter allen Umständen des Mordes überführen.

Weil der Kommissar von Fohrlers Schuld überzeugt ist, drängt er ihn ständig in die Defensive, läßt ihn kaum einen Moment aus den Augen und zwingt ihn mit überlegen-arrogantem Lächeln zu Aussagen, durch die sich der Mann endgültig belastet. Selbst den angebotenen Alkohol nutzt der Kommissar nicht dazu, den Verdächtigen zu entspannen, sondern um ihm die Zunge zu lösen und ihn dann als Trinker aus Angstmotiven zu denunzieren.

Kapp scheint seine überlegene Situation auszukosten, was sich auch in seinem ständigen genussvollen Rauchen manifestiert.

Oft steht der Inspektor auf und beugt sich dicht über den sitzenden Fohrler, um ihn auch physisch einzuschüchtern. Mit zusammengekniffenen Augen und energisch vorgerecktem Kinn erscheint der sonst mit so gelassener Dominanz auftretende Mann in der Tat eine Bedrohung.
Hinter seiner distinguierten Zurückhaltung haben sich offensichtlich Frustration und Aggressivität aufgestaut. Wenigstens einmal schreit er den Verdächtigen an und wird mitunter etwas lauter als notwendig.

Aus allen seinen Bemerkungen wird deutlich, dass Kapp Fohrler nicht ein Wort glaubt, das dieser zu seiner Verteidigung vorbringt. Mit Skepsis im Blick und spöttisch verzogenen Lippen mustert er sein Gegenüber.

Selbst als das Rätsel des Falles gelöst ist, und Kommissar Kapp seine Niederlage eingestehen müßte und sich über die Verbissenheit, mit der er einen Unschuldigen verfolgt hat, Rechenschaft ablegen müßte, steht lediglich ein ironisches Lächeln in seinen Augen und spielt auch um seine Mundwinkel.

Erst bei Fohrlers Flucht am Ende spiegelt sich zum ersten Mal menschliche Betroffenheit in Kapps Gesichtszügen.
Doch dafür könnte es nunmehr zu spät sein ...

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

26.11.2011 14:28
#75 RE: Heinz Drache - Meinungen zum Schauspieler ( 32 ) Zitat · antworten

Heinz Drache - Biographische Notizen

"Das was ich gerade gemacht habe, war das wichtigste."

"Ich war Soldat, ich hatte Abitur gemacht, war achtzehn Jahre alt, kam nach Nürnberg, und dort gab es eine Eignungsprüfung für den Bühnenberuf, die ja jeder Schauspieler. der auf eine Schauspielschule gehen will, einmal machen muß.
Und auf dieser Eignungsprüfung habe ich vorgesprochen. Ich hatte schon ein Repertoire wie ein fertiger Schauspieler, weil es mir Spaß gemacht hat, auswendig zu lernen. Ich konnte den “Faust” glaube ich mit vierzehn Jahren fast auswendig.
Und unten im Zuschauerraum saß unter anderem der Generalintendant dieses Theaters in Nürnberg, und er sagte zu mir: “Hätten Sie Lust, bei mir im ‘Weihnachtsmärchen’ den Prinzen zu spielen?” Am nächsten Tag war ich frei für die Proben. Und dann wurde das ein Erfolg.
Und dann machte ich gleich eine Riesenrolle - den Philotas von Lessing. Dann wurde ich ganz freigestellt vom Militär... und spielte jetzt eine große Rolle nach der anderen."


"Im Deutschen Theater habe ich ein Stück gespielt, das hieß ‘Der Schatten’. Das war eine Inszenierung von Gustaf Gründgens. Und über diese Aufführung, über diese Inszenierung hat er später einmal gesagt, er hat einmal in seinem Leben die Sterne berührt. Das war diese Aufführung, da spielte ich die Hauptrolle..."

(Heinz Drache in einem Fernsehinterview am 09.02.1998 anläßlich seines fünfundsiebzigsten Geburtstages)


Heinz Drache wird als Sohn eines Kaufmanns am 09.02.1923 in Essen geboren. Er besucht das Alfred-Krupp-Gymnasium, wo er auch sein Abitur ablegt.
Bereits als Schüler begeistert sich Heinz Drache für die Bretter, die die Welt bedeuten und ist als Statist am Essener Theater tätig.

Während seiner Zeit als Wehrmachtssoldat im Zweiten Weltkrieg ist Heinz Drache in Nürnberg stationiert.
Der Intendant des dortigen Schauspielhauses engagiert ihn nach einem Vorsprechen und kann ihn so dem Militärdienst weitestgehend entziehen.

