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Dieses Thema hat 117 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Jan Offline




Beiträge: 1.336

09.02.2010 17:43
#16 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #15
Ich habe nun alle auf Simmel bezogenen Posts aus dem Alfred-Vohrer-Sammelthread extrahiert und in diesen umgeschoben.

Super. Danke für Deine Mühe!

Gruß
Jan

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

10.02.2010 18:29
#17 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN

Kritik in Filmecho – März 1971 von Horst Axtmann


Die Fachzeitschrift FILMECHO/ FILMWOCHE vereinigt mit FILMBLÄTTER veröffentlicht seit ihres Bestehens 1947 in jeder ihrer Ausgaben Filmkritiken zu allen Filmen. Hierfür hat sie Mitarbeiter und Korrespondenten. Seit ich Filmecho lese ist mir niemals ins Auge gefallen dass der (damalige) Chef von Filmecho irgendeine Kritik schrieb – es erschienen zwar in jeder Ausgabe von ihm unter dem Pseudonym „Axel“ eine Kolumne aber nie ist mir bewusst eine Kritik von ihm ins Auge gefallen – bis zum März 1971. Er schrieb zur ersten Simmel-Verfilmung von Luggi Waldleitner die Kritik. Und er ließ es sich nicht nehmen auch die weiteren Kritiken (bis „Gott schützt die Liebenden“, 1973) persönlich zu schreiben. Ich habe Euch einmal diese Kritik nachstehend aufgeschrieben:

Es ist ein langer und dennoch ungemein spannender Film. Dem Leser des gleichnamigen Romans von Simmel fällt auf, dass der Drehbuchautor gestrafft und die Passagen des Romans, die abschweifen und zurückblenden, sehr viel verständlicher gemacht hat. Dennoch ist Simmel unverfälscht und in überzeugender Weise ins filmische übersetzt. Das ist ein neuer Filmtyp, der alle seitherigen „Wellen“ hinter sich lässt oder auch – beinahe nahtlos vereint. Das zielt auf reine Unterhaltung des Kinobesuchers; ein vollauf gelungener Versuch, der die Mühe des Verleihs und jedes Filmtheaters lohnt, insbesondere jene Kinobesuchern diese gute Unterhaltung schmackhaft zu machen, die inzwischen das Vertrauen an die echte Kino-Freude verloren haben.

Der Inhalt ist schwer in ein paar Sätzen darzustellen, aber er wird begreiflich in der meisterhaften Interpretation durch die in dem Film versammelten hervorragenden Schauspieler. Das sind vor allem Judy Winter, Heinz Moog und – man sieht sie endlich wieder – Ruth Leuwerik, daneben das junge Paar Doris Kunstmann und Alain Noury (ein interessantes, neues Gesicht), daneben so ausgezeichnete Namen und Darsteller wie Konrad Georg, Horst Frank, Paul Edwin Roth, Herbert Fleischmann, Peter Passetti und Mascha Gonska; ein sorgfältig ausgewähltes Team, wie es in einem deutschen Film seit langem nicht mehr zusammen war. Die Bilder Charly Steinbergers sind modern und frappierend, Erich Ferstl’s Musik ist nur da zu hören, wo die Spannung Luft holt oder Smetana „aufgesetzt“ ist; kaum ist ein besseres Kompliment für eine Filmmusik möglich als dieses – jedenfalls in einem so spannungsgeladenen Film.

Das ist Action, Agenten-Flair, Menschlichkeit, Liebesromantik und noch viel mehr; eigentlich alles, was ein Kinobesucher sucht, wenn er sich entspannen und unterhalten will. Eben darauf kam es Drehbuchautor Manfred Purzer und Regisseur Alfred Vohrer an: endlich wieder einen deutschen Film zu machen, der sich insbesondere auch vor denen sehen lassen kann, die nicht nur Sex und Crime und nicht nur Action oder dieses zusammen, abgerollt sehen wollen, sondern mehr, viel mehr, eben ungetrübte Unterhaltung.

Ein Wort noch: Manche unberufenen Kritiker, die Kino als Kunsttempel oder Debattierclub verstehen, werden bei diesem Film Haare in der Suppe finden. Besonders da, wo in die Hitler-Zeit zurückgeblendet wird, Kriegsszenen zu sehen sind und die „unbewältigte Vergangenheit“ eine Rolle spielt. Man wird von Kolportage und ähnlichem sprechen und sich wiederum lustig machen über das, was die breite Masse, der „Mann von der Strasse“ als Kino und Filmunterhaltung begreift und mag. Aber: Nur unterhaltende, spannende Filme wie „Jimmy“, werden das Kino am Leben erhalten; er kann hoffentlich Anfang sein für eine neue Kinofilm-„Welle“. (Horst Axtmann).

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!"

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

11.02.2010 18:14
#18 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #15
Zitat von Jan im Beitrag #14
P.S.: Etwas schade finde ich, dass dieser m.E. unsinnige Alfred-Vohrer-Sammelthread für die Bewertung der Simmel-Filme genutzt wird. Die Filme der 70er Jahre hätten eigene Threads verdient, zumal nicht alle von Alfred Vohrer inszeniert wurden! Eventuell lässt sich das umschieben?

Du hast Recht: Diese regisseurübergreifende Filmreihe hat aufgrund ihres Diskussionspotenzials hier im Forum einen eigenen Thread verdient. Ich habe nun alle auf Simmel bezogenen Posts aus dem Alfred-Vohrer-Sammelthread extrahiert und in diesen umgeschoben. Als Startpost wurde ein - anderweitig nicht mehr benötigter - alter und ehedem themenfremder Beiträge zur Einführung umeditiert. Jetzt kann hier über alle Simmel-Verfilmungen der angegebenen 1970er-Jahre-Serie diskutiert werden, über Neuverfilmungen bei Johannes Mario Simmel hat’s geschafft und über andere Vohrer-Filme bei Bewertung – Alfred Vohrer-Filme.

