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Havi17 Offline




Beiträge: 3.670

01.11.2012 13:05
#4951 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

Zum Tode von Wolfgang Menge, der zweitbeste Wallace Film : Der Grüne Bogenschütze.

Je öfter ich mir dieses Meisterwerk anschaue, umso besser wird es. Wie bei einem
guten Wein.

Gruss
Havi17

Blap Offline




Beiträge: 1.128

01.11.2012 23:23
#4952 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten






Six Bullets (USA 2012, Originaltitel: Six Bullets)

Wenn nichts mehr geht ... bitte den Metzger um Hilfe!

Der ehemalige Fremdenlegionär und Söldner Simon Gaul (Jean-Claude Van Damme) hat sich auf die Suche und Befreiung von Entführungsopfern spezialisiert, niemand erledigt diesen harten Job zuverlässiger. Erneut zieht Simon erfolgreich einen Auftrag durch, er rettet einen kleinen Jungen aus einem osteuropäischen Bordell, diverse Ganoven überleben die Befreiungsaktion nicht, ferner wird das Gebäude arg in Mitleidenschaft gezogen. Am nächsten Morgen präsentiert der zuständige Ermittler Inspector Kvitko (Steve Nicolson) dem Retter die Kehrseite der Medaille. Auf der Flucht haben Zuhälter und Kinderschänder haben zwei Mädchen skrupellos im brennenden Haus zurückgelassen, beide Kinder hatten keine Überlebenschance. Simon kann den grausigen Anblick nicht vergessen. Ständig sieht er die toten Mädchen, zieht sich in seine Metzgerei zurück, gibt sich dort zügellos dem Alkoholmißbrauch hin. Andrew Fayden (Joe Flanigan) hat derweil ganz andere Dinge im Kopf. Mit seiner Frau Monica (Anna-Louise Plowman) und der gemeinsamen Tochter Becky (Charlotte Beaumont) ist er nach Moldawien gereist, der erfolgreiche Mixed Martial Arts Kämpfer will dort einen wichtigen Kampf austragen. Schnell schlägt die gute Stimmung in blankes Entsetzen um, Becky ist plötzlich spurlos aus dem Hotel verschwunden, es gibt keinerlei Nachricht oder Lösegeldforderung. Durch den Diplomat Selwyn Gaul (Kristopher Van Varenberg) kommen die Eheleute Fayden mit dessen Vater Simon in Kontakt, nach kleinen Anlaufschwierigkeiten begibt sich der angeschlagene Spezialist auf die Suche nach Becky ...

Regisseur Ernie Barbarash arbeitete bereits bei "Assassination Games" (2011) mit Jean-Claude Van Damme zusammen. Obschon ich den Van Damme Streifen der letzten Jahre sehr zugetan bin, konnte mich "Assassination Games" nicht auf ganzer Linie überzeugen. Kein Grund zur Sorge, denn diesmal trifft Barbarash mitten ins Schwarze! Zwecks Werbung weist das Cover der BD auf "eine explosive Mischung aus "96 Hours" und "Man on Fire" hin. Solche Vergleiche bereiten mir meist Bauchschmerzen und sind oft haltloser Blödsinn, in diesem Fall scheinen mir die angeführten Bezugspunkte zumindest nicht völlig absurd und aus der Luft gegriffen. Freilich punktet "Six Bullets" für meinen Geschmack mit seiner ruppig-kernigen B-Movie Atmosphäre, überdies ist Jean-Claude Van Damme einer DER wahren Actionhelden, sorry lieber Denzel, sorry lieber Liam (über Herrn Van Damme steht selbstverständlich der göttliche und einzigartige Dolph Lundgren! Ich habe meine Zuneigung zum alten Schweden schon häufiger in die Tastatur geprügelt, erzähle an dieser Stelle folglich keine Neuigkeiten). Gerade verliere ich den roten Faden, seht mir diesen kleinen Anfall Fanboytum bitte nach.

Jean-Claude Van Damme ist längst zu einem erstklassigen Schauspieler gereift, darüber hinaus hinterlässt er auch als prügelnde Kampfmaschine noch immer einen durchschlagenden Eindruck. Gebrochene Charaktere meistert der Belgier mit Bravour, großartig seine Leistung in "Until Death" (2007), geradezu überwältigend der Seelenstriptease namens "J.C.V.D." (2008). "Six Bullets" bietet Van Damme die Bühne zur Zeichnung eines schwer depressiven Charakters, lässt aber genügend Raum für die schlagkräftigen Argumente des Actionhelden. Zwar wollte ich vor meiner Würdigung der Darsteller noch ein paar Worte über Story, Regie und Kamera loswerden, aber nun bin ich bereits meiner Begeisterung für Van Damme erlegen. Starke Szenen in Momenten brüllender Verzweiflung, knallharte Action und gepflegte Konversation, Jean-Claude Van Damme war nie besser als in den letzten Jahren! Joe Flanigan darf in der Rolle des MMA Fighters ab und an zulangen, bleibt aber in erster Linie besorgter Vater und Ehemann. Eventuell hätte man Flanigan eine Spur deutlicher in den "Action-Mittelpunkt" rücken können, nötig wäre eine solche Maßnahme nicht, sie wäre vermutlich auf Kosten der Glaubwürdigkeit und Tiefe des Charakters gegangen. Spontan wünschte ich mir bei der Sichtung des Films Scott Adkins an Van Dammes Seite, es gibt jedoch nichts an Joe Flanigans Leistung zu bemängeln. Anna-Louise Plowman erspart dem Zuschauer weinerlich-hysterische Momente, im knallharten Kampf um das Lebens ihres Kindes bricht die Löwin aus ihr hervor. Plowman verfügt über Erfahrung im B-Action Kosmos, im Steven Seagal Klopper "The Foreigner" (2003) war die attraktive ebenfalls Dame am Start. Charlotte Beaumont meistert den Part des entführten Teenie-Mädchens gut, mutet wie ein übliches Kind ihrer Generation an. Steve Nicolson darf das Klischee des stets bestechlichen Polizeibeamten aus Osteuropa aufbrechen. Uriel Emil Pollack gefällt als schmieriger Schwerverbrecher, er gibt den sadistischen Handlanger des einflussreichen Obergauners Stelu (Louis Dempsey). Kristopher Van Varenberg sehen wir als Filmsohn von Jean-Claude Van Damme, die Chemie zwischen den Herren stimmt und macht Lust auf mehr (kein Wunder, immerhin ist Kristopher tatsächlich Van Dammes Sohn. Er war bereits in mehreren Streifen seines Vaters zu sehen, fiel mir aber noch nie so positiv auf wie in diesem Flick).

"Assassination Games" nervte mit seiner fürchterlichen Farbgestaltung, angenehmerweise hält sich Ernie Barbarash diesmal weitgehend zurück und baut auf eine "augenfreundliche Farbpalette". Sehr schön, denn "Six Bullets" kommt mit gut gewählten Schausplätzen daher, hat solche Verschlimmbesserungen nicht nötig. Hier und da schwächelt das Erscheinungsbild, der eine oder andere digitale Effekt vermag nicht zu überzeugen. Macht nichts, denn viele "greifbare" FX entschädigen dafür, hinzu kommen die sehr ansprechend ausgearbeiteten Actionsequenzen und ein deftiger Härtegrad. Zusammenfassend trumpft "Six Bullets" mit einem Hauptdarsteller in toller Spiellaune auf, hat starke Nebenakteure im Angebot, das Drehbuch bedient sich in aus Töpfen mit Aufschriften namens Thriller, Drama und Action. Ernie Barbarash tischt dem Filmfreund ein schmackhaftes Menü auf, empfiehlt sich für weitere Aufgaben.

Die beiden knalligen "The Expendables" des Herrn Stallone bescheren dem Actionfilm wieder mehr Aufmerksamkeit. Ich begrüße das ausdrücklich! Vor allem wenn das Publikum endlich wieder ein Auge für gepflegte B-Action übrig hat! Neueinsteiger (oder erneute Einsteiger) müssen nichtmal auf Nachschub nicht warten, prächtige Streifen mit den Helden Lundgren, Van Damme und (teilweise) Seagal sind reichlich vorhanden. Seht es endlich ein, die alten Herren rocken härter und besser als jemals zuvor!

Mir liegt "Six Bullets" auf der BD aus dem Hause Splendid vor, die Qualität ist sehr ansprechend, der Bonusbereich leider geizig ausgestattet. Klarer Pflichtkauf, keine Ausreden!

Zunächst ziehe ich dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut). Da geht sicher noch mehr, der Streifen wird meinen Player bald wiedersehen ...

Lieblingszitat:

"Wenn Du den Menschen nicht mehr helfen willst, dann bist Du nur noch ein verdammter Metzger!"
"Dein Großvater war auch Metzger. Die Menschen brauchen Fleisch."



