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Dieses Thema hat 109 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Gubanov Offline




Beiträge: 15.362

19.04.2007 16:56
#1 Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Zwischen 1971 und 1986 entstanden neun Verfilmungen von Romanen des Autors Johannes Mario Simmel, der zuvor kinotechnisch vor allem für die "Es muss nicht immer Kaviar sein"-Filmvorlagen bekannt war. Oft von Alfred Vohrer inszeniert, wurden ab 1971 Bestseller-Stoffe wie "Und Jimmy ging zum Regenbogen" oder "Der Stoff, aus dem die Träume sind" für das Kino bearbeitet und mit Stars des deutschen und internationalen Films besetzt, zu denen Alain Noury, Horst Tappert, Ruth Leuwerik, Harald Leipnitz, Karin Dor oder Gila von Weitershausen zählen. Adaptiert wurden:

  1. Und Jimmy ging zum Regenbogen
    Kinostart: 11.03.1971, Regie: Alfred Vohrer, Darsteller: Ruth Leuwerik, Alain Noury, Judy Winter, Horst Tappert u.a.
  2. Liebe ist nur ein Wort
    Kinostart: 12.11.1971, Regie: Alfred Vohrer, Darsteller: Judy Winter, Malte Thorsten, Herbert Fleischmann, Donata Höffer u.a.
  3. Der Stoff, aus dem die Träume sind
    Kinostart: 20.09.1972, Regie: Alfred Vohrer, Darsteller: Hannelore Elsner, Herbert Fleischmann, Edith Heerdegen, Paul Neuhaus u.a.
  4. Alle Menschen werden Brüder
    Kinostart: 15.03.1973, Regie: Alfred Vohrer, Darsteller: Harald Leipnitz, Doris Kunstmann, Klaus Schwarzkopf, Elisabeth Volkmann u.a.
  5. Gott schützt die Liebenden
    Kinostart: 04.10.1973, Regie: Alfred Vohrer, Darsteller: Harald Leipnitz, Gila von Weitershausen, Walter Kohut, Andrea Jonasson u.a.
  6. Die Antwort kennt nur der Wind
    Kinostart: 20.11.1974, Regie: Alfred Vohrer, Darsteller: Marthe Keller, Maurice Ronet, Karin Dor, Raymond Pellegrin u.a.
  7. Bis zur bitteren Neige
    Kinostart: 23.10.1975, Regie: Gerd Oswald, Darsteller: Maurice Ronet, Suzy Kendall, Susanne Uhlen, Christine Wodetzky u.a.
  8. Lieb Vaterland, magst ruhig sein
    Kinostart: 25.03.1976, Regie: Roland Klick, Darsteller: Heinz Domez, Catherine Allégret, Günter Pfitzmann, Margot Werner u.a.
  9. Bitte lasst die Blumen leben
    Kinostart: 25.09.1986, Regie: Duccio Tessari, Darsteller: Klausjürgen Wussow, Birgit Doll, Hannelore Elsner, Gerd Böckmann u.a.
Vier der neun Filme wurden von Kinowelt auf DVD veröffentlicht (Stand: 2010). Ergänzung: Die übrigen fünf Titel sind seit 2013 von Filmjuwelen erhältlich.

Joe Walker Offline




Beiträge: 738

29.06.2009 16:46
#2 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Nachdem ich gestern zum ersten Mal den Alfred-Vohrer-Film „Alle Menschen werden Brüder“ gesehen habe, mal einige spontane Gedanken zum Film.

Der zum winterlichen Jahreswechsel 1972/1973 entstandene „Alle Menschen werden Brüder“ ist nach „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ (1970), „Liebe ist nur ein Wort“ (1971) und „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ (1972) die vierte Verfilmung eines Romanes von Johannes Mario Simmel, die der Münchener Luggi Waldleitner mit seiner Roxy-Film in den 70ern produziert hat – und gleichsam der sowohl finanzielle als auch inszenatorische Höhepunkt der Serie. Eingedenk des großen Erfolges der Vorgänger ist auch bei „Alle Menschen werden Brüder“ wieder das eingespielte Team aus Regisseur Alfred Vohrer, Kameramann Charly Steinberger und Drehbuchautor Manfred Purzer am Werke – nach einem Gastspiel von Peter Thomas als Schreiber der superben Filmmusik zu „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ ist mittlerweile auch der nominelle Simmel-Komponist Erich Ferstl wieder mit an Bord.

Die Besetzung zeichnet sich bis in die Nebenrollen erneut durch Erstklassigkeit aus – jede Rolle ist perfekt verkörpert. Harald Leipnitz, zum ersten Mal in einem Simmel-Film dabei, führt die Besetzungsliste an und liefert eine eindringliche Performance als mit allen Wassern gewaschener und durchweg hinterlistiger Gangster. Als sein ungleicher, rechtschaffener Bruder Richard brilliert der Neuling Rainer von Artenfels, der ein beeindruckendes Kinodebut vorlegt und selbst Leipnitz mitunter an die Wand spielt – von Artenfels reiht sich mit seinem erinnerungswürdigen Auftritt nahtlos in die Reihe der im Zuge der Simmel-Filme durch Alfred Vohrer fürs Kino entdeckten Talente ein (Judy Winter, Alain Noury, Mascha Gonska, Wolfgang Schumacher alias Malte Thorsten, Paul Neuhaus). Kurios ist einzig, dass Leipnitz gegenüber von Artenfels zwar wesentlich weniger Spielzeit im Film vorweisen kann, jedoch vor ihm in den Credits steht – hier ging wohl die Zugkräftigkeit des bekannteren Namens vor. Als zwischen diesen beiden Männern hin- und hergerissene Lilian Lombard ist, nach Ihrer Hauptrolle in „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ zum zweiten Mal bei Simmel, die aparte Doris Kunstmann zu sehen, die eine faszinierende Charakterstudie als begehrenswerte Femme Fatale mit tlw. kindlich anmutender Naivität abliefert. Die zweite Reihe der Rollen wird von drei, mittlerweile zum festen Inventar der Simmel-/Vohrer-Besetzungslisten avancierten, erstklassigen Akteuren aufgefüllt: Klaus Schwarzkopf ist genial in seiner Rolle des schlauen wie gläubigen Juden Boris Minski, Herbert Fleischmann ist seine Rolle des erdigen und findigen Kommissars Eilers wie auf den Leib geschrieben und Konrad Georg hat als Staatsanwalt Paradin ebenfalls einen Glanzauftritt. Synchronass Alf Marholm kann in seiner Rolle als vielgesichtiger Prof. Delacorte wirkungsvolle Akzente setzten, ebenso wie Christiane Maybach als heruntergekommene Hure und Elisabeth Volkmann als von Richard zugunsten seiner großen Liebe Lilian verlassener Gespielin. Weiterhin sind in kurzen Szenen Manfred Seipold, Heinz Baumann, Alexander Golling und Edith-Schultze Westrum zu sehen. Einen Gastauftritt hat Ingrid van Bergen als verruchte Stripteaselokal-Chanteuse, die den von Erich Ferstl geschriebenen Song „Poor Man“ gelungen vorträgt. Vohrers glückliches Händchen bei der Schauspielerauswahl zeigt sich erneut durch die Verpflichtung von Roberto Blanco in der Rolle des Tiny, eines alten Freundes von Richard Mark. Mag dies zunächst unkonventionell und wenig geschmackssicher wirken, so überzeugt Blanco durch sein kraftvolles Auftreten und die geschickte Lenkung des Regisseurs in jeder seiner Szenen; und ist – neben Reiner von Artenfels – die größte darstellerische Überraschung des Filmes.

