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Dieses Thema hat 156 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Gubanov Offline




Beiträge: 14.478

20.08.2008 20:22
David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

In diesem Thread können alle Poirot-Episoden und -Filme mit David Suchet besprochen werden.

Bisher in Deutschland ausgestrahlt wurden: Staffel 1: Köchin gesucht, Poirot riecht den Braten, Poirot und der Kidnapper, 24 Schwarzdrosseln, Tod im 3. Stock, Urlaub auf Rhodos, Eine Tür fällt ins Schloss, Der unglaubliche Diebstahl der Bomberpläne, Die Abenteuer des Kreuzkönigs, Der Traum; Staffel 2: Das Haus auf der Klippe - Teil 1, Das Haus auf der Klippe - Teil 2, Erpressung und andere Kleinigkeiten, Die verschollene Silbermine, Das Rätsel von Cornwall, Mord ohne Leiche, Doppelte Sünde, Mord im Mietpreis inbegriffen, Im Namen der Nation, Die Augen des chinesischen Gottes; Special: Eine Familie steht unter Verdacht; Staffel 3: Edle Düfte, Die Reise auf der Queen Mary, Mitgiftjäger, Das Wespennest, Geistergeschichten, Die russische Gräfin, Das Geheimnis der spanischen Truhe, Der Diebstahl des königlichen Rubins, Maskenball, Geheimnisvoller Mord im Jagdhaus; Staffel 4: Mord nach Fahrplan, Die Wespe, Himmel und Hölle; Staffel 10: Das unvollendete Bildnis, Tod auf dem Nil, Das Eulenhaus

Gubanov Offline




Beiträge: 14.478

21.08.2008 13:32
#2 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Staffel 03, Folge 01:

Edle Düfte


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Pauline Moran, Philip Jackson. Als Gaststars: Anne Stallybrass, Tim Wylton, Margery Mason, Catherine Russell, Peter Birch, Ralph Nossek. Regie: Brian Farnham. Drehbuch: Andrew Marshall.

„Edle Düfte“ ist für einige Poirot-Fans im deutschsprachigen Raum, die die TV-Ausstrahlungen dieser Serie nicht mitbekamen, sicherlich der Einstieg in die Reihe mit dem kleinen exzentrischen belgischen Meisterdetektiv. Gleich in dieser Folge erhält man ein schönes Bild aller vier Hauptcharaktere, was nicht verwunderlich ist, bedenkt man, dass schon 20 Folgen vorher gedreht worden waren und die Darsteller somit voll in ihrem Element steckten. Poirot selbst wächst hier vor Stolz über sich hinaus, weil eine Rosenart nach ihm benannt wird. Dies mag eine Anspielung an die Zeit seines Ruhestandes sein, in der er Gemüse züchtet. Hier also die weniger kulinarische, aber ebenso botanische Variante mit der Rose, die ihm auf der Gartenausstellung, welche im Übrigen besonders aufwendig ausgestattet wurde, natürlich gleich einen neuen Fall einbringt.
Hastings wird hier (scheinbar) von Heuschnupfen geplagt und kann sich deshalb nicht an den Ermittlungen beteiligen, weshalb Poirot dieses Mal auf seine tüchtige und ordnungsliebende Sekretärin Miss Lemon zurückgreift. Dass Captain Hastings die Ablagefächer Miss Lemons völlig durcheinanderbringt, lässt ihn umso liebenswert-tollpatschiger erscheinen und man schließt ihn sofort ins Herz. Doch auch Miss Lemon wirkt trotz ihrer Wut über das Chaos ebenfalls sympathisch, was ihrer literarischen Vorlage offenbar nicht gegeben ist. Es ist interessant, zu hören, wie Miss Lemon – entgegen der doch nicht leugbaren Schönheit von Pauline Moran – dort beschrieben wird. Ich zitiere aus dem Poirot-Hörspiel „Der verräterische Garten“ mit Felix von Manteuffel als Poirot und Friedhelm Ptok als Erzähler:

Zitat von „Der verräterische Garten“
Miss Lemon war achtundvierzig und eine wenig anziehende Erscheinung. Man hatte bei ihr den Eindruck, eine Menge Knochen seien aufs Geratewohl zusammengesetzt worden. Ihre leidenschaftliche Ordnungsliebe war fast so groß wie die Poirots und obwohl sie durchaus fähig war, selbstständig zu denken, dachte sie nie, wenn man sie nicht eigens dazu aufforderte. [...] Nur sehr selten beanspruchte ihr Arbeitgeber ihre menschlichen und nicht nur ihre beruflichen Fähigkeiten. Miss Lemon ärgerte sich jedes Mal darüber, denn sie war denn sie war eine fast perfekte Maschine und interessierte sich überhaupt nicht für die Angelegenheiten ihrer Mitmenschen. Ihre einzige wahre Leidenschaft galt der Vervollkommnung eines Ablagesystems, neben dem alle anderen Ablagesysteme in Vergessenheit geraten würden. Sie träumte sogar nachts von einem solchen System.


Man darf wohl sagen, dass die Änderung dieses Charakters ein großes Plus der Serie ist, denn als ein wichtiges Merkmal der Ermittlertruppe um Poirot kann angesehen werden, dass ausnahmslos alle Personen sehr sympathisch sind, auch der manchmal etwas mürrische Inspektor Japp, der Poirot gern etwas stichelt und dafür jedes Mal bei der Lösung der Kriminalfälle das kürzere Streichholz zieht...

Mary, Mary, lass mich raten, ach was wächst in deinem Garten?
Silberglöckchen hier und dort, Nussschalen auch an manchem Ort,
aufgereiht wie Zinnsoldaten.


Der Kriminalfall in „Edle Düfte“, der auf obigem Kinderreim basiert (ein Kinderreim, der von Christie zu einer Geschichte umgeschrieben wird, hat immer ein ganz besonderes Flair), entwickelt sich langsam, aber stet. Bereits zu Anfang hat man das untrügliche Gefühl, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Tod der alten Dame bestätigt diese Vorahnungen dann. Erwähnenswert ist sicherlich, wie explizit hier der Todeskampf gezeigt wird – ein wenig zu ausführlich für harmlose Fernsehserie vielleicht.
Der Fall selbst verfügt zwar nicht über einen außergewöhnlichen Schauplatz, dafür aber über umso ausgefallenere Storyelemente: das leere Samentütchen, der Garten, der das Rätsel birgt, die Religionsverbundenheit Katrina Reigers, und über einige Handlungsstränge, die über die Originalgeschichte hinausgehen. Drei „Fäden“ sind hier als besonders wichtig zu nennen:
- Katrinas Liebe zu einem russischen Botschaftsangehörigen und ihre Zugehörigkeit zu einem russischen Adelsgeschlecht
- die Gartenausstellung, auf der die Rose Hercule Poirots Namen verliehen bekommt
- die wunderbare Szene mit den Pferden, in welcher der Anwalt von Mrs. Barrowby Poirot den Inhalt des Testaments „durch die Blume“ mitteilt

Der einzige Punkt, den ich in Originalgeschichte bzw. im Hörspiel als besser herausgearbeitet empfand, ist die Schlussfolgerung, mit der Poirot Katrina Reigers Unschuld nachweist: Miss Barrowby wollte ihre skandalöse Entdeckung vertuschen – das hätte sie, beträfe sie eine Gesellschafterin, nie getan. Folglich musste sie zu tun haben mit...