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Am vergangenen Abend musste natürlich ein Beitrag zum Thema "Halloween" auf den Bildschirm des Grauens, ergo wanderte "Halloween 5 - Die Rache des Michael Myers" (1989) in den Player der Verdammnis. Teil 5 knüpft nahtlos an den sehr starken "Halloween 4" (1988) an, kann dessen hohe Qualität aber nicht ganz halten. Dennoch meuchelt Michael gewohnt unterhaltsam, Donald Pleasence liefert als Dr. Loomis einmal mehr eine grandiose Vorstellung ab, Danielle Harris präsentiert sich als schauspielendes Kind der talentierten Sorte.

Macht Laune = 7/10 (gut)

***

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Blap Offline




Beiträge: 1.128

09.11.2012 22:34
#4953 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten


Italian Genre Cinema Collection No. 6 von Camera Obscura



Inferno unter heisser Sonne (Italien 1972, Originaltitel: Al tropico del cancro)

Kunst, Popanz und Voodoo! Anita, Anthony & Gabriele auf Haiti!

Dr. Williams (Anthony Steffen) lebt seit einiger Zeit auf Haiti. Dem angesehenen Wissenschaftler ist die Entwicklung eines -aus seiner Sicht- äusserst gefährlichen Serums gelungen, diverse Interessenten möchten schnellstmöglich Zugriff auf die Substanz erhalten. Williams weist alle Angebote mit Nachdruck zurück, lässt sich auch nicht durch Drohungen und Gewaltanwendung umstimmen. Fred Wright (Gabriele Tinti) und seine Gattin Grace (Anita Strindberg) sind gemeinsam nach Haiti gereist, die Ehe des Paares scheint kurz vor dem Ende zu stehen. Während Grace sich nicht mit dem ungewohnten Umfeld anfreuden mag, freut sich Fred vor allem über das Wiedersehen mit seinem alten Kumpel Williams. Bald sorgt eine erschreckende Mordserie für jede Menge Aufregung, offenbar ist eine Probe des tödlichen Serums in falsche Hände geraten. Welche Rolle fällt Fred in diesem lebensgefährlichen Spiel zu? Steckt der zwielichtige Mr. Garner (Stelio Candelli) hinter den Morden, weil der von ihm mit der Beschaffung des Stoffes beauftragte Peacock (Alfio Nicolosi) keinen Erfolg vorweisen kann? Weitere Todesfälle sind zu beklagen, wird sich Dr. Williams dem Terror beugen?

"Inferno unter heisser Sonne" transporiert das übliche Umfeld des Giallo in die tropische Hitze Haitis, es muss nicht immer eine Großstadt in Italien (oder Europa) sein. Trotz der exotischen Kulisse verzichtet der Film nicht auf schwarze Handschuhe, ruppige Morde und eine ordentliche Prise Erotik. Spannung und Logik ordnen sich verdorbenen Charakteren und stilvollen Schauplätzen unter, ebenso typisch für das Genre (ich sage es immer wieder, wer Logik braucht, der soll Rechenaufgaben lösen). Einige Szenen gewähren dem Zuschauer Blicke auf Rituale des Voodoo, verleihen dem Werk einen dezenten "Mondo-Anstrich". Seinen sinnlichen Höhepunkt erreicht das Treiben in einer wunderschön gefilmten Traumsequenz, im Rausch erlebt Anita Strindberg ein erotisches Abenteuer. An Nacktheit hatte man sich zu dieser Zeit bereits bewöhnt, gleichwohl gilt die Hingabe der attraktiven Schwedin einem schwarzen Adonis. Für manch enge Stirn vermutlich ein Skandal, für Filmfreunde ein Moment voller Anmut, Schönheit und knisternder Erotik. Die Regie ordnet man Edoardo Mulargia und Giampaolo Lomi zu, In diesem Zusammenhang lässt das Bonusmaterial der DVD aufhorchen. Während der geschätze (inzwischen leider verstorbene) Experte Antonio Bruschini die Regie Mulargia zuordnet (Lomi soll nur die "Mondo-Szenen" gedreht haben), berichtet Giampaolo Lomi von seiner fast vollständig eigenständigen Arbeit, Mulargia sei nur als Beobachter an Bord gewesen, habe die meiste Zeit am Strand verbracht. Für Bruschinis Ansicht spricht ein Blick auf die Karrieren der Herren Mulargia und Lomi, andererseits sollte Lomi es als damals Beteiligter besser wissen. Sehr gut gefällt mir die Kameraarbeit von Marcello Masciocchi, die sich immer wieder wie ein lüsternes Raubtier präsentiert. Lomis "Mondo-Shots" schlagen nicht minder zielsicher ein, erstaunlicherweise wirken sie nicht wie die Spieldauer streckende Fremdkörper, sondern ziehen den Betrachter noch tiefer in das Geschehen hinein. Es wäre unfair den angenehmen Score von Piero Umiliani zu unterschlagen, welcher das bunte Treiben punktgenau und sehr hörenswert aufhübscht.

Wie schlägt sich Anthony Steffen ohne Colt und Hut, abseits staubiger Westernszenarien? Sicher, der liebe Anthony zählte zu den gefragtesten Darstellern des Italowestern, doch funktionierten seine eher überschaubaren Fähigkeiten auch ausserhalb dieses eher limitierten Genres? Aus meiner Sicht kann ich diese Fragen mit einem dicken und grossen JA beantworten! Für mich hat er seine besten Auftritte in Streifen wie z. B. "La notte che Evelyn uscì dalla tomba" (Die Grotte der vergessenen Leichen aka Die Nacht in der Evelyn aus dem Grab kam, 1971) und "Femmine infernali" (Die Liebeshexen vom Rio Cannibale, 1980). Einmal mehr agiert Steffen hölzern und hüftsteif, wetzt diese Scharte jedoch mit seiner ganz speziellen und unverschämten Lässigkeit aus, seine natürliche Präsenz übertüncht mühelos sämtliche "Nichtschauspielerei". Überhaupt ist Herr Doktor Williams ein verdammt cleverer Typ, bei Bedarf zaubert er locker ein Gegenmittel nach einem gefährlichen Spinnenbiss aus dem (nicht vorhandenen) Hut, landet wie selbstverständlich mit der schönsten Frau der Sause im Lotterbett. Gabriele Tinti kennt und schätzt wohl jeder Liebhaber exotisch-erotischer Italostreifen, der spätere Ehemann der legendären Laura Gemser ist stets eine Bereicherung. Vor allem in den gemeinsamen Szenen von Steffen und Tinti wird deutlich, dass sich Blender und Könner erstklassig ergänzen können, trotz offensichtlicher Unfähigkeit vermag sich Steffen gegen Tinti behaupten. Anita Strindberg veredelt einige Genreperlen mit ihrer kantigen, kühlen und nordischen Schönheit, war in Werken von Größen wie Lucio Fulci (A Lizard in a Woman's Skin/Una lucertola con la pelle di donna, 1971), Sergio Martino (La coda dello scorpione/Der Schwanz des Skorpions, 1971) oder Aldo Lado (Chi l'ha vista morire, The Child - Die Stadt wird zum Alptraum, 1972) zu bewundern, die Dame gehört fraglos zu den Königinnen der frühen siebziger Jahre. Zwischen den Polen Steffen und Tinti verteidigt Strindberg ihre großzügige Nische souverän, Grace schwimmt sich nach und nach frei. Frust in der Ehe, sexuelle Phantasien, wachsendes Selbstbewusstsein und pure Sinnlichkeit, nie war Schweden schöner. Der Blick auf die Riege der Nebendarsteller lohnt sich, mir gefällt die ruppige Darbietung von Stelio Candelli sehr gut, Alfio Nicolosi sorgt als feister Puderbeutel für manchen Schmunzler, Umberto Raho punktet als kerniger Hotelfritze.

Vielleicht sollten Neueinsteiger sich zunächst mit den bekannteren Klassikern des Genres beschäftigen, als Fixpunkt möchte ich Dario Argentos "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" anführen. "Inferno unter heisser Sonne" tischt dem Liebhaber bewährte Zutaten auf, kleidet sich darüber hinaus in ein exotisches Gewand, kleine Mondoausritte inklusive. Grossartige Momente allerfeinster Sorte treffen auf groteske Zwischentöne, der Fan freut sich über das Date mit den Lieblingen Strindberg, Steffen und Tinti. Mhhmm, gerade kommt mir erneut Anitas Traum in den Sinn, ich schwebe sanft davon ...