Für das Drehbuch zeichnet erneut Manfred Purzer verantwortlich, dem es gelingt, aus der bereits 1967 erschienenen umfangreichen und vielschichtigen Romanvorlage Simmels ein schlüssiges und logisch durchdachtes Filmskript zu fertigen – obligate, filmgerechte Ergänzungen durch Regisseur Vohrer tun ihr Übriges zum gelungenen Eindruck des Buches. Wie schon „Und Jimmy geht zum Regenbogen“ und „Der Stoff aus dem die Träume sind“ offeriert die Story interessante Querverbindungen zwischen einer klassischen Dreiecksliebesbeziehung, internationalen Spionagegeschäften, Verweisen in das dunkle Kapitel der Naziherrschaft des dritten Reichs und dem Wirken verschiedenster Korruptions- und Erpressungsgeschäftemacher.

Vohrer setzt „Alle Menschen werden Brüder“ getreu seinem mehrmals erfolgreich angewendeten Stil in Szene und kreiert seinen besten Simmel-Film – fast möchte ich sagen, dass es überhaupt einer der besten Filme ist, die der Regisseur im Laufe seiner langen Karriere gedreht hat. Sämtliche Ebenen des vielschichtigen Drehbuches werden durch die Regie eindringlich beleuchtet, die Rückblenden sind packend erzählt und äußerst glaubhaft gefilmt, die Schauspieler sind auf den Punkt hin geschickt gelenkt – die Verzahnung und Kettenreaktionen der einzelnen Ereignisse und Personen darzustellen, gelingt Vohrer unglaublich dicht und atmosphärisch. Szenenwechsel und Handlungssprünge sind präzise gesetzt und überaus effektiv; auch offenbart die Inszenierung keine Logiklöcher oder Anschlussfehler, alles ist bis ins Detail geplant. Selbst der hintergründige Humor, der für Simmel durchaus untypisch ist, fügt sich homogen in die Stimmung des Filmes ein und ist tlw. wirklich bitterböse. Handwerklich war Vohrer nie besser und spielt zweifellos auf Weltniveau. Nach Sichtung dieses Films würde jedem die Aussage eines Quentin Tarantino (Zitat: „Alfred Vohrer was a Genius!“) glaubhafter erscheinen denn je.

Einen großen Anteil am Gelingen des Filmes hat natürlich die geniale Kameraarbeit des verdienten Bildgestalters Karl ‚Charly’ Steinberger, der seinen zusammen mit Vohrer für die Simmelfilme entwickelten, innovativen und selbst heute noch modern wirkenden Stil hier konsequent weiterführt. Ständig wirbelt die ungemein bewegliche Kamera verquere Einstellungen und surreale Bildkompositionen, Dialoge werden generell ohne biederen Schuss-/Gegenschuss sondern in interessanten, bildaufteilungsmäßig gewagten Blickwinkeln festgehalten, Filter kommen ebenso zum Einsatz wie extreme Weitwinkel- und Zoomobjektive. Sowohl die beeindruckenden Schauplätze (Marrakesch, Zürich, München, Goslar) als auch die winterlich-triste Atmosphäre in der durch erpresserische Machenschaften durchdrungenen BRD werden von Steinberger grandios eingefangen und überzeugen auf ganzer Linie.

Endgültige Krönung im Gesamteindruck ist der Score von Erich Ferstl, der neben einem in der Melodieführung im Grunde simplen, aber ungemein effektvoll arrangierten Titelthema (mit Ferstl selbst an der Sologitarre) zum wiederholten Male ein melancholisches und traumwandlerisch anmutendes Liebesmotiv für die beiden Hauptprotagonisten – Richard Mark und Lilian Lombard – erschafft, dass sich durch den ganzen Film zieht und perfekt zur Stimmung des Streifens passt. Nebenher ist der bereits erwähnte Song „Poor Man“ ein Hörwert, ebenso wie die diversen Spannungsmusiken für die Handlungen auf dem alten Kontinent ("Crazy Alto") – für die Marrakesch-Geschehnisse kann Ferstl zudem seiner Begeisterung für orientalische Rhythmen freien Lauf lassen; mit Bongos, Flöten und Gitarre erzeugt er auch hier eine einzigartige, geheimnisvolle Stimmung. Ferstls ganz eigene, mit keinem damalige Filmkomponisten vergleichbare, Tonsprache passt perfekt zu diesem, wie auch den anderen von ihm betreuten Simmelverfilmungen der Reihe – diese Art von Soundtrack konnte keiner besser schreiben als er.

Insgesamt vollbringt Regisseur Vohrer (zusammen mit seinem Top besetzten Schauspielerensemble und dem inspiriert arbeitenden Drehstab) mit diesem Film ein kleines Kunststück: wer dachte, dass nach dem auf Anhieb gelungenen Erstling „Und Jimmy ging zum Regenbogen“, dem bittersüßen Liebesdrama „Liebe ist nur ein Wort“ und dem vielschichtigen Agententhriller „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ keine Steigerung mehr möglich ist, sieht sich durch „Alle Menschen werden Brüder“ getäuscht. Er erscheint wie die potenzierte Quintessenz der Vohrer-Simmel-Filme der 70er und liefert beste Unterhaltung mit Anspruch, jedoch nicht zu Lasten der Publikumsfähigkeit – ganz im Gegenteil. Vohrers „Alle Menschen werden Brüder“ ist ein hochinteressanter Film mit großartiger Besetzung und stimmungsvoller Musik, der heute noch modern wirkt und uns in eine Geschichte hineinzieht, die im besten Sinne fesselt und nachdenklich zurücklässt. Hier sei der oft zu Unrecht strapazierte Begriff ‚Meisterwerk’ ohne Einschränkungen vergeben. So faszinierend kann deutsches Publikums- und Unterhaltungskino sein.

