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Dieses Thema hat 117 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Georg Offline




Beiträge: 2.973

17.09.2011 20:28
#61 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Zitat
Synchro für Maurice Ronet sprach in diesem Fall Günther Ungeheuer


Tatsächlich! :-) Wie kann man sich nur so täuschen? Danke für die Korrektur!

Blap Offline




Beiträge: 1.128

02.05.2013 14:47
#62 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten


DVD: Kinowelt



Liebe ist nur ein Wort (Deutschland 1971, Originaltitel: Liebe ist nur ein Wort)

Alfred Vohrers Simmel Konzentrat #2

Oliver Mansfeld (Malte Thorsten) hegt Groll gegen seinen Vater, will mit den kriminellen Machenschaften des reichen Unternehmers nichts zu tun haben. Mit 21 will Oliver endlich das Abitur bewältigen, wird von Internatsleiter Dr. Florian (Friedrich Siemers) freundlich als neuer Schüler aufgenommen. Zuvor erlebt der junge Mann eine unvergessliche Begegnung, verliebt sich in die rund zehn Jahre ältere Verena Angenfort (Judy Winter). Verena ist mit Manfred Angenfort (Herbert Fleischmann) verheiratet, seinerseits langjähriger Geschäftspartner von Olivers Vater. Zunächst vermag Verena den Annährungsversuchen des charmanten Oliver zu widerstehen, schliesslich wird sie sich von ihren Gefühlen überwältigt, gibt sich Liebe und Leidenschaft hin. Als Verena für einige Tage nach München fährt, aufkeimender Verdacht des Gatten soll entkräftet werden, taucht Oliver plötzlich im Hotel auf. Die beiden erleben wunderschöne Momente voller Zärtlichkeit, Träume einer gemeinsamen Zukunft nehmen Gestalt an, doch Oliver unterschätzt Manfred Angenforts präzise Boshaftigkeit ...

Freilich lassen sich nicht alle Charaktere und Handlungsstränge eines Romans von Johannes Mario Simmel in knapp 107 Minuten Spielfilm packen. Glücklicherweise unterlässt Drehbuchautor Manfred Purzer entsprechende Versuche, stellt die Liebesgeschichte zwischen Oliver und Verena in den Mittelpunkt. Regisseur Alfred Vohrer zaubert daraus ein kurzweiliges und anrührendes Stück Kino, obschon auf viele Details verzichtet wurde, trifft Vohrers Inszenierung sehr gut die Atmosphäre der Romanvorlage. Welche Relevanz hat Liebe, wer geht wie weit? Simmel und Vohrer wurden von Kritikern gern als "trivial" und "klischeebeladen" abgetan, Werke aus Deutschland durften nicht unterhaltsam sein, echte Kunst musste zwingend "vordergründig-hintergründig intellektuell" und schwer zugänglich gestaltet werden, sich zumindest entsprechend eingefärbt präsentieren. Mit geifernder Ignoranz fuchtelte die Keule des Feuilleton vor unserer Nase herum, sausten verbale Knüppel auf Autoren, Filmemacher, Leser und Zuschauer hinab. Inzwischen wendet sich das Blatt zunehmend, werden großartige Schöpfer wie Simmel und Vohrer nicht mehr aus allen Rohren mit Dreck beschossen.

