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Dieses Thema hat 190 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

03.04.2011 20:26
#91 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Am 10. April 1939 begann Alfred Hitchcocks Vertrag mit "Selznick International Pictures". Er nahm die Arbeit an einem Filmprojekt auf, das ihm nachhaltigen Ruhm und Anerkennung in der Branche bringen sollte. "Rebecca has not dated in the slightest and is still one of the most suspensefully intriguing, rivetingly fascinating of all Hollywood's essays into the realm of the romantic Gothic thriller." (John Howard Reid in "Mystery, Suspense, Film Noir and Detective Movies on DVD", Lulu Books, Seite 193)
Wenn man sich den Film heute ansieht, das berühmte Intro mit Joan Fontaines Stimme aus dem Off, so fällt der Blick mit Wehmut auf die "leere Schale", um deren "starrende Mauern nicht länger die Stimme der Vergangenheit raunte." Es mag ein Zufall sein, dass im selben Jahr, als "Rebecca" gedreht wurde, ein weiteres geheimnisvolles Anwesen in Flammen aufging: Borley Rectory - das berüchtigte Pfarrhaus am Rande von Essex. In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1939 wurde es vom Feuer zerstört; ein Verlust, den viele Menschen heute noch bedauern. "Das Haus war ein Grabmal unserer Hoffnungen, und unsere Leiden lagen in den Ruinen begraben." Wie Borley war auch Manderley ein Eiland für sich ("ey" = "Insel"), ein Ort, der die Phantasie beflügelt und dessen Faszination sich nicht in erster Linie an den architektonischen Voraussetzungen -die im Fall des aus roten Backsteinen gebauten Pfarrhauses wenig raffiniert waren- entzündet, sondern von den Ereignissen herrührt, die sich innerhalb der Mauern abgespielt haben. In Film und Roman übernehmen wir die Sichtweise der namenlosen jungen Frau. Daphne Du Maurier verstand es ausgezeichnet, eine Heldin zu schaffen, mit der sich das breite Publikum identifizieren konnte. Susan Hill hat 1993 in ihrem Roman "Mrs. de Winter" eine Fortsetzung der Geschichte ersonnen; das Leben des Paares nach dem großen Feuer in Manderley. Nun möchte ich die Geschichte gern aus der Perspektive des Mannes erzählen, der im Roman noch ein Mörder ist. "Der Motion Picture Production Code erlaubte nicht, dass Maxim de Winter wie in dem Roman ungestraft mit dem Mord an seiner ersten Frau davonkommt - ein Verbrechen, das bei ihm keine Schuldgefühle auslöst, weil sie ein durch und durch schlechter Mensch war. Es sei notwendig, befand das Hays-Büro, dass man Rebeccas Tod auf einen Unfall zurückführe oder man müsse andererseits das Happy-End, in dem Maxim und seine neue Frau einer glücklichen Zukunft entgegensehen, so verändern, dass es nicht auf einem Mord, der wie ein Kavaliersdelikt behandelt werde, basiere." (Donald Spoto "Alfred Hitchcock - Die dunkle Seite des Genies", Piper-Tb. 1999, Seite 244)



Kapitel Eins:

"Als ich auf den Klippen nahe Monte Carlo stand und in die tosende See hinunterblickte, waren meine Gedanken weit weg. Ich dachte an meine Flitterwochen mit Rebecca, jener Frau, der ich mein momentanes Elend zu verdanken hatte. Sie war seit einem Jahr tot. Seitdem war ich nicht mehr in Manderley gewesen. Ich bin herumgereist und verbrachte Monate in luxuriösen Hotels. Plötzlich riss mich die Stimme einer jungen Frau aus den Gedanken. Ich drehte mich um und erblickte ein einfach gekleidetes Mädchen, das ängstlich zu mir herüber sah. Ich gebe zu, dass ich sie barsch anfuhr; dabei dachte sie vermutlich nur, dass ich mich in den Abgrund hinunterstürzen wollte. Ich hatte den Vorfall bereits wieder vergessen, als ich in meinem Hotel auf Mrs. van Hopper traf, eine geschwätzige alte Frau, die ich flüchtig kannte. Sie war sehr aufdringlich und ich wollte mich zum Gehen wenden, als ich bemerkte, dass die junge Frau neben ihr saß. Nun wurde ich neugierig. Was hatte so ein gewöhnliches Mädchen in einem vornehmen Haus wie dem "Hotel Cote d'Azur" zu suchen? Wir trafen uns beim Frühstück und ich lud sie ein, mich zu begleiten. Wir unternahmen Autofahrten und Ausflüge und bald schon gehörte es zur täglichen Routine, dass wir den Tag zusammen verbrachten. Sie war so zurückhaltend, hatte erfrischend unverdorbene Ansichten und verstand zu schweigen. Wie genoss ich diese stillen Autofahrten! Als Mrs. van Hopper nach New York zurückkehrte, sah ich nur eine Möglichkeit, das liebe Kind weiterhin um mich zu haben: Ich musste sie heiraten. Mein Name würde ihr Schutz bieten und ich stellte mir vor, dass wir nach unserer Rückkehr nach Manderley ein bescheidenes, ruhiges Leben führen würden. Wie sehr hatte ich mich getäuscht! Ich hatte nicht mit den Erwartungen gerechnet, die an die Herrin von Manderley gestellt wurden und ich hatte Mrs. Danvers unterschätzt, die seit Rebeccas Tod Argwohn gegen mich hegte und meine neue Frau mit Hassgefühlen empfing. Ich dachte, man würde meinen Wunsch nach einem Neuanfang respektieren."

