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Dieses Thema hat 213 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

11.05.2019 12:06
#166 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Ich hatte auch schon länger vor, wieder einmal im Hitchcock-Revier zu wildern. Allerdings wäre das für mich wohl nur bei einer geordneten Sichtungsreihe à la Wallace-der-Woche sinnvoll, aber für zwei solche Mammutaufgaben parallel fehlt mir dann doch der Atem.

patrick Offline




Beiträge: 3.189

11.05.2019 17:12
#167 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Ich kann mir vorstellen, mir hin und wieder mal einen vorzunehmen. Lust hätte ich schon.

Ray Offline



Beiträge: 1.514

12.05.2019 11:15
#168 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Ich möchte natürlich auch keinen drängen. Hatte auch über eine chronologische Sichtung nachgedacht, aber da sind dann doch einige Filme dabei, die mich wegen der Entstehungszeit oder inhaltlich gar nicht interessieren. Deswegen wird es jetzt ein Durcheinander werden, nach Lust und danach bemessen, wie lange ich manchen Film nicht mehr gesehen habe.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

12.05.2019 11:26
#169 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Das stimmt. Eine chronologische Sichtung würde bei Hitchcock u.U. einige Filme des britischen Frühwerks ausschließen. Darauf, mich durch Stummfilme und hanebüchene Komödien zu ackern, hätte ich auch keine Lust.

Es ist dieser Tage übrigens das Buch von Paul Duncan über die Hitchcock-Filme im Taschen-Verlag neu aufgelegt worden. In einem schicken Leineneinband und mit der vom Verlag gewohnten großzügigen Gestaltung macht es einen sehr guten Eindruck, auch wenn es inhaltlich sicher nicht die tiefgreifendste Auseinandersetzung mit Hitchcocks Werk ist:

https://www.taschen.com/pages/de/catalog...liche_filme.htm

Ray Offline



Beiträge: 1.514

12.05.2019 11:39
#170 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #171

Es ist dieser Tage übrigens das Buch von Paul Duncan über die Hitchcock-Filme im Taschen-Verlag neu aufgelegt worden. In einem schicken Leineneinband und mit der vom Verlag gewohnten großzügigen Gestaltung macht es einen sehr guten Eindruck, auch wenn es inhaltlich sicher nicht die tiefgreifendste Auseinandersetzung mit Hitchcocks Werk ist:

https://www.taschen.com/pages/de/catalog...liche_filme.htm


Witzig, dass du es ansprichst. Genau danach wollte ich eben noch gefragt haben. Ob das vielleicht jemand hier hat und was dazu sagen kann. Ein Band mit starkem Bilderanteil fehlt mir nämlich noch zu Hitchcock. Das Truffaut-Buch in der Taschenbuchausgabe hat da nicht so viel zu bieten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

12.05.2019 13:33
#171 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Ich habe es gestern im hiesigen Hugendubel gesehen und überlegt, ob ich es gleich mitnehmen soll. Der Bildanteil ist wie immer bei Taschen hoch und hochwertig. Aber auch inhaltlich scheint es ansprechend zu sein, weil tatsächlich zu jedem einzelnen Hitchcock-Film ein separates Kapitel enthalten ist, sodass man es sichtungsbegleitend lesen kann. Bilder ausgewählter Doppelseiten kannst du unter dem angegebenen Link einsehen.

patrick Offline




Beiträge: 3.189

12.05.2019 13:57
#172 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Also Stummfilme tue ich mir sicher keine an. "Blackmail", Der erste englische Tonfilm von Hitchcock mit stummer Anfangssequenz, ist allerdings gar nicht so übel. Habe aber wesentlich mehr Lust auf Psycho, Vögel, Fenster zum Hof, bei Anruf Mord etc, die ich mir immer wieder mal gern ansehe. Die 50er- und frühen 60er waren Hitchs interessanteste Schaffensperiode.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.246

12.05.2019 15:08
#173 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Ich tue mich mit den Filmen von Hitchcck schwer, die Alten sind mir zu träge
und mächtig die Spätwerke gefallen mir besser, doch keiner gefällt mir so gut
als ein guter Wallace. Auch kann ich mir Hitchcock-Filme nicht mehr als einmal
anschauen. Einmal in ein paar Jahren reicht vollkommen.

