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Dieses Thema hat 156 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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kaeuflin Offline




Beiträge: 1.252

09.02.2009 14:54
#61 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Es wird weiter Ge-Spoilert

Für diech ist es ein muss - für viele andere auch - ich sehe das mi den "Regeln" nicht so eng - wie gesagt ich finde es einfach schade , das man das überhaupt gemacht hat , da es wiklich unnötig ist - man verärgert ein Teil des Publikums .... Anstatt einen ansonsten wiklich guten Film zu Loben wid dann ( zwangsläufig )darauf rumgeritten - wobei man auch sagen muss, dass dann nach deiner Definition die Synchonisation beim Roten Kreis auch nicht zulässig währe ....


Peter

Don't think twice, it's all right ...



Bob Dylan

Gubanov Offline




Beiträge: 14.510

09.02.2009 14:58
#62 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Spoiler
Zitat von kaeuflin
wobei man auch sagen muss, dass dann nach deiner Definition die Synchonisation beim Roten Kreis auch nicht zulässig währe

Synchronisationen sind eher zulässig, da in diesen Fällen "in echt" der Einsatz eines Stimmverzerrers im Bereich des Möglichen liegt. Natürlich sollte sich dann die Stimme auch entsprechend "unkenntlich gemacht" anhören.

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kaeuflin Offline




Beiträge: 1.252

09.02.2009 15:16
#63 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Lassen wir es einfach dabei , dass jeder eigene Masstäbe anlegt , was OK ist und was nicht .....

Peter

Don't think twice, it's all right ...

Bob Dylan

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

11.02.2009 20:49
#64 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
"Dumb Witness" Britische Collection 4

Der "stumme Zeuge" springt Poirot gleich zur Begrüßung begeistert entgegen und wird ihm bis zum
Ende des Films nicht von der Seite weichen. Der wunderbare Schauplatz am Lake of Windermere bezaubert
ebenso wie der Foxterrier Bob. Sehr geschickt führt man den Zuschauer in die Geschichte ein, zeigt
man doch einen angeblichen Anschlag auf Charles Arundel, der eine Vorliebe für schnelle Rennboote hat.
Durch die Einbeziehung der Schwestern Tripp, die enge Kontakte zum Jenseits pflegen, bekommt der
sich anbahnende Kriminalfall zusätzliche Würze. Der Tod der vermögenden Tante Emily wird durch
eine Stimme aus der anderen Welt angekündigt. Poirot gelingt es schnell, Hastings zu überzeugen,
wie leicht man Anwesende einer Séance beeinflussen kann und an Informationen kommt. Die verzwickte
Vorgeschichte des Todes von Emily hält einige Rätsel parat, die Poirot als Rechtsanwalt und Beschützer
des Hundes auftreten lassen. Er wirkt dadurch umso liebenswerter und bekommt ausreichend Gelegen-
heit, für humorvolle Szenen zu sorgen (Poirot und Hastings beim Morgenspaziergang, die Übergabe des
Hundes an die spiritistischen Schwestern mithilfe eines Tricks). Poirot ist in diesem Film in Hochform.
Die Facetten seiner Persönlichkeit kommen angemessen zur Geltung (seine Höflichkeit; Unbestechlichkeit;
das Unverständnis für den britischen Snobismus anderen Staatsbürgern gegenüber, seine Vorliebe für edle
Speisen und Getränke) und er urteilt nicht vorschnell, sondern nach ausgereifter Überlegung.
Sein kleiner Helfer, der knuffige Foxterrier ist erstaunlich gut trainiert. Er agiert völlig natürlich
und besitzt echtes Schauspieltalent. Die Anzahl der Verdächtigen ist gut ausbalanciert und zeigt
Agatha Christies Sinn für Gerechtigkeit. Keine soziale Schicht, weder Mann noch Frau, ist sicher
vor den Verdächtigungen, denen sich ihre Protagonisten stellen müssen. Die Mordwaffe wird wieder
einmal medikamentös verabreicht, diesmal in besonders gelungener Form. Als die alte Dame stirbt,
strömt der grüne Rauch des Phosphors aus ihrem Mund, was in der Abenddämmerung aussieht, als weiche
ihr Geist aus dem sterbenden Körper. Hastings erbietet sich wieder einmal als treuer Gefährte des
Detektivs und Eintrittskarte in die Welt der Gentry; durch seine sportlichen Kontakte ist auch sein
Freund Poirot stets willkommener Gast, was dieser jedoch auch auf seine Berühmtheit zurückführt.
Es schmerzt den Belgier, zu sehen, dass er als "gewöhnlicher" Ausländer nicht zu allen Clubs des
Albions Zutritt hätte. Hastings entschädigt seinen Freund für diese Erfahrungen mit den Vorurteilen
der Gesellschaft, indem er ihm ein loyaler und sich zurücknehmender Partner ist. Wird Zustimmung
von ihm verlangt, pariert er diese mit den Worten, so sei es doch immer.
Ein feinsinniger, sehr menschlicher (man denke an die seelischen Abgründe im Verhältnis von Bella
Tanios zu ihrem griechischen Gatten Jacob) Kriminalfall mit einem sensiblen Poirot, der durch seine
einfühlsame Art gegenüber dem Hund erneut zeigt, wie offen und abwägend er denkt.
Gubanov Offline




Beiträge: 14.510

13.02.2009 17:00
#65 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 06, Folge 02:

Hickory Dickory Dock (nicht synchronisiert)


Mit: David Suchet, Philip Jackson, Pauline Moran. Als Gaststars: Paris Jefferson, Jonathan Firth, Damian Lewis, Granville Saxton, Gilbert Martin, Sarah Badel, Rachel Bell, David Burke u.v.a. Regie: Andrew Grieve. Drehbuch: Anthony Horowitz. Erstsendung: 17.02.1995.