Gruß
Joe Walker

Ediert von Gubanov am 09.02.2010, 16.57 Uhr - Beiträge ab hier aus dem Thema Bewertung – Alfred Vohrer-Filme extrahiert

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

29.06.2009 18:38
#3 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Hallo @Joe Walker,

das hast du fantastisch geschrieben. Und das beim ersten Sehen. Ich glaube, ich habe ihn inzwischen so ca. 25 mal gesehen.

Hinzufügen kann man dem nichts mehr - nur ein paar Ergänzungen allgemeiner Art:

  • Für Harald Leipnitz war es nur "sichtbar" sein erster Simmel-Film, denn in "Der Stoff aus dem die Träume sind" synchronisierte er Paul Neuhaus.
  • Klaus Schwarzkopf erhielt für seine Darstellung in diesem Film den Ernst-Lubitsch-Preis.
  • Ein wichtiges Filmteammitglied zu dieser Zeit war der Herstellungsleiter Erwin Gitt. Alle Filme, für die er verantwortlich war (u.a. die Rialto-Karl-May-Filme, Der schwarze Abt, Zimmer 13, Der Hund von Blackwood Castle, Die Schlangengrube und das Pendel) lagen im Niveau immer höher als ähnliche Filme anderer Herstellungsleiter.
  • Finaziell lagen die Kosten hinter denen von "Jimmy" und "Stoff" (ca. 1,4 Millionen DM), wobei die beiden teuersten Simmel-Filme "Die Antwort kennt nur der Wind" (2,5) und "Bis zur bitteren Neige" (2,2) waren. Ingesamt war der Film an der Kinokasse eine Enttäuschung sowohl für den Verleih Constantin als auch für Roxy-Film.
  • Interessant zu erwähnen auch die Tatsache, dass Constantin für diesen Film vier Kino-Plakate A-1 produzierte.
Joachim.

Jan Offline




Beiträge: 1.315

29.06.2009 21:07
#4 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Herzlichen Dank für den mal wieder ebenso profunden wie treffsicheren Beitrag. Ich stimme dir, langsam wird es unheimlich, mal wieder voll zu, möchte dennoch auf lediglich eine Sache eingehen, die ich zumindest ein kleinwenig anders einordne:

Zitat von Joe Walker im Beitrag #2
Vohrer setzt „Alle Menschen werden Brüder“ getreu seinem mehrmals erfolgreich angewendeten Stil in Szene und kreiert seinen besten Simmel-Film – fast möchte ich sagen, dass es überhaupt einer der besten Filme ist, die der Regisseur im Laufe seiner langen Karriere gedreht hat.

Ich persönlich setze DER STOFF, AUS DEM DIE TRÄUME SIND in meiner persönlichen Wertung zumindest aus inszenatorischer Sicht vor ALLE MENSCHEN WERDEN BRÜDER. Warum? Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind mir alle Alfred-Vohrer-Filme bekannt (inkl. TV). Mit dem Logikverständnis des Regisseurs, der nicht selten bekanntermaßen auch (Mit-)Autor seiner Filme war, stand es nicht grundsätzlich zum Besten. Wer die Episode "Der Alte - Bumerang" kennt, weiß, was gemeint ist, hier ist die grassierende Unwahrscheinlichkeit von Vohrer selbst bis zum Exzess getrieben worden. Die Herausforderung allerdings, Simmels schier umwerfende Vorlage DER STOFF, AUS DEM DIE TRÄUME SIND mit einem gewaltigen Schauspieleraufgebot, vielschichtigsten Handlungssträngen, Unmengen von internationalen Drehorten und unter politkritischen Gegebenheiten ohne einen einzigen Patzer umzusetzen, hat Vohrer mehr als beeindruckend gemeistert. Der Kniff, Wechsel der Handlungsstränge durch Standbilder zu kennzeichnen, hilft, der Story flüssig und ohne Stirnrunzeln folgen zu können. Vohrer gerät hier nie in Schweinsgalopp, verhaspelt sich nicht ein einziges Mal und schuf so einen wahrhaften Klassiker, der heute, wie allerdings alle seine Simmel, getrost als unterschätzt gelten darf.

Dennoch widerspreche ich Dir in Deinem Loblied auf ALLE MENSCHEN WERDEN BRÜDER nicht. Dies nur als kleine persönliche Einschätzung!

Gruß
Jan

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

29.06.2009 21:35
#5 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Zitat von Jan im Beitrag #4
Mit dem Logikverständnis des Regisseurs, der nicht selten bekanntermaßen auch (Mit-)Autor seiner Filme war, stand es nicht grundsätzlich zum Besten.

Auch hier nur am Rande - bis auf die Schlussszene bei DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND, die er ohne Absprache mit Waldleitner änderte, hat Vohrer bei keinem Simmel-Drehbuch mitgearbeit und sie alle 1:1 nach Purzers Vorlage in Szene gesetzt.

Joachim.

Joe Walker Offline




Beiträge: 738

29.06.2009 21:39
#6 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

@Joachim Kramp: Danke für dein Lob. Dass Leipnitz Neuhaus synchronisiert hatte, war mir beim Schreiben völlig entfallen. Hätte gar nicht gedacht, dass "Alle Menschen werden Brüder" geschäftlich nicht so ging.

@Jan: Langsam wird's unheimlich. Was "Der Stoff aus dem die Träume sind" betrifft, schrieb ich, dass ich "Alle Menschen werden Brüder" für einen der besten Filme Vohrers halte - "Der Stoff" ist für mich da gleichwertig, ohne Frage. Deine Ausführungen treffen das sehr, sehr gut.

Zitat von Joachim Kramp im Beitrag #5
Auch hier nur am Rande - bis auf die Schlussszene bei DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND, die er ohne Absprache mit Waldleitner änderte, hat Vohrer bei keinem Simmel-Drehbuch mitgearbeit und sie alle 1:1 nach Purzers Vorlage in Szene gesetzt.

Das höre ich zum ersten Mal. Klingt ja interessant - kannst du da nähere Erklärungen geben, Joachim? War das vielleicht der Grund, warum bei "Bis zur bitteren Neige" nicht mehr Vohrer, sondern Gerd Oswald inszenierte?

