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Dieses Thema hat 156 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Gubanov Offline




Beiträge: 14.919

16.09.2008 22:58
#16 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 02, Episode 03:

Erpressung und andere Kleinigkeiten


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Pauline Moran, Philip Jackson. Als Gaststars: Frances Barber, Terence Harvey, Carole Hayman, Tony Stephens, Don Williams. Regie: Edward Bennett. Drehbuch: Clive Exton.

So verschieden Sherlock Holmes und Hercule Poirot auch sein mögen – eines bleibt den beiden großen Detektiven gemein: der heimliche Wunsch, sich auch einmal auf die andere Seite der Gerechtigkeit zu stellen und der Polizei auf heimtückische Weise ein Schnippchen zu schlagen. Bei beiden entsteht dieser Drang primär aus einer Beschäftigungsflaute heraus, wird jedoch (glücklicherweise) nie so ausufernd verwicklicht wie geplant. Die Ausübung eines kleinen Einbruchs hier und da gibt es schließlich aber bei beiden; bei Holmes sollte die Geschichte „Charles Augustus Milverton“ und bei Poirot die hier vorliegende Erzählung als Beispiel dienen. Während bei Conan Doyles Ermittler jedoch alles bestens verläuft, landet Poirot in „Erpressung und andere Kleinigkeiten“ in einer unwirtlichen Gefängniszelle.
Passenderweise trägt daher die Kurzgeschichte in Deutschland üblicherweise den Titel „Poirot geht stehlen“. Sie erschien 1924 im ersten Christie’schen Sammelband „Poirot Investigates“ und erinnert überhaupt sehr stark an die bereits erwähnte Geschichte „Charles Augustus Milverton“, veröffentlicht am 26.03.1904 im Strand Magazine. Eine mit einem verfänglichen Brief erpresste Dame und ein Einbruch im Hause des Erpressers, um das Schriftstück zurückzuerlangen – wenn da nicht einmal eine kleine „Inspiration“ vorliegt...
In Verbindung mit Poirots Vergehen bekommt der Zuschauer wieder einmal ein Feuerwerk an Humor geboten, das sich gewaschen hat: Poirot als Schlosser auf dem Fahrrad, sein Vorgeben, Schweizer zu sein und für einen Chinesen gehalten zu werden, die Einbruchssequenzen als solche, Hastings’ Sprung durchs Fenster, Japps Spott über den verhafteten Poirot, Hastings’ Erschütterung über das der Dame zugefügte Leid, die Angst Miss Lemons vor dem Erpresser, die „Verfolgungssequenz“ im Museum und der Quasi-Rückschlag für des Inspektors Unverschämtheit, als auch er von Museumswachen festgehalten wird.

Frances Barber macht in der Rolle der Lady Millicent eine überaus charmante Figur und kann durchaus als eine der bestaussehendsten Darstellerinnen der Reihe bezeichnet werden. Auch die anderen Darsteller, vor allem die Bilderbuchtypen des schmierigen Erpressers und der dumm-nervtötenden Haushälterin, sind passend.
Dass natürlich am Ende wieder alles anders kommt als gedacht, ist typisch Agatha Christie. Und gerade die Wendung in dieser Geschichte wirkt so wunderbar ironisch, dass es eine Freude ist, diesem zwar nicht ernstzunehmenden, aber dafür sehr unterhaltsamen Krimi zu folgen.

Einen Vorgeschmack gibt es in dieser Folge auch auf ein Thema, das sich später in Staffel 4 noch einmal detaillierter wiederfinden wird: Tennis. Da der Erpresser Lavington in Wimbledon wohnt, spricht „man“ natürlich auch von den Siegen Fred Perrys, die er in den Jahren 1934, 1935 und 1936 in eben jenem Stadtteil Londons erreichte.
Was dem Zuschauer allerdings nun die letzte kryptische Bemerkung Inspektor Japps, er habe immer geträumt von der See, sagen soll, bleibt wohl dem Drehbuchautor allein bekannt.

Diese Folge hat einen extrem hohen Unterhaltungswert, da sie die Figur Poirot und damit die wunderbare Interpretation durch David Suchet einmal mehr unverblümt in den Mittelpunkt stellt. Die Ereignisse um ihn herum werden von einer angenehmen Leichtigkeit getragen und die Darsteller sind vorbildlich ausgewählt. An die besten Folgen kann diese Episode trotzdem nicht vollständig anknüpfen, daher 4 von 5 Punkten für „Andere Kleinigkeiten und Erpressung“ (oder wie war das noch?)...

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Gubanov Offline




Beiträge: 14.919

17.09.2008 16:38
#17 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 02, Episode 06:

Mord ohne Leiche


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Pauline Moran, Philip Jackson. Als Gaststars: . Regie: Andrew Grieve. Drehbuch: David Renwick.

Wo ich schon einmal dabei bin, Gemeinsamkeiten zwischen Hercule Poirot und Sherlock Holmes aufzuzeigen, wie ich in der gestrigen Besprechung begonnen habe, eignet sich natürlich die Episode „Mord ohne Leiche“ für eine Fortführung dieses Themas ganz hervorragend. Christie schrieb ihre Geschichte „The Disappearance of Mr. Davenheim“ für den Sammelband „Poirot Investigates“ und nahm wiederum offenbare Anleihen bei Conan Doyle, dieses Mal an der Geschichte „The Man with the Twisted Lip“, die Bestandteil der ersten Holmes-Kurzgeschichtensammlung „The Adventures of Sherlock Holmes“ von 1892 ist.
In der Holmes-Erzählung geht es um das Verschwinden von Neville St. Clair, der – wie sich später herausstellt – sich hinter der Maske seines eigenen „Mörders“, des Bettlers Boone, versteckt. Ähnlich gestrickt ist auch „Das Verschwinden des Mr. Davenheim“. Wie gewöhnlich baut Christie die Geschichte jedoch aus; eine zusätzliche Erweiterung findet durch das, dieses Mal von David Renwick verfasste, TV-Drehbuch statt.
Als eine weitere Anlehnung an Holmes kann übrigens der Titel betrachtet werden, erinnert doch „The Disappearance of Mr. Davenheim“ stark an „The Disappearance of Lady Frances Carfax“.

