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Dieses Thema hat 226 Antworten
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Jan Offline




Beiträge: 1.752

03.01.2019 20:10
#196 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #28
Alles in allem halte ich Lange zwar nicht für die Ideal-, jedoch keinesfalls für eine Fehlbesetzung, zumal ich mich schwer tue, eine Alternative zu nennen, der der nötige Spagat besser gelungen wäre.

Darüber habe ich auch schon einmal länger sinniert, und auch ich bin da zunächst nicht wirklich zu einer Antwort gekommen. Über Götz George habe ich nachgedacht - der dürfte zu jugendlich gewesen sein, auch zu smart und Teen-like. Dann Hartmut Reck - zu barsch, zu schroff, zu wenig Sympathieträger. Alexander Kerst wäre vielleicht eine Möglichkeit gewesen. Heinz Weiss, der viel mehr konnte, als ihm im Bogenschützen abverlangt wurde, hätte was aus der Rolle herausholen können, letztlich aber wohl etwas zu soft. Auch Hanns Lothar natürlich; ihn allerdings zu benennen ist keine große Kunst, denn nötigenfalls hätte Lothar auch eine Wäschetrommel spielen können, und das im Zweifelsfall besser und glaubhafter als eine echte Wäschetrommel. So recht also wollte da keiner passen, dachte ich stets, bis ich dann auf den Gedanken kam, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nie sah: Robert Graf - der wäre tatsächlich ein Treffer gewesen. Etwas Jugendhaftes hing ihm immer an, einen Sympathieträger konnte er glaubhaft verkörpern, wie er beispielsweise in "Die zwölf Geschworenen" bewies. Den zwielichtigen Charakter ohnehin. Graf wäre eine anständige Besetzung gewesen, denke ich.

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 1.879

03.01.2019 21:26
#197 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Interessant! Habe tatsächlich auch immer intuitiv nur an Schauspieler gedacht, die im Film nicht mitwirkten. Dann hätte man natürlich für Hale jemand anderen suchen müssen und hätte auf Grafs hervorragende Perormance diese Rolle betreffend verzichten müssen. Aber diesen Part hätten vielleicht auch Harry Wüstenhagen oder Hans Clarin übernehmen können. Kerst hätte ich allgemein in einem Wallace aber auch mal spannend gefunden. Er hätte z.B. die Lowitz-Rolle im "Mönch" übernehmen können.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.580

04.01.2019 06:37
#198 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Was mir jetzt noch einfällt und ich auch noch erwähnt haben wollte: Auch hier trägt der Mörder (zumindest bei dem Mord an Radlow) schwarze Handschuhe!

schwarzseher Offline



Beiträge: 626

04.01.2019 18:39
#199 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Seltsam wie die Sichtweise oder Wahrnehmung der einzelnen Schauspieler doch abweichen kann.Hanns Lothar war für mich immer am stärksten wenn er etwas den Zyniker raushängen lassen konnte...kann ich mir als P. Clifton schwer vorstellen.Hanns Weiss und Robert Graf sind für mich irgendwie die typischen "Nebendarsteller" Graf bei aller "Klasse" in seinen Rollen ist selten der Sympatieträger gewesen (lag ihm glaube ich von seiner ganzen Art nicht )mal lustig ,mal fies ....aber nicht tragend für P. Clifton.Genauso wie H. Lange niemals als "Strahlemann" und junger Liebhaber ala Fuchsberger funktioniert hätte.Hier aber genau passend.Und Götz George ....? keine Ahnung wie er die Rolle angelegt hätte ? lieber nicht.Sein Overacting gerade in jungen Jahren ....( wurde für mich im Alter immer besser ,bis zur genialen Darstellung des unterbelichteten Massenmörders )

Mein Fazit.....die Besetzung ist damals optimal gelungen .