Hervorragend, dass hier nun die Simmel-Verfilmungen von 1971 bis 1986 in einem gemeinsamen Thread zusammengefasst sind.

Dennoch stellt sich die Frage, was mit den restlichen Simmel-Verfilmungen aus den 60er bis 90er Jahren werden soll.

Im Einzelnen handelt es sich um ...
  • die beiden CCC-Filme ES MUSS NICHT IMMER KAVIAR SEIN & DIESMAL MUSS ES KAVIAR SEIN (beide 1961 - Regie: Geza von Radvanyi)
  • den Divina-Film MEIN SCHULFREUND (1960, Regie: Robert Siodmak)
  • den Bavaria-Film in französischer CO-Produktion AFFÄRE NINA B. (1961, Regie: Robert Siodmak)
  • den Bavaria-Film DIE WILDEN 50er nach dem Roman HURRA WIR LEBEN NOCH (1983, Regie: Peter Zadek)
  • die CCC-Fernsehproduktion ES MUSS NICHT IMMER KAVIAR SEIN (13 Teile, 1976, Regie: Thomas Engel)
  • die WDR-Fernsehproduktion DOCH MIT DEN CLOWNS KAMEN DIE TRÄNEN (3 Teile, 1990, Regie: Reinhard Hauff)
Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

Jan Offline




Beiträge: 1.336

12.02.2010 20:14
#19 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

ein Alfred-Vohrer-Film
LIEBE IST NUR EIN WORT

mit Herbert Fleischmann, Judy Winter, Malte Thorsten sowie Donata Höfer, Karl Walter Diess, Joey Schönfelder, Inge Langen, Friedrich Siemers, Bernd Redecker, F.G. Beckhaus, Holger Hagen und Konrad Georg - Kamera: Charly Steinberger - Musik: Erich Ferstl - Buch: Manfred Purzer nach dem gleichnamigen Roman von Johannes Mario Simmel - Schnitt: Jutta Hering - Regie-Assistenz: Eva Ebner - Herstellungsleitung: Erwin Gitt - Gesamtleitung: Luggi Waldleitner - Regie: Alfred Vohrer

BRD 1971 (Roxy Film München im Verleih der Constantin)


Die schulisch letzte Chance des Industriellen-Sohnes Oliver Mansfeld (Malte Thorsten) ist das im Taunus gelegene Internat Dr. Florians. Schon kurz nach der Landung auf dem nahegelegenen Flughafen fällt dem zukünftigen Penäler die attraktive Verena Angenfort (Judy Winter) ins begeisterte Auge - die Frau eines Geschäftspartners seines Vaters, Manfred Angenfort (Herbert Fleischmann). Hals über Kopf verliebt sich der 21 jährige Beau in die zehn Jahre ältere Frau und es beginnt eine erfüllte Liebesbeziehung hinter dem Rücken Manfred Angenforts. Doch lange währt die innige Beziehung der beiden nicht, denn neben den unterschiedlichsten Fallstricken innerhalb des Internats wird den beiden vor allem der gehörnte Ehemann zum Verhängnis, denn Manfred Angenfort steckt nicht eher zurück, bis der jugendliche Widersacher vollständig vernichtet ist ...

Nach UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN präsentierte das bewährte Gespann Vohrer/Waldleitner/Purzer/Steinberger/Ferstl mit LIEBE IST NUR EIN WORT 1971 die zweite Simmel-Verfilmung der 70er. Inhaltlich völlig konträr zum Erstling wurde LIEBE IST... als reines Liebesdrama konzipiert. Der Film zeigt den Verfall einer Beziehung im Zeitraffer und die Verführbarkeit durch Geld, Macht und Einfluss, gegen den das simple Gefühl der Liebe nicht anzukommen vermag. Klingt kitschig? Mag sein. Vorgeworfen wurde dem Film schon seinerzeit, dass er zwar gut gemeint sei, jedoch im weiteren Verlauf in eben genau die Region abdriftet, die er eigentlich anzuprangern gedenkt. So schreibt das Lexikon des internationalen Films:

"Der kritisch gemeinte Versuch, den Stellenwert der Liebe in einer von Wohlstandsdenken und Pseudomoral bestimmten Gesellschaft darzulegen, endet wegen Klischeepsychologie, Sentimentalitäten und Milieu-Schick nur in trivialer Unterhaltung."

Das kann nur zum Teil gelten, denn gerade auf weinerliches Sentiment verzichtet sowohl das Buch als auch der Regisseur beinahe krampfhaft. Evtl. mag man Vohrer einen Hang zur Theatralik nachsagen, jedoch passt dieser inszenatorische Stil zur ausweglosen Geschichte und ihrem Ausgang ohne jedes Happy-End. Auch Pseudomoral muss schon mit der Lupe gesucht werden, umschifft der Film diese Klippe doch gekonnt und lässt fromme Verhaltensregeln bundesdeutscher Spießgesellschaft weitestgehend außen vor.

Anzukreiden ist dem Film allerdings, dass die Handlung sich allzu sehr auf einen kurzen Zeitraum konzentriert. Das desillusionierende Finale wirkt mit all der gebotenen Dramatik doch etwas überspitzt. Gut getan hätte der Story, wenn sie gestreckt über ein Jahr gezeigt worden wäre. Die wechselnden Jahreszeiten hätten der Glaubwürdigkeit gut getan!

Von den weiteren Stab-Mitgliedern gebührt vor allem Erich Ferstl hier, neben den eindrucksvollen Bildern Steinbergers, besondere Anerkennung. Er komponierte gleich mehrere Themen von famoser Einfühlsamkeit bis hin zu peitschendem Seventies-Sound. Situationsbedingt werden die Stücke wiederkehrend eingesetzt und munter miteinander kombiniert. Grandios!