Insgesamt sehe ich „Edle Düfte“ als sehr starke Folge mit klassischem Kriminalfall und wirkungsvollen Zutaten an. Ich vergebe 4,5 von 5 Punkten – mit dem Hang zu vollen 5 Punkten.

PS: Ganz toll sind auch die Flucht des Täters / der Täterin nach der Überführung und der missglückte Selbstmordversuch!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.365

24.08.2008 13:50
#3 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Episode Eins der dritten Staffel der Poirot-Reihe weiht den Neuling in das Geheimnis des
Haushaltes Hercule Poirot ein. Wir lernen die wichtigsten Personen seines Lebensumfeldes
kennen : Captain Hastings, den sensiblen Mitbewohner, der auf unerwartete Situationen hektisch
reagiert, Miss Lemon, die energische organisatorische Kapazität , sowie Inspektor Japp,
den sachlichen und nüchternen britischen Polizeibeamten.

In "Edle Düfte" wird Poirot zu einer klassischen englischen Gartenschau gebeten und wir
sehen mit Erstaunen, wie präzise und detailverliebt die Granada-Serie in Szene gesetzt
wurde. Jede Nuance der britischen Lebensart wird uns aus dem Blickfeld des Außenstehenden
gezeigt. Poirot ist Belgier, wirkt jedoch wie ein Franzose und hat ein orientalisches Aussehen.
Er glänzt durch seine tadellosen Manieren in der neuen Heimat, bleibt jedoch trotzdem
ein Fremder, der gerne von herablassenden Mitgliedern der feinen Gesellschaft auf seine Herkunft
angesprochen wird.
Der Kriminalfall ist spannend aufgebaut und zeigt uns die Ängste einer alten Dame, die umstände-
halber mit ihrer Nichte und deren Mann zusammenlebt. Seit geraumer Zeit weilt eine russische
Gesellschafterin im Haus. Die alte Dame gibt Poirot zu verstehen, dass sie um ihr Leben fürchtet
und erteilt ihm sozusagen den Auftrag, ihren Mörder zu fassen. In einer brillanten Eröffnungssequenz
erhalten wir Einblick in die geheimnisvolle Welt der Katrina Reiger. Sie ist eine russische Aristokratin,
die vermutlich vor Stalins Säuberungen in den Jahren 1936-38 geflüchtet ist. Man sieht sie stets ernst
und kurz angebunden. Trotzdem gelang es ihr, die Zuneigung der alten Dame zu gewinnen.
Die Überführung der Täterin ist ungewöhnlich inszeniert und zeigt erneut, dass Poirot anhand von
Kleinigkeiten in der Lage ist, finstere Mordpläne und Komplotte aufzudecken.
Der Kinderreim, den Mrs. Christie oft und gerne verwendet, spielt hier erneut eine große Rolle
und lädt zu Kombinationen über die Identität der Mörderin ein.
Eine hintergründige Folge, die einen perfekten Einstieg in die Serie bietet.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.478

27.08.2008 19:54
#4 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 03, Folge 02:

Die Reise auf der Queen Mary


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Pauline Moran. Als Gaststars: David Quilter, Ewan Hooper, Paul Young, Lizzy McInnerny, Oliver Parker, Natalie Ogle. Regie: Andrew Grieve. Drehbuch: Anthony Horowitz.

Die zweite Folge der dritten Staffel ist „Die Reise auf der Queen Mary“, basierend auf der Kurzgeschichte „Der raffinierte Aktiendiebstahl“ aus der Sammlung „Poirot rechnet ab“, Agatha Christies erstem Sammelband von Poirot-Kurzgeschichten aus dem Jahr 1924 (Deutschland 1959). In ihr begegnen wir keinem Mord, sondern der zweiten, in der vorliegenden Serie sehr präsenten Art, Verbrechen zu begehen: Diebstahl. Natürlich ist es nichtsdestotrotz ein wichtiger Fall, der Poirot dieses Mal an einen ganz besonderen Ort führt: an Bord eines großen Luxusschiffs.

Alles beginnt sehr vielversprechend mit einer atmosphärischen Regenszene in der Londoner City, in der ein Anschlag auf den Mitarbeiter der Bank, Mr. Shaw, auf spannende Art und Weise gezeigt wird. Schnell jedoch stellt sich Ernüchterung ein, denn leider kann „Die Reise auf der Queen Mary“ nicht mit Spannung und Tempo der ersten Episode der Staffel mithalten. Zu viele Szenen wirken sehr in die Länge gezogen oder gänzlich unnötig (als Beispiel seien das Deponieren der Bonds in dem Transportkoffer, das später sogar in der Auflösung noch einmal wiederholt wird, oder die doppelte Begegnung Poirots mit Miranda Brooks auf dem Schiff genannt). Auch der Kriminalfall als solcher ist zwar außergewöhnlich, aber recht durchsichtig. Sobald man hinter eine aufgrund des Aussehens des Schauspielers recht leicht zu durchschauende Maskerade gekommen ist, liegen die Erklärungen – oder zumindest die Täter – klar wie Kloßbrühe vor.
Auch die Darstellerleistungen sind nicht optimal, was auch an teilweise unpassenden und nervtötenden Synchronstimmen wie der von Miss Brooks liegen mag. Insbesondere sind die Charaktere hier zu überzeichnet. Während Hugh Frasers völlig überspitztes Spiel des kranken Captain Hastings noch äußerst amüsant anzusehen ist, wirken die abstoßende Charakterisierung des Sicherheitsbeamten, die lasterhafte Zeichnung Mr. Ridgeways und die dümmliche Naivität seiner Freundin ein wenig dilettantisch.

Nichtsdestotrotz kann die Folge auch einige wesentliche Vorzüge aufweisen, die zuallererst in der aufwendigen Umsetzung liegen. Mit alten Archivaufnahmen der Queen Mary, die mit neuen Szenen beinahe perfekt verquickt wurden, gestaltete man ein teils nostalgisch schwarzweißes, teils prächtig koloriertes Gesamtbild der Schifffahrt. Dazu kommt das sicher nicht billige Set des äußeren Decks sowie der Gänge, Kabinen und des Speisesaals auf dem Schiff. Hier gab man sich offenbar besonders viel Mühe.
Auch einige künstlerisch gelungene Aufnahmen finden sich hier. Das beste Beispiel ist wohl das Zerspringen der Tasse mit dem vergifteten Trunk, der Mr. Shaw strikte Bettruhe beschert. Mit dieser Einstellung weckte man sogar Bedenken für einen schlimmeren Ausgang dieses Attentats.