Das bereits erwähnte Drehbuch baut einige geschickte und gleichsam altbekannte Zutaten in die Geschichte ein, die wenigstens einmal im Verlaufe einer jeden Serie auftauchen müssen: Zaubertricks (siehe etwa „They Do it with Mirrors“ in der Joan-Hickson-Reihe) und ein geschwätziger Papagei, der zu einer bei Suchet-Fans besonders beliebten Szene führt: „I’ve got a parrot for Mr. Poirot“... Auch ein anderer Kunstgriff ist zu erwähnen. Historische Aufnahmen wurden in die Szenerie des Autorennens eingebaut, so wie später auch noch ebensolche Materialien in „Die Reise der Queen Mary“ (Staffel 3) oder „Himmel oder Hölle“ (Staffel 4) Verwendung finden sollten.

Weiterhin erwähnenswert ist das Haus, das in der Folge als Landsitz Davenheims gezeigt wird: Dieses, meiner Meinung nach eines der schönsten Bauwerke der Serie taucht abermals in „Der Diebstahl des königlichen Rubins“ (Staffel 3) und „Himmel oder Hölle“ (Staffel 4) auf. Die effektive Schnitttechnik, mit der die Ermittlungsarbeiten von Captain Hastings und Chiefinspector Japp gezeigt werden, ist eine erfreuliche Abwechslung und bringt Dynamik in die Serie. Eine ebensolche Erfrischung bereitet die Wette zwischen Japp und Poirot, die sich bereits in der Kurzgeschichte Agatha Christies wiederfindet:
Zitat von „Das Verschwinden des Mr. Davenheim“
“Die meisten Einzelheiten sind bedeutungslos, nur eine oder zwei sind wesentlich. Auf das Gehirn, die kleinen grauen Zellen“ – er tippte sich an die Stirn – „muss man sich verlassen. Die Sinnesorgane trügen. Man muss die Wahrheit innen suchen, nicht außen.“
„Sie wollen doch nicht etwa sagen, Monsieur Poirot, dass Sie sich die Lösung eines Falles zutrauen würden, ohne von Ihrem Stuhl aufzustehen?“
„Genau das meine ich – vorausgesetzt, ich werde in den Tatbestand eingeweiht. Ich betrachte mich dabei lediglich als fachmännischer Berater.“
Japp schlug sich aufs Knie. „Ich lasse mich hängen, wenn ich Sie nicht beim Wort nehme. Ich wette fünf Pfund, dass Sie Mr. Davenheim – tot oder lebendig – nicht vor Ablauf einer Woche dingfest, oder besser, für mich ausfindig machen können.“
Poirot überlegte. „Eh bien, mon ami, ich nehme die Wette an. Le sport, das ist doch die ganze Leidenschaft von euch Engländern.“

Eine amüsante Folge, die sich in angenehmem Maße auf Neuland begibt und trotzdem irgendwie klassisch wirkt (und dies nicht nur wegen der Musik Tschaikowskys). 4 von 5 Punkten.

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Gubanov Offline




Beiträge: 14.919

21.09.2008 20:34
#18 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Special 1990:

Eine Familie steht unter Verdacht


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Philip Jackson. Als Gaststars: Beatie Edney, David Rintoul, Gillian Barge, Michael Cronin, Joanna McCallum, Anthony Calf, Allie Byrne, Lala Lloyd, Michael Godley, Morris Perry, Penelope Beaumont, David Savile, Tim Munro, Tim Preece, Merelina Kendall, Brian Coleman u.v.a. Regie: Ross Devenish. Drehbuch: Clive Exton.

Zitat von „Das fehlende Glied in der Kette“. Agatha-Christie-Sammleredition vom Weltbild-Verlag, Augsburg. Rückentext.
Dieser Fall scheint so klar, dass Hercule Poirot Verdacht schöpft. Täter gefasst, Fall gelöst – die Akten werden geschlossen. Doch nun fängt Poirot erst richtig an. Er wirbelt alles durcheinander, bis er auf ein Beweisstück stößt, das zeigt, wie gerissen der wahre Täter ist.

Ich muss zu Beginn gestehen, dass ich diese Folge als nicht sonderlich gelungen in Erinnerung hatte, was wohl vor allem daran lag, dass ich den Roman vorher kannte, andere Vorstellungen von gewissen Personen, Lokalitäten und Handlungsabläufen hatte und somit etwas enttäuscht war. Seit langer Zeit habe ich mir den Film daher nicht mehr angesehen – nun aber doch noch einmal. Und was soll ich sagen? Ich habe mich geirrt; der Film baut auf seine Weise eine Stimmung auf, die sehr wohl mit der Romanvorlage in Einklang zu bringen ist, zumal man sich ja sehr eng an die Geschehnisse an sich hält.
Der bereits erwähnte Roman war der erste Krimi von Agatha Christie, der von der Produktionsfirma der Poirot-Serie anlässlich des 100. Geburtstags der Autorin (* 15.09.1890) als Special ausgestrahlt wurde (Erstsendung Großbritannien: 16.09.1990). Über „Das fehlende Glied in der Kette“, so der geläufige deutsche Buchtitel, weiß „Das große Agatha-Christie-Buch“ von Dawn Sova folgendes zu berichten:
Zitat von „Das große Agatha-Christie-Buch. Ihr Leben und ihre Romane von A – Z.“
Erstes veröffentlichtes Buch von Agatha Christie und auch das erste, in dem uns Hercule Poirot begegnet. Agatha Christie schrieb diesen Kriminalroman bereits 1916, aber erst fünf Jahre später wurde er veröffentlicht, nachdem sechs Verlage ihn abgelehnt hatten. Der Verlag Bodley Head druckte ihn zwar schließlich, hatte das Manuskript jedoch schon achtzehn Monate im Besitz, bevor er sich endlich zu einer Veröffentlichung durchringen konnte. Erschien 1921 unter dem Titel „The Mysterious Affair at Styles“ in London und New York.

Die Verfilmung ist die einzige der Poirot-Reihe, die nicht in den 1930er Jahren angesiedelt ist, sondern aufgrund der mehr oder weniger notwendigen Zeitbezüge zum Ersten Weltkrieg im Jahr 1917 spielt. Poirot, Hastings und Japp erkennt man trotzdem sofort, letzterer scheint sogar den gleichen Mantel zu tragen wie noch 20 Jahre später.

