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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 139 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Ray Offline



Beiträge: 1.489

10.04.2020 16:38
Shaft (USA 1971 -) Zitat · Antworten

In diesem Thread kann über die Shaft-Trilogie und die anschließende TV-Serie mit Richard Roundtree in der Titelrolle sowie die beiden Shaft-Filme mit Samuel L. Jackson aus den Jahren 2000 und 2019 diskutiert werden.


Shaft (Shaft, USA 1971)

Regie: Gordon Parks

Darsteller: Richard Roundtree, Moses Gunn, Charles Cioffi u.a.



Privatdetektiv John Shaft wird vom Gangsterboss Bumpy Jonas beauftragt, seine entführte Tochter aufzuspüren und zu befreien. Dabei gerät Shaft in einen sich anbahnenden Krieg zwischen der Gruppe um Jonas und der Mafia...

Der Begriff wird übermäßig gebraucht, aber auf „Shaft“ trifft er eindeutig zu: Der Film ist Kult – und das hat Gründe. Sobald Shaft im Vorspann zum Oscar-prämierten Titelsong von Isaac Hayes in Ledermantel und Rollkragenpullover durch die Straßen New Yorks schlendert, taucht man für 100 Minuten ganz tief in das New York der frühen 1970er ein. Der Film, der auf einer Vorlage von Ernest Tidyman, Drehbuchautor von „Brennpunkt Brooklyn – French Connection“, beruht, knüpft mit der Figur des abgebrühten private eye an alte Noir-Traditionen an und mixt dies auf inhaltlicher Ebene geschickt mit Elementen des Gangsterfilms. Was den Schlag beim zarten Geschlecht angeht, bewegt sich „Shaft“ zudem in einer Liga mit James Bond, was aber zu Letztgenanntem anders als bei den Fortsetzungen, insbesondere „Shaft in Afrika“, weitgehend die einzige Parallele bleibt. Richard Roundtree liefert in der Titelrolle eine höchst beeindruckende Performance ab. Seine Präsenz ist enorm, ebenso sein Charisma. Man spürt in jeder Sekunde, dass hier ein junger Nachwuchsdarsteller seine Chance nutzen möchte. Belohnt wurde das Engagement mit einer Nominierung für den Golden Globe als „Bester Nachwuchsdarsteller“. Fein herausgearbeitet ist auch die „Partnerschaft“ mit dem Polizisten Androzzi, gespielt von Charles Cioffi, der sich der besonderen Fähigkeiten des Detektivs bewusst, immer wieder Kontakt zu Shaft sucht und ein ums andere Mal ein Auge zudrückt. Die beiden liefern sich während des Films manchen launigen Schlagabtausch, als eine Art „Running Gag“ fungiert dabei die Zeile „Mach es dir selbst, Scheißerchen“, die Shaft zunächst von einer verprellten Geliebten an den Kopf geworfen bekommt. Androzzi schnappt dies zufällig auf und adressiert Shaft an geeigneter Stelle süffisant mit den gleichen Worten, doch Shaft hat zum Glück Gelegenheit, sich entsprechend zu „revanchieren“. Hervorzuheben ist auch der knackige Showdown, der effektvoll von Trommeln untermalt ist und bei dem ein Feuerwehrschlauch eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Dem Helden wird zudem ein besonderer Moment eingeräumt, wenn er spektakulär an einem Seil hängend mit einer Waffe in der Hand durchs Fenster springt und sogleich losfeuert. „Shaft“ gehört insgesamt zu den besten Vertretern seiner Gattung und bereitet auch bei wiederholter Sichtung immer wieder große Freude.

Die Blu-Ray von Warner zeigt den Film in guter Qualität. Die Extras können sich zudem sehen lassen: Es gibt ein Making-Of, Trailer sowie eine Folge der TV-Serie im Originalton, die sich dem dritten Kinofilm unmittelbar anschloss und ebenfalls Richard Roundtree in der Titelrolle zeigte.