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 598

04.01.2019 21:50
#200 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Der Fälscher von London ist möglicherweise der am sorgfältigsten inszenierte deutsche Edgar-Wallace-Film. Keine wilde Meuchelei, keine sinnlosen Anfangsleichen, dafür eine verhältnismäßig stimmige Geschichte, fast schon ein klassischer Whodunit mit einer stets geheimnisvollen Atmosphäre. Ja, ich denke, die unheimliche Stimmung trägt den ganzen Film, irgendwie hat man stets das Gefühl einer im Hintergrund lauernden Macht. Das geht zum großen Teil auch auf die einzigartige Filmmusik von Martin Böttcher zurück, schaurig, unheimlich, genial. Die Handlung ist ja nun hinlänglich bekannt, ist Peter Clifton, der Millionenerbe, nun verbrecherisch schizophren, ein Mörder oder gar der "Gerissene", der phantomhafte Meisterfälscher?
Die Liebesgeschichte zwischen Peter Clifton, der glaubhaft von Hellmut Lange gespielt wird, und Jane Leigh, wie immer reizend Karin Dor, ist eine der glaubhafteren Romanzen und eigentlich gar nicht so klischeehaft und schnulzig wie die üblichen Inspektor-Erbin-Konstellationen. Vor allem ist sie sinnvoll für die Handlung und nicht nur zur Erzeugung des 100%-Happyends nötig. Und Inspektor Bourke ist toll besetzt mit Siegfried Lowitz. Der hätte ruhig öfter noch einen älteren väterlich-energischen Kriminalisten spielen können !
Auch die anderen Schauspieler gefallen mir ausnahmslos alle gut, sogar die Darstellerin der Mrs. Untersohn bringt sie genauso überzogen rüber, wie sie auch im Buch angelegt ist. Überhaupt, der Fälscher ist wohl zusammen mir dem Rächer der werkgetreueste Film nach Edgar Wallace aus einem deutschen Filmstudio. Eigentlich eine seltsame Geschichte: ein berüchtigter Banknotenfälscher, der noch einen Zweitjob als Geldverleiher Blonberg hat, versucht sich auch noch eine Einnahmequelle als Groß-Erbschleicher zu sichern. Es hätte jede dieser Tätigkeiten einen extra Roman verdient, aber Edgar Wallace' fruchtbare Phantasie hat das Ganze zu einer durchaus gefälligen und nachvollziehbaren Gesamtgeschichte verquickt. Der sinistre Fälscher in seiner Rolle als Geldgeber hinter seiner Spiegelglaswand ist durchaus ein wallace-artiger Schurke, auch ohne Maske, aber diesmal sogar mit Originalstimme. Dass es nicht Peter Clifton sein kann, ist sicher recht bald klar, doch wie hängt alles zusammen ? Peter vor der Falschgeldpresse macht sich schon gehörig verdächtig, doch auch die anderen sind nicht ohne. Immerhin hat der "Gerissene" mehr bekannte Helfer als der z. B. der berüchtigte Rote Kreis: den rücksichtslosen Dr. Wells, den bestechlichen Inspektor Rouper, den Strohmanndarsteller von Blonberg, den Pfleger der verrückten Mrs. Untersohn, und natürlich den rätselhaften Organisten. Sogar der unzuverlässige Basil Hale (den die Jane Clifton im Roman bei weitem nicht so unmöglich fand wie Karin im Film) stand in Diensten des großen Bosses, genauso wie Marjorie Wells auch mehr in die Pläne der Ganoven eingeweiht war als gedacht. Auch Janes Vater (im Film ist er nur der Onkel) wird irgendwann offiziell als "Geheimdienstchef" der Fälscherorganisation eingeführt. Das hat man im Film nicht so gemacht, da wird er irgendwann als auch Beteiligter des Komplottes dargestellt und zum Schluss dann als Hauptdrahtzieher entlarvt. Tatsächlich hätte man sich das schenken können und ihn bis dahin doch in der Schwebe lassen können. So ist seine Enttarnung doch nicht mehr ganz so überraschend, wenngleich in der Gesamtkonstellation der Geschichte seine Täterschaft doch zwingend notwendig ist. Großen Wert legt der Regisseur doch auch auf die Spur mit den verlegten Kupferstichen, die doch bei genauerer Sicht stark auf John Leigh als "Gerissenen" hindeuten.