Gruss
Havi17

Elford Offline




Beiträge: 1.021

12.05.2019 16:58
#174 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #172
Zitat von Gubanov im Beitrag #171

Es ist dieser Tage übrigens das Buch von Paul Duncan über die Hitchcock-Filme im Taschen-Verlag neu aufgelegt worden. In einem schicken Leineneinband und mit der vom Verlag gewohnten großzügigen Gestaltung macht es einen sehr guten Eindruck, auch wenn es inhaltlich sicher nicht die tiefgreifendste Auseinandersetzung mit Hitchcocks Werk ist:

https://www.taschen.com/pages/de/catalog...liche_filme.htm


Ein Band mit starkem Bilderanteil fehlt mir nämlich noch zu Hitchcock. Das Truffaut-Buch in der Taschenbuchausgabe hat da nicht so viel zu bieten.



Das Truffaut-Buch in der deutschen Taschenbuchausgabe (Erstauflage) ist nur bedingt zu empfehlen, da es gegenüber der französischen Originalausgabe deutlich weniger Bildmaterial enthält und auch der Text teilweise gekürzt wurde. 1999 erschien dann eine großformatige Ausgabe dieses Buches, die dem frz. Original sehr nahe kam. Mir ist allerdings nicht bekannt, ob bei späteren Neuauflagen der Taschenbuchausgabe diese Mängel beseitigt wurden.

Ray Offline



Beiträge: 1.514

14.05.2019 00:19
#175 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Das war mir nicht bekannt. Meine Taschenbuchausgabe ist von 2003 und sie hat zwar Bilder, aber nicht sonderlich viele.

@Gubanov: Danke für den Hinweis, ich denke, ich werde es mir besorgen.


Anlässlich des Todes von Doris Day...


Der Mann, der zuviel wusste (USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Darsteller: James Stewart, Doris Day, Daniel Gélin u.a.



Der amerikanische Arzt Dr. Benjamin McKenna macht zusammen mit Gattin und Sohn Urlaub in Marrakesch. Bei ihrer Ankunft lernen sie den Franzosen Louis Bernard kennen, der abends mit ihnen essen gehen möchte, das Treffen jedoch kurzfristig absagt. Am folgenden Tag fällt McKenna auf einem Marktplatz ein Mann mit einem Dolch im Rücken in die Arme - es ist Bernard. Er erzählt McKenna im Angesicht des Todes von einem geplanten Anschlag auf einen wichtigen Staatsmann in London. Kurz darauf wird McKennas Sohn entführt. Die Kidnapper wollen offenbar verhindern, dass McKenna sein Wissen preisgibt und so das Attentat verhindert...

Mit "Der Mann, der zuviel wusste" inszenierte Alfred Hitchcock 1956 das Remake seines eigenen britischen Films aus dem Jahre 1934. Gegenüber Francois Truffaut erklärte er Jahre später im Hinblick auf einen Vergleich beider Filme: "Sagen wir, die erste Fassung hat ein talentierter Dilletant gemacht und die zweite ein Professioneller." Inhaltlich wurde die Handlung im Groben übernommen, dafür die Schauplätze teilweise verändert. Obendrein setzte man diesmal auf eine Star-Besetzung. Das Endprodukt kann sich absolut sehen lassen.