Gruß
Joe Walker

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

29.06.2009 22:23
#7 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Zitat von Joe Walker im Beitrag #6
Das höre ich zum ersten Mal. Klingt ja interessant - kannst du da nähere Erklärungen geben, Joachim? War das vielleicht der Grund, warum bei "Bis zur bitteren Neige" nicht mehr Vohrer, sondern Gerd Oswald inszenierte?

Hallo @Joe Walker,

das trifft nicht zu.

In der Ankündigung wird noch Alfred Vohrer als Regisseur genannt. Und für die gleichzeitig stattfindende Ganghofer-Produktion "Der laufende Berg" war Dr. Harald Reinl vorgesehen. Dann drehte Reinl sein Wunschprojekt "Botschaft der Götter" - und Alfred Vohrer den Ersatz-Ganghofer "Edelweißkönig". So hatte Luggi Waldleitner auf einmal keinen Regisseur mehr.

Im Mai 1975 besuchte ich ihn noch - er war gerade auf dem Sprung zur Constantin - erzählte mir noch kurz von seinen beiden kommenden Simmel-Filmen "Lieb Vaterland magst ruhig sein" und "Bis zur bitteren Neige". Zu "Neige" hätte Purzer das Drehbuch fast fertig - es war nur noch nicht klar, ob die Geschichte in Wien spielen sollte oder in der BRD (eventuell in Hamburg wie der Roman). Zu diesem Zeitpunkt hatte Waldleitner noch Vohrer als Regisseur und Cliff Robertson als Hauptdarsteller - und ich glaube Lee Remick für die weibliche Hauptrolle.

Und was "Lieb Vaterland ..." betrifft, würden noch Verhandlungen geführt - Klick war hier bereits abgesprungen (scheinbar wollte Waldleitner ihn nicht) - da Purzer aber zunächst DAS NETZ schreiben und inszenieren sollte - wollte er "Lieb Vaterland ..." erst nach "Niemand ist eine Insel" produzieren (Motto: neuer Simmel / alter Simmel - was sich ja bewährte). Constantin stand jedoch wegen "Lieb Vaterland ..." unter Druck - und Waldleitner verzichtete.

Vielleicht fiel Waldleitners Wahl bei der Suche nach einem Regisseur auf Gerd Oswald, weil dieser für ihn bereits den Film "Schachnovelle" inszeniert und zudem eine kleine Rolle bei "Der Stoff aus dem die Träume sind" hatte. Ich hatte zwar bis zu Waldleitners Tod guten Kontakt mit ihm - aber danach fragte ich ihn bedauerlicherweise nicht - denn zu diesem Zeitpunkt (1997) hatte ich nur mein erstes "Hallo-Buch" im Kopf und daher viel um die Ohren.

Damals (1975) erhielt ich auch meine beiden ersten Drehbücher (Die Antwort kennt nur der Wind & Der Stoff aus dem die Träume sind). Erst das dritte war ein Wallace (Der Mann mit dem Glasauge, erste Hengge-Fassung). Hier erzählte mir Waldleitners Produktionsleiter die Geschichte vom geänderten Schluss bei "Die Antwort kennt nur der Wind".

Nun zu den Filmen: Persönlich bevorzuge ich "Und Jimmy ging zum Regenbogen" vor "Der Stoff aus dem die Träume sind" - weil er als Pilotfilm mit noch größerem Engagement realisiert wurde. "Liebe ist nur ein Wort" sah ich, bevor ich den Roman (der im Schnee spielt) gelesen hatte - und war nachher als ich den Roman gelesen hatte, vom Film bitter enttäuscht. Aber nach mehrmaligem Sehen (vor allem im Kino) entwickelte sich der Film bei mir im positiven Sinne bis heute, wobei ich diesen heute immer noch vor "Gott schützt die Liebenden" und "Die Antwort kennt nur der Wind" bevorzuge.

Soweit im Moment.

Joachim.

P.S.: Joe Walker - sehe ich da einen Bezug zu Kommissar X?

Jan Offline




Beiträge: 1.315

29.06.2009 22:24
#8 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Zitat von Joachim Kramp im Beitrag #5
Auch hier nur am Rande - bis auf die Schlussszene bei DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND, die er ohne Absprache mit Waldleitner änderte, hat Vohrer bei keinem Simmel-Drehbuch mitgearbeit und sie alle 1:1 nach Purzers Vorlage in Szene gesetzt.

Ich bezog mich mit meiner Aussage nicht auf Simmel, sondern in erster Linie auf Vohrers eigene Bücher. Was und wieviel an Simmel nun abgeändert wurde, da schließe ich mich @Joe Walker an, wäre höchst interessant. Wie Eva Ebner ja zum Besten gab, hat Vohrer gerne hier und da Szenen stumpf zugefügt / weggelassen. Mitgeschrieben hat er bei Simmel offiziell nie, das war klar.

Gruß
Jan

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

29.06.2009 22:34
#9 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Ich hatte Dich schon verstanden. Ich bezog es schon auf Vohrers Anteil an Änderungen oder Zugaben. Nur hier hatte er einen Produzenten bzw. Herstellungsleiter, die ihm auf die Finger schauten und Änderungen und Zugaben nicht zuließen. Ich kann mich nicht erinnern, Szenen in den Drehbüchern gelesen zu haben und Änderungen im Film festgestellt zu haben (Ausnahme: eben das Ende von "Die Antwort kennt nur der Wind"). Ich glaube, ich mache mal den Juli zum Simmel-Monat und lese die Drehbücher analog zum Filmsehen. Werde dann weiter berichten.

Joachim.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

04.07.2009 18:44
#10 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN

DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND

ALLE MENSCHEN WERDEN BRÜDER


Anfang der 60er wurden einige Stoffe nach Johannes Mario Simmel realisiert, die allesamt geschäftlich nicht besonders waren.

Bis 1969 erschienen im zweijährigen Abstand weitere Simmelromane „Liebe ist nur ein Wort“, „Lieb’ Vaterland magst ruhig sein“, „Alle Menschen werden Brüder“ sowie „Und Jimmy ging zum Regenbogen“.

Dass sich in den 60ern kein Produzent um den Roman „Liebe ist nur ein Wort“ kümmerte wundert mich heute noch im gewissen Maße. Die Rechte an dem Roman „Lieb Vaterland magst ruhig sein“ sicherte sich Curd Jürgens, schrieb ein (in meinen Augen) sehr gutes Drehbuch und war bereits für 1968 im Nora-Filmverleih angekündigt – sogar mit einer sowohl namhaften wie auch passenden Besetzung (Mario Adorf, Paul Verhoeven, Uschi Glas, Christiane Rücker, Tanja Gruber, Ini Assmann). Regie wollte Curd Jürgens selber führen.