Halt! So nicht! Wie ist es um die Qualität der DVD bestellt? Auf Camera Obscura ist Verlass! Der Film liegt in sehr schöner Qualität vor, zwei interessante Interviews, ein Trailer und eine Bildergalerie sind im Bonusbereich zu finden. Überdies enthält das Set ein Booklet, Christian Keßler unterhält mit sehr lesenswerten Ausführungen. Verpackt ist diese hochklassige Veröffentlichung in einem Digipak samt Schuber. Achja, der Ton liegt in deutscher und italienischer Sprache vor, die deutsche Synchro gefällt mit ihrem teils nassforschen Zungenschlag. Fast hätte ich die hemmungslose schöne Gestaltung des Menüs nicht gelobt ... Fazit: Klarer Pflichtkauf, klarer geht es nicht!

Punkte? Muss das unbedingt sein? Mehr als 7/10 (gut) lässt der Vergleich mit den Spitzen des Genres nicht zu, gleichwohl ist "Inferno unter heisser Sonne" für den Sammler unverzichtbar! "Repertoirewert" 10/10 & Wohlfühlfaktor 10/10!!!


Lieblingszitat:

"So schön finde ich Dein Haiti jetzt auch wieder nicht."
"Warte nur, wenn Du erst ein paar Tage hier bist, dann willst Du gar nicht mehr weg!"

***

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Blap Offline




Beiträge: 1.128

11.11.2012 23:46
#4954 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten






Griechische Feigen (Deutschland 1976, Originaltitel: Griechische Feigen)

Auf der Suche ...

Patricia (Betty Vergès) wird von ihren Eltern nach München geschickt. Vor der Abreise verschenkt die junge Frau am Flughafen ihr Ticket und bleibt in Griechenland, reist auf eigene Faust durch den sommerlichen Mittelmeerstaat. Neugierig trifft Patricia auf freundliche und weniger freundliche Menschen, erlebt erotische Abenteuer und gerät in die eine oder andere brenzlige Situation. Auch der auf kleinem Segelboot schippernde Tom (Claus Richt) kreuzt ihren Weg, reicht es diesmal für mehr als ein flüchtiges Abenteuer?

In den siebziger Jahren entstanden unzählige Softerotikfilme, viele boten Ausblicke auf hauptsächlich schmackhafte Obstkörbe (meist) attraktiver Damen, geizten überdies nicht mit debilen Dialogen und überschaubarer Handlung. Auf den ersten Blick möchte man "Griechische Feigen" genau in diese Schublade stecken. Freilich dürfen wir die attraktive Hauptdarstellerin häufig unbekleidet geniessen, haut uns das Drehbuch diverse Zoten um die Ohren, bedient die üblichen Klischees. Wer sich damit anfreunden kann, der darf sich auf knapp 90 Minuten lockere Unterhaltung in einem schön eingefangenen Umfeld freuen, die zweite Hälfte verliert an Tempo, angenehmerweise leidet der Unterhaltungswert nicht darunter.

Fazit? Nein, denn "Griechische Feigen" hat mehr zu bieten als vermutet! Unter der glatten Oberfläche gibt es einiges zu entdecken. Kleine Seitenhiebe auf die fürsorglichen Eltern, Mami sorgt sich wahnsinnig ums Töchterchen, steht allerdings wegen des Termins beim Frisör unter Zeitdruck, Frau muss Prioritäten setzen. Deutsche Touristen wollen um jeden Preis die Sau rauslassen, der Wunsch nach Sex soll notfalls mit Gewaltanwendung in die Tat umgesetzt werden. Derweil führt Patricia per Tonband Tagebuch, gibt sich bei ihren Aufzeichnungen zunehmend nachdenklich. Eine junge Frau auf der Suche nach sich selbst, irgendwo zwischen kokett und melancholisch auf der Strasse der Freiheit unterwegs. Dank der hübschen und sympathischen Betty Vergès macht der Trip Laune, Regisseur Sigi Rothemund kann sich auf seine Protagonistin verlassen. Leider währte die Filmkarriere der knackigen Dame nur kurz, schade. In einer Nebenrolle taucht die damals blutjunge Olivia Pascal auf, Claus Richt hat den wichtigsten Part innerhalb der Herrenriege erwischt. Untermalt wird das kurzweilige Treiben durch nette Musik, nur selten gleitet der Score in eher befremdliche Gefilde ab.

"Griechische Feigen" ist ein kleine und liebenswerte Sause aus dem Hause Lisa Film. MCP bietet den Streifen für wenig Geld an, die Scheibe bietet lediglich einen Trailer als Bonus, die Bildqualität geht aus meiner Sicht in Ordnung (nicht für Zeilenzähler geeignet). Achtung! Es sind zwei unterschiedliche Auflagen erhältlich, die FSK 16 Variante enthält eine massiv gekürzte Fassung. Keine Panik, die 18er-Scheibe wechselt zum ebenso günstigen Kurs den Besitzer.

6/10


Lieblingszitat:

"Ich bin der Ulf! Und das ist der geile Max!"

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Prisma Offline




Beiträge: 7.571

12.11.2012 10:52
#4955 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

ROTE SONNE (1969)

mit Marquard Bohm, Uschi Obermeier, Sylvia Kekulé, Gaby Go, Henry van Lyck, Hark Bohm und Diana Körner

In der Wohngemeinschaft von Peggy und ihren Freundinnen hat sich eine tödliche Sitte etabliert. Jeder Liebhaber der jungen Frauen muss spätestens nach 5 Tagen liquidiert werden. Als plötzlich Peggys alte Liebe Thomas wieder auftaucht, nistet er sich in der gefährlichen Umgebung ein. Doch die 5 Tage Frist sind längst abgelaufen und er lebt immer noch. "Rote Sonne" ist ein cineastisches Aushängeschild der 68er Bewegung und überrascht neben all seiner Trivialität durch sein minimalistisches Konzept und die schnörkellose Inszenierung, die dem Thema entgegen gesetzt, beinahe seelenruhig angepasst wurde. Das Grund-Thema wirkt überaus grotesk, bekommt aber durch die fließbandartigen, alltäglichen Szenen, die man immer wieder aufs Neue zu sehen bekommt, einen zeitweise real wirkenden Anschein. Die Darsteller wirken überwiegend laienhaft, aber aufgrund der Thematik und der Umsetzung wiederum glaubhaft und authentisch, vor allem die Interaktion scheint in ihrer Normalität perfekt zu sein. Sogar die Tötungsszenen werden mit einer eigenartigen Ruhe und Unempfindlichkeit dargestellt. Besonders die von mir eigentlich weniger geschätzte Diana Körner liefert hier als stärkste und perfideste Dame der Gruppe eine wirkliche Offenbarung ab. Regisseur Rudolf Thome fabrizierte mit wenigen Mitteln einen Klassiker, der sowohl als Unterhaltungsfilm, als auch als kritischer Beitrag funktioniert. Hervorzuheben ist, dass der Film in seiner unscheinbaren, wenn auch schönen Fotografie, eine einfache, ja echte und natürliche Schönheit transportiert. Überraschend, eigenwillig und vielleicht sogar bezeichnend.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

14.11.2012 23:55
#4956 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten


DVD von Odeon Entertainment (UK)



The Devil's Men (Großbritannien, Griechenland, USA 1976, Origaltitel: The Devil's Men)

Peter, Donald und der Minotaurus des Grauens

Father Roche (Donald Pleasence) ist beunruhigt, in einer entlegenen Ecke Griechenlands verschwinden Menschen ohne jede Spur. Als Ian (Nikos Verlekis), Beth (Vanna Reville) und ihr Freund Tom (Robert Behling) bei Roche auftauchen, währt die Freude über den Besuch des ihm gut bekannten Liebespaares Ian und Beth nur kurz. Das Trio will zwecks archäologischer Tätigkeit genau in die dem Geistlichen verdächtige Gegend aufbrechen. So werden die Warnungen des alten Herrn ignoriert, mitten in der Nacht brausen die Abenteuerlustigen in ihrem Auto davon. Nach kurzer Zeit entdecken Ian und Tom den Eingang zu einer Höhle, doch die Faszination weicht rasch dem blanken Entsetzen, man findet die Leichen der von Father Roche vermißten Personen. Derweil trifft Beth auf den freundlichen Baron Corofax (Peter Cushing), der Adelige erteilt ausdrücklich die Erlaubnis auf seinem Grundbesitz zu campieren. Als Toms Lebensgefährtin Laurie (Luan Peters) in Griechenland eintrifft, hat die junge Frau noch keine Ahnung von den ihr bevorstehenden Erlebnissen oder dem Schicksal ihrer Freunde. Sie sucht Father Roche auf, welcher nun endlich seinen Vertrauten, den Privatdetektiv Milo (Kostas Karagiorgis), zur Anreise aus den USA bewegen kann. Sofort machen sich Roche, Milo und Laurie auf den Weg in den vermutlich gefährlichen Landstrich, ein Besuch beim vor Ort zuständigen Polizisten (Dimitris Bislanis) erweist sich als wenig hilfreich. Was geht auf dem Boden des Baron Corofax vor? Können Roche und seine Begleiter das Rätsel lösen? ... oder befinden sie sich ebenfalls in akuter Lebensgefahr???

