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Dieses Thema hat 159 Antworten
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Sir Oliver Offline




Beiträge: 2.007

05.05.2010 07:26
#76 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Zitat von Joachim Kramp

Zitat von Glasauge
Ich habe mir noch einmal den Original-Trailer angesehen und da ist ein Teil der Verhaftung von Bob enthalten. Vielleicht verstaubt die Szene in irgendeinem Archiv. Gibt es hier vielleicht irgendjemanden der den Film im Kino gesehen hat und deshalb wissen kann ob die Szene in der Kino-Version war?



Ich hatte den Film erstmals im April 1969 - also vor genau 41 Jahhren - gemeinsam mit meiner Großmutter angesehen und kann mich noch sehr gut an diese Szene erinnern. (Insgesamt hatte ich mir den Film seinerzeit bestimmt zehnmal im Kino angesehen.)

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*


soll heißen die DVD-Ausgabe ist "gekürzt"?!? In welcher Szene kommt das denn vor bzw. soll vorkommen?

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

05.05.2010 08:18
#77 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Zitat von Sir Oliver

Zitat von Joachim Kramp

Zitat von Glasauge
Ich habe mir noch einmal den Original-Trailer angesehen und da ist ein Teil der Verhaftung von Bob enthalten. Vielleicht verstaubt die Szene in irgendeinem Archiv. Gibt es hier vielleicht irgendjemanden der den Film im Kino gesehen hat und deshalb wissen kann ob die Szene in der Kino-Version war?



Ich hatte den Film erstmals im April 1969 - also vor genau 41 Jahhren - gemeinsam mit meiner Großmutter angesehen und kann mich noch sehr gut an diese Szene erinnern. (Insgesamt hatte ich mir den Film seinerzeit bestimmt zehnmal im Kino angesehen.)

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*


soll heißen die DVD-Ausgabe ist "gekürzt"?!? In welcher Szene kommt das denn vor bzw. soll vorkommen?




Kannst Du im Hallo-Buch bei DER MANN MIT DEM GLASAUGE genau nachlesen!

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

Blap Offline




Beiträge: 1.128

04.08.2010 21:59
#78 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Der Mann mit dem Glasauge (Deutschland 1969, Originaltitel: Der Mann mit dem Glasauge)

Eine Tänzerin vergnügt sich mit ihrem Geliebten in einem Hotelzimmer. Plötzlich taucht eine maskierte Gestalt auf, tötet den Burschen mit einem gezielten Messerwurf und verschwindet unerkannt. Das Mädchen namens Leila kommt zunächst mit dem Schrecken davon, wird jedoch wenig später Opfer eines perfiden Giftanschlags. Inspektor Perkins (Horst Tappert) und sein Mitarbeiter Sergeant Pepper (Stefan Behrens) nehmen die Ermittlungen auf, selbstverständlich unter den kritischen Blicken ihres Vorgesetzten Sir Arthur (Hubert von Meyerinck). Die Nachforschungen führen Scotland Yard in einen Billiard-Club. Dort gehen vermutlich illegale Geschäfte über die Tische, doch Sir Arthur mag seinen Beamten keinen Glauben schenken. Das Mordopfer Leila war Mitglied der "Las-Vegas-Girls", als ein schleimiger Lappen zwei weitere Damen aus der illustren Truppe entführen will, wird auch er von einem Unbekannten per Messerwurf gekillt. Die Lage scheint zunehmend unübersichtlicher, denn irgendwer hat es auf die "Las-Vegas-Girls" abgesehen, gleichzeitig tötet ein rätselhafter Messerwerfer diverse Schurken. Welche Bedeutung haben die immer wieder auftauchenden Glasaugen? Welche Rolle spielt die Tänzerin Yvonne Duval (Karin Hübner), die von dem nervösen Bruce Sharringham (Fritz Wepper) umworben wird? Führt die Spur des Mörders zu Bruce, der ganz offensichtlich ein Problem mit Drogen hat...???

