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Blap Offline




Beiträge: 1.128

17.09.2012 22:58
#4936 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten





Detention - Die Lektion heißt Überleben (Kanada 2003, Originaltitel: Detention)

Dolph! Vertrauenslehrer für alle Fälle!

In den frühen neunziger Jahren war Sam Decker (Dolph Lundgren) Mitglied einer Spezialeinheit der Army, die im Krieg auf dem Balkan mit heiklen Missionen betraut war. Inzwischen liegt diese Zeit rund zehn Jahre zurück, Decker verdient seine Brötchen als Lehrer an einer High School. Da er mit diesem Job nicht mehr sonderlich glücklich ist, reicht er bei seinem Chef kurz vor dem Wochenende die Kündigung ein. Der Schuldirektor lässt die gute Lehrkraft nicht gern ziehen. Als kleine "Rache" würgt er Decker die undankbare und nervige Aufgabe rein, die am Freitagnachmittag zum Nachsitzen verdonnerten Kids zu beaufsichtigen. Decker stellt sich auf einen langweiligen Nachmittag ein, doch von Langeweile kann bald nicht die Rede sein! Vier Schwerverbrecher dringen in das Schulgebäude ein, wollen dort ihre Vorbereitungen für einen cleveren Raubzug durchziehen. Die Bande hatte lediglich den Wachmann auf der Rechung, schnell stellen die unfreundlichen Eindringlinge fest, dass sich noch ein Lehrer und vier Schüler im Gebäudekomplex befinden. Damit aber noch nicht genug, denn in der Bibliothek ackert ein fleissiger Schüler Stoff durch, ein Pärchen treibt sich in den Räumlichkeiten der Haustechnik herum. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt, denn alle "offiziellen" Ausgänge des Schulgebäudes sind per Sicherheitssystem verriegelt, den "inoffiziellen" Ein-/Ausgang kennen bisher nur die skrupellosen Kriminellen. Hilfe von ausserhalb ist nicht zu erwarten, die Telefonleitungen wurden von den Bösewichtern vorsichtshalber gekappt. Handys sind ebenfalls nicht greifbar, schliesslich sind die kleinen Nervtöter innerhalb der Schule strikt untersagt. Kann Sam die Bande stoppen, welche Ziele verfolgen die Gauner tatsächlich???

Die letzte Sichtung lag bereits vier Jahre zurück, daher habe ich den alten Kurzkommentar leicht überarbeitet.

Hui, das war wirklich ein geiles Date mit einem feinen B-Actioner! "Detention" hat mir sehr gut gefallen, der starke Eindruck wurde durch die erneute Session gefestigt!

Dolph zeigt sich in gewohnt guter Spiellaune, die übrigen Charaktere wurden brauchbar besetzt, verblassen aber im mächtigen Schatten des Meisters. Sicher gibt es diverse Szenen mit grotesken Momenten. So ballern die Gauner teils wild um sich, scheinen aber aus drei Metern Entfernung keinen Möbelwagen zu treffen. Eine herrliche Verfolgungsjagd darf nicht fehlen! Ein Schüler ist auf seinen Rollstuhl angewiesen, er flüchtet vor einem Gauner -der ihm per Motorrad (!) auf den Fersen ist- die beiden "rasen" ballernd durch die langen Gänge der Schule, herrlich bescheuert! Trotzdem artet es nicht in wirren Klamauk aus, man sollte allerdings schon ein gewisses Maß an Zuneigung für solche Übertreibungen aufbringen. Ansonsten geht die Inszenierung als sehr gelungen durch, handwerklich herrscht ein erstaunlich hohes Niveau. Mit Sidney J. Furie hat man einen alten Hasen für den Regiestuhl angeworben, eine sehr gute Wahl.

Ich bin erneut sehr angetan von "Detention". Auch ohne meine übliche "Dolph-Brille" mag ich den Film sehr gern. Wobei Dolph -wie schon erwähnt, wie soll es anders sein- natürlich einen höllisch guten Job macht. Die DVD ist empfehlenswert, ordentliche Bildqualität, dazu eine Prise Bonusmaterial.

Mir ist die geringe Begeisterung für diesen Film extrem rätselhaft. Aber was solls, ich bin eben ein alter Spinner mit kauzigen Vorlieben. Dolph regiert!

Fette 8/10 = SEHR GUT!

***

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Blap Offline




Beiträge: 1.128

19.09.2012 22:39
#4937 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

Die vergangenen Abende in Ultrakurzform:


• On the Run (Frankreich 2011) - Franck (Albert Dupontel) soll bald aus dem Gefängnis entlassen werden. Der wegen eines Raubes verurteilte Ganove freut sich auf die Zukunft, treue Ehefrau und kleine Tochter erwarten ihn, die Kohle aus dem Beutezug liegt sicher in einem clever gewählten Versteck. Als sich die Lage im Knast deutlich verschlechtert und die Haftdauer verlängert wird, baut Franck in seiner Not auf die Hilfe des unscheinbaren Zellengenossen Jean-Louis (Stéphane Debac). Dessen Entlassung steht unmittelbar bevor, Jean-Louis saß unschuldig im Bau. Schnell stellt sich Francks Entscheidung als fürcherliche Fehleinschätzung heraus, nun muss er um jeden Preis aus dem Knast entfliehen! Eine atemlose Jagd durch Frankreich nimmt ihren Lauf, die Polizistin Claire Linné (Alice Taglioni) ist dem Flüchtling hart auf den Fersen...

Starker Stoff aus unserem Nachbarland. Albert Dupontel kommt zunächst wenig sympathisch rüber, nach und nach erobert Franck das Herz des Zuschauers, fiebern wir mit dem gejagten Jäger um die Wette. Stéphane Debac darf sich von einer ausnehmend ekelhaften Seite zeigen, Alice Taglioni spielt solide auf, in einer Nebenrolle ist die attraktive Caterina Murino zu bewundern. Action, Spannung und interessante Charaktere, stimmungsvolle Kulissen und eine moderne -aber nicht übertrieben hektische- Inszenierung. Eric Valette liefert mit "La proie" einen packenden Mix aus Action und Thriller ab, lediglich das Ende dürfte für meinen Geschmack eine Spur herber abgeschmeckt sein. Die Blu-ray von Atlas Film (im Vertrieb von Koch Media) präsentiert den Streifen in toller Qualität, neben der deutschen Synchronisation liegt der Ton auch im französischen Orignal vor.

Dicke 7,5/10 = gut bis sehr gut! Vermutlich geht da noch was, ich freue mich auf die nächste Sichtung! Klare Kaufempfehlung!



• American Pie präsentiert: Die nächste Generation (USA 2005) - Matt Stiffler ( Tad Hilgenbrink) eifert seinem Vorbild und grossen Bruder nach, zwecks Erziehungsmaßnahme schickt ihn der Sherminator (Chris Owen) ins Sommercamp für Schulorchester. Matts Mitschülerin Elyse (Arielle Kebbel) dirigiert eine dieser Kapellen, die junge Frau ist entsetzt, was hat den kleinen Stiffler in ihr Reich verschlagen?

Ich mag "American Pie" (1999) und "American Pie 2" (2001) wirklich gern, manchmal steht mir der Sinn nach debilen Teenie-Klamauk-Streifen. "American Pie - Jetzt wird geheiratet" (2003) ging mir auf die Nerven, vergällte mir die Lust auf weitere Filmen der Reihe. Dennoch landete die Scheibe mit der nächsten Generation vor ein paar Jahren in meiner Sammlung, nun war es endlich an der Zeit für die Erstsichtung. Ich fasse mich kurz, an den Unterhaltungswert der beiden ersten Sausen kann dieses Machwerk nicht anknüpfen, den dritten Teil deckelt der kleine Nachzügler jedoch. Übliche Klischees und flache Witze, insgesamt zu brav und mit Kitsch-Finale. Teenie-Schund für den kleinen Hunger, doof und irgendwie kurzweilig. Bevor ich es vergesse, der unkaputtbare Eugene Levy ist erneut an Bord.