Vohrers punktgenaue Inszenierung lebt von der Erfahrung des Regisseurs, gepaart mit frischem Wind der frühen siebziger Jahre. Großes Lob verdient das starke Ensemble. Allen voran Nachwuchstalent Malte Thorsten, der Oliver Mansfeld nicht lediglich als hübsche Fassade zeichnen darf. Ein bißchen zorniger junger Mann, mehr noch erstaunlich warmherzig und leidenschaftlich, sicher klug und bei Bedarf zielstrebig, gleichzeitig noch immer in jugendlicher Kurzsichtigkeit verstrickt. Genau diese liebenswerte Naivität führt zur fatalen Fehleinschätzung der Gegenspieler, zur fürchterlichern und unumkehrbaren Kurzschlusshandlung. Judy Winter bleibt weniger Raum zur Entfaltung, ihre innere Zerrissenheit kommt nur in wenigen Szenen deutlich zum Vorschein. Dies hängt nicht mit Winters schauspielerischen Qualitäten zusammen, ist vielmehr der überschaubaren Spieldauer des Streifen geschuldet, steht in Verbindung mit der Fokussierung auf den Charakter Oliver Mansfeld. Gern hätte ich Verena Angenfort ausführlicher und tiefgehender angelegt gesehen, schon wegen Judy Winters ansprechender Darstellung, andererseits bleibt die "knackige Kompaktheit" des Drehbuchs unangetastet. Herbert Fleischmann fällt die Rolle des Antagonisten zu, berechnend und konsequent, Höllenfeuer unter glatter Oberfläche, bedrohlich brodelnder Vulkan. Fleischmanns Angenfort kommt als Fiesling mit Facetten daher, während sein Hausangestellter Leo -ansprechend dargeboten von Karl Walter Diess- auf das Format des willigen Helferleins ohne Skrupel beschränkt bleibt. Joey Schoenfelder macht uns die fiese Terrorbratze namens Hansi, entpuppt sich als Widerling mit psychotischen Anfällen, neigt zu bizarren Ausfallerscheinungen. Donata Höffer sehen wir als Olivers Mitschülerin Geraldine Reber. Unglücklich in den Protagonisten verliebt, sorgt Geraldine für Anflüge von Ambivalenz, fügt dem Mosaik zarte Nuancen hinzu. Friedrich Siemers, Konrad Georg und Inge Langen spielen nicht minder ansprechend, weitere Ausführungen würden jedoch den Rahmen dieses Kurzkommentars sprengen.

Gern tauche ich mit Alfred Vohrer tief in die frühen siebziger Jahre ein. Sofort nimmt mich der Auftakt gefangen, werde ich von "wohliger Tristesse" verführt, entführt und berührt. Ja, hier und da springt uns bedeutungsschwangere Symbolik regelrecht an, wird manches Klischee bedient. Vor allem funktioniert das Zusammenspiel von Inszenierung, Ensemble und temperamentvoller Kameraarbeit vorzüglich, trifft handwerkliches Können auf Momente überschäumender Atmosphäre und großer Gefühle. Trivial? Nein, pralles Leben! Vor "Liebe ist nur ein Wort" lieferte Vohrer die Verfilmung vom Simmels "Und Jimmy ging zum Regenbogen" ab. Waren dort noch Geheimdienste und Verschwörungen bestimmendes Thema, tritt nun die Liebe der Hauptfiguren deutlicher in den Vordergrund. Simmels liebender Protagonist liebt mit allem was er hat, ist bereit alles für die Liebe zu geben, wirft sein gesamtes Leben in die Waagschale. Dick aufgetragen? Egal, mich hat der Streifen berührt und gleichzeitig vorzüglich unterhalten. Nach dem Ende Stille um mich herum, umhüllt von warmer Dunkelheit, Silhouetten meiner DVD/BD-Regale versprechen den nächsten Trip. Vermutlich verging eine halbe Stunde, irgendwann kehrte ich in die Realität zurück. Ab ins Bett, neben Lady Moon eingeschlafen und von Judy Winter geträumt (Schwester Hildegard, wir müssen die Dosis des Patienten Blap erhöhen!). Film macht glücklich. Lieber Alfred, lieber Johannes Mario, liebe Judy, lieber Malte, ich bedanke mich für die schöne Zeit.

Kinowelt präsentiert den Film auf einer brauchbaren DVD, zeigt sich in der Disziplin Boni recht sparsam. Sollte sich jemand um eine neue Abtastung und Aufbereitung bemühen, ich greife gern zu!

Dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut, Tendenz steigend)


Lieblingszitat:

"Meine Anzüge passen Ihren sicher nicht."

***

Vom Ursprung her verdorben

Editiert von Gubanov am 03.05.2013, 9.15 Uhr - Beitrag in passendes Thema integriert

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

19.05.2013 13:11
#63 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Nun wird die Sammlung endlich vollständig.:)
Auf den Roland Klick und den Duccio Tessari Film bin ich besonders gespannt.

Neu angekündigt von Filmjuwelen:
1972- UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR (Alfred Vohrer) / VÖ 27.09.2013
1973- GOTT SCHÜTZ DIE LIEBENDEN (Alfred Vohrer) / VÖ 30.08.2013
1976- LIEB VATERLAND MAGST RUHIG SEIN (Roland Klick) / VÖ 30.08.2013
1986- BITTE LASST DIE BLUMEN LEBEN (Duccio Tessari) / VÖ 27.09.2013

Quelle: http://www.alive-ag.de/index.php?page=search

Bisher erschienen von Kinowelt/Studio Kanal:
1970 - UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (Alfred Vohrer)
1971 - LIEBE IST NUR EIN WORT (Alfred Vohrer)
1972 - DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND (Alfred Vohrer)
1974 - DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND (Alfred Vohrer)

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

19.05.2013 13:45
#64 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Das sind wirklich tolle Ankündigungen!