Die Darstellerriege zählt zum Stammpersonal der Roxy und weist neben der bekannten Größe Fleischmann die damals eher neuen Gesichter Malte Thorsten und Judy Winter auf. Alle drei treten auch in weiteren Simmel-Verfilmungen auf, haben in LIEBE IST NUR EIN WORT allerdings ihre größten Rollen. Gerade Herbert Fleischmann glänzt als durchtriebener, abgeklärter und völlig rücksichtsloser Bankier. Ebenso wie Judy Winter kann er als paradebesetzt gelten und agiert abendfüllend und famos. Malte Thorsten erhielt für seine Darstellung einen Nachbuchspreis, muss sich aber vom Altmeister Fleischmann rigoros an die Wand spielen lassen. Eine flache Zeichnung gibt aber auch er seiner Figur nicht. Die Szenen mit Judy Winter harmonieren durchaus und der Part wirkt durch und durch glaubwürdig!

Fazit: Von wegen Opas Kino! Die Inszenierung des damals immerhin bald 60-jährigen Regisseurs ist unglaublich modern und stilbildend. Es handelt sich vielleicht um einen der typischten Seventies-Filme, nicht zuletzt auch durch den Steinberger-Stil hinter der Kamera, welcher aus der Not, nicht mehr im Studio drehen zu können, eine wunderbare Tugend machte.

4 von 5 Punkte

Gruß
Jan

Gubanov Offline




Beiträge: 15.573

12.02.2010 21:58
#20 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Liebe ist nur ein Wort

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Zitat von Jan-Eric Loebe für Deutscher-Tonfilm.de
Oliver Mansfeld liebt Verena, die Frau des Bankiers Manfred Angenford. Als Oliver Verena heiraten will, kommt es zum offenen Kampf zwischen den beiden. Oliver fühlt sich überlegen, weil er von den korrupten Geschäften des Bankiers weiß. Der aber hat Mittel, Olivers Schritte ins Ausweglose zu lenken...


„Liebe ist nur ein Wort“ titelt Simmel und Vohrer fängt im gleichnamigen Streifen die Geschichte einer Affäre ein, aus der Liebe entflammt, aber durch den Ehemann wieder ausgelöscht wird. „Liebe ist nur ein Wort“ flüstert Protagonist Oliver Mansfeld seiner Geliebten zu – in der Reihe großer poetischer Zitate ein Fremdkörper der schlicht formulierten Provokation. „Liebe ist nur ein Wort“ zeigt als Film das Gegenteil seines Bedeutungsgehaltes, zeigt, dass Liebe mehr als nur ein Wort sein, dass Liebe in einen Rausch sowie in tiefste Verzweiflung versetzen, zu größtem Hochgenuss und zu extremster Dramatik führen kann. Gerade in jener Gegenteiligkeit liegen die Stärken und die Schwächen dieses Liebesdramas begraben, das man nach „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ wohl oder übel weniger als Fortentwicklung denn als Neuanfang auf völlig andersartigem Gebiet ansehen muss. Simmel bedient, hierin dürfte sich eines seiner Erfolgsgeheimnisse begründen, ein gänzlich differentes Themenfeld, eine gänzlich differente Erzählweise und ein gänzlich differentes Publikum – eines wie das andere in Massen vorhanden und in Massen gefangen. Es muss also etwas dahinterstecken hinter Simmels Geschichte und hinter Vohrers Inszenierung. Und tatsächlich stellt sich „Liebe ist nur ein Wort“ wie bereits sein Vorgänger als glänzend inszeniert dar, kommt schnell zur Sache, greift zu und lässt nicht los, scheut sich nicht, Dinge beim Namen zu nennen, Emotionen aufzubauen und zu entladen, Sympathien entstehen und zerbrechen zu lassen, Ekel, Hass, Schadenfreue, Ärger, Mitleid und Erregung im Publikum zu erwecken und nur eines nicht: Langeweile.

Selbst die einfache und im Grunde vorhersehbare Geschichte, die sich neben Liebe erstrangig um das für einen ernstzunehmenden Film prekäre Thema der Lust in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen dreht und im direkten Vergleich zu der vor Neben- und Parallelhandlungen, Spannungsmomenten und Thrills nur so strotzenden Story von „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ ganz natürlich wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt, bemerkt der Zuschauer allenfalls beim gründlichen Nachdenken im Anschluss an den Filmgenuss und hat kurioserweise nicht einmal das Verlangen, diese als unmittelbaren Kritikpunkt aufzufassen. Zu künstlerisch durchdacht und gut gemacht erscheint das simple Werk dafür. Hauptsächlich tragen drei Leute die Verantwortung für das Glück im Unglück: Regisseur Alfred Vohrer; er inszeniert innovativ und unvoreingenommen und kreiert einen sogartige Wirkung, indem er das überspitzte Zusammentreffen der Umstände der Geschichte nicht mehr wie bei „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ durch und durch realistisch am Zeitgeist ansiedelt, sondern dem Geschehen teilweise eine regelrecht traumartige, manirierte Note verleiht, wodurch es ihm gelingt, die emotionale Seite der Erzählung zum Leben zu erwecken. Kameramann Charly Steinberger; er zeichnet Bilder von Nähe und Wärme, die in steilem Kontrast stehen zu der Artifizierung äußerer Einflüsse, vor allem des Wetters, dem man eine Hauptrolle in „Liebe ist nur ein Wort“ – besonders ergreifend im Finale – zugedacht hat. Komponist Erich Ferstl; er landete nach seinem melodiösen, aber instrumental zweifelhaft besetzten Beitrag zu „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ hier nun einen Volltreffer und ließ Themen der Freude und Melancholie sagenhaft geschmeidig ineinander übergehen.