Und dann erschien „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ und übertraf im Buchhandel allen Vorstellungen. Diesmal sicherte sich der Münchner Filmproduzent Luggi Waldleitner die Rechte. Luggi Waldleitner hatte zu dieser Zeit bereits einige Romanadaptionen hinter sich und arbeitete seit 1968 mit dem Autor Manfred Purzer zusammen. Zunächst schrieb dieser unter seinem Pseudonym Ernst Flügel einige Drehbücher für Waldleitner’s Roxy-Film. Darunter „Komm nur mein liebstes Vögelein“, „Sieben Tage Frist“, „Perrak“, „Das gelbe Haus am Pinnasberg“, „Herzblatt oder wie sag’ ich’s meiner Tochter“ „Der scharfe Heinrich“ und „Die Weibchen“. Seit 1969 arbeitete auch der Regisseur Alfred Vohrer für Roxy-Film und sollte eigentlich 1970 für ihn den Henry-Jaeger-Roman „Das Freudenhaus“ verfilmen. Aus rechtlichen Gründen verzichtete Waldleitner auf eine Freudenhaus-Verfilmung und bot Alfred Vohrer unterdessen die Verfilmung des Romans „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ von Johannes Mario Simmel an. Daraus entstand für alle Beteiligten eine Verfilmung als eine der größten Geschäfterfolge der 70er Jahre.

Vor allem Manfred Purzer verstand es aus einer umfangreichen Vorlage eine überzeugende Drehbuchvorlage zu schreiben. Diese Konstellation von Produzent, Regisseur und Autor umfasste neben den bereits realisierten Projekte fortan inkl. „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ acht Filme (Liebe ist nur ein Wort, Der Stoff aus dem die Träume sind, Und der Regen verwischt jede Spur, Alle Menschen werden Brüder, Gott schützt die Liebenden, Drei Männer im Schnee und Die Antwort kennt nur der Wind). Weitere gemeinsam geplante Projekte wurden zwar realisiert (Bis zur bitteren Neige, Das Netz, Elixiere des Teufels) aber ohne Regisseur Alfred Vohrer.

Mit seinen Simmel-Verfilmungen schuf sich Alfred Vohrer auch ein Denkmal in künstlerischer Hinsicht. Abseits seiner bisherigen Regie-Klischees bei vielen Edgar-Wallace-Verfilmungen zeigte er hier – was er wirklich konnte. Hierzu diente vor allem sein Team während den Dreharbeiten: Sein Kameramann Charly Steinberger (außer Und der Regen verwischt jede Spur, Die Antwort kennt nur der Wind) und seine Regie-Assistentin Eva Ebner (außer Die Antwort kennt nur der Wind). Auch die restliche Crewmitglieder passten sich an. Hervorzuheben ist hier vor allem der Herstellungsleiter Erwin Gitt, der seine jahrzehntelangen Erfahrungen vor allem in die Filme „Und Jimmy ging zum Regenbogen“, „Liebe ist nur ein Wort“ und „Alle Menschen werden Brüder“ einbrachte.

Ich habe mir nun die Filme mit den jeweiligen Drehbüchern angesehen und parallel gelesen.



UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN

Manfred Putzer schaffte es den Faden durch die Gesamtgeschichte so zu kreieren dass er weder langweilig noch für den Zuschauer ermüdend wirkt. Auch die Rückblenden ins Wien des Jahres 1938 sind bestens gelungen. Insgesamt wurde das Drehbuch von Alfred Vohrer authentisch umgesetzt – wobei bei der Drehfassung eine Szene Einstellung 133-139, die in Nora Hills Bordell spielt/ Santini setzt sich mit Nora Hill in Verbindung) nicht gedreht wurde. Weitere kleine Szenen fehlen: Szene 6 Einstellung 35 wenn Graf Romath aus Manuels Zimmer kommt und die Treppe hinunter kommt; Szene 8 Einstellung 37 wenn Manuel in die Gerichtsmedizin geht – sieht man drei Ärzte „arbeiten“. Szene 41 Einstellung 256 Archiv-Szene Wien 1938 bevor Nora Hill in den Buchladen kommt. Szene 51 Einstellungen 290-296 Schäfer holt Manuel vom Bordell ab und sie fahren Richtung Innenstadt – sie kommen an einem Unfall vorbei – der Tote ist der Polizeikollege Polacek. Szene 70 Einstellungen 410-415 –Dialog im Wiener Stadtpark zwischen Groll und Manuel. Szene 89 Einstellungen 549-551 Manuel und Irene küssen sich und werden von Miller beobachtet. Szenen 111/ 112/ 113 Einstellungen 612-621 erweiterte Szene im Büro Stein wenn Sirius den Tresor geöffnet hat und beide danach verschwinden. Da Vohrers Lieblingsschnittmeisterin Jutta Hering hier am Werken war erhärtet sich der Verdacht dass diese Schnitte auf Vohrer zurückgehen – sie aber nicht so gravierend wie bei den beiden Wallace-Filmen „Der Bucklige von Soho“ und „Der Mann mit dem Glasauge“. Daher vermute ich sehr stark, dass man sie wegen der Länge des Films (üblich waren damals Filmlängen von 85-95 Minuten – und in Ausnahmefällen wie bei den Bond-Filmen 115-125 Minuten) rund 130 Minuten bleiben wollte – letztendlich waren es sogar noch 133 Minuten.

Auch für die Schlussszene schrieb Manfred Purzer eine Alternative: Wieder Friedhof aus der Vogelperspektive und ganz klein sieht man eine Person (Irene) davonlaufen.

Auffallend beim Lesen des Drehbuchs und des gleichzeitig Sehens des Films ist die Tatsache dass die Drehcrew kein besonderes Glück mit dem Wetter hatten. Obwohl die Dreharbeiten Ende 1970 stattfanden ist einzig und allein die Schlussszene Wiener Waldfriedhof eine Schneeszene. Eigentlich müsste Schnee und Schneefall durch den ganzen Film zu sehen sein. Das Wetter spielte scheinbar damals nicht so mit. (Anmerkung: Bei der zweiten Simmelverfilmung „Liebe ist nur ein Wort“, der vom Roman her ebenfalls im Schnee angesiedelt ist – hat man einfach starken Regen daraus gemacht.)