Nur für tolerante Filmfreunde mit Hang zum Schwachsinn geeignet. Ich mag den Streifen, ziehe freundliche 5,5/10.

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athurmilton Offline



Beiträge: 1.083

20.09.2012 11:48
#4938 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

Letzte Woche in meinem Player: "Die Herren Einbrecher geben sich die Ehre"

Auch wenn er ein Klassiker des englischen Films von 1960 ist, ohne den es sicher viele europäische Überfalls-Thriller so nicht gegeben hätte, bin ich erst vor kurzem auf den Film gestoßen, der leider in keiner guten deutschen Fassung erhältlich ist, daher habe ich auf die hervorragend neu gemasterte, englische Ausgabe "The League Of Gentlemen" zurück gegriffen.

Nach einer sehr ausführlichen Vorstellung aller Charaktere und einer gefühlvollen Zeichnung ihrer deprimierenden Lebenssituationen (alle ehemals große Nummern beim Militär, jetzt verschuldet oder schlimmer) werden sie alle von einem zunächst undurchsichtigen Herrn zusammengeführt, der mit ihnen einen militärisch durchgeplanten Bankraub verüben will.

Das nächste Kapitel ist eine recht amüsante Betrügerei, die zur Vorbereitung des Überfalls notwendig ist. Erst im letzten Teil findet der eigentliche Überall statt - danach passiert nicht mehr viel, wenn auch dramatisches.

Die Ausführlichkeit, mit der die Figuren eingeführt werden, ist für die heutigen Sehgewohnheiten zu lang; heute hätte man sich vermutlich eher auf 2 oder 3 Personen fokussiert, hier werden alle gleichermaßen liebevoll porträtiert. Neben dem Überfall fand ich vor allem seine Vorbereitung sehr unterhaltsam, die Aufnahmen gaben mir das Gefühl einer Episode von "Mit Schirm, Charme und Melone". Der Schluss kam überraschend und schnell, auch wenn ich ihn im Laufe des Films einmal voraus geahnt hatte.

Die Schauspielerriege ist eine weitere Freude, u.a. Jack Hawkins, Nigel Patrick, Roger Livesey, Bryan Forbes und der junge (Sir) Richard Attenborough. Interssant ist, dass in diesem Film von 1960 auch das Thema Homosexualität und Militär vorkommt - Kieron Moore wird auf Grund seiner Neigung erpresst (war damals illegal).

Bild und Ton dieser Ausgabe sind hervorragend für einen Film von 1960.

Das Bonus-Material auf der DVD ist reichlich: Foto-Galerie, Kommentar von Bryan Forbes und Nanette Newman, Trailer, Bryan Forbes’ Skript in PDF Format, und eine Sonderausgabe von The South Bank Show zu Richard Attenborough, u.a. mit Besuch des Sets von Jurassic Park und Statments von Anthony Hopkins sowie Steven Spielberg.

Ein Muss für alle, die die Quellen der vielen Filme zu straff organisierten Raubüberfällen seit den 60er-Jahren kennen wollen. Ich habe ein paar nette Stunden mit der DVD verbracht, zähle ihn aber wegen des (oft gemütlichen) Tempos nicht zu den Filmen, die ich immer wieder sehen will und gebe ihn daher schon wieder ab: http://www.ebay.de/itm/130767183710


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Blap Offline




Beiträge: 1.128

21.09.2012 00:14
#4939 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten


DVD von Code Red



The People Who Own The Dark (Spanien 1976, Originaltitel: Último deseo)

Die letzte Orgie?

Ab und zu trifft sich eine kleine Gruppe angesehener Mitglieder unserer Gesellschaft auf einem abgelegenen Landsitz. Angesehene Diplomaten, seriöse Geschäftsleute und elitäre Wissenschaftler vergnügen sich mit attraktiven Damen, in einem würdevollen Kellergewölbe huldigt man dem Erbe des Marquis de Sade. Kaum hat Hausherrin Lily (Maria Perschy) ihre keine Begrüßungsrede vom Stapel gelassen und der Abend begonnen Fahrt aufzunehmen, wird das gesamte Anwesen wie von einem mächtigen Erdbeben durchgerüttelt. Professor Fulton (Alberto de Mendoza) erkennt die Ernsthaftigkeit der Lage, irgendwo in der Ferne muss es zu einer gewaltigen Explosion gekommen sein, der befürchtete Atomkrieg ist ausgebrochen! Zunächst haben die Freunde der Gelüste keinen sichtbaren Schaden genommen, der Aufenthalt unterhalb der Erdoberfläche verhinderte das Schlimmste. Dem Hauspersonal ausserhalb des Kellers ist weniger Glück beschieden, blind und mit Tode ringend taumeln sie dem Verderben entgegen. Radio und Telefon sind ausgefallen, niemand kann den Ort des Bombeneinschlags bestimmen. So beschliesst man sich im Gewölbe vor der Strahlung zu schützen, am folgenden Morgen sollen Nahrungsmittel aus dem nächsten Dorf herbeigeschafft werden. In der kleinen Ortschaft wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich, sämtliche Einwohner befanden sich auf einem Fest und irren blind und verzweifelt umher. Es kommt zu einer fürchterlichen Eskalation, mehrere Bewohner des Dorfes werden von dem durchdrehenden Victor (Tomás Picó) erschossen. Nur mühsam und zu spät gelingt es der Gruppe um Professor Fulton und den wohlhabenden Borne (Paul Naschy) den Aggressor zu stoppen, der ebenfalls völlig überforderte Dr. Robertson (Ricardo Palacios) erwürgt den Schiesswütigen. Nach diesen Ereignissen müssen die Damen und Herren nicht nur die Folgen des Atomkriegs fürchten, die erblindeten Dorfleute wollen eine offene Rechnung um jeden Preis begleichen...

León Klimovsky verdanken wir einige prächtige Streifen, vor allem die Zusammenarbeit des Regisseurs mit Spaniens Horror-Ikone Paul Naschy war äusserst fruchtbar. Hier ein paar aussagekräftige Beispiele:

• Die Nacht der Vampire (La noche de Walpurgis, 1971)
• Blutrausch der Zombies (La rebelión de las muertas, 1972)
• Todeskreis Libelle (Una libélula para cada muerto, 1974)

"The People Who Own The Dark" baut auf ein übliches Endzeitszenario, nach dem Atomkrieg muss sich eine kleine Gruppe Überlebender gegen mordlüsterne Häscher zur Wehr setzen. Was sich zunächst als wenig kreatives Fundament präsentiert, wird durch zahlreiche Wildereien in verwandten Genres zu einem ganz besonderen Filmerlebnis. Der Streifen verzichtet völlig auf zerstörte Städte und trostlose Wüstenlandschaften oder graue Kiesgruben, lediglich im kurzen und heftigen Finale sieht es tatsächlich ein wenig nach Endzeit aus. Interessanterweise bettet Klimovsky das Geschehen in einen herrschaftlichen Landsitz ein, freilich inklusive Kellergewölbe, dieses Umfeld scheint wie geschaffen für einen klassischen Gruselstreifen. Vor dem Atomschlag streicht kurzzeitig ein Hauch prickelnder Erotik unsere Wangen, später mutet die Bedrohung durch die blinde Dorfbevölkerung wie eine Belagerung durch Zombies an, obendrauf gibt es eine kleine Liebesgeschichte. Zunehmend kippt die Stimmung innerhalb der Gruppe, entwickelt die um sich greifende Zerstörung der Harmonie eine gefährliche Dynamik. Der offensive Brückenschlag zurück zur Endzeitthematik erfolgt in den letzten Minuten, zu Klängen aus Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie schlägt uns León Klimovsky mit voller Wucht in den Magen, zynische Kälte und grosse Kunst prallen wie ein gewalter Vorschlaghammer auf Herz und Hirn des Zuschauers! Großartig! "Último deseo" bereichert das Thema Endzeit durch Ausflüge in andere Bereiche, überschüttet mich geradezu verschwenderisch mit Wohlfühlatmosphäre und Knuffigkeit, haut mir abschliessend dennoch mit aller Wucht in die Fresse, vielen Dank dafür!