Nur zweitrangigen Anteil am Gelingen des Films tragen die Schauspieler, über die man an und für sich kein schlechtes Wort zu verlieren braucht, das ihrem Auftreten nicht gerecht werden würde, und die doch dieses Mal trotz ihrer Position vor der Kamera nur eine untergeordnete Rolle spielen. Wichtig sind nur die Typen, die sie verkörpern, nicht sie selbst. Es ist uninteressant, ob die Besetzung von Prominenz ist oder nicht – zu behaupten wäre sogar, dass die relative Frische der Haupt- und Jugenddarsteller insofern einen Vorteil darstellt, als sie den Aufbau von Beziehungen zwischen Zuschauern und Typen fördert. Gerade, was diese Typen angeht, so lohnt „Liebe ist nur ein Wort“ einen genauen und kritischen Blick. Nicht, weil man weitere Beweise für die Vollkommenheit des Films finden würde, sondern weil sich hierin die oben formulierte These der Gegensätzlichkeit bestätigt und dem Film damit seiner Absicht, Doppelmoral aufzudecken, einen gehörigen Strich durch die Rechnung macht. Denn was Simmel-Purzer und Vohrer trotz ihrer Kunstfertigkeit nicht verdecken können, ist, dass sie versuchen, den Zuschauer auf die Seite derjenigen Charaktere zu bringen, die selbst von Doppelmoral erfüllt sind. Es sind gerade Oliver Mansfeld und Verena Angenfort, die von Kopf bis Fuß einen opportunistischen Lebensstil führen, leichtlebig und leichtgläubig sind, Versprechen, Vertrauen und Verbünde von einem Moment auf den anderen mit den Füßen treten und versuchen, einen Pakt zu schmieden gegen die vielleicht beharrlichste und gerechteste Figur des gesamten Films: Manfred Angenfort. Die Tatsache, dass er von Story, Inszenierung und der einseitigen Darstellung Fleischmanns in die tiefste Ecke der Antipathie gerückt wird, vertuscht allzu oberflächlich seine Position, durch die er sich zu jeder Zeit und mit jeder Handlung im Recht befindet, Schritte zu ergreifen, die die Gefährdung eines gültigen Lebens- und Rechtszustandes durch Personen verhindern, für die Liebe zwar mit Sicherheit nicht nur ein Wort, aber gleichsam nicht viel mehr als eine wechselnde Laune zur Befriedigung ureigener Bedürfnisse unter der völlig gleichgültigen Akzeptanz des Umstandes, andere damit zu verletzen, ist.

Fazit: Erstklassig inszenierte Studie einer Geschichte mit Schlagseite. Dass diese inhaltliche Verfehlung zeitbedingten Denkens von meisterhafter und wesentlich zeitloserer Kunstfertigkeit kaschiert wird, lässt in gewissen Teilen darüber hinwegsehen. 3 von 5 Punkten.

Joe Walker Offline




Beiträge: 742

12.02.2010 23:41
#21 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

@ Jan: Das ich dir in (fast) allen Punkten zustimme, dürfte nicht verwundern . Da in diesem Thread ja jetzt die Simmel-Filme noch mal gesondert ihr Zuhause haben, lege ich Kritiktechnisch nach – und borge mir mal deine Formatierung (ich find’ die chic) .

Ein Alfred-Vohrer-Film
DER STOFF, AUS DEM DIE TRÄUME SIND
Edith Heerdegen - Hannelore Elsner - Herbert Fleischmann - Paul Neuhaus
sowie Konrad Georg, Paul Edwin Roth, Heidi Stroh, Malte Thorsten, Günther Mack, Klaus Schwarzkopf, Ernst von Klipstein, Walter Buschhoff, Charles Brauer, Gert Haucke, Friedrich Georg Beckhaus, Alf Marholm, Franz Rudnick, Hans-Peter Hallwachs, Arnold Marquis, Arthur Brauss, Anton Diffring sowie
Charles Regnier & Arno Assmann
Kamera: Charly Steinberger - Musik: Peter Thomas - Buch: Manfred Purzer nach dem gleichnamigen Roman von Johannes Mario Simmel - Schnitt: Susanne Paschen - Regie-Assistenz: Eva Ebner – Herstellungsleitung: Walter Tjaden
Gesamtleitung: Luggi Waldleitner
Regie: Alfred Vohrer
Bundesrepublik Deutschland 1972 by Roxy Film München im Verleih der Constantin

Der investigative Journalist Walter Roland und sein Fotograf Bertie kommen bei der Suche nach einer brisanten Story mit zwei jungen Überläufern aus der CSSR in Kontakt. Als einer der beiden Flüchtlinge erschossen wird, versuchen Walter und Bertie, etwas über die Hintergründe der Tat herauszufinden. Dabei geraten die zwei allerdings sehr schnell selbst in Lebensgefahr, denn es stellt sich heraus, dass vom CIA bis zum BND alle möglichen Geheimdienste in die Affäre verwickelt sind – und die sind nicht an journalistischer Publicity interessiert.

Liebe ist nur ein Wort“ schlägt beim Kinopublikum wie eine Bombe ein. Es gelingt, den Erstlingserfolg von „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ zu wiederholen und gar zu steigern. Künstlerisch kann man mit einem Filmband in Gold als ‚Bester Nachwuchsdarsteller’ für Malte Thorsten ebenfalls einiges auf der Habenseite verbuchen – Produzent Waldleitner legt folgerichtig sogleich nach und beschließt einen weiteren Simmel-Roman zu verfilmen. Man entscheidet sich, nicht zuletzt auf Grund des aktuellen Medieninteresses, für den neuesten Roman aus der Feder des Autors: „Der Stoff, aus dem die Träume sind“. Natürlich sichert sich Waldleitner die bewährten Kräfte im Drehstab, die schon die Vorgänger in eingespielter Manier herstellten: Regie führt erneut Alfred Vohrer, ihm zur Seite steht seine langjährige Assistentin Eva Ebner, das Drehbuch schreibt Manfred Purzer, die Bildgestaltung übernimmt Charly Steinberger. Im Frühjahr 1972 laufen die Dreharbeiten an internationalen Schauplätzen, die sich u.a. von Hamburg und Frankfurt über Stockholm bis nach New York erstrecken.