In den ersten Minuten des Films schafft Hitchcock eine wunderbar heimelige Atmosphäre. Die Familie McKenna wird dem Publikum als absolute Vorzeige-Familie vorgestellt. Der Mann ist ein erfolgreicher Arzt, die Frau eine ehemals erfolgreiche Sängerin, die ihre Karriere indes zugunsten der Familie einstweilen auf Eis gelegt hat. Im Hotel bekommt das Publikum eine erste Kostprobe des zum Klassiker gewordenen "Que Sera Sera" geboten, das im Finale noch eine wichtige dramaturgische Funktion haben wird. Das seltsame Verhalten Bernards sowie die Aufdringlichkeit des Ehepaars Drayton sorgen nicht nur bei Mrs McKenna, sondern auch beim Publikum für ersten Argwohn. Zerstreut wird dieser durch eine herrliche Szene in einem örtlichen Restaurant, in dem Gatte McKenna mit den lokalen Essensbräuchen (unbequeme Sitze; mit den Fingern essen, wobei man nur drei Finger benutzen darf) sichtlich seine Probleme hat. Impressionen von den Märkten Marrakeschs sorgen für weitere Zerstreuung, doch dann ist es schlagartig vorbei mit aller Behaglichkeit: Bernard wird ermordet, der Sohn entführt. Während das Publikum im Vergleich zu den Protagonisten bei Hitchcock nicht selten überlegenes Wissen hat, so hat McKenna in diesem Moment gefährliches Wissen. Die McKennas machen sich auf nach London, wo sie sich anhand der Informationen, die ihnen Bernard noch mit auf dem Weg geben konnten, auf die Suche nach ihrem Sohn zu machen. Nach ein paar kurzen Irrungen kommen sie ihrem Sohn in einer Kapelle bereits sehr nahe, der Showdown findet jedoch in der Royal Albert Hall bzw. anschließend in der Botschaft statt. Die Szene in der Royal Albert Hall ist geradezu episch und dramaturgisch perfekt, noch dazu von Hitchcock im Vorspann und während des Films durch den Hinweis auf die Wichtigkeit des lauten Tons, welches das Becken abgibt, geschickt vorbereitet. Die Spannung ist absolut greifbar, wenn das Attentat immer näher rückt. Dass eine solche Sequenz auch heute noch seine Wirkung entfaltet, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass im fünften Teil der "Mission: Impossible"-Reihe vor wenigen Jahren eine ganz ähnliche Szene eingebaut wurde. Ein zweites Finale gibt es dann in der Botschaft, in dem das Lied "Que Sera Sera" wie angesprochen einen zweiten und dramaturgisch wichtigen Einsatz erhält.

James Stewart war bei Hitchcock "Wiederholungstäter" und gibt einmalmehr den sympathischen und bodenständigen "Durchschnittsamerikaner", wenn man einmal von seiner beruflichen Qualifikation absieht. Doris Day, weder eine Stilikone wie Audrey Hepburn noch eine laszive Sexbombe wie Marilyn Monroe, sondern eher "Sauberfrau" und daher heute nicht mehr ganz so stark in der Popkultur verankert wie die anderen genannten Damen, gibt die passende Ehefrau. In Nebenrollen sieht man Daniel Gélin, der später an der Seite von Heinz Drache in "Zeugin aus der Hölle" auftrat, sowie Reggie Nalder, den Mann mit dem einprägsamen Gesicht - wie auch in "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" "natürlich" als Killer.


Hitchcock versteht es Wohlfühl- und Spannungsmomente in eine ideale Balance zu bringen. Schauplätze in Marrakesch und London sowie der opulente Showdown in der Royal Albert Hall sorgen für optische Reizpunkte, Stewart und Day geben ein ausnehmend sympathisches Hauptdarstellerduo. 5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.514

18.05.2019 12:46
#176 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Die rote Lola (Stage Fright, USA 1950)

Regie: Alfred Hitchcock

Darsteller: Jane Wyman, Richard Todd, Malene Dietrich u.a.



Jonathan Cooper steht im Verdacht, den Gatten seiner Liebhaberin Charlotte Inwood getötet zu haben. Er sucht Unterschlupf bei einer Freundin namens Eve, die in ihn verliebt ist. Jonathan erklärt Eve gegenüber, Charlotte selbst habe ihren Mann umgebracht. Eve beschließt, eigene Ermittlungen anzustellen...


Der Bericht enthält Spoiler.