Werfen wir einen Blick auf die Damen und Herren vor der Kamera. Alberto de Mendoza macht einen verdammt guten Job, sichert sich als Professor Fulton mit "herzlicher Intelligenz" meine Zuneigung. Der in Argentinien geborene Schauspieler ist Freunden gepflegter Euro-Unterhaltung kein Fremder, er wirkte in unverzichtbaren Gialli wie z. B. "Der Killer von Wien" (Lo strano vizio della Signora Wardh, 1970) und "Der Schwanz des Skorpions" (La coda dello scorpione, 1971) von Sergio Martino mit. Meine Begeisterung für Paul Naschy ist kein Geheimnis. Diesmal gibt er nicht den tragischen Werwolf mit Herz oder einen anderen Horrorknuffel, er agiert unter Druck mehr und mehr egoistisch und bösartig, Herr Naschy überzeugt auch als Charakterschwein. Bemerkenswert der Auftritt von Ricardo Palacios, in der Rolle des dicklichen Dr. Robertson verliert er zunehmend die Contenance, verliert sich im Wahnsinn. Auf den ersten Blick vielleicht albern, letztlich bedrückend und anrührend. Es soll nicht zu ausufernd geraten, daher möchte ich mich nun den Damen zuwenden. Maria Perschy fungiert als Puffmutter der besseren Sorte, nebenbei knabbert Lily noch immer an tiefgehendem Liebeskummer, unterhielt einst eine lesbische Beziehung zu Berta (Teresa Gimpera). Es wäre sicher reizvoll Maria Perschy und Teresa Gimpera mehr Raum zur Reaktivierung ihrer Leidenschaft zu gewähren. Dies geschieht nicht, für zu viele Nebenschauplätze bleibt kein Raum. Bei genauer Betrachtung eine gute Entscheidung, schliesslich sorgt die aufkeimende Liebe zwischen Professor Fulton und Clara für entsprechende Momente. Clara wird von der bezaubernden Nadiuska gespielt, eine höchst erotische Dame mit wunderschönen Augen und sinnlichen Lippen, mein Puls kommt beim Gedanken an die Dame auf Touren. Kaum weniger reizvoll Julia Saly, die mich einmal mehr mit ihrer etwas eigenwilligen Schönheit betört. Ich liebe Julia Saly für ihre fantastische Darbietung der Blutgräfin Bathory im Naschy-Klassiker "The Night of the Werewolf" (El retorno del Hombre-Lobo, 1981), bei dem Meister Naschy als Waldemar Daninsky unterwegs ist und weiterhin für die Regie verantwortlich zeichnet. Julia Saly ist in dem hier kurz vorgestellten Film weit von der perversen Gräfin entfernt, sie zeigt uns ihre zarte und zerbrechliche Seite, das Drehbuch nutzt die Rolle der Marion für einen kleinen Nackenschlag, nicht immer hat eine milde Gabe an einen Bettler gnädige Folgen. Diana Polakov und Leona Devine sind nett anzuschauen, ich möchte meine Zeilen zum Ensemble damit beschliessen.

Endzeit aus einem anderen Blickwinkel, gewürzt mit bewährten Zutaten aus dem Genreumfeld. Diese Ausrichtung funktioniert ganz vorzüglich, ich musste mir den Film gleich mehrfach hintereinander zu Gemüte führen, er wird in Zukunft immer wieder ein gern gesehener Gast in meinem Player sein! León Klimovsky lieferte mit "Último deseo" wohl einen seiner besten Streifen ab, ich bin restlos begeistert! Geschickt streut der Auftakt kleine Hinweise auf das kommende Inferno, um dann clever (fast) ohne "Endzeitoptik" im Gewand anderer Genres unterhaltsam und kurzweilig 80 Minuten für wohlige Schauer zu sorgen, gekrönt durch den harschen Kontrast des schmerzhaft-intensiven Finales. Zerfall einer dekadenten Gesellschaft, mit Konsequenz und ohne Gande zu Ende geführt.

Von Code Red kommt die DVD zum geneigten Filmfreund ins Haus, die Scheibe ist unter http://www.codereddvd.com direkt beim Erzeuger zu beziehen. "The People Who Own The Dark" ist in zwei Varianten enthalten, eine wurde von einer 35mm Kopie abgetastet, alternativ liegt der Transfer eines alten 1-Zoll-Videos vor. Auf dem Cover wird auf die Verfassung der 35mm Kopie hingewiesen: "Brand new telecine from an abused, scratched and beat-up 35mm print that went vinegar!" Ja, der ramponierte Zustand ist nicht zu übersehen, sorgt aber für ein tolles "Kinofeeling", die Kratzer und Rumpeleien stören mich keinesfalls, Farben und Schärfe sind solide. In der Tat erinnert mich diese Präsentation an die abnudelten Kopien anderer Filme, die ich in meiner Kindheit im alten Dorfkino geniessen durfte. Damals wurde der Grundstein für meine Filmleidenschaft gelegt, aber ich will mich nicht allzu sehr in diesen lange zurückliegenden Nachmittagen suhlen (Lüge! Ich will, ich will, ich will!!!). Auf der DVD befinden sich zusätzlich ein paar Trailer zu Titeln aus dem Labelprogramm. Klare Kaufempfehlung meinerseits, die Scheibe ist übrigens codefree.

Uff, schon wieder das Zahlenraster. Zunächst belasse ich es bei sehr feisten 8,5/10 (sehr gut bis überragend)! Selten treffen Wohlgefühl und Boshaftigkeit derartig stimmungsvoll aufeinander! Pflicht!

Lieblingszitat:

"An Explosion! A big one, maybe more than one!"

***

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Prisma Offline




Beiträge: 7.571

23.09.2012 16:22
#4940 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

DER DENVER-CLAN / DYNASTY (SEASON 8)

in den Hauptrollen: John Forsythe, Linda Evans, Heather Locklear, John James, Gordon Thomson, Jack Coleman, Emma Samms, Michael Nader, Leann Hunley, Terri Garber, James Healey, Bo Hopkins
und Joan Collins als Alexis