"Der Mann mit dem Glasauge" wurde Ende 1968 gedreht, bereits im Februar 1969 erstrahlte der Film auf den Leinwänden der Republik. Wie so oft führte Alfred Vohrer Regie. Der emsigste aller Wallace Regisseure, verabschiedete sich mit seinem insgesamt 14. Beitrag aus der Filmreihe von Rialto. Ein üppiger Anteil am Gesamtwerk, geht damit auf sein Konto. Insgesamt brachte es die Serie auf 32 Filme, nach "Der Mann mit dem Glasauge" folgten noch vier weitere Titel. Für diese Produktion griff man erneut auf bewährtes Personal zurück. Neben Vohrer war es auch für einige andere gestandene Mitarbeiter, der endgültige Abschied aus dem Wallace Universum. Mit Vohrer ging dessen knuffige Assistentin Eva Ebner. Vor der Kamera waren es die finalen Auftritte für Ilse Pagé, Harry Wüstenhagen, Jan Hendriks und Hubert von Meyerinck, um nur einige Namen zu nennen. Die Musik komponierte wie so oft Peter Thomas, der den peppigen Vorspann mit einem herrlichen Groove untermalt, sofort ist für beste Laune gesorgt. Karl Löb zeichnet für die Kamera verantwortlich, wie immer ist seine Arbeit ohne Fehl und Tadel. Wie schon die zeitnah gedrehten Vorgänger, atmet auch dieses Werk den Geist der späten sechziger Jahre in vollen Zügen. Die Farben leuchten in aller Pracht. Sie sorgen damit für diese wohlige Atmosphäre, in die ich immer wieder gern eintauche. Alfred Vohrer baut bekanntlich gern kleine Ferkeleien und/oder schlüpfrige Anspielungen ein. So müssen wir auch hier nicht auf eine kleine Prise Möpse und Popo verzichten, vermeintlich verdorbene Dialoge inklusive. Ein ganz offenkundig schwules Pärchen darf kurz für Stimmung sorgen. Für Vohrer sicher eine Genugtuung, welche für die damalige Zeit recht gewagt erscheint. Dieser dezent subversive Unterton, macht den Film gleich noch eine Portion sympathischer. Der geneigte Fan bekommt die gesamte Palette an Wallace Köstlichkeiten geboten: Herrliche Dialoge, schräge Vögel und groteske Momente, einen zupackenden Ermittler und dessen beknackten Assistenten, den völlig unfähigen Yard Chef und Lustmolch, Albernheiten und Tragik, hier und da ein bißchen Sex, Drogen und Groove. Die "Messermorde" fallen recht blutig aus, die Farbe des Blutes weckte in mir Assoziationen mit den wundervollen Gruselschockern von Hammer und Konsorten.

Ein kurzer Blick auf die Darsteller. Horst Tappert gefiel mir schon in "Der Gorilla von Soho" sehr gut, der äüsserst positive Eindruck bestätigt sich hier. Einen kleinen Schwachpunkt stellt die Besetzung des Sergeant Pepper dar. Uwe Friedrichsen spielte das leicht debile Helferlein von Tappert im besagten "Gorilla von Soho, leider war er für "Glasauge" nicht verfügbar. Stefan Behrens übertreibt es mit den Albernheiten, doch schlimmer als das was er sagt, ist die Art und Weise wie er es vorträgt. Diese krächzige Stimmchen ist kaum zu ertragen. Es sollte auch nicht unterschlagen werden, dass die Chemie zwischen Tappert und Friedrichsen weitaus stimmiger war. Der zweite Irre im Bunde wird erneut von Hubert von Meyerinck dargestellt. An ihn hat man sich inzwischen gewöhnt, auch wenn er nie die liebenswerte Seltsamkeit einen Sir John (Siegfried Schürenberg) erreicht. Immerhin hat seine Sekretärin Mabel (Ilse Pagé) sich auch endlich mit Sir Arthur abgefunden, die beiden flirten gar heftig miteinander (Wehe, wenn Sir John davon Wind bekommt...). Frau Pagé gibt sich hier generell ein wenig frivoler als üblich, sehr angenehm. Die weibliche Hauptrolle wurde mit Karin Hübner zwar durchaus sympathisch, aber ein wenig zu unscheinbar besetzt. Unscheinbar nicht in der Hinsicht auf die optischen Qualitäten der Dame, ihr Spiel (und die Anlage der Rolle) geben nicht allzu viel her. Andererseits mag diese Ausrichtung für den Gesamteindruck notwendig sein, darauf kann ich wegen Spoilergefahr nicht näher eingehen. Eine ganz starke Leistung bekommen wir von Friedel Schuster zu sehen, die als kalte und hartherzige Tyrannin geradezu brilliant aufspielt. Fritz Wepper war mir noch nie besonders angenehm, ich akzeptiere ihn als Sklave von Derrick, seinen späteren Chef trifft er hier übrigens zum ersten Mal vor der Kamera. Der stets verschwitzte, gehetzte Jüngling steht im gut zu Gesicht, er liefert eine solide und glaubwürdige Vorstellung ab. Es würde den Rahmen eines Kurzkommentares sprengen, wenn ich nun alle Mitwirkenden erwähnen würde. Auf die sehr gelungenen Auftritte von Harry Wüstenhagen, Jan Hendriks und Rudolf Schündler, sei mir trotzdem ein kurzer Hinweis gestattet. Die kleine Rolle von Ewa Strömberg erfreute meine entzündeten Augen, ich hätte die schöne Schwedin gern ausführlicher zu Gesicht bekommen. Zum Abschluss sei noch erwähnt, dass Iris Berben in einer kleinen Nebenrolle zu sehen ist.