Nach dem Krieg geht Heinz Drache an das Deutsche Theater in Berlin unter die Intendanz von Wolfgang Langhoff.
Während er in Schillers “Die Räuber” im Berliner Künstlerklub “Die Möwe” spielt, wird Heinz Drache von dem berühmten Schauspieler und Regisseur Gustaf Gründgens entdeckt.
Seine Rolle in Gründgens’ Inszenierung des Stücks “Der Schatten” von Jewgeni Schwarz wird für Heinz Drache sein endgültiger Durchbruch als Theaterschauspieler. Die Aufführung in den Kammerspielen des Deutschen Theaters wird 1947 als sensationeller Erfolg gefeiert.

Heinz Drache wird von Gründgens ans Düsseldorfer Schauspielhaus engagiert, wo er bis 1954 bleibt. Hier spielt er zum Beispiel den James Tyrone in “Eines langen Tages Reise in die Nacht” von Eugene O’Neill an der Seite so renommierter Darsteller wie Paul Hartmann und Elisabeth Bergner.
Kapazitäten wie Marianne Hoppe, Elisabeth Flickenschildt und Gustav Knuth zählen ebenfalls zu seinen Kollegen.

Nach seinem Engagement in Düsseldorf entscheidet sich, Heinz Drache freiberuflich tätig zu sein. Er tritt unter anderem am Berliner Schillertheater, an der Kleinen Komödie in München, Komödie in Berlin, Bühnen der Stadt Bonn und am Fritz-Remond-Theater in Frankfurt am Main auf.

Schon früh wird der Film auf den attraktiven und talentierten Darsteller aufmerksam.
Doch seine Rolle als jugendlicher Liebhaber Bob in der Familienkomödie “Einmal kehr ich wieder” (“Dalmatinische Hochzeit”) aus dem Jahre 1953 an der Seite von Paul Dahlke, Adelheid Seeck und Elma Karlowa erweist als nicht sonderlich
erfolgreich.
In der Folgezeit besetzt man Heinz Drache in einigen seichten Unterhaltungsfilmen, ehe er mit seiner Rolle als zynischer Spätheimkehrer Herbert von Pohl in Helmut Käutners moderner “Hamlet”-Adaption “Der Rest ist Schweigen” (1959) endlich eine anspruchsvolle Rolle übertragen bekommt, in der er zu überzeugen weiß.

Auch das damals noch junge Medium Fernsehen engagiert Heinz Drache.
Bereits 1954 (und ebenfalls in der Neufassung von 1959) spielt er in der erfolgreichen Unterhaltungsserie “Im sechsten Stock” (Regie: John Olden) über die Bewohner eines Mietshauses im Pariser Künstlerviertel Montmartre an der Seite so bekannter Kolleginnen wie Inge Meysel und Heli Finkenzeller den Studenten Pierre Jonval.

Das Fernsehspiel “Bei Anruf Mord” (1959) in der Regie von Rainer Wolffhardt gibt Heinz Drache als ehemaliger Tennischampion Tony Wendice, der seine Frau umbringen lassen will, Gelegenheit zu einer frühen meisterhaften Kostprobe seiner Kunst.

Berühmt jedoch macht Heinz Drache 1962 seine grandiose Darstellung als Kriminalinspektor Harry Yates in “Das Halstuch” von Francis Durbridge unter der Regie von Hans Quest.
Obwohl die Identität des Mörders bereits vor der letzten Folge preisgegeben wurde, waren die Zuschauer gebannt vom Geschehen, und das öffentliche Leben kam während der Ausstrahlung des Sechsteilers mehr oder weniger zum Erliegen.

Die neu gewonnene Popularität bringt Heinz Drache das Engagement als Inspektor Richard Martin in “Die Tür mit den sieben Schlössern” unter der Regie von Alfred Vohrer.
Heinz Drache spielt damit erstmals in einem regulären Edgar-Wallace-Film der Rialto Filmproduktion, nachdem er bereits 1960 in “Der Rächer”, einem Konkurrenzstreifen der Kurt-Ulrich-Produktion, den Detektiv Michael Brixan verkörpert hatte.

Von nun an spielt Heinz Drache in sieben weiteren Edgar-Wallace-Verfilmungen.
Zwar verkörpert er als Kommissar, Inspektor oder Rechtsanwalt meist den positiven Helden, allerdings in späteren Filmen auch mysteriöse oder zwielichtige Charaktere.
Heinz Drache gibt allen seinen Wallace-Helden lässige Eleganz, dominantes Auftreten, schlagfertigen Witz und Eloquenz.