Die Logikschwächen des Filmes ergeben sich eigentlich immer dort, wo das Drehbuch von der Vorlage abgewichen ist und Geschehnisse vereinfacht oder hinzugedichtet hat. Die schon erwähnte falsche Banknote, die Peter auf seiner Hochzeit in ein zweifelhaftes Licht rücken soll, ist so ein Beispiel. Erst behauptet Dr. Wells, er könne sich nicht an jede ausgegebene Banknote erinnern, dann weiß er plötzlich, dass sie von Peter Clifton stammt. Wie kann er das eigentlich so genau sagen, und vor allem, warum hat er sie abgestempelt ? Das tut doch nun kein Mensch. Tatsächlich hat das im Buch die stets missgünstige Ehefrau Marjorie gemacht, die von der Mitgliedschaft ihres Gatten im Fälscherverein wusste und ihn boshafterweise mit der abgestempelten falschen Geldnote in Verlegenheit bringen wollte. Ebenfalls recht sinnlos ist die hinter den Schrank geklemmte "historische" Zeitung im Zimmer des ermordeten Rechtsanwaltes, welche Peters Abstammung von einem Nicht-Wahnsinnigen belegt und nur durch Eddi Arends Hektik zum Vorschein kommt (Den Nachbarn gibt es auch im Roman). Warum sollte der Anwalt diesen Beweis für Peters Unschuld so kindisch verbergen und nicht zu den anderen Dokumenten der Familie Clifton in einen Aktenschrank, Safe oder ähnliches legen ? Im Roman hatte die bewusste Zeitung Dr. Wells zufällig beim Renovieren gefunden und aufbewahrt, später gelangte sie dann in den Besitz von Inspektor Bourke. So machte es auch Sinn, denn dann wussten alle, was der Anwalt in seinen verschwundenen Schriftstücken mitteilen wollte. Dass Peter die am Tatort gefundenen Zigaretten gar nicht raucht, wusste Inspektor Bourke deshalb, weil er schon als Vorahnung einige Zeit vorher Peters Frau gefragt hatte, ob er diese Sorte nimmt. Tststs. Allerdings scheinen sich beide keine Sorgen um den Taxichauffeur zu machen, der sie zum Haus von Radlow gefahren hatte und der auch Peters Wagen gesehen hat. Sollte irgendjemand den mal als Zeugen vernehmen, wird seine Geschichte erheblich von der Version der anderen abweichen...
Und wer hat nun die Druckerpresse in den Teich hinter Longford Manor geworfen ? Waren es der Gerissene oder seine Gehilfen oder doch Peter, der seiner Frau die Schande von ihres Onkels Schuld ersparen wollte ? Ist zwar nicht so wichtig, aber trotzdem nicht ganz klar.
Und dann gibt es noch den (frei erfundenen Organisten), der einmal normal durch die Welt läuft und einmal als Blinder verkleidet. Wozu soll dass nun nötig sein, außer dass es Assoziationen zu einem Vorgängerfilm weckt ?
Dass sich die Untersohn und Wells zum Schluss gegenseitig erschießen, war eher ein "glücklicher" Zufall für den Oberschurken und nicht mal von Wallace selber so angedacht, ging es ihm doch vornehmlich um die Beseitigung des mörderischen Doktors. Seine derartig eingefädelte Intrige zeigt einmal mehr, dass seine "geschickten Finger" gut im Knüpfen von Komplotten waren. Wäre es daneben gegangen, hätte sich der große Fälscher die geschickten Finger wohl selber schmutzig machen müssen.
Im Vergleich zu anderen Wallaceverfilmungen schneidet der Film meiner Ansicht nach in Sachen Logik gut ab. Natürlich ist es wieder mal, wie immer, sehr zufällig, dass sich alle Beteiligten, das Opfer, die Schurken und der Inspektor, alle irgendwie kennen und der Inspektor schon die ganze Zeit weiß, dass der "Gerissene" hinter allem steckt.

