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Dieses Thema hat 62 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Ray Offline



Beiträge: 1.098

05.08.2018 14:55
#61 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Fahrstuhl zum Schafott (Ascenseur pour l'échafaud) (F 1958)

Regie: Louis Malle

Darsteller: Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Lino Ventura, Elga Andersen u.a.



Florence Carala und Julien Tavernier sind ein Paar und planen für eine unbeschwerte Zweisamkeit Florences Ehemann zu töten und das Ganze wie einen Selbstmord aussehen zu lassen. Was auf dem Papier nach einem perfekten Mord aussieht, wird bei der praktischen Umsetzung zu einer wackligen Angelegenheit...

"Fahrstuhl zum Schafott", 1958 von Louis Malle in der Tradition des amerikanischen Film Noir auf die Leinwand gebracht, gilt als einer der Begründer der Nouvelle Vague. Der Film beginnt als lupenreiner Kriminalfilm, droht nach dem ersten Drittel bisweilen jedoch den reinen Krimifreund durch verschlepptes Tempo und (allzu) dick aufgetragenen Desillusionismus zu verlieren. Wer sich darauf einlässt, bekommt dennoch einen in vielerlei Hinsicht interessanten Spielfilm geboten, der in Teilen eine ähnliche Atmosphäre versprüht wie der wenige Jahre später von Will Tremper vorgelgte Film "Die endlose Nacht". Der Vergleich drängt sich nicht zuletzt auch wegen der Jazz-Untermalung, vorliegend durch keinen geringeren als Miles Davis, auf, welche die Abgrenzung vom konventionellen Kriminalfilm unterstreicht. Punkten kann das Werk überdies durch seine gut aufgelegten Darsteller. Maurice Ronet, der später in mehreren Simmel-Verfilmungen auftreten sollte und Jeanne Moreau ("Die Braut trug schwarz") verkörpern ein Liebespaar, das sich dem Publikum nur bei einem Telefonat sowie auf Bildern als ein solches zeigt, aber durch die präzise, leidenschaftliche Darstellung dennoch keinen Zweifel im Hinblick auf die gegenseitig empfundenen Gefühle aufkommen lässt. In einer kleinen Rolle sieht man zu dem die deutsche Schauspielerin Elga Andersen ("Ein Sarg aus Hongkong"). Für Anhänger des Film Noir oder des französischen (Kriminal-)Films sicher zu empfehlen.

Die Blu-Ray von Studio Canal präsentiert den Film sehr kontrastreich, das Bild ist mitunter allerdings sehr "körnig".


Interessanter, anspruchsvoller Kriminalfilm, der trotz Längen in die Kategorie "sehenswert" fällt. 4 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

03.11.2018 14:57
#62 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Der Chef (Un Flic) (F/I 1972)

Regie: Jean-Pierre Melville

Darsteller: Alain Delon, Richard Crenna, Catherine Deneuve u.a.



In einem französischen Kurort raubt eine Bande um den Nachtclubbesitzer Simon eine Bank aus. Die Ermittlungen übernimmt Kommissar Coleman, der Simon gut kennt und ein Verhältnis mit dessen Freundin Cathy hat...

Der letzte Film Jean-Pierre Melvilles, der mit Hauptdarsteller Alain Delon zuvor bereits in "Der eiskalte Engel" und "Vier im roten Kreis" erfolgreich zusammengearbeitet hatte, strahlt eine sachlich-unterkühlte, ungemein einnehmende Atmosphäre aus. In hellblauen Bildern erzählt der Film die Geschichte um das Figurendreieck Simon-Coleman-Cathy, bei dem natürlich klar ist, dass es früher oder später sowohl aus beruflichen als auch privaten Gründen zu einem handfesten Konflikt kommen muss. Dass die Figurenzeichnung trotz der Konzentration auf diese drei recht oberflächlich bleibt, stört erstaunlich wenig, so sehr saugt man die beinahe hypnotischen Bilder auf. Alain Delon gibt den impulsiven Cop, der vor allem aus den ersten drei "Rambo"-Filmen bekannte Richard Crenna, der aber auch in dem sehenswerten Audrey Hepburn-Thriller "Warte, bis es dunkel ist" mitwirkte, gibt den berechnenden Gangster. Für kühle Erotik sorgt die hellblonde und äußerst ausdrucksstarke Catherine Deneuve. Inszenatorische Höepunkte sind neben dem anfänglichen Überfall vor allem die Szenen in und um einen Schnellzug, zu dem sich Simon zwecks Erlangung zweier mit Drogen gefüllter Koffer eines Schmugglerrings von außen spektakulär Zugang verschafft. Ein kleiner, aber feiner Showdown darf natürlich auch nicht fehlen. Kurzum: ein äußerst sehenswerter Seventies-Krimi aus unserem Nachbarland.

Die DVD von StudioCanal bietet ein gutes Bild.


Faszinierender Cop-Thriller mit sachlich-unterkühlter, aber ungemein einnehmender Atmosphäre und toller Besetzung. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

04.11.2018 22:54
#63 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Vier im roten Kreis (Le Cercle rouge) (F 1970)

Regie: Jean-Pierre Melville

Darsteller: Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand, Gian Maria Volonté u.a.



Kurz bevor Einbrecher Corey aus dem Gefängnis entlassen wird, bekommt er von einem Wärter einen Tipp für einen Juwelenraub. Nach seiner Entlassung begegnet er zufällig dem flüchtigen Häftling Vogel. Die beiden werden zu Komplizen und bilden schließlich mit dem Ex-Polizisten und alkoholkranken Jansen ein Trio, das sich an den großen Coup macht. Auf ihren Fersen befindet sich indes Kommissar Mattei, dem Vogel in einem Nachtzug entwischt war...

Diese vier Figuren bilden die titelgebenden "Vier im roten Kreis" in Jean-Pierre Melvilles vorletztem Film, der heute einen exzellenten Ruf genießt und Heist-Movie-, Western-, Gangsterfilm- und Noir-Elemente zu einer recht gelungenen Mixtur vereint. Allein aufgrund einer Lauflänge von über zwei Stunden kommt er an den deutlich kompakteren "Chef" allerdings nicht ganz ran. Auch im vorliegenden Film bekommt der Zuschauer zwar eine kühle Atmosphäre sowie einen überzeugenden Alain Delon in der Titelrolle zu sehen, die Sogwirkung des Nachfolgers erreicht er dennoch nicht ganz. Vielleicht, weil man statt drei hier vier Hauptfiguren bekommt und sich der Fokus entsprechend weiter aufspalten muss? Vielleicht, weil es an einer nennenswerten Frauenrolle fehlt? Jedenfalls hat der Film gerade im zweiten Drittel manche Länge, auch der im Detail in Szene gesetzte und ohne Dialoge auskommende Überfall kann dies nicht vollends kompensieren. Im kurzen, aber umso knackigeren Finale geht es dann nochmal hoch her und man verrät wohl nicht zu viel, wenn man sagt, dass nicht alle vier das Ende des Films erleben werden.

Die gute DVD von StudioCanal gibt es aktuell bei verschiedenen Anbietern zum Spottpreis von 3,99€. Wer also an französischen Kriminalfilmen dieser Zeit Interesse hat und den Film noch nicht besitzt, sollte zuschlagen.


Etwas lang geratenes, aber doch insgesamt gelungenes Heist-Movie in kühler Atmosphäre mit einem überzeugenden Alain Delon in der Hauptrolle. 4 von 5 Punkten.

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