Prisma Offline




Beiträge: 7.543

19.05.2013 19:21
#65 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Das kann man wohl sagen! Ich mag die Simmel-Verfilmungen sehr und kenne bislang nur die Veröffentlichten und "Bis zur bitteren Neige". Auf die anderen bin ich daher schon immer besonders scharf gewesen. Eine wirklich tolle Nachricht!

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

19.05.2013 23:08
#66 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #65
Das kann man wohl sagen! Ich mag die Simmel-Verfilmungen sehr und kenne bislang nur die Veröffentlichten und "Bis zur bitteren Neige". Auf die anderen bin ich daher schon immer besonders scharf gewesen. Eine wirklich tolle Nachricht!



Ich kenne die 4 von Kinowelt erhältlichen Simmel Filme und bin begeistert davon.
Die Filme sollten wirklich viel mehr wertgeschätzt werden.

Joe Walker Offline




Beiträge: 742

21.05.2013 10:42
#67 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Zitat von eastmancolor im Beitrag #63
[...] Neu angekündigt von Filmjuwelen:
1972- UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR (Alfred Vohrer) / VÖ 27.09.2013
1973- GOTT SCHÜTZ DIE LIEBENDEN (Alfred Vohrer) / VÖ 30.08.2013
1976- LIEB VATERLAND MAGST RUHIG SEIN (Roland Klick) / VÖ 30.08.2013
1986- BITTE LASST DIE BLUMEN LEBEN (Duccio Tessari) / VÖ 27.09.2013 [...]

YEAH! Super!
Zitat von Prisma im Beitrag #65
[...] Ich mag die Simmel-Verfilmungen sehr und kenne bislang nur die Veröffentlichten und "Bis zur bitteren Neige". [...]

Wobei ich persönlich "Bis zur bitteren Neige" immer als den schlechtesten aller klassischen Simmel-Filme empfunden habe; vllt. lag es am Regisseur, vllt. an den Schauplätzen - whatever. Die Vohrers finde ich alle state of the art ... und da stört es mich auch nicht weiter, dass man die Alexander Puschkin-Verfilmung "Und der Regen verwischt jede Spur" aufgrund der ganzen Herstellungsweise als Simmel vermarktet. Unterm Strich könnte der auch als lupenreiner Simmel durchgehen!

Gruß
Joe Walker

Prisma Offline




Beiträge: 7.543

21.05.2013 10:52
#68 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

So schlecht ist "Bis zur bitteren Neige" eigentlich gar nicht, der Eindruck entsteht wohl eher im Vergleich mit den anderen Verfilmungen. Mich persönlich konnte Gerd Oswalds Film von Anfang an überzeugen, liegt vielleicht auch daran, dass ich ihn damals nach "Und Jimmy ging zum Regenbogen" erst als zweite Verfilmung gesehen habe. Ganz gut besetzt und sicherlich nicht uninteressant inszeniert, wenngleich es tatsächlich stärkere Adptionen gibt, die sich in allen Bereichen auf höherem Niveau bewegen. Dafür muss für mich allerdings nicht Alfred Vohrer draufstehen. "Der Stoff aus dem die Träume sind" finde ich von allen bislang gesehenen Filmen der Reie am schwächsten, und über eine DVD-Veröffentlichung von "Bis zur bitteren Neige" würde ich mich ebenso freuen, wie über die angekündigten Produktionen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

21.05.2013 10:54
#69 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Auf der Filmjuwelen-Seite gibt es nun ebenfalls eine Ankündigung für "Alle Menschen werden Brüder" - damit wäre die Kernserie ja komplett.