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

24.04.2011 15:30
#92 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Der Bericht zu "Rebecca" wird fortgesetzt, inzwischen jedoch eine neue Kritik zu einem unterschätzten Meisterwerk:



BEWERTET: "Ich beichte" (Zum Schweigen verurteilt, Originaltitel "I Confess" 1952/1953)
mit: Montgomery Clift (Father Michael Logan), Anne Baxter (Ruth Grandfort), Karl Malden (Inspektor Larrue), O.E. Hasse (Otto Keller), Dolly Haas (Alma Keller), Roger Dann (Pierre Grandfort), Brian Aherne (Willy Robertson), Charles André (Father Millais), Ovila Legare (Vilette), Gilles Pelletier (Father Benoit) u.a. Drehbuch: George Tabori und William Archibald (nach dem Theaterstück "Nos deux consciences" von Paul Anthelme), Musik: Dimitri Tiomkin


"Ein Priester darf unter keinen Umständen jemals verraten, was er von einem reuigen Sünder bei der rituellen Beichte gehört hat. Dieses Verbot umfasst Verbrechen an der Allgemeinheit ebenso wie private Sünde; außerdem -und das ist in I CONFESS besonders wichtig- darf ein Priester nach der Beichte nicht einmal mit dem Beichtenden selbst je über das sprechen, was er gehört hat. Man nennt dies das Beichtgeheimnis." (Donald Spoto, Alfred Hitchcock und seine Filme, Heyne Verlag, Seite 214)
Das bekannte Interview, das Alfred Hitchcock dem französischen Regisseur Francois Truffaut im Jahr 1966 gab, spielt die Verdienste des Films leider ein wenig hinunter und Hitchcock versteigt sich sogar zu der Bemerkung, er hätte den Film nicht machen sollen. Er sei schwerfällig, der Behandlung des Sujets fehle es an Humor und Subtilität und ein Großteil des Publikums (weil Protestanten, Andersgläubige oder Agnostiker) habe die Beweggründe von Pater Logan nicht verstanden.
Der teuflische Konflikt, in dem sich Michael Logan befindet, wird zu Beginn jedoch sehr schnell erläutert. Sein deutscher Küster erklärt unumwunden, dass er auf Logans Loyalität nicht nur aufgrund ihrer Freundschaft vertraut, sondern an den Berufsstand des Geistlichen appelliert. Mag er zunächst von Angst und Panik getrieben sein, schlägt sein Verhalten bald in Listigkeit und Niedertracht um, indem er versucht, Logan durch die blutbefleckte Soutane zu belasten. O.E. Hasse steht als Verbrecher zwar nicht im Mittelpunkt des Geschehens, was in einem anderen Film wohl der Fall wäre, dennoch bleibt ihm genügend Raum, um alle Nuancen eines Getriebenen, eines Verzweifelten und eines Besessenen zu zeigen. Er ist das Gegenstück zum stolzen, erhabenen jungen Pater, der nicht nur mit physischen Vorzügen ausgestattet ist, sondern sich in einer anderen Sphäre zu bewegen scheint. Der Küster kriecht am Boden wie eine hässliche Fliege und seine Unfähigkeit, Arbeiten ruhig und methodisch auszuführen, zeigt sich in mehreren Szenen (die Arbeit im Garten von Monsieur Vilette bleibt liegen, das Fahrrad eines anderen Pfarrers bedürfte einer Kontrolle, die Gladiolen fallen mehrmals zu Boden), während der Pater seine Wände selbst streicht, sich im Krieg auszeichnete, nie die Stimme erhebt oder seine Fassung verliert.
Freilich böte das Porträt des Mörders mit all seinen Abgründen einen trefflichen Hintergrund für den Film, doch im Zentrum des Interesses stehen Pater Logan und zwei wichtige Faktoren: Wie reagiert ER auf das Vorgefallene und wie wird ER handeln? Wie reagiert RUTH GRANDFORT auf sein Verhalten und wie kann SIE ihm helfen? Die Geschichte zeigt eine leicht abgewandelte Form von Hitchcocks Lieblingsthema: Ein Mann unter falschem Verdacht, die Polizei unfähig oder irregeleitet und der Versuch nahestehender Personen, die geliebte Person zu schützen. Die Liebesgeschichte zwischen Michael Logan und Ruth Grandfort steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Zunächst ist es der Krieg bzw. Michaels Pflichtgefühl, das dem Paar eine gemeinsame Zukunft vorenthält, dann steht Ruths Ehe mit Pierre wie eine Schranke zwischen den beiden. Logans Priesterweihe - ist sie eine Reaktion auf die Tatsache, dass Ruth nicht mehr frei ist, oder hatte