Alles in allem jedoch eine der unterdurchschnittlichen Folgen der Serie, der ich „nur“ 3 von 5 Punkten geben möchte.

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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.365

27.08.2008 20:11
#5 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Die Hauptrolle in dieser Episode spielt der britische Passagierdampfer "Queen Mary" der
Cunard-Linie, der am 27. Mai 1936 seine Jungfernfahrt nach New York antrat.
Die Originalwochenschau-Aufnahmen wurden sehr geschickt in die Folge montiert,
man sieht sogar Poirot und Hastings am Abfertigungsschalter warten.
Die Geschichte handelt von Sicherheitsbonds, die ein Angestellter einer renommierten
Bank persönlich in die Vereinigten Staaten bringen muss. Im Vorfeld werden potenzielle
Diebstahl-Szenarien erwogen, wobei sich mehrere Verdächtige ergeben.
Hercule Poirot erhält abermals Gelegenheit, sich in einem ihm würdigen Ambiente zu
bewegen. Captain Hastings fühlt sich in dieser Atmosphäre weit weniger wohl,
was vor allem auf eine Dame zurückzuführen ist, die ihm Herzeleid und Kummer
bereitet. Eine peinliche Neigung, wenn man bedenkt, dass die besagte Dame sich
in billigen Flitter kleidet und auch sonst wenig Liebreiz verbreitet.
Die aufwändige Kulisse tröstet über manche Drehbuchschwäche hinweg, denn die Welt
der Hochfinanz und der Luxusliner gab schon immer einen passenden Rahmen für einen
kniffligen Kriminalfall ab. Poirots Kombinationen führen natürlich wie immer zum Erfolg.
Leider gestaltet sich die Entlastung des jungen Bankangestellten nicht zur Zufriedenheit
des Zusehers. Seine Dame des Herzens glaubt, er werde das Glücksspiel aufgeben
und künftig ein redliches und arbeitsames Leben führen - wir wissen es besser.
Der heimliche Traum aller Angestellten - den eigenen Chef zu verhaften - geht ebenso
nicht lange in Erfüllung : Auch er wird aus der Untersuchungshaft entlassen.
Die Entlarvung des Hauptschuldigen ist auf die genaue Beobachtungsgabe von Poirot
zurückzuführen und straft die Eingangsszenen Lügen.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.478

28.08.2008 19:51
#6 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 03, Episode 09:

Mitgiftjäger


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Pauline Moran, Philip Jackson. Als Gaststars: John Stone, Kenneth Haigh, Julian Wadham, Alfredo Michelson, Marion Bailey, Shelagh McLeod, Steven Mackintosh, Leon Eagles. Regie: Andrew Piddington. Drehbuch: Rod Beacham.

Auch wenn „Mitgiftjäger“ als dritte Episode der dritten Staffel in der deutschen DVD-Collection enthalten ist, so ist sie aufgrund der tatsächlichen Erstsendereihenfolge in England eigentlich Folge Nummer 9. Die Erstausstrahlung erfolgte am 03.03.1991, wohingegen die in Deutschland als Folge 9 bekannte Episode „Maskenball“ bereits am 20. Januar gesendet worden war.
Eine weitere Differenz besteht darin, dass die Originalgeschichte „The Plymouth Express“ in Großbritannien 1926 in der Sammlung „The Under Dog and Other Stories“ erschien, im Deutschen aber gemeinsam mit einigen anderen Titeln aus diesem Band (zum Beispiel „Das Erbe der Familie Lemesurier“, „Das Abenteuer des Kreuzkönigs“ oder „Köchin gesucht“) im Buch „Auch Pünktlichkeit kann töten“, dessen Titel sich wiederum auf die Kurzgeschichte „Dead Man’s Mirror“ bezieht, die in England in „Murder in the Mews“ enthalten war. Soviel zur etwas verwirrenden Veröffentlichung verschiedener Christie-Kurzgeschichten.

In der Originalgeschichte von Agatha Christie, auf die ich später noch genauer eingehen möchte, ist der vorliegende Fall ein kleines, aber feines Gedankenspiel, das in der Verfilmung leider unnötig aufgebauscht und durch Nebenhandlungen verwässert wurde, während andere, meiner Meinung nach wichtige Details der Kurzgeschichte verloren gehen. Zwei dieser Details hier in Kurzform, die Nichtkenner der Folge auslassen sollten:
In der Verfilmung wird auf die Frage, woher die Verbrecher wussten, dass das Mordopfer ausgerechnet diese auffällige Kleidung tragen würde, keine befriedigende Antwort gegeben. Dabei hätte ein Satz schon gereicht, wie Poirot in der Erzählung beweist:
Zitat von „Das Geheimnis des Plymouth-Express“
„Eine Zofe kann gewöhnlich ihre Herrin bei der Wahl ihrer Toilette sehr beeinflussen.“

Ein anderer Zusammenhang, der in der Geschichte offensichtlicher gelöst wird als in der Filmadaption, ist Poirots Überzeugung, dass der Mörder eine Komplizin gehabt haben muss. Warum? Nicht nur, weil die Tote nicht als Geist über den Bahnsteig gegangen und mit dem Zeitungsjungen diskutiert haben kann, sondern auch aus einem anderen, verblüffend einfachen Grund. Wiederum hätte ein Satz, dieses Mal von Seiten Inspektor Japps, über den Täter genügt:
Zitat von „Das Geheimnis des Plymouth-Express“
„Arbeitet gewöhnlich mit einer Frau zusammen.“

So gelingt die Inszenierung zwar wiederum dank der Kulissen und des immer attraktiven Zugthemas recht gut, verläuft sich zwischen abermals gelungenen Szenen (Bahnhofsaufnahmen; Fotografen fallen über die Leiche her) aber von Zeit zu Zeit in völlige Nichtigkeiten.
Einen hervorhebenswerten Faktor im Geschehen gibt es dennoch: Im Gegensatz zu den holzpuppenhaften Figuren der letzten Folge wird hier eine fast als glänzend zu bezeichnende Charakterstudie abgeliefert. Mr. Halliday, der auf der einen Seite ein liebender Vater und nach dem Tode seiner Tochter ein gebrochener Mann ist, sich zu Beginn beinah rührend an Poirot wendet und nach dem Fall in Arbeit stürzt, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Auf der anderen Sache ist er gekennzeichnet durch seine private Fehde mit Mr. Carrington, den er aufgrund zu starker Vaterliebe für einen nichtsnutzigen Lump hält – eine offensichtlich falsche Verurteilung, die er bis zum Schluss nicht einsieht.

