Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 190 Antworten
und wurde 14.807 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Seiten 1 | ... 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13
Ray Offline



Beiträge: 1.301

24.08.2019 13:16
#181 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Mit etwas Verspätung im Hinblick auf Hitchcocks runden Geburtstag kann ich noch eine Besprechung zu einem weniger bekannten Hitchcock-Film nachreichen...


Geheimagent (Secret Agent)

Regie: Alfred Hitchcock

Darsteller: John Gielgud, Peter Lorre, Madeleine Carroll, Robert Young, Lilli Palmer u.a.



Der britische Spion Brodie soll unter seinem neuen Namen Ashenden in der Schweiz Jagd auf einen deutschen Spion machen. Ein mexikanischer Kollege, der auch "Der General" genannt wird, soll ihn bei dem Vorhaben unterstützen...

Im Anschluss an den gelungenen Film "39 Stufen" inszenierte Alfred Hitchcock mit "Geheimagent" ein weiteres Werk, das - wie der Titel schon offenlegt - dem Spionagefilm-Genre zuzuordnen ist. Nach einem schwarzhumorigen Einstieg - Brodies Beerdingung wird für die Öffentlichkeit inszeniert, ein einarmiger Bediensteter lässt dabei am Ende den leeren Sarg fallen - geht es sehr schnell in medias res. Allgemein fallen die knapp 80 Minuten recht kurzweilig aus. Auf inhaltlicher Ebene ist natürlich die Frage nach der Identität des Spions zentral, wodurch dem Zuschauer ein gewisses Whodunit-Element geboten wird. Ein erster Fehlschlag erweist sich als fatal und wurde dem Film auch vom Meister selbst häufig vorgeworfen. Als wirklich störend stellt sich im Ergebnis jedoch eher die etwas merkwürdige Figur Peter Lorres dar, dessen Einordnung aus heutiger Sicht ein wenig schwer fällt. John Gielgud agiert solide in der Hauptrolle, ohne die Ausstrahlung eines Cary Grant aufzuweisen. Gleiches lässt sich über Madeleine Carroll im Vergleich zu späteren Darstellerinnen typischer Hitchcock-Figuren sagen. Robert Young dürfte die erinnerungswürdigste Darbietung innerhalb des Casts gelungen sein. Er findet die richtige Balance, um sowohl Sympathien beim Publikum als auch Skepsis dahingehend zu wecken, ob er nicht vielleicht der gesuchte Spion ist. Ansonsten ist noch zu bemerken, dass Hitchcock (bewusst) so ziemlich alle erdenklichen Schweiz-Klischees im Film verwurstete oder soll man besser sagen "schokoladisierte"? Denn die Nachforschungen führen Ashenden nicht nur in die Schweizer Berge, sondern auch in eine Schokoladenfabrik. Summa summarum ein Beitrag, der im Gesamtwerk von Hitchcock sicher zu Recht von untergeordneter Bedeutung ist, aber immer noch durchaus ansprechende Unterhaltung bietet.


Recht kurzweiliger Agentenfilm ohne überragende Stärken und mit im Gegenzug wenigen erheblichen Schwächen. 3,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.301

24.10.2019 23:35
#182 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Im Schatten des Zweifels (Shadow of a Doubt, USA 1943)

Regie: Alfred Hitchcock

Darsteller: Joseph Cotten, Teresa Wright, Macdonald Carey, Henry Travers, Patricia Colline, Hume Cronyn u.a.



Charles Oakley, von seiner Nichte Charlotte nur "Onkel Charlie" genannt, stattet der Familie seiner Schwester einen überraschenden und längerfristigen Bsuch ab. Was die Familie und insbesondere die ihren Onkel verehrende Charlotte nicht weiß: "Onkel Charlie" ist ein gesuchter Frauenmörder...