Das Darstellerensemble ist ein „Who is who“ des damaligen deutschen Films – wobei man für die Hauptrolle ein neues Gesicht fand: Alain Noury – passend für die Rolle des Manuel Aranda. Weiterhin sieht man Horst Tappert, Horst Frank, Konrad Georg, Judy Winter, Doris Kunstmann, Heinz Moog, Friedrich Georg Beckhaus, Jochen Brockmann, Klaus Schwarzkopf, Herbert Fleischmann, Peter Passetti, Heinz Baumanm, Mascha Gonska, Paul Edwin Roth, Karl Walter Diess und seit „Ein Alibi zerbricht“(1963) Ruth Leuwerik. Jede Rolle wurde passend besetz – keine einzige Fehlbesetzung im klassischen Sinne. Darüber hinaus ist die Rolle von Konrad Georg in meinen Augen oscarreif – zumindest hätte er dafür den Bundesfilmpreis verdient.

Was die Musik betrifft wurde sie von Erich Ferstl komponiert und ist dem Geschehen hier ebenso wunderbar und gefühlsam angepasst wie in seinen weiteren Kompositionen für Simmel-Verfilmungen (Liebe ist nur ein Wort, Alle Menschen werden Brüder, Die Antwort kennt nur der Wind).

Der Film am 11. März 1971 im Inter-Verleih gestartet, wurde ein grandioser Erfolg und erhielt für Drei Millionen Besucher eine Goldene Leinwand die dem Produzenten aus Anlaß der Welturaufführung von „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ am 20. September 1972 in Saarbrücken überreicht wurde. Zudem erhielt der Film vom Bundesminister des Inneren 1971 eine Prämie in Höhe von DM 200.000,00. Für mich persönlich war dieser Film mit 14 Jahren der Beginn meiner Begeisterung zu Simmel-Romane und Simmel-Filmen. „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ belegte in diesen Jahren immer einen Platz in den Top 12.



DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND

War es schon phänomenal wie Manfred Purzer den Roman „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ in ein verfilmbares Drehbuch umsetzte so übertraf er sich mit dem Drehbuch zu „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ noch selber. Noch weniger als bereits bei „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ wurden Szenen entfernt – obwohl die Länge des Film letztendlich 142 Minuten beträgt. Letztendlich fehlt neben einigen Dialogumstellungen nur eine Szene (114/ Einstellung) wenn das aus Helsinki kommende Flugzeug auf russischem Gebiet landet. Ferner wurde nur die New-Yorker-Szene von einer Kneipe in die Wohnung von Brashaw verlegt wo Seerose ihn besucht. Vermutlich wurde die kurzfristig wegen Genehmigungsfragen geändert und ist nicht gravierend denn dramaturgisch ging’s ja nur um den Mikrofilm und die Ermordung zweier CIA-Agenten. Ansonsten hat auch dieser Film wie eine Besetzung nach dem deutschen „Who is who“ mit Herbert Fleischmann, Hannelore Elsner, Edith Heerdegen, Arno Assmann, Paul Edwin Roth, Klaus Schwarzkopf, Konrad Georg, Alf Marholm, Friedrich Georg Beckhaus, Walter Buschoff, Günther Mack, Malte Thorsten, Gert Haucke, Charles Regnier, Rainer Basedow, Arthur Braus, Arnold Marquis, Hans Peter Hellwachs, Anton Diffring, Heidi Stroh, Gerd Oswald und erstmals Paul Neuhaus, der von Harald Leipnitz synchronisiert wurde. Auch dieses Mal passen die Rollen par excellence. Und Edith Heerdegen spielt in diesem Film oscarreif – zumindest hätte sie ebenfalls einen Bundesfilmpreis verdient – allein schon die Szene wenn sie das tote Kind Karel auf ihren Armen wegträgt – kommen einem die Tränen. Die Musik komponierte dieses Mal Peter Thomas – der mit dieser Musik beweisst dass er nicht nur „Krachermusik“ à la Jerry Cotton oder Edgar Wallace bestens komponieren kann, sondern auch erstklassige Themen für solcherart von Filmen.

Der Film hatte seinerzeit am 20. September 1972 in Saarbrücken seine Weltaufführung. Der Film war im Herbst 1972 ein voller Erfolg und verfehlte nur Knapp die Drei Millionen-Besuchergrenze um eine Goldene Leinwand zu erreichen. Zudem erhielt der Film vom Bundesminister des Inneren 1972 eine Prämie in Höhe von DM 200.000,00.



ALLE MENSCHEN WERDEN BRÜDER

Auch bei der Adaption dieses Romans verstand es Manfred Purzer ihn filmgerecht umzusetzen. Die komplexe Geschichte – die ein Wiederaufkeimen von Nazis in der Bundesrepublik beinhaltet – wurde fast gänzlich weggelassen und nur am Rande erwähnt. Der Bruderzwist wurde gekonnt in den Vordergrund gestellt. Nach Lesen des Drehbuchs beim Sehen des Films konnte ich keine einzige Szene finden, die man bei der Produktion oder im Endschnitt weggelassen hat. Vohrer und sein bereits bei „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ erprobten Team inkl. des Herstellungsleiter Erwin Gitt gestalteten hier einen vorzüglichen Film. Und Erich Ferstl schrieb wieder einen passenden Score. Die Darstellerelite ist hier zwar auch sehr gut – aber aufgrund der Geschichte nicht so umfangreich: Harald Leipnitz, Doris Kunstmann, Klaus Schwarzkopf, Herbert Fleischmann, Konrad Georg, Elisabeth Volkmann, Ingrid van Bergen, Alf Marholm, Hermann Lenschau, Heinz Baumann, Christiane Maybach, Manfred Seipold, Alfred Balthoff, Hilde Brand, Ingeborg Lapsien sowie Roberto Blanco und erstmals Rainer von Artenfels. Diesmal gab’s sogar einen Bundesfilmpreis für Klaus Schwarzkopf für seine Darstellung des Boris Minski.

Am 15. März 1973 gestartet enttäuschte leider das geschäftliche Ergebnis von „Alle Menschen werden Brüder“ im Frühjahr 1973 – doch dass man anschließen „Gott schützt die Liebenden“ realisierte hatte andere Gründe – und der Erfolg kam gewissermaßen im Herbst 1973 wieder zurück. Zudem erhielt der Film vom Bundesminister des Inneren 1972 eine Prämie in Höhe von DM 200.000,00.