Hickory Dickory Dock,
The mouse ran up the clock.
The clock struck one,
The mouse ran down!
Hickory Dickory Dock.


Dass man in der Verfilmung versuchte, den extrem vagen Originaltitel des Romans, der sich eigentlich lediglich auf den Namen der Hickory Road bezieht, mittels der von Peter bereits ausführlich beschriebenen „Mäuseidee“ aufzuwerten, mag verständlich sein, allerdings – das Gelbe vom Ei ist es trotzdem nicht. So wirkt die Maus im Geschehen deplatziert und die Aufnahmen derselben kindisch, man ist beinah versucht, zu sagen: lächerlich. Abgesehen davon wirft die Anwesenheit von Mäusen kein gutes Licht auf die hauswirtschaftlichen Bestrebungen der Schwester von Miss Lemon, was in Anbetracht der Tatsache, dass diese fast ebenso ordnungsfanatisch ist wie Hercule Poirot, richtiggehend unglaubwürdig, ja sogar degradierend erscheint.
Dieser Punkt ist allerdings die wohl größte Schwachstelle der Verfilmung für einen Nichtkenner des Romans. Wirft man allerdings einen Blick auf die Vorlage (ich habe sie nicht gelesen, aber entnehme die folgenden Informationen der sehr ausführlichen Inhaltszusammenfassung des Agatha-Christie-Buchs von Dawn B. Sova), so erkennt man, dass sich Drehbuchautor Anthony Horowitz, der sonst für recht originalgetreue Adaptionen bürgt, Freiheiten in exorbitantem Maße herausgenommen hat. Inwiefern diese zum Gelingen des Films beitragen, ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Dass ein gewisser Inspektor Sharpe gegen Inspektor Japp ausgetauscht wurde, ist da noch das Geringste. (Der Humor Japps wirkt zwar im jeweiligen Augenblick amüsant, betrachtet man den Film als Ganzes, ist er jedoch unpassend und plump.) Hier eine Auswahl (!) von Unterschieden im Roman:
- im Roman tritt eine weitere Studentin namens Elizabeth Johnston auf, über deren Notizen jemand grüne Tinte geschüttet hat
- Colin McNabb möchte Celia aufgrund ihrer „Kleptomanie“ sogar heiraten
- neben Celias Leiche wird ein Abschiedsbrief gefunden, der jedoch nicht in ihrer eigenen Handschrift verfasst ist
- Nigel Chapman hat das Stethoskop und das Gift gestohlen, er bewahrt es nach wie vor in seinem Raum auf
- der zurückgegebene Diamantring ist eine Fälschung
- es wird kein Geheimnis daraus gemacht, wessen Vater der Sterbende ist

Während man am Anfang ob der zahlreichen Studentendarsteller zunächst etwas verwirrt ist, werden die Charaktere nach und nach immer plastischer und natürlicher. Am Schluss fiebert man in der den Zuschauer überaus fies hinhaltenden Auflösungssequenz mit denjenigen Studenten mit, die einem den Film über sympathisch geworden sind.
Besonders gelungen ist auch die Flucht des Täters. Sie ist temporeich mit der weisen Einsicht inszeniert, dass ein Selbstmord melodramatisch und überflüssig gewesen wäre. Nur für einen kurzen Moment glaubt man, der Mörder habe sich vor die U-Bahn geworfen, bis man erfährt, dass es sich bei dem Gottesdienst eigentlich um die Beerdigung des toten Vaters (übrigens gespielt von David Burke) handelt. Gut geschnitten.

Mit der ersten Verfilmung eines Poirot-Nachkriegsromans innerhalb der Suchet-Serie und der sich daraus ergebenden zwingenden Umarbeitung tat man sich noch etwas schwer. Der gesamte Film vermittelt dem Zuschauer das Gefühl, dass man sich nicht so recht entscheiden kann zwischen althergebrachter Serienatmosphäre und dem Aufbrechen der Strukturen in Bezug auf die jungen Studenten und ihre Umgebung. Gut nur, dass man nicht auch noch Captain Hastings mit hineingeschrieben hat. Spannend ist die Geschichte trotzdem, wenngleich ich hinzufügen muss, dass es sich um einen der wenigen Poirot-Romanfilme handelt, bei denen man beim ersten Sehen die Täter selbst recht einfach herausfinden kann. Ein sehr mittelmäßiger Fall, doch ein großer Spaß ist es trotzdem allemal. 3,5 von 5 Punkten.

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Gubanov Offline




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14.02.2009 02:20
#66 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 06, Folge 01:

Hercule Poirot’s Christmas (nicht synchronisiert)


Mit: David Suchet, Philip Jackson. Als Gaststars: Mark Tandy, Catherine Rabett, Simon Roberts, Brian Gwaspari, Sasha Behar, Eric Carte, Andree Bernard, Ayd Khan Din u.v.a. Regie: Edward Bennett. Drehbuch: Clive Exton. Erstsendung: 01.01.1995.

Ding dong! merrily on high
In heav’n the bells are ringing:
Ding dong! verily the sky
Is riv’n with Angel singing.
Gloria, Hosanna in excelsis!

Yet who would have thought the old man to have had so much blood in him?


Leichter Spoiler, auf den explizit hingewiesen wird.

Auch den hier verfilmten Poirot-Roman kannte ich noch nicht, wohl aber – leider! – die Auflösung, die ich mir irgendwo einmal mit eingefangen habe. Dementsprechend fiel es mir leicht, die übrigen Hintergründe des Verbrechens schnell zu enträtseln und – Nichtkenner des Films überlesen den folgenden Hinweis bitte! – die Bedeutung der Pretitelsequenz zu verstehen. Doch auch denjenigen, die die Geschichte um „Hercule Poirots Weihnachten“ nicht kennen, dürfte eben jene Szene ausreichend verraten, um einen ziemlich großen Vorsprung vor unserem belgischen Freund zu genießen – hier wäre weniger definitiv mehr gewesen. Auch hinter kleine Tricks kam ich schnell: So war es eine Leichtigkeit, zu wissen, dass sich die Diamanten in dem Gartenmodell wiederfinden würden...

Poirot, der den Fall vor allem annimmt, weil er es an Weihnachten warm haben will (das ist doch einmal eine innovative Motivation!), hat in dieser Folge trotz seiner allgegenwärtigen Höflichkeit keine Skrupel, Menschen, deren Benehmen ihm zuwider ist, unumwunden auf ihren Charakter anzusprechen. Ebenso offen, wie er mit dem Tyrannen Simeon Lee (sowohl als alter als auch als junger Mann hervorragend von Scott Handy bzw. Vernon Dobtcheff dargestellt) umgeht, der wieder einmal ein schillerndes Mordopfer im Stil von Mrs. Boynton ist, weist er den Parlamentsabgeordneten auf seinen Platz und bezeichnet ihn nicht nur als höchst verdächtig, sondern auch als dümmlich. Es ist gut, dass weder Hastings noch Miss Lemon mitbekommen, wie die Contenance mit ihrem alten Freund und Arbeitgeber durchgeht.
Inspektor Japp steht hier abermals – ebenso wie in „Hickory Dickory Dock“ – eher für den Narrenpart zur Verfügung. Das ist umso bedauernswerter, als man ihn aus früheren (und späteren!) Folgen als durchaus vernünftigen Mann kennt.
Dafür ist der Cast der Gastrollen erneut hochkarätig. Viel gelobt wird Sasha Behar als Pilar Estravados, die sicher eine überzeugende Performance abgibt, mir jedoch vor und nach der Wendung ihrer Figur absolut unsympathisch ist und bleibt. Gleiches gilt im Übrigen für ihren Liebhaber in spe, der sich die Unverfrorenheit herausnimmt, Poirot beim Vornamen anzusprechen und überdies das gute alte „Christmas“ auf bestialisch moderne Weise zu einem „X-Mas“ herniederzumetzeln.

Wie bereits angedeutet, waren die Produktionsumstände von „Hercule Poirot’s Christmas“ nicht die gesegnetsten. Die Dreharbeiten fanden im April 1994 statt, der natürlich gemäß des englischen Wetters zu dieser Jahreszeit wenig winterliche Atmospähre bot. Die Produktionsgesellschaft musste sie selbst herbeizaubern, wie sich Production Designer Rob Harris erinnert:
Zitat von „Agatha Christie’s Poirot – A Celebration of the Great Detective“
‘Apart from turning the clock back to 1936, we also had to change the weather to the middle of winter,’ he recalls. ‘So once we had removed all the evidence of Nineties England – such as road signs, TV aerials and yellow lines – not to mention dressing the shop windows and fitting out a group of locals as period carol singers, we then had to bring on the snow.’ With real weather giving no sign of any help, Rob solved the problem with shredded paper – and the village square leading to the fictional Gorston Hall became the scene of a most unseasonal blizzard. ‘We made the ‘snow’ from paper and sprayed it over the houses, the people and the cars with a large hose,’ Rob recalls. ‘When shooting was actually taking place we even had a chap up on a ladder with the unenviable job of producing the effect of falling snow!’
But even the best plans can sometimes go awry, as the designer remembers with a rueful grin. ‘Unfortunately, April lived up to its reputation,’ he says. ‘And while we were shooting a shower of rain began to fall. There was no alternative but to go on – and gradually the ‘snow’ turned into a soggy mass. It wasn’t much fun for the cast or crew, but happily we managed to get all the necessary shots in the can before we were overwhelmed by the morass of paper!’

Widrigen Produktionsumständen und eines Lösungsverrats zum Trotze entwickelt sich „Hercule Poirot’s Christmas“ zu einem charmanten Ausflug in die britische Weihnachtswelt, der von schönen Christmas Carols und den gut passenden Kalenderblatteinblendungen aufs Beste unterstützt wird. Christies Fall ist clever und passabel konstruiert, gehört aber nicht zu der hervorragenden Klasse anderer Bücher. Auf den richtigen Täter zu tippen, ist auch für Unbeschlagene nicht schwer, wenn man den großen Verrat der bemängelten Szene zur Kenntnis nimmt. Das kaschieren auch die idealen Darsteller nur teilweise. 4 von 5 Punkten.

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Gubanov Offline




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14.02.2009 11:53
#67 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Die Hälfte habe ich natürlich wieder vergessen: Gedreht wurde in "Chilham six miles from Canterbury in Kent", dem gleichen Dorf, in dem auch die Geraldine-McEwan-Verfilmung "The Moving Finger" (2005) realisiert worden ist. Mehr dazu auch unter:
http://www.kent.gov.uk/filmoffice/film-f...rots-christmas/

Nun noch die Besprechung von Matt Christensen:

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Gubanov Offline




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14.02.2009 13:10
#68 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 05, Episode 07:

Dead Man’s Mirror (nicht synchronisiert)


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Philip Jackson. Als Gaststars: Zena Walker, Richard Lintern, Iain Curthbertson, Fiona Walker, Emma Fielding, Tushka Bergen, Jeremy Northam u.v.a. Regie: Brian Eastman. Drehbuch: Anthony Horowitz. Erstsendung: 28.02.1993.

Ungewöhnlich war die Entscheidung, „Dead Man’s Mirror“ in einer 50-Minuten-Folge unterzubringen, kann man die in „Murder in the Mews“ (1937) enthaltene und in Deutschland unter dem Titel „Auch Pünktlichkeit kann töten“ erschienene Vorlage doch schon beinahe als Kurzroman bezeichnen. Das Format erweist sich jedoch als äußerst dankbar. Durch die Länge der Vorlage kommt es an keiner Stelle zu Leerlauf; die Handlungselemente wickeln sich zügig und nahtlos nacheinander ab.
Zitat von Auch Pünktlichkeit kann töten
Unter [Poirots] Anleitung warfen sich die beiden jungen Männer, die beide groß und kräftig gebaut waren, gegen die Tür. Es war keine leichte Aufgabe. Die Türen von Hamborough Close waren solide gearbeitet. Schließlich gab das Schloss jedoch nach; krachend und splitternd drehte sich die Tür in ihren Angeln.
Und dann blieben alle, dicht gedrängt vor der Tür stehend und in das Zimmer hineinblickend, wie erstarrt stehen. Die Lampen brannten. An der linken Wand stand ein großer Schreibtisch, ein massives Möbelstück aus schwerem Mahagoni. Nicht am, sondern mit der einen Seite zum Schreibtisch gewandt, sodass der Rücken zur Tür zeigte, saß ein großer Mann schlaff im Schreibtischstuhl. Kopf und Oberkörper waren über die rechte Lehne geneigt, während die rechte Hand und der rechte Arm schlaff hinunterhingen. Unmittelbar unter der Hand lag eine kleine Pistole auf dem Teppich...
Irgendwelche Überlegungen waren nicht nötig. Das Bild war deutlich genug. Sir Gervase Chevenix-Gore hatte sich erschossen.

Diese Situation des Auffindens der Leiche wurde von Christie gern und oft verwandt. Sie findet sich fast ebenso in dem eben erst besprochenen „Hercule Poirot’s Christmas“ und ähnlich auch in anderen Werken wie ihrem Erstling „The Mysterious Affair at Styles“ wieder. Auch hier garantiert sie die Spannung. Das Haus und die okkulten Andeutungen der Lady Chevenix tragen ebenso zum Thrill dieser Episode bei wie die kleine, beinahe atypische Actionszene, in der Poirot, Hastings und Japp einen Mann aus einem brennenden Haus retten.
Die Finalszene bringt dem Zuschauer Gänsehaut und gehört zu den intensivsten der frühen Serie, weil sie auch durchaus an die Aufklärung in „The Tragedy at Marsdon Manor“ (3. Staffel) erinnert. Die Darstellerleistungen unterstützen das Gelingen. Besonders Fiona Walkers Darstellung bleibt nachhaltig im Gedächtnis.

Gelungene Vorlage, gelungene Verfilmung. Eine unterhaltsame Kurzgeschichte, die insgesamt stimmig wirkt, auch wenn das Auftreten von Japp bei einem Kriminalfall auf dem Land einmal mehr recht fragwürdig erscheint. 4,5 von 5 Punkten.



Staffel 05, Episode 05:

The Adventure of the Italian Nobleman (nicht synchronisiert)


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Philip Jackson, Pauline Moran. Als Gaststars: David Neal, Anna Mazzotti, Sidney Kean, Vincenzo Ricotta, Leonard Preston, Janet Lees Price, Arthur Cox u.v.a. Regie: Brian Farnham. Drehbuch: Clive Exton. Erstsendung: 14.02.1993.

Wer Miss Lemon als kalte Maschine ansieht, der geht sicherlich mit Agatha Christie konform, nicht aber mit den Machern der Suchet-Serie. Zwar war ich bisher von der Anpassung der Sekretärin von einer desinteressierten Frigiden zu einer akkuraten, aber freundlich-schlagfertigen „Frau im Leben“ begeistert, doch Autor Clive Exton, bekannt dafür, besonders Christiesche Kurzgeschichten mit viel Brimborium galant auf 50 Minuten strecken zu können, ging dieses Mal zu weit: Er verpasst Miss Lemon einen Liebhaber – Gott bewahre! Eigentlich in dem Sammelband „Poirot Investigates“ enthalten, wurde „The Adventure of the Italian Nobleman“ (Das Abenteuer des italienischen Edelmannes) zu einer Zeit (1924) geschrieben, als Miss Lemon noch Quark im Schaufenster des Christie-Universums war.
Von diesem Fauxpas abgesehen, wickelt sich die Geschichte um einen nicht allzu interessanten Mord an einem italienischen Grafen recht langsam und zäh ab. Der schöne Drehort, Addisland Court, sollte später noch einmal in der Serie, in „Lord Edgware Dies“, auftauchen. Einige Szenen in der italienischen Botschaft sind zwar ebenfalls hübsch anzusehen, stellen aber inhaltlich auch keine Offenbarung dar. Aufgewertet wird die Folge vor allem durch die Verfolgungsjagd am Ende der Episode, die nicht nur das Schicksal von Captain Hastings neuem Auto besiegelt (der Mann hat einfach kein Glück mit seinen Wagen!), sondern auch das Tempo noch einmal mächtig nach oben reißt.

Leider nur eine recht mittelmäßige Folge, die außer der Verfolgungsjagd und einiger optischer Vorzüge nur wenig zu fesseln vermag. Dass man, wie die Besetzungsliste zeigt, echte italienische Darsteller verpflichtete, steigert die Atmosphäre. Die Nebenhandlungen erscheinen jedoch zu konstruiert und werden in mehrfacher Beziehung übertrieben. 3 von 5 Punkten.

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Gubanov Offline




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14.02.2009 13:38
#69 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 09, Episode 01:

Evil under the Sun (nicht synchronisiert)


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Philip Jackson, Pauline Moran. Als Gaststars: Michael Higgs, Tamzin Malleson, Louise Delamere, Tim Meats, Marsha Fitzalan, Carolyn Pickles, David Mallinson, Russell Tovey, Ian Thompson, David Timson u.v.a. Regie: Brian Farnham. Drehbuch: Anthony Horowitz. Erstsendung: 15.12.2002.

Vornweg: Ich liebe (!) die Ustinov-Verfilmung „Das Böse unter der Sonne“ von 1982 und halte Darsteller und Umsetzung dort, ganz egal, inwiefern sie von der Christie’schen Originalvorlage abweichen, für perfekt gelöst. Umso höher waren die Ansprüche an diese Adaption, die ja immerhin schon die Trumpfkarte Suchet im Ärmel stecken hat. – Den Roman habe ich noch nicht gelesen, allerdings kenne ich das BBC-Hörspiel mit John Moffat in der Rolle des belgischen Detektivs sowie die ausführliche Zusammenfassung in Dawn B. Sowas „Agatha-Christie-Buch“, sodass ich durchaus über Vergleichsmöglichkeiten verfüge und einschätzen kann, welche der Elemente welcher Verfilmung über welche Originaltreue verfügen. Insgesamt lässt sich natürlich leicht das Resümee ziehen, dass Suchet näher am Original bleibt, wenngleich man sich auch hier einige Änderungen erlaubte, die jedoch den Charakter der Vorlage in vollem Maße intakt lassen: Aus Linda, der eifersüchtigen Tochter, wird ein Sohn namens Lionel (schlicht, um noch einen Verdächtigen zu bekommen), Hastings, Japp und Miss Lemon erhalten wichtige Parts, die dieses Mal ganz und gar nicht stören, sondern vielmehr versöhnlich, harmonisch und – vor allem! – nicht übermäßig albern wirken, und schließlich täuscht Autor Horowitz auch geschickt über das Fehlen einiger Protagonisten hin. So muss man beispielsweise auf die Gardeners verzichten, die mir aber schon bei Ustinov recht überflüssig, wenngleich ziemlich liebenswert (in einem gewissen Sinne) erschienen.

Bereits die einleitende Szene hat mich begeistert. Parallel zur Auffindung der Leiche von Alice Corrigan sieht man den geistig angeschlagenen Priester Stephan Lane, der fanatisch über die Schuld der Frauen predigt. Der Einstieg wirkt, gerade durch die wunderschönen Landschaftsaufnahmen, düster und bedrückend. Aufgelockert wird dies durch die folgenden Restaurantszenen mit Poirots Anfall, der – so ist sich Poirot sicher – natürlich nicht durch sein angebliches Übergewicht verursacht sein kann („Poirot, he is not obese!!“).
Die sich anschließende Kur in dem Hotel, in dem nicht nur Poirot „das Böse unter der Sonne“ erkennt, gestaltet sich ebenfalls als optischer Leckerbissen. Gedreht wurde auf Burgh Island, zum Einsatz kam der charakterische „Sea Tractor“, der jedoch fatalerweise, so gibt die Homepage des Hotels an, erst im Jahr 1969 gebaut wurde...
Was soll’s? Spektakulär sieht der Schauplatz (angeblich auch der, welcher Agatha Christie persönlich zu „Ten Little Niggers“ inspiriert haben soll) mit und ohne Traktor aus:



Die Darsteller legen allesamt glänzende Performances ab. Besonders erwähnen möchte ich Michael Higgs als charmant-gefährlicher Patrick Redfern, Carolyn Pickles als die selbstbewusste Mrs. Brewster, Tim Meats als Stephen Lane und Russell Tovey als Lionel Marshall. David Timson, der den Horace Blatt spielt, dürfte Sherlock-Holmes-Fans als Sprecher des kompletten Holmes-Canons bekannt sein.

Insgesamt macht sich „Evil under the Sun“ aufgrund des tollen Christie-Stoffs, der mit zu ihren besten gehört, ganz hervorragend mit einem brillanten Suchet und seinem angenehm eingesetzen Stammteam. Der Schauplatz ist, im wahrsten Sinne des Wortes, zum Sterben schön (nur die Mittagskanone fehlt mir); die Schauspieler bringen die Christie-Charaktere perfekt, wenngleich teilweise etwas anders als erwartet auf den Schirm. Toll gemacht, definitiv einer meiner Lieblinge. 5 von 5 Punkten.

Matt Christensen führt zum Roman aus:

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Percy Lister Offline



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19.02.2009 14:52
#70 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 05 Episode 01 (Britische Collection 4)

The Adventure of the Egyptian Tomb

Das Motto der Episode könnte lauten: "Die Macht des Aberglaubens". Jedenfalls zieht Hercule Poirot dieses Resümee, als er den Fall am Ende noch einmal zusammenfasst. Der aufmerksame Zuschauer muss ihm beipflichten.
"Das Abenteuer des ägyptischen Grabes" wurde 1924 veröffentlicht, zwei Jahre nach Howard Carters sensationeller Entdeckung der ungeplünderten Grabkammer des Tutanchamun. Die Geschichte wurde u.a. in der Sammlung "Poirot rechnet ab" den Lesern zugänglich gemacht. Poirot erhält wieder einmal Gelegenheit, die historischen Stätten der Ägypter aufzusuchen, was dem Fall an sich bereits Pluspunkte verleiht, da der Anblick wertvoller Grabbeigaben und die Atmosphäre der antiken Welt immer ein Erlebnis ist. Als Mann der Vernunft kann Poirot mit dem Gedanken, der Fluch des Pharao sei für die Kette von Todesfällen verantwortlich, wenig anfangen. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und vermutet richtig, dass eine alte Legende wieder einmal benutzt wurde, um in der Gegenwart morden und plündern zu können.
Captain Hastings und Miss Lemon haben sehr schöne Auftritte. Ersterer kann in New York ein wenig Licht ins Dunkel bringen, während Miss Lemon die Geister der Toten mithilfe einer Plankette beschwört, was zusätzlichen Humor ins Spiel bringt. Poirot kann dem Staub in der Wüste wenig abgewinnen und trägt selbst in den Sanddünen seine Lackschuhe mit Gamaschen. Durch einen Trick gelingt es ihm, den Täter zu überführen. Die Methode, die er dabei anwendet, läßt Hastings das Herz in die Hose fallen. Poirot profitiert erneut von seiner guten Beobachtungsgabe, seinem Sinn für Details und seiner Fähigkeit, genau zuzuhören.
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

19.02.2009 20:26
#71 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 05 Episode 02 (Britische Collection 4)

"The Underdog" (auch: "The Under Dog"/"Der Prügelknabe")

Der Titel dieser Episode soll etwas über den Mörder aussagen, allerdings wird dies erst in den letzten Filmminuten deutlich. Wie bereits des öfteren in der Granada-Serie geschehen, würzte man die Handlung mit einem zeitgeschichtlichen Bezug, um zusätzlichen Nervenkitzel einzubringen und die Motive für den Hass auf Sir Reuben Astwell deutlich zu machen. Gleich zu Beginn sehen wir Miss Lemon bei einem Versuch, Hercule Poirot zu hypnotisieren. Das Unterfangen misslingt, da Captain Hastings das Zimmer betritt, um Poirot an die morgige Fahrt zu einem Golfturnier zu erinnern. Der Detektiv ist in der Villa Sir Reubens zum Essen eingeladen und will bei der Gelegenheit dessen bekannte belgische Bronze-Miniaturen bewundern. Der Herr des Hauses erweist sich als wenig umgänglich. Sein Hauptinteresse gehört dem Profit, für gute Geschäfte geht er über Leichen. Da die Handlung in die Dreißiger Jahre verlegt worden ist, sind es wieder einmal die aufrüstenden Deutschen, die man als dubiose Geschäftspartner auserkoren hat. Sir Reuben will mit der IG Farben abschließen, die synthetisches Benzin, Kautschuk, Methanol und Ammoniak produzieren. In der Tat arbeiteten in dieser Zeit über sechzig amerikanische Firmen heimlich mit dem Konzern zusammen, es ist also gar nicht so abwegig, zu zeigen, dass ein britischer Chemiker mit einem Land ins Geschäft kommt, das enormen Bedarf an Materialien für die Rüstungsindustrie hat. Poirot hört die Untertöne bei dem Abendessen deutlich heraus und kann seinen Abscheu kaum verbergen, als Sir Reuben den Krieg als gute Möglichkeit für neue Geschäfte lobt und dabei gegen die Interessen seines eigenen Landes handelt. Natürlich bietet ein Krieg für die Wissenschaft neue Möglichkeiten: Schutzbestimmungen und ethische Bedenken können über Bord geworfen werden (siehe Menschenversuche) und gewiefte Konzerne sich Profit auf Kosten von Zwangsarbeitern und Todgeweihten sichern.
Es liegt auf der Hand, dass die Figur, die bei keinem Anwesenden Sympathien hervorruft, ermordet wird.
Verdächtige sind genügend vorhanden. Um Miss Lemon die Möglichkeit zu einer größeren Entfaltung zu geben, darf sie Lady Astwell hypnotisieren (im Buch macht dies ein Dr. Cazalet aus der Harley Street).
Die Hypnose-Szene dauert im Buch länger und fördert auch den Namen der Person zu Tage, die hinter dem Vorhang gelauert hat. Poirot macht es spannender, indem er z.B. ein Stück Chiffon vom Schal der Sekretärin Lily in Blut taucht und mit Hastings im Rekordtempo hinter dem Zug nach London hinterherrast. Abschließend sehen wir die drei Freunde von Whitehaven Mansions auf dem Golfplatz, wo Hastings es schafft, mit einem Schlag ins Loch zu spielen, was selbst Poirot verblüfft.
Gubanov Offline




Beiträge: 14.510

20.02.2009 21:41
#72 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 03, Episode 06:

Die russische Gräfin


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Philip Jackson, Pauline Moran. Als Gaststars: Kika Markham, David Lyon, Nicholas Selby, Charmian May, William Chubb, Michael Packer, David Bamber u.v.a. Regie: Andrew Piddington. Drehbuch: Anthony Horowitz. Erstsendung: 10.02.1991.

Diese Poirot-Folge habe ich heute zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder gesehen. Ich kann allerdings bestätigen, dass es einen guten Grund hatte, dass sie für so lange Zeit „in der Versenkung“ verschwunden war, denn – bei allem Respekt – es handelt sich hierbei um die mit Abstand langweiligste und behäbigste Poirot-Folge überhaupt. Von den Verbrechen, cleveren Diamantendiebstählen, bekommt der Zuschauer nur wenig zu sehen. Die Szenen jedoch, die den Täter während der Gartenparty beim Safeknacken zeigen, sind spannend und gut geschnitten. Die übrigen 45 Minuten der Folge jedoch kann man getrost als absolute Zumutung bezeichnen. Poirot, der sich in die russische Gräfin Vera Rossakoff verliebt hat, lässt Hastings und Miss Lemon allein Ermittlungen einholen, während der belgische Meisterdetektiv sich nicht nur auf ellenlange Spaziergänge durch Museen und Parks sowie stinklangweilige und mit durchschaubaren Andeutungen auf die Hintergründe der Verbrechen übersähte Picknicks mit seiner Geliebten einlässt, sondern sich auch als egostisch und desinteressiert an der Wohlfahrt seiner Freunde erweist.
Der Fall an sich hat so wenig Konsistenz, dass man bereits vor dem Verbrechen weiß, wer der Täter ist. Lauwarme Kostproben von Kriminalistik, die hier und da vereinzelt eingestreut werden, überzeugen ebenso wenig wie die Actionversuche, die man in der Figur des Landstreichers hineinbringt, oder jene Klischees über in ihrer Stellung bedrohte Polizisten, die von schlecht gelaunten Vorgesetzten in mit alten Phrasen gespickten Telefongesprächen zusammengestaucht werden.
Das schöne Art-Deco-Haus, das ebenfalls in „The Disappearance of Mr. Davenheim“, „The Theft of the Royal Ruby“ und „One, Two, Buckle My Shoe“ zu sehen ist, entfaltet seinen Charme dieses Mal nur kurzzeitig und einseitig. Das wahrlich einzige Vergnügen dieser Folge war, Poirot seit langem wieder einmal in der wunderbaren Synchronisation durch Klaus Höhne deutsch sprechen zu hören („Er braucht einen Sündenbock.“ – „Eine Bock??“), wenngleich die Synchronisation von Kika Markham als russische Gräfin reichlich „bescheiden“ ist...

Eine Folge, die ich in Zukunft wohl eingemottet belassen kann. Erstaunlich ist, dass es sich hierbei um die zweite Poirot-Adaption von Anthony Horowitz und nach „The Million Dollar Bond Robbery“ schon um die zweite mittelmäßige Umarbeitung handelt, obwohl Horowitz danach ausschließlich für perfekte Drehbücher garantierte. Mit zwei Augen zugedrückt gerade noch ebenso viele von fünf Punkten.



Staffel 05, Episode 01:

The Adventure of the Egyptian Tomb (nicht synchronisiert)


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Pauline Moran. Als Gaststars: Peter Reeves, Bill Bailey, Paul Birchard, Jon Strickland, Olivier Pierre, Simon Cowell-Parker, Mozattar Shafeie, Rolf Saxon u.v.a. Regie: Peter Barber Fleming. Drehbuch: Clive Exton. Erstsendung: 17.01.1993.

Wesentlich erfreulicher kam die Episode „The Adventure of the Egyptian Tomb“ herüber. Sie beginnt mit einem altmodischen Nachrichtenreport und der Öffnung einer alten ägyptischen Totengruft. Die Szene, in der gleich der erste Expediteur stirbt, fesselt den Zuschauer bereits an den Schirm. Innerhalb von nicht einmal 20 Minuten geschehen zwei weitere und später noch ein vierter Mord – überhaupt gehört „The Adventure of the Egyptian Tomb“ zu den handlungsreichsten Kurzepisoden. Auch wirkt sie trotz hohen Maßstäben bei Poirot sehr international. Sie spielt in London und Ägypten; Hastings darf zusätzlich dazu noch in New York ermitteln. Bezüglich des ägyptischen Schauplatzes, der, so kann man aufgrund der Creditangaben im Nachspann vermuten, eigentlich in Spanien situiert ist, weiß IMDB übrigens folgendes zu berichten:
Zitat von http://www.imdb.de
The Egyptian flag flying at the camp is the design adopted in 1984 and which was thus contemporary with production of the episode, not that of the kingdom which was overthrown in 1952 and which was thus contemporary with the action of the story.

Auffällig ist, dass die Episode schon durch die vielen und auch sehr qualvollen Todesfälle wesentlich düsterer wirkt als die meisten anderen frühen Episoden. Auch das Ende stimmt einen nachdenklich, anstatt mit einem lachenden Ermittlerteam auszublenden. Gruselige Zwischenschnitte zu den alten ägyptischen Königsgrabsbeilagen und ein Täuschungsmanöver mit einer altägyptischen Hundekopfmaske unterstützen diesen Effekt. Poirot vermittelt abermals effektiv zwischen den beiden Welten der Wissenschaft und des Aberglaubens, ohne dabei einer von beiden auf den Schlips zu treten. Die übrigen Darsteller sind ebenfalls überzeugend.

Kritik kann man einerseits an der Tatsache äußern, dass der Mörder wiederum sehr offensichtlich ist, da er die einzige Person darstellt, die die Möglichkeit hatte, die Tode herbeizuführen. Auch die Abänderung der Figur der Miss Lemon scheint wieder einmal reichlich übertrieben (Staffel 5 schien darauf ein Abo zu halten)...

Eine starke Poirot-Folge mit zügig voranschreitender Handlung und ungewöhnlich viel Tiefgang für eine Kurzepisode. Das Ägypten-Thema ist immer für einen Grusel gut. 4,5 von 5 Punkten.