Der Fälscher ist ein eher behutsam beginnender Film, der ähnlich wie der Roman, eine Weile braucht, um in Gang zu kommen. Da hätte man tatsächlich etwas mehr herausholen können. Ein paar mehr Szenen wie am Ende, schön gruselig inszeniert, wären auch zwischendurch mal angezeigt gewesen, besonders etwa wenn der Unbekannte durch die stillgelegte Fabrik und den dort befindlichen Fahrstuhl sein Hauptquartier betritt (woher kannte das die Polizei überhaupt?). Leider wurde da etwas verschenkt, gerade das erste Drittel des Filmes ist zu gemächlich.
Aber trotz aller Kritik - der Fälscher ist für mich ein Film, den ich mir immer wieder gerne anschaue, hat fast schon was Familiäres . Die unheimliche bedrohliche Atmosphäre, auch ohne viele Tote, ist unübertroffen.

Persönliche Wertung: 4,5 von 5 Punkten

Archibald Finch Offline




Beiträge: 30

07.01.2019 10:10
#201 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Der Fälscher von London ist für mich ein Film der schon seinen eigenen Stil hat. Als ich ihn vor Jahren das erste mal sah, habe ich ihn nicht richtig verstanden und musste ihn dann gleich nochmal anschauen. Der Film ist für mich ein echt uhriger Wallace, so blieb er mir immer im Gedächtnis. Siegfried Lowitz als Inspektor sowie Karin Dor als Ehefrau eines vielleicht verrückten, der zumindest so hingestellt werden soll, gefallen mir sehr gut in ihren Rollen, auch Hellumt Lange spielt seine Rolle gut. Die Sache um den Herrn Bloomberg hat mich immer verwirrt, man muss den Film genauest schauen und wenn man ihn versteht ist er super. Eddi Agent hat hier wohl seine kleinste Rolle in einem Wallace Film.
Mir gefällt dieser Film. Gebe 4 von 5 Punkten

Giacco Offline



Beiträge: 2.322

07.01.2019 14:28
#202 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Tremor im Beitrag #24

Zunächst mal ist es seltsam, dass sich die typische Wallaceschönheit für einen Verwandten (im Roman: Ihren Vater) prostituieren will (sogar einschließlich Eheschließung)


Was ist daran seltsam? So etwas nennt man Vernunftehe oder Geldheirat. Das gab es zu allen Zeiten.

Wallacefreund Offline




Beiträge: 241

08.01.2019 00:03
#203 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Ein von mir vor Jahren noch unterschätzter Wallace. Ein Film der insgesamt spannend ist und eine gute Besetzung zu bieten hat. Lowitz gefällt mir wie schon im Frosch als Ermittler mit seiner Art gut, U. Beiger für mich bei Wallace ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Das Schloss ist samt Schlosspark eine starke Location, besonders die Nacht Aufnahmen sind toll. Der Soundtrack ist für mich der Beste der ganzen Serie. E. Arents Auftritt wirkte so, als ob er unbedingt dabei sein musste, was dem Gesamteindruck des Films jedoch keinen Abbruch tut. Insgesamt ein spannender, gut besetzter Wallace.
Am Ende 4 von 5 Punkten.

Jan Offline




Beiträge: 1.752

08.01.2019 10:53
#204 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #33

Erst behauptet Dr. Wells, er könne sich nicht an jede ausgegebene Banknote erinnern, dann weiß er plötzlich, dass sie von Peter Clifton stammt. Wie kann er das eigentlich so genau sagen, und vor allem, warum hat er sie abgestempelt ?

Dass sich Dr. Wells auf einmal recht sicher ist, den "falschen Fuffziger" von Peter Clifton erhalten zu haben, habe ich mir immer damit erklärt, dass sich Wells in Sachen Erbschleicherei durchaus selbständig macht und wohl dem Plan hinterher hängt, Peter unmündig bzw. wenigstens kriminell zu machen, um dann nach einer Verhaftung oder Einweisung an dessen Stelle an der Seite Janes treten zu können. Wells' Frau, die ihren scheinheiligen Gatten offenbar recht gut durchschaut, bemerkt ja auch durchaus süffisant, dass der Doktor seine Wirkung auf Frauen nicht überschätzen solle. Auch der gekaufte Arzt, den Wells auffährt, um Peter als geisteskrank beurteilen zu lassen, ist ja so eine Methode, Peter aus dem Weg zu schaffen.