"Im Schatten des Zweifels" war bekanntermaßen einer von Hitchcocks Lieblingen, wenn nicht der Liebling unter seinen Filmen. Wie seine Tochter Patricia einmal berichtet hat, liegt dies darin begründet, dass der Film eine Geschichte darüber erzählt, wie das Böse Einzug in eine friedliche Kleinstadt hält. Wenngleich der "Master of Suspense" richtigerweise wohl einige bessere Filme geschaffen hat, genießt "Im Schatten des Zweifels" durchaus zu Recht einen sehr guten Ruf. Denn die Grundkonstellation hat in der Tat ihren Reiz und diese wird - und das ist entscheidend - auch entsprechend mit Leben gefüllt. Hitchcock gibt sich bis in kleinste Details hinein allergrößte Mühe die Duplizität in Onkel und Nichte zu zeigen. Ob es der gemeinsame Kosename ist, die parallel angelegten Vorstellungsszenen (beide werden in ihrem Bett liegend eingeführt) - die Liste ließe sich beliebig fortführen. Ein großer Pluspunkt ist ferner darin zu sehen, dass - für die damalige Zeit ungewöhnlich - ein großer Teil des Films an Originalschauplätzen gedreht wurde, was dem Film eine besondere Authenzität verleiht. Darüber hinaus werden die Figuren dank des guten Drehbuches und der insgesamt sehr starken darstellerischen Leistungen vortrefflich herausgearbeitet. An erster Stelle zu nennen ist dabei Teresa Wright, die sich neben dem naturgemäß wesentlich älteren Joseph Cotten bestens behauptet. Ihre formidable Ausstrahlung ist es, die den Zuschauer von Anfang an für den Film gewinnt. Im Laufe der Handlung vermag sie es, ihrer Figur eine Vielzahl an Facetten zu verleihen. Joseph Cotten ist ebenfalls weit entfernt von einem schablonenhaften Bösewicht. Schließlich wird er in einigen Momenten durchaus sympathisch dargestellt, sein Besuch - so plötzlich er auch sein mag - ist insbesondere für Schwester und Nichte ein enorm freudiges Ereignis, weswegen man mit den beiden umso mehr leidet, als sich die Anzeichen verdichten, dass sein Charles Oakley ein dunkles Geheimnis hat. Aber auch Hume Cronyn ("Zelle R 17", "Im Netz der Leidenschaften") als des Vaters der Familie seltsamer, mit dem Familienoberhaupt pausenlos Mordmethoden durch diskutierenden Kumpanen oder Edna May Wonacott als wahrer Bücherwurm setzen Akzente. Die einzige Enttäuschung ist der blasse Macdonald Carey in der Rolle des Detektivs Graham. Mit seiner Figur ist auch ein weiterer Kritikpunkt verbunden, denn die Lovestory zwischen ihm und Charlotte ist völlig überflüssig und erscheint unpassend. Eine Schlussszene mit Charlotte alleine oder im Kreise der Familie wäre wesentlich überzeugender gewesen.

Die Blu-Ray bietet den Film in angesichts seiner Entstehungszeit hervorragender Bildqualität. Als Extra gibt es insbesondere das bei den Universal-Hitchcock-Veröffentlichungen gewohnte und empfehlenswerte Making-Of, in dem erfreulicherweise Teresa Wright und Hume Cronyn noch zu Lebzeiten zu Wort kommen und Erinnerungen an die Dreharbeiten mit der Nachwelt teilen konnten.


Mehrfach als sein persönlicher Favorit unter den eigenen Werken bezeichnet, ist "Im Schatten des Zweifels" tatsächlich ein sehr guter, wenn auch nicht der beste Hitchcock-Film. Dies verdankt er der im Ausgangspunkt reizvollen Story, den sauber herausgearbeiteten Figuren, den ganz überwiegend stark aufspielenden Darstellern und der sauberen Inszenierung Hitchcoks. Einzig die überflüssige Lovestory und der blasse Macdonald Carey trüben das Vergnügen. Trotzdem noch 4,5 von 5 Punkten.

Old Rascal Offline



Beiträge: 15

25.10.2019 07:46
#183 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Mein Compliment! Hier finden sich wirklich gute Besprechungen. Schatten ist einer meiner Lieblings Schwarzweissfilme von Hitchcock. Er hat auch einiges aus seiner persönlichen Biogarfie dort einfließen lassen. Die beiden Charleys zeigen Aspekte seiner eigenen Persönlichkeit. Ist wirklich interessant, den Film unter diesem Blickwinkel zu sehen. Mit Macdonald Carey würde ich nicht so streng in's Gericht gehen, da er für die Aussagekraft des Pics nicht so wesentlich ist.