Regisseur Kostas Karagiannis war ein in Griechenland sehr aktiver Filmschaffender, bei uns sind seine Arbeiten offenbar weitgehend unbekannt. "The Devil's Men" blieb in Deutschland unbeachtet. Schade, denn der Film transportiert typische Elemente des britischen Gruselfilms in ein südeuropäisches Umfeld. Sofort macht sich wohlige Atmosphäre breit, fiese Kapuzenträger schleichen durch die vom Vollmond in fahles Licht getauchte Landschaft, erbringen ihrem Götzen in dessen Höhlengewölbe Menschenopfer. Hier wird in die Kiste der griechischen Mythologie gegriffen, die Damen und Herren Bösewichte beten einen steinernen Minotaurus an, aus dessen Nasenlöchern das Höllenfeuer der ewigen Verdammnis lodert. Mit solchen Ködern fängt man mich freilich ohne Gegenwehr ein, verwandelt sich mein Sofa in Bruchteilen von Sekunden in meine geliebte Wohlfühlsuhle. Abseits solcher Rituale wartet weder liebliches Hinterland der britischen Insel auf uns, noch das nebelverhangene London mit seinen düsteren Gassen und schwarzen Kutschen. Nein, es gibt die herbe Schönheit griechischer Felslandschaften auf die Augen. Nur auf den ersten Blick ein harscher Kontrast zum knuffigen Gothic Grusel, rund um den Minotaurus und dessen Schergen, denn letztlich sorgt dieses Umfeld für ein stimmiges und gleichzeitig erfrischendes Ambiente. Ab und zu bricht ein zartes Pflänzlein namens englischer Humor durch das omnipräsente Gestein hervor, sehr angenehm. In den siebziger Jahren durfen auch die jungen und langhaarigen Herren noch echte Machos sein, während die Damen kleine Ausblicke auf die Auslagen gewähren, sich als Nachwuchs auf den Titel der Scream Queen bewerben. Ja, die jüngeren Weiblein und Männlein machen ihre Sache gut, dominiert wird das Geschehen jedoch von zwei ganz, ganz grossen Herrschern ...

... damit sind wir bei den Zeilen zum Ensemble angekommen. Es ist kein Geheimnis, ich bin ein grosser Verehrer von Donald Pleasence, ich liebe Peter Cushing abgöttisch! Pleasence wurde gern als Bösewicht besetzt, war z. B. in der Rolle des Blofeld (Man lebt nur zweimal, 1967) als Gegenspieler von James Bond zu sehen. Legendär ist allerdings seine Darbietung als Dr. Sam Loomis in John Carpenters Überflieger "Halloween" (1978). Als verschrobener Held Dr. Loomis veredelte Pleasence diverse Fortsetzungen mit seiner Anwesenheit, stellte sich dem personifizierten Bösen namens Michael Myers unermüdlich entgegen. In diesem Zusammenhang ist der Blick auf "Halloween" unvermeidlich, denn Pleasence liefert als Father Roche einen "Proto-Loomis" ab. Wie der Psychiater Loomis wird der Geistliche Roche zunächst für einen überspannten Knacker gehalten, muss seine Mitstreiter mit nahezu fanatischer Ausdauer von seinem Anliegen überzeugen. Donald Pleasence spielt großartig auf, der Fingezeig auf seinen späteren Paradecharakter bereitet grosse Freude. Peter Cushing schlug sich für Hammer mehrfach mit Dracula herum, bastelte für die britische Filmschmiede als Dr. Frankenstein an Leichen, war in zahlreichen anderen Horrorproduktionen und Thrillern zu bewundern. Einmal mehr unterstreicht Cushing seine Wandlungsfähigkeit, gibt sich als teuflischer Baron Corofax gnadenlos, kaltherzig und ohne jeglichen Anflug von Skrupel, Mitgefühl ist für den Kapuzenträger ein Fremdwort, Anflüge von Freundlichkeit bleiben Fassade. Egal ob strahlender Held oder abgründiger Finsterling, ich liege Herrn Cushing zu Füßen. Bei aller Begeisterung für das Duell der Titanen, völlig ohne kleine Würdigung sollen die anderen Mitwirkenden nicht bleiben. Kostas Karagiorgis vertritt seine Heimat würdig, der griechische Star darf als Helferlein des geschätzten Herrn Pleasence auf den Putz hauen. Dimitris Bislanis liefert als zwielichtiger Gesetzeshüter eine ordentliche Vorstellung ab, Nikos Verlekis und Robert Behling dürfen ein paar flotte Sprüche absondern. Für die Damen bleibt nicht allzu viel Raum, ein Hauch Erotik, eine Runde Geschrei und unwilliges Opferlammtum. Luan Peters hinterlässt den stärksten Eindruck, mir fiel sie bereits in Pete Walkers herrlichem "Im Rampenlicht des Bösen" (The Flesh and Blood Show, 1972) positiv auf.

"The Devil's Men" baut auf seine starken Figuren, das Drehbuch hält sich nicht mit langen Erklärungen oder verquasten Rechtfertigungen auf. Mit Anlauf in den prallen Napf voller Wohlfühlatmosphäre, so liebe ich meine Filmnächte des Todes! Bereits die Anwesenheit der Herren Cushing und Pleasence bereitet mir Wonne, darüber hinaus überzeugt das "Gesamtpaket", inklusive der sehr stimmungsvollen Musik von Brian Eno. Während des Abspanns gibt es einen Kontrast zu Enos sphärischen Klängen auf die Ohren, rockiger Sound, irgendwie wie eine nervöse Variante der frühen Black Sabbath tönend, passt.

Fazit: Für den Fan ein kleines Freudenfest, nicht nur (aber auch) wegen der Auftritte von Peter Cushing und Donald Pleasence! Odeon Entertainment präsentiert den Streifen in ansprechender Qualität, angenehmerweise wurde Wert auf "Filmerlebnis statt Hochglanz" gelegt. Im Bonusbereich sind sieben Trailer und eine Bildergalerie zu finden, ferner liegt ein interessantes Booklet bei, die Scheibe ist zum fairen Preis erhältlich. Klarer Pflichtkauf!

Dicke 7/10 (gut) sind angesagt, der "Wohlfühlfaktor" sprengt (mal wieder) jegliches Zahlenraster.

Lieblingszitat:

"The Devil has many faces!"

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Blap Offline




Beiträge: 1.128

16.11.2012 11:11
#4957 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

Im Ultrakurzformat:


Nachdem vor einigen Wochen der legendäre "Die Nacht der reitenden Leichen" (La noche del terror ciego, Spanien, Portugal 1971) wohlige Gruselstimmung verbreitete, wanderten nun die drei weiteren Streifen der losen Reihe in den Player. Während mir der Auftakt als einheimische Scheibe vorliegt, kamen bei den Nachfolgern die US-DVDs von Blue Underground zum Einsatz. Amando de Ossorios vier Werke um die satanischen Templer werden gern als Saga bezeichnet, dennoch bietet jeder Film eine eigenständige und in sich geschlossene Handlung. Ergo "darf" der Filmfreund die Reihenfolge beliebig wählen, ich bevorzuge dennoch den chronologischen Genuss.

• Return of the Evil Dead (El ataque de los muertos sin ojos/Die Rückkehr der reitenden Leichen, Spanien, Portugal 1973) - Die Templer überfallen ein Dorf und metzeln fröhlich alles nieder, eine kleine Gruppe flüchtet in die nächste Kirche. Mit Tony Kendall in der Hauptrolle und Fernando Sancho als Fiesling, hat der Streifen zwei Stars des europäischen Genrekinos im Angebot. Atmosphäre ist Trumpf, hier wird nahezu die Klasse des ersten Films erreicht. Nebenbei hat Amando de Ossorio geschickt eingebaute Systemkritik im Angebot, zeichnet den Bürgermeister (dargestellt von Fernando Sancho) als ausgeprägt ekelhaften Charakter, während die ihm übergeordnete Instanz sich einen Dreck um die Belange der Bevölkerung schert, lieber mit dem Dienstmädchen zur Kissenschlacht schreitet.

Dicke 8/10 (sehr gut) sind fällig, die Sause ist und bleibt eine unverzichtbare Perle des spanischen Horrorkinos! Übrigens enthält die DVD zwei unterschiedliche Versionen. Beide Fassungen funktionieren sehr gut, die spanische Variante verleiht einer Nebenfigur mehr Gewicht, haut dazu ein wenig blutiger aufs Mett.


• The Ghost Galleon (El buque maldito/Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen, Spanien 1974) - Nun schippern die Templer auf ihrem Geisterschiff übers Meer, Maria Perschy und Jack Taylor plagen sich mit dem untoten Gesindel. Im dritten Aufguss siedelt de Ossorio den Großteil der Handlung auf einem vergammelten Seelenverkäufer an, der Titel des Streifens führt uns also nicht an der Nase herum. Interessant die Anlage der Hauptcharaktere, die Dame und der Herr sind nicht unbedingt die liebenswertesten Erscheinungen. Obschon das "Schiffskammerspiel" eine nahezu perfekte Vorlage für wohlige Gruselschauer bietet, verliert der dritte Angriff der Templer an Suhlenwert.