Der 28. Edgar Wallace Film aus dem Hause Rialto. Damit ist auch die Zeit für die letzte der acht DVD-Boxen angebrochen, die insgesamt fünf Filme an Bord hat. "Der Mann mit dem Glasauge" wird durch folgende Titel ergänzt:

- Das Gesicht im Dunkeln
- Die Tote aus der Themse
- Das Geheimnis der grünen Stecknadel
- Das Rätsel des silbernen Halbmonds

Mein persönlicher "Wallace Marathon" steuert unaufhaltsam auf die Ziellinie zu. Es wird ein erhabenes Gefühl sein, all diese Perlen innerhalb weniger Monate geschaut zu haben. Ein wenig wehmütig stimmt es mich auch, doch bekanntlich ist nach der Sichtung vor der Sichtung! Für ein endgültiges Fazit ist es noch zu früh, doch das Unternehmen hat mir bereits jetzt jede Menge Freude bereitet. Alte Schätzchen aus der Jugend wurden erneut geschaut, vergessene Perlen ausgegraben, mancher Titel gar der Erstsichtung zugeführt. Nebenbei steht noch "Der Teufel kam aus Akasava" an. Eine Wallace Verfilmung von CCC-Film, bei der Jess Franco Regie führte. Dazu nach erfolgter Betrachtung mehr.

"Der Mann mit dem Glasauge" schafft es nicht in die vorderen Ränge meiner "Wallace Rangliste", doch bei einem derart starken Feld, soll dies nun wahrlich kein Mangel sein. Alfred Vohrers Abschied hat mich gut unterhalten, kleine Schwächen mag ich dem Streifen nicht ankreiden. Es reicht ganz locker für 7/10 (gut), die Tendenz weist in Richtung "gut bis sehr gut".

Lieblingszitat:

"Aha! ...und wie lange soll ich blasen?"
"Wie ich schon sagte, bis er ganz steif ist!"
(Nein, dieses Zitat hat nichts mit Sex zu tun! Ihr Ferkel!)

***

Vom Ursprung her verdorben

Sir Oliver Offline




Beiträge: 2.007

05.08.2010 07:29
#79 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Zitat von Blap
Der Mann mit dem Glasauge (Deutschland 1969, Originaltitel: Der Mann mit dem Glasauge)

Zum Abschluss sei noch erwähnt, dass Iris Berben in einer kleinen Nebenrolle zu sehen ist.

wirklich eine ganz tolle kritik
nur eine frage zu o.a. nebenrolle... ist mir bisher noch nicht bewusst aufgefallen... oder ich weiß nur nicht, wie iris berben in jungen jahren aussah

Count Villain Offline



Beiträge: 3.835

05.08.2010 09:27
#80 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Sie ist eine der Las-Vegas-Girls, die von Nuthatcher an Riebauer weitergeleitet werden, in dessen Wagen sie dann eine kleine Portion Heroin bekommen.