sich Michael schon vorher zum Theologiestudium entschlossen? Dieser Punkt lässt Raum für Spekulationen. Die Meinungen der Kritiker gehen auseinander. Während Donald Spoto in seinem Buch recht zynisch über das junge Paar urteilt ("Die verschwommene, verschleierte, pubertäre Atmosphäre von Ruths Erinnerungen wird als das gesehen, was sie ist: Diese Frau lebt in einer Märchenwelt, mit Seifenoperdialogen und hoffnungslos veralteten Kitschkartengefühlen.", S.219), zeigt Fritz Göttler in seiner Abhandlung im Buch "Alfred Hitchcock" Hrsg. von Lars-Olav Beier und Georg Seeßlen, Bertz-Verlag, weit mehr Verständnis ("Ein Pavillon im Paradies, das Gegenstück zum großen Schoß der Mutter Kirche. Ein Blick auf diesen eröffnet den Film, in einer Einstellung, die ganz Erwartung ist, voll unerklärlicher Sehnsucht, unsagbarem Verlangen. [....] Anne Baxter im Sommerkleid, die Treppe hinabtanzend in die Arme von Clift - es zerreißt einem das Herz, dieses naive Glück, das keine Chance hat.", S.357)
Verständnis zeigt auch der Ehemann von Ruth, dessen Rolle so augenfällig an Fred Jesson in "Brief Encounter - Begegnung" von David Lean erinnert. Seine ruhige, mitfühlende, kameradschaftliche Art steht im Gegensatz zu den in unzähligen Filmen gesehenen aufbrausenden, auf Rache sinnenden gehörnten Ehemännern. Sicher: Er wusste von Anfang an, dass Ruths Herz nicht frei war und begnügte sich mit einem beschaulichen, freundschaftlichen Nebeneinander, das sich in Harmonie und Stabilität ausdrückte. Vielleicht hoffte er, Ruths Gefühle für Michael Logan würden sich irgendwann verflüchtigen, aber er steht auch noch zu ihr, als diese öffentlich gemacht werden. Pierre Grandforts nobler Charakter steht ein wenig im Hintergrund, so wie der von Alma Keller. Man merkt, dass dem Regisseur die Charakterzeichnungen am Herzen lagen, dass er Parallelen zu seiner Ehe zog.
Von überwältigender Wucht sind die Schauplätze, die dem Film seine Frische erhalten haben. "Hitchcock beschwor eine Stadtlandschaft so intensiv wie später nur wieder in VERTIGO. Québec ist nur nicht Handlungsort, sondern lebendiger architektonischer Raum, in dem Straßen, Mauern und Häuser, Kirchen und Denkmäler Zeichen machen - der Kamera, den Personen der Handlung, dem Zuschauer. Es ist Hitchcocks expressionistischster Film." (Enno Patalas, Alfred Hitchcock, dtv, S.101)
Montgomery Clift, der nur 17 Filme drehte, jedoch vier Mal für den "Oscar" nominiert war, trägt den Film durch seine würdevolle, beeindruckende Präsenz. Man kommt nicht umhin, Gemeinsamkeiten zwischen ihm als Privatmann und der Rolle des Pater Logan zu suchen. Obwohl man nur die Filmfigur sehen sollte, übersonnt oder überschattet das Leben eines Schauspielers -vor allem, wenn es tragisch verlaufen ist- die Darstellung auf der Leinwand. Jede/r gibt das, was sie/er geben kann; persönliche Empfindungen stehen oft Pate für eine Figur, sie helfen, sich einzufühlen und einer Rolle Glaubwürdigkeit zu verleihen. Als Vorbereitung auf seine Rolle hat Clift eine Woche im Kloster verbracht, wo er beobachten konnte, wie sich die Geistlichen im Talar bewegten. Fritz Göttler schreibt dazu: "Der Keuschheit widmen sie ihr Leben, aber dabei kommen sie verführerisch und sexy daher, in ihren wogenden Soutanen, ihrem wiegenden Schritt."
Michael Logan ist allein, seine Unschuld wird am Ende zwar bewiesen, aber wie wird es für ihn weitergehen? Wird es ein langsames Sterben sein, ein stiller, unbemerkter Tod innerhalb der Kirchenmauern? Oder - wie wikipedia.de über den Schauspieler bemerkt: "Sein Tod gilt als der längste Suizid in der Filmgeschichte."

Gubanov Offline




Beiträge: 16.116

24.04.2011 15:46
#93 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister
Michael Logan ist allein, seine Unschuld wird am Ende zwar bewiesen, aber wie wird es für ihn weitergehen? Wird es ein langsames Sterben sein, ein stiller, unbemerkter Tod innerhalb der Kirchenmauern? Oder - wie wikipedia.de über den Schauspieler bemerkt: "Sein Tod gilt als der längste Suizid in der Filmgeschichte."


