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Dieses Thema hat 126 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Alpagueur Offline



Beiträge: 1

13.05.2020 11:11
#121 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Wenn wir Delon/Ventura als Hauptprotagonisten mal rausnehmen, könnte es sich um den französischen Actionfilm "Der Greifer" von 1976 handeln. Hauptdarsteller sind hier allerdings Belmondo und Bruno Cremer.

Docca Offline



Beiträge: 4

13.05.2020 12:19
#122 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Danke für den Hinweis. Schau ich mal rein. Wobei ich Belmondo fast schon ausschliessen würde. Ein weiterer Tipp von anderer Stelle war "4 im roten Kreis", der ebenfalls sehr spannend klingt!

Ray Offline



Beiträge: 1.489

13.05.2020 14:03
#123 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #120


Der Tag bricht an (Le jour se lève)

Kriminaldrama, FR 1939. Regie: Marcel Carné. Drehbuch: Jacques Viot, Jacques Prévert. Mit: Jean Gabin (François), Jacqueline Laurent (Françoise), Jules Berry (Monsieur Valentin), Arletty (Clara), Bernard Blier (Gaston), Marcel Pérès (Paulo), Mady Berry (Pförtnerin), René Génin (Pförtner), Arthur Devère (Monsieur Gerbois), Jacques Baumer (Kommissar) u.a. Uraufführung (FR): 9. Juni 1939. Uraufführung (BRD): 11. November 1955. Eine Produktion von Productions Sigma Paris für Les Films V.O.G. Paris.

Zitat von Der Tag bricht an
Durch das ganze Treppenhaus hallen die Schüsse; wenige Minuten später stürzt der Leichnam eines Mannes die Stufen herunter. Sein Mörder, der junge Arbeiter François, der von den anderen Mietern als freundlich und zuvorkommend beschrieben wird, verbarrikadiert sich in der Tatwohnung direkt unterm Dach. Er nutzt die sich anschließende Nacht, um sich noch einmal alle Ereignisse ins Gedächtnis zu rufen, die ihn dazu bewogen, den Varietékünstler Valentin zu töten. Er erinnert sich an Françoise, die er liebt und die Valentin ihm streitig gemacht hatte. Welche Unverfrorenheit seines Konkurrenten hat das Fass zum Überlaufen gebracht?

Der Bericht enthält Spoiler!

Als Poetischen Realismus bezeichnet man eine französische Filmströmung in den 1930er und 1940er Jahren, die wohl am ehesten mit dem Film Noir zu vergleichen und ebenso vielschichtig wie ihr US-amerikanisches Pendant ist, aber oftmals feinfühliger ausfällt und weniger harten Figurenstereotypen nachhängt. Zur Eingrenzung formuliert das Lexikon der Filmbegriffe der Universität Kiel:

Zitat von Jörg Türschmann: Poetischer Realismus. Universität Kiel: Lexikon der Filmbegriffe, 12. Oktober 2012, Quelle
Gemeinsam sind den Filmen Themen wie die düstere Alltagswelt volkstümlicher Helden und die Vergeblichkeit der Liebe. [...] Die Wortkargheit der Figuren, die übersteigerte Bedeutung einzelner Objekte, das nächtliche Ambiente und das statuarische Auftreten der Schauspieler lassen an den Film Noir denken. Der Pessimismus wird zum Identifikationsangebot für den Zuschauer in Form einer Melancholie, die sogar den Tod des Helden am Filmende zur Lösung macht.


Diese Beschreibung passt wie angegossen auf den Film „Der Tag bricht an“, den der Filmkritiker Tom Charity als Meisterwerk des betreffenden Genres bezeichnete. Im Zentrum des Films steht eine Vierecksgeschichte, die man aus den Augen des tragisch zum Mörder gewordenen François betrachtet – eine Position, die Milde und Unverständnis gleichermaßen im Zuschauer hervorruft. François, ein einfacher Arbeiter mit rauer Schale, aber ehrlichem Glauben an eine aufrichtige Liebe, präsentiert sich in den verschiedenen Zeitebenen des Films einerseits als sanfter Liebhaber, der mit widrigen Umständen zu kämpfen hat, und andererseits als verzweifeltes, in die Enge getriebenes Tier. Hauptinteresse des Films ist es, zu zeigen, wie sich diese Zustandsänderung ergeben hat. In dieser Form ist „Der Tag bricht an“ von Vornherein als aristotelisches Drama mit Katastrophe im 5. Akt angelegt; eine Konzeption, die nur deshalb aufgeht, weil dem Publikum das Schicksal der Protagonisten nahegeht.