Schauspielerisch schöpft Waldleitner für seine neueste Simmel-Produktion erneut aus dem Vollen – bis in die Nebenrollen präsentiert sich ein ausgesprochen hochkarätiger Cast, der in den jeweiligen Rollen nicht passender besetzt sein könnte. Edith Heerdegen verkörpert, über 10 Jahre seit ihrem letzten Auftritt im Kino, den Part der mit hellseherischen Fähigkeiten versehenen Luise Gottschalk auf den Punkt genau mit geradezu kindlicher Naivität und Natürlichkeit – was Vohrer aus dieser sonst auf TV-Serien abonnierten Schauspielerin herausholt, ist beeindruckend und ein Zeugnis für ihn als geschickten Akteurführer. Hannelore Elsner darf die bis dato anspruchsvollste Rolle ihrer Karriere spielen und beweisen, dass sie mehr als französische Austauschschülerinnen und schwabische Briefmarkensammlerstöchter darstellen kann. Der mittlerweile etablierte Simmel-Stammschauspieler Herbert Fleischmann glänzt als abgehärteter Fotograf mit Durchblick erneut in einem Vohrer-Film. Paul Neuhaus ist für seine Rolle des idealistischen Fotoreporters wie gemacht – die Tatsache, dass er nach Drehschluss von Harald Leipnitz synchronisiert wird, lässt seine Darstellung in der Rückschau gar noch besser erscheinen. Konrad Georg hat ebenso einen denkwürdigen Gastauftritt wie der durch „Liebe ist nur ein Wort“ zum Star gewordene Malte Thorsten, Akteure wie Klaus Schwarzkopf (in einer Rolle, wie sie nur Schwarzkopf spielen konnte), F. G. Beckhaus, Charles Brauer, Gert Haucke oder Günther Mack passen perfekt in die ihnen zugedachten Rollen. Zwei Glanzlichter stechen aus der 2. Reihe dennoch heraus: einmal Charles Regnier als ultracooler KGB-Agent, der in seiner unnachahmlichen Art einen aalglatten Gentleman-Gangster portraitiert – zum Anderen den im Kino leider viel zu selten vertretenen Arno Assmann, der als berechnender, jovialer und Bibelverse zitierender Verlagsleiter Herford eine Galavorstellung abliefert und bei jedem Auftritt die gesamte Szenerie beherrscht; Höhepunkt eines rundum gelungenen Ensembles vor der Kamera.

Für das Drehbuch zeichnet erneut Manfred Purzer verantwortlich, dem es gelingt, aus der gerade erst erschienenen, umfangreichen und vielschichtigen Romanvorlage Simmels ein schlüssiges und logisch durchdachtes Filmskript zu fertigen – man muss es unumwunden sagen: Purzer hat wie kein Zweiter im deutschen Kino der 70er Jahre diese Fähigkeit, sperrige und/oder inhaltsreiche Stoffe filmwirksam zu kürzen dem Drehbuch einen gelungenen Eindruck zu verschaffen. Wie schon „Und Jimmy geht zum Regenbogen“ offeriert die Story interessante Querverbindungen zwischen einer klassischen Liebesbeziehung, internationalen Spionagegeschäften der Geheimdienste (BND, KGB, CIA … alle mischen hier mit), Verweisen in das dunkle Kapitel der Naziherrschaft des dritten Reichs und dem Wirken verschiedenster Korruptions- und Erpressungsgeschäftemacher.

Vohrer setzt „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ getreu seinem erfolgreich angewendeten Stil in Szene und kreiert seinen bis dato besten Simmel-Film – es ist überhaupt einer der besten Filme ist, die der Regisseur im Laufe seiner Karriere gedreht hat. Hauptgrund für den gelungenen Eindruck mag zunächst sein, dass Vohrer nie aus der Ruhe kommt – er gibt dem Geschehen die Zeit die es braucht, um sich zu entfalten; auch auf die Gefahr hin, dass der Film mal ein paar Minuten länger dauert. Natürlich werden nicht alle Hintergründe mancher Handlung vollends beleuchtet und selbstverständlich gibt es das für Simmel-Filme mittlerweile fast obligate Open-End, aber auch hierin besteht der Reiz für den Zuschauer, den Film nach dem Sehen nicht einfach zu den Akten zu legen sondern nochmals über ihn nachzudenken. Sämtliche Ebenen des vielschichtigen Drehbuches werden durch die Regie eindringlich beleuchtet, die Rückblenden sind packend erzählt und äußerst glaubhaft gefilmt, die Schauspieler sind auf den Punkt hin geschickt gelenkt – die Verzahnung und Kettenreaktionen der einzelnen Ereignisse und Personen darzustellen, gelingt Vohrer unglaublich dicht und atmosphärisch. Szenenwechsel und Handlungssprünge sind präzise gesetzt und überaus effektiv; auch offenbart die Inszenierung keine Logiklöcher oder Anschlussfehler, alles ist bis ins Detail geplant. Die Standbilder helfen dem Zuschauer, zwischen den einzelnen Orten, Zeiten und Handlungen ohne Bruch hin- und herspringen zu können, sind sowieso ein exzellentes Stilmittel. Handwerklich war Vohrer nie besser und spielt hier ohne weiteres auf Weltniveau.