Ein fast schon ergreifender Bericht zu diesem tollen Hitchcock-Meisterwerk!
Aber was wurde denn aus Montgomery Clift?

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

24.04.2011 15:55
#94 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Montgomery Clift starb am 23. Juli 1966 an Herzversagen. Er war lange Zeit sehr unglücklich, hatte 1956 einen schweren Autounfall, der ihm psychisch den Rest gab. Ein sensibler Charakter - ähnlich wie James Dean. Gutaussehend, charismatisch und dennoch von inneren Dämonen gequält.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

01.05.2011 14:53
#95 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten



BEWERTET: "Der Fall Paradin" (Originaltitel "The Paradine Case" USA 1947)
mit: Alida Valli (Maddalena Paradine), Gregory Peck (Anthony Keane), Ann Todd (Gay Keane), Charles Laughton (Richter Lord Horfield), Ethel Barrymore (Lady Horfield), Charles Coburn (Sir Simon Flaquer), Joan Tetzel (Judy Flaquer), Louis Jourdan (André Latour), Leo G. Carroll (Sir Joseph Farrell), Isobel Elsom (Innkeeper) u.a. Drehbuch: David O. Selznick nach einem Roman von Robert Hitchens, Bearbeitung: Alma Reville, Musik: Franz Waxman


"THE PARADINE CASE findet am meisten Zustimmung bei Zuschauern, die auch VERTIGO zu schätzen wissen, mit dem der Film das Thema der romantischen Besessenheit bis zum Wahn gemeinsam hat. Außerdem sind die schauspielerischen Leistungen auch hier exzellent, die Stimmung zwar düster, aber im besten Sinne ausgereift." (Donald Spoto "Alfred Hitchcock und seine Filme", Heyne Verlag, Seite 174)
Alfred Hitchcocks letzte Arbeit für den Produzenten David O. Selznick war weit mehr als die Erfüllung seines Vertrags. Er konnte das grundlegende Thema der unerfüllten Liebe, das fast alle seine Filme wie ein roter Faden durchzog, gleich in doppelter Hinsicht ausspielen. Die offiziellen Paare Oberst Paradine und Mrs. Paradine, Lord und Lady Horfield, sowie Anthony und Gay Keane treffen auf faszinierende Persönlichkeiten, die die äußere Harmonie zu zerstören drohen und einen emotionalen Keil zwischen die Eheleute treiben. Im ersten Fall wendet sich Mrs. Paradine von ihrem blinden, steifen Ehemann ab, um dessen Diener André Latour für sich zu gewinnen, im zweiten Fall steht Justitia, die altrömische Göttin der Gerechtigkeit für das einzig Verpflichtende im Leben des abgestumpften Paares, während die Angeklagte Maddalena Paradine für das Ehepaar Keane eine schwere Prüfung bedeutet. Das glücklichste "Paar" stellen Sir Simon und seine Tochter dar. Es mag ironisch sein, dass sich Vater und Tochter weitaus gleichberechtigter, kameradschaftlicher und herzlicher im Umgang miteinander zeigen als eines der verheirateten Paare.
Große Parallelen zeichnen sich in Stil, Kameraführung und Wahl der Schauplätze zu einem anderen von Hitchcock als reines Selznick-Werk verschmähten Klassiker ab: "Rebecca" (1939). Das Landhaus in Cumberland, das in verblüffender Weise an Manderley erinnert ("Eine Schöpfung von Schönheit und Anmut, erlesen und makellos", wie Daphne Du Maurier das Anwesen in ihrem Roman beschreibt), drückt eine große Sehnsucht aus und wartet mit einer Szene auf, die ebenfalls an einen anderen erfolgreichen Film der Zeit erinnert, an "Laura" (1945). Das Porträt von Mrs. Paradine hängt in ihrem Schlafzimmer, es ist in die Rückwand ihres Bettes eingelassen und von allen Seiten einzusehen. Als Anthony Keane sich dem Gemälde nähert, spüren wir die selbe Erregung, die Sergeant McPherson in "Laura" befällt, als er sich in deren Wohnzimmer aufhält und zu dem Bild aufsieht. Wie in "Rebecca" zeigt uns die Haushälterin die zarte Unterwäsche der abwesenden Frau, wie in "Laura" haben wir das Bedürfnis, ihre Räume zu sehen und Spuren ihres Lebens in diesem Haus zu ergründen. Die Kamera gleitet verführerisch durch die weitläufigen Zimmer und weckt uns unsanft aus unserem romantischen Traum auf, als der Anwalt den Garten zu sehen wünscht. Der Zauber ist verflogen und für die restliche Zeit, die wir mit Keane in Cumberland verbringen, hören wir nur mehr die harte Realität; die Anschuldigungen Latours und die Entrüstung des Verteidigers.
Alida Valli und Louis Jourdan (beide Jahrgang 1921) gaben dem Film eine europäische Note. Beide wuchsen in mehreren Kulturen auf und überzeugten als Fremde in der britischen Gesellschaft. Sie wirken, als ob sie nur zu Gast wären und bald wieder zu neuen Ufern aufbrechen würden. Leider kommen sie nicht mehr dazu, sie finden ein unrühmliches Ende und ihre letzte Ruhestatt verdiente es, mit den gleichen Worten geschmückt zu werden, wie die Skulptur auf Oscar Wildes Grab: "Und fremde Tränen werden für ihn des Mitleids lang zerbrochene Vase füllen, und seine Totenkläger werden Ausgestoßene sein, und Ausgestoßene klagen immer." (aus: "Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading", Oscar Wilde 1898) Treffend schreibt Katja Nicodemus in ihrer Abhandlung im Sammelband "Alfred Hitchcock" Hrsg. Beier/ Seeßlen, Bertz-Vlg., Seite 337, folgendes über die Täterin: "Die innere Einsamkeit, die Hitchcocks Mörder immer wieder umgibt, wird hier zur Entrücktheit eines Menschen, für dessen selbstzerstörerische Verstrickung juristische Kriterien von Schuld und Unschuld längst keinerlei Bedeutung mehr haben. [...] Maddalena Paradines letzte Worte im Gerichtssaal sind denn auch eher inneres Zwiegespräch als öffentliche Rede, eher Konfession als Geständnis. Fast wirkt es, als sei die Titelfigur erst ganz zum Schluss erwacht, als werde ihr erst in diesem Augenblick klar, dass sie sich längst jenseits der Zeichen befindet, die wir und ihr Anwalt den ganzen Film über so angestrengt zu lesen versuchten." Die Verlustangst von Gay kontrastiert mit der Angst ihres Mannes, Mrs. Paradine zu verlieren. Zunächst an den Henker, dann -im Falle eines Freispruchs- an André Latour. Er quält sich genauso wie Gay. Die verstörenden Gefühle füreinander lähmen die Personen, sie rauben ihnen nach und nach ihre Souveränität, den klaren Verstand und die Überlegenheit. Anthony Keane muss sich zum ersten Mal in seinem Leben eine Niederlage eingestehen, sein Ansehen in der Öffentlichkeit erleidet Schaden; Gay spürt plötzlich, dass ihr gemütliches Nest in Gefahr ist, dass ihr Lebensinhalt keineswegs auf ewig gesichert ist und Mrs. Paradine verliert gar ihr Leben (was sie nach Latours Freitod billigend in Kauf nimmt).