Ray Offline



Beiträge: 1.301

28.10.2019 18:44
#184 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Erstmal vielen Dank für die Rückmeldung! Ja, das Problem liegt wahrscheinlich zu einem erheblichen Teil schon in der Figur begründet. Trotzdem wäre da m.E. mehr herauszuholen gewesen, wenngleich dieser Aspekt den Gesamteindruck in der Tat nur sehr unwesentlich trübt. Unter den Schwarzweißfilmen von Hitchcock würde ich "Im Schatten des Zweifels" auch definitiv sehr weit vorne einordnen.

Old Rascal Offline



Beiträge: 15

29.10.2019 20:47
#185 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Die obligatorische Liebesgeschichte war dem Zeitgeist geschuldet. Das Publikum hat das damals so verlangt und ich kann mir vorstellen, dass dieser Aspekt Hitchcock etwas lästig gewesen sein konnte, da er zu dieser Zeit sehr mit sich selbst beschäftigt war (Mutter sterbenskrank, England im Krieg) und daher besonders viel von seiner Persönlichkeit und eigenen Familienmotiven einfließen ließ. Ihm waren damals andere Dinge wichtiger, was wohl der Grund ist, dass er die Romance ziemlich lieblos abgehandelt hat.

patrick Offline




Beiträge: 3.120

29.10.2019 20:57
#186 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Rear Window (Das Fenster zum Hof, 1954)



Regie: Alfred Hitchkock

Produktion: Alfred Hitchkcock für Paramount Pictures

Mit: James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Wendell Corey, Raymond Burr, Judith Evelyn, Ross Bagdasarian, Georgine Darcy, Sara Berner, Frank Cady, Jesslyn Fax, Rand Harper, Havis Davenport, Irene Winston



Handlung:

Der Fotojournalist Jeff ist zur Untätigkeit verdammt, da er aufgrund eines Gipsbeins vorübergehend an den Rollstuhl gefesselt ist. Mit voyeuristischer Neugierde beobachtet er tagein tagaus die Aktivitäten der Menschen im Nachbarhaus, wobei ihm ein gewisser Mr.Thorwald sehr bald verdächtig erscheint, nachdem dessen gehbehinderte Frau spurlos verschwindet. Rasch entwickelt sich bei Jeff eine Obsession und er ist sich sicher, dass hier ein Mord begangen wurde, was von seiner Freundin Lisa und der Pflegerin Stella zuerst nicht ernst genommen wird. Dies sollte sich aber sehr rasch ändern, als Thorwald einen großen Koffer verschnürt, was nun auch Lisa als Augenzeugin miterlebt...

Anmerkungen:


"Rear Window" ist neben "Dial M for Murder" wohl eines der besten Beispiele, wie mit minimalem Aufwand maximale Spannung erzeugt werden kann. Die gesamte Geschichte spielt sich praktisch in einem Zimmer mit Blick Richtung Nachbarhaus und Hinterhof ab, wobei die Nachbarschaft in beinahe exhibitionistischer Weise ihr Privatleben zur Schau stellt. Jeffs berufsbedingte Neugierde bis hin zum Voyeurismus lassen ihm praktisch keine Wahl, als im Leben seiner Nachbarn herumzuschnüffeln, denen er diverse Kosenamen verleiht. Als Mr.Thorwald nach dem Verschwinden seiner Frau verschiedene Gegenstände wie Säge und Messer verpackt und immer wieder mit einem großen Koffer mitten in der Nacht seine Wohnung verlässt, leckt Jeff Blut und kann sein neugieriges Auge nicht mehr von dem unheimlichen Nachbarn abwenden. Mit Fernglas und Teleobjektiv bewaffnet, wird dieser nun rund um die Uhr observiert. Als er Lisa endlich von seinem Verdacht überzeugen kann, gehen beide mit eifriger Hingabe ihren latenten detektivischen Neigungen nach, was sie in ernsthafte Lebensgefahr bringen sollte.