Scarpine ( gelöscht )
Beiträge:

05.08.2010 18:03
#81 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Zitat von Blap
Der Mann mit dem Glasauge (Deutschland 1969, Originaltitel: Der Mann mit dem Glasauge)

Die weibliche Hauptrolle wurde mit Karin Hübner zwar durchaus sympathisch, aber ein wenig zu unscheinbar besetzt. Unscheinbar nicht in der Hinsicht auf die optischen Qualitäten der Dame, ihr Spiel (und die Anlage der Rolle) geben nicht allzu viel her.


Diese These halte ich für ziemlich weit hergeholt. Über die schauspielerische Leistung von Karin Hübner mag man streiten können (weil darstellerische Leistungen nun mal Geschmacksache sind), aber ihre Rolle als schwach zu bezeichnen, ist absolut unverhältnismäßig. Der Charakter der Nora Wilson beinhaltet wirklich alles für eine Schauspielerin: Wut, Trauer, Liebe, Melancholie und Tragik. Da waren die meisten anderen Frauenrollen der Serie nun wirklich banaler gestrickt.

Ansonsten eine sehr schöne Filmbesprechung.


Blap Offline




Beiträge: 1.128

05.08.2010 19:41
#82 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Zitat von Scarpine
Der Charakter der Nora Wilson beinhaltet wirklich alles für eine Schauspielerin: Wut, Trauer, Liebe, Melancholie und Tragik.



Ich stimme dir zu, die Figur würde diese grosse Bandbreite hergeben. Aber das Drehbuch gewährt der Rolle in dieser Hinsicht zu wenig Raum zur Entfaltung. So empfinde ich es, selbstverständlich kann man da anderer Meinung sein.

Bekanntlich geht es bei den Wallace Filmen nicht primär um ausufernde Charakterstudien. Daher will ich dem Film keinen Vorwirf machen. Vielleicht hätte eine ausdrucksstärkere Darstellrin der Rolle mehr echte Tiefe verliehen, trotz des Drehbuchs. Aber das sind Details, insgesamt ist der Film gelungen und unterhaltsam.

"Schwach" finde ich die Darbietung übrigens nicht, aber artet es zur Wortklauberei aus. ;)

***







Vom Ursprung her verdorben

Janek Offline




Beiträge: 1.852

01.01.2011 14:51
#83 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Über diesen Film war ich wirklich überascht! Er ist von der ersten Minute an zu meinen Lieblings Wallace aufgestiegen. Von der ersten bis zur letzten Minute büßt er nicht an Spannung ein. Zudem enthält dieser Film endlich wieder Schlachten zwischen Scotland Yard und den Verbrechern. Der Mörder hat ein gutes Outfit und der Film ist von meiner Seite her erstklassig besetzt! Auch die idee kurz vor Schluss des Filmes mit der Maschienenpistole in dem Lüftungsschacht erstklassig.Der Film hat eine super gruselige Stimmung und überrascht in einer Tur mit spannenden Szenen. Wie die Schieserein hinter der Pension, zudem gehört er zu den wenigen Wallace Filmen wo mal an Blut nicht gespart wurde! Auch sehr spannend die Verfolgungjagd im Theater.

Für mich einer der besten Wallace Krimis! Fazit 5 mit******/5

MfG

Janek

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.397

06.01.2011 13:22
#84 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

BEWERTET: "Der Mann mit dem Glasauge"