Mamba91 Offline



Beiträge: 745

12.11.2011 14:12
#96 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten


(Quelle: http://www.videomaschine.org/wp-content/uploads/Rope2.jpg)


Cocktail für eine Leiche
(Rope, USA 1948)

mit:
James Steward
John Dall
Farley Granger
u.v.a.

Regie: Alfred Hitchcock


Zitat
„Did you think you were god?“
Die Studenten Brandon und Philipp sind fasziniert von der „Kunst des Mordes“ und der These des Übermenschen. Sie erdrosseln ihren Kommilitonen David und verstecken den Leichnam in einer Truhe im Wohnzimmer. Um ihren Triumph zu Feiern veranstalten Sie noch am gleichen Tag eine Party, zu der auch Davids Eltern und seine Verlobte eingeladen sind.




COCKTAIL FÜR EINE LEICHE wirkt auf den ersten Blick trivial, zeichnet sich bei Betrachtung jedoch durch eine tiefgründige Psychoanalyse und Sozialkritik aus.
Gelungen ist das für das Entstehungsjahr 48, sehr natürliche Schauspiel der Darsteller. Keine Theatralik und keine Komik- Hitchcock lässt sich mit dem erzählen Zeit, verzichtet sogar gänzlich auf den Einsatz dramatisierender Musik, und baut damit eine unglaubliche Atmosphäre auf. Und neben den starken inhaltlichen und darstellerischen Mitteln, geht Hitchcock ein weiteres Experiment ein. Der gesamte Film wurde in langen Plansequenzen gedreht (im ganzen Film gibt es nur 11 Schnitte, eine Plansequenz ist so lang wie eine Filmrolle, also ungefähr 10 Minuten). Damit fokussiert Hitchcock vielmehr den Inhalt, alles handwerkliche wirkt kaum wahrgenommen, selbst, das dem Film eigentlich die Schnitte fehlen. Das sich dies, zumindest bei mir nicht bemerkbar macht, liegt aber auch den den starken darstellerischen Leistungen. John Dall und Farley Granger spielen mit einer Intensität, das alles handwerkliche nicht mehr auffällt, oder eher kaum auffällt, den die wirklich harten Schnitte merkt man doch.

Leider verliert der Film in der Mitte ein wenig den Rhythmus. Atmosphäre und Suspense scheinen verloren und fast ist man erleichtert wenn das Ende naht. Auch das authentischem Spiel dreht sich gegen Ende um 180 Grad. Besonders Philipp, gespielt von Farley Granger, fällt einem mit seiner überzogenen Hysterie schnell auf die Nerven.