Abschließend möchte ich noch einige Worte der Kurzgeschichte „Das Geheimnis des Plymouth-Express“ widmen: Besonders interessant ist hier die Kennzeichnung der Beziehung zwischen Hercule Poirot und Inspektor James Japp. Die ersten Worte, die Japp Poirot gegenüber äußert, als letzterer ihm bei den Ermittlungen begegnet, sind:
Zitat von „Das Geheimnis des Plymouth-Express“
„Und wie geht es Ihnen, Monsieur? Kein böses Blut zwischen uns, wie? Wenn wir auch von verschiedenen Gesichtspunkten aus an die Sache herangehen. Was machen denn die kleinen grauen Zellen? Immer noch tüchtig in Betrieb?“

Tatsächlich ist es besonders die unterschiedliche Herangehensweise der Detektive, die den Kontrast so hervorragend herausarbeitet. Während Poirot der theoretische Denker ist und sich erst zufrieden gibt, wenn er eine Erklärung findet, die zu allen winzigen Details passt, so handelt es sich bei Japp um einen „typischen“ Polizisten, der zwar dienstbeflissen und erfahren ist, aber einen großen Mangel hat, auf den Poirot natürlich hinweist:
Zitat von „Das Geheimnis des Plymouth-Express“
„Der gute Japp ist sehr für Bewegung [...]. Er reist, er misst Fußspuren, er sammelt Erde und Zigarettenasche. Er ist äußerst geschäftig und unbeschreiblich eifrig. Aber wenn ich das Wort Psychologie erwähnte, was würde er dann tun? Er würde lachen! Er würde vor sich hin sagen: ‚Der arme Poirot! Er wird alt! Er wird senil!’ Japp gehört zur ‚jüngeren Generation, die an die Tür pocht’, wie man so schön sagt, und die vor lauter Eifer gar nicht merkt, dass die Tür offen ist!“

Auch wenn man meinen sollte, dass sich die zwei so grundverschiedenen Männer, die so wenig von den Methoden des anderen halten, nicht gesonnen sind, so beweist Agatha Christie am Ende der Geschichte, dass man mit dieser Schlussfolgerung wieder einmal aufs Glatteis geführt worden ist und Poirot erneut einen Trumpf in der Hinterhand hat:
Zitat von „Das Geheimnis des Plymouth-Express“
Poirot lächelte bescheiden. „Der gute Japp soll nur die Lorbeeren ernten. Er ist gerannt, ich habe das Rennen gemacht.“

Man weiß nicht, ob man über die Zuneigung der beiden Ermittler oder über Poirots egozentrischen Stolz schmunzeln soll.

Die Folge selbst basiert auf einer Geschichte, die zwar ein cleveres Problem beschreibt, aber nicht für 50 Minuten Spielzeit gemacht ist. Die Erweiterungen sind hier aber leider wenig gelungen, sodass ich abermals 3 von 5 Punkten vergebe.

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Gubanov Offline




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31.08.2008 12:19
#7 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 03, Episode 05:

Geistergeschichten


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Philip Jackson. Als Gaststars: Ian McCulloch, Geraldine Alexander, Neil Duncan, Anita Carey, Desmond Barrit, Ralph Watson, Edward Jewesbury, Geoffrey Swann. Regie: Renny Rye. Drehbuch: David Renwick.

Innerhalb der gepflegten britischen Krimi-Reihe „Poirot“ nimmt die Episode „Geistergeschichten“ eine recht außergewöhnliche Position ein. Im Gegensatz zu anderen Folgen, die sich stark auf den Mord und die Ermittlungen Poirots stützen, herrschen hier viele Gruseleffekte vor. Das beginnt schon in der ersten Szene, in der Mrs. Maltravers den Geist einer toten Frau in den Zedern sehen will, setzt sich mit dem Blut an ihrem Spiegel, dem Wachsfigurenkabinett, dem afrikanischen Talisman und den Gasmasken beim nationalen Verteidigungstag fort und findet seinen Höhepunkt in der Szene der Täterüberführung. Nicht umsonst also trägt die deutsche Fassung einen passenden Titel, der auf die Geschehnisse der Folge vorbereitet.

Das Setting dieser Folge ist besonders gelungen. Viele klassische Schauplätze werden werden wirkungsvoll verbunden: das Landschloss (ein wundervolles Anwesen mit einem grandiosen Glaspavillon und schönen Freitreppen im Außenbereich), das Dorfgasthaus, welches inmitten des Schreckens eine heimelige Atmosphäre versprüht, das bereits erwähnte Wachsfigurenkabinett...
Auch die Schauspieler laufen zu Höchstformen auf. Agatha-Christie-Fans begegnen hier dem wohlbekannten Gesicht von Geraldine Alexander, die bereits 1986 in der Joan-Hickson-Verfilmung „Ruhe unsanft“ eine tragende Rolle spielte. Hier ist sie als die verängstigte und abergläubische Frau des Mordopfers zu sehen, deren Rolle eine interessante Wendung nimmt. Die übrige Riege macht ihre Sache ebenfalls gut, allen voran die korrekte Sekretärin und der humoristische Sidekick des Gastwirts.

Wo gerade von Humor die Rede ist, so muss auch in diesem Punkt der Folge „Geistergeschichten“ ein dickes Lob ausgesprochen werden. Die außerordentlich gruseligen Szenen werden hier nämlich mit einem Gros an lustigen Aktionen und Anspielungen gewürzt. Besonders das Zusammenspiel von Poirot und dem Wirt ist ein Kabinettstückchen: die Wut in den Augen des Detektivs, als dieser erfährt, dass der Fall, wegen dem er gerufen wurde, nur auf dem Papier existiert, die Beleidigung, mit der er den Gasthausbesitzer daraufhin behandelt, und die Genugtuung, als dieser ihm am Ende doch noch helfen kann. Auch der im Booklet der DVD erklärte Seitenhieb mit dem Frauenpseudonym sollte nicht unerwähnt bleiben: Der Möchtegernautor arbeitet unter einem der Vornamen Agatha Christies!
Weitere amüsante Szenen sind folgende: Poirot bedeutet dem Polizeiauto, den Weg freizugeben. Die Arzthelferin meldet Poirot beim Doktor mit den Worten „Er sagt, er leide an ‚Urkule Porro’“an. Niemand scheint Poirots Ebenbild aus Wachs Beachtung zu schenken.

Eine rundum gelungene Folge mit Spannung, Grusel und Witz, temporeich und von guten Schauspielern vorgetragen, kann nur eine Wertung erhalten: 5 von 5 Punkten.