Zunächst wollte ich 6,5/10 ziehen, aber das äusserst ansprechende Ende verhilft dem dritten Leichenausflug zu 7/10 (gut)


• Night of the Seagulls (La noche de las gaviotas/Das Blutgericht der reitenden Leichen, Spanien 1975) - Irgendwo am Ende der Welt kommen ein neuer Arzt und dessen Gattin in den Ort, die Bewohner verhalten sich ausgeprägt abweisend. Grausige Rituale spielen sich ab, in den Nächten reiten die untoten Templer herbei und fordern ihren Blutzoll. Dem vierten Austritt der Gruftritter mangelt es -in Reihen der Herren- ein wenig an Darstellern mit gesteigertem Wiedererkennungswert, solche mögen nicht immer notwendig sein, hier wären sie jedoch hilfreich gewesen. Immerhin erfreuen die Damen meine Augen, die hübsche María Kosty kennt jeder Freund des spanischen Gruselkinos, gleiches gilt für die kantige Schönheit Julia Saly (welche leider nur in einer kleineren Rolle zu bewundern ist). Am Tropf der Vorgänger hängend stirbt es sich noch immer kurzweilig, im Vergleich zu "Nacht" und "Rückkehr" fällt "Blutgericht" deutlich ab.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)


Fazit: An "Die Nacht der reitenden Leichen" und "Die Rückkehr der reitenden Leichen" kommt kein Fan gepflegter Gruselunterhaltung vorbei, ebenso sollten Einsteiger mehr als einen Blick riskieren. "Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen" und "Das Blutgericht der reitenden Leichen" stellen den Süchtling zufrieden, für Gelegenheitsglotzer vermutlich weniger interessant. Zahlreiche Veröffentlichungen sind erhältlich, die Blue Underground DVDs gehen in Ordnung, bieten englische und spanische Sprache an. Neben den Einzelscheiben ist eine sargförmige Box mit dem Titel "The Blind Dead Collection" auf dem Markt, diese führt Bonus-DVD und Booklet im Gepäck. Achtung! Im deutschen Handel treibt sich eine BD mit allen vier Teilen herum (Die Reitenden Leichen Quadrilogy), leider sind nur gekürzte Fassungen enthalten, Finger weg!


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• Das Dorf der Verdammten (Village of the Damned, Großbritannien 1960) - Sämtliche Bewohner einer kleinen Ortschaft fallen unerklärlicherweise in Ohnmacht, wachen nach ein paar Stunden wieder auf. Wenige Wochen später stellt man bei allen gebärfähigen Frauen des Dorfes Schwangerschaften fest. Bereits im Mutterleib entwickeln sich die Kinder übermäßig schnell, nach der Geburt setzt sich dieser Prozess fort. Offenbar sind alle Sprößlinge auf erstaunliche Art miteinander verbunden, bald suchen Angst und Schrecken den einst beschaulichen Ort heim ...

Dieser Mix aus Grusel, Science-Fiction und Thriller geht unter die Haut! So bleibt die Herkunft der unheimlichen Kinder rätselhaft, überlässt man vieles der Phantasie des Zuschauers. Vor allem gelingt es die Blagen wirklich schaurig einzufangen, mir läuft es bei jeder Sichtung eiskalt den Rücken herunter. "Das Dorf der Verdammten" gehört in jede Sammlung, gleiches gilt für John Carpenters Remake von 1995! Warner präsentiert den Film in ansprechender Qualität, der Bonusbereich gibt leider nur einen (deplatzierten) Trailer zur "James Dean Collection" her.

8/10 (sehr gut)

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Blap Offline




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17.11.2012 14:22
#4958 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

• Die Kinder der Verdammten (Children of the Damned, Großritannien 1963) - Sechs unfassbar begabte Kinder gegen den Rest Welt? Zunehmend als Bedrohung empfunden, sollen die rätselhaften Persönlichkeiten vernichtet werden. Ein Psychologe versucht zu vermitteln ...

Wie der bekanntere und als Klassiker geltende Vorgänger "Das Dorf der Verdammten" (1960), nimmt der Streifen sich zwischen den Zeilen gesellschaftlichen Problemem an. Zeigt Ängste und Vorurteile vor dem Unbekannten, Fremden auf, Unfähigkeit zur fruchtbaren Kommunikation zwischen den Lagern. Auf seltsame Weise bleiben die Charaktere dem Betrachter fremd, vielleicht mag die kühle Distanz ein unangehmens Spiegelbild sein, die Interpretation bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen. So mutig und konsequent die Handlung zunächst voranschreitet, so unelegant und flach mündet Geschehen in einen zahnlosen Ausweg.

Warner bietet den Streifen in solider Verfassung auf DVD an. Für Sammler interessant, die Masse ist bereits mit "Das Dorf der Verdammten" gut bedient.

6/10 (obere Mittelklasse)

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Blap Offline




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19.11.2012 23:07
#4959 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten


Blu-ray von Redemption (USA)



Black Magic Rites (Italien 1973, Originaltitel: Riti, magie nere e segrete orge nel trecento)

Sinnlichkeit & Irrsinn! Renato Polsellis bizarres Kinotheater schäumt über ...

Im 14. Jahrhundert endete Isabella (Rita Calderoni) auf dem Scheiterhaufen, unter dem Beifall des Pöbels wurde sie als Hexe verbrannt. Ihr Liebhaber (Mickey Hargitay) konnte die Massen nicht stoppen, er schwört grausame Rache ... Fünfhundert Jahre später feiert eine illustre Runde am Ort des Geschehens eine rauschende Party. Bald verschwinden Personen, alle Beteiligten geraten in einen Strudel aus Lust, Angst und Wahnsinn ...

Hm, der obige Inhaltseinblick fällt reichlich knapp aus? Ja, einerseits beabsichtigt, andererseits fällt es schwer das Treiben in angemessene Worte zu kleiden. Renato Polselli sprengte meinen Schädel bereits mit dem einzigartigen "Delirio Caldo" (Das Grauen kommt nachts, 1972) in Stücke, "Black Magic Rites" (auch unter dem Titel "The Reincarnation of Isabel" bekannt) quirlt die Grütze erneut mit Volldampf durch den Fleischwolf. Neben der Regie, zeichnet Polselli für das Drehbuch und den Schnitt verantwortlich, ein Meister des obskuren Kinos tobt sich aus.

Wo fange ich, wo höre ich auf? "Black Magic Rites" verführt unsere Augen mit wunderschönen Farben, Erinnerungen an die Kompositionen von Mario Bava werden wach. Hier und da verweilt die Kamera lustvoll, spüre ich einen Hauch Jean Rollin durch den Raum wehen. Plötzlich drangsaliert ein keifendes Schnittmassaker meine Sinne, poltern Hektik und Wahnsinn im Eiltempo über mich hinweg. Bereits während der Vorspann in fröhlichen Farben über meinen Bildschirm rotiert, groove ich mich zu den Klängen der psychedelischen Musik auf den Streifen ein. Wüste Sprünge durch die Jahrhunderte, teuflische Rituale im tödlichen Taumel, Zeit und Raum verlieren an Bedeutung, haltlos und fasziniert lasse ich mich auf den Trip ein, vergesse alles um mich herum. Oft drängt sich der Vergleich zum Theater auf, die "subjektive Qualität" der Kulissen und Effekte verliert mehr und mehr an Bedeutung, unglaubliches Overacting einiger Darsteller wandelt auf dem schmalen Grat zwischen genial und grenzdebil. Immer wieder drängen blanke Brüste (überwiegend) attraktiver Damen ins Bild, muten in diesem Inferno fast wie eine samtige Erdung an, verlieren sich zugleich im überspannten Taumel aus Groschengrusel und bedeutungsschwanger-kaputten Dialogen. Herr Polselli frönt dem Humor. Während das finale Ritual des Schreckens seinen Lauf nimmt, wechselt er mehrfach munter und sorglos den Schauplatz, zeigt uns eine alberne Rödeleinlage aus der unteren Schublade, zerschmettert mit Pantoffeln der Verdammnis -ohne Not- die Krone seines ungezügelt geifernden Höllenschlunds.