"Ein Krimischocker von höchster Perfektion!" - Das deutsche Filmplakat verkündet vollmundig, dass es auch diesmal unmöglich sei, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein. In gewisser Hinsicht stimmt dies, aber Perfektion? Das Drehbuch von Paul Hengge weist einige Längen und Ungereimtheiten auf. Es ist nicht klar erkennbar, wohin der Film eigentlich will. Einerseits sehen wir Sir Arthur in Hochform (kein Satz ohne Pointe); erleben einen schlagkräftigen und schnellen Horst Tappert; ärgern uns über die quäkende Stimme von Stefan Behrens, der durchaus auch ernste Rollen spielen kann (siehe: "Der Monddiamant"); staunen über die fliegenden Fäuste, denen Alfred Vohrer in Ermangelung eines Heeres von Ratten und einer Schlangengrube diesmal viel Raum einräumt. Andererseits erleben wir Karin Hübner in einer Rolle, die dem bunten Treiben einen Spiegel vorhält. Den Spiegel, der die ungeschönte Wahrheit zeigt. Die Enthüllung ihrer Lebensgeschichte sollte die Komiker im Bunde eigentlich zum Schweigen bringen, doch da wir uns in einem Edgar-Wallace-Film befinden und nicht in einer Sozialstudie von Ingmar Bergman, bleibt manchen Jungspunden nur der spektakuläre Mord mit der Maschinenpistole im Gedächtnis haften. Karin Hübners Rolle ist interessanter, als es auf den ersten Blick erscheint. Zunächst stellen die "Las-Vegas-Girls" nur eine Gruppe von hübschen langbeinigen Tänzerinnen dar, doch nach und nach und eben am Bespiel von Nora Wilson alias Yvonne Duval erhält man einen Blick hinter die Fassade des Geschäftes "Mädchenhandel", der so oft als Nervenkitzel in den EW-Filmen herhalten muss. Aufschriften wie "Fresh Meat"(= Frischfleisch) auf dem Transporter, in dem die Mädchen auf das Schiff gebracht werden sollen, sind hier nicht nur lustig, sondern auch zynisch gemeint. Das Nebenthema "Drogenhandel" dient dazu, einen Rätselfaktor um die Verwendung von Billardstöcken zu schaffen, der sogar darin gipfelt, dass eine Mitarbeiterin von Scotland Yard vom darin enthaltenen Heroin nascht. Soll man angesichts solchen Klamauks lachen oder weinen? Horst Tappert scheint von all dem unbeeindruckt und spielt seinen Inspektor Perkins mit ungerührter Disziplin und Härte. Mag er auch von Schurken oder Narren umgeben sein, er bahnt sich seinen Weg mithilfe eines gedrechselten Stocks. Die alten Hasen der Branche erfreuen ein letztes Mal: Jan Hendriks, von dem man am Ende nicht weiß, was er wusste oder ahnte; Rudolf Schündler, immer gut für einen seltsamen Charakter; Kurd Pieritz als alternder Weiberheld und Harry Wüstenhagen als Nutznießer einer Situation - wie so oft. Narziss Sokatscheff ist zu schwach für die Rolle des großen Bosses, er passt besser als brutaler Nebendarsteller, der bei einer Schießerei ins Gras beißen muss. Viel zu schnell wird das Hinterzimmer mitsamt seines Überwachungsapparates aufgedeckt, man vermisst schmerzlich den Mabuse-Suspense. Dennoch gibt es Szenen voller Spannung, so zum Beispiel das Finale unter Deck des Schiffes (die Dialoge zwischen Friedel Schuster und Karin Hübner beben nur so vor Hass und Rache) und der Mord an dem Bauchredner Eric. Menschen in der Maske wirken ohnehin immer verletzlich (siehe den Mord an Mrs. Tilling in "Das indische Tuch"). Hier kommt noch dazu, dass Eric zuerst glaubt, seine Puppe wäre plötzlich zum Leben erweckt worden und greife ihn an. Fritz Wepper nimmt man die Rolle des drogensüchtigen Sohnes aus reichem Haus ab. Sein Wallace-Gastspiel hat sich für ihn gelohnt. Friedel Schuster hingegen kann erst gegen Ende richtig in Erscheinung treten. Ihren Part hätte fünf Jahre vorher wohl Elisabeth Flickenschildt übernommen. "Der Mann mit dem Glasauge" ist zweifellos ein Film, der eine Zweitsichtung verlangt, schon, um die Filmmusik von Peter Thomas besser kennenzulernen. Sie geht im Lärm von Sir Arthur und den Ereignissen im Billardclub ein wenig unter.

Janek Offline




Beiträge: 1.852

28.01.2011 23:33
#85 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Habe mir heute schon zum 4.Mal der Mann mit dem Glasauge angesehen und das in 1 1/2 Monaten ! Und wenn man sich ganz genau auf das Ende konzentriert, kommen mir sogar leicht die Tränen, wenn man erst einmal diesen ernst des Filmes spürt, ich finde an Tragik und Schicksal, kann da kein Film der Edgar Wallace Reihe in diesen Punkt mithalten, dieser Film ist finde ich auch der einzige, den man wirklich Ernst nehmen kann !