"Die rote Lola" hat in der Filmografie Alfred Hitchcocks negative Berühmtheit erlangt, die einzig und allein mit einer Begebenheit zusammenhängt: eine Rückblende zu Anfang des Films, die sich ohne Anzeichen am Ende als "filmische Lüge" entpuppt. Das Publikum fühlte sich seinerzeit überwiegend "betrogen" und dem Film war kein sonderlich großer Erfolg vergönnt. Ob man den Kunstgriff des Regisseurs nun als Betrug am Zuschauer oder besondere Schlitzohrigkeit einordnet, ist sicher Ansichtssache. Letztlich dürfte dieser Aspekt Hitchcocks Interesse geweckt haben, denn an Whodunits hatte er wie mehrfach bekundet grundsätzlich kein Interesse. Diesen Umstand merkt man dem Film durchaus an, denn sonderlich spannend ist "Die rote Lola" nicht. Eine Laufzeit von mehr als 100 Minuten gibt die Story in der dargebrachten Form jedenfalls kaum her. Phasenweise steht gar der komödiantische Aspekt beinahe im Vordergrund, wenn Eve bei ihren Nachforschungen in immer neue Rollen schlüpft oder der ihr zur Seite stehende Vater bei einem Fest an einer Schießbude auf eine verschrobene Verleiherin trifft. Die Darsteller machen jedoch insgesamt eine gute Figur. Jane Wyman, die optisch an Hitchcocks Tochter Patricia erinnert, die ebenfalls einen kleinen Part hat und Wyman zudem in einer Szene doubelte, spielt die Rolle der Eve ausgesprochen sympathisch. Marlene Dietrich strahlt eine ungemeine Grazie aus und darf eine laszive Gesangsnummer ("The Laziest Gal in Town") zum besten geben, die zu den Höhepunkten des Films gehört. Im dramaturgischen Höhepunkt kann sich dann auch Richard Todd (bekannt als Polizeinspektor Sanders aus den Afrika-Wallace-Filmen "Todestrommeln am großen Fluss" und "Sanders und das Schiff des Todes") auszeichnen, dessen Darbietung - möglicherweise dramaturgisch bedingt - zuvor eher unspektakulär ausfällt. Unter dem Strich ist "Die rote Lola" ein grundsolider Kriminalfilm, der im Gesamtwerk Hitchcocks jedoch zu Recht keinen hervorgehobenen Status hat. Dafür gibt es einfach zu viele Filme, die besser sind.


Hitchcock liefert mit "Die rote Lola" eine Spielart des Kriminalfilms, die er selber nicht sonderlich schätzte: den Whodunit. Ein klassischer Vertreter seiner Gattung ist er im Endeffekt doch nicht geworden, da er das Publikum mit einer "filmischen Lüge" aufs Glatteis führt. Ansonsten ist "Die rote Lola" weniger bemerkenswert als viele andere seiner Werke, punktet aber durch gut aufgelegte Hauptdarsteller. 3,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.514

21.05.2019 23:11
#177 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Sabotage (Sabotage, GB 1936)

Regie: Alfred Hitchcock

Darsteller: Sylvia Sidney, Oskar Homolka, John Loder u.a.



Ein scheinbar biederer Londoner Kinobesitzer namens Verloc ist Mitglied in einer terroristischen Organisation. Nachdem ein erster Sabotageakt nicht die gewünschte Wirkung hat, soll Verloc eine Bombe am Piccadilly Circus hochgehen lassen...

Der Bericht enthält Spoiler.