Joe Walker Offline




Beiträge: 742

21.05.2013 11:33
#70 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #68
So schlecht ist "Bis zur bitteren Neige" eigentlich gar nicht, der Eindruck entsteht wohl eher im Vergleich mit den anderen Verfilmungen. Mich persönlich konnte Gerd Oswalds Film von Anfang an überzeugen, liegt vielleicht auch daran, dass ich ihn damals nach "Und Jimmy ging zum Regenbogen" erst als zweite Verfilmung gesehen habe. Ganz gut besetzt und sicherlich nicht uninteressant inszeniert, wenngleich es tatsächlich stärkere Adptionen gibt, die sich in allen Bereichen auf höherem Niveau bewegen. Dafür muss für mich allerdings nicht Alfred Vohrer draufstehen. [...]

Dieses von Dir erwähnte 'Problem' hatte ich bei "Bis zur bitteren Neige". Ich sah die Simmel-Filme von Vohrer alle chronoligisch und da fiel "Bis zur bitteren Neige" für mich eben etwas ab, schon allein dadurch, dass Oswald einen ganz anderen Stil 'fuhr' als Vohrer (inkl. Bildgestaltung). Dass man aber auch ohne Vohrer-Stil eine tolle Simmel-Verfilmung zaubern kann, bewieß Roland Klick - der Film ist völlig konträr zu den Vohrer-Streifen, aber auf seine naturalistische Art ebenso ein Meisterwerk!
Zitat von Prisma im Beitrag #68
[...]"Der Stoff aus dem die Träume sind"[/i] finde ich von allen bislang gesehenen Filmen der Reie am schwächsten, und über eine DVD-Veröffentlichung von "Bis zur bitteren Neige" würde ich mich ebenso freuen, wie über die angekündigten Produktionen.

Einen Release kaufe ich selbstverständlich auch sofort!

Gruß
Joe Walker

Prisma Offline




Beiträge: 7.543

21.05.2013 11:53
#71 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Der andere Stil ist schon sehr aufällig, das stimmt. "Und Jimmy ging zum Regenbogen" und "Bis zur bitteren Neige" sah ich damals unmittelbar hintereinander, und diese beiden unterschiedlichen Interpretationen regen ganz klar zu Vergleichen an. Vohrers Film kam mir in seiner Gestaltung sehr authentisch vor, und auch die eher schmeichelnden, teils verträumten Bilder begünstigen eine tolle Atmosphäre. Die Besetzung ist außerdem unglaublich gut. Als Kontrast sieht man bei Oswalds Film Bilder und Settings, die hart, steril und kalt wirken und dadurch insbesondere die Charaktere hervorheben. Maurice Ronet wirkt dadurch abgehalftert und beinahe abstoßend, es ist so als könne man den Whisky den er konsumiert förmlich riechen, oder Suzy Kendalls Eiseskälte, und Christine Wodetzkys oder Susanne Uhlens empfundene Traurigkeit spüren. Für mich zählt das zu den Stärken des Films, die Alfred Vohrer selbstverständlich auch nicht liegen gelassen hat. Die unterschiedlichen Herangehensweisen setzen in meinen Augen schon sehr begrüßenswerte Akzente.

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

26.05.2013 00:16
#72 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

BIS ZUR BITTEREN NEIGE gibt's aber nicht auf DVD oder? In den Filmjuwelen Ankündigungen kann ich ihn auch nicht finden.

Prisma Offline




Beiträge: 7.543

26.05.2013 00:26
#73 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Nein, gibts noch nicht auf DVD. Die beiden Filme habe ich damals in Zeiten gekauft, als die gute alte VHS noch en vogue war. Wäre schön, wenn "Bis zur bitteren Neige" auch bei den Filmjuwelen veröffentlicht werden würde, damit die Reihe so gut wie komplett ist.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

26.05.2013 08:39
#74 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten

Oh, tatsächlich. Nachdem hier so viel über "Bis zur bitteren Neige" diskutiert wurde, war ich ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass er auch schon angekündigt wäre. Aber naja - "Alle Menschen werden Brüder" war bis vor Kurzem auch nicht auf der Filmjuwelen-Seite gelistet und steht der Film ganz normal bei den anderen Simmels. Wollen wir hoffen, dass es mit "Bis zur bitteren Neige" bald auch so läuft - eigentlich dürfte es ja keine Hindernisse geben.