Einen großen Anteil am Gelingen des Filmes hat natürlich auch hier wiederum die geniale Kameraarbeit des verdienten Bildgestalters Karl ‚Charly’ Steinberger, der seinen zusammen mit Vohrer für die Simmelfilme entwickelten, innovativen und selbst heute noch modern wirkenden Stil hier konsequent weiterführt. Ständig wirbelt die ungemein bewegliche Kamera verquere Einstellungen und surreale Bildkompositionen, Dialoge werden generell ohne biederen Schuss-/Gegenschuss sondern in interessanten, bildaufteilungsmäßig gewagten Blickwinkeln festgehalten, Filter kommen ebenso zum Einsatz wie extreme Weitwinkel- und Zoomobjektive. Die Traumsequenzen von Luise Gottschalk (Edith Herdeegen) gehören – im Verbund mit dem expressiv eingesetzten „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi – mit zum Durchdachtesten und Bewusstsein erweiternden, was Steinberger mit seiner Kamera je auf die Beine gestellt. Aber sowohl die beeindruckenden Schauplätze (Hamburg-St. Pauli, New York, Stockholm, Schleswig Holstein) als auch die triste Atmosphäre des von Spionen, falschen Freunden und eiskalten Verbrechern durchsetzten Weltgefüges werden von ihm grandios eingefangen und überzeugen auf ganzer Linie.

Eine Änderung gegenüber den vorherigen Filmen gibt es im Stammpersonal hinter der Kamera auf Drängen Vohrers dennoch: statt Erich Ferstl verpflichtet er den ihm, aus immerhin 12 gemeinsam ‚bestrittenen’ Filmen, bekannten und geschätzten Kultkomponisten Peter Thomas für den Soundtrack. Aus der Rückschau betrachtet ist dies einer der besten Schachzüge der Produktion, denn so passend die eher introvertierten, romantischen-bittersüßen Melodien Ferstls für die Vorgängerfilme „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ und „Liebe ist nur ein Wort“ waren, so sehr benötigt Vohrer für den mehr Now-Time spielenden „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ einen Komponisten, der musikalisch beizeiten auch mal richtig ausgeflippte Action bringen kann. Peter Thomas stattet die beiden Hauptprotagonisten Walter und Irina mit einem zarten Liebesthema für Solo-Mundharmonika aus (gespielt von Giuseppe ‚Pepe’ Solera), liefert für die Actionsequenzen fetzige Raregrooves mit einem in Spiellaune befindlichen Siegfried ‚Siggi’ Schwab an der E-Gitarre und harte Beats für Spelunken auf St. Pauli – mit dem legendären Lindenberg-Kollaborateur Olaf Kübler am Saxophon; exzellente Sidemen wie Lothar Meid am Bass und Wolfgang Paap am Schlagzeug runden das Orchester ab. Thomas gelingt einer seiner vielschichtigsten Scores der 70er, der den Film in allen Nuancen perfekt untermalt und zum rundum gelungenen Gesamteindruck beiträgt.

Selbst die zeitgenössische Filmkritik, die natürlich (und wie könnte es auch anders sein) nicht vollends mit dem Einverstanden war, was die Vertreter von Opas Kino da abgeliefert hatten, fand zumindest milde Worte:

"Aufwendige Bestseller-Verfilmung mit dem Bemühen, auf unterhaltsame Weise kritische Einblicke in Agententätigkeit und Pressepraktiken zu geben."

Und indirekt trifft diese Kritik genau den Punkt dessen, was diese Filme heute noch auszeichnet: sie waren als Unterhaltungs- und Publikumsfilme konzipiert – allerdings, und dass ist nicht zuletzt der Verdienst von Produzent Luggi Waldleitner, als Unterhaltungskino mit Niveau, von hohem formalem und künstlerischem Anspruch. Gerade dass ist es, was die Simmel-Filme dieses Teams um Vohrer, Purzer & Co. noch heute sehbar macht: sie sind modern, niveauvoll, inhaltsreich und unterhaltend … und lassen einen bei jedem Sehen umso schmerzlicher bewusst werden, dass die Kombination dieser 4 genannten Attribute für heutige Filme leider kaum mehr zutrifft.

Zu welchem Schluß mag man nach dieser Aufzählung wohl kommen: „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ ist ein absolutes Meisterwerk des deutschen Kinos der 70er Jahre.

Wertend vergebe ich an „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ schließlich 4,9 von 5,0 Punkten … aber auch nur deshalb, weil ich für meinen absoluten Liebling „Alle Menschen werden Brüder“ ja noch eine Steigerungsmöglichkeit offen lassen muss.

Gruß
Joe Walker

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

13.02.2010 10:20
#22 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

LIEBE IST NUR EIN WORT

Kritik in Filmecho – November 1971 von Horst Axtmann

Wie bereits zu „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ hier nun auch die damalige Kritik von Filmecho-Chef Horst Axtmann.

Seit dem „Jimmy“ ist Manfred Purzer auf Drehbücher nach Simmel-Bestsellern spezialisiert. Wieder hat er einen nicht leicht zu lesenden Roman so plastisch und vorteilhaft interpretiert ins Filmische übersetzt, dass ihn eigentlich nur Regisseur Alfred Vohrer fehlte, um in kongenialer Zusammenarbeit zu einem Film zu gelangen, wie er für das Kino unserer Tage nicht nur vorbildlich, sondern auch dringend notwendig ist. Vohrer indessen beweist zum anderen Male, dass sein Inszenierungsstil treffsicher ist.

Es steht fest: entschieden mehr als jene 700.000 Käufer des Simmel-Romans „Liebe ist nur ein Wort“ werden die Purzer/ Vohrer-Deutung auf der Kinoleinwand sehen wollen; ein neuer Roxy-Erfolg bahnt sich an. Nicht zuletzt auch deshalb, weil in diesem Film alles stimmt und nichts fehlt von der sauberen Unterhaltung, die der vom Fernsehen gedrillte und im Alltag gehetzte Mensch im Kino zu erleben wünscht. – Man sagt: „Liebe ist nur ein Wort“ sei die deutsche Antwort auf die amerikanische „Love Story“. Ich sage: mit diesem Film ist das Non-Plus-Ultra des romantischen und unterhaltsamen neuen deutschen Films erreicht. Er straft, wie vordem schon „Jimmy“, vor allem auch jene Lügen, die dem Kinofilm keine Steigerung mehr zutrauen, oder ihm überhaupt jede Niveau-Möglichkeit absprechen.