Warum das funktioniert? Natürlich in erster Linie aufgrund des famosen Schauspiels von Jean Gabin als François. Der spätere „harte Hund“ Gabin ist hier in noch eher jungen Jahren zu sehen; die Bodenständigkeit und das Schicksal seiner Figur machen ihn leicht zugänglich und die tragische Wucht der Rolle bietet ihm die Gelegenheit, sein fachliches Können unter Beweis zu stellen. Besonderen Ruhm verdiente sich Gabin durch seine Wutrede am Fenster im letzten Drittel des Films, die er ohne jede Zurückhaltung darbot. Auch die anderen Akteure sind treffend besetzt: Jacqueline Laurent und Arletty bilden ein reizendes Damen-Duo aus blonder Unschuld und schwarzem Vamp, wobei beide Mitleid und Bewunderung verdienen. Gabin und Laurent haben ihre stärkste gemeinsame Szene im Gewächshaus; die von Arletty verkörperte Clara verbirgt sich zunächst hinter einem koketten Schutzpanzer, der aber später zerbricht, als sie die fiebrige Françoise pflegt. Ein besonderes Gustostück ist auch der Auftritt von Jules Berry als sprunghafter Monsieur Valentin, der als zerstörerisches Element des Films stellenweise eine wahrhaft diabolische Wirkung entfaltet. Die Entwicklung der Figuren deutet an, wie nah extreme Zu- und Abneigung beieinanderliegen und sich oftmals gegenseitig bedingen. Der dadurch in Gang gesetzte niederschmetternde Strudel der Ereignisse zeichnet den Film als besonders engagiertes und auch spannendes Kriminaldrama aus, erschien in Frankreich 1939/40 aber allzu demoralisierend, sodass er wenige Monate nach seiner Uraufführung verboten wurde.

Dass der Film diesen Rückschlag und auch die versuchte Vernichtung aller Kopien im Zuge des US-Remakes von Anatole Litvak („The Long Night“, 1947) überlebte, ist ein großer Glücksfall, denn nicht nur inhaltlich und darstellerisch, sondern auch formell beweist „Der Tag bricht an“ große Klasse. Regisseur Marcel Carné brachte den Realismus ironischerweise gerade deshalb so überzeugend zum Tragen, weil er den Film praktisch ausschließlich in Studiokulissen drehte. Sie verdeutlichen die bedrückende Umgebung der Industriestadt und die Einsamkeit des Protagonisten in seinem Dachgeschosszimmer eines Hauses, das weit über die Nachbarbebauung hinausragt. Ein aufwendiger Schwenk durch das gesamte Treppenhaus darf ebenso als Pionierleistung von Carné und seinen Kameramännern angesehen werden wie die Einbindung von Rückblenden, welche sich durch langsame Überblendungen ankündigen. Beide Ideen waren damals stilprägend; hinzu kommen das klassische, weich ausgeleuchtete Schwarzweiß und die dichte Atmosphäre, die von den überzeugenden Kulissen von Alexandre Trauner geschaffen wird.

„Der Tag bricht an“ wird in jeder Hinsicht heute zurecht als Grundpfeiler des französischen Kinos erachtet, lohnt sich aber auch einfach als rührend bittere Kriminalromanze mit faszinierender Konsequenz. Tatsächlich poetisch realistischen Darstellungen von Jean Gabin, Jacqueline Laurent und Arletty steht ein überzeugend bösartiger Jules Berry gegenüber.

(5 von 5 Punkten)

PS: Pflichtlektüre zum Film ist wieder einmal der Artikel auf Der-Film-Noir.de, wo „Der Tag bricht an“ verdientermaßen die seltene 5-Sterne-Bewertung erhält.