Das eigentliche Verbrechen ist clever ausgedacht und die Frage, wie Emely Inglethorp das Gift verabreicht worden ist, quält den Zuschauer und die Protagonisten den gesamten Film lang. Die Lösung, verblüffend einfach, findet sich in Agatha Christies eigenen Apothekerkenntnissen begründet. Leider merkt man dem Buch trotzdem an, dass es ihr Erstwerk war, denn im Mittelteil sind einige Passagen doch etwas sperrig und langwierig. Dass jede Szene trotzdem im Ganzen für den Sinn von Bedeutung ist, steht auf einen anderen Blatt.
Die Personenzeichnungen sind differenziert und liebevoll ausgearbeitet und dementsprechend einfach, auch durch die gute Besetzung begünstigt, kann der Zuschauer der schnellen Vorstellung der Hauptcharaktere folgen. Einige Seitenfiguren aus dem Roman, zum Beispiel ein gewisser unsympathischer Dr. Bauerstein, der als Spion enttarnt wird, wurden für die Filmadaption fortgelassen, was dem Film weder schadet noch besonders nützt. Besonders überzeugend besetzt sind Beatie Edney als Mary Cavandish und David Rintoul als ihr Mann John Cavandish. Johns Bruder Lawrence, gespielt von Anthony Calf, entspricht der Rolle des ruhigen und irgendwie geheimnisvollen Mannes ebenfalls in einem ansprechenden Maße, erinnert mich aber ein wenig an Klaus Kinski und wirkt deshalb bei der schlussendlichen Verlobung mit Cynthia Murdoch nicht sonderlich überzeugend. Ein großer Fehler der Besetzung war meiner Meinung nach Michael Cronin als Alfred Inglethorp. Mit dieser Figur steht und fällt der gesamte Plot und einen Patzer hätte man sich hier nicht leisten sollen. Eine wenig clever aussehende Person, kaum größer als Hercule Poirot und mit einer lächerlichen Frisur (damit meine ich nicht den notwendigen Bart!), die kaum die Qualitäten eines tragenden Charakters mitbringt, wirkt im Endeffekt eher verloren...

In anderen Belangen kann man jedoch nicht viel kritisieren. Der Film wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas behäbig, doch auf den zweiten Blick kann man ihm dies kaum als Kritikpunkt anlasten, findet sich dadurch doch die Ruhe Südenglands im Gegensatz zu dem von Hastings erlebten und in seinen Albträumen noch allgegenwärtigen Kriegsgeschehen widergespiegelt.

Diese Langfolge ist sowohl etwas fürs Auge als auch für die Seele. Ruhe dominiert das Geschehen und dementsprechend verhält sich sogar Hastings hier völlig ernst und ehrenhaft. Auf einige lustige Sprüche muss man trotzdem nicht verzichten – ebensowenig wie auf einen etwas ungelenken, aber raffinierten Kriminalfall. 4 von 5 Punkten.

Zum Roman wieder die Kritik aus dem Blog christieinayear:

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kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

25.10.2008 21:43
#19 RE: Gute Nachricht für HERCULE POIROT Fans!!! Zitat · antworten
Weil ich gerade Lust hatte ....

Morphium /Sad Cypress ist wie alle Folgen dieser Box eine sehr melankolischer Film , mit einem wie üblich genialen Suchet in Hochform .

Die Darsteller sind alle in dieser Folge perfect ausgesucht - ich kenne zwar die Vorlage nicht doch die Figuren wiken wie aus einem Christie Buch entstiegen , aber nicht zu skuril..

Die Inszenierung ist ungewöhlich , der Monolog der vor Gericht stehenden jungen Frau klingt fast wie ein Geständniss und gehört Handlungsablauf mäßig in die mitte des Films ...

Allerdings gieb dieser Anfang schon einen Vorgeschmack auf die Grundstimmung des Films .

Das Ganze wird mit sehr schönen düsteren Bildern erzählt .
Die Lösung ist nachvollziebar ( ich hatte sogar richtig geraten) und nicht aus der Luft gegriffen , dabei aber nicht so offensichtlich das die Spannung darunter Leiden würde .
Nur Poirots Alptraum ist doch etwas arg sureal und zudem mit billigen Effecten verwiklicht .

Warum man diese Folge nicht auch Synchonisiert hat ist mir ein Rätzel ,an der Qualität liegt es nicht ...

Peter

Don't think twice, it's all right ...
Bob Dylan

Editiert von Gubanov am 26.10.2008, 20.23 Uhr - Beitrag in anderes Thema verschoben

Gubanov Offline




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27.10.2008 16:05
#20 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 01, Episode 10:

Der Traum


Mit: David Suchet (Hercule Poirot, S: Helmut Schellhardt), Hugh Fraser (Captain Hastings, S: Joachim Siebenschuh), Philip Jackson (Inspektor Japp, S: Gerhard Paul), Pauline Moran (Miss Lemon, S: Birgit Frohriep). Als Gaststars: Alan Howard (Benedict Farley / Hugo Cornworthy, S: Wolfgang Thal), Joely Richardson (Joanna Farley, S: Arianne Borbach), Mary Tamm (Mrs. Farley, S: Renate Bahn), Martin Wenner (Herbert Chudley, S: Bernd Schramm), Christopher Saul (Mr. Tremlett, S: Franz Viehmann), Paul Lacoux (Dr. Stillingfleet, S: Eckard Bilz), Neville Phillips (Holmes, S: Hans-Ulrich Lauffer). Regie: Edward Bennett. Drehbuch: Clive Exton.

„Der Traum“ entführt den Zuschauer in eine große Fabrik für Pasteten mit angegliedertem, überaus luxuriösem Verwaltungsbereich. Die Kulisse, die einem hier sofort ins Auge springt, lässt sich geradezu als atemberaubend bezeichnen und macht die Folge allein schon zu einem Hingucker. Dazu kommt, dass besonders in der Szene, in der Benedict Farley Hercule Poirot konsultiert, echte Spannung aufkommt, die man in den frühen Folgen dieser Serie ja eher selten findet. Die Musik trägt das ihre dazu bei.