Die Story ist unschwer zu erzählen, so erschwert (und deshalb packend) sie auch dargestellt wird: Einundzwanziger, aus korruptem Hause stammend, kommt ins Internat um endlich sein Abitur zu machen. Zehn Jahre ältere, verheiratete Frau, aus ebenfalls korruptem Hause, wird sein Schicksal. Tragik ist das Ende, ein Nichts die bestrafte Zukunft der Zurückbleibenden. Milieuschilderungen des Internats, psychologische Studien, der Ausdruck echter Lebensfreude, die Eile jugendlicher Liebe und eine kaum übersehbare Menge weiterer Einzelheiten, eingehüllt in herrliche farbige Bilder, umrahmt von klassisch anmutender Musik und großartigen schauspielerischen Leistungen vollenden eine lebenswahre Geschichte unverwechselbar Simmelscher Prägung.

Drei Darsteller insbesondere ragen heraus: Herbert Fleischmann und Judy Winter als überaus zwiespältiges Ehepaar, sowie der junge, neu entdeckte Malte Thorsten, der Dritte in der Dreieckgeschichte; in der Tat eine Entdeckung. Daneben das Mädchen unserer Tage, Donata Höffer und der kleine Joey Schoenfelder, der die ihm zugedachte Schlüsselrolle geradezu vollendet gibt. Alfred Vohrer hat die Schauspieler hervorragend geleitet, unterstützt von Charly Steinberger, der eine lebendige moderne Kamera führt. Und dann muß gleich Erich Ferstl genannt werden, dessen Musik nicht nur als dramaturgisches Instrument fungiert, sondern weit darüber hinaus eine bestimmende Rolle spielt. Etwas am Rande, wie es die Charge vorsieht, aber eine ergreifende Leistung: Inge Langen als nervenkranke Mutter; neben ihr – in ungewohnter Aktion – Gretl Schörg. Auch was die übrigen Darsteller abgeht, da ist keine Fehlbesetzung, keine Länge, kein falscher Ton: ein Film wie aus einem Guß.

Fachkritik ist hier im besten Sinne des Wortes möglich, in dem Sinne nämlich, dass der deutsche Kinofilm, weder dieser, noch jener Welle nachjagend, derartige Qualitätsleistungen bieten muß, um endlich aus der (vielfach ungerechten) Verdammnis herauszukommen und in den Freizeitgewohnheiten der Menschen wieder den Platz einzunehmen, den er vordem innehatte.

Glücklich jedes Filmtheater, das diesen Film auf seinen Spielplan setzen kann; es braucht, für geraume Zeit zumindest, keine Sorge mehr um sein Image zu haben. (Horst Axtmann)

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

14.02.2010 11:54
#23 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Cinema International Corp. zeigt
einen Alfred-Vohrer Film
GOTT SCHÜTZT DIE LIEBENDEN
Eine Roxy-Paramount-Orion-Produktion mit Harald Leipnitz, Gila von Weitershausen, Andrea Jonasson, Walter Kohut, Paul Esser, Nino Castelnuovo, Ingeborg Lapsien, Thomas Frey v.a. und Ruedi Walter. Musik: Hans-Martin Majewski. Kamera: Charley Steinberger. Drehbuch: Manfred Purzer nach dem gleichnamigen Roman von Johannes Mario Simmel. Gesamtleitung: Luggi Waldleitner. Regie: Alfred Vohrer.

Bei dem Roman handelt es sich um einen seiner frühen Romane aus den 50ern. Spielend um 1955 mit Rückblenden ins Dritte Reich erschien der Roman 1957. Zu einer Verfilmung kam es in den ersten Jahren nie – obwohl der Verlag den Roman verschiedenen Produzenten (u.a. 1967 auch Rialto Film) anbot – nie. In einer der Begründungen hieß es u.a.: „Der Roman wirkt zuweilen wegen unrealistischer und außerordentlich sentimentaler Schilderungen in der heutigen Zeit fast lächerlich, auf jeden Fall aber überholt.“

Wie dem auch sein wurde der Roman sehr stiefmütterlich behandelt und landete schließlich bei der deutschen Paramount-Tochter-Gesellschaft Orion. Im Zuge der erfolgreichen Roxy-Simmelverfilmungen einigte sich Orion, die auch bisher kein brauchbares Drehbuch hatten mit Luggi Waldleitner und so entstand die fünfte Simmel-Verfilmung des Teams Waldleitner/ Purzer/ Vohrer.

Manfred Purzer gelang es mit Bravour den Stoff zu entstauben und ihn zu Beginn der 70er-Jahre zu verlegen. Simmel in einem zeitgenössischen Interview: „Ja, das Drehbuch wurde, wie immer mit Manfred Purzer abgestimmt. Mein Roman entstand vor vielen Jahren. Gewisse geschilderte Begebenheiten sind bereits ‚historisch’ und existieren heute nicht mehr. Es ist Purzer meisterhaft gelungen, die gesamte Konstellation in die Gegenwart zu übertragen – ohne dabei die ursprüngliche Konstellation von Personen und Problemen, wie der Roman sie schildert, zu zerstören.“

Natürlich musste Purzer auch gewisse Dinge ändern – so ist der Hauptakteur Paul Holland nicht mehr Journalist, sondern Test-Ingenieur. Petra Wend wurde Laura. Statt um einen Spionageorganisation geht es nun um einen Rauschgiftring der statt von einem Mann nun von „La Mamma“ geleitet wird. Der Film geht von Berlin über Wien, Barcelona nach Cap Sa Sal. Der Schluß wurde ebenfalls dramaturgisch abgeändert – im Roman erschiesst Sybille Paul und sich, Sybille stirbt und Paul kann gerettet werden – stirbt jedoch auf dem Weg nach Südamerika als sein Flugzeug abstürzt. Im Film erschiesst Laura Paul, die ihrerseits von dem Sohn von „La Mamma“ nachdem er die Wahrheit erfahren hat, ebenfalls erschossen wird. Was aus Sybille wird – die in einem Kloster Zuflucht fand – geschieht, bleibt offen.