Über den Titel bin ich auch schon mehrfach gestolpert. Deine Besprechung dürfte nun der maßgebliche Anstoß sein, sich den Film mal vorzunehmen. Zu dem Werk finden sich übrigens auch mehrere Seiten in dem Buch "Kino der Blicke", das ich mir auf deinen Hinweis zugelegt und überblicksartig durchgelesen habe. Kann man wirklich empfehlen. In die jeweilige Zeitgeschichte eingebettet werden die einzelnen Phasen jeweils anhand repräsentativer Werke erörtert. Mnache Filme werden einer längeren Analyse zugeführt, andere kurz erwähnt. Dank Film- und Personenregister eignet sich das Buch auch als Nachschlagwerk.

haui Offline



Beiträge: 43

14.05.2020 19:57
#124 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Moin,

ich würde den Film mit Jean Gabin + Robert Stack und "unseren" Walter Giller gerne mal sehen (deutsch).
Leider kenne ich nur die gängigen Trailer.

ACTION MAN - Bankraub fast perfekt (Le Soleil des Voyous)

Gibt es einen TIPP, eine DVD und wo ?

Oder hat Jemand eine DVD ... vom TV erstellt und würde tauschen oder ...
Grüße haui

Ray Offline



Beiträge: 1.489

15.05.2020 13:26
#125 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Der Film klingt sehr interessant, ist aber wohl noch nicht auf DVD erschienen. Kann dir also leider nicht weiterhelfen.


Der Mann aus Marseille (La Scoumoune, F/I 1972)

Regie: José Giovanni

Darsteller: Jean-Paul Belmondo, Claudia Cardinale, Michel Constantin, Gérard Depardieu u.a.



Marseille in den 1930ern: Im Rahmen eines Bandenkrieges ist Roberto Borgo zu Unrecht wegen Mordes verurteilt worden. Sein Freund Xavier will die Unschuld Robertos beweisen und mischt zu diesem Zweck im Kampf der Gangster ordentlich mit. An seiner Seite: Robertos schöne Schwester Georgia...

José Giovanni inszenierte diesen Gangsterfilm auf Basis seines eigenen Romans. In 100 Minuten Film packt er dabei enorm viel Inhalt: Das Verfahren um Roberto, Xaviers Einstieg und Aufstieg im Bandenkrieg, seine Verhaftung, der gemeinsame Gefängnisaufenthalt mit Xavier und die Zeit danach. Der Film besitzt eine gute Atmosphäre und kann dem Genre entsprechend mit dem ein oder anderen Schusswechsel unter den Gangstern aufwarten. Mit Jean-Paul Belmondo, Claudia Cardinale und Michel Constatin ist der Film in zentralen Rollen zudem vorzüglich besetzt, die Musik von Francois de Roubaix ist erstklassig. Allerdings verflacht der Film in der Phase, während Roberto und Xavier sich gemeinsam hinter Gittern befinden, ein wenig. Geweckte Erwartungen bezüglich eines Ausbruchs oder zumindest eines Versuchs werden nicht erfüllt. Giovanni arbeitet im Übrigen mehrfach mit Auslassungen, was dem Film nicht immer zugute kommt. Alles in allem handelt es sich dennoch um einen sehenswerten Beitrag seiner Gattung. In einer kleinen Rolle zum Ende des Films ist übrigens der junge Gérard Depardieu zu sehen.

Die (vergriffene) DVD von Universal bietet ein gutes Bild.


Sehenswerter Gangsterfilm mit hochkarätiger Besetzung, erstklassiger Musik, aber auch kleineren inhaltlichen Schwächen. 4 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.314

17.05.2020 11:30
#126 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten



Mord bleibt Mord (Un meurtre est un meurtre)

Kriminalfilm, FR / IT 1972. Regie: Etienne Périer. Drehbuch: Dominique Fabre, Etienne Périer (Romanvorlage, 1972: Dominique Fabre). Mit: Jean-Claude Brialy (Paul Kastner), Stéphane Audran (Marie Kastner / Anne Andrieux), Robert Hossein (Jean Carouse), Michel Serrault (Commissaire Plouvier), Catherine Spaak (Françoise Noblet), Michel Creton (Apotheker Moureux), Olivier Hussenot (Notar), Claude Chabrol (Schlafwagenschaffner), Madeleine Damien (1. Kundin im Modesalon), Jeanne Pérez (2. Kundin im Modesalon) u.a. Erstsendung (FR): 23. August 1972. Erstsendung (BRD): 1974. Eine Produktion von Les Films de l’Epée Paris, Planfilm Paris und Tritone Cinematografica Rom.