"Sabotage", nicht zu verwechseln mit dem nur wenige Jahre später von Hitchcock verantworteten "Saboteure", erzählt in knapp 75 Minuten eine dramatische Geschichte, die in einem heutigen Film wohl wesentlich mehr Laufzeit beanspruchen würde. Der Meister persönlich mag den Film - wie erstaunlich viele seiner Werke - nicht. Den Hauptschwachpunkt sieht er darin, den zentralen Suspense-Moment nicht zufriedenstellend aufgelöst zu haben. Dort schickt Verloc den arglosen minderjährigen Bruder seiner Ehefrau los, um das Paket mit der Bombe in einem Schließfach zu deponieren. Die Bombe explodiert - der Junge stirbt. In der Tötung eines Kindes sah Hitchcock später einen Verstoß gegen die ungeschriebenen Gesetze des Kinos, Truffaut sprach gar von einem "Missbrauch des Kinos". Zwar muss man dem Regisseur zugute halten, dass er sich in einem wohl nur schwer auflösbaren Dilemma befand. Er benötigte eine Rechtfertigung für die spätere Tötung von Mrs. Verloc an ihrem Mann. Mit dem Tod an ihrem Bruder liefert sie für sich und das Publikum ein absolut nachvollziehbares Motiv. Man kann sich allerdings vor dem Hintergrund dieses Dilemmas fragen, ob Hitchcock in der Wahl seines Stoffs bzw. in der Überarbeitung dessen ein glückliches Händchen hatte. Wenn es also die (streitbare) Tötung des Kindes zur Rechtfertigung des anschließenden Racheakts von Mrs Verloc an ihrem Ehemann brauchte, hätte man dann nicht vielleicht auf letzteren verzichten und der Handlung einen anderen Verlauf geben sollen? Bisweilen offenbart der Film im Übrigen, dass seinerzeit ein Stück weit die filmischen Mittel fehlten, um bestimmte Szenen - insbesondere die Sabotageakte - hinreichend wirkungsvoll darstellen zu können. Zudem ist der Film im Gegensatz etwa zu "39 Stufen" nicht derart temporeich, dass man als Zuschauer verschmerzen kann, dass die Hintergründe bezüglich der Organisation und ihrer Motive dunkel bleiben. Was bleibt, ist eine abgesehen vom letzten Drittel recht angenehme Atmosphäre und zufriedenstellende Leistungen der Hauptdarsteller. Sylvia Sidney drückt mit ihrem charismatischen Gesicht diesem Film zwischen ihren Arbeiten mit Fritz Lang ihren Stempel auf, vorhandene kreative Differenzen mit Hitchcock sieht man dem Endprodukt nicht an. Auch John Loder, der anstelle des nicht verfügbaren Robert Donat die durchaus diffizile Rolle des verdeckt ermittelnden Yard-Ermittlers übernahm, der aufgrund seines Interesses an Mrs Verloc ein Stück weit den "Familienfrieden" stört und letztlich entgegen seinem Berufsethos handelt, macht seine Sache durchaus gut. Bilder aus der Londoner Metropole in den 1930ern sorgen für die atmosphärischen Pluspunkte. Gleichwohl muss man insgesamt konstatieren, dass "Sabotage" im Gesamtwerk Hitchcocks sicher nicht zu den Höhepunkten zählt.


Ein im Ansatz sympathischer Streifen mit phasenweise gelungener Atmosphäre und soliden darstellerischen Leistungen, der inhaltlich jedoch nur sehr bedingt zu überzeugen vermag. Dass Hitchcock selbst den Film nicht sonderlich mochte, ist in diesem Fall nachvollziehbar. 3 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

25.05.2019 06:27
#178 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

"Sabotage" war mir deutlich stärker in Erinnerung geblieben - neben "Young and Innocent" als bester der britischen Hitchcock-Filme. Gerade wegen der hervorragenden Besetzung mit Sylvia Sydney und Oskar Homolka.

Das neue Taschen-Buch habe ich dann gestern auch endlich von seinem Platz in der Buchhandlung erlöst. Die anfänglichen ausführlichen Essays zu Hitchcocks drei Karrierephasen und der sehr schöne Leineneinband unter dem halbhohen Schutzumschlag waren mir bisher noch gar nicht aufgefallen. Macht auf jeden Fall Appetit auf neue Sichtungen.

Ray Offline



Beiträge: 1.514

07.08.2019 21:54
#179 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Das Buch habe ich mir inzwischen auch zugelegt - gewohnte TASCHEN-Qualität, würde ich sagen! Besprechungtechnisch geht es auch weiter und zwar mit einem echten Klassiker, der hier noch wenig thematisiert wurde...


Über den Dächern von Nizza (To Catch a Thief, USA 1955)

Regie: Alfred Hitchcock

Darsteller: Cary Grant, Grace Kelly, Jessie Royce Landis, John Williams, Brigitte Auber u.a.