Nach den ersten Folgen von Season 8 machte sich eine gewisse Verwirrung breit. Zahlreiche Hauptrollen der vorangegangenen Staffel sind einfach ohne Erklärung verschwunden (bei manchen kann man von Glück reden) und auch die Handlung wirkt aus dem Kontext gerissen. Die komplette Disc 1 lang war ich der festen Überzeugung, dass ich eine Staffel ausgelassen haben muss, denn ich fühlte mich zeitlich vollkommen desorientiert und die Handlung schien mir vollkommen fremd. Nach einigen Erkundigungen wurde mir allerdings so einiges klar, die Serie war damals auf dem absteigenden Ast und man versuchte durch zweifelhafte Drehbücher und außerordentliche Geschehnisse, neues Leben in den Denver-Clan zu bringen. Es dauert ewig, bis man sich als Anhänger wieder einigermaßen wohlfühlt, nur auf Blake und Alexis ist wirklich Verlass gewesen. Blake ist die gesamte Staffel damit beschäftigt, Gouverneur von Collorado zu werden, gibt die Führung von Denver-Carrington an seine Kinder ab, Streitereien und Intrigen sind vorprogrammiert. Alexis heiratet zum x-ten Mal, stellt sich als Gegenkandidatin für die Gouverneurswahl auf, gibt sogar die Leitung von ColbyCo an ihren neuen Ehemann ab, der ein Geheimnis mit sich herumzutragen scheint. Chrystle steht Blake als liebende Ehefrau wie immer zur Seite, sie versucht sogar Alexis in die Knie zu zwingen, doch ihre Konstitution wird zusehens schlechter. Steven findet auch in dieser Staffel nicht zu seiner wirklichen erotischen Disposition, Adam und Dana wünschen sich ein Baby, doch ein dunkles Geheimnis droht diese Pläne zu zerstören. Leslie strebt eine große Karriere an, hält sich aber nicht an gewisse Spielregeln und wird von Alexis fertig gemacht. Ihr 'company whore' war eine der köstlichsten Abrechnungen der gesamten Serie, und Ursula Heyers Synchronarbeit mit den Aussagen "Unternehmensbeischlaf" und "Unternehmenshure" verleitete mich dazu, mir diesen Schlagabtausch dutzendfach anzusehen. Früher gab es solche Appetithäppchen in jeder Staffel am Fließband. Sammy Jo und Jeff stehen vor den Trümmern ihrer Ehen und trösten sich gegenseitig. Fallon hat es am übelsten erwischt, denn sie wurde von Außerirdischen in einem Raumschiff entführt, so dass ihre Ehe aufgrund von Wahnvorstellungen zu scheitern droht.

Diese Staffel kann man in der ersten Hälfte (also 3 DVDs lang) vergessen, und die sinnlose Handlung lässt den Zuschauer beinahe delirant werden. Nicht nur Fallon, sondern auch der Denver-Fan traut lange seinen Augen (vorzugsweise seinem Verstand) nicht, als sie in ein riesengroßes Ufo einsteigt und mit Vehemenz behauptet, dass es sich um Tatsachen handelt. Überhaupt ist die fortlaufende Handlung mit unglaubwürdigen, teils lächerlichen Einfällen gestreckt worden, die Dialoge (und das ist das Ärgerlichste daran) wurden schrecklich phrasenlastig aufgezogen, so dass eine der großen Stärken der Serie, nämlich die originelle Dialogerie, nur noch zweitklassig daher kommt. Probleme und Problemchen werden serviert und das ist natürlich der Stoff aus dem die Serien sind. Aber es wird zum Teil doch arg langweilig. Dann endlich steuert man auf ein ordentliches Staffelfinale hin, die Spannung kocht hoch, der Atem stockt und man ist wieder voll im Geschehen gefangen, doch der Cliffhanger entpuppt sich als eine jämmerliche Gurke. Nur bei der Ausstattung hat man, wie es scheint, nochmal eine Schippe draufgelegt und Eleganz und Exklusivität werden nach wie vor glaubhaft vermittelt. Ich weiß nicht was hier insgesamt passiert ist, aber die teils langweiligen Drehbücher verärgern bei einer Staffel von über 40 € doch sehr. Selbst Alexis wurden die Krallen auffällig gestutzt. Sie ist lange nicht so angriffslustig und gefährlich wie man es von ihr gewöhnt war. Überhaupt hat man es mit zu vielen unglaubwürdigen Charakter-Metamorphosen zu tun, die dem Zuschauer krampfhaft und aufdringlich zum Fraß vorgeworfen werden, und die einfach auf Dauer langweilen. Fallon und Steven sind in dieser Beziehung die Musterbeispiele. Die Serie hatte also ihr Konzept vernachlässigt und eine gerade Linie ist deswegen kaum mehr zu finden. Schade, das alles wirkt trotz neuen Outfits doch wie ein ziemlich alter Hut!

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.550

24.09.2012 12:26
#4941 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

AMERICAN PIE - DAS KLASSENTREFFEN (offizieller 4. Teil)
Hab den Film bereits im Kino gesehen und fand ihn schon damals gut. O.K., an den ersten Teil kommt er nicht ganz ran, aber den 3. (Hochzeit) toppt er auf alle Fälle. Für mich immer wieder eine nette Unterhaltung, nicht zuletzt durch den unvergleichlichen Eugene Levy. Einfach spitze!

Blap Offline




Beiträge: 1.128

26.09.2012 00:23
#4942 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

In den letzten Nächten gab es Alien in Hülle und Fülle auf Augen und Ohren, alle vier Teile der Saga. Zu Inhalt und Qualität muss nicht viel gesagt werden, ergo fasse ich extrem kurz. Bisher stand die alte "Legacy Box" im Regal, inzwischen haben die DVDs Gesellschaft bekommen, beim Preis von schlappen £9.97 musste ich zusätzlich die britische BD-Box ins Haus holen. Ich bin mit der Umsetzung zufrieden, ferner liegt jeder Film in zwei Schnittfassungen vor.

"Alien" bevorzuge ich in der alten Kinoversion, sie gefällt mir etwas besser als der flotter geschnittene Director's Cut. Anders ist es um den DC von "Aliens" bestellt, der mit mehr Tiefe und Atmosphäre die Kinofassung deckelt. So unangetastet die beiden ersten Teile auf ihren Sockeln stehen, so kontrovers lässt sich über den dritten und vierten Aufguss diskutieren. "Alien³" gefällt mir in der "Special Edition" Variante gut, zwar teils noch unrunder als die Kinoversion, doch letztlich saugt mich die düstere Stimmung energischer in sich hinein. Bezüglich "Alien: Resurrection" bin ich auch nach mehrfacher Sichtung angenehm unentschlossen. Parodie, grosse Kunst oder haltloser Unfug? Von allen Zutaten etwas, im Ergebnis kurzweilig, unterhaltsam, amüsant.

Der Import aus Großbritannien schlägt auch inklusive Versandkosten kaum ins Kontor, weniger als 4€ pro Scheibe werden fällig! Sogar Englischmuffel kommen auf ihre Kosten, alle Filme liegen auch in deutscher Sprache vor. Wer auf die Bonusscheiben verzichten kann, tätigt mit dieser Ausgabe der Alien-Saga eine erstklassige Anschaffung!

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Vom Ursprung her verdorben

Patzer-Waldeck Offline



Beiträge: 3

27.09.2012 16:10
#4943 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

Zitat von rainbow im Beitrag #2358
Bei mir gab es in der letzten Zeit etliche DVD Abende mit Freunden (deswegen habe ich mich hier auch so rar gemacht...), unter anderem gab es:

- Die Simpsons, der Film (immer wieder wundervoll)
- Evil Alien
- Simon Says
- Barras Heute (immer wieder zum schmunzeln wenn HL den Wagen schieben muß)
- Die Straßen von San Francisco, der Pilotfilm
- Die neunschwänzige Katze, ein wirklich gute Film mit einem wie immer bezaubernden Karl Malden :-)


Ich suche den sehr dringend den Film "Barras heute" vielleicht kann sich der Beitrag Ersteller mal bei mir melden, oder jemand kann mir mal seine Email Adresse schicken. Da er sich schon länger nicht mehr hier angemeldet hat.