Zitat von Mord bleibt Mord
Autoverkäufer Paul Kastner ist in doppelter Hinsicht beruhigt: Seine ebenso steinreiche wie unleidliche Gattin Marie ist gerade beerdigt und die Untersuchung ihres Todes mit der Feststellung von Pauls Unschuld beendet worden. Der Witwer erwartet, nun endlich in Ruhe mit seiner Geliebten Françoise zusammenkommen zu können, hat dabei aber die Rechnung ohne zwei entschiedene Störfaktoren gemacht: seine Schwägerin, die ihm hartnäckig doch noch den Mord in die Schuhe schieben will, und einen Erpresser namens Carouse. Dieser gibt unumwunden zu, Marie getötet zu haben, um dann von Paul ein Schweigegeld zu kassieren. Wird Paul zur Polizei gehen, Carouse bezahlen oder ihn ermorden?


Man kann schon echtes Mitleid mit dem armen Paul Kastner empfinden, dessen einziger, aber dafür umso folgenschwererer Fehler es war, die Ehe mit einer Frau einzugehen, welche sich nach einem Unfall in eine Hobby-Despotin verwandelte. In einigen Rückblenden erhält der Zuschauer Einblick in das psychotische Verhalten der Rollstuhlfahrerin Marie Kastner, die ihrem Mann mit Eifersucht und Aggression zusetzte – sodass es eine richtiggehende Befriedigung ist, Stéphane Audran in dieser Rolle gleich zweimal sterben sehen zu dürfen. Auch gerät der Ehemann logischerweise unter Verdacht, bei so einem „gelegenen“ Ableben seiner Gattin nachgeholfen zu haben – ein simples Vorurteil, um das bereits viele Schauergeschichten gestrickt worden sind. Glaubt man zunächst, mit „Mord bleibt Mord“ eine ebensolche Story serviert zu bekommen, in der der Gemahl sich an den Bremskabeln des Unfallwagens verging, erweist sich der Film von Etienne Périer als wesentlich einfallsreicher.

Tatsächlich ist Paul unschuldig und man würde ihm eine Beziehung in ruhigerem Fahrwasser mit der wesentlich ausgeglicheneren Françoise von Herzen gönnen; doch nach Maries Beerdigung geht der Terror für ihn erst richtig los. Jean-Claude Brialy wird nicht nur von einem aufdringlich liebenswürdigen Kommissar (Michel Serrault) wieder und wieder malträtiert; auch erhält er mit Maries Schwester, die der Toten wie aus dem Gesicht geschnitten ist, einen neuen Quälgeist als Mitbewohnerin. Audran legt ihre zweite Rolle noch geifernder und unverschämter an als die erste und verleiht der Anne Andrieux sogar deutliche Anzeichen von Wahnsinn, die sie gefährlich und explosiv, manchmal aber auch einfach wie ein stures Kind auf der Suche nach einem Sündenbock wirken lassen.

Wesentlich qualifizierter bringt sich Robert Hossein ins Geschehen ein: Als kaltblütiger Erpresser, der scheinbar an alles denkt, um Paul in die Klemme zu manövrieren, darf Hossein die wohl ungewöhnlichste Rolle des Films bekleiden. Seine Rolle liefert dem Drehbuch nicht nur immer wieder neue Wendungen, sondern ist auch eine gelungene Verdrehung üblicher Krimiklischees. Zugleich hat sie etwas unglaublich Mysteriöses an sich, was auch damit zusammenhängt, dass Carouse seine Karten nur sukzessive und sehr strategisch ausspielt – wie ein Raubtier lässt er Paul, seine Beute, zappeln und beobachtet dessen Abwehrverhalten mit sadistischer Freude. Auch veranlasst er Paul und Françoise (die übrigens von einer reizend bodenständigen Catherine Spaak – ganz anders als in „Die neunschwänzige Katze“ – gespielt wird), nun doch einen Mord zumindest in Erwägung zu ziehen.