Mickey Hargitay und Rita Calderoni waren die tragenden Figuren in "Delirio Caldo", diesmal gehen sie in brodelnder Dauerekstase auf. Nicht immer, nicht immer. Hargitay darf mehrfach um Fassung ringen, während Rita Calderoni mich erneut verzaubert. Herr der Hölle, wie unglaublich schön diese Frau damals war! In all dieser Maßlosigkeit gibt es Momente des Friedens, ruht die Göttin auf ihrem Bett und schaut ins Leere, ich möchte vor der Glotze auf die Knie fallen! Polselli gönnt den Synapsen keine Entspannung. Ich verzichte auf die Aufzählung der übrigen Darsteller, Rita lässt keine klaren Gedanken zu. Ihr dürft sicher sein, wohlgeformte Möpse, fiese Fratzen und neurotische Entgleisungen erwarten euch! "Das Grauen kommt nachts" wurde durch die einzigartige Qualität der deutschsprachigen Synchronisation noch wahnsinniger, diese Option steht für "Black Magic Rites" nicht zur Verfügung. Völlig egal, denn "Riti, magie nere e segrete orge nel trecento" hat bereits ohne weitere Maßnahmen eine gigantische Überdosis galoppierenden Aberwitz aufgesogen.

Wenn die Nutzung des Wortes "Füllhorn" jemals angebracht war, dann beim Versuch meine Eindrücke zu diesem Film festzuhalten. Hektische Sprünge durch die Zeit, Musik die sich aus allen möglichen Schubladen bedient, psychedelische Orgeln und die ganze Welt flüstert, schreit und gurgelt uns das Echo um/in die Ohren. Erotisches Geknister, zerhackt und durch den Schredder geprügelt. Teufelswerk, Gruften, Grusel und Hysterie, plötzlich Vampire. Der Nörgler findet Anschlussfehler in rauhen Mengen, ich trete ihm mit Anlauf in den Arsch, nenne es künstlerische Freiheit! Logik, Stringenz, logische Stringenz??? Bitte, setzt euch mit dem After auch eure Rechenschieber, ungefettet! Lieber Renato Polselli, vielen Dank für diese herrliche Nacht, hinter der Schwelle zum Wahnsinn frohlockt kranke Glückseligkeit. Blapi im Bett mit Rita, Schweineorgel inklusive, sucking in the Seventies!

Boooing! Doooiiingggg! Hallo? ... Wie belieben? Wo bin ich, wer seid das hier und überall? Nun denn, eine DVD zu "Black Magic Rites" stand bereits seit einiger Zeit im Regal, vor wenigen Wochen gesellte sich die BD aus dem Hause Redemption hinzu. Ganz grosses Lob für diese Auswertung, angenehmerweise wurde der Film nicht auf ein "steriles Etwas" geschrumpft. Stimmungsvolle Farben, keine übertriebene Nachschärfung, kleine Verunreinigungen sind sichtbar, die Tonspur knistert und brummt manchmal lebendig vor sich hin. Der Film kommt toll rüber, mehr "Filmfeeling" geht im Pantoffelkino der Großbildfernseher und Beamer nicht (echtes "35mm Kino" lässt sich zumindest erahnen). "Riti, magie nere e segrete orge nel trecento" liegt im italienischen Originalton vor, englische Untertitel sind zuschaltbar. Weniger üppig die Ausstattung, mehr als ein paar Trailer aus dem Labelprogamm sind nicht in an Bord.

Rituale, schwarze Magie und geheime Orgien im vierzehnten Jahrhundert ... oder satanische Freuden mit der Göttin und den Irren = 9/10 (überragend)!!!

Lieblingszitat:

"Her body belongs to Satan. She's damned for all eternity!"

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Blap Offline




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21.11.2012 23:21
#4960 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten






Last Bullet - Showdown der Auftragskiller (USA 2012, Originaltitel: One in the Chamber)

B-Action-Tragikomödie mit Dolph, Cuba, einer hübschen Nachwuchskraft und Fratzengeballer in Hülle und Fülle ...

Auftragskiller Ray Carver (Cuba Gooding Jr.) gilt als zuverlässig und gnadenlos. Doch bei seinem aktuellen Auftrag kann er nicht alle Ziele ausschalten, ärgerlicherweise entkommt Demyan Ivanov (Louis Mandylor). Mikhail Suverov (Andrew Bicknell) sein Bruder Bobby (Leo Gregory) schäumen vor Wut, denn Ivanos Racheschwur bringt jede Menge Unruhe in die Prager Unterwelt. So gerät "Killervermittler" Leo Crosby (Billy Murray) in Bedrängnis, muss nicht nur um seinen guten Ruf fürchten. Die Suverovs setzen auf eine andere Karte, sichern sich die Dienste des legendären Killers Aleksey Andreev (Dolph Lundgren). Während zahlreiche Ganoven ihr Leben verlieren, scheint eine Konfrontation zwischen Aleksey und Ray unausweichlich. Aleksey geht bei aller Präzision extrem lässig vor. Sein Gegenspieler Ray sorgt sich um Janice Knowles (Claudia Bassols), er fühlt sich für die Sicherheit der jungen Frau verantwortlich, da er vor etlichen Jahren auf brutale Weise in deren Leben eingriff ...

Obwohl ich kleine Actionstreifen liebe, habe ich die Arbeiten von William Kaufman bisher nicht auf dem Schirm gehabt. Offensichtlich ein Fehler, zumindest macht "Last Bullet" jede Menge Lust auf weitere Streifen des Regisseurs. Stilsichere Bedienung der Zielgruppe ist angesagt, dem rauhen Charme der osteuropäischen B-Action-Spielplätze bin ich sowieso sehr zuneigt. Rivalisierende Unterweltbanden sind freilich keine Neuigkeit im Genre, dem Drehbuch gelingt es die Story recht interssant zu gestalten, auch wenn die Wendungen nicht wirklich für grössere Überraschungen sorgen. Action wird in angenehmer Dosierung aufgefahren, Geballer und Geprügel sind mit gesunder Härte gesegnet, Kamera und Schnitt vermeiden allzu hektische Auswüchse. Die Sause macht alles richtig, auf die Fresse mit Soße, sehr angenehm!

Vor allem benötigt ein Film dieser Gangart überzeugende Hauptfiguren. Hier gibt es überdies nicht nur anonyme Metzelmasse der üblichen Sorte, kantige Nebenfratzen werten das knallige Treiben zusätzlich auf. Setze ich meine Dolph-Fanbrille ab, bleibt Herr Lundgren dennoch der Chef im Ring. Dolph kommt als erstaunlich geschmacklos gekleideter Killer lässiger als lässig daher, liefert eine grnadiose Vorstellung ab, unterstreicht einmal mehr seine Sonderstellung! Aleksey "Der Wolf" Andreev wird von Lundgren herrlich ironisch dargestellt, als herausragend gespielte Karikatur räumt der Meister mit dem Pöbel auf. Schnell können humorig angelegte Charaktere in peinlich-nervige Gefilde abgleiten, Dolph meistert den schwierigen Balanceakt mit Bravour (ich habe mich köstlich amüsiert. Lieber Dolph, vielen Dank! Dein treuer Fan Das Blap™). Cuba Gooding Jr. sorgt für tragische Zwischentöne, am Killer nagt das Gewissen, in aller Stille bemüht er sich um den Schutz einer jungen Dame. Gooding Jr. kann zwar nicht die übermächtige Präsenz eines Dolph Lundgren anbieten, erorbert aber als "Killer mit Herz" (fast ebenso) mühelos die Sympathie des Zuschauers. Zwei Helden unter Dampf, allerdings muss sich Gooding Jr. -trotz der großzügiger bemessenen Screentime- dem phantastischen Dolph beugen. Claudia Bassols ist hübsch und spielt angemessen, das reicht in diesem von Männern dominierten Kräftemessen völlig aus. Für die attraktive Lia Sinchevici bleibt eine kleine Nebenrolle, sie war mir noch aus dem Van Damme Streifen "Six Bullets" in guter Erinnerung. Louis Mandylor, ein oft zu sehender Nebendarsteller, macht uns den arroganten Bösewicht. Mir gefällt der kantigere Andrew Bicknell besser, gewissermaßen mein Chefekel in diesem Flick. Billy Murray erweist sich als Vermittler mit begrenzter Loyalität, der eigene Hintern ist letztlich immer der wichtigste Hintern, Leo Gregory steht Andrew Bicknell als kleiner Bruder zur Seite. Lundgren super, Gooding Jr. gut, Damen hübsch, fiese Fratzen fies, beide Daumen hoch!

Denke ich an Dolphs Auftritte in den letzten Jahren, hauen die Kracher "The Mechanik" (2005) und "Command Performance" (2009) noch stärker rein, ohne Zweifel erweist sich "Last Bullet - Showdown der Auftragskiller" als Pflichtveranstaltung für jeden Lundgren-Fan und alle Freunde gepflegter B-Action! Krawall bis der Sarg kommt, Humor und stimmungsvolle Kulissen, vorgetäuschte Tiefe funktioniert, Vollbedienung! 2012 steht der B-Action-Kessel unter Dampf, gebt mir mehr (Notiz: Umgehend weitere Filme von William Kaufman erwerben).