Vielen Dank :)

brutus Offline




Beiträge: 13.025

29.09.2012 21:43
#4944 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

Anlässlich des hundertsten Geburtstages von Lukas Ammann heute noch mal Das Messer im Geldschrank
aus der Reihe Der Kommissar

Viele Grüße
Brutus

Blap Offline




Beiträge: 1.128

30.09.2012 21:10
#4945 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

Die vergangenen Nächte in Ultrakurzform:



• The Black Belly of the Tarantula (Italien 1972) - Herrlicher Giallo mit prachtvoller Damenriege. Teils wird regelrecht verschwenderisch mit den Schönheiten des Genres umgegangen, die umwerfende Barbara Bouchet erliegt gleich zum Auftakt dem Killer. Claudine Auger, Barbara Bach, Annabella Incontrera, Stefania Sandrelli und Rossella Falk lassen die Augen des Zuschauers freudig leuchten, Giancarlo Giannini heftet sich an die Fersen des Mörders.

Für jeden Giallo-Fan Pflicht, ebenso für Einsteiger sehr empfehlenswert. Hier und da mutet "Black Belly" fast eine Spur zu routiniert abgespult an, pendelt irgendwo zwischen solidem Handwerk und grosser Kunst umher. Alle Jahre wieder ein gern gesehener Gast im Player, die DVD von Blue Underground erweist sich dabei als brauchbare Veröffentllichung. Noch habe ich die Hoffnung auf eine deutsche Scheibe nicht aufgegeben, es wäre schade um die Kinosynchro aus den goldenen Siebzigern.

Stoff aus dem Giallo-Oberhaus, knapp unterhalb der Spitze des Genres angesiedelt = dicke 8/10 (sehr gut)



• Absurd (Italien 1981) - Erneut lässt Joe D'Amato den hungrigen George Eastman auf diverse Opfer los. Stellt mich als D'Amato-Jünger zufrieden, kann aber nicht mit dem großartigen "Man-Eater" (1980) mithalten. Hysterisch und geifernd sorgt das Finale sorgt für Stimmung auf dem Sofa.

XT-Video präsentiert den Streifen auf einer mittelprächtigen Scheibe, diverse Cover wurden auf den Markt geworfen. D'Amato-Süchtlinge greifen freudig zu, sehr angenehm.

7/10 mit Mettgut gefüllte Näpfe des Todes



• Zodiac (USA 2007) - Jake Gyllenhaal spielt einen belächelten Zeitungscartoonisten, der sich immer intensiver und intensiver mit dem Zodiac-Killer beschäftigt. Mark Ruffalo und Anthony Edwards sind als Polizisten am Start, Robert Downey Jr. sehen wir als zunehmend abgewrackten Journalisten, Brian Cox glänzt in einer launigen Nebenrolle. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. David Fincher gelingt eine ansprechende Mixtur aus Ermittlungsarbeit und privaten Dramen, der über 160 Minuten laufende Director's Cut kam mir keine Sekunde zu lang vor. Im Gegenteil, ich hätte den Stoff lieber auf eine kleine Filmreihe mit sechs bis zehn Stunden Laufzeit ausgedehnt gesehen.

Mir liegt die UK-BD bereits seit einigen Jahren vor, ich kam allerdings erst jetzt zur Sichtung. "Zodiac" kommt in schöner Qualität auf den Bildschirm, obendrauf gibt es jede Menge Bonusmaterial, eine sehr gute Scheibe. Wer (auch) ruhiger angelegte Thriller mag kommt auf seine Kosten, kein Film für Hektiker!

7/10 (gut)



• Cop Out - Geladen und entsichert (USA 2010) - Komödie um ein ungleiches Cop Duo. Bruce Willis spielt locker seinen Stiefel runter, Tracy Morgan überschreitet leider zu häufig die Grenze zur Nervensäge. Die debile Marschrichtung macht nicht vor ein paar brauchbaren Actionansätzen halt, unterm Strich sicher keine Pflichtveranstaltung.

Ich mag den ollen Bruce, daran ändern auch kleine und mittelschwere Fehltritte nichts. "Cop Out" gab es für schlappe 5€ auf BD, da konnte mein Sammlerherz nicht widerstehen. Es kam nicht so schlimm wie befürchtet, die insgeheim erhoffte Perle ist die Sause auch nicht, der Flick unterhält einigermaßen brauchbar. Kann man schauen, muss man aber nicht.

Freundliche 5/10 (ohne Bruce Willis wären höchstens 4/10 drin)

***

Vom Ursprung her verdorben

Glasauge Offline




Beiträge: 1.321

30.09.2012 22:15
#4946 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

LISA UND DER TEUFEL
(4/5) plus Telly Savalas Bonus :)

Go away - Make my day!

Blap Offline




Beiträge: 1.128

02.10.2012 23:48
#4947 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten


Grosse Hartbox (#75) von X-Rated



Per sempre - Ein Toter kehrt zurück (Italien 1987, Originaltitel: Fino alla morte)

Lamberto und die Maden

Vor sechs Jahren haben Linda (Gioia Scola) und ihr Lover Carlo (David Brandon) einen lästigen Menschen beseitigt. Lindas ungeliebter Ehemann Luca (Roberto Pedicini) wurde vergiftet und in einem feuchten Grab verscharrt. Die Beziehung des kriminellen Paares läuft längst nicht mehr rund, basiert letztlich nur noch auf sexuellen Gelüsten (was heisst hier "nur noch"?), immer häufiger zeigt sich Carlo von seiner aggressiven Seite. Freudlos führt Linda ihr kleines Restaurant, Carlo verlieht Boote an Angler, grauer Alltag ohne Lichtblicke. Immerhin bleibt Linda ihr kleiner Sohn Alex (Marco Vivio), während Mami den Jungen über alles liebt, kann Stiefvater Carlo nichts mit dem Kind anfangen. In einer stürmischen Nacht klopft es an der Tür, der völlig durchnässte Marco (Urbano Barberini) bittet höflich um eine Übernachtungsmöglichkeit. Fiesling Carlo weist den Fremden barsch ab, Linda zeigt sich gnädig und bittet den Reisenden ins Haus. Schnell freundet sich Marco mit Alex an, Linda bietet dem freundlichen Burschen einen Job in ihrem Lokal an. Carlo passt der neue Hengst im Stall nicht in den Kram, ferner fühlt er sich durch die ständigen Restaurantbesuche des Dorfpolizisten (Giuseppe Stefano De Sando) bedrängt. Bisher schien es keinen Zweifel daren zu geben, dass der ermordete Luca sich damals verantwortungslos aus dem Staub gemacht hat, seine schwangere Ehefrau über Nacht im Stich gelassen hat. Hat die Polizei etwa Lunte gerochen, ist Marco vielleicht ein verdeckt arbeitender Ermittler? Als ein altes Schmuckstück Lindas auftaucht, welches "eigentlich" in Lucas Grab liegen müsste, gerät des mörderische Paar zunehmend in Panik ...

In erlauchten Kreis der Freunde des italienischen Kinos -blablablap- prügelt der "Fan" nur allzu gern auf den umstrittenen Regisseur Lamberto Bava ein. Ja, Lamberto ist der Sohn des unvergessenen und genialen Mario Bava, tritt damit in verdammt grosse Fußstapfen. Doch muss sich ein Sohn den ständigen Vergleich mit dem Vater gefallen lassen? In diesem Fall mutet es tatsächlich nicht leicht an den grossen Bava auszublenden, da Herr Sohnemann sich auf ähnlichem Terrain bewegt, vorzugsweise Thriller und Horror inszeniert. Aus meiner Sicht hat Lamberto viel von seinem Erzeuger gelernt, ein gutes Gespür für Farben und Licht, das gewisse Händchen zur Erzeugung wohliger Atmosphäre. Vor allem versteht es Lamberto Bava ganz vorzüglich -hier sehe ich die grösste Nähe zu Mario Bava- seine Stärken mit einfachen Mittel auszuspielen, ohne riesiges Budget und oft auf wenige Schausplätze reduziert. "Per sempre" kommt in weiten Teilen kammerspielartig daher, konzentriert sich auf sein stimmungsvolles Umfeld und wenige Charaktere. Überdies wurde der Streifen -im Rahmen einer kleinen Reihe- für das italienische Fernsehen produziert, umso erfreulicher und höher ist das kurzweilige Ergebnis zu bewerten.