Darstellerisch lässt Großmeister Hitchcock nichts anbrennen und das wunderbare Gespann Grace Kelly und James Steward ausgesprochen überzeugend agieren. Die Beziehung der Beiden ist durch den Umstand belastet, dass Jeff von Selbstzweifeln geplagt wird, welche aus dem Umstand resultieren, dass er sich dem sozialen Status seiner perfekten Lisa nicht ebenbürtig fühlt und dadurch immer wieder in's Grübeln gerät. Erst das gemeinsame detektivische Abenteuer und die damit verbundene Gefahr sollte die persönliche Beziehung der Beiden endlich auflockern. Raymond Burr als Lars Thorwald spielt seine Rolle beinahe wie ein Stummfilmdarsteller, da er abgesehen vom Finale, nur aus der Ferne beobachtet wird und daher auch kaum Text zu sprechen hat. Auf alt geschminkt (er war bei Erscheinen des Films erst 37) vermag er dem mörderischen Nachbarn eine durchaus unheimliche Note zu verleihen. Auch die meisten anderen Darsteller, welche die lebhafte Nachbarschaft verkörpern, dürfen vor allem in der plaktiven Zurschaustellung ihrer Schrullen und Marotten fungieren. Auf Hitchs Neigung zum schwarzen britischen Humor muss auch hier nicht verzichtet werden, was besonders in der Schlusseinstellung zum Ausdruck kommt. Der Protagonist hat nun beide Beine in Gips, nachdem sein Sturz aus dem Fenster wirkungsvoll von oben gefilmt wird, sodass er immer kleiner werdend nach unten verschwindet.


Fazit:

Ausgesprochen wirkungsvolles und spannendes Kammerspiel, dass ich mir immer wieder gerne ansehe. Nat King Coles Evergreen "Mona Lisa" und das für die Zeit der Entstehung typische Ambiente verleihen der charmanten und schwarz-humorig angehauchten Geschichte einen weiteren Bonus als sehr typischen Einblick in die amerikanischen 50er-Jahre. Da kann ich mir 5 von 5 Punkten natürlich nicht verkneifen.

Ray Offline



Beiträge: 1.301

01.11.2019 14:20
#187 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Den werde ich mir sicher auch demnächst mal wieder ansehen. Vorher aber erstmal folgender Film...


Der Fall Paradin (The Paradine Case, USA 1947)

Regie: Alfred Hitchcock

Darsteller: Gregory Peck, Alida Valli, Charles Laughton, Louis Jourdan, Ann Todd, Joan Tetzel, Ethel Barrymore, Charles Coburn u.a.



Anwalt Anthony Keane übernimmt die Verteidigung von Mrs. Paradine, die im Verdacht steht, ihren blinden Ehemann mit Gift ermordet zu haben. Zunehmend entwickelt Keane persönliche Gefühle für seine Mandantin und es fällt ihm immer schwerer, berufliche und private Ebene zu trennen...

"Der Fall Paradin" fristet in Hitchcocks Gesamtwerk ein Schattendasein. Dies verundert zunächst, ist die Besetzung immerhin äußerst zugkräftig. Mit Gregory Peck ist ein leading man an Bord, der prädestiniert für einen Hitchcock-Thriller erscheint, spielt er doch mit Veteranen wie Cary Grant und James Stewart in einer Liga. Cary Grant wurde auch deshalb als so ideal für Hitchcock angesehen, weil die Zuschauer schon einen vorgefertigten Rollentypen im Kopf haben und daher keine allzu tiefe Charakterisierung der Figur benötigen, um sich an der Figur "festhalten" zu können. Dies trifft auf Gregory Peck ebenso zu. Im vorliegenden Fall ist Pecks Keane indes eine recht ausgefeilte Figur, greift der Film mit der (überzogenen) Obsession für eine Frau schließlich schon ein Leitmotiv für "Vertogo" auf. Peck, leicht ergraut, erledigt seinen Part entgegen verbreiteter Kritik gewohnt souverän. Eine interessante und glückliche Wahl ist auch Alida Valli in ihrem ersten Hollywood-Film. Ihre herbe Ausstrahlung lässt ihre Figur sofort hinreichend ambivalent erscheinen. Der Zuschauer traut ihr die Tat allemal zu, weswegen ein vorschneller Schluss ("Sie war es ja doch nicht") ausbleibt. Auch Louis Jourdan als wichtiger Zeuge und Charles Laughton als etwas selbtgefälliger Richter erfüllen die in sie gesteckten Erwartungen.

Nach recht vielversprechendem Beginn braucht der sehr dialoglastige Film jedoch leider zu lange, bis er es in den Gerichtssaal schafft. Die Folge ist, dass die Spannungskurve zwischendrin arg durchhängt und die an sich gelungenen Gerichtsszenen nicht in dem Maße mitreißen wie sie es eigentlich könnten und für einen rundum gelungenen Film auch müssten. So überrascht es insgesamt nicht, dass der Film ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Dass der Film in der Publikumsgunst nicht allzu weit oben angesiedelt ist, mag auch mit dem eher düsteren Ausgang zusammenhängen, der den Film zumindest in die Nähe eines Film Noir rückt.


