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Dieses Thema hat 140 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Ray Offline



Beiträge: 1.519

22.06.2020 22:38
#136 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Der Boss (Hold-Up, F 1985)

Regie: Alexandre Arcady

Darsteller: Jean-Paul Belmondo, Kim Cattrall, Guy Marchand u.a.



Als Clown verkleidet dringt Gangster Grimm, auch „Der Boss“ genannt, in die größte Bank Montreals ein und entwendet mit findigen Tricks und zwei als Bankkunden getarnten Komplizen 2,3 Millionen Dollar. Doch die geplante Flucht nach Paris erweist sich als schwierig, denn auf dem Weg zum Flughafen werden sie nicht nur von der Polizei, sondern auch einem durchgeknallten Bekannten verfolgt, der gerne mitgemacht hätte und sich nun die gesamte Beute unter den Nagel reißen will...

„Der Boss“ ist Jean-Paul Belmondo wie auf den Leib geschnitten. Zunächst kann er sich im ersten Drittel in der Rolle des als Clown getarnten Bankräubers voll austoben. Erstaunlicherweise flacht das Geschehen nach erfolgreichem Abschluss des Coups nicht ab, sondern wird sogar eher noch unterhaltsamer. Regisseur Arcady gönnt dem Zuschauer kaum eine Atempause und stellt die drei Ganoven auf dem Weg zum Flughafen Montreals vor so manche Herausforderung. Dabei wird auch die ein oder andere Verfolgungsjagd auf vier Rädern eingestreut, für die sich Rémy Julienne verantwortlich zeigte, der auch an mehreren Bond-Filmen mitwirkte. Belmondo absolviert seine Stunts wie gewohnt selbst. Als seriöser Kriminalfilm taugt der Film kaum, dafür agieren manche Figuren zu überdreht. Das stört jedoch kaum, da der Film über seine gesamte Laufzeit äußerst unterhaltsam ist und so Potential für wiederholte Sichtungen besitzt. Schauplatz ist überwiegend Montreal, gegen Ende spielt die Handlung jedoch auch noch kurz in Paris und Rom. Als Belmondos attraktive Kollegin ist übrigens die kanadische Schaupielerin Kim Cattrall zu sehen, die ab Ende der 1990er-Jahre große Erfolge mit der Serie „Sex and the City“ feiern konnte.

Das Bild der DVD von Studio Canal scheint nicht restauriert zu sein und ist daher nicht sonderlich scharf, geht aber noch in Ordnung.


Turbulentes Heist-Movie mit höchstem Unterhaltungsfaktor. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.519

28.06.2020 09:16
#137 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Der Erbarmungslose (La horse, F/I/BRD 1970)

Regie: Pierre Granier-Deferre

Darsteller: Jean Gabin, Marc Porel, Pierre Dux, Reinhard Koldehoff u.a.



Als Bauer Auguste Maroilleur entdeckt, dass sein Enkel in Rauschgeschäfte verwickelt ist, vernichtet er die wertvolle Ware und zieht damit den Zorn der Drogenhändler auf sich. Doch Auguste erweist sich als weitaus widerstandsfähiger als die Ganoven denken. Schnell eskaliert die Situation und mündet in einen Privatkrieg...

Wie Jahre später in „Der Fall Dominici“ spielt Jean Gabin im vorliegenden Werk den Patriarchen einer Bauernfamilie. Auguste hat im Haushalt eindeutig „die Hosen an“. Tochter, Schwiegersohn, Enkel – alles tanzt nach seiner Pfeife. Und als der Alte entscheidet, zum Schutze der weißen Weste des Enkels die Polizei in der Auseinandersetzung mit den Ganoven außen vor zu lassen, haben diesen Entschluss alle zu akzeptieren und sich in ihren Dienst zu stellen. Die Konstellation einer ländlichen Familie, die sich gegen kompromisslose Drogenhändler – auch mit Waffengewalt – auflehnt, hat cineastisches Potential, zumal wenn als Hauptfigur auf Seiten der „Guten“ ein Schauspieler vom Format eines Jean Gabin an Bord ist und die Inszenierung durchaus hochwertig daherkommt. Über das zweifelhafte Motiv der Selbstjustiz muss man dabei freilich hinwegesehen können. Wer dies kann, bekommt einen allein schon wegen der knappen Laufzeit kurzweiligen Streifen zu sehen, der mit der ein oder anderen kleinen Actionszene garniert ist, jedoch mitunter in seiner Atmosphäre arg trist ist. Das dürfte nicht jedem gefallen. Lob verdient dagegen die charakteristische Musik von Serge Gainsbourg und Michel Colombier. In einer kurzen Szene ist übrigens Reinhard Kolldehoff als ranghohes Mitglied der Drogenhändlerbande zu sehen. An der französisch-italienisch-deutschen Co-Produktion war von deutscher Seite Luggi Waldleitner beteiligt.

Die DVD von Pidax zeigt den Film in guter Qualität.