In der Schauspielerriege findet man zunächst einmal den Namen Alan Howard, der einem bereits aus der Sherlock-Holmes-Serie mit Jeremy Brett bekannt ist, wo er in der Episode „The Priory School“ den Duke of Holdernesse spielte. Er und die anderen Darsteller überzeugen vollkommen. Auch unter den Synchronsprechern finden sich oft gehörte und gelesene Namen, so Wolfgang Thal und Renate Bahn (z.B. aus den Synchronisationen der Basil-Rathbone-Filme) sowie Arianne Borbach (z.B. aus Hörspielen des Labels Titania Medien).
Wo ich gerade beim Stichpunkt Synchronisation bin: Für mich war diese Episode die erste der ersten Staffel und somit auch die erste mit der Schellhardt-Siebenschuh-Synchro. An diese muss man sich natürlich erst gewöhnen und sie fällt bei mir allein schon dadurch etwas durch, weil Poirot keinen französisch-belgischen Akzent hat. Allerdings machen Japp und vor allem Miss Lemon gar keine so schlechte Figur in der deutschen Übertragung. Übrigens fand ich es erstaunlich, dass sowohl Poirot als auch Japp in dieser Folge der ersten Staffel so jung aussahen. Kam das nur mir so vor?

Der Fall, der in „Der Traum“ erzählt wird, ist ein typisches Locked-Room-Mystery im Stile anderer Christie-Geschichten, aber sie sind immer wieder eine Freude. Auch wenn man recht leicht auf den Täter kommt, so ist doch die Frage, wie er es wohl getan haben mag, von großem Interesse. Leider, und dies ist der einzige Kritikpunkt, den ich an die Folge wirklich habe, werden am Ende einige Zusammenhänge recht stark gerafft. So wird nicht ersichtlich, wie Poirot den Mittäter überführt und welche Beweise er für diese Behauptung anzubringen in der Lage ist. Außerdem hätte man auf einige Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass sich Benedict Farley bei der Besprechung mit Poirot hinter einer Lichtquelle verbirgt, besser eingehen können.

Insgesamt eine sehr unterhaltsame Episode mit Unmengen an Humor und einer effektvollen Nebenhandlung, die am Ende perfekt mit dem Kriminalfall verbunden wird. Dazu ein verzwickter Mordfall und Poirot hat es zumindest geschafft, die Zuschauer so glücklich wie möglich zu machen. 4,5 von 5 Punkten.

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kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

27.10.2008 16:12
#21 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Hier passt es zwar auch ,
aber in deimem bereits existierenden Bewertungs-Thread wäre der Post noch besser aufgehoben ...

Das ging schneller als ich schreiben konnte !
Peter

Don't think twice, it's all right ...







Bob Dylan

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.410

27.10.2008 20:22
#22 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Auch für mich war "Der Traum" die erste Begegnung mit der Collection 4 ( 1. Staffel
der Erfolgsreihe ).
Als begeisterte Zuseherin habe ich bisher nicht nur die schauspielerische Kunst von David
Suchet sehr geschätzt, sondern auch die brillante Synchronstimme von Klaus Höhne.
Er hat Poirot Leichtigkeit, Witz und seinen liebenswerten französischen Akzent verliehen.
Ich muss gestehen, dass ich deshalb sehr enttäuscht bin, dass Helmut Schellhardt uns nun
seine dunkle Stimme präsentiert. Die erste Staffel wurde ja noch in der DDR synchronisiert.
Durch den Wechsel des Studios, das hierfür verantwortlich zeichnete, beglückte man den
geneigten Zuschauer ab Staffel 2 mit Klaus Höhne.
Die Handlung beginnt mit einer ungewöhnlichen Szene. Ein herrischer, äußerst abstoßend
wirkender Fabriksbesitzer gibt seinen Angestellten zu verstehen, dass die Einweihung der
neuen Halle ein Segen für sie sei, da sie dort weiterhin für geringen Lohn dazu beitragen
könnten, sein Familienvermögen zu vermehren. Der Zuschauer empfindet deshalb kein
Mitleid, als der Mann wenig später erschossen aufgefunden wurde.
Den Trick mit der Lampe im Büro habe ich gleich durchschaut, wird er doch bereits in
"Die weiße Spinne" angewendet ( Joachim Fuchsberger, der sich hinter zwei Scheinwerfern
verbirgt, um Karin Dor nicht sein Gesicht zeigen zu müssen ).
Ein Klient, der sich aufrichtig Sorgen um sein Leben machen würde, würde Poirot nicht
so unhöflich behandeln und ihn blenden. Dass er sein Schreiben zurückverlangt hat, ist
ein weiterer Beweis dafür. Die Handlung war raffiniert aufgebaut und die Lösung
brachte endlich aktives Handeln von Hastings ins Spiel.
Sehr charmant fand ich die Nebenhandlung mit Miss Lemon und der Schreibmaschine.
In den letzten Minuten kommt richtig Suspense auf, als Poirot mit dem Paket in ihr Büro
tritt. Die Pflege seines Schnurrbarts rundet die Episode gelungen ab.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.410

28.10.2008 20:36
#23 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Staffel 01 Episode 5

"Tod im 3. Stock" Originaltitel : Third-Floor Flat ( 1929 )


Die Episode zeigt uns Poirots Wohnhaus "Whitehaven Mansions" aus einer neuen Perspektive :
Wir sehen das schöne Gebäude erstmals frontal auf Straßenebene. Der Portier läßt zwei
Möbelpacker ins Haus, die Kamera fährt langsam von Stockwerk zu Stockwerk nach oben
und zeigt die Bewohner der einzelnen Etagen in ihrem Wohnzimmer. Poirot sehen wir
zuerst nicht, da er unter einem Handtuch verborgen ist. Wieder einmal wird er von einer
Erkältung geplagt, die er auf Miss Lemons Rat hin mit einem Gesichtsdampfbad zu kurieren
versucht. Er ist äußerst unleidlich, da sein letzter Fall schon drei Wochen zurück liegt.
Doch Hilfe naht. Captain Hastings lädt ihn zu einem Theaterabend ein. Es wird ein Kriminal-
spiel aufgeführt, das Poirot jedoch erzürnt. Der Autor hat es verabsäumt, seine Handlung
logisch aufzubauen. Als Poirot und Hastings nach "Whitehaven Mansions" zurückkehren,
fallen ihnen plötzlich seltsame Geräusche auf. Jemand versucht, mit dem Kohlenaufzug
in die Wohnung der hübschen Miss Matthews zu gelangen, die ihren Schlüssel nicht finden
kann. Die beiden Begleiter der jungen Dame irren sich jedoch im Stockwerk und steigen
in die falsche Wohnung ein. Poirot ist sofort zur Stelle, als sie dort die Leiche einer Frau
finden...
Meiner Meinung nach strahlt diese Folge eine angenehme Eleganz aus. Das wird vor allem
durch das in sanftes Licht getauchte Treppenhaus, die melodischen Gesänge der beiden
in Abendkleider gewandeten Frauen und die Szenen auf den nächtlichen Straßen deutlich,
als Captain Hastings neuer Wagen vom flüchtenden Mörder zu Schrott gefahren wird.
Die Kombinationen von Poirot werden von ihm selbst Schritt für Schritt aufgedeckt. Er
verzichtet dabei nicht auf seine bewährte Diskretion und Güte, sondern erteilt dem Freund des
Täters einen guten Rat und erweist sich als sehr großzügig, als er Hastings einen Zuschuss
für ein neues Auto gibt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.410

30.10.2008 19:50
#24 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Staffel 01 Episode 1

"Köchin gesucht"

"The Adventure of the Clapham Cook" ist die erste Folge der Poirot-Serie und präsentiert
den belgischen Detektiv mit all seinen liebenswerten Eigenheiten.
Die Episode beginnt mit einem gelangweilten Poirot, der sich von Captain Hastings die
Schlagzeilen der Tageszeitung vorlesen läßt, um zu hören, ob es einen interessanten Fall
für ihn gäbe. Als Miss Lemon eine unerwartete Klientin ankündigt, fühlt er sich zunächst
beleidigt, da sie ihn bittet, nach ihrer verschwundenen Köchin zu suchen. Als sie ihm jedoch
klarmacht, dass eine gute Köchin für einen Haushalt ebenso wichtig sei wie eine Perlenkette
für eine Lady, macht er sich mit Hastings auf den Weg nach Clapham.
Wir sehen, wie gut es ihm gelingt, mit Menschen der verschiedenen Gesellschaftsschichten
zu sprechen. Er unterhält sich mit dem Bankdirektor genauso höflich wie mit dem Hausmädchen.
Sein Feingefühl und seine Diskretion öffnen ihm jede Tür, obwohl Chief-Insp. Japp ihm in
dieser Folge eine solche vor der Nase zumacht. Poirots Eitelkeit ist gekränkt, als Japp sich
über ihn lustig macht, da er sich in diesen harten Zeiten nun sogar mit Dienstbotenangelegenheiten
beschäftige. Seine Contenance verliert er nur selten, wenn, dann jedoch heftig : Er explodiert
förmlich, als Mrs. Todd ihren Auftrag zurückzieht und ihn mit einem Trinkgeld abspeist.
Poirot verfolgt den Fall nun auf eigene Faust, was ihn bis nach Carlisle in den Norden Englands
führt, wo er in einer sehr amüsanten Szene mit Hastings über Land wandert. Seine Lack-
schuhe stecken im Morast und eine Herde Schafe kreuzt ihren Weg. Während Hastings
die frische Wald-und Wiesenluft einatmet, kneift Poirot seine Nase zusammen und sehnt sich
nach der "guten Stadtluft". In einer späteren Sequenz bei der Gepäckaufbewahrung erleben
wir einen Wortwechsel zwischen Poirot und einem Angestellten, der nur "mit dem Chef und
nicht mit dem Laufburschen ( Hastings )" sprechen möchte. Eine wunderbare nächtliche
Einstellung, die mich sehr beeindruckt hat, sehen wir gegen Ende der Episode.
Poirot sucht am Hafen nach dem flüchtigen Mörder, der mit einem Ozeandampfer nach
Venezuela reisen möchte. Während die Landungsstege und Teile des Schiffsaufgangs
nachgebaut wurden, möchte ich wetten, dass in der Panorama-Ansicht des Ozeanriesen
ein Gemälde von Ken Marschall verwendet wurde. Er ist ein Künstler seines Fachs und
wurde durch die stimmungsvollen Illustrationen zu den Büchern des Unterwasserexperten
Robert D. Ballard ( der 1985 das Wrack der "Titanic" entdeckte ) bekannt.
Abgerundet wird die Folge von einer gemütlichen Szene in Poirots Wohnung, als Miss
Lemon den gerahmten Scheck des Ehepaars Todd als Erinnerungsstück an die Wand
hängt. Ein äußerst gelungener Einstieg in die Welt des Meisterdetektivs mit viel Humor,
wundervollen Landschaftsaufnahmen und einem ungewöhnlichen Kriminalfall.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.410

31.10.2008 13:11
#25 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Staffel 01 Episode 3

"Poirot und der Kidnapper"

Poirot genießt es in dieser Folge, einen Fall anzunehmen, den Scotland Yard ablehnt. Die
Verhütung von Verbrechen gehöre nicht zu den Aufgaben der Polizei, meint Chief-Insp. Japp
und gibt Poirot den Triumph, als Beschützer eines potenziellen Entführungskandidaten aufzutreten.
Er begleitet seinen Klienten zu dessem stilvollen Landsitz und übernachtet dort. Für den
nächsten Tag ist die Entführung des kleinen Sohnes zur Mittagsstunde angekündigt, doch
da Poirot statt eines üppigen englischen Frühstücks nur ein paar spärliche Gedecke vorfindet,
überredet er Hastings, ihn mit seinem Sportwagen ins Dorf zu fahren, um dort in einer
Gaststätte zu speisen. Auf dem Rückweg sind die beiden Freunde guter Dinge und stimmen
sogar einen Gesang an. Leider stoppt der leere Tank des Wagens ihre Fahrt, weswegen Poirot
den ganzen Weg zum Landhaus zu Fuß in seinen Lackschuhen zurücklegen muss.
Er badet deshalb erst einmal seine Füße und bringt den Gutsherrn damit erst recht in Rage.
Obwohl Chief-Insp. Japp inzwischen mit einer Abordnung von Männern am geplanten
Tatort eintrifft, kann die Entführung dank es Tricks nicht verhindert werden. Hastings und
Poirot entdecken einen Geheimgang, der vom Anwesen bis zum Mausoleum führt und erkunden
ihn mithilfe einer "Lampe in der Tasche" ( H. Poirot ).
Am Ende gelingt es dem Detektiv, den Täter und seine Motivation zu enttarnen. Seine
Deduktionen beruhen auf einfachen und naheliegenden Überlegungen und erweisen sich
gerade deshalb als richtig. Da er dem Wagen von Hastings nicht mehr traut, fährt er mit
der Eisenbahn nach London zurück, da einem Zug "nicht unterwegs die Kohlen ausgehen",
wie er mit einem Schmunzeln bemerkt.
Eine liebenswerte Landpartie mit Poirot und Hastings in Höchstform.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.410