Stark besetzter und gespielter Thriller, dessen Spannungskurve auch durch seine Dialoglastigkeit allerdings zwischendrin durchhängt, wovon sich der Film nie so recht erholt. Alles in allem 3,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.095

01.11.2019 15:42
#188 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Im Vergleich hat mir "Der Fall Paradin" wesentlich besser gefallen als der recht sterile "Im Schatten des Zweifels", nicht zuletzt aufgrund der charismatischeren Besetzung und der Gerichtssequenzen, die diesem Film im Gegensatz zur eher beliebigen Vorortkulisse des anderen Films Klasse und Spannung verleihen.

Bei Patricks "Rear Window"-Bewertung gehe ich voll mit. Ein absoluter Hitchcock-Klassiker und einer der wohligsten Thriller, obwohl es sich im Grunde nur um ein recht unspektakuläres Kammerspiel handelt. Hitchcock und Stewart schafften aber trotzdem, etwas Besonderes daraus zu machen - ähnlich wie bei "Cocktail für eine Leiche".

Old Rascal Offline



Beiträge: 15

01.11.2019 17:13
#189 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Fenster gehört auch zu meinen Favoriten, nicht zuletzt weil er zusammen mit Anruf mein erster Kino-Hitchock war. Als Kulisse für die Wohnungen wurde ein riesengroßes Puppenhaus gebaut, dass perfekt ausgeleuchtet werden konnte, was bei einem richtigen Apartment aus der präsentierten Perspektive nicht möglich gewesen wäre. In stark besetzten Kammerspielen lag Hitchcocks große Stärke, was sich auch in Lifeboat zeigt. Paradine fand ich dagegen sehr viel mehr steril, da ich Gerichtsfilme nicht so sehr im Herzen hab. Die Dreharbeiten wurden auch von der angespannten Beziehung zwischen Hitchcock und Selznick belastet, sowie einiger psychosomatiche Probleme Hitchcocks.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.095

01.11.2019 19:10
#190 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Zitat von Old Rascal im Beitrag #189
Die Dreharbeiten wurden auch von der angespannten Beziehung zwischen Hitchcock und Selznick belastet

Gerade dieser Kooperation entspringen für meine Begriffe Hitchcocks beste Filme ("Rebecca", "Ich kämpfe um dich"). Wahrscheinlich war der Leidensdruck zwischen Selznick und Hitchcock ähnlich produktiv wie der zwischen Hitchcock und seinen "unterdrückten Blondinen". Einziger Unterschied dürfte sein, dass man Hitchcocks Gejammer über Selznick natürlich mehr Aufmerksamkeit schenkt, während sein schwieriges Verhältnis zu seinen Darsteller(inne)n eher als lustige Marotte verklärt wird.

Insgesamt hätte ich es liebend gern gesehen, wenn Hitchcock sich mal ein bisschen zusammengerissen und weitere Filme für Selznick gedreht hätte.

Old Rascal Offline



Beiträge: 15

02.11.2019 16:18
#191 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Ich sehe das eher so, dass Rebecca und Spellbound trotz und nicht wegen der Anspannung zwischen Selznick und Hitchcock gelungene Filme wurden. Hitchcock hatte die Gewohnheit, sehr ökonomisch zu filmen und nur solches Material zu drehen, dass er dann auch verwendet hat. Damit hatte Selznick als Produzent kaum mehr eine Chance bei dem Schneiden viel zu verändern, was ihn wenig amüsierte. Hier haben sich einfach 2 Sturköpfe mit eigenen Vorstellungen getroffen, die längerfristig nicht funktionieren konnten. Die manchmal angespannte Situation, in die Hitchock seine Acteurinnen bringen konnte, war bei Rebacca sogar ein Vorteil. Die damals 21 jährige Joan Fontaine in ihrer ersten großen Rolle wurde tatsächlich von Hitchcock verunsichert, was ihrer Darstellung als verängstigte Maid aber größere Glaubwürdigkeit gab.

Seiten 1 | ... 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz