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Dieses Thema hat 174 Antworten
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greaves Offline




Beiträge: 522

09.06.2019 09:41
#166 RE: Wallace der Woche (31): Der Mann mit dem Glasauge (1968/69) Zitat · Antworten

Der Mann mit dem Glasauge

Ist für mich der letzte Edgar Wallace Film ,den ich von allen als letzter auf Kabel eins so 1995 oder 1996 gesehen habe.


Mit Horst Tappert,Stefan Behrens,Hubert von Meyerinck,Ilse Page,Friedel Schuster,Karin Hübner,Fritz Wepper,Nariss Sokatscheff,Harry Wüstenhagen,Harry Riebauer,Heinz Spitzner,Arthur Binder,Maria Litto,Iris Berben,Otto Czarski,Klaus Miedel,Denes Törzs,Franz Otto Krüger,Jan Hendriks,Kurd Pieritz,Rudolf Schündler,Ewa Strömberg,Christiane Krüger,Marlies Draeger u.a

Der Film hat was spezielles und ist ein wenig anders als die Vorgänger Farbfilme von Alfred Vohrer.

Leider hat er aus meiner Sicht etwas zu viel Klamauk drin,den man aus den Lümmel—Filmen kennt(den ich dort aber gut mag).Hubert von Meyerinck hätte dort eigentlich auch gut reingepasst —aber das ist wieder ein anderes Thema...

Stefan Behrens seine doofe Lache nervt einfach. Sonst mag ich ihn in dem Film.Übrigens,mir ist aufgefallen,dass in der Szene am Hafen,wenn Hubert von Meyerinck ankommt und das Schiff Olav Eriksen betritt,man Behrens nur von hinten,mit aufgestelltem Mantelkragen sieht. Ich wette jetzt mal,dass er das in der Szene gar nicht selbst war,der dort steht.

Schade,dass man ausser bei den Titelcredits und beim laufen der Filmmusik ,keine Londonaufnahmen machte..

Drehorte sind zum Teil bekannt und gefunden,aber leider noch nicht alle.Das Schwimmbad in dem die Damen Krüger und Draeger eingesperrt sind mit dem Mord an Donovan,fehlt noch..könnte aber bei Wendlandt s Villa und Garage gedreht worden sein..?...Die Hafenszenen irgendwo am Hamburger Hafen.
Die Garderobenszenen,entweder im Theater des Westens oder bei der CCC ,in der man wieder mal auch Aussenaufnahmen machte.
Der Film für die Rückprojektionen bei den Autofahrten wurde über die grosse Eiswerder Brücke über die Insel Eiswerder bis hin zur kleinen Eiswerder Brücke von einem Kamerateam aufgenommen .
Die Bar am Anfang,mit den Szenen von Hubert von Meyerinck,Ilse Page und Heinz Spitzner,weis man leider auch noch nicht.Möglich könnte es die selbe sein,wie die Bar aus Im Banne des Unheimlichen...

Dieser Film gehört bei mir zum oberen Mittelmass

Ich gebe 4 von 5 Punkten

Andreas Offline




Beiträge: 435

09.06.2019 20:13
#167 RE: Wallace der Woche (31): Der Mann mit dem Glasauge (1968/69) Zitat · Antworten

Nach Abwägung aller Pros und Cons gebe ich 4/5Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 3.120

10.06.2019 17:06
#168 RE: Wallace der Woche (31): Der Mann mit dem Glasauge (1968/69) Zitat · Antworten

Der Mann mit dem Glasauge (1968)



Regie: Alfred Vohrer

Drehzeit: 04.11.1968 - 18.12.1968

Mit: Horst Tappert, Karin Hübner, Hubert von Meyerinck, Stefan Behrens, Fritz Wepper, Ilse Pagé, Christiane Krüger, Marlies Draeger, Ewa Strömberg, Heidrun Hankammer, Friedel Schuster, Maria Litto, Rudolf Schündler, Jan Hendriks, Harry Wüstenhagen, Otto Czarski, Iris Berben, Kurd Pieritz, Franz-Otto Krüger, Tilo von Berlepsch, Joern Ahrendt, Chris Anders,
Paul Berger, Arthur Binder, Berno von Cramm, Rita Henke, Ligia Lieveld, Klaus Miedel, Michael Miller, Gerd Prager, Harry Riebauer, Narziss Sokatscheff, Heinz Spitzner, Michael Symo, Günther Tabor, Dénes Törzs, Wolfgang Wiedenhaupt, Richard Pietro


Handlung:

Der Mädchenhändler Mr.Jefferson wird beim Schäderstündchen mit der Tänzerin Leila von einem maskierten Unbekannten durch einen gezielten Messerwurf ermordet. Dasselbe Schicksal erleidet ein gewisser Mr.Donovan, der ebenfalls in Mädchenhandel verwickelt ist. Leila, Jeffersons Geliebte und Zeugin des ersten Mordes, wurde inzwischen vergiftet. Inspektor Perkins hat bei seinen Ermittlungen die Las-Vegas-Girls im Auge, um die sich in dem Fall einiges zu drehen scheint und die im Odeon-Theater auftreten, wo weitere Morde geschehen. Ein zweifelhafter Billardclub, der nur Personen Zutritt gewährt, die ein Glasauge vorweisen können, rückt ebenfalls in den Fokus von Scotland Yard, da sich dort mit Heroin gefüllte Queues befinden und ein Zusammenhang mit Mord und Zwangsprostitution immer deutlicher wird. Wer aber ist der immer wieder auftauchende unheimliche Messerwerfer ...

Anmerkungen:

Der grell leuchtende und mit moderner Las-Vegas-Musik untermalte Vorspann wirkt auf mich als bekennendem Old-School-Wallace-Fan schon sehr befremdlich, um nicht zu sagen abtörnend. Auch die Themen Mädchenhandel und Rauschgift im Zusammenwirken mit den gebotenen Schauplätzen sind viel zu sehr in der Zeit ihrer Entstehung verankert, um dem guten alten Edgar Wallace, wie man ihn kennen und lieben gelernt hat, noch gerecht zu werden. Trotzdem haben die Auftritte des mordenden Phantoms, insbesondere beim Vollzug der "Exekution" von Mr.Nuthatcher, ihre atmosphärischen Momente, wenn auch in eher bescheidenem Ausmaß.

Der etwas rauhbeinige und alles andere als Charisma verströmende Inspektor Perkins zieht bei einem Vergleich mit Fuchsberger und Drache natürlich den kürzeren, gibt aber in der Interpretation von Horst Tappert trotzdem eine einigermaßen akzeptable Figur ab. Wesentlich störender wirkt sich da schon sein alberner Sidekick Stefan Behrens aus, dessen Zeichentrickfilm-Stimme geradezu in den Ohren schmerzt. Hubert von Meyerincks Nervensägerei wurde von mir bereits in den vorhergehenden Besprechungen hinreichende dokumentiert und muss ein letztes mal hingenommen werden, was wohl kaum jemandem das Herz brechen dürfte. Die Schlägerei im Billard-Club ist viel zu klamaukig geraten und wäre am besten ausgespart geblieben. Karin Hübner glänzt weniger als weiblicher Aufputz und durch besondere Attraktivität, als viel mehr durch den ungewohnten psychologischen Tiefgang, den Sie im Zusammenspiel mit Fritz Wepper sehr glaubhaft einbringt.

Auch wenn der Streifen alles andere als ein Highlight des Oeuvres ist, wird er im Vergleich mit dem geradezu unterirdisch peinlichen "Gorilla" noch als "den Umständen entsprechend angenehm" wahrgenommen, bietet er doch endlich wieder eine etwas ernstzunehmendere Handlung und bleibt weniger in ermüdender Routine stecken. Die Parallelen zum wesentlich besseren "Phantom von Soho" von 1964 machen trotzdem deutlich, wie die typische Wallace-Atmosphäre inzwischen verloren gegangen ist. Jan Hendriks im Old-Shatterhand-Kostüm darf wohl mit einem Augenzwinkern als Gag wahrgenommen werden und ist mit seinem etwas längeren graumelierten Haar und Bart gar nicht mehr so leicht zu erkennen. Rudolf Schündler ruft Erinnerungen an seinen Auftritt im "Unheimlichen Mönch" wach.

In meiner persönlichen Wallace-Zeitrechnung markiert "Glasauge" den Abschluss der Reihe, was nicht nur durch den Abschied Alfred Vohrers und des, den Wiedererkennungswert garantierenden, Stamm-Teams, sondern auch durch die ab 1969 völlig andersartige Ausrichtung der Filme verdeutlicht wird, was dem traditionellen Edgar-Wallace praktisch das Genick bricht.

Fazit:


Mit seinem recht nüchternen und modernen Thema verlässt dieser helle Spät-68er allzu offensichtlich die konservativen Wurzeln der Edgar-Wallace-Reihe, ohne sich dabei gänzlich vom Geist der beliebten Serie loszulösen, der wenigstens punktuell noch durchschimmert. Der erbärmliche Trash-Charakter des vorangegangenen Beitrags ist erfreulicherweise nicht mehr spürbar. Trotzdem scheint die Serie ihre Zeit überdauert zu haben. Die Mordgestalt und deren Entlarvung bieten ein letztes Mal noch ein bisschen Wallace-Stimmung, wenn auch in deutlich bescheidenerer Gewichtung als gewohnt und gewünscht. Alles in allem trotzdem kein Beitrag, mit dem ich warm werde und dessen Atmosphäre ich besonders schätzen kann. 2,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.096

12.06.2019 18:30
#169 RE: Wallace der Woche (31): Der Mann mit dem Glasauge (1968/69) Zitat · Antworten



Edgar Wallace: Der Mann mit dem Glasauge

Kriminalfilm, BRD 1968/69. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Paul Hengge (frei nach Edgar Wallace). Mit: Horst Tappert (Inspektor David Perkins), Karin Hübner (Yvonne Duvall / Nora Wilson), Stefan Behrens (Sergeant Jim Pepper), Fritz Wepper (Lord Bruce Sheringham), Friedel Schuster (Lady Sheringham), Hubert von Meyerinck (Sir Arthur), Ilse Pagé (Mabel Finley), Narziss Sokatscheff (Boss), Harry Riebauer (Bob), Rudolf Schündler (Nuthatcher), Otto Czarski (Bauchredner Eric), Jan Hendriks (Messerwerfer Rubiro), Harry Wüstenhagen (Künstleragent Parker), Marlies Draeger (Leslie), Christiane Krüger (Linda) u.a. Uraufführung: 21. Februar 1969. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Berlin im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Der Mann mit dem Glasauge
Was für die international renommierten Tänzerinnen der Las Vegas Girls als harmloses Engagement in London beginnt, endet mit Entführung und Mord. Während nach und nach immer mehr Mädchen verschwinden – offenbar mit dem Ziel, die Verpflichtung der Gruppe am Theater platzen zu lassen –, finden die Männer, die den Girls an den Kragen wollen, jäh den Tod. Ein maskierter Artist richtet sie zielsicher mit Wurfmessern hin. Inspektor Perkins von Scotland Yard entdeckt, dass die Vorkommnisse mit Rauschgifthandel und Menschenschmuggel in Verbindung stehen und dass die Zentrale der Verbrecher sich im Billardclub Glasauge befindet ...


„Mit Speck fängt man Mäuse. Und zwei Heroin-Mäuse von den Las Vegas Girls werden Ihnen morgen geliefert.“

Nachdem sich Alfred Vohrer lange Jahre in der Rolle des Gruselmaestros so gut gefallen hatte, legte er ausgerechnet in seinem Schwanengesang „Der Mann mit dem Glasauge“ einen für seine Wallace-Verhältnisse ungewöhnlich realistischen, kaltschnäuzigen Stil an den Tag. Der Unterschied fällt gerade im Vergleich zum „Gorilla von Soho“ deutlich ins Auge; hätte man einen anderen Vorläufer gesehen, würde man die Neuanfänge, die „Glasauge“ wagt, hingegen vermutlich weniger spektakulär finden. Schließlich finden sich immer noch mehr als genug vertraute Unsinnigkeiten im fertigen Film; seien es die offenbar unerlässlichen Albernheiten von Sir Arthur und Mabel Finley oder die vom Mädchenheim auf eine Tänzerinnengruppe transponierten verschämten Sex-, Drogen- und Abhängigkeitselemente. Paul Hengge, der die letzte Phase der Wallace-Krimis nicht unwesentlich mitbestimmte, durfte auf diese Versatzstücke aus Großvater-Reinecker-Tagen offenbar nicht verzichten, reicherte sie aber mit einem besseren Gespür für moderne Dramatik an. So spricht „Der Mann mit dem Glasauge“ das Thema Menschenhandel auf offene Weise an; die damit verknüpften ernsthaften Emotionen springen trotz der etwas fadenscheinigen Figuren sogar teilweise auf den Zuschauer über.

Bevor es zum Showdown ums Leben der entführten Mädchen an Bord der M/S Olaf Ericsson kommt, stellen das Theater, in dem die Las Vegas Girls engagiert sind, sowie der Billardclub, hinter dessen Fassade der glasäugige Boss unsichtbar agiert, die Hauptschauplätze dar. Der Film wirkt inhaltlich etwas unsauber konstruiert, da die zwei einander entgegenlaufenden Handlungsstränge um den Messermörder und die Tode von Leila und Eric nicht klar und deutlich voneinander getrennt werden. Auch werden wichtige, hauptverantwortliche Figuren wie Nuthatcher und Lady Sheringham erst sehr spät im Verlauf des Films überhaupt vorgestellt, sodass es insgesamt um die Mitrate-Fairness der letzten deutschen Sixties-Produktion eher dürftig bestellt ist. Man soll stattdessen möglichst lang im Unklaren gelassen werden, was durch den Charakter der Yvonne Duvall und durch diverse mysteriöse Elemente (Rubiros Wurfmesser, die Bauchrednerpuppe, das Symbol Glasauge, die durchaus unheimlichen Mordsequenzen) auch ganz unterhaltsam gelingt.

Darstellerisch und inszenatorisch bewegt man sich auf ansprechenderem Niveau als in der Mehrzahl der anderen Wallace-Farbfilme; die Castliste wirkt im positiven Sinne wallace-unerfahren und bringt damit ebenso wie die nicht mehr so studiolastigen Sets von Vorwerg und Kutz ein frisches Element in diese Produktion. Die entschlossene Karin Hübner, der beeinflussbare Fritz Wepper, die Eiskönigin Friedel Schuster und der neugierige Otto Czarski seien als Wallace-Debütanten besonders lobend hervorgehoben. Altbekannte Gesichter wie Harry Wüstenhagen, Jan Hendriks, Rudolf Schündler oder Kurd Pieritz können zwar in keiner Weise an ihre glänzendsten Auftritte anschließen, zeigen aber routinierte Leistungen im Serienstandard. Ein ganz großes Manko stellt lediglich die unsensible Art dar, auf die der sich sonst so ernstnehmende Film durch ein an Albernheit nicht zu überbietendes Ermittlerteam selbst konterkariert und gleichfalls ruiniert. Horst Tappert muss nach der Sichtung des „Gorillas“ offenbar bewusst geworden sein, welcher Unsinn ihm und seinen Yard-Filmkollegen abverlangt wurde, sodass er seinen Perkins im „Glasauge“ (um weiteren peinlichen Düpierungen vorzubeugen) von Anfang an als überdrehten Zyniker anlegt. Behrens, von Meyerinck und Pagé geben darüber hinaus ein unfassbar unschmeichelhaftes Polizeibild zum Besten und ziehen das „Glasauge“ damit von der erweiterten Spitzengruppe eigenhändig ins Mittelmaß der Wallace-Serie. Es ist ob dieses Fehlgriffs absolut zu begrüßen, dass Alfred Vohrer, der sich in seiner routinierten Selbstsicherheit offenbar nicht mehr bewusst war, wo die Grenzen zwischen Krimi und Slapstick verlaufen, nach diesem Film endlich seinen Hut nahm.

Nicht nur mit einem seriöseren Ermittlerteam hätte „Der Mann mit dem Glasauge“ weiteres Potenzial ausschöpfen können. Auch umfangreichere Vor-Ort-Aufnahmen des Londoner Nachtlebens sowie eigens für den Film gedrehte und nicht aus einer zahmen Fünfzigerjahre-Schmonzette herausgeschnittene Tanzeinlagen hätten das Endprodukt aufgewertet. Möglich und wünschenswert wäre es außerdem gewesen, die starke Rolle der Lady Sheringham im Zusammenspiel mit ihrem Sohn bzw. den Drahtziehern des Mädchenhändlerrings weiter auszubauen, d.h. ihr zusätzliche und frühere Auftritte zu gewähren. Während Friedel Schuster zwar sicher viel aus der Rolle herausholt, muss man auch konstatieren, dass sie einfach (gerade wegen der finalen Konfrontation und deren Ausgangs) einen sehr dankbaren Part erwischt hat, den eine Mimin vom Format einer Elisabeth Flickenschildt vielleicht sogar noch eindrucksvoller hätte ausfüllen können. Gleichfalls bleibt der nachsynchronisierte Narziss Sokatscheff als Titelfigur sehr blass; ein profilierterer Schurke und ein besseres Zusammenspiel mit Handlanger Riebauer hätten Wunder bewirken können. So sind es letztlich doch mehrere Stellschrauben, die der Film noch hätte nachziehen müssen, und die man wohl vor allem deshalb gern übersieht, weil er ein kurzzeitiges Zwischenhoch inmitten schwächerer Konkurrenz darstellt.

Den offensichtlichen Stärken im Bereich drastischer, ja abscheulicher Verbrechen stehen bei diesem Film Schwächen des Polizeiapparats gegenüber. „Der Mann mit dem Glasauge“ macht infolgedessen einen recht unausgewogenen, etwas unfertigen Eindruck und lässt sich mit einem ungeschliffenen Rohdiamanten vergleichen, bei dem den Verantwortlichen der Mut fehlte, ihm einen radikal modernen Schliff zu verpassen. Der Film ist als letzter seiner Art ein etwas überlebtes, aber zumindest zaghaft teilmodernisiertes Exemplar, bevor sich endlich entscheidende Veränderungen in der Wallace-Reihe einstellten.

Ray Offline



Beiträge: 1.305

13.06.2019 00:24
#170 RE: Wallace der Woche (31): Der Mann mit dem Glasauge (1968/69) Zitat · Antworten

"Der Mann mit dem Glasauge" nimmt im Rahmen der Reihe gewiss eine Sonderstellung ein. Dafür sorgt schon die klare personelle und inhaltliche Zäsur, die sich dem Film anschloss. Im Vergleich zum "Gorilla" geht es qualitativ wieder deutlich bergauf, was den Betrachter vor allem für Alfred Vohrer freut, weil auf diesem Wege der Regisseur, der den größten Einfluss auf die Reihe hatte, sich selbst einen würdigen Abschied beschert.

Der Film bietet extreme Kurzweil. Zwei schnelle Morde, eine Menge Figuren, rasche Szenenwechsel und die ein oder andere "Action-Sequenz" neben den Mordszenen (Schießerei auf dem Dach, Verfolgung von Bob mit Puppenkopf durch Perkins, die Schlägerei im Billardclub) halten das Tempo konstant hoch. Die Morde sind atmosphärisch inszeniert, überhaupt waren messerwerfende Mörder gefühlt eher eine Spezialität der BEW-Reihe und sind daher in der Ur-Walllace-Serie durchaus als Erfrischung anzusehen. Die Titelfigur ist schon eine interessante Schöpfung, gleichwohl bleiben eine Menge Fragen: Warum macht sich Yvonne Duvall die Mühe und tarnt sich als "Mann mit dem Glasauge" (insbesondere das Einsetzen des Glasauges ist ja durchaus aufwändig)? Die Opfer können doch die Information nicht mehr an die Organisation weitergeben und die davon kommenden Mädels kennen den "Boss" überhaupt nicht. Darüber, ob über die Mordserie ausführlich berichtet wird und die Öffentlichkeit von der Tarnung des Mörders weiß, erfährt das Publikum nichts. Überhaupt ist der "Boss" ja letztlich nur die zweite Geige. Dass "Boss" und Phantom bei der Konfrontation sogar im "Partner-Look" auftreten, ist ebenso bemerkenswert wie das gute Gespür Yvonne Duvals. Als hätte sie es im Urin gehabt, steht sie prompt auf dem Dach, nachdem es Donovan den Damen als Ausgangsoption eröffnet hat. Aber über derartige Aspekte kann man weitaus bereitwilliger hinwegsehen als über die doch einigermaßen plumpen Altherrenwitze und sexuellen Anspielungen. Immerhin wird die nackte Haut diesmal geschickt in die Handlung eingebaut.

Auf Seiten der Darsteller ragen Karin Hübner und Friedel Schuster heraus. Insbesondere Hübners Verdienst ist es, dass einem das Schicksals des Mörders erstmals seit "Zimmer 13" richtiggehend mitnimmt. Die Desillusion in ihrem Blick bleibt haften. Aber auch zuvor überzeugt sie durch einen gefühlvollen und entschlossenen Auftritt, vor allem im Zusammenspiel mit Fritz Wepper, der eher unbekannte Facetten seines schauspielerischen Könnens glaubhaft zur Schau stellt. Bei Friedel Schuster weiß man nicht, ob man Bewunderung für ihr Spiel oder Abscheu für ihre Figur empfinden soll. Vermutlich beides. Narziss Sokatscheff, Harry Riebauer und Harry Wüstenhagen geben solide Ganovenbilder ab. Ansonsten sieht man einige neue (Iris Berben, Christiane Krüger) und bis in die Kleinstrollen bekannte Gesichter aus unmittelbar vorangegangenen Filmen. Horst Tappert spielt wie zuletzt sehr engagiert und mit der mitunter notwendigen ironischen Distanz. Stefan Behrens stört im Ergebnis weniger als von Meyerinck und Pagé, dennoch wundert es nicht, dass man Behrens auch in anderen, ernsteren Rollen nie ganz für voll nehmen kann, wenn das "Glasauge" lange Zeit die einzige Begegnung mit ihm war. In manchen Sznen agiert er arg penetrant, die Chemie mit Tappert geht jedoch in Ordnung. Den mit starkem Dialekt sprechenden Botenjungen, der wohl als Zugeständnis an die "Pauker"-Filme betrachtet werden darf, hätte man sich jedoch gerne schenken bzw. anders besetzen dürfen.

Dem insgesamt gesteigerten Niveau passt sich auch Peter Thomas an, die Musik gehört zwar nicht zu seinen besten Arbeiten, untermalt das Geschehen aber passend. Alfred Vohrer gibt sich ebenfalls mehr Mühe als zuletzt. Fließende Übergänge (der Wurf der Billardkugel von Perkins in Sir Arthurs Büros setzt sich nach einem schnellen Schnitt mit einer fliegenden Billardkugel im Club fort) illustrieren Einfallsreichtum und Liebe zum Detail. Atttribute, die man zuletzt schmerzlich vermisste. Insgesamt ist das "Glasauge" im Mittelfeld einzuordnen. 4 von 5 Punkten.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.248

13.06.2019 13:45
#171 RE: Wallace der Woche (31): Der Mann mit dem Glasauge (1968/69) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #8
(...) und der neugierige Otto Czarski seien als Wallace-Debütanten besonders lobend hervorgehoben.


Czarski debütierte bereits in "Die blaue Hand" als Wärter Duck.

Giacco Offline



Beiträge: 1.823

13.06.2019 14:57
#172 RE: Wallace der Woche (31): Der Mann mit dem Glasauge (1968/69) Zitat · Antworten

Zum "Glasauge" liegt mir leider keine Film-Echo-Kritik vor.
Film-Echo-Note: 3,3 (30 Meldungen) / Erstnote: 3,2
Interessant sind die unterschiedlichen Noten in den Groß- und Kleinstädten.
Großstadt-Note: 2,9 / Klein- u. Mittelstadt-Note: 3,9

In Frankreich kam der Film 1970 in die Kinos, lief aber nur in den Nord- und Ostprovinzen.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.096

13.06.2019 21:52
#173 RE: Wallace der Woche (31): Der Mann mit dem Glasauge (1968/69) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #10
Czarski debütierte bereits in "Die blaue Hand" als Wärter Duck.

Recht hast du, zumindest wenn man ignoriert, dass diese "Rolle" auch von einem Wischmopp mit Uniform hätte gespielt werden können. Eric ist da die wesentlich dankbarere Verpflichtung, die vermutlich auch mehr Zuschauern im Gedächtnis bleiben wird. Schade, dass man Czarski nicht häufiger sah - gerade als Schurke macht er ja hier eine sehr gute Figur. Am anderen Ende des Charakterspektrums sehe ich in seiner Filmografie, dass er in der Berlin-Krimiserie "Direktion City" einen der Ermittler-Regulars spielte. Wäre vielleicht noch lohnenswert ...

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 209

14.06.2019 21:21
#174 RE: Wallace der Woche (31): Der Mann mit dem Glasauge (1968/69) Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #9
Die Morde sind atmosphärisch inszeniert, überhaupt waren messerwerfende Mörder gefühlt eher eine Spezialität der BEW-Reihe und sind daher in der Ur-Walllace-Serie durchaus als Erfrischung anzusehen.


Tatsächlich ? Da würde ich nicht unbedingt zustimmen wollen. Mal aus der Erinnerung heraus:

Frosch: 2 Opfer
Bande: 1 Opfer
Narzissen: mind. 2 Opfer
Orchidee: 1 Opfer
Schlange: mind. (!) 1 Opfer
Dreieck: 3 Opfer


Zwar sind Wurfmesser-Morde nicht überrepräsentiert, aber durchaus vorhanden…

Wallacefreund Offline




Beiträge: 235

15.06.2019 09:30
#175 RE: Bewertet: "Der Mann mit dem Glasauge" (1968, 28) Zitat · Antworten

Zum Abschied von A. Vohrer und vielen anderen Veteranen der Reihe ging es noch einmal aufwärts, was gemessen an dem letzten Film auch wahrlich keine Kunst ist.
Die Handlung ist wieder ernster und auch schauspielerisch wird mehr geboten. Besonders das Zusammenspiel K. Hübner/F.Schuster gefällt mir richtig gut. Das Finale finde ich gehört, so wie es von den beiden gespielt wird und auch atmosphärisch und emotional mit zu den Besten der ganzen Reihe. H. Tappert spielt seinen Inspektor Perkins gewohnt rauhbeinig und liefert eine solide Leistung ab. S. Behrens finde ich zwar nicht so nervig wie im Gorilla U. Friedrichsen, aber die Stimme geht leider gar nicht für einen Krimi in einer ernsten Rolle. H. v. Meyernick zum letzten Mal als Sir Arthur, was mich nicht traurig stimmt. Er war als Chef von Scotland Yard nur ein Schatten der früheren Chefs, Sie Archibald und Sir John(E. F. Fürbringer und S. Schürenberg) auch wenn letzterer in den Farbfilmen immer vertrottelter dargestellt wurde. Den Mord an dem Bauchredner finde ich schön gruselig und gefällt mir in der Farbphase am besten. Der Film ist unterhaltsam und wird nicht langweilig. Das die Wallace Reihe ihren Zenit überschritten hatte, war schon deutlich vorher erkennbar aber hier ist noch einmal ein akzeptabler Film entstanden, der für mich persönlich die Wallace Reihe abschließt, obwohl noch weitere Filme folgen. Aufgrund des starken Finales und dem guten Schauspiel von F. Schuster und K. Hübner, des gruseligen Mordes an dem Bauchredner, sowie der durchweg unterhaltsamen Handlung kommt der Film dann doch noch recht ordentlich daher.
Da es auch mein persönlicher Abschluss der Reihe ist plus oben erwähnte Komponenten kommt der Film dann besser weg, als er es eigentlich ist.
Fazit :2,5 von 5 Punkten.

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