FAZIT: Mit den drei Simmel-Verfilmungen „Und Jimmy ging zum Regenbogen“, „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ und „Alle Menschen werden Brüder“ schuf Regisseur Alfred Vohrer drei Meisterwerke an Romanadaptionen – welches aber letztendlich auch das Team der Crew – Produzent Luggi Waldleitner, Kameramann Charly Steinberger, Herstellungsleiter Erwin Gitt, Regie-Assistentin Eva Ebner und vor allem dem Drehbuchautor Manfred Purzer zu verdanken ist. Einige Wallace-Adaptionen aber vor allem seine späteren Filme (u.a. „Wer stirbt schon gerne unter Palmen“, „Anita Drögemöller“) beweisen, dass Alfred Vohrer nur im Team seiner Crew wirklich ausgezeichnet arbeitete.

Joachim.

Jan Offline




Beiträge: 1.315

04.07.2009 23:19
#11 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Zitat von Joachim Kramp im Beitrag #10
Einige Wallace-Adaptionen aber vor allem seine späteren Filme (u.a. „Wer stirbt schon gerne unter Palmen“, „Anita Drögemöller“) beweisen, dass Alfred Vohrer nur im Team seiner Crew wirklich ausgezeichnet arbeitete.

Nee, das ist eher Quatsch! Es gibt nicht das Alfred-Vohrer-Team, sondern diverse. Vorrangig sind dies:
  • Alfred Vohrer, Karl Löb, Eva Ebner, Hermann Haller / Jutta Hering, Peter Thomas und oft Herbert Reinecker (Wendlandt)
  • Alfred Vohrer, Charly Steinberger, Eva Ebner, Manfred Purzer und Erich Ferstl (Waldleitner)
  • Alfred Vohrer, Rolf Kästel, Peter Weissflog / Robert Furch, Siegfried Wagner, Herbert Reinecker (Ringelmann)
Abweichend davon brachte Vohrer mit wechselnder Besetzung bei z.B. SIEBEN TAGE FRIST (Kalinke und Majweski), JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN (Kameramann Heinz Hölscher, Musiker Gerhard Heinz und Weidenmanns ewiger Regie-Assistent Wieland Liebske, der ihm nach dem Ausscheiden Eva Ebners bei "Derrick" auch da einige Male assistierte) recht Ansehnliches zustande. Von den z.T. recht herausragenden TV-Episoden ganz zu schweigen.

Gruß
Jan

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

05.07.2009 08:31
#12 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Vielleicht habe ich mich ja etwas falsch ausgedrückt. Ich hätte es präziser ausdrücken müssen:

Nur wenn er einen überdurchschnittlichen Drehbuchautor hatte, nicht selbst am Drehbuch "herumdokterte" und einen Produzenten hatte, der ihm auf die Finger schaute, lieferte Vohrer beste Arbeiten ab. Spätere Produktionen (z.B. "Wer stirbt schon gerne unter Palmen", "Anita DRögemöller") oder einige Wallace-Filme beweisen dies. Darüber hinaus hatte Vohrer 1973 mit "Gott schützt die Liebenden" seinen Zenit im Bereich Kinofilm überschritten. Der Nachfolge-Film "Drei Männer im Schnee" ist als Einzelfilm zwar gut, aber wenn man das Original von Kurt Hoffmann kennt, ist der Film eine große Enttäuschung. Über die Qualität und Inszenierung von "Die Antwort kennt nur der Wind" kann man noch streiten / diskutieren - aber was danach kam, waren alles Gurken, tlw. von der Inszenierung her und von der geschäftlichen Seite erst recht.

Joachim.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.362

09.02.2010 11:40
#13 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Und Jimmy ging zum Regenbogen

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Zitat von Jan-Eric Loebe für Deutscher-Tonfilm.de
Ein Chemiker hat ein Nervengas entwickelt, das er den Geheimdiensten anbietet. Auf mysteriöse Weise wird er aber von einer Frau ermordet, die mit den Spionen offensichtlich in keiner Verbindung steht. Als sein Sohn aus Argentinien nach Wien kommt, um den Fall zu klären, gerät er dennoch in die Netze der Agenten...


Bei Wallace ausgespielt, bei Simmel zu neuen Horizonten aufgebrochen: Regisseur Alfred Vohrer, fast immer Garant für spannende Kinounterhaltung, hatte bei Roxy-Produzent Luggi Waldleitner eine neue Heimat und ein neues Spezialgebiet gefunden. Sein Simmel-Erstling „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ erfreut durch einen stufen- und vorbehaltlosen Wechsel zwischen mehreren inhaltlichen Ebenen und formalen Genres. Man kann nicht sagen, ob es sich bei diesem Film um ein Spionageabenteuer, um einen Historienfilm, um einen Krimi oder um eine Liebesgeschichte handelt, kann sich aber umso sicherer sein, dass die Mischung aus all diesen Komponenten mehr als genug ist, um ohne Längen und Umwege den Zuschauer über zwei Stunden neugierig „am Ball“ zu halten.

Das galante Spiel mit der Wesensart des Films vermag sogar denjenigen in den Bann zu ziehen, der Agenten, politische Geplänkel im Zeichen des Kalten Krieges und die Ausschlachtung der deutschen Vergangenheit zwischen 1933 und 1945 für eher ermüdende Filmthemen hält. Die Geschichte um den jungen Manuel Aranda, der in den Strudel der weitreichenden Ereignisse gezogen wird, erzählt sich wie von selbst in stimmungsvollen Rückblenden von beeindruckender Länge, durch die sich eine Parallelhandlung mit zusätzlicher Rahmenstory entwickelt und am Ende vieles wie von selbst zusammenreimt. Doch nicht nur die formale Gestaltung von „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ gefällt: Auch vor der handwerklichen Arbeit der Beteiligten sollte man Respekt zollen. Vohrer schaffte es, den Schauplatz Wien – immer gut für einen Thriller, der international, aber nicht übergroß wirken will – zentral und teilweise auch erheiternd in den Vordergrund zu rücken. Einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu leistet auch die ansprechende Kameraarbeit von Charly Steinberger, die sich den Handlungszeiträumen anpasst und in den Szenen der 1970er Jahre auf dynamische Schwenks und Handkameras, in denen der Nazizeit auf die althergebrachten Mittel der statischen und gleitenden Kameraeinstellungen zurückgreift, wodurch in Zusammenklang mit den gelungenen Kostümen und Masken die Authentizität des Stoffes noch massiv gesteigert wird.