Splendid bietet "Last Bullet" als DVD oder BD an, ich habe zur BD gegriffen. Die Scheibe zeigt den Film in guter Qualität, Bonusmaterial ist lediglich in Form diverser Trailer vorhanden. Einkaufstipp: "Last Bullet" gemeinsam mit "Six Bullets" ordern, eine Nacht mit Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme geniessen!

Momentan schwanke ich zwischen 7,5/10 und 8/10. Zack, es werden 8/10 (sehr gut)!

Lieblingszitat:

"Amateure."

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HorstFrank Offline



Beiträge: 699

24.11.2012 19:23
#4961 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

Radhapura - Endstation der Verdammten
mit George Nader, Gordon Mitchell, Carl Möhner, Femi Benussi und Rik Battaglia

Schöner Abenteuerfilm, trashig und mit einer Synchro mit allem, was Rang und Name hat (G.G. Hoffmann, Arnold Marquis, Rainer Brandt, Gerd Martienzen, Beate Hasenau...)

Macht auf jeden Fall Spaß!

Drei Freunde brauchst du im Leben: Verstand, Glück und 'n Kaugummi!
(Helmo Kindermann für Horst Frank in "Das Geheimnis der chinesischen Nelke")

Prisma Offline




Beiträge: 7.571

26.11.2012 10:12
#4962 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

FEAR IS THE KEY (1972)

mit Barry Newman, Suzy Kendall, John Vernon, Dolph Sweet, u.a.

An seinem Funkgerät bekommt der Bergungsspezialist Talbot hautnah mit, wie seine Familie getötet wird. Ihr Flugzeug wurde von Verbrechern abgeschossen. Daraufhin schwört er Rache zu nehmen und entwickelt einen waghalsigen Plan. Als angeblicher Schwerverbrecher und Mörder lässt er sich in die Bande der Schuldigen einschleusen, die ihn wiederum für die Bergung eines Flugzeugwracks brauchen. Doch in den Tiefen verbirgt sich ein weiteres Geheimnis. 'Fear is the key' ist ein eher unbekannter Film, kann sich als Action-Thriller aber durchaus sehen lassen. Besonders seine spektakulären Verfolgungsjagden forcieren die Spannung schon sehr, die im Verlauf aber leider immer wieder durch langatmige Sequenzen abgelöst wird. Das Grundgerüst der Geschichte ist recht originell, doch manchmal kann man dem rasanten Treiben beinahe nicht ganz folgen, da einige Inhalte zu abgehackt und holprig wirken. Barry Newman spielt den nicht über jeden Zweifel erhabenen Protagonisten sehr intensiv und überzeugend, genau wie John Vernon als Gangster-Boss, eine Art Rolle die er ja immer erstaunlich gut prägen konnte, die weibliche Hauptrolle wurde mit der reizenden Suzy Kendall augenscheinlich gut besetzt, doch sie bekam leider überhaupt keine Möglichkeiten, sich zu profilieren und wirkt daher einfach austauschbar. Vom Finale hätte ich mir viel mehr erwartet, der rasante Film bremst seinen Verlauf schließlich selbst aus. In Sachen Action und Spannung kann der Film jedoch, besonders im ersten Drittel, mit seinen ganz großen Vorbildern locker mithalten. So ist "Angst ist der Schlüssel" zwar insgesamt nicht makellos, aber für eine doch angenehme Unterhaltung allemal geeignet.

Blap Offline




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27.11.2012 23:35
#4963 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten


US-DVD von Raro Video



Waves of Lust (Italien 1975, Originaltitel: Una ondata di piacere)

Kammerspiel auf hoher See

Giorgio (John Steiner) behandelt seine Lebensgefährtin Silvia (Elizabeth Turner) herablassend, schreckt nicht vor körperlicher Gewalt zurück. Eines Tages trifft Giorgio die äusserst attraktive Barbara (Silvia Dionisio), umgehend lädt er seinen Flirt zu einem üppigen Abendessen ein. Der wohlhabende Unternehmer erlebt eine unangenehme Überraschung, statt Barbara taucht ein Typ namens Irem (Al Cliver) auf, schlägt sich frech den Bauch voll. Derweil nimmt Barbara Kontakt zu Silvia auf, gemeinsam machen sich die Frauen auf den Weg zu Giorgio und Irem. Auf Giorgios Yacht will die kleine Gruppe ein paar Tage das Mittelmeer geniessen, Liebe, Lust und Alkohol inklusive. Erwartungsgemäß spielt der Kapitän den grossen Boss, doch was treibt Barbara und Irem an ...???

Mit seinem provokanten Vorschlaghammer "Cannibal Holocaust" (Italien 1980) hat Ruggero Deodato Filmgeschichte geschrieben, noch immer sorgt der Streifen für hitzig geführte Diskussionen. Leider werden die übrigen Werke des Regisseurs oft ein wenig stiefmütterlich behandelt, dieses Schicksal hat "Waves of Lust" keinesfalls verdient. Was erwartet den Zuschauer? Ein Thriller mit erotischen Momenten, dessen Handlung sich überwiegend auf einem Boot abspielt. Viele Szenen finden unter Deck statt, das beschauliche Umfeld bricht die vorherrschende "Kammerspielatmosphäre" lediglich hin und wieder auf. Deodato berichtet im Bonusmaterial von Schwierigkeiten mit dem Wetter, von seiner geringen Begeisterung für erotische Filme. Keine guten Voraussetzungen für einen unterhaltsamen Filmabend? Entwarnung, denn das Ergebnis kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen, was nicht zuletzt den starken Leistungen der vier zentralen Akteure vor der Kamera zu verdanken ist. Mich fasziniert die Doppelbödigkeit der Charaktere. Da haben wir den reichen Sack, ekelhaft, unsympathisch, hinter der harten Fassade ein armseliger Säufer. Die Sklavin, die in ihrer devoten Rolle aufgeht, oder etwa andere Pläne schmiedet, auf eine Chance wartet? Der unbekümmerte Sonnyboy und seine kokett-selbstbewusste Gefährtin, beide längst nicht so durchschau- und gängelbar wie von Giorgio zunächst vermutet.

Werfen wir einen Blick auf das kleine Ensemble. John Steiner wurde in England geboren, in den siebziger und achtziger Jahren war er häufig in Genrestreifen aus Italien zu sehen, wurde gern als Bösewicht besetzt. Steiner spielt den rücktsichtlosen Giorgio punktgenau, aus seinem kantigen Gesicht springen uns Arroganz und Kaltherzigkeit entgegen, nicht minder überzeugend der später einsetzende Verfall und Zusammenbruch. Zugegeben, das Drehbuch trägt manchmal fast eine Spur zu dick auf, möchte den Betrachter übereifrig in eine bestimmte Richtung drängen. So folgt auf eine geschäftliche Unterhaltung, zwischen Giorgio und einem bemitleidenswerten Herrn, nichts geringeres als der Selbstmord des zum Bittsteller degradierten Gegenüber. Nebenbei sorgt der smarte Bonze per Funk für die Entlassung von sechshundert Mitarbeitern, jeder soll merken, mit dem Typ ist nicht gut Kirschen essen. Al Clivers Irem ist nicht auf derartig vordergründige Machtdemonstrationen aus. Irem redet nur, wenn er tatsächlich etwas zu sagen hat, lässt die Anspielungen und Attacken seines Gegenspielers geschickt ins Leere laufen. Während John Steiner gekonnt zwischen den Extremen pendelt, gefällt Al Cliver mit seiner natürlichen Lässigkeit und ebenso packenden Darstellung. Elizabeth Turner muss einige Tiefschläge ertragen, Silvia dient Giorgio als Fußabtreter und Liebespuppe. Silvia Dionisio zeigt Barbara als die tatsächlich dominante Figur in diesem Intrigenspiel (gleichwohl bleibt die Einschätzung der Beziehung zwischen Barbara und Irem dem Zuschauer angenehmerweise überlassen). Dionisio war damals mit Ruggero Deodato verheiratet, ihre Vorzüge werden daher nicht unter Wert präsentiert. Es wäre unfair Silvia Dionisio auf ihre Schönheit zu reduzieren, sie kann vor allem abseits erotischer Szenen punkten, zieht als Barbara die Strippen. Weitere Mitwirkende bleiben auf kleine Nebenrollen beschränkt, vielleicht sollte erwähnt werden, dass Saverio Deodato (Sohn von Ruggero und Silvia) kurz zu sehen ist.