Alfred Vohrer hat wie bereits bei den vier vorangegangen Filmen stilgerecht inszeniert. Insgesamt gibt es nur eine große Rückblende als die Vergangenheit von Sybille erklärt wird. Charly Steinberger hat dieses Mal mit der Kamera weniger experimentiert, wobei er die Städte Berlin und Wien etwas düsterer aufgenommen hat und entsprechend „freundlicher“ die Spanien-Szene.

Die Besetzung ist erneut gut getroffen mit Harald Leipnitz als Paul Holland und Gila von Weiterhausen. Als Intrigantin Laura fand man in der fast unbekannten Schauspielerin Andrea Jonasson besetzt. Auch die Nebenrollen wurden persongerecht besetzt. So spielt der Italiener Nino Castelnuova den Liebhaber von Sybille, Ingeborg Lapsien „La Mamma“, Walter Kohut den Geheimdienstchef und Vorgesetzte von Sybille, Paul Esser einen Kommissar und Ruedi Walter einen Kirchenverkäufer, der eine Kirche zuviel besitzt. Die Musik komponierte erstmals Hans-Martin Majewski und wird gekonnt eingesetzt.

Der durchaus harte Agenten-Thriller hat – im Gegensatz zu den anderen Simmel-Verfilmungen auch ein paar ausgleichende humorvolle Dialoge. Hier ist einmal das Treffen zwischen Paul Holland und dem Kirchenverkäufer Wälterli in der Bar und zum anderen der Dialog zwischen Paul Holland und dem Kommissar Albers. Holland: „Wissen Sie was Sie sind?“ Albers: „Ein Beamter mit 35 Jahren Diensterfahrung.“ Holland: „Ein Arschloch mit Pensionsberechtigung!“

FAZIT: Wieder eine hervorragende Simmel-Verfilmung, die jedoch in der Gunst der Zuschauer im hinter den ersten vier (Roxy-)Verfilmungen steht. Dennoch großartige Unterhaltung.

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

Scarpine ( gelöscht )
Beiträge:

14.02.2010 20:24
#24 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Das liest sich alles sehr interessant. Können einige hier auch mal etwas zur Qualität der DVDs sagen?


Gubanov Offline




Beiträge: 15.573

14.02.2010 21:14
#25 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Alle vier Kinowelt-Veröffentlichungen liegen in 4:3-Vollbild vor. Die jeweiligen Längenangaben kannst du auf den im Ausgangspost verlinkten Seiten nachlesen. Zwei DVDs habe ich bisher gesehen. "Und Jimmy ging zum Regenbogen" liegt in sehr guter Bildqualität vor, da gibt es keine Beanstandungen. Kräftige Farben, guter Kontrast, sauberes Material. "Liebe ist nur ein Wort" sieht weniger gut aus, man merkt, dass man durch eine sorgfältigere Restauration mehr hätte herausholen können. Dennoch positiv, da bezweifelt werden darf, dass eine bessere TV-Ausstrahlung vorliegt. Das Bonusmaterial ist recht umfangreich, bei "Liebe ist nur ein Wort" gibt es zwei mehrseitige Produktionsunterlagen mit Filmhintergründen bzw. Werberatschlag im DVD-Rom-Part. Je einen Filmscreenshot und die Bonusmaterial-Übersichtstafeln verlinke ich hier einmal zu Vergleichszwecken:

1. Bonusmaterial "Und Jimmy ging zum Regenbogen"
2. Screenshot "Und Jimmy ging zum Regenbogen"
3. Bonusmaterial "Liebe ist nur ein Wort"
4. Screenshot "Liebe ist nur ein Wort"

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

14.02.2010 21:21
#26 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Habt Ihr eigentlich bei den beiden ersten Filmen EVA EBNER entdeckt!?

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

Gubanov Offline




Beiträge: 15.573

14.02.2010 21:22
#27 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

In einem Cameo-Auftritt? Also ich nicht.

Joe Walker Offline




Beiträge: 742

14.02.2010 21:50
#28 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Zitat von Joachim Kramp
Habt Ihr eigentlich bei den beiden ersten Filmen EVA EBNER entdeckt!?

In "Liebe ist nur ein Wort" spielt sie die Empfangsdame an der Rezeption des Münchener Arabella-Hotels (sogar mit eigener Stimme). Bei "Und Jimmy ging zum Regenbogen" bin ich mir nicht so sicher (zu lange her, den Film gesehen zu haben), meine sie realtiv am Anfang aber kurz in Konrad Georgs Buchhandlung gesehen zu haben.

Gruß
Joe Walker

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

14.02.2010 22:35
#29 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Zitat von Joe Walker

Zitat von Joachim Kramp
Habt Ihr eigentlich bei den beiden ersten Filmen EVA EBNER entdeckt!?

In "Liebe ist nur ein Wort" spielt sie die Empfangsdame an der Rezeption des Münchener Arabella-Hotels (sogar mit eigener Stimme). Bei "Und Jimmy ging zum Regenbogen" bin ich mir nicht so sicher (zu lange her, den Film gesehen zu haben), meine sie realtiv am Anfang aber kurz in Konrad Georgs Buchhandlung gesehen zu haben.
Gruß
Joe Walker



Korrekt zu "Liebe" und bei "Jimmy" ist sie sogar auf dem Screenshot von Gubanov!

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

Scarpine ( gelöscht )
Beiträge:

15.02.2010 10:30
#30 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

@ Gubanov

Vielen Dank für die hilfreichen Infos!


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