31.10.2008 21:02
#26 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Zur berühmten Detektivfigur von Agatha Christie :

"Conan Doyle begründete eine große Tradition; Agatha Christie schrieb sie auf ihren
Höhepunkt und formulierte ihren Abgesang.
Ihre Geschichten demonstrierten intellektuellen Spieltrieb, einen cartoonist`s sense
of line und die Überlebenskraft des puritanischen Reinheitsgebot. POIROT, neben Miss
Marple ihre schönste Erfindung, geht Verbrechen an, als handele es sich um psycho-
logische Umweltverschmutzung, - nur mit dem Rigorismus eines ( analytischen )
Pirouetteurs, schmetterlingshaft komisch, liebenswürdig, effektiv, - von vornherein
mehr als eine Sherlock-Holmes-Parodie."


( aus : "Nissens Neuer Almanach - Notizen & Ansichten zur englischsprachigen Literatur
unserer Zeit" , verlegt bei Petersen, Hamburg, 1. Auflage 1995, Seite 226 )

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.410

02.11.2008 13:04
#27 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Staffel 01 Episode 4

"24 Schwarzdrosseln"

Die Geschichte beinhaltet wieder einmal einen Kinderreim, der für das Werk Agatha Christies so typisch
ist : "......Vierundzwanzig Amseln in Pastete gebacken."
Dies ist in England die volkstümliche Bezeichnung für "Brombeeren". Sie spielen für die Aufklärung des
Falles eine große Rolle, sind sozusagen der Schlüssel zur Überführung des Mörders. Hier beginnt
bereits die erste Schwierigkeit der Episode. Man sieht die besagte Brombeertorte kein einziges Mal.
Ebensowenig die anderen zitierten Gerichte ( Tomatensuppe, Steak, Nierenpastete ).
Im Restaurant ist der Maler Henry Gascoigne bereits namentlich bekannt, was der Vorlage ebeno
widerspricht, da er dort nur "Großvater" genannt wird und seit zehn Jahren immer dienstags und
donnerstags in das Restaurant kommt. Poirots Verdacht wird geweckt, da ihm die Kellnerin erzählt,
er sei plötzlich am Montag gekommen und habe sich ein völlig anderes Menü bestellt. Als er später
hört, der alte Mann sei seit über einer Woche nicht mehr zum Essen gekommen, schrillen bei ihm
die Alarmglocken und er sieht die Liste der kürzlich Verstorbenen durch, was ihn in die Praxis
eines Arztes führt, der ihm weiterhilft. In der filmischen Umsetzung findet eine Nachbarin die
Leiche des alten Mannes. Weiters hält sich die Episode lang und breit mit einem Modell auf, einer
Muse des Malers. Sie beantwortet Poirot Fragen und ist in einer späteren Szene noch einmal
als Aktmodell in der Kunstakademie zu sehen. Da sie in der Vorlage ebensowenig vorkommt
wie ein Kunstmakler, dessen Einladung zu einer Ausstellungseröffnung man im Schlafrock des
Toten gefunden hat ( in der Romanvorlage ist es korrekterweise ein Brief seines Neffen George
Lorrimer ), wurden sie in der Serie nur eingeführt, um den Kreis der Verdächtigen auszuweiten.
Aus dem Arzt Dr. Lorrimer wurde ein Varieté-Theater-Besitzer gemacht, der schauderhafte
Stücke auf die Bühne bringt. All dieses Beiwerk ist wie schlechte Sauce, unter der man den guten
Fisch versteckt, um Poirots Zitat abzuwandeln. Zu allem Überfluss ist Captain Hastings auch
noch vom Cricket-Fieber befallen. Seine sonst so liebenswerten Marotten werden diesmal
in Bezug auf die Cricket-Testspiele der Engländer gegen Australien auf die Spitze getrieben.
Obwohl mir von Collection 4 noch eine Folge fehlt, wage ich zu behaupten, dass " 24 Schwarz-
drosseln" die schwächste Folge der 1. Staffel ist. Hätte man sich dichter an die Vorlage gehalten,
wäre man besser beraten gewesen.


Gubanov Offline




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03.11.2008 22:15
#28 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 10, Folge 01:

Das unvollendete Bildnis


Mit: David Suchet (Hercule Poirot). Als Gaststars: Rachel Stirling (Caroline Crale), Aidan Gillen (Amyas Crale), Toby Stephens (Philip Blake), Marc Warren (Meredith Blake), Aimee Mullins (Lucy Crale), Julie Cox (Elsa Greer), Gemma Jones (Miss Williams), Sophie Winkleman (Angela Warren) u.v.a. Regie: Paul Unwin. Drehbuch: Kevin Elyot.

Ich muss meine Aussage in einem anderen Thread korrigieren, in dem ich schrieb, dass die neueren Folgen der Poirot-Serie nicht mit den älteren mithalten können. Wie ich bei diesem Film mit jedem Sehen wieder und immer wieder bemerke, entspricht diese Aussage nicht der Wahrheit, denn „Das unvollendete Bildnis“ ist der mit Abstand bewegendste und reifste Poirot-Film, den ich bisher überhaupt gesehen habe. – Schon in der IMDB findet man großartige Kommentare, die einen ebenso großartigen Film in würdigem Maße preisen:

“This film is incredibly good. The cast is uniformly good. The direction is clever and thoughtful. The music is beautiful. The script has all the essentials of the plot and remarkably faithful to the book. I would be quite willing to say it's the best Christie adaptation so far.”