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Percy Lister Offline



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31.08.2008 20:03
#8 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

In dieser Episode wird Poirot von einem Landgasthof-Besitzer um Rat zu drei Mordfällen gebeten,
allerdings wurden diese Morde nur auf dem Papier verübt, was Poirot, der extra mit Hastings
angereist kommt, dem Wirt sehr übel nimmt. Er will am nächsten Morgen abreisen, wird jedoch
von einem realen Todesfall aufgehalten.
Mrs. Maltravers betrauert ihren Mann, der tot vor einer wuchtigen Zeder liegend aufgefunden
wurde. Er ist offensichtlich innerlich verblutet. Seine Augen sind vor Entsetzen geweitet.
Einer alten Legende nach spukt es in der Krone des Baumes. Eine junge Frau hat sich vor
Jahrzehnten vom Wipfel der Zeder in den Tod gestürzt und ihr Gesicht und ihr Lachen sollen
von der jungen Witwe des Gutsbesitzers schon seit einiger Zeit gehört worden sein.
Poirot beginnt sich für den Fall zu interessieren und untersucht das Gelände um das herrliche
Anwesen, das wunderbar in Szene gesetzt wurde. Die Kamera spielt mit Licht und Schatten,
liegt auf dem Boden und fährt dann wieder in die Höhe. Die herbstliche Landschaft und ein
alter Friedhof vermitteln eine unheimliche Stimmung - die Ankunft des Winters, der alles Leben
erlöschen läßt. Eine Metapher auf den baldigen Eintritts Großbritanniens in den Krieg,
der durch eine Notfallübung des Zivilschutzes in der Stadthalle eindrucksvoll angezeigt wird.
Eine Gruppe Frauen mit Gasmasken, von denen eine unmittelbar in Lebensgefahr ist.
Der Faschismus war auch in England präsent. Oswald Mosley hatte 1932 die "British Union
of Fascists" gegründet und sich im April 1935 in München mit Hitler getroffen.
Mrs. Maltravers erwacht aus der Betäubung durch das Chloroform, sieht sich aber bald mit
einer weitaus gefährlicheren Situation konfrontiert.
Hercule Poirot kann die Person, welche Mr. Maltravers getötet hat, durch den Einsatz von
Gruseleffekten überführen und schlägt sie somit mit den eigenen Waffen.
Die Abendessen-Szene ist unheimlich inszeniert und schafft es, mit einfachen Mitteln eine
große Wirkung zu erreichen. Poirot bietet dieser Fall eine Reihe von Deduktionen und
zeigt uns wieder einige Seiten seines vielseitigen Charakters.

Gubanov Offline




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03.09.2008 15:56
#9 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 03, Episode 03:

Maskenball


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Pauline Moran, Philip Jackson. Als Gaststars: Mark Crowdy, David Henry, Haydn Gwynne, Nathaniel Parker, Natalie Slater, Kate Harper, Andrew Burt, Charles Collingwood, Brian Mitchell. Regie: Renny Rye. Drehbuch: Andrew Marshall.

Zitat von „Maskenball“
„Die Comedia dell’Arte, eine volkstümliche italienische Form von Stehgreifkomödie aus dem 16. Jahrhundert. Schrill, grotesk, gierig, traurig, verzweifelt. Sechs Figuren, sechs Charaktere – heute nichts weiter als kostümierte Gestalten auf einem Maskenball. Ihr Mysterium, ihr Zauber, ihre Komik, ihre Tragik – wo sind sie geblieben?“

Mit diesen Worten, gesprochen von Hercule Poirot, wird diese dritte Folge der dritten Staffel (nähere Anmerkungen zur Chronologie siehe „Mitgiftjäger“) eingeleitet. Sie führen den Zuschauer bereits in das Flair ein, das diese Folge umgibt: verkleidete Gestalten, Geheimnisse, Tragik und natürlich – sechs mit der Tat in Zusammenhang stehende Personen. Für eine Poirot-Episode gibt es also eine recht hohe Anzahl von Verdächtigen, was der Folge sehr zugute kommt. Umso spannender gestaltet sich die Suche nach einem zweifachen Mörder und dessen Entlarvung. Sowohl die Taten als auch die Ermittlungen und die Überführung gestalten sich dieses Mal ganz besonders: Beide Mordszenen sind in wunderschönen Bildern mit hochgelungenen Kontrastschnitten inszeniert. Während beim ersten Verbrechen zwischen der mit einem Messer erstochenen Leiche des Lord Cronshaw und der jubelnden Menge auf dem Siegesball hin- und hergeschnitten wird (die Atmosphäre durch Jubel, Tanz, Luftballons und Maskerade ist wahrhaft mitreißend), hört man nach dem Auffinden der zweiten Leiche, der der Schauspielerin Coco, deren eigene Stimme als Radioaufzeichnung: „Er gab mir das Gefühl, wieder jung zu sein wie ein neugeborenes Reh. Ich habe die Welt um mich herum mit neuen Augen gesehen; selbst der Himmel kam mir blauer vor.“
Im Laufe der Ermittlungen begegnet der Zuschauer wieder einmal sowohl Japp als auch Hastings und Miss Lemon. Auch eine Szene in der bereits vertrauten Leichenhalle ist wieder enthalten. Der Schluss, an dem Poirot mit gewohntem Akzent im Radio (!) den Täter bloßstellt, ist ebenfalls einmalig. Später erfährt man noch, dass sich Radiozuhörer über den französischen Akzent des Sprechers beschwert haben.

Wie bereits im Booklet zu lesen ist, ist es verwunderlich, dass in einer von der Konkurrenz produzierten Serie das Radio der BBC eine so große Rolle spielt. Auf jeden Fall ist es eine tolle Zutat, die den Fall um ein weiteres Quäntchen unikater macht und Hastings als Allerweltsmensch mit typischem Interesse für den Wetterbericht und Miss Lemon als Kennerin der Materie überführt. Einige doppeldeutige Anmerkungen konnte man sich trotzdem nicht verkneifen und so bekommt man unter anderem über das BBC-Radio zu hören: „Erstaunlich, was man sich da alles erlauben kann.“

Als gelungen darf man wieder einmal die Besetzung der Folge bezeichnen. Trotz der Menge an Figuren, die recht schnell eingeführt wird, kommt man aufgrund der guten Darsteller und natürlich auch der guten Kostüme wegen nicht durcheinander.

Poirot als Belgier bei einer britischen Siegesfeier, statt derer er lieber Briefmarken sortiert hätte, und zwei außergewöhnliche Verbrechen in hervorragender Inszenierung. Was will man mehr? Von mir gibt es volle 5 von 5 Punkten für eine Episode mit allen eingangs genannten Facetten der Komödienfiguren und einem Kriminalfall, der den 50 Minuten Sendezeit ohne Probleme gewachsen ist.

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Gubanov Offline




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06.09.2008 20:22
#10 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 02, Episode 07:

Doppelte Sünde


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Pauline Moran, Philip Jackson. Als Gaststars: Adam Kotz, Caroline Milmoe, Elspet Gray, David Hargreaves, Gerard Horan, Michael J. Shannon, Amanda Garwood. Regie: Richard Spence. Drehbuch: Clive Exton.