Neben seinen Rollen in den Wallace-Filmen spielte Heinz Drache auch in anderen Streifen, blieb seinem Genre des Kriminalfilm und Abenteuerfilm jedoch meistens treu.
Eine Ausnahme dürfte der nur in Großbritannien erschiene Familienfilm “Sandy the Seal” sein, der 1969 unter der Regie von Robert Lynn II entstand. Heinz Drache spielt der Seite von Marianne Koch den Leuchtturmwärter Jan van Heerden, ein Familienvater mit zwei Kindern, der eine von Wilderern verletzte Robbe namens Sandy bei sich aufnimmt.

Nach seinem letzten Auftritt in einem Wallace-Film (“Der Hund von Blackwood Castle”) kehrt Heinz Drache zu dem Medium zurück, das ihm wohl zeitlebens das liebste ist - das Theater.
Hier hat er vom strahlenden Helden bis zum bösen Intriganten alles gespielt, zum Beispiel den Riccault in Lessings “Minna von Barnhelm”, der Verteidiger Greenwald in “Die Meuterei auf der Caine” von Hermann Wouk oder die Titelrolle in “Moniseur Ornifle” von Jean Anouilh.
Allein in der Curt-Goetz-Komödie “Hokuspokus” steht Heinz Drache in den Siebziger Jahren mehr als siebenhundertmal auf der Bühne.

Nur selten nimmt Heinz Drache Gastrollen in Fernsehserien an, so spielt er 1977 in “Der Alte” in der Episode “Verena und Annabelle” und 1979 in “Derrick” in der Folge “Das dritte Opfer”.

1985 wird Heinz Drache auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen Intendanten Lothar Loewe neuer "Tatort"-Kommissar des Senders Freies Berlin.
Sein Kriminalhauptkommissar Hans Georg Bülow - die Rolle muß eigens für Heinz Drache kreiert worden sein, denn ein anderer Darsteller ist dafür undenkbar - ist das Idealbild eines Gentleman.
Dieser Herr kleidet sich mit erlesener Eleganz und bewegt sich auch so. Der “Kavalier alter Schule”, wie ihn seine Freundin Sonja Bach nennt, ist ein Charmeur, ein Gourmet und dennoch ein energischer Ermittler. Wenn er die Szene betritt, dann beherrscht er sie.

Heinz Draches Darstellung als Kriminalhauptkommissar Hans Georg Bülow ist von Anfang an heiß umstritten. Während die eher konservativen Zeitungen Lobeshymnen auf ihn verfassen, verreißen ihn eher liberal orientierte Magazine wie “Der Spiegel” regelmäßig.
Nach diversen Streitigkeiten mit dem Drehbuchautor Herbert Lichtenfeld, die ein intensives Rauschen im Blätterwald der deutschen Zeitungen verursachen, gibt Heinz Drache nach sechs Fällen seinen Ausstand beim “Tatort”.
Sicher ist er der Meinung, dass er sich nach seinen bisherigen Erfolgen nicht mehr alles zumuten lassen muß.

Nach einigen Ausflügen in die Welt der Soap Operas kehrt Heinz Drache nur noch einmal in sein angestammtes Genre - den Kriminalfilm - zurück.
In der Episode “Der Mann des Jahres” der Serie “SOKO 5113" spielt er einen Unternehmer, der durch einen Firmenbankrott nahezu sein ganzes Vermögen verloren hat und nur noch den Schein seines früheren Lebens wahren kann.
In einen mysteriösen Todesfall verwickelt macht er einer jungen Kriminalbeamtin den Hof, weil sie ihn an seine verstorbene Frau erinnert.
Menschlich sehr bewegend zeigt Heinz Drache hier noch einmal sein ganzes Charisma und seine immense Distinguiertheit.

Neben seiner Tätigkeit für das Theater, den Film und das Fernsehen hat Heinz Drache seine unverwechselbar sonore Stimme bei der Synchronisation zahlreichen internationalen Filmstars geliehen.

Heinz Drache ist seit 1957 mit Rosemarie Nordmann verheiratet. Das Paar hat drei Kinder - Christian, Angelika und Nicole - und lebt in Berlin.

Am 03.04.2002 erliegt Heinz Drache einem Lungenkrebsleiden. Er wird auf dem Friedhof in Berlin-Dahlem bestattet.

Doch wann immer wir heute oder in späteren Zeiten seine Filme und Fernseharbeiten genießen dürfen, wissen wir, das Friedrich Schiller niemals so sehr geirrt hat, wie in dem Moment, als er in seinem “Wallenstein” sagen läßt: “Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze...”

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