„Shaft“ ist nicht nur ein herausragendes Zeitdokument, sondern auch knapp 50 Jahre nach Erscheinen immer noch ein hervorragender Kriminalfilm mit großartigem Soundtrack und einem äußerst überzeugenden Richard Roundtree in der Hauptrolle. 5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.489

12.04.2020 00:32
#2 RE: Shaft (USA 1971 -) Zitat · Antworten

Liebesgrüße aus Pistolen (Shaft's Big Score, USA 1972)

Regie: Gordon Parks

Darsteller: Richard Roundtree, Moses Gunn, Joseph Mascolo, Julius W. Harris u.a.



Der Versicherungs- und Bestattungsunternehmer Asby kommt durch einen Anschlag in seinen Ladenräumen zu Tode. Der Mann hatte kurz zuvor seinen Freund John Shaft um Hilfe gebeten. Shaft nimmt sich des Falls an und gerät einmal mehr zwischen die Fronten krimineller Vereinigungen...

„Liebesgrüße aus Pistolen“, ein eigenwilliger deutscher Verleihtitel, ist die erste Fortsetzung des Überraschungserfolgs „Shaft“. Richard Roundtree schlüpft erneut in die Rolle des Privatdektivs John Shaft. Die Regie übernahm wiederum Gordon Parks, der auch gleich die Musik verantwortete, weil sich Isaac Hayes, der die legendäre Musik zum Vorgänger beigesteuert hatte, mit der Produktionsfirma nicht einigen konnte. Auch mit Bumpy Jonas, dem Gangsterkönig aus dem Erstling, gibt es ein Wiedersehen, wenngleich er hier nur eine Nebenrolle spielt. Im Zentrum stehen vielmehr der von Joseph Mascolo gespielte Gus Mascola (auffällige Namensähnlichkeit zwischen Figur und Darsteller) und Johnny Kelly, dem Partner des Getöteten. Die abermals von Ernest Tidyman erdachte Story ist mit derjenigen des Vorgängers durchaus vergleichbar, auch musikalisch versucht man sich ersichtlich an den Erfolg des vorangegangenen Films anzuschließen, was jedoch nicht ganz gelingt. Ansonsten merkt man dem Film das erhöhte Budget an. Dies zeigt sich insbesondere an dem spektakulären Showdown, in dem Shaft sich im Auto und per Motorboot seinen Verfolgern zu entziehen versucht, die ihn ihrerseits im Auto und mit einem Helikopter verfolgen. Auch die Ausstattung bewegt sich auf höherem Niveau. Obwohl der Film erneut milieusicher inszeniert wurde, kommt er in Sachen Atmosphäre nicht an das Original heran, was auch daran liegt, dass Regisseur Parks weniger auf den Straßen im Zentrum New Yorks, sondern eher in Randgebieten unterwegs war und der Anteil an Innenszenen höher ausfällt. Dafür sorgen die Szenen auf dem Friedhof für optische Reizpunkte. Im Übrigen ist alles ein bisschen routinierter und obwohl „Liebesgrüße aus Pistolen“ insgesamt nicht an den Vorgänger heranreicht, ist auch das Sequel ein höchst unterhaltsamer Kriminalfilm mit wiederum überzeugendem Hauptdarsteller und stilsicherer Inszenierung. Hervorzuheben ist an dieser Stelle noch eine längere Szene in einem Club, in der Regisseur Parks eine Schlägerei in Zeitlupe geschickt mit Aufnahmen von durch Bodypainting verzierten Tänzerinnen verbindet, wobei das Ganze mit funkiger Musik unterlegt ist.

Anders als „Shaft“ ist „Liebesgrüße aus Pistolen“ bis heute hierzulande nicht auf Blu-Ray erschienen. Es gibt eine (längst vergriffene) DVD von Anfang des Jahrtausends, die eigentlich ein Fall fürs Museum ist: Kennt jemand noch die Snapcase-Hüllen, in die Warner zu jener Zeit mitunter seine DVDs packte? Außerdem ist die DVD beidseitig bespielt, einmal im 16:9- und einmal im 4:3-Format.