Prisma Offline




Beiträge: 7.543

26.07.2013 12:07
#75 RE: Johannes Mario Simmel: Die Verfilmungen von 1971 bis 1976 Zitat · antworten



BIS ZUR BITTEREN NEIGE (1975)

mit Maurice Ronet, Suzy Kendall, Susanne Uhlen, Christine Wodetzky, Karl Renar, Balduin Baas, Rudolf Fernau und als Gast Ferdy Mayne
eine Gemeinschaftsproduktion der Roxy Film | GGB 1. KG | Wien Film
nach dem gleichnamigen Roman von Johannes Mario Simmel
Ein Film von Gerd Oswald






»Ist Ihnen einmal aufgefallen, dass alle Mittel die das Leben erträglich machen giftig sind?«


Paul Jordan (Maurice Ronet), der ehemalige Hollywood- und Musical-Star zog sich vom Show-Geschäft zurück und heiratete die Millionärin Joan (Suzy Kendall). Nach 15 Jahren Pause möchte er einen Comeback-Versuch starten, um sich vor allem seiner vereinnahmenden Frau zu entziehen und sich von der erdrückenden Abhängigkeit zu befreien. Außerdem hat Paul eine Affäre mit seiner Stieftochter Shirley (Susanne Uhlen), und die häusliche Situation nimmt für ihn unerträgliche Formen an. Seine ehemalige Agentin verschafft ihm eine Rolle in einer kleineren Produktion die in Wien spielt, doch schnell stößt der ehemalige Star an seine Grenzen. Um den Stress zu bewältigen, konsumiert er Unmengen an Alkohol und lässt sich fragwürdige Substanzen von einem dubiosen Arzt namens Schauberg (Rudolf Fernau) verabreichen, doch der Kollaps ist vorprogrammiert. Paul sieht sich mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen konfrontiert. Als seine Frau und Shirley schließlich auch noch in Wien auftauchen, kommt es zur Katastrophe...

Im erlesenen Kreis der Simmel-Verfilmungen gilt Gerd Oswalds Adaption eher als Stiefmütterchen, genießt keinen besonders hohen Bekanntheitsgrad und leider auch keine große Wertschätzung. Die Reihe wurde zuvor von Alfred Vohrer zu seiner Domäne gemacht, der vor dieser Produktion sechs Romane des Bestseller-Autoren Simmel für die Roxy verfilmte. In "Bis zur bitteren Neige" merkt man im direkten Vergleich sehr deutlich, dass so einiges bezüglich der Umsetzung anders ist, doch das muss nicht unbedingt einen schwachen Film ausmachen. Ganz im Gegenteil, denn ich persönlich halte ihn aufgrund seines sterilen Charakters und des pragmatischen Aufbaus wegen für sehr gelungen, was auch daran liegen mag, dass sich Vohrer dem Empfinden nach, wie auch bei seinen vielen unmittelbar aufeinander folgenden Wallace-Einsätzen, mit der Zeit irgendwie selbst überholt hatte. Für eine Simmel-Vorlage fehlt diesem Stoff weitgehend die berüchtigte Komplexität, so dass die Umsetzung ebenfalls keine Verschachtelungen und eigenwillige Umwege zu bieten hat. Nachlässigkeiten lassen sich allerdings im Rahmen der Charakterzeichnungen finden, denn einige wichtige Nebenfiguren kommen einfach zu kurz und wichtiges Potential wurde nicht genutzt, dennoch bekommt man mitunter sehr stichhaltige Interpretationen geboten. Der Plot ist vergleichsweise sehr einfach und verständlich, so dass im Bezug auf die Realität ein empfundener Transfer stattfindet, auch wenn man als Zuschauer zahlreiche Situationen lange Zeit nicht adäquat einschätzen kann, da der Protagonist zwischen Wahrheit und Einbildung hin- und herzupendeln scheint.