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Gubanov Offline




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21.02.2009 15:17
#73 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 09, Episode 02:

Murder in Mesopotamia (nicht synchronisiert)


Mit: David Suchet, Hugh Fraser. Als Gaststars: Ron Berglas, Barbara Barnes, Dinah Stabb, Georgina Sowerby, Jeremy Turner-Welch, Pandora Clifford, Christopher Hunter, Christopher Bowen u.v.a. Regie: Tom Clegg. Drehbuch: Clive Exton. Erstsendung: 08.07.2001.

Eine zweite Begegnung mit Gräfin Rossakoff strebt Poirot in „Murder in Mesopotamia“ an. Dieser kleine, aber – ebenso wie Hastings – in dieser Geschichte sichtlich vollkommen überflüssige Sidekick führt einigen Humor in ein kluges Mordrätsel ein, das zu Christies Hochphase in den 1930er Jahren, genauer gesagt 1936, entstand. „Murder in Mesopotamia“ beinhaltet zahlreiche persönliche Erfahrungen Christies, deren zweiter Ehemann ja ebenfalls ein begeisterter Archäologe war und den sie des öfteren auf seinen Exkursionen in den nahen Osten begleitete. Die Drehorte des Films befinden sich nicht, wie eigentlich in der Geschichte beschrieben, im Irak, sondern in Tunesien, wo, zum Schock seiner großen Fangemeinde, David Suchet bei den Dreharbeiten zahlreiche gesundheitliche Schwierigkeiten durchzustehen hatte. Suchet selbst dazu:
Zitat von David Suchet
It was undoubtedly the most difficult shoot of my entire career because of the extreme heat. The temperature reached 139 degrees, and my costume consists of a three-piece wool suit, leather gloves, a hat, a wing collar, bow tie, and full body padding. I had to drink four litres of water every day because I was sweating so much, but even so I nearly fainted on several occasions.

Zeitungsberichte führen aus:
Zitat von Highbeam
Turning the heat up to 140 degrees and making your victim go and work in it wearing several layers of thick clothing and additional padding sounds sadistic. The victim in this case was Poirot star David Suchet, who endured near impossible conditions while filming the latest mystery featuring the famed Belgian detective, Murder in Mesopotamia.
„We made it in Tunisia in the height of their summer,“ says David, 54. „I was wearing what Poirot normally wears and got very, very hot. And because I couldn\'t unzip myself from the padding and the heavy clothing, I suffered panic attacks and thought I was going to die.“

Diesen Umstand meisterte Suchet jedoch glücklicherweise gewohnt professionell. Im Film lässt er sich seine Beschwerden kaum anmerken, denn er erscheint so klug und eloquent wie immer. Lediglich der kleine Schnaufer auf der Treppe zu seinem Schlafraum hat sich als böses Anzeichen seiner Anfälle noch in den Film geschlichen.
Das Kamerateam verrichtete gewohnt hochwertige Arbeit. Die Aufnahmen der Ausgrabungsstätte überzeugen auf ganzer Linie und wirken nochmals ungleich geschäftsamer als die in „The Adventure of the Egyptian Tomb“. Lange Schwenks und Landschaftsaufnahmen fangen die Drehorte ebenso gebührend ein wie kleine Kuriositäten wie den umgekippten Melonenwagen eines Händlers in „Bagdad“. Dabei bleibt das eigentliche Rätsel jedoch so gut wie unverändert. Einige Textpassagen wurden wortwörtlich übernommen, die Rollen originalgetreu und, wenn auch mit anscheinend unbekannten Namen, so doch passend zu den jeweiligen Charakteren besetzt. Mir gefallen dabei vor allem das Mordopfer Mrs. Leidner, die Krankenschwester Amy Leatheran, deren Rolle ruhig größer hätte ausfallen dürfen in Anbetracht der Tatsache, dass sie im Roman die Erzählerin darstellt, Dr. Leidner selbst sowie der drogensüchtige Mr. Mercado, dessen Figur angenehm aus der Masse der Verdächtigen hervorgehoben wird.

Ein gelungener Poirot-Krimi in angemessener Aufmachung. Die bisher (!) letzte Zusammenarbeit zwischen Poirot und seinem Partner Hastings, die wunderbar amüsant mit Poirots letzten Worten „Do not speak!“ endet, bereitet dem Zuschauer Freude, ohne übermäßig albern zu wirken. Die Aufklärungssequenz darf sich zu den gelungensten zählen, sodass insgesamt ein sehr, sehr positiver Eindruck entsteht. 4,5 von 5 Punkten mit einer starken Tendenz zu den vollen fünfen.

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kaeuflin Offline




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21.02.2009 17:38
#74 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Amy Leatherans Rolle und Beschreibung ist im Roman deutlich anderst (das dürfte die größte änderung in der Episode sein - wenn man von Hastings Anwesenheit absieht) was ich wie in meinem Review beschrieben durchaus positiev finde .
Mich hat Ron Berglas als Dr. Leidner mit seinem komischen Bart und seinem "Dauergrinsen" nich überzeugt - ansonsten kann ich dir nur zustimmen .


Peter

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Gubanov Offline




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21.02.2009 18:59
#75 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
SPOILER
Zitat von kaeuflin
Mich hat Ron Berglas als Dr. Leidner mit seinem komischen Bart und seinem "Dauergrinsen" nich überzeugt

Der Bart war ja gerade ein wichtiges Element der Geschichte, diente er doch dazu, seine Identität als Frederic Bosner abzulegen und die neue Personalität des Dr. Felix Leitner aufzunehmen. Ein sehr subtiler, aber effektiver Einsatz der Maske!

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