Kurzweiliger, mitunter etwas trister Selbstjustizthriller mit Jean Gabin als Patriarch einer Bauernfamilie, der sich zum Schutze seines Enkels eine gewalttätige Auseinandersetzung mit gefährlichen Drogenhändlern liefert. Noch 4 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.519

04.07.2020 08:36
#138 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Das Mädchen und der Mörder (L'assissinat de Trotsky/L'assissino de Trotsky, F/I 1972)

Regie: Joseph Losey

Darsteller: Richard Burton, Alain Delon, Romy Schneider u.a.



Revolutionär Trotzki erlebt die Anfänge des Zweiten Weltkriegs im Exil in Mexiko in Selbstisolation, fürchtet er doch permanent, im Auftrag Stalins ermordet zu werden. Und in der Tat ereignet sich ein Anschlag auf seine Person, der allerdings fehlschlägt. Ein weiterer Anschlag ist jedoch bereits in Planung...

„Das Mädchen und der Mörder“ - der deutsche Titel soll wohl an den ein Jahr zuvor veröffentlichten „Das Mädchen und der Kommissar“ anknüpfen, im vorliegenden Werk steht Romy Schneider allerdings nur an dritter Stelle auf der Besetzungsliste – ist ein Politthriller mit historischem Hintergrund. Regisseur Joseph Losey stand bei der Umsetzung nicht nur ein bemerkenswerter Cast mit Alain Delon, Richard Burton und eben Schneider zur Verfügung, sondern es konnte auch an Originalschauplätzen in Mexiko gedreht werden, was dem Film hohe Schauwerte und Authenzität verleiht. Der Film kommt mit erstaunlich wenig Dialog aus, insbesondere Delon darf mal wieder als „eiskalter Engel“ eine Menge vor sich hin starren. Seine Figur ist eindeutig innerlich zerrissen – soll er den Tötungsauftrag erfüllen oder nicht? Die Beziehung zur Schneider-Figur gestaltet sich entsprechend schwierig: Mal liebt man sich leidenschaftlich, mal hat man sich rein gar nichts zu sagen und treibt im wahrsten Sinne des Wortes vor sich hin. Für Eskalation sorgt auch eine ziemlich abstoßende Szene in einer Stierkampfarena, in der die Tötung des Stiers in quälend lange Bilder gepackt wird – erkennbar ein Vorbote für die Tötung Trotzkis. Der von allen Beteiligten gut gespielte und ambitioniert inszenierte Film funktioniert eindeutig nicht als reiner Unterhaltungsfilm, sondern setzt (gesteigertes) Interesse am anspruchsvollen Kriminalfilm mit Fokus auf (gebrochene) Charaktere und dem geschichtlichen Hintergrund voraus. Unter diesen Voraussetzungen ist der Film jedoch allemal sehenswert und schöpft sein ganzes Potential womöglich erst bei wiederholter Sichtung aus.

Die DVD von Filmjuwelen bietet einen sehr schön gestalteten Schuber, ein gutes Bild und ein informatives Booklet.


Anspruchsvoller Politthriller um die Ermordung Trotzkis mit prominentem Cast. Noch 4 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.519

25.07.2020 10:52
#139 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Schieß, solange du kannst (L'Arme à gauche, F/ESP/I 1965)

Regie: Claude Sautet

Darsteller: Lino Ventura, Sylva Koscina, Leo Gordon, Alberto de Mendoza u.a.



Kapitän Cournot soll für einen Kaufinteressenten in Santo Domingo eine Yacht begutachten. Kurz nach der Besichtigung wird die Yacht gestohlen und vom Kaufinteressenten fehlt plötzlich jede Spur. Cournot wird von dessen Ehefrau angeheuert, Yacht und Ehegatten aufzuspüren...

Der als Abenteuerkrimi zu qualifizierende Film „Schieß, solange du kannst“ entstand 1965 als französisch-spanisch-italienische Co-Prouduktion. Für das französische Publikum war Lino Ventura an Bord, Sylva Koscina („Heiße Katzen“, „Unser Mann in Istanbul“) sollte in Italien die Lichtspielhäuser füllen. Der dritte Partener Spanien steuerte Alberto De Mendoza bei („Ein fast antändiges Mädchen“, „Der Killer von Wien“) bei. Der Film wurde offenbar an Originalschauplätzen in der Dominikanischen Republik gedreht. Vor allem der Anfang in den Straßen von Santo Domingo versprüht einen netten Urlaubsflair. Für einen Abenteuerkrimi und das Entstehungsjahr 1965 etwas ungewöhnlich ist, dass in Schwarzweiß gedreht wurde. Die kontrastreichen Bilder üben jedoch einen ganz besonderen Reiz aus. Die Story gibt gerade im Verlauf des Films nicht übermäßig viel her, handwerklich bewegt sich der Film allerdings über dem, was im Schnitt in deutschen Exotikkrimis abgeliefert wurde. Der internationale Cast macht seine Sache überdies gut. Insgesamt alles andere als ein „Muss“, aber für Freunde derartiger Produktionen sicher ein netter Film für den Feierabend, der dank Pidax nun in guter Qualität erhältlich ist.