Maurice Ronet als abgesattelter Ex-Star, mit dem die Zeit offensichtlich nicht gerade freundlich umgegangen ist, liefert eine Parade-Vorstellung. Eingezwängt in einem goldenen Käfig, befindet er sich in der misslichen Situation, dass er in der totalen Abhängigkeit zu seiner Frau steht, und wie es aussieht auch noch in jeder Beziehung. Er verachtet Joan, und man wird in jedem Blick von ihm sehen, dass dieser Zustand gewiss sein zehnjähriges Jubiläum bereits hinter sich gelassen hat. Sein unbeholfen wirkender Befreiungsschlag wird eine Kettenreaktion auslösen, in der die schwächsten Glieder brechen werden. Sehr eindrucksvoll schildert Ronet Situationen, in denen er betrunken ist, manische Züge bekommt und immer wieder kurz vor dem Kollaps steht. Man sieht ihm gebannt zu und kann den Whisky, den er runter schüttet förmlich riechen, den Hass gegen seine Frau beinahe spüren, die Liebe zu seiner Stieftochter unmittelbar nachvollziehen. Suzy Kendall unterschätze ich persönlich immer gerne, daher überrascht sie aber auch immer wieder aufs Neue. Hier gerade einmal Anfang 30, wurde sie so hergerichtet, dass sie mindestens 10 Jahre älter aussieht. Sie wirkt auf den Zuschauer äußerst unsympathisch, doch ist man sich überhaupt nicht im Klaren darüber, ob Paul für diesen Eindruck verantwortlich ist, und man ihr im Endeffekt Unrecht tut? Was überträgt sich auf den Zuseher? Der entlarvende Blick eines Mannes auf eine Neurotikerin, weil er seine Frau en détail kennt, oder der verzerrte Blick eines Alkoholikers mit beginnenden Wahnvorstellungen? Kendall jedenfalls überzeugt mit dem Präsentieren einer ambivalenten Person, die um brillant zu sein, allerdings mehr Screen-Time nötig gehabt hätte. Die fatale Dreieckskonstellation rundet die damals gerade erst 20-jährige Susanne Uhlen ab, und aufgrund ihrer glaubhaften Leistung multipliziert sie die Zweifel und Vorbehalte der Zuschauer und wirkt indirekt ketzerisch. Erwähnenswert ist unbedingt noch die immer hervorragende Christine Wodetzky als im Endeffekt machtlose Ärztin, bei der man genauso wie bei Susanne Uhlen den Eindruck hat, als könne man ihre Verzweiflung, Resignation und Traurigkeit hautnah spüren, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen. Sieht man sich die restlichen Darsteller an, so hat man es insgesamt mit einer tollen Runde zu tun, auch wenn die Besetzung augenscheinlich schwächer aussieht, wenn man sie mit der Konkurrenz vergleicht.

Das Plus der Geschichte sind also eindeutig ihre Personen, die einen überzeugenden Weg einschlagen, weil sie vollkommen unscheinbar agieren. Es entsteht eine gewisse Verwirrung und eine vollkommen depressive Atmosphäre, weil auch Paul Jordan keinen wirklichen Sympathieträger darstellt. Dennoch wirkt es insgesamt so, als fehle der endgültige Schliff, was jedoch eher als diffuser Eindruck zurückbleibt. Gerade "Bis zur bitteren Neige" regt ungezügelt zu Vergleichen an, da die Simmel-Konkurrenz sehr stark, und ausgiebig vorhanden ist, nicht zuletzt weil zuvor einige große Ausrufezeichen gesetzt wurden. Gerd Oswald verzichtet vollkommen auf den Blick durch einen romantisierten Schleier, und setzt auf Settings, die hart und oftmals auch kalt wirken. In Verbindung mit den vielen Personen, die gleiche Attribute an den Tag legen, wirkt die Gesamt-Situation oftmals wenig erbaulich, und es wird angebahnt, dass man unausweichlich auf eine Katastrophe zusteuern wird. Doch wie diese Aussehen wird, bleibt bis zur Deadline weitgehend ungewiss. Da das Erzähl-Tempo deutlich gedrosselt ist, wirkt der Verlauf oftmals sehr zäh und repetitiv, man bekommt wenige Twists geboten aber schließlich einen feinen Showdown, der ohne Effekte, eher ruhig und diskret durch eine Selbstinszenierung im Gedächtnis bleiben wird, beziehungsweise buchstäblich über die Bühne geht. Ein Satz muss unbedingt zu der eingängigen Musik von Klaus Doldinger verloren werden, die sehr frisch wirkt, und letztlich den unscheinbaren Verlauf der Geschichte sehr gut untermalt, auch die Kamera-Arbeit von Charly Steinberger (später übrigens verheiratet mit Susanne Uhlen), erfreut in gewohnt progressiv-routinierter Manier, wobei man hier bezüglich der Bildgestaltung keine Detail-Strategie entdecken kann. Für mich stellt "Bis zur bitteren Neige" eine der besten Adaptionen nach Simmel dar, weil die unaufdringliche Regie nicht versuchte, die Konkurrenz zu überflügeln, außerdem aufgrund des so hoffnungslos prosaischen Charakters der Story. Ein bemerkenswerter Film über lebende Tote, gescheiterte Existenzen und moralische Prostitution.

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