Verdorbenheit, Mißtrauen und Gelüste nach Sex und/oder Rache treiben die Protagonisten an, der Zuschauer hat es nicht leicht seine Sympathie ohne Vorbehalte zu vergeben. Ein schmaler Grat, steht der Wunsch nach geeigneten Identifikationsfiguren doch meist übergross im Raum, hat auf dem Wunschzettel vieler Filmfreunde einen Stammplatz. Viel reizvoller als überstrapazierte Lichtgestalten, sind die ständigen Spannungen zwischen den Charakteren. Niemand traut dem anderen über den Weg, immer wieder bahnen sich Zorn und Ängste ihren Pfad an die Oberfläche, brechen teils offensiv aus den Hauptfiguren hervor. Stetig "schleichende Eskalation" bis zum feurigen Finale, zuvor durch ansprechende Ausbrüche schmackhaft gewürzt. Nach erfolgter Sichtung findet der Film seinen Platz in der Horrorschublade. Dabei wäre es durchaus denkbar und reizvoll, die verwendeten Horrorelemete lediglich als Albtraumsequenzen zu verkaufen, den Streifen in den letzten Minuten auf einem soliden Thrillerfundament zu platzieren. Ich hätte in diesem Fall wohl den Krimi bevorzugt, dem Werk das Gewand eines Neo-Giallo übergestülpt und ein bösartig schmerzhaftes Ende verpasst. Dies soll kein Gemecker an den Horrorzutaten sein, auf kleiner Flamme kocht Bava ein leckeres Süppchen aus Maden, Gegeifer und der Gesichtsruine des Grauens, der Stoff geht gut runter. Spoilergefahr verbietet mir weitere Anmerkungen, schade.

Gioia Scola gefällt mir als Spielball der eigenen Schwächen und widerlichen Herren sehr gut. Frau Scola ist eine attraktive Erscheinung, passenderweise kein makelloser Engel, eher in Richtung ruchloses Stück tendierend. Ihre Linda wäre gern eine umschwärmte Dame mit den Qualitäten einer echten Femme fatale, schrumpft aber unter dem Joch ihrer Kerle auf ein trauriges Stück Fleisch zusammen. Sonnenschein spendet Söhnchen Alex, der von dem kleinen Marco Vivio erstaunlich "unnervig" dargestellt wird, ganz klar einer der besseren Kinderauftritte. David Brandon springt der Mix aus Hinterhältigkeit und Begierde aus dem unrasierten Gesicht, Carlo ist ein frauenschlagender und asozialer Misthaufen aus dem Buch der ekelhaften Klischees. Urbano Barberini kommt keinesfalls als heller und freundlicher Gegenpol daher, erneut zwingt mich aktute Spoilergefahr zur Unterlassung weiterer Anmerkungen. Roberto Pedicini fällt nicht der Part des unschuldigen Opfers zu, der entsorgte Luca offenbart in Rückblenden wenig erbauliche Verhaltensweisen, liefert aber dennoch lediglich eine dünne Rechtfertigung für Lindas Schweinereien. Giuseppe Stefano De Sando bleibt in der Rolle des lokalen Gesetzeshüters unscheinbar, hätte bei einer stärkeren Gewichtung der Thrillerzutaten (eventuell) mehr Gewicht innehaben können.

Solide agierende Schauspieler, gutes Gespür für Atmosphäre, ansprechende Kameraarbeit, angenehmes Erzähltempo und eine kleine Prise Horrorgeschleim, lediglich die musikalische Untermalung bleibt kaum in Erinnerung. Grosses Kino? Sicher nicht, aber eine TV-Produktion mit dem Appeal einer kleinen Sause für die grosse Leinwand. Lamberto Bava verdient mehr Aufmerksamkeit, meine Zuneigung ist ihm sicher.

Die mir vorliegende DVD aus dem Hause X-Rated geht als brauchbar durch, der Bonusbereich erfreut vor allem durch eine nette Trailersammlung. Es existieren weitere Auswertungen für den deutschen Markt, die X-Rated-DVD scheint aber als einzige die ungekürzte Version des Films zu enthalten!?

Wäre ich um Objektivität (was immer das auch sein mag) bemüht, würde ich vermutlich eine Bewertung im Bereich von 5-6/10 ziehen. Mir hat der Streifen richtig gut gefallen, ergo setzt es verdiente 7/10.

Lieblingszitat:

"Wenn er kein verdammter Bulle ist, was ist er dann? Wer ist er?"

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Blap Offline




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24.10.2012 21:46
#4948 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

Zurück auf dem Sofa des Todes. Vorglühen per Ultrakurzkommentar:


• Wang Yu - Stärker als tausend Kamikaze (Hongkong 1973) - Fiese Japaner löschten seine Familie aus, Wang Yu will mit dem Gesindel aufräumen. Übliche Rachestory ohne Überraschungen. Der Streifen hangelt sich von Prügelei zu Prügelei, nebenbei glänzt die deutsche Synchro mit debilen Anwandlungen. Einsteiger sind mit Wang Yu Klassikern wie z. B. "Eine Faust wie ein Hammer", "Duell der Giganten" oder "Der Silberspeer der Shaolin" besser bedient. Wer es etwas gediegener mag, der geniesst Wang Yu in den Shaw Brothers Produktionen "Das goldene Schwert des Königstigers" oder "Wang Yu - Sein Schlag war tödlich".

Savoy hat dem Film eine brauchbare DVD spendiert, im Bonusbereich findet der Eastern Fan ein paar unterhaltsame Trailer und weitere Kleinigkeiten. Fans greifen zu.

6/10 (obere Mittelklasse)



Mega-Ultrakurz:


• Space Prey (USA 2010) - Stimmungsvolles Science-Fiction Perlchen mit toller Optik. Mit wenig Geld und viel Liebe zum Detail realisiert, beide Daumen zeigen steil nach oben. Sehr gute BD-Auswertung, mit liegt die normale Fassung vor, der Film ist auch in 3D erhältlich.

Dicke Empfehlung! 7,5/10 (gut bis sehr gut)



• Black Death (Deutschland, Großbritannien 2010) - Fanatische Christen drangsalieren das Volk, fanatische Freigeister (häääh?) setzen sich zur Wehr. Finsteres Mittelalter ansprechend in Szene gesetzt, die Pest und Mordbuben wüten, Sean Bean ackert als Zugpferd, obendrauf ein paar ruppige Momente. Regisseur Christopher Smith hat immerhin den packenden "Creep" und den lustigen "Severance" auf die Beine gestellt, ergo musste ich die BD zu "Black Death" meiner Sammlung zufügen. Nach der ersten Sichtung lässt mich der Film ein wenig ratlos zurück, daher keine Wertung. Die Blu-ray präsentiert das Werk in sehr guter Bildqualität.



• Pentathlon (USA 1994) - Dolph Lundgren muss sich mit David "Hutch" Soul rumärgern. Mein Dolph spielt einen Spitzensportler aus der DDR, welcher kurz vor dem Zusammenbruch des Regimes in die USA flüchtet. David Soul mutiert vom Kommunisten zum Nazi, macht sich Jahre später auf die Jagd nach seinem ehemaligen Schützling. Haarsträubendes Drehbuch, beknackte Dialoge und recht mittelprächtige Action. Zielgruppe? Dolph-Fetischisten und aufgeschlossene Trash-O-Logen. Sicher einer der schlechtesten Filme mit dem wahren und göttlichen Last Action Hero, rein subjektiv betrachtet (fast) eine kleine Arschbombengranate!