Solider Abenteuer-Krimi mit handwerklich einwandfreier Inszenierung und durchaus reizvollem internationalen Cast. Noch 4 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.519

22.08.2020 23:18
#140 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Neun im Fadenkreuz (Sans mobile apparent, F/I 1971)

Regie: Philippe Labro

Darsteller: Jean-Louis Trintignant, Carla Gravina, Laura Antonelli, Dominique Sanda u.a.



Nizza wird von einem Scharfschützen heimgesucht, der scheinbar wahllos Menschen erschießt. Doch Kommissar Carella findet eine Gemeinsamkeit zwischen den Opfern: Alle waren vor acht Jahren Teil eines Theaterensembles, welches das Stück „Juliette“ aufführte. Eben jenes Stück wird gerade wieder aufgeführt...

„Neun im Fadenkreuz“ ist ein typischer (europäischer) Thriller seiner Zeit: Ein eher konstruiertes Mörderrätsel aufgeladen mit einer sexuellen Thematik und der psychischen Erkrankung einer Figur, die eine Schlüsselstellung bei der Aufklärung des Falls einnimmt. Dankenswerterweise werden eben jene Elemente nicht so sehr breit getreten wie in manchem Giallo-Thriller. Letztlich tritt die Story jedoch ohnehin in den Hintergrund. Der Film lebt von der ambitionierten Inszenierung des Regisseurs Philippe Labro, der nicht nur herrliche Sommerbilder Nizzas liefert, sondern auch mit Slow-Motion-Bildern, einer eindrucksvollen Kamerafahrt während einer Sprintverfolgung des Kommissars durch den Hafen sowie einer Rückblickssequenz zum Ende hin punktet. Aus dem Ensemble sticht erwartungsgemäß Jean-Louis Trintignant heraus, der sonst eher in anspruchsvolleren Filmen zu Hause war und diesen oberflächlichen Thriller mit seiner zurückhaltenden Darstellung enorm aufwertet. Als weiteres Faustpfand entpuppt sich die musikalische Untermalung von Ennio Morricone, die in Kombination mit den hochwertigen Bildern für manchen erinnerungswürdigen Moment sorgt. Insgesamt ein netter kleiner Thriller für zwischendurch.

Die DVD von Pidax bietet ein gutes Bild.


„Neun im Fadenkreuz“ präsentiert sich inhaltlich als typisches Kind seiner Zeit. Die Story ist konstruiert, dafür sind Inszenierung und Musik erstklassig und Charakterdarsteller Jean-Louis Trintignant veredelt den oberflächlichen Thriller auf darstellerischer Ebene. Daher noch 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.519

24.10.2020 10:25
#141 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · Antworten

Schonmal witzig: Beobachte "Der Coup" mit Jean-Paul Belmondo und Omar Sharif, dessen DVD von Sony vergriffen ist, schon lange. Als ich gerade soweit war, in den sauren Apfel zu beißen und auf eine digitale Version bei amazon zurückgreifen wollte, entdeckte ich, dass der Film im Dezember von Koch auf Blu-Ray im Mediabook mit vielen Extras erscheinen wird. Solange kann ich dann doch noch warten.

https://www.kochmedia-film.de/blu-ray/de...k_a_2_blu_rays/


Bin leider nicht dazu gekommen, ausfürliche Rezensionen zu schreiben, aber die für diesen Thread kürzlich erschienenen Titel "Der Erbe/Der Draufgänger" (Belmondo) und "Der Zigeuner" (Delon) sind für Freunde des Genres (sehr) zu empfehlen. "Der Erbe" ist ein vielschichtiger Thriller mit interessanter Story, der Belmondo in einer für ihn eher untypischen Rolle zeigt, vielleicht ein wenig vergleichbar mit "Der Körper meines Feindes". Tolle 70er-Atmosphäre, tolle Musik. Das Bild ist sehr gut, als Extra guibt es zudem ein interessantes, halbstündiges Interview mit Regisseur Labro, der auch "Der Greifer" und den oben besprochenen "Neun im Faenkreuz" inszenierte. "Der Zigeuner" von José Giovanni ist ein solider Gangster-Thriller, der ebenfalls eine typische 1970er-Jahre-Atmo im französischen Stil aufweist.


Kürzlich ist ja das äußerst empfehlenswerte Heist-Movie "Lautlos wie die Nacht" mit Jean Gabin und Alain Delon via Pidax erschienen. Am 20.11. folgt der hier so hoch gelobte "Marie Octobre", auf den ich schon sehr gespannt bin.

Gestern ist zudem "Tödliche Angst", einer der letzten Filme von Lino Ventura, via Artkeim auf DVD herausgekommen.

https://www.amazon.de/T%C3%B6dliche-Angs...03527712&sr=8-1


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