Gibt es eine wichtige "Message"? Will "Waves of Lust" Kritik an verantwortungslos handelnden Oberschichtlern üben, die glauben -nein, die davon überzeugt sind- mit Methoden eines mittelalterlichen Herrschers über den Pöbel verfügen zu können? Sehen wir lediglich -vermutlich mit Genuss- dabei zu, wie sich ein Möchtegernhalbgott in einem geschickt gewebten Netz verfängt? Wo verläuft die Grenze zwischen "Gut" und "Böse", existiert eine solche Markierung überhaupt? Kommt "Waves of Lust" als Vorbote zu "Cannibal Holocaust" daher, diesem gnadenlosen Monument der Misanthropie? Sind wir allesamt verdorbene Dreckstücke? (-----Denkpause-----) Bevor ich es vergesse, den stimmungsvollen Score verdanken wir Marcello Giombini, fröhlich flirrt die Elektronik. Lamberto Bava ist (einer der) Storyautoren, die Kamera von Mario Capriotti ist häufig nah am Mann/der Frau, erwartet aber keine allzu eindringlichen Nahkämpfe.

Raro hat "Ondata di piacere" bereits vor einigen Jahren in Italien auf DVD veröffentlicht, die mir vorliegende US-Ausgabe basiert auf der italienischen Scheibe. An der Ausstattung gibt es nichts zu meckern, der Ton liegt in englischer und italienischer Sprache vor, englische Untertitel sind enthalten. Weiterhin gibt es eine durchaus sehenswerte Doku aufs Auge (Interviews mit Ruggero Deodato, Lamberto Bava u. a.), dazu von Deodato gedrehte Werbespots, Texttafeln und ein lesenswertes Booklet in englischer Sprache. Schwachpunkt der Veröffentlichung ist die lediglich befriedigende Bildqualität, die Kompression dürfte gern dezenter ans Werk gehen. Insgsamt eine brauchbare Scheibe, eine neue Abtastung und Auswertung auf BD wäre trotzdem schön, ich würde gern erneut zugreifen!

"Waves of Lust" ist ein schmackhaftes Geniesserhäppchen, ganz sicher kein Film für Hektiker. Ich bin begeistert und ziehe dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut)!

Lieblingszitat:

"Shift your ass ... and do what i told you to do!"

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Blap Offline




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29.11.2012 22:15
#4964 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

Im Ultrakurzformat:



• Die Nacht der Vogelscheuche (USA 1981) - Im Hinterland der USA herrschen rauhe Sitten. Der friedliche Bubba wird zum Opfer des faschistoiden Postboten und anderer Gestalten. Plötzlich erblickt einer der Killer eine merkwürdige Vogelscheuche auf seinem Acker ...

"Dark Night of the Scarecrow" wurde von Frank De Felitta für einen US-Fernsehsender inszeniert. Hier geht es weniger brutal zu als in üblichen Slasher Flicks, grosse Stärke des Streifens ist seine intensive Atmosphäre. Larry Drake überzeugt als grosses Kind Bubba, Charles Durning liefert als reaktionärer Postbote eine ansprechend ekelhafte Vorstellung ab.

Mir liegt der Film als BD aus dem Hause Donau Film vor. Die Scheibe bietet sehr schöne Bildqualität und interessantes Bonusmaterial, klarer Pflichtkauf!

8/10 (sehr gut)




• Speed Cross - Draufgänger in Dreck und Staub (Italien 1979) - Betrug im Motocross! Zwei leidenschaftliche Fahrer aus Italien, müssen sich in Deutschland mit einem verbrecherischen Bonzen und dessen Schergen rumärgern. Nicht nur Training und Rennen sind lebensgefährlich, denn die kriminelle Saubande schreckt vor kaum einer Schweinerei zurück ...

Fabio Testi in einem von Stelvio Massi inszenierten Mix aus Action, Krimi und Motorsport. Die krude deutsche Synchronisation nimmt der Sause (vermutlich) den letzten Anflug von Tiefe, mir macht der etwas schludrig abgedrehte Streifen Spass. Coole Typen, fiese Fratzen, ab und zu gibt es was auf die Fresse, hier und da knattern Mopeds über staubige Pisten. Massi hat in seiner Karriere freilich knalligeren Stoff als "Speed Cross" abgeliefert, Fans des italienischen Genrekinos dürfen einen Blick riskieren.

"Speed Cross" hat auf VHS den Weg in meine Sammlung gefunden, das Band ist von mittelprächtiger Qualität. Offenbar existieren unterschiedliche Fassungen, EuroVideo hat die kürzere veröffentlicht (VHS-Cracks wissen es besser, ich hingegen mutmaße lediglich).

6/10 (obere Mittelklasse) Würden Knuffigkeit und Wohlfühlatmosphäre in der Zahlenwertung berücksichtigt, dürfte dieses Filmchen eine höhere Bewertung einfahren.




• The Tournament (Großbritannien 2009) - Alle sieben Jahre liefern sich dreissig Profikiller einen tödlichen Wettkampf, der Sieger wird mit zehn Millionen US-Dollar belohnt. Lüsterne Geldsäcke beobachten das mörderische Spektakel, eine moderne Schaltzentrale liefert das nötige Bildmaterial. Nicht alle Killer folgen der Gier nach Geld und Ruhm, einer hat eine ganz persönliche Rechung zu begleichen ...

Ving Rhames, Ian Somerhalder und Kelly Hu sind als Anwärter auf den Titel unterwegs, für Scott Adkins ist leider lediglich in einer kleinen Nebenrolle zu bewundern, Liam Cunningham punktet als eiskalter Spielleiter. Mein Liebling ist ganz klar Robert Carlyle, der als versoffener Pfaffe unfreiwillig in das Spektakel hineingezogen wird. Albert Pyun hat bereits 1997 einen ähnlich angelegten Streifen namens "Mean Guns" gedreht, welcher im Vergleich zu dieser Arbeit von Scott Mann gnadenlos abstinkt. "The Tournament" geht ruppig und weitgehend gnadenlos zu Werk, teils schreitet mir das Treiben eine Spur zu hektisch voran.

Deutsche DVD-/BD-Auswertungen sind gekürzt, unter österreichischer Flagge wurde der Film uncut auf den Markt geworfen. Mir ist die deutsche Synchronisation in diesem Fall nicht wichtig, ergo habe ich zur günstig erhältlichen BD aus Großbritannien gegriffen. Ordentliche Qualität, karge Ausstattung. Mein Tipp: Wer ohne deutschen Ton auskommt, macht mit der UK-BD nichts verkehrt, vor allem Robert Carlyle kommt im englischen Originalton herrlich rüber!

Nicht der ganz grosse Vorschlaghammer, aber ansprechender Stoff der rüden Gangart = 7/10 (gut)

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Prisma Offline




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01.12.2012 13:06
#4965 RE: Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? Zitat · Antworten

KATHARINA VON RUSSLAND / CATERINA DI RUSSIA (1963)

mit Hildegard Knef, Sergio Fantoni, Giacomo Rossi-Stuart, Ángela Cavo, Raoul Grassilli und Tina Lattanzi

Als Katharina die Große schließlich herausfindet, dass ihr impulsiver Ehemann, Zar Peter der III ihre Ermordung plant, beschließt sie dessen Erzfeind, den Grafen Orlow, aus dem Gefängnis zu befreien, damit er ihr beim Sturz des Zaren behilflich ist. Sie wird die Kaiserin von Russland und kämpft mit der Kosaken-Armee gegen ihren unbequem gewordenen Mann. Dieser Film von Umberto Lenzi ("Das Rätsel des silbernen Halbmonds") bringt bereits nach kurzer Spielfilmdauer Erstaunliches zu Tage: er floppt auf ganzer Linie! Die Handlungsstränge sind auf ein Minimum an bedeutsamen Informationen reduziert worden, irrelevante Inhalte wurden genüsslich angeschnitten, aber auch das nur halbgaren. Der Kostümfilm kann selbst in Sachen Ausstattung und Aufwand nicht überzeugen, alles wirkt sparsam und hinterlässt einen äußerst dürftigen Gesamteindruck. Langatmig und geschichtlich ungenau plätschert das Drama (das gerne eines sein wollte) ungelenk und abgehackt vor sich hin, gipfelt zu allem Überfluss in einem grauenhaft inszenierten Ende. Hildegard Knef in der Titelrolle richtet nicht das Geringste gegen die Schlampereien aus. Sie wirkt gelangweilt und ihr gönnerhaftes Lächeln wirkt tatsächlich wie Selbstironie, als habe sie bereits zur Entstehung gewusst, was sie dort fabrizieren würde. Die damals erst Mitte 30-jährige hätte von ihrem Aussehen her auch schon 50 sein können, sie sieht einfach unmöglich aus, und unterm Strich bleibt nur ein totales Fiasko in ihrer Filmografie. Einmal oder keinmal sehen reicht bei "Katharina von Russland" vollkommen aus, die Produktion ist leider über weite Strecken vollkommen uninteressant inszeniert worden, enige Darsteller wirken wenigstens teilweise (trotz eindimensionaler oder wahlweise überzeichneter Charakterzeichnungen) recht überzeugend, aber dennoch bleibt hier nur eines übrig, nämlich Langeweile pur. Schade!

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