6,5/10 (in Verbindung mit einer Warnung an alle normalen Menschen)



• Kill Switch (Kanada, USA 2008) - Steven Seagal pflügt durch den Sumpf, irrer Serienkiller inklusive. Teils brutale Auswüchse führten in Deutschland zu Kürzungen, die mir vorliegende DVD aus Großbritannien zeigt den Film vollständig. Seagal Hasser wenden sich einmal mehr mit Grausen ab, ich wundere mich lediglich über die teils sehr schlechte Arbeit des Cutters. "Kill Switch" deckelt locker Bodensatz wie "Today you die" oder "Attack Force", reicht aber nicht an die Kracher "Urban Justice" oder "Driven to kill" heran.

Stangenware für Süchtige, ich bin zufrieden = Knappe 6/10

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Blap Offline




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25.10.2012 23:42
#4949 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten






An einem Freitag in Las Vegas (Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien 1968, Originaltitel: Las Vegas, 500 milliones)

Ohne Rücksicht auf Verluste

Kaum ist Gino (Jean Servais) aus dem Knast geflohen, plant der alte Ganove bereits den nächsten Raubzug. Tony (Gary Lockwood) zeigt wenig Begeisterung für die altbackenen Methoden seines grossen Bruders, er will den Überfall auf einen Geldtransport zunächst sorgfältig überdenken. Gino ignoriert sämtliche Warnungen, der Raub endet in einem Blutbad, Gino und seine Komplizen gehen im Kugelhagel der Polizei unter. Für den Boss der Transportfirma ist der abgewehrte Angriff ein Triumph, mit Ausdauer lobt Skorsky (Lee J. Cobb) die extreme Widerstandsfähigkeit seiner Fahrzeuge und das hochmorderne Sicherheitsnetzwerk mit Computerunterstützung. Hinter den Kulissen hat sich der Fahnder Douglas (Jack Palance) auf Skorsky eingeschossen, der für das Schatzamt tätige Regierungsbeamte verdächtigt den Geschäftsmann des Goldschmuggels im grossen Stil. Derweil hat Tony eine Affaire mit der atttaktiven Ann Bennett (Elke Sommer) in Gang gebracht, pikanterweise ist Ann ebenso Skorskys Geliebte und dessen Mitarbeiterin. Dank der Informationen seiner Freundin kann Tony auf einen erfolgreichen Coup hoffen, eine Nebenstrecke durch die Wüste von Nevada soll einem gepanzerten Transporter aus Skorskys Stall zum Verhängnis werden. Tatsächlich gelingt die Durchführung des waghalsigen Plans, die Gauner lassen das Fahrzeug spurlos in der sandigen Öde verschwinden. Skorsky kocht vor Wut, zu allem Überfluss sitzen ihm nicht nur seine "Geschäftspartner" in Nacken, auch Douglas nagt mit Ausdauer am Nervenkostüm des Unternehmers. Tony und seine Kumpanen können sich nach dem gelungenen Auftakt ihrer Mission nicht auf die faule Haut legen, schliesslich muss der gepanzerte LKW nun geknackt werden, im Versteck der Truppe beginnt es gefährlich zu brodeln ...

Regisseur Antonio Isasi-Isasmendi hat sich mit dem kleinen Rachethriller "Summertime Killer" (1972) schon vor langer Zeit einen Platz in meinem goldenen Buch gesichert, umso heftiger freue ich mich über die Veröffentlichung des hier kurz vorgestellten "An einem Freitag in Las Vegas". Oft treffen wir in Heist-Movies auf charmante Gauner, Herren die ohne rohe Gewalt ihre genialen Pläne in die Tat umsetzen. "An einem Freitag in Las Vegas" kommt zwar mit einem cleveren Raub aus der Kiste, jedoch sind Tony und seine Bande alles andere als freundliche Gentlemen. Ohne jeglichen Anflug von Reue geht man mit brutaler Härte gegen die Insassen des Transportes vor, lässt Flammenwerfer und automatische Waffen sprechen. Bei Bedarf schreckt man nicht vor der Ermordung zufällig auftauchender Personen zurück. Verbissenheit an allen Fronten, egal auf welcher Seite des Gesetzes die Beteiligten stehen. Tony und seine Mannen verbeissen sich in den Panzerwagen, nach und nach beginnen sich die Herren untereinander zu zerfleischen. Für Skorsky wird die Luft dünner und dünner, seine ausländischen Freunde fühlen sich übers Ohr gehauen. Schatzamtler Douglas gibt keinen Zentimeter nach, will endlich seinen Verdacht bestätigt wissen. Ansprechend gefilmt und mit stimmungsvollen Schauplätzen gesegnet, vergehen die knapp über zwei Stunden Spieldauer in Windeseile, der Streifen kommt ohne jeglichen Anflug von Leerlauf daher.

Gary Lockwood kennen viele Filmfreunde aus Stanley Kubricks "2001: A Space Odyssey" (1968), später war er vor allem in TV-Serien zu sehen. Kein leichter Job für den damals noch jungen Burschen, aber Lockwood kann sich mit seiner Mischung aus lockerer Unverschämtheit und eiskalter Härte gegen gestandene Platzhirsche wie Lee J. Cobb und Jack Palance behaupten. Tony ist in vielerlei Hinsicht der Gegenentwurf zum klassischen Bild des Gentleman-Gangsters, lediglich der messerscharfe Verstand des führenden Ganoven entspricht dem üblichen Heist-Movie Motiv. Elke Sommer gibt uns zunächst Rätsel auf, später schrumpft sie bei oberflächlicher Betrachtung zum willenlosen Liebchen. Hinter der Fassade zeigt sich Ann als entschlossene und mutige Frau mit glühendem Herzen. Damals war Frau Sommer eine sehr erotische Erscheinung, der Auftritt der blonden Schönheit geht runter wie allerfeinstes Speiseöl. Leider verstarb der kernige Charakterkopf Lee J. Cobb bereits 1976, er wurde lediglich 64 Jahre jung. Erwartungsgemäß hochklassig grummelt und poltert Cobb durch das Szenario, Jack Palance steht im nicht minder hartnäckig auf den Füßen, in Gedanken genüsslich die Handschellen schwingend. Immer wieder treffen Cobb und Palance aufeinander, der Regierungsbeamte schleicht wie eine ausgehungerte Raubkatze um den zunehmend angeschlagenen Büffel. Georges Géret und Fabrizio Capucci fallen als Nebenganoven positiv auf, der kurze Auftritt von Jean "Rififi" Servais als "anachronistischer Gauner" zaubert ein Lächeln auf mein zartes Antlitz.

"An einem Freitag in Las Vegas" zeigt uns die ruppige Seite des Heist-Movie, vergisst darüber aber nie das die kurzweilige und ideenreiche Fortschreiten der Story. Alle relevanten Rollen sind sehr ansprechend besetzt, Juan Gelpí fängt das Geschehen gekonnt ein, der Score von Georges Garvarentz präsentiert sich zwischen bodenständig und dezent psychedelisch angehaucht wogend. Antonio Isasi-Isasmendi hat dem Genre starken Beitrag zugefügt, der Film zeigt eindrucksvoll und äusserst unterhaltsam auf, wozu das europäische Kino in seiner Blütezeit fähig war!

Media Target hat dem Streifen eine schöne DVD spendiert, gute Bildqualität und eine Brise Bonusmaterial sorgen für Freude. Ferner liegt ein Booklet bei, dieses verschenkt leider die Möglichkeit zusätzliche Informationen zum Film zu liefern, beschränkt sich auf die Abbildung (interessanter) Werbematerialien zur damaligen Kinoauswertung. Für "An einem Freitag in Las Vegas" spreche ich sehr gern eine klare Kaufempfehlung aus, das Werk ist ein prächtiges Kind der späten sechziger Jahre! Zugreifen ist Pflicht!