“The Poirot series has always appealed to me because I love that era, but also because it's intriguing and interesting. This is no exception - actually, this is one of my favorites, if not THE favorite. ... Poirot: Five Little Pigs is one of the best movies I've seen. It just feels right. You just relax and enjoy the story - you don't have to cringe at bad actors. A truly beautiful, hauntingly sad movie.”


Mehr solcher Einschätzungen nachzulesen unter folgendem Link:
http://www.imdb.com/title/tt0392952/usercomments

Doch was steckt in diesem Film, dass er bei den Zuschauern so positiv aufgenommen wird?

Wie ich bereits andeutete, ist das Drama um den Tod des Malers Amyas Crale extrem emotional. Dies entspricht allerdings nicht nur der Bearbeitung fürs Fernsehen, sondern geht Hand in Hand mit der psychologisch aufgebauten Grundstory dieses Buchs: Poirot wird von der Tochter der verurteilten Mörderin Caroline Crale vierzehn Jahre nach der Tat beauftragt, die wahren Umstände jenes Tages ans Licht zu bringen. Der darauf folgende gesamte Mittelteil der Handlung besteht aus der Befragung der fünf anderen Verdächtigen, der titelgebenden „fünf kleinen Schweinchen“: Philip Blakes, des besten Freundes Amyas’, Elsa Greers, des Modells für Amyas’ letztes Bild, Meredith Blakes, des Wissenschaftlers und Hausfreunds, Miss Williams’, der Hauslehrerin, und Angela Warrens, der Schwester Carolines, die von dieser einst schwer verletzt worden war. Das Problem und gleichzeitig der Grundgedanke dieses hochinteressanten Buches wird Poirot gleich zu Anfang klar gemacht: Wenn er sich mit fünf Personen über den fraglichen Tag unterhält, so bekommt er fünf unterschiedliche Geschichten zu hören.

Alle Darsteller wirken in ihren Rollen perfekt. Mit ihren Erinnerungen und Geständnissen, Aussagen und der Art, wie sie auf die Geschehnisse zurückblicken, tragen sie den kompletten Film, der trotz der fünfmaligen Erzählung einer ähnlichen Handlung immer fesselnd bleibt. Stets erfährt man neue Details und sieht die Ereignisse aus anderen Positionen, bekommt andere Eindrücke und Gefühle geschildert. Änderungen am Original wurden dabei nur dann vorgenommen, wenn sie wirklich sinnvoll und nützlich sind:
Besonders beeindruckend ist Toby Stephens als Philip Blake. Er, der Sohn der ebenfalls auf dem Christie’schen Gebiet verdienten Maggie Smith, liefert eine großartige und bewegende Performance ab, die zwischen Verbitterung und Verzweiflung hin- und herpendelt und ihn am Ende trotz seiner Kommentare über die unnötige Sensibilität Merediths als den schwächeren Part des Bruderpaars entpuppt. In dieser Hinsicht sowie in dem anderen Punkt, dass der Stand der Verdächtigen zu Caroline Crale interessant variiert und somit ein zweiter Liebhaber eliminiert wird, ist jene Abänderung ebenso berechtigt wie auch der Tod Carolines, der der Geschichte mehr Nachdruck verleiht und die allgemeine Atmosphäre bei weitem tragischer stimmt.
Der einzige Grund leichten Missfallens ist die Darstellung der erwachsenen Angela, die sehr unsympathisch und selbstverliebt auf den Zuschauer wirkt. Dafür wird man jedoch durch den Auftritt eines ganz besonderen Hausmädchens auf dem Landanwesen der Crales entlohnt: Annette Badland spielte bereits in der Miss-Marple-Serie mit Joan Hickson in der Episode „A Pocket Full of Rye“ die Gladys Martin.

Unterstützt wird die sehr klug in Szene gesetzte Handlung (Handkameras und die Farbwahl der verschiedenen Zeitstufen trennen Handlungsabschnitte klar und ohne Verwirrungen voneinander ab und tragen überdies nicht unwesentlich zum Sehgefühl bei) von der Musik, die lyrisch und traurig erklingt und dem Zuschauer lang im Gedächtnis bleibt. Sogar Vokalstücke kommen vor, wie auch bereits in der Pre-Titelsequenz, die den Zuschauer mit dem unglaublichen Kontrast zwischen einer Familienidylle und einer Hinrichtungskammer konfrontiert und somit gleich auf die Achterbahnfahrt der Befindlichkeiten einstimmt, der man im Folgenden beiwohnen darf.
Das Lied, dramaturgisch toll eingesetzt, ertönt schließlich wieder, als die Überführung des Täters ihre Schatten vorauswirft und sich die Verdächtigen auf den Weg zurück an den Tatort machen.

Vollkommen abgerundet, ohne wirklichen Fehl und Tadel und einfach beeindruckend sowie außerdem über eine dramatische und logische Geschichte verfügend. Einer der ganz, ganz großen Höhepunkte der Suchet-Serie. 5 von 5 Punkten.

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kaeuflin Offline




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04.11.2008 07:02
#29 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Das unvollendete Bildnis ist ein Film den ich beim ersten sehen nicht wiklich mochte , der aber nach jedem Anschauen stärker wird und inzwischen zu meinen Favoriten gehört .

Die Darsteller passen wiklich perfect in ihre Rollen - auch die erwachsenen Angela , die mir als Kind schon nicht sympatisch war und sie somit zu einer zusätzlichen Verdächtigen macht .

Die melancholische Stimmung der späteren Folgen ist wohl nirgens so stark wie hier - Perfectes Krimi - Drama für das man allerdings auch selbst in der richtigen Stimmung sein muss .


Peter

Don't think twice, it's all right ...

Bob Dylan

Gubanov Offline




Beiträge: 14.919

05.11.2008 20:54
#30 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 01, Folge 01:

Köchin gesucht


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Philip Jackson, Pauline Moran. Als Gaststars: Brigit Forsyth, Dermot Crowley, Freda Dowie, Antony Carrick, Katy Murphy, Daniel Webb u.v.a. Regie: Edward Bennett. Drehbuch: Clive Exton.