So spielt „Mord bleibt Mord“ mit den Konventionen des Genres und erweist sich dabei immer als frisch und überraschend. Gut gelungen sind auch die auflockernden Momente, für die neben dem Ermittler auch zwei alte Damen mit offenbar spitz gefeilten Zungen sowie ein vom bekannten Regisseur Claude Chabrol verkörperter Eisenbahnschaffner zuständig sind. Périers inszenatorische Handschrift inklusive Kamera und Musik hätte hingegen noch etwas kühner ausfallen können, um die Gruselmomente, die anziehende psychologische Spannungsschraube und die Ausweglosigkeit für Paul stärker zu akzentuieren. Des Weiteren wirkt es etwas enttäuschend, dass am Ende eine Nebenfigur als Katalysator und Lösungsgeber des gesamten Rätsels auftritt – dieser Charakter hätte vorher bereits etwas stärker ausgebaut werden können.

Trotz kleinerer Mängel verbringt man als Zuschauer mit diesem ungewöhnlichen Psychokrimi eine äußerst unterhaltsame und kurzweilige Zeit, was vor allem an seiner inhaltlichen Beweglichkeit und den treffend (manchmal vielleicht allzu pointiert) aufspielenden Darstellern liegt. „Mord bleibt Mord“ mag kein glanzvoller Meilenstein des französischen Thrillergenres sein, stellt aber sehr wohl ein spannendes Puzzlestück in dessen Gesamtbild dar.

(4 von 5 Punkten)

Ray Offline



Beiträge: 1.489

24.05.2020 14:23
#127 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Der Panther wird gehetzt (Classe tous risques, F 1960)

Regie: Claude Sautet

Darsteller: Lino Ventura, Jena-Paul Belmondo, Sandra Milo u.a.



Auf der gemeinsamen Flucht von Italien nach Frankreich mit Familie und Komplizen kommen die Frau des Gangsters Abel Davos sowie der Kumpane ums Leben. Davos bittet alte Weggefährten, ihm bei der Einreise behilflich zu sein. Diese kümmern sich jedoch nicht persönlich, sondern schicken den aus Sicht von Davos unbekannten Eric Stark. Entgegen den Erwartungen der vermeintlichen Freunde gelingt die Einreise. Nachdem Davos diese zur Rede gestellt hat, wenden sie sich endgültig von Davos ab und begehen Verrat...

„Der Panther wird gehetzt“ basiert auf einem Roman von José Giovanni und zeigt Lino Ventura in der Rolle des Gangsters Davos sowie den jungen Jean-Paul Belmondo als seinen Helfer Eric Stark. Die Inszenierung von Regisseur Claude Sadet erinnert an spätere Kriminalfilme von Jean-Pierre Melville und zeichnet sich durch atmosphärische Dichte aus. Ventura entwickelt als Gangster mit naturgemäß einigen negativen, aber auch positiven Charaktereigenschaften eine gewohnt beeindruckende Präsenz, Belmondo bringt eine gewisse Lockerheit ins Spiel. Sandra Milo, die im Verlaufe der Handlung dazustößt, punktet durch ihre natürliche Ausstrahlung. Nach spektakulärem Einstieg inklusive eines „Blitz-Raubes“ von Davos und seinem Komplizen inklusive anschließender Flucht im Auto und auf dem Motorrad legt der Film in der Folge ein eher ruhigeres Tempo an den Tag, um am Ende in Sachen Action und Spannung noch einmal anzuziehen. Wenn man dem Werk etwas vorwerfen kann, dann ist es der Umstand, dass die Polizisten kaum in Erscheinung treten, obendrein wenig charismatisch sind und daher aus Sicht des Zuschauers für Davos keine echte Gefahr darstellen. Dies wurde etwa bei „Der Clan der Sizilianer“ – allerdings auch erst nach Anstoß durch den Produzenten – besser gelöst.

Die Bildqualität der Blu-Ray von Filmjuwelen ist insgesamt sehr gut, in weiten Teilen sogar exzellent. Als Bonus gibt es neben dem üblichen Booklet eine ca. 20 Jahre alte, halbstündige Dokumentation über Lino Ventura, in der u.a. auch José Giovanni zu Wort kommt.


Hochwertig inszeniertes und erstklassig gespieltes Gangsterdrama mit kleinen inhaltlichen Schwächen. 4 von 5 Punkten.

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