Gruß
Jan

Count Villain Offline




Beiträge: 4.580

08.01.2019 12:35
#205 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Das halte ich für eine sinnvolle Erklärung. Dr. Wells markiert den Schein, um Peter damit kompromittieren zu können, sollte er als falsch erkannt werden. So habe ich das zumindest auch immer verstanden.

Tremor Offline



Beiträge: 129

08.01.2019 17:52
#206 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

@ Giacco:

So wie es beispielsweise auch Gattenmorde schon in alten Zeiten gab, was aber für die bedrohte Unschuld in einem Wallacefilm ebenso untypisch wäre.

Giacco Offline



Beiträge: 2.322

08.01.2019 19:13
#207 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Tremor im Beitrag #39
@ Giacco:

So wie es beispielsweise auch Gattenmorde schon in alten Zeiten gab, was aber für die bedrohte Unschuld in einem Wallacefilm ebenso untypisch wäre.


Dann wäre sie ja auch eine Mörderin und keine bedrohte Unschuld.

Tremor Offline



Beiträge: 129

08.01.2019 19:44
#208 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Eine Unschuld wäre sie auch nach der ersten Hochzeitsnacht nicht mehr, wenn Peter Clifton ein schlechterer Mensch wäre.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.514

09.01.2019 19:58
#209 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

"Der Fälscher von London" ist im Rahmen der "WdW"-Sichtungen bis dato der Film, der mich am positivsten überrascht hat. Vielleicht lag es an der exzellenten Bildqualität der Blu-ray, aber so viel Freude wie diesmal hat mir der Gerissene zuvor noch nie bereitet. Vielleicht erfüllt der Film tatsächlich nicht die Erwartungen, die Ottonormalzuschauer an einen Wallace-Film stellt - ein Ausbund an Hochspannung ist der "Fälscher" nun nicht gerade, und das hat mich früher immer gestört. Aber die Inszenierung von Reinl ist tatsächlich elegant und nahezu makellos, die Kameraarbeit von Löb exzellent. Ich hatte speziell nach Jans Einlassungen darauf geachtet - visuell erinnert der Film an einen Vohrer-Wallace. Die seltene Kombination Reinl/Löb gab es später nur noch in einem anderen Krimi - dem nur wenige Monate später gedrehten "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse".

Bssonders die Darsteller machen den "Fälscher" so sehenswert. Speziell die Gastspiele von de Kowa und Graf werten das Geschehen auf und verleihen der Produktion eine markante und individuelle Note. Auch Hellmut Lange macht seine Sache sehr gut. Karin Dor spielt ebenso hervorragend und glaubwürdig wie im "Bogenschützen". Ein Fest ist der Film in der zweiten Hälfte freilich für alle Lowitz-Fans. Mag sein, dass die Kritik des Counts zutrifft. Dadurch, dass Bourke so überzeugt von Peter Cliftons Unschuld ist, vermutet man alsbald, dass diesem übel mitgespielt wird. Aber wie Lowitz das Heft des Handelns an sich reißt und den Zuschauer quasi an die Hand nimmt, das bereitet ganz großes Vergnügen. Absoluter Höhepunkt ist der Besuch von Bourke bei Dr. Wells. Sigrid von Richthofen übertreibt es sicherlich mit ihrer Theatralik, aber letztere passt durchaus zu ihrer Rolle und wirkt auf mich nicht unbedingt störend.

Die Musik aus der Feder Martin Böttchers hebt die Kultur des Wallace-Soundtracks auf eine neue Ebene. Für den besten Score der Serie halte ich die Klänge zwar nicht, aber sie sind zweifelsohne ikonisch und funktionieren auch ohne Filmbild bestens. Allerdings hat Gubanov nicht ganz unrecht, wenn er bemängelt, dass in einigen Szenen suspense-fördernde Musik keinesfalls geschadet hätte. Dass Böttcher auch "Spannungsmusik" konnte, beweisen Winnetou- und spätere Wallace-Filme.