„Doppelte Sünde“, basierend auf einer Kurzgeschichte Agatha Christies aus dem Jahr 1961 (Erstveröffentlichung als Buch im Sammelband „Poirot’s Early Cases“ im Jahr 1974), wurde am 11.02.1990 ausgestrahlt. Regisseur Richard Spence drehte neben dieser Folge nur noch „Die Augen des chinesischen Gottes“, ebenfalls Staffel 2, für die Poirot-Reihe, während Clive Exton in dieser Hinsicht ein umso fleißigeres Bienchen war: Für die Serie steuerte er zwischen 1989 und 2001 ganze zwanzig Drehbücher bei und betätigte sich in sieben weiteren Folgen als Scriptberater. Erwähnenswert ist auch seine Mitarbeit an der Francis-Durbridge-Serie „The World of Tim Frazer“ aus den Jahren 1960 und 1961.

Die Folge selbst versteht es gut, einen kleinen und recht unbedeutenden Kriminalfall so geschickt auszustaffieren, dass die Unmengen an Füllmaterial sich harmonisch ins Gesamtbild einfügen. Poirots Bestreben, in Rente zu gehen (was er sich glücklicherweise noch einmal anders überlegt), Hastings Übernahme der Ermittlungen, die Vortragsreihe Chiefinspector Japps und Poirots Eifersucht, die Komikelemente um die Landpolizisten, der Ausbau der Geschichte um den Kriminalautor Norton Kane und seine Geliebte und vieles mehr lassen den Fall an sich fast in den Hintergrund treten. Aus letzterer Ergänzung ein kleines, pikantes Filmzitat. Die Geliebte Kanes wird festgenommen und ruft Hastings etwas zu, worauf er nur beschämt antworten kann:
Zitat von Doppelte Sünde
„Wissen Sie denn nicht, wie es ist, wenn man einen Mann liebt?“ – „Nun, äh, nein, äh, also eigentlich nicht.“

Was Chiefinspector Japps Vortrag über seine großen Fälle angeht, so ist es eine reine Freude, Poirots Reaktionen als heimlicher Mithörer zu verfolgen. Allein für diese mimischen Glanzstunden Suchets hat diese Folge bzw. das clever eingefädelte Drehbuch ein Lob verdient.
Was allerdings die Nebenhandlung mit Miss Lemon und dem verlorenen Schlüssel bedeuten soll, bereitet mir Kopfzerbrechen. In Bezug auf das eigentliche Geschehen macht dieser Seitenstrang keinerlei Sinn und am Ende gab es nicht einmal eine Wiedersehensszene, bei der Miss Lemon das wiedergefundene Objekt hätte einsetzen können.

Trotz des recht dünnen Hauptplots überzeugt die Auflösung, die mit der Versammlung der Beteiligten im Hotel, im Übrigen in Wahrheit tatsächlich das Midland Hotel in Morecambe, einen würdevollen Höhepunkt bildet. Hier zeigen sich die wahren Gesichter der Protagonisten. Die Beteiligten machen ihre Sache gut und glaubwürdig. Besonders die junge Caroline Milmoe hat einen einprägsamen Auftritt als naiv-sympathische Mary Durrant.

Das viele Drumherum tut in dieser Folge Not. Es stört nicht, sondern macht den Fall zu einem kleinen Unikum in der Serie. Deshalb und wegen der wunderbaren Landschaftsaufnahmen am Meer im britischen Norden 4 von 5 Punkten.

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Percy Lister Offline



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07.09.2008 12:39
#11 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

In dieser Folge begleiten wir Hercule Poirot und Captain Hastings auf einer Omnibus-Fahrt.
Dabei zeigt sich erneut, dass Hastings weniger Wert auf Bequemlichkeit legt, als sein
belgischer Freund. Poirot misstraut allen Unternehmungen, die ihn in unwirtliche Gegenden
führen, wo er nicht nur Regen und Kälte, sondern auch noch unwissenden Landbewohnern
ausgesetzt ist, die von seiner Reputation als Meisterdetektiv noch nie etwas gehört haben.
Auf dieser Busreise begegnen sie der jungen Mary Durrant, die bei ihrer Tante eine Lehre
als Antiquitätenhändlerin absolviert. Sie soll einen Koffer mit wertvollen Miniaturen zu
einem Kunden bringen und den Verkauf abwickeln. Darüber spricht sie offen mit Poirot
und Hastings, was dem Detektiv bereits verdächtig vorkommt. Sie weiß natürlich nicht,
dass er der berühmte Detektiv ist, sondern hält ihn für einen Zauberer.

"Sie glauben, ich hole Kaninchen aus Hüten ? Nein, Mademoiselle. Ich bin genau das
Gegenteil von einem Zauberer. Der Zauberer läßt Dinge verschwinden. Ich sorge dafür,
dass Dinge, die verschwunden sind, wiederauftauchen."

Es zeigt sich wieder einmal, dass Poirot über die bessere Menschenkenntnis verfügt.
Hastings findet Mary Durrant charmant, während Poirot es ungehörig findet, so
leichtfertig zwei Fremde ins Vertrauen zu ziehen.
Im Gegensatz zur Vorlage, brennt Norton Kane - der Mann mit dem kläglichen Bärtchen -
in dieser Verfilmung mit seiner aristokratischen Geliebten durch und versucht
dies wegen der Presse zu vertuschen.
Daraus ergibt sich eine amüsante Verfolgungsszene, in der Hastings am Steuer eines
Polizeiwagens durch die schmalen Landstraßen jagt. Durch Hastings Nachforschungen wird
die Handlung gestreckt ( Gespräch mit einem Fährmann, der Passagiere über den See
befördert, Dialog zwischen Norton Kane und seiner Freundin im Landhotel ).
Wie in vielen anderen Geschichten von Agatha Christie wird auch hier mit Masken und
Verkleidungen gearbeitet. Poirot läßt sich jedoch nicht täuschen.
Ein Faktor, der in der Buchvorlage ebensowenig vorkommt, ist die Anwesenheit von
Chief Inspector Japp, der eine Lesereise durch den Norden Englands abhält und
"zufällig" in der selben Stadt, in der Poirot und Hastings abgestiegen sind, einen
Vortrag hält. Die Szene im Gemeindesaal, als Poirot heimlich Japps Ausführungen
lauscht, ist wunderbar inszeniert. Anfangs glaubt man, der Chief Inspector wolle
Poirots Leistungen herabsetzen, wird dann jedoch angenehm überrascht.
Die Pointe am Ende der Episode - als Poirot ein Zeitungsartikel über Japps Lesetour
aus dem Mantelärmel fällt, sorgt für ein Schmunzeln.
Das bewährte Filmteam hat diesen schlichten Kriminalfall wirkungsvoll umgesetzt
und mit vielen liebevollen Details ausgeschmückt.