MfG

Janek


5/5*****Punkten

Prisma Offline




Beiträge: 7.468

17.10.2011 16:12
#86 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Ähnlich wie bei "Der Mönch mit der Peitsche" zeigte sich bei mir im laufe der Jahre auch ein deutlicher Abwärtstrend bei "Der Mann mit dem Glasauge", der früher zu meinen Top Favouriten zählte. Er findet sich allerdings im Gegensatz zum Mönch nicht auf den untersten Rängen wieder, da gerade hier die Besetzung den Film über Wasser halten kann und zum Teil erheblich aufwertet. Insgesamt gesehen empfinde ich das 68'er Wallace-Jahr als ziemlich durchwachsen, das Vohrer Monopol hat der Reihe ebenso zu immensen Erfolgen verholfen, wie zum Schluss geschadet.

In der Hauptrolle als Inspektor Perkins sieht man wie im Vorgänger Horst Tappert, der seinen Ermittlertyp einzigartig prägen konnte. Es ist sehr angenehm, ihm bei seiner Arbeit zu folgen. Seine Ermittlungen sind rasant, forciert und vor allem erfolgsversprechend. Im Umgang mit Gut und Böse sieht man keinen gravierenden Unterschied in seiner Persönlichkeit, er ist resolut, kommt gerne schnellstmöglich an sein Ziel und redet deswegen nicht gerne lange drum herum. Für Tapperts Verhältnisse ist die Zeichnung von Perkins sehr agil und flexibel. An seiner Seite sieht man leider einen unerträglichen Stefan Behrens, der Uwe Friedrichsen im direkten Vergleich unheimlich aufwertet. Hubert von Meyerinck als Sir Arthur ist fast gleichen Kalibers und zwingt mit persönlich ein Höchstmaß an Geduld und Durchhaltevermögen ab. Diese Dreierkonstellation hatte im Gorilla noch besser funktioniert. Diese exzessiven, klamauklastigen Einlagen schaden dem Film mit ernstem Anliegen ganz massiv. Das sehe ich jetzt so, früher hat mich das eher begeistert, heute belustigt es mich nicht annähernd.
Die weibliche Hauptrolle bekleidet Karin Hübner, was man als Glücksgriff sehen kann oder eben auch als Wagnis. Durch die Anlegung ihrer Rolle kann ich mir denken, dass sie vom Zuschauer eher skeptisch oder ablehnend gesehen wurde. Von einem Glücksgriff kann man aber aus Kompetenzgründen sprechen. Ich halte Karin Hübner für eine ganz ausgezeichnete Darstellerin, die hier eine der wenigen ist, die nicht auf den Zug von Disziplin- und Zügellosigkeit aufspringt. Sicherlich hat das ihre Rolle auch vorausgesetzt. Ihr Auftritt ist geprägt von Ernsthaftigkeit und auffälliger Distanz, besonders dem Zuschauer gegenüber. Yvonne Duval ist geheimnisvoll, die schöne Frau mit Vergangenheit wird aufmerksam und interessiert vom Zuschauer verfolgt, einzuordnen ist sie jedoch nur schwer.
Fritz Wepper, den ich als Schauspieler vollkommen uninteressant finde, gibt seiner Figur ein recht glaubhaftes Gesicht.
Christiane Krüger und Marlies Draeger geben ein hochinteressantes Gepann ab, in dem Draeger aber eindeutig heraussticht und ihre Kollegin sehr blass wirken lässt, Rudolf Schündler und Harry Wüstenhagen zeichnen die kantigen Ganoven sehr überzeugend...
Dann taucht auf einmal Friedel Schuster alias Lady Sharingham auf und es ist kaum zu fassen, was man hier geboten bekommt. Es entsteht ein Mix aus tiefer Abneigung und Verachtung gegen diese herzlose, unerbittliche und Unheil bringende Frau, auf der anderen Seite entsteht große Hochachtung und Bewunderung wegern der hohen schauspielerischen Qualität. Das Finale zeigt sie und Karin Hübner in Bestform, Dialoge wie Peitschenhiebe in denen deutlich wird, dass man es mit einer Perversen zu tun hat. Der Zuschauer bekommt eine gnadenlosen Kampf zu sehen, der in Spannungszuständen gipfelt. Für mich eines der packendsten und denkwürdigsten Finals der gesamten Reihe.