Fazit: COCKTAIL FÜR EINE LEICHE verfügt über eine starke Bildsprache. Das Erzähltempo und die überzeugenden darstellerischen Leistungen fallen gegen Ende ein wenig ab.

Starke 3,5 von 5 Punkten mit Tendenz zu 4 Punkten.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

24.02.2012 11:20
#97 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

SABOTEURE (USA 1942)
Original: Saboteur




Hitchcock variiert in „Saboteure“ eines seiner Lieblingssujets, das vom unschuldig in Verdacht geratenen Bürgers auf der Flucht, der verzweifelt versucht, seine Unschuld zu beweisen bzw. den wahren Schuldigen zu entlarven und der nebenbei die Frau fürs Leben findet. Mitten im Zweiten Weltkrieg, der von den Filmemachern mehr noch als sonst Propaganda für Patriotismus und Landesliebe einforderte, dreht sich die Geschichte um eine gut organisierte, weitverzweigte Bande, die die USA mit gezielten Anschlägen auf Rüstungs- bzw. Infrastrukturanlagen nachhaltig schädigen und in der Folge ein diktatorisches Regime errichten will. Held des Films ist der lebensfrohe, offene Robert Cummings – der mir hier wesentlich besser gefällt als in seinen späteren Frauenversteher-Rollen -, Angestellter einer Flugzeugfabrik in Los Angeles, auf die die Bande mit Hilfe eines willigen Lakaien einen perfiden Anschlag verübt. Der Tat verdächtigt, jagt er fortan durchs Land, fast immer einen Schritt schneller als seine Verfolger von Polizei und Bande, bis es zum Showdown mit dem Attentäter auf der New Yorker Freiheitsstatue kommt. Man mag die vielen Bocksprünge der abenteuerlichen Handlung, die manchmal allzu bemühten und zufälligen Zufälle, die glücklichen Zusammentreffen, die es dem Helden immer wieder ermöglichen, in letzter Sekunde den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, monieren, aber Hitchcocks kunstvolle Arbeit, sein sorgfältiges, in allen Bereichen fantasievolles Gestalten der Szenen, sein schier unbezähmbarer, überfließender Einfallsreichtum, sein Spiel mit filmischen Kniffen und Ausdrucksmöglichkeiten heben das Werk weit von ähnlichen Dutzend-Thrillern ab, sorgen für eine anhaltende Faszination beim Schauen. Die atemlose Jagd- und Fluchtszenerie wird immer wieder von witzigen, manchmal fast poetischen Einschüben aufgebrochen, ohne dass dabei der Handlungskern aus den Augen verloren würde, wechselt geschickt zwischen Action und Thrill (der Brand zu Beginn; die Schießerei in der Radio City Music Hall; das Finale auf Lady Liberty), subtiler Spannung (als der Gejagte Unterschlupf bei einem abgeklärten Blinden in einer romantischen Berghütte findet, eine Schlüsselszene des Films, die ihn mit der weiblichen Heldin zusammenführt; die ausführliche, schwelgerische, wunderbar ausgestattete und ausgeleuchtete Szene im New Yorker Haus der Verschwörer) und charmantem, nie selbstzweckhaftem Witz (der hilfsbereite, geschwätzige LKW-Fahrer; die mit viel Liebe gezeichneten Freaks des Wanderzirkus’, eine verrückte kleine Welt in sich und damit ein fein beobachtetes Spiegelbild der großen).

Robert Cummings bodenständige, zum Teil leicht farblose Darstellung fügt sich hervorragend in die Story ein, kein unbezwingbarer Superheld (als welcher er durch die Handlung leicht wirken könnte), sondern ein normaler junger Mensch aus Fleisch und Blut, dessen unbeschwertes Leben plötzlich aus den Fugen gerät. Nachvollziehbar ist, dass Hitchcock mit Priscilla Lane, die ihm vom Studio als weiblicher Star aufgezwungen wurde, nicht glücklich war. Die Lane verkörpert das patente, eher eindimensionale Mädel von nebenan, den Typ zum Pferde stehlen, kann jedoch die Ambivalenz und auch den Sexappeal ihrer Rolle nur sehr bedingt transportieren, der Funke springt selten über, wie man so schön sagt. Als Kopf der Bande glänzt der charismatische Otto Kruger (mit der deutschen Synchronstimme von Siegfried Schürenberg), ein Mann von Welt, etabliert und geachtet, ein liebevoller Großvater und charmanter Gentleman, Attribute, die ihn als Verführer und Verschwörer umso gefährlicher wirken lassen und Beispiel für die vielschichtige Charakterzeichnung, mit denen Hitchcock seine Bösewichte glaubwürdig macht. Dass Norman Lloyd als verstockter Attentäter dabei so undurchschaubar und schwach skizziert wird, verstärkt seltsamerweise das Mitleid, das man mit seiner Figur und seinem dramatischen Ende empfindet.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.446