Eine Reihe von Juwelendiebstählen an der französischen Riviera lenken den Verdacht auf John Robie, genannt "die Katze", der vor Jahren einige spektakuläre Juwelendiebstähle begangen hat. Um seine Unschuld zu beweisen, schlägt Robie unter falschem Namen in Nizza auf und ermittelt auf eigene Faust...

"Über den Dächern von Nizza" ist leichtfüßiges Sommer-Kino. Cary Grant schlüpft in die Rolle des Verdächtigen Robie, eine Konstellation mit der es Grant nicht nur bei Hitchcock ("Verdacht"), sondern auch in vergleichbaren Filmen ("Charade") während seiner Karriere zu tun hatte. Anders als in den anderen beiden genannten Filmen ist im vorliegenden jedoch im Grunde von vornherein klar, dass Robie nicht hinter den Taten steckt, sondern jemand anders in seine Fußstapfen getreten ist. Es fragt sich nur, wer? Da wäre eine Reihe alter Bekannter, zu denen Robie "zu besten Zeiten" Kontakt hatte, die indes inzwischen in verschiedenen Tätigkeitsfeldern in einem Restaurant arbeiten. Außerdem wäre da noch die junge Danielle Foussard, die ihm zur Flucht nach Nizza verhilft und ziemlich in ihn zu verschossen sein scheint. Oder ist es gar die junge Amerikanerin Frnaces Stevens (Grace Kelly), die mit ihrer Mutter Urlaub in Nizza macht und Robie ebenso Avancen macht? Ein Hauch von Whodunit schwingt in "Über den Dächern von Nizza" also durchaus mit, dennoch stehen in weiten Teilen des Films andere Aspekte im Vordergrund, weswegen das Werk kaum als waschechter Kriminalfilm, sondern eher als Krimiromanze durchgeht. Der Film lebt von seinen Schauwerten, allen voran natürlich der prächtigen Urlaubskulisse Nizza, die Hitchcock zu vollster Zufriedenheit des Publikums eingefangen hat. Darüber hinaus bilden Grant und Kelly selbstverständlich ein traumhaftes Leinwandpaar. Kelly repräsentiert wieder den von Hitchcock bevorzugten Frauentyp, der sich dem männlichen Hauptdarsteller nicht gleich voller Wolllust um den Hals wirft, sondern vielmehr eine unterschwellige Erotik ausstrahlt. Die Szenen zwischen Grant und Kelly nehmen bisweilen ein Stück weit die frühen Bond-Filme vorweg, Gleiches gilt für die in Vogelsperspektive eingefangenen Autoverfolgungsjagden. Der Film kommt zwar nicht ohne Längen aus und die für Hitchcock so typischen Suspense-Momente sucht man ebenfalls ziemlich vergebens. Dennoch ist "Über den Dächern von Nizza" ein Cocktail, der immer wieder aufs Neue und gefühlt sogar mit jeder Betrachtung ein bisschen besser schmeckt.


Vor der prächtigen Kulisse Südfrankreichs kredenzt Alfred Hitchcock eine leichtfüßige Krimiromanze, die mit wiederholter Sichtung gewinnt. 4,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

13.08.2019 21:30
#180 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Alfred Hitchcock wäre heute 120 Jahre alt geworden (geboren am 13.08.1899 in Leytonstone). Aus diesem Anlass werden nicht nur 'mal wieder einige Hitchcock-Filme im Fernsehen gezeigt, was sonst inzwischen selten genug passiert; ich möchte aus diesem Anlass auch auf eine interessante Hörbuchreihe hinweisen, in der drei-???-Sprecher Jens Wawrczek Romanvorlagen für Hitchcocks bekannteste Verfilmungen eingelesen hat. Zwischen 2016 und 2018 sind elf Titel zusammengekommen. Sie ermöglichen, typische Hitchcock-Spannung auch abseits von Leinwand bzw. Bildschirm zu erleben.

https://www.vitaphon.de/audoba/hoerbuchreihe-hitchcock

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