Leider wurde die Besetzungsliste, die mit so vielen Leckerbissen aufwartet, mit viel zu vielen Klamaukelementen ausgestattet, entstanden ist ein Sammelsurium an plattem Humor. Horst Tappert im Kleinen, Stefan Behrens und Hubert von Meyerinck in Übermaßen, Ilse Page, Heinz Spitzner, Maria Litto, Otto Czarski, Jan Herndriks... Es gibt so gut wie keine Dosierung und Pointierung in diesem Szenario, bei den ersten paar Malen greift das alles vielleicht noch, aber es kommt einem eben nicht gerade "zeitlos" vor. Zu überladen für meinen Geschmack.

Die Haupt- und Nebenhandlung ist relativ schlüssig, abgesehen vom Humor gibt es viele sehenswerte Passagen und aussagekräftige Settings, Spannung und vor allem Action kommen nicht zu kurz und die Musik von Peter Thomas ist überaus gelungen und hilft dem Film als Verstärker.
Das Mördergewand ist weniger grotesk als unheimlich, die Ermordungsszenen sind treffsicher Auch die Tragik wird hier noch einmal deutlicher herausgearbeitet, als das bei vielen Konkurrenten der Fall war. Insgesamt ist "Der Mann mit dem Glasauge" ein solider, unterhaltsamer Krimi, der es hier und da versteht, sich abzuheben, die Palette der Macken findet man da eher im Kreise der Interpretationen.

Baal1985 Offline



Beiträge: 28

22.05.2013 00:30
#87 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Achtung Spoiler

Dann will ich auch einmal meinen Senf dazugeben. Ich habe mir gerade den Film nach bestimmt 15 Jahren zum ersten Mal wieder angesehen und ich bin positiv überrascht. Hatte ich damals eine leichte Phobie gegen die Farbfilme ist dieser Film soeben deutlich in meinem Ansehen gestiegen.

Die Handlung ist in sich stimmig und nachvollziehbar. Es gibt wie erwähnt einige kleine Unstimmigkeiten, die aber das Verständnis der Geschichte beeinträchtigen. Nun gut, die Idee mit dem Mädchenhandel ist nicht wirklich neu, die tiefere Umsetzung jedoch schon. Das Ende ist bei genauem Hinsehen tatsächlich nicht wirklich überraschend. Aber vielleicht geht es auch gar nicht darum, sondern um das Ende des Weges von Nora Wilson, ein Mädchen, das schon längtst innerlich zu Grunde gegangen ist. ("Bruce, es hat keinen Sinn." 4/5 Punkten

Womit wir auch bei der Darstellung wären. Karin Hübner als Nora/Yvonne berührt mich auch jetzt noch, gerade ihre Bilder mit dem weißen Gesicht erzugen bei mir Gänsehaut.

Über Horst Tappert als Inspektor Perkins lässt sich nichts Negatives sagen. Er verleiht der Rolle seine eigene pragmatische Note. Stefan Behrens als Anhängsel wirkt sicher durch seine deplatzierten Kalauer gelegentlich nervtötend, allerdings bin ich überzeugt, dass die Rolle so angelegt ist. Schauspielerisch ist nichts auszusetzen.

Wirklich unnötig ist in meinen Augen durch seine Art das Gespann von Meyernick/Pagé. Um zu wissen, dass Sir Arthur jedem Rock nachläuft reichen drei bis vier gezielte, gut gesetzte Anspielungen aus. ^^

Das restliche Ensemble ist gut zusammengestellt

Mein letzter Kritikpunkt betrifft Friedel Schuster, irgendwie nehme ich ihr die innerlich hoch emotionale Lady nicht ganz ab. Aber vielleicht bietet das Drehbuch ihr einfach nicht diesen Raum. So quält mich nur die Frage,ob die Dame einen oder zwei Gesichtsausdrücke besitzt.

3,5/5Punkten


Peter Thomas schafft in seiner gewohnten Art eine einprägsame Melodie, die wie üblich variiert. Ein solides Werk, dass jedoch nicht an die Qualität der Zinkermelodie herankommt oder für mich einmaligen Musik vom unheimlichen Mönch.

3,5/5 Punkten

Gesamt: 11/15 Punkten

patrick Offline




Beiträge: 2.762

02.07.2014 21:32
#88 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Der Einstieg in den Film mit seiner typisch modernen "spät-sechziger- Musik" gefällt mir mal schon gar nicht. Auch die Atmosphäre um den Billard-Club und die Revue Girls lässt meine geliebte Wallace-Stimmung vermissen. Auf Stefan Behrens, mit Trickfilm-Stimme und albernem Gekicher, kann ich auch verzichten.Der würde besser in eine Michael-Schanze oder Rudi-Carell-Komödie passen, als in einen Wallace-Film. Hubert von Meyerinck ist einfach nur peinlich albern, im Gegensatz zu Siegfried Schürenberg, den ich sehr gerne mag, und nach seinem Ausstieg leider schmerzlich vermissen muss.
Die von Horst Tappert angezettelte Schlägerei im Billard-Club ist mir ebenfalls zu albern.
Allerdings hat "Glasauge" dann doch wieder ein paar Lichtblicke mit ein bisschen Wallace-Flair. So zum Beispiel die Szenen mit der messerwerfenden Gestalt, welche recht stimmig inszeniert sind. Besonders die Mord-Szene von Rudolf Schündler ist eines Wallace-Krimis würdig. Auch das Finale mit Lady Sharingham und Ivonne Duval ist nicht übel geraten.
Trotzdem überwiegt mir hier eine farbig-bunte 68er Atmosphäre auf Kosten einer düsteren Wallace-Atmosphäre, was den grössten Minuspunkt ausmacht.

Daher möchte ich nicht mehr als 2 von 5 Punkten vergeben.

tilomagnet Offline



Beiträge: 496

02.07.2014 21:55
#89 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Das Bemerkenswerte an diesem letzten Vohrer Wallace ist die Tatsache, dass hier die "Orignal"serie ihre eigene Epigone kopiert - die Story wurde mit dem PHANTOM VON SOHO schon 1964 im Rahmen der BEW Serie - natürlich erheblich besser - umgesetzt.

Mal davon abgesehen ist das GLASAUGE gar nicht mal schlecht, auch wenn der Kontrast zwischen der tragischen Story um die Mörderin und die Blödelszenen mit Sir Arthur und Pepper etwas heftig ausfällt. Die Mordszenen sind hier richtig gut in Szene gesetzt und die Darstellerriege auch ganz ansehnlich, auch wenn ich Horst Tappert als Inspektor nicht ausstehen kann und die zwei mit besten Schauspieler am Set - Wüstenhagen und Schündler - eindeutig zu kurz kommen.

Summa summarum recht unterhaltsam, aber im Großen doch viel zu belanglos, um das Publikum nach dem GORILLA Debakel wieder mit Wallace zu versöhnen. 3/5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.762

02.07.2014 22:07
#90 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (28) Zitat · antworten

Zitat von tilomagnet im Beitrag #89
Das Bemerkenswerte an diesem letzten Vohrer Wallace ist die Tatsache, dass hier die "Orignal"serie ihre eigene Epigone kopiert - die Story wurde mit dem PHANTOM VON SOHO schon 1964 im Rahmen der BEW Serie - natürlich erheblich besser - umgesetzt.

Mal davon abgesehen ist das GLASAUGE gar nicht mal schlecht, auch wenn der Kontrast zwischen der tragischen Story um die Mörderin und die Blödelszenen mit Sir Arthur und Pepper etwas heftig ausfällt. Die Mordszenen sind hier richtig gut in Szene gesetzt und die Darstellerriege auch ganz ansehnlich, auch wenn ich Horst Tappert als Inspektor nicht ausstehen kann und die zwei mit besten Schauspieler am Set - Wüstenhagen und Schündler - eindeutig zu kurz kommen.

Summa summarum recht unterhaltsam, aber im Großen doch viel zu belanglos, um das Publikum nach dem GORILLA Debakel wieder mit Wallace zu versöhnen. 3/5 Punkten.


Im Grossen und Ganzen muss ich hier zustimmen. Das hervorragende "Phantom von Soho" find ich auch um Welten besser.Der bekommt von mir 5 von 5 Punkten.
Auch mir kommen Wüstenhagen und Schündler zu kurz.Und Tappert als Inspektor ist nicht mein Geschmack.Allerdings ist da dran nicht ganz unschuldig,dass ich in ihm einfach immer nur den Derrick sehe.

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