21.05.2012 14:20
#98 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten




"Der zerrissene Vorhang" ist nun wahrlich nicht mit dem besten Leumund ausgestattet, aber das ist Hitchcocks Vorgängerfilm "Marnie" auch nicht, der mir trotz der etwas simplen Psychologie ausgezeichnet gefallen hat. Doch "Der zerrissene Vorhang" ist im Kontext des Gesamtwerks der Regielegende eine große Enttäuschung. Hitchcock gilt nicht umsonst als "Master of Suspense", aber seine unnachahmliche Fähigkeit atemlose Spannung zu erzeugen, kommt nur an wenigen Stellen zum Vorschein - am einprägsamsten noch in der Szene, in der Stasiagent Gromek (Wolfgang Kieling) in einem Gasbackofen erstickt wird. Kieling ist das Trumpf-As des Films, sein verschlagener Blick füllt die Leinwand, sein Todeskampf bleibt dem Zuschauer für immer im Gedächtnis. Doch leider ist der Film mit Kielings Tod noch nicht einmal zur Hälfte vorbei; da sein Gromek für den Helden Professor Armstrong (Paul Newman) allerdings die größte Gefahr darstellt, verflacht die Thriller-Dramaturgie anschließend. Armstrong will einem Leipziger Berufskollegen die Formel für ein Raketenabwehrsystem entlocken und sich anschließend nach West-Berlin absetzen. Quälend lange dauert das alles, ist nur selten fesselnd. Dem Film fehlt es schlicht an Tempo, 20-30 Minuten hätte man ohne weiteres am Schneidetisch entsorgen können. Zudem ist der Spionage-Plot alles andere als raffiniert. Und da der Film mit seiner in den Universal-Studios nachgebauten Hollywood-DDR eine beinahe schon skurrile Künstlichkeit ausstrahlt, taugt er aus heutiger Sicht auch nicht als historisch-authentisches Dokument. Hinzu kommen handwerkliche Fehler - ein Bus, der während einer Verfolgungsjagd eben noch auf einer Landstraße unterwegs ist, befindet sich auf einmal mitten in Berlin. Als Fehlbesetzung entpuppt sich Julie Andrews als Armstrongs Lebensgefährtin Dr. Sarah Sherman. Ihre Rolle ist allerdings auch langweilig geschrieben und säuft im Vergleich zu anderen Hitchcock-Heldinnen gnadenlos ab. Hansjörg Felmy gibt glatt-routiniert den Stasi-Chef Heinrich Gerhard, Günter Strack sehen wir als loyalen DDR-Wissenschaftler.

Die allermeisten Hitchcock-Filme haben dank ihrer stets zeitgenössisch-zeitlosen Plots die Jahrzehnte überdauert. Für "Der zerrissene Vorhang" gilt das nicht. Als gewöhnlicher Eiserner-Vorhang-Spionagethriller mag er ganz passabel sein, aber an einen Hitchcock-Film stellt der Zuschauer zurecht weitaus höhere Erwartungen. 3 von 5 Punkten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

05.08.2012 20:52
#99 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Pressemitteilung vom 3. August 2012:

"Alfred Hitchcocks filmisches Meisterwerk "Vertigo" hat in einer Expertenumfrage nach 50 Jahren "Citizen Kane" von Orson Welles als bester Film aller Zeiten verdrängt.
Seit 1962 stand zuvor "Citizen Kane" ununterbrochen auf Platz 1 der Liste der Zeitschrift "Sight and Sound" des britischen Film-Instituts, die alle zehn Jahre neu aufgestellt wird. An der Umfrage, die seit 1952 stattfindet, nahmen 864 Filmkritiker und andere Branchenexperten teil."

Gubanov Offline




Beiträge: 16.116

05.08.2012 20:58
#100 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Keine schlechte Nachricht. Sie beflügelt mein Interesse für die bislang noch unentdeckten Hitchcock-Klassiker neu, zumal ich von "Citizen Kane" inhaltlich ziemlich enttäuscht war. Ich bin mir sicher, dass der Altmeister des Suspense es besser schaffen wird, mich gebannt an den Sessel zu fesseln.

Elford Offline




Beiträge: 1.015

06.08.2012 11:48
#101 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Sicherlich nicht ganz unverdient. "Vertigo" ist ein Film, der von Publikum und Kritik erst relativ spät als Klassiker gewürdigt wurde. Bei der Erstaufführung waren die Reaktionen ja sehr zurückhaltend.

Im letzten Monat war der Film in Hamburg noch einmal auf der grossen Leinwand zu sehen. Kino mit Gänsehaut-Feeling. Hat viel Spass gemacht..