Ein wenig störend wirken die Archiv-Aufnahmen aus Ascot in der Eröffnungssequenz (deutlich erkennbar aus dem Jahre 1958) - auf der Blu-ray umso mehr, da der Qualitätsunterschied im Vergleich zu den Orginal-Filmbildern nun noch deutlicher ins Auge schießt. Und so schön die Speicherstadt auch ist - sie ist einfach zu charakteristisch, um als London durchzugehen. Das stört zumindest mich als Hamburger enorm, da man sofort mit der Nase darauf gestoßen wird, wo Blonbergs Quartier in Wirklichkeit steht. Und warum wurde Otto Collin (höchst mäßig) nachsynchronisiert? Das kann man sich eigentlich nur mit einer plötzlich aufgetretenen Heiserkeit oder etwas ähnlichem erklären.

Bliebe noch die ewige Frage, ob Eddi Arent denn nun auch den Organisten Miller gespielt hat. Einen endgültigen Beweis gibt es natürlich nicht, aber ich bin der Meinung, dass der Organist einfach nicht Arents Augen besitzt. Und warum sollte man sich die Mühe machen, für Arent eine extrem aufwendige Maske zu entwerfen, nur damit man ihn nicht erkennt? Das spräche doch gegen die Produktionsökonomie der Wallace-Filme. Zudem wären zusätzliche Drehtage Arents sicherlich teurer gewesen, als die eines Kleindarstellers aus dem NDR-Fundus. Nun ja - dass wir wohl nie endgültige Klarheit darüber haben werden, hat ja auch einen gewissen Reiz.

Ray Offline



Beiträge: 1.879

09.01.2019 22:16
#210 RE: Wallace der Woche (08): Der Fälscher von London (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Marmstorfer im Beitrag #42
Bliebe noch die ewige Frage, ob Eddi Arent denn nun auch den Organisten Miller gespielt hat. Einen endgültigen Beweis gibt es natürlich nicht, aber ich bin der Meinung, dass der Organist einfach nicht Arents Augen besitzt. Und warum sollte man sich die Mühe machen, für Arent eine extrem aufwendige Maske zu entwerfen, nur damit man ihn nicht erkennt? Das spräche doch gegen die Produktionsökonomie der Wallace-Filme. Zudem wären zusätzliche Drehtage Arents sicherlich teurer gewesen, als die eines Kleindarstellers aus dem NDR-Fundus. Nun ja - dass wir wohl nie endgültige Klarheit darüber haben werden, hat ja auch einen gewissen Reiz.


Ich war in dem regulären Thread mal über diese Diskussion gestolpert und muss sagen, dass ich wohl nie darauf gekommen wäre, dass da Arent drunter stecken könnte. Ich kann es mir, nachdem ich bei der letzten Sichtung nochmal genauer drauf geachtet habe, auch ehrlich gesagt nicht wirklich vorstellen. Zunächst wie von dir angesprochen die Aufwändigkeit der Maske. Aufwand und Ertrag stünden in keinem Verhältnis, zumal wenn man die Katze aus Promo-Gründen dann nicht doch aus dem Sack lässt irgendwann. Spätestens im mit Anekdoten reich bestückten Tses-Buch hätte das sicher seine Erwähnung gefunden, zumal der Autor gerade mit Arent offenbar eng in Kontakt stand.


Ansonsten war auch ich von dem Detailreichtum der Blu-Ray-Fassung begeistert. Gerade die Szenen rund ums Schloss gewinnen noch mehr, man erkennt wirklich jeden einzelenen Grashalm.


Btw:

Zitat von Ray im Beitrag #28
Unklarheit herrscht bei mir traditionell, von welchem Mann Jane in der ersten Nacht heimgesucht wird. Ist das auch Wells oder Basil Hale? Clifton kann es nach dem Verlauf der Handlung ja nicht sein.


Kann niemand Licht ins Dunkle bringen? Oder ist die Antwort so offensichtlich?

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