Gubanov Offline




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07.09.2008 15:09
#12 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Staffel 02, Episoden 01 und 02:

Das Haus auf der Klippe


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Pauline Moran, Philip Jackson. Als Gaststars: Polly Walker, John Harding, Jeremy Young, Mary Cunningham, Paul Geoffrey, Alison Sterling, Christopher Baines, Carol Macready, Elizabeth Downes, Godfrey James, John Crocker, Geoffrey Greenhill, Joe Bates, Jane Paton, Fregus McLarnon, Jenny Funnell, Janice Cramer, Edward Pinner. Regie: Renny Rye. Drehbuch: Clive Exton.


Quelle: wikipedia.org

Poirot ermittelt dieses Mal im Ferienort St. Looe. Den Ort Looe an der kornischen Küste, etwa 20 Kilometer von Plymouth entfernt, gibt es tatsächlich und er stand mit seinem wunderbaren Charme auch für die Dreharbeiten dieser Folge zur Verfügung. In warmes Sonnenlicht getaucht, bilden die gepflegten, provinziellen und ein wenig dekadenten Straßen des Badeortes einen Kontrast zu dem dunklen und verlassen wirkenden End House.
Der Roman „Das Haus an der Düne“ von Agatha Christie erschien 1932 unter dem Titel „Peril at End House“ in London und New York und war, bevor er 1990 mit Suchet verfilmt wurde, bereits anderweitig umgesetzt worden. „Das große Agatha-Christie-Buch“ von Dawn B. Sova aus dem Scherz-Verlag gibt folgende Auskunft:

Zitat von „Das große Agatha-Christie-Buch. Ihr Leben und ihre Romane von A bis Z.“
Arthur Ridley bearbeitete die Geschichte für die Bühne. Das Stück feierte mit Francis L. Sullivan als Hercule Poirot am 01. Mai 1940 am Vaudeville Theatre in London Premiere.


Der Fall gehört zu den klassischen Krimiplots der frühen Hochphase Agatha Christies in den 1930er Jahren. Ein Mord, der eigentlich einfach erscheint, wird durch weitere Mordanschläge zu einem schier unlösbaren Rätsel. Im Zentrum des Geschehens stehen die vier Freunde Nick Buckley, Commander George Challenger, Frederica „Freddie“ Rice und Jim Lazarus. Auch wenn sie alle als moderne, junge Menschen gezeigt werden, die einen freien und unkonventionellen Lebensstil führen, so tauchen doch im Laufe des Films große Unterschiede auf zwischen der lebhaften Nick (einprägsam von Polly Walker dargestellt) und der ruhigen, oft verletztenden Freddie sowie dem augenscheinlichen „Saubermann“ Challenger und dem verdächtigen Galeriebesitzer Lazarus.
In Bezug auf die jüngere Generation wie auch auf die anderen Charaktere wird hier der Christie’sche Running Gag „Wer kennt Hercule Poirot?“ auf die Spitze getrieben. Immerzu erwartet Poirot, die Leute müssten ihn doch kennen, doch er erntet die unterschiedlichsten Reaktionen auf seine eingebildete Popularität. Auch im Buch – einem der acht Christie-Romane, der von Captain Hastings erzählt wird - wird die Unwissenheit Nicks beschrieben:

Zitat von „Das Haus an der Düne“
Altersmäßig trennte [Poirot und das Mädchen] eine tiefe Kluft. Sein Ruhm und sein Ruf waren für sie ohne Bedeutung – sie gehörte einer Generation an, die nur die berühmten Namen der Gegenwart kennt. Aus diesem Grund machten seine Warnungen keinen großen Eindruck auf sie. In ihren Augen war er lediglich ein drolliger älterer Ausländer mit einer herrlich dramatischen Ader.


Poirots dramatische Ader wird auch durch die Séance am Ende des Buches bzw. des Films verdeutlicht. Die Überführung, die natürlich vor versammeltem Publikum stattfindet, ist wieder einmal raffiniert eingefädelt. Im Buch wird die unheimliche Séanceszene, die im Film in Slow Motion umgesetzt wurde, wie folgt beschrieben:

Zitat von „Das Haus an der Düne“
Dieses Dasitzen und Warten im Dunkeln erzeugt eine beinahe unerträgliche Spannung. Es ist mir durchaus bewusst, dass auch ich ein Opfer meiner angespannten Nerven wurde, wie sicherlich alle anderen auch. Jedoch hatte ich als Einziger wenigstens eine vage Ahnung davon, was passieren sollte. Ich allein wusste Bescheid über die entscheidende Tatsache. Und trotz allem fiel mir das Herz in die Hose, als ich sah, wie sich die Esszimmertür langsam öffnete.


„Die entscheidende Tatsache“ behalte ich fairerweise für alle, die die Geschichte noch nicht kennen, lieber für mich.

Im Roman gibt es zu Beginn einen Umstand, der für die Verfilmung eliminiert wurde. Vielsagenderweise wurde er dann in der gestern besprochenen Folge „Doppelte Sünde“ wieder eingebaut – für beide Drehbücher zeichnete Clive Exton verantwortlich: Poirot möchte sich zur Ruhe setzen. Captain Hastings ist über diese Nachricht natürlich schockiert:

Zitat von „Das Haus an der Düne“
„Ich habe mich zurückgezogen – meine Karriere ist beendet.“
„Aber Sie sind noch lange nicht am Ende!“, rief ich mit großer Wärme aus.
Poirot tätschelte mein Knie. „Da spricht der wahre Freund – der treue Weggefährte.“


Hieraus erkennt man einmal mehr die herzliche Beziehung zwischen dem belgischen Meisterdetektiv und dem gutmütigen Hauptmann. Im Film findet sich, wie bereits erwähnt, diese Entscheidung Poirots nicht wieder. Im Gegenteil: Als wollte Exton sie ausgleichen, ist Poirot hier besonders eifrig bei der Sache. Zu Beginn des zweiten Teils, als Hastings zum Golfspielen gehen möchte, tadelt er ihn und schleppt ihn zu weiteren Ermittlungen mit, um keine Zeit zu verlieren.
Ein weiterer Unterschied zwischen Buch und Film ist das Kennzeichen Nicks, das Maggie während ihrer Ermordung trug und wegen dem man annahm, dass Nick Buckley eigentlich das Opfer werden sollte: Während es sich im Original um einen Schal handelte, wurde es in der Adaption zu einem Cape.
Auch keine Erwähnung im Film findet die Liste, derer sich Poirot zur Lösung des Falles bedient. Er fertigt sich im Roman eine Aufstellung aller Verdächtigen an, unter besonderer Berücksichtigung nicht nur der auftretenden Personen A bis I, sondern auch des unbekannten Faktors J.
Der Film „Das Haus auf der Klippe“ ist dafür in einem anderen Punkt ausführlicher: Er baut Miss Lemon ein und gibt ihr einige Ermittlungsarbeit selbst zu tun – eine clevere Entscheidung. So macht sie sich daran, Informationen über einen gewissen Dr. MacAllister herauszufinden – einen „Frauenarzt“, aber keinen Gynäkologen... Eine seiner Patientinnen ist übrigens Lady Lowestoft, die dem Wort „Lowestoft“, das aufmerksame Zuschauer bereits aus der Folge „Maskenball“ kennen, nach dem ostenglischen Städtchen und der Porzellanmanufraktur dieses Namens eine dritte Bedeutung verleiht.