Miki Dorn Offline




Beiträge: 23

06.08.2012 13:35
#102 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Vertigo ist einer meiner Lieblingsfilme von Alferd Hitchcock. Dazu der Soundtreck. Einfach Genial gemacht.Er hat mit recht gewonnen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

11.08.2012 20:22
#103 RE: Sammelthread: Die Filme des Alfred Hitchcock Zitat · Antworten

Kleiner Auszug zur "Vertigo"-Analyse von Helmut Korte aus dem Band "Fischers Filmgeschichte 1945-1960":
"Trügerische Realität" - Seite 336:

"Bereits der Vorspann des Films lässt die inhaltliche Komplexität und die Art der filmischen Vermittlung erahnen:
Ein menschliches Gesicht in Großaufnahme. Geheimnisvolle Harfenklänge. Die Augen, die sich bewegen. Ein Auge. Darüber Darsteller, Regie, Titel. Aus dem Zentrum der Pupille taucht ein Schriftzug auf, wird größer: "Vertigo". Ihm folgen verschiedene grafische, spiralartige Gebilde in Drehbewegung, aus der Bildtiefe kommend, sich öffnend. Darüber weitere Produktionsangaben [...] Die gegen den Uhrzeigersinn drehenden ovalen Spiralen erinnern durch ihre Form und den gegebenen Kontext an das menschliche Auge; von der ikonografischen Bedeutung her sind es Symbole der Wiedergeburt oder - in ihrer Umkehrung - des Todes. Ihr "Herauswachsen" aus der Raumtiefe erfolgt in der Art eines Vexierspiels. Sie kommen auf den Betrachter zu, oder umgekehrt wird er selbst in das Bild, die Tiefe hineingezogen."

Stroheim Offline




Beiträge: 165

16.06.2013 15:22
#104 Vertigo-Restauration & The Wrong Man Zitat · Antworten

´


Während die Bildqualität des vor einigen Jahren aufwändig restaurierten Vertigo allgemein gelobt wird, diskutieren Sammler, Liebhaber & Filmhistoriker die nunmehr von Mono auf Stereo erweiterte und teilweise neu eingespielte Filmmusik durchaus kontrovers. Musik und auch Hintergrundgeräusche fallen im Vergleich an einigen Stellen jetzt lauter und schriller aus als zuvor und stören zuweilen den Erzählrhythmus und die poetische Stimmung in einigen Szenen.

Zwei US-Kritikerstimmen über die neue 70 mm Kopie:

http://www.chicagoreader.com/chicago/ver...tent?oid=891905

http://forums.stevehoffman.tv/threads/sa...m-today.172771/




Und hier ein Link zu einer Seite mit zahlreichen schönen Bildern von Vertigo-Originalschauplätzen in und um San Francisco:


http://www.footstepsinthefog.com/



Zusammen mit 'Frenzy' und 'The Wrong Man' zählt 'Vertigo' zu meinen persönlichen Top 3 Hitchcocks.

Insbesondere Henry Fonda als unschuldig verdächdigter Jazzmusiker Manny Balestrero und Vera Miles als seine langsam in den Wahnsinn abdriftende Gattin bieten in 'The Wrong Man' eindrucksvolle Charakterstudien, die nicht wenige Kritiker zu den besten ihrer Karriere zählen. Story, Stil, Ausleuchtung und Kameraarbeit von Robert Burks (auch für 'Vertigo' zuständig) rücken 'The Wrong Man' in die Nähe der besten Film Noirs; selten wurden die Straßen von New York dunkler und düsterer eingefangen. Und die jazznahe Filmmusik von Bernard Herrmann finde ich ähnlich stimmig und atmosphärisch dicht wie dessen Kompositionen für 'Vertigo'.

Nicht von ungefähr zählte 'The Wrong Man' auch zu den Favoriten von Francois Truffaut & Co. Und nicht von ungefähr halten ihn Chronisten wie Jeffrey Anderson oder Dennis Schwartz für den in der Öffentlichkeit bis heute am meisten unterschätzten Film Hitchcocks:


http://www.combustiblecelluloid.com/classic/wrongman.shtml

http://homepages.sover.net/~ozus/wrongman.htm


Hier der Original US-Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=4z0CqSrjSNE






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Viva La Muerte!

Markus Offline



Beiträge: 651

16.06.2013 16:42
#105 RE: Vertigo-Restauration & The Wrong Man Zitat · Antworten

Zitat von Stroheim im Beitrag #104
Während die Bildqualität des vor einigen Jahren aufwändig restaurierten Vertigo allgemein gelobt wird, diskutieren Sammler, Liebhaber & Filmhistoriker die nunmehr von Mono auf Stereo erweiterte und teilweise neu eingespielte Filmmusik durchaus kontrovers. Musik und auch Hintergrundgeräusche fallen im Vergleich an einigen Stellen jetzt lauter und schriller aus als zuvor und stören zuweilen den Erzählrhythmus und die poetische Stimmung in einigen Szenen.



Robert Harris, der die Restaurierung durchgeführt hat, erklärte, dass das Studio den Ton, gegen den Willen der Restaurateure, verändert hätte. Die neue Blu Ray Bearbeitung soll korrekter sein, obwohl Harris nicht völlig zufrieden ist. Dazu seine Kolumne:
http://www.hometheaterforum.com/topic/31...igo-in-blu-ray/

Gruß
Markus

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