Die allererste Folge der Poirot-Serie mit David Suchet basiert auf einer Kurzgeschichte aus Agatha Christies zweiter Poirot-Sammlung „The Underdog“, die 1926, zwei Jahre nach „Poirot Investigates“, veröffentlicht wurde. Die Wahl derselben ist durchaus zufriedenstellend, denn auch wenn es sich nicht um eine der besten Christie-Geschichten handelt, weil sie recht schnell zu durchschauen ist, so stellt sie doch die Möglichkeit bereit, die „neuen“ Charaktere gebührend vor- und deren Beziehungen untereinander klarzustellen.
Elan und Mühe, welche in die Realisierung dieser Pilotfolge gesteckt wurden, merkt man ihr an: Viele Außenaufnahmen in London und auf dem Lande begeistern den Zuschauer ebenso wie der prominente Auftritt des Hauses Florin Court als Poirots „Whitehaven Mansions“. Poirot selbst kann hier ebenfalls seine verschiedenen Gesichter – von Freundlichkeit und Demut bis hin zu Empörung und Notlügen – eindrucksvoll unter Beweis stellen, was Suchet auf seine ganz eigene Weise ausnutzte. Schon die zeitgenössische Presse urteilte positiv über die erste Folge:
Zitat von „Agatha Christie’s Poirot“ von Peter Haining
Certainly there was an immediate impact when the first episode of Poirot, “The Adventure of the Clapham Cook”, was shown on 8 January 1989. Viewers and critics alike were struck at the amount of hard work that had quite obviously gone into realising the project. For those purists who had longed for an authentic interpretation of the legendary little sleuth, Peter Tory of the “Daily Express” summarised the general view when he wrote in his column on 21 January: ‘Quite simply, Mr. Suchet’s performance as Poirot must be exactly as Miss Christie imagined him.’

Nachdem Suchet von Agatha Christies Tochter Rosalind Hicks in der TV-Serie „Blott on the Landscape“ für die Rolle des Belgiers entdeckt worden war, hatte er zunächst viele Vorbereitungen zu treffen, um sie überzeugend darstellen zu können. Jedes Detail musste bedacht werden: von seiner Sprache über den Bart bis hin zu ganz trivialen Dingen wie seinem Gang. Das Ergebnis, so stelle ich als Liebhaber der Serie immer wieder fest, ist beeindruckend.
Im gleichen Maße überzeugen aber auch die anderen drei der „regulären Truppe“ sowie die Gastdarsteller der Episode. Ich muss allerdings eingestehen, dass ich, da ich die Kurzgeschichte vorher schon gelesen hatte, mir einige Charaktere anders vorgestellt habe. Mrs. Todd ist zwar ein sehr signifikantes Beispiel dafür, aber Brigit Forsyth macht ihre Arbeit in der Verfilmung nichtsdestotrotz sehr gut.
Zitat von „Köchin gesucht“
Im nächsten Augenblick stürmte in unsere stille Häuslichkeit eine korpulente Dame mit krebsrotem Gesicht, die so schnell die Treppe heraufgeeilt war, dass sie hörbar keuchte.
„Sie sind Monsieur Poirot?“, fragte sie ein wenig anmaßend, als sie in einen Stuhl sank.
„Ich bin Hercule Poirot, jawohl Madame.“
„Sie sehen aber gar nicht so aus, wie ich Sie mir vorgestellt habe“, sagte die Dame und beäugte ihn mit einigem Missfallen. „Haben Sie etwa die Notiz in der Zeitung selbst bezahlt, wo es heißt, was für ein guter Detektiv Sie seien, oder hat die Zeitung es von sich aus gebracht?“
„Madame!“, sagte Poirot, während er sich steif aufrichtete.

Die Geschichte hält sich dabei recht eng an die Vorlage und wenn sie sie erweitert, so geschieht dies auf eine angenehme Weise. Abermals möchte ich, auch wenn es ein klein wenig „off topic“ ist, auf die Synchronisation zu sprechen kommen; dieses Mal durchaus lobend. Es geht um die Übersetzung einer bestimmten sprachlichen Eigenheit des Französischen, die in der DDR-Synchro vollkommen korrekt vorgenommen wurde und in der Wort-für-Wort-Übertragung des mir vorliegenden Buches eher eine sonderbare Erscheinung ist:
Zitat von „Köchin gesucht“
„Ha“, rief Poirot wütend. „Denken die etwa, sie können Hercule Poirot so einfach loswerden! Als eine Gefälligkeit – eine große Gefälligkeit erkläre ich mich bereit, ihre miserable Drei-Groschen-Angelegenheit zu untersuchen – und sie schütteln mich ab, comme ça! Hier hat unverkennbar Mr Todd seine Hand im Spiel. Aber ich sage Nein – sechsunddreißigmal Nein! Ich werde meine eigenen Guineen ausgeben, sechsunddreißighundert, wenn’s sein muss, aber ich will der Sache auf den Grund kommen!“

Im Film dagegen sagt Poirot:
Zitat von „Köchin gesucht“
“Was? Was? Wie kann sie es wagen? – Aus Gefälligkeit, aus großer Gefälligkeit erkläre ich mich bereit, diese Pennyangelegenheit überhaupt zu übernehmen. [...] Ist das nicht unglaublich? Denken die, so speist man einen Hercule Poirot ab? Non. Non, non, non, non, non, non, non! Hundertmal, tausendmal non! Die schicken mir eine Guinee, non! Ich gebe meine eigenen Guinees aus; hundert, ja tausend davon, wenn es Not tut! Aber ich werde dieser Pennysache auf den Grund gehen!“

Wie man sieht, halten sich sogar die Dialoge der Filmversion recht eng an die Vorlage, allerdings liegt in der zweiteren ein Problem mit der Übersetzung der französischen Zahl 36, trente-six, vor. Diese beschreibt nämlich nicht die einfache Zahl, wie wohl der Übersetzer der Buchausgabe glaubte, sondern eine unbestimmte, in jedem Falle aber sehr hohe Zahl. Nähere Informationen zum sprachlichen Gebrauch unter http://xtextexte.de/2007/05/20/36-trente-six/.

Nach diesem kleinen sprachlichen Exkurs kann ich in Anbetracht aller positiven Faktoren der Folge, die nur durch den etwas zu durchschaubaren Fall und die etwas zu durchschaubare Verkleidung des Täters sowie durch eine etwas zu einfache Bahnhofskulisse in Carlisle etwas getrübt wird, gut und gern 4 von 5 Punkten vergeben.

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