Mit diesen vielen kleinen Aspekten und einnehmenden Darstellern gelingt es dieser Doppelfolge, die bereits eine Voreinstimmung auf spätere Langfolgen sein sollte, den Zuschauer von Anfang bis Ende zu fesseln, auch wenn das Tempo von Zeit zu Zeit etwas zu gemächlich wirkt. 4,5 von 5 Punkten.

Abschließend eine Rezension zum Roman „Peril at End House“ von Matthew Christensen, dem Betreiber des Blogs christieinayear:

Gubanov Offline




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14.09.2008 12:34
#13 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten
Staffel 03, Episode 10:

Geheimnisvoller Mord im Jagdhaus


Mit: David Suchet, Hugh Fraser, Philip Jackson. Als Gaststars: Diana Kent, Jim Norton, Shaughan Seymour, Roy Boyd, Bernard Horsfall, Victoria Alcock, Clare Travers-Deacon, Christopher Scoular, Raymond Trickitt, Arthur Whybrow, Denyse Alexander. Regie: Renny Rye. Drehbuch: T.R. Bowen.

Zitat von „Geheimnisvoller Mord im Jagdhaus“
„Es hat geklungen, als ob der Himmel einstürzt.“

Gern beginne ich mit so stimmungsvollen und melodramatischen Zitaten, die den Reiz mancher englischen Krimiepisode ausmachen. Hier geht es um den bereits im Titel erwähnten Mord im Jagdhaus, der entsprechend seines prominenten Namens auch eindrucksvoll und mit ungewöhnlichen Kameraeinstellungen in Szene gesetzt worden ist.
Auch den Rest der Folge kann man getrost als „eindrucksvoll“ bezeichnen: Die Winteratmosphäre, die sich bereits während der ersten Szene so eindringlich in der Vorstellungskraft des Zuschauers einprägt, dass man die ganze Folge über nach einer warmen Wolldecke und Mr. Enstruthers Brombeertee lechzt. Poirots Erkältung – natürlich lebensbedrohlich ;-) – und die vielen Einstellungen unter freiem Himmel tun ihr übriges.

Die Darsteller der Episode tragen zur individuellen Charakterisierung der Protagonisten bei. Einprägsam sind vor allem die willensstarke Zoe, gespielt von Diana Kent, und der tollpatschige Dorfschullehrer Archie (Shaughan Seymour), dessen berufliche Tätigkeit einen Einblick in ein düsteres Klassenzimmer einer Landschule der 1930er Jahre gewährt.
Ausgestrahlt wurde „Geheimnisvoller Mord im Jagdhaus“ am 10. März 1991. Die Regie führte Renny Rye, der sieben Folgen der Serie inszenierte und sich in den Staffeln 1 bis 3 mit stets gelungenen Episoden hervortat. So wie auch sein „Das Haus an der Düne“ oder „Maskenball“ gehört „Geheimnisvoller Mord im Jagdhaus“ zu den gelungenen Klassikern dieser Serie, in dem man wieder einmal mit einer gehörigen Prise Humor und einer schönen Nebenhandlung um Poirot verwöhnt wird. Diese Zutaten dürften vor allem aus der Feder des Drehbuchautors Trevor Bowen stammen, der vor allem für sein aktives Mitwirken an der Sherlock-Holmes-Serie mit Jeremy Brett und den Miss-Marple-Folgen mit Joan Hickson bekannt ist.

Nicht nur im Winter einen Blick wert und auch beim wiederholten Sehen keineswegs „föhrig“. 4,5 von 5 Punkten.

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Percy Lister Offline



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14.09.2008 12:47
#14 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

In dieser Folge spielen zwei Transportmittel eine große Rolle : die Eisenbahn und das Fahrrad.
Sie bringen Bewegung in den Handlungsverlauf, denn sie werden vom Mörder als Verkehrs-
mittel genutzt, um an den Tatort zu gelangen.
Als kleines Geheimnis am Rande beschäftigt sich Poirot mit dem Verschwinden des Rades
von Mr. Anstruther, dem Bahnbeamten, der alle Fahrpläne im Kopf hat und eine große
Anhänglichkeit für sein Fahrrad zeigt, die jedoch plötzlich erlischt, als Poirot ihm am Ende des
Kriminalfalls das etwas ramponierte Rad zurückbringt.
Poirot und Hastings sind in den winterlichen Norden Englands gereist, um als Gäste an einer
Moorschneehuhn-Jagd teilzunehmen. Poirot, der sich nur aus kulinarischen Gründen abseits
der Jagdgesellschaft aufhält, erkältet sich im Schnee und muss einige Tage das Bett hüten.
Deshalb kann er den Mord, der sich im Jagdhaus ereignet, in Ruhe von seinem Kranken-
lager aus verfolgen. Hastings obliegt die Aufgabe, die Verdächtigen zu ihm zu bringen
und mit Chiefinspektor Japp die Fährte aufzunehmen. Im Mittelpunkt des Verdachts steht
die Haushälterin Mrs. Middleton, die nach dem Mord unauffindbar ist. Poirot gelingt es,
eine Jagdhündin mit ausgezeichneter Spürnase für die Entlarvung des Täters einzusetzen,
während er gleichzeitig die finanziellen Hintergründe für den Mord am Familienoberhaupt
der Haverings beleuchtet und gedeutet hat.
Wieder einmal handelt diese Geschichte vom Spiel mit falschen Alibis und Identitäten,
die für Mrs. Christie so typisch sind. Da sehr viele Szenen am Abend bzw. in der Nacht
spielen, ergibt sich daraus eine unheimliche Atmosphäre, die durch den Einsatz von
Grau- und Brauntönen mit düsterer Melancholie vermischt wird.
Wie so oft, haben wir es hier mit einem Mordopfer zu tun, dessen Tod uns nicht weiter
berührt. Der Blick ist nach vorne gerichtet. Die Erläuterung Poirots, wie die Tat durch-
geführt wurde, interessiert uns weit mehr. Durch Suchets liebenswerte Darstellung
des kranken, dadurch seines Appetits beraubten Detektivs gewinnt die Handlung
menschliche Züge. Umso größer ist anschließend seine Enttäuschung, dass der Bahn-
beamte sein Fahrrad nicht mehr wiederhaben möchte. Poirots Aufmerksamkeit gilt -
im Gegensatz zur Polizei - nämlich vor allem den unscheinbaren Nebensächlichkeiten,
die für die Klärung eines Rätsels oft so wichtig sind.


Gubanov Offline




Beiträge: 14.478

14.09.2008 12:52
#15 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Die Szenen mit dem Hund erinnern mich irgendwie an Sherlock Holmes in "Das Zeichen der Vier".


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