Wenngleich „Liebsgrüße aus Pistolen“ in atmosphärischer Hinsicht nicht an den Vorgänger heranreicht, handelt es sich um einen sauber inszenierten Kriminalfilm mit einem abermals überzeugenden Richard Roundtree in der Rolle des selbstbewussten Privatdetektivs. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.489

14.04.2020 10:08
#3 RE: Shaft (USA 1971 -) Zitat · Antworten

Shaft in Afrika (Shaft in Africa, USA 1973)

Regie: John Guillermin

Darsteller: Richard Roundtree, Vonetta McGee, Frank Finlay



Shaft wird von einem afrikanischen Emir angeheuert, nach Äthiopien zu reisen, um dort einen Menschenhändlerring aufzuspüren, der illegal Afrikaner nach Europa transportiert. In Europa angekommen, werden diese mit harter Arbeit für wenig Lohn ausgebeutet...

„Nicht mein Revier“ erklärt Shaft kurz und knapp, nachdem ihm das Anliegen von Seiten des Emir und seinen Gefolgsleuten unterbreitet wurde. Und tatsächlich gehört Shaft natürlich streng genommen auf die Straßen von New York und nicht auf einen anderen Kontinent. Offenbar wollten die Produzenten die Figur des Privatdetktivs mit exotischen Schauplätzen weiter in Richtung James Bond bewegen. Dafür spricht auch, dass Shaft nach Ankunft in Äthiopien mit einem besonderen Gadget, einem Stock, mit dem er Fotos anfertigen kann, wenn er ihn in der Mitte aufschiebt, ausgestattet wird. Allerdings stellt auch hier der Privatdetktiv bei Entgegennahme klar, dass er „nicht James Bond“ sei. Ansonsten zeigt sich im dritten Film der Reihe, warum der Begriff „Blaxploitation“ von „Exploitation“ kommt: Die Szenen mit der nymphomanischen Freundin des Gangsters Amafi fallen arg trashig aus. Generell hat der Film nicht die atmosphärische Dichte insbesondere des Erstlings und ist in Gesamtbetrachtung der schwächste Teil der Reihe. Aufgewertet wird der Film durch wieder einmal hervorragende Musik, die diesmal von Johnny Pate stammt und in Auszügen schon mehrfach in zeitgenössischer Musik verwurstet wurde. Mit Vonetta McGee („Leichen pflastern seinen Weg“, „Im Auftrag des Drachen“) ist zudem die wohl hübscheste und ausdrucksstärkste Aktrice unter den weiblichen Hauptfiguren der Reihe zu sehen. Auch die letzten 20 Minuten, in denen die trashigen Elemente fallen gelassen und der Film sich voll auf seine soziale Thematik besinnt, überzeugen. Trotzdem floppte der diesmal von John Guillermin („Flammendes Inferno“, „Tod auf dem Nil“) inszenierte Streifen an den Kinokassen und blieb bis zur Neuauflage aus dem Jahre 2000 der letzte Shaft-Kinofilm. Roundtree stand kurz darauf noch in einer Reihe von TV-Filmen vor der Kamera, die aber ebenfalls nicht an den Erfolg der ersten Filme anknüpfen konnte und daher schnell eingestellt wurde.

Die Veröffentlichungssituation ist wie bei "Liebesgrüße aus Pistolen": Es gibt nur eine rund zwanzig Jahre alte und längst vergriffene DVD von Warner im Snapcase.


Der dritte und letzte Film der Kinofilm-Reihe mit Richard Roundtree zeigt Shaft außerhalb seines „Reviers“ New York und bewegt die Figur einen weiteren Schritt in Richtung James Bond. Der ernsten Grundthematik stehen mitunter arg trashige Momente gegenüber. Noch 4 von 5 Punkten.

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