Als ein Glücksgriff in jeder Hinsicht stellte sich die Darstellerwahl heraus. Alain Noury in der Hauptrolle des Manuel Aranda bringt den frischen und exotischen Charme in die Produktion, der nötig ist, um sowohl Irene Waldegg (die hier bei Simmel wie auch in den lächerlichsten Rollen der damaligen Zeit stets überzeugende Doris Kunstmann) als auch den Zuschauer auf seine Seite zu bringen. Ganz besonders hervorragend spielt Konrad Georg – ich kann Joachims Forderung für diese Leistung nur zustimmen und möchte auf gleichem Niveau auch Ruth Leuwerik loben. Der mit Heinz Moog vertrauenswürdig besetzte Ermittler sowie Judy Winter, Peter Pasetti, Horst Frank, Horst Tappert und Paul Edwin Roth in akzentuierten Nebenrollen stocken die Besetzung erstklassig auf. Nicht unerwähnt bleiben darf darüber hinaus der erschreckend überzeugende Jungdarsteller Franz Elkins.

Doch bei allem Lob für Story und Inszenierung muss man einige Abstriche auch in diesen beiden Bereichen vornehmen. Sie trüben den Gesamteindruck nur wenig, sollen allerdings hier ebenfalls Erwähnung finden: Kann man zwar über die Kamera im Film großteils berechtigt schwärmen, so wirkt die in vielen Szenen mit Manuel Aranda und Irene Waldeck eingesetzte Aufnahme- bzw. Blendentechnik eher befremdlich. Wahrscheinlich sollte sie das Fehlen von Schnee in den geplanten Winterszenen kunstvoll übertünchen, doch sie erinnert vielmehr an Jess Francos vielgescholtene Versuche, in „Der Todesrächer von Soho“ Londoner Nebel mittels einer verschmutzten Kameralinse zu simulieren.

Vollends überzeugen mag auch das offene, eher unbefriedigende Ende nicht wirklich, das zwar dem Zeitgeist und dem Gusto der Produktion entsprechen mag und damit durchaus irgendwie „passt“, aber den Zuschauer nach der Ausführlichkeit der Schilderungen der vorangegangenen 127 Minuten recht ratlos zurücklässt. Schließlich und endlich stellt mich die Rahmenhandlung um die Agenten – wie so oft in diesem Genre – vor inhaltliche Probleme, was das Nachvollziehen von Handeln und Beweggründen der verschiedenen Interessengruppen angeht. Fragen, die sich nach der Sichtung des Films für mich auftun, sind folgende:

  1. Warum agieren vor allem zu Beginn die Amerikaner und die Russen als eine Art Verbündete, während die Franzosen quertreiben?
  2. Warum wollen die Agenten überhaupt, dass Manuel von allen historischen Ereignissen erfährt? Er wird damit doch mit der Nase auf die Entdeckung gestoßen, wer sein Vater wirklich war – eine Erkenntnis, die ihn erst recht in seinem Vorhaben bestätigen muss, mit dessen Geschäften aufzuräumen!
  3. Warum um alles in der Welt hat die Polizei nach der Entschlüsselung der Geheimnisse um das Nervengas die hochbrisanten Papiere nicht beiseite geschafft oder gar zerstört?
Fazit: Eine wohldosierte Portion Dramatik inmitten einer – im positiven Sinne des Wortes – zeitgeistbestimmten Stilmischung besten Geblüts. Darsteller und Produktionsqualität sind hervorragend, die aufgezeigten ungeklärten Umstände kratzen nur marginal am Lack. 4,5 von 5 Punkten.

Jan Offline




Beiträge: 1.315

09.02.2010 15:49
#14 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #13
Man kann nicht sagen, ob es sich bei diesem Film um ein Spionageabenteuer, um einen Historienfilm, um einen Krimi oder um eine Liebesgeschichte handelt, kann sich aber umso sicherer sein, dass die Mischung aus all diesen Komponenten mehr als genug ist, um ohne Längen und Umwege den Zuschauer über zwei Stunden neugierig „am Ball“ zu halten.

Das ist das Wesen der Kolportage und kennzeichnet alle Simmel-Verfilmungen. Große Kunst bewiesen Purzer und Vohrer stets darin, im Gewirr der Beziehungen den Überblick zu behalten. Umso bemerkenswerter, da gerade der Regisseur nicht eben zu den großen Logikverfechtern zählte.

Wenn dir UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN gefiel, so möchte ich dringend auch DER STOFF, AUS DEM DIE TRÄUME SIND und ALLE MENSCHEN WERDEN BRÜDER empfehlen! Ersterer perfektioniert das Konstrukt Simmel'scher Parallelhandlungen und der BRÜDER-Film hebt auf das junge deutsche Nachkriegsdeutschland ab. Beides Meisterwerke, die neben der tollen Inszenierung und den Darstellern im übrigen hervorragende Soundtracks von Peter Thomas bzw. Erich Ferstl aufweisen. Letzterer zeichnete ja auch für UND JIMMY ... verantwortlich!

Ansonsten ist Deiner sehr guten Kritik nichts hinzuzusetzen!

Gruß
Jan

P.S.: Etwas schade finde ich, dass dieser m.E. unsinnige Alfred-Vohrer-Sammelthread für die Bewertung der Simmel-Filme genutzt wird. Die Filme der 70er Jahre hätten eigene Threads verdient, zumal nicht alle von Alfred Vohrer inszeniert wurden! Eventuell lässt sich das umschieben?

Ediert von Gubanov am 09.02.2010, 16.57 Uhr - Beiträge bis hier aus dem Thema Bewertung – Alfred Vohrer-Filme extrahiert

Gubanov Offline




Beiträge: 15.362

09.02.2010 17:04
#15 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1986 Zitat · antworten

Zitat von Jan im Beitrag #14
P.S.: Etwas schade finde ich, dass dieser m.E. unsinnige Alfred-Vohrer-Sammelthread für die Bewertung der Simmel-Filme genutzt wird. Die Filme der 70er Jahre hätten eigene Threads verdient, zumal nicht alle von Alfred Vohrer inszeniert wurden! Eventuell lässt sich das umschieben?

Du hast Recht: Diese regisseurübergreifende Filmreihe hat aufgrund ihres Diskussionspotenzials hier im Forum einen eigenen Thread verdient. Ich habe nun alle auf Simmel bezogenen Posts aus dem Alfred-Vohrer-Sammelthread extrahiert und in diesen umgeschoben. Als Startpost wurde ein - anderweitig nicht mehr benötigter - alter und ehedem themenfremder Beiträge zur Einführung umeditiert. Jetzt kann hier über alle Simmel-Verfilmungen der angegebenen 1970er-Jahre-Serie diskutiert werden, über Neuverfilmungen bei Johannes Mario Simmel hat’s geschafft und über andere Vohrer-Filme bei Bewertung – Alfred Vohrer-Filme.

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