Dicke 8/10 (sehr gut)

"Wer kommt an die Lochkarten ran?"

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Blap Offline




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01.11.2012 12:37
#4950 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten


#10 der Koch Media Hammer Edition



Der Satan mit den langen Wimpern (Großbritannien 1964, Originaltitel: Nightmare)

Die angenehm merkwürdigen deutschen Titel ausländischer Filme ...

Janet (Jennie Linden) wird von fürchterlichen Albträumen gepeinigt! Obwohl inzwischen sechs Jahre ins Land gezogen sind, seit das Mädchen im zarten Alter von elf Jahren zur Zeugin eines schrecklichen Vorfalls wurde. Ständig fürchtet sich Janet davor dem Wahnsinn zu verfallen, wie ihre Mutter in einem Irrenhaus zu landen. So verlässt die junge Frau zunächst die Schule, im elterlichen Anwesen soll sie zur Ruhe kommen. Janets Vormund Henry Baxter (David Knight) hat die fürsogliche Grace Maddox (Moira Redmond) eingestellt, die ausgebildete Fachkraft soll die Rolle einer mütterlichen Freundin einnehmen. Überdies haben die Hausangestellten Mrs. Gibbs (Irene Richmond) und John (George A. Cooper) den angeschlagenen Teenager ins Herz geschlossen, in diesem positiven Umfeld darf auf das Verschwinden der grausigen Träume gehofft werden. Leider erfüllt sich diese Hoffnung nicht, mehr und mehr scheint Janet den Bezug zur Realität zu verlieren, verstrickt sich immer tiefer in Träume und wahnhafte Vorstellungen. Mehrfach warnt der gerufene Arzt (John Welsh) vor einer weiteren Verschlimmerung der Lage, rät dazu Janet in einem Sanatorium unterzubringen. Henry lehnt diesen Vorschlag zunächst ab. Doch dann trifft Janet erstmalig auf die Ehefrau ihres Vormunds, es kommt zu einer ungeahnten und blutigen Katastrophe ...

Mit der britischen Filmschmiede Hammer verbindet der Filmfreund zahlreiche Horrorstreifen der schönsten Sorte. Unholde wie Dracula, Frankenstein und sonstiges Gezücht sorgen auch nach Jahrzehnten für wohlige Gruselschauer. Grösste Stars dieser Ära waren Peter Cushing und Christopher Lee, häufig bereiteten attraktive Damen dem Auge des Zuschauers zusätzliche Freude. Ich liebe den typischen Hammer Horror abgöttisch, darüber soll aber nicht vergessen werden, dass die Briten sich nicht auf das Genre um Vampire und Leichenfledderer beschränkten. Thriller waren ein fester Bestandteil des Hammer Kosmos, der hier kurz vorgestellte Film bedient dieses Spielfeld in sehr unterhaltsamer Weise.

Regie führte (der 2007 leider verstorbene) Freddie Francis, der auf eine lange Karriere als Kameramann und Regisseur verweisen kann. Seine Blütezeit auf dem Regiestuhl begann in den frühen sechziger Jahren, sie dauerte bis zur Mitte des folgenden Jahrzehnts an. Francis war mehrfach für Hammer tätig, arbeitete allerdings auch für die Mitbewerber Amicus und Tigon. Besonders angetan haben es mir die Amicus Produktionen "Die Todeskarten des Dr. Schreck" (1964) und "Die tödlichen Bienen" (1967). Bei der hier kurz vorgstellten Hammer Produktion kann Francis auf ein äusserst solides Fundament bauen. Gewohnt stimmungs- und stilvolle Kulissen bieten den perfekten Rahmen, die Kamera bediente der versierte John Wilcox, aus der Feder von Don Banks stammt der solide Score (welcher in meinen Ohren teils eine Spur zu bieder und konservativ tönt). Jimmy Sangster verbucht das Drehbuch auf seinem Konto, die Wendungen kommen nicht allzu überraschend aus der Kiste gehüpft, hier und da hätte die Boshaftigkeit ein wenig wüster zuschlagen dürfen.

Werfen wir einen kurzen Blick auf die Akteure vor der Kamera. In der ersten Hälfte steht Janet im Mittelpunkt, dargestellt von der ab und an leicht überfordert anmutenden Jennie Linden. Ich möchte Lindens Vorstellung nicht allzu sehr bemängeln, die junge Dame befand sich noch in der Anfangsphase ihrer Laufbahn. Freilich ist die Darbietung einer psychisch angeschlagenen Person oft kein leichtes Spiel, nicht immer meistert Jennie Linden den schwierigen Balanceakt zwischen Ernsthaftigkeit und Nervensägerei. Vielleicht war seitens Regie und/oder Drehbuch eine gewisse Ironie gefragt, die sich bei genauer Betrachtung unterschwellig durch den Film zieht, für die Nachwuchskraft vermutlich eine kaum zu stemmende Herausforderung. Moira Redmond verlangt die Erzählung sehr unterschiedliche Charaktereigenschaften ab, der Bogen spannt sich von herzlich über kalt bis hysterisch. Frau Redmond meistert jede Marschrichtung vorzüglich, eine hochklassige Vorstellung. Irene Richmond und Brenda Bruce sind die unterschätzten Seelchen der Handlung, David Knight gibt den glatten Rechtsverdreher, George A. Cooper steht dem freundlichen Teil der Damenriege als züchtiges Helferlein zur Seite. Auf die kleineren Nebenrollen gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein, alle Beteiligten machen einen guten Job, Jennie Lindens Vorstellung mag manch anderer Filmfreund etwas positiver als ich zu beurteilen.

Hammer garniert den hauseigenen Psychothriller mit einer düsteren Gruselstimmung, in dieser Schnittmenge des Wohlgefallens sollten sich Freunde des Horrors, Krimis und der frühen sechziger Jahre gut aufgehoben fühlen. Klar, hier weht noch nicht der frische Wind durchs Haus, der ab Mitte/Ende des Jahrzehnts die gesamte westliche Welt in Aufruhr brachte. Wen wundert es, immerhin wurde der Film bereits 1962 produziert (aber erst 1964 in die Kinos gebracht). Behaglicher Schrecken aus der Knuffelkiste, sinnlicher Höhepunkt in Form dämonischer Auswüchse gegen Ende, staubige Muffigkeit der (oft) biederen fünfziger Jahre auf dem Rückzug. Nach 79 Minuten kurzweiligen Minuten endet der Streifen, Leerlauf ist nicht auszumachen.

Koch Media präsentiert "Der Satan mit den langen Wimpern" im Rahmen der "Hammer Edition" (bitte nicht mit der gleichnamigen Reihe aus dem Hause Anolis verwechseln). Titel des Labels erfreuen fast immer mit gelungenen Scheiben, die DVD zu diesem kleinen Schätzchen von Hammer bildet keine Ausnahme. Schöne Qualität des Films, der Bonusbereich bietet einen Trailer samt Bildergalerie an, abgerundet wird das Set durch ein beiligendes Booklet, obendrauf gibt es einen schicken Schuber.

6,5/10 - Vielleicht eine geizige Bewertung. Indessen hat das Genre so unglaublich viele Meisterwerke und Überflieger zu bieten, mehr Punkte kann ich mir in diesem Rahmen nicht abringen. Bitte beachtet, diese 6,5/10 sind ein kleines Schwergewicht mit Wohlfühlgarantie!

Lieblingszitat:

"Wissen wir wo ein Traum aufhört und die Wirklichkeit beginnt?"

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