Zitat von Havi17 im Beitrag #225Das Ende vom "Fälscher" ist im Roman eigentlich viel zu schnell und undramatisch zusammengeschoben. Das ist im Film wesentlich besser geglückt. "Der Fälscher" gefällt mir beim wiederholten ansehen immer besser, wie ein alter guter Wein.
Die Unterschiede beim Ende sind für mich nicht ganz so dramatisch (siehe den Beitrag im Roman-Thread). In dieser Hinsicht erscheinen sie mir eher beim Anfang deutlicher, da (siehe frühere Beiträge) das eher schwerfällige erste Drittel des Romans geschickt gestrafft wurde, indem der Drehbuchautor einige Szenen erfand, die so nicht im Buch vorkamen, aber die Figuren und ihr Verhältnis zueinander viel knapper vorstellte. Siehst du das nach der Lektüre auch so?
Das ist natürlich Geschmackssache, was der Drehbuchautor gut oder eben nicht umgesetzt hat. Ich finde die Handlung im Film insgesamt gestrafft und eben klarer pointiert als im Buch. Die wankelmütige Marjorie ist nur ein Beispiel was mir einfach nicht realistisch genug erscheint und die Handlung verwässert.
Dann setzen wir die Diskussion aus dem anderen Thread hier mal fort.
Zitat
Zitat von Savini im Beitrag Stilelemente in Wallace-RomanenIm "Fälscher von London" sehen wir Peter Clifton zwar an einer Druckerpresse Geld fälschen und finden ihn später blutbefleckt und mit einer Mordwaffe in der Hand vor; daneben besetzte man ihn hier bewusst mit einem Schauspieler ohne klares Image (Hellmut Lange). Aber zuvor gab es (anders als im Roman) eine Szene, in der Basil Hale in Blonbergs Büro bestellt wird und man als Zuschauer erfährt, dass eine Verschwörung gegen die Cliftons existiert.
So, aus erster Filmanschauungs-Hand: Die Szene mit Basil bei Blonberg ist zwar davor, aber ihm wird nur gesagt, er solle die Finger von Jane lassen, denn mit der habe er andere Pläne. Das macht Peter nicht per se unverdächtig. Man hat ihn zwar kurz vorher mit dem Auto vorbeifahren sehen, aber es kann ja auch ein Mittels- oder Strohmann hinter dem Spiegel sitzen.
Ich finde, der Film schafft es sehr gut, durchgehend ein Gefühl der Ungewissheit in Bezug auf Peter Clifton aufrechtzuerhalten. Ist er geisteskrank oder nicht? Ist er ein Fälscher oder ein Mörder? Gar beides? Ist er der große Boss im Hintergrund oder nur einer seiner Handlanger? Über weite Strecken des Films scheint jede denkbare Kombination möglich zu sein. Und auch wenn sich der Film mit zunehmender Laufzeit immer mehr Pro-Peter entwickelt, erhält die eigene Sicherheit kurz vor Schluss noch einmal einen großen Dämpfer, als er am Ende in die Falle der Polizei tappt.
Die größte Frage bleibt für mich allerdings immer noch: Woher nimmt Bourke seine Gewissheit in Sachen Peter? Er muss wohl schon ziemlich viel Wissen über den Gerissenen zusammengetragen haben, das dem Zuschauer verborgen bleibt. Der "Bomben-Bourke" eben.
Niedlich ist ja die Großaufnahme der Zeitung nach dem Mord an Basil Hale: Nur der Mordartikel ist auf deutsch, der Rest der Zeitung englisch. Und der Artikeltext besteht aus einem wahllos genommenen Text, der auch noch überall abgeschnitten ist.
Zitat von Count Villain im Beitrag #228Ich finde, der Film schafft es sehr gut, durchgehend ein Gefühl der Ungewissheit in Bezug auf Peter Clifton aufrechtzuerhalten. Ist er geisteskrank oder nicht? Ist er ein Fälscher oder ein Mörder? Gar beides? Ist er der große Boss im Hintergrund oder nur einer seiner Handlanger? Über weite Strecken des Films scheint jede denkbare Kombination möglich zu sein.
Ich kannte zwar das Buch vor dem Film (siehe den Beitrag aus einem anderen Thread) und bin insofern befangen; aber trotzdem finde ich, dass man sich aus der ersten Blonberg-Szene schon zusammenreimen kann, dass eine Verschwörung gegen das junge Paar im Gange ist. Denn was für "Pläne" sollte man ansonsten mit Jane haben, NACHDEM sie mit Peter Clifton verheiratet wurde?
Zitat von Count Villain im Beitrag #228Die größte Frage bleibt für mich allerdings immer noch: Woher nimmt Bourke seine Gewissheit in Sachen Peter? Er muss wohl schon ziemlich viel Wissen über den Gerissenen zusammengetragen haben, das dem Zuschauer verborgen bleibt. Der "Bomben-Bourke" eben.
Naja, die Sache mit der Zeitung, die Stunden vor Entdeckung des Mordes bereits einen Tipp erhielt, war schon ein Wink mit dem Zaunpfahl für jemanden, der nicht von vornherein gegen Clifton eingenommen war; und nach dem Mord an Radlow merkt er ja auch an, dass Mörder die Tatwaffe oder das eigene Zigarettenetui normalerweise ncht am Tatort zurücklassen würden - es sei denn, um eine falsche Spur zu legen. Und zusätzlich noch, dass die Zigaretten eine Marke gewesen seien, die Clifton gar nicht rauchen würde.
Zitat von Count Villain im Beitrag #228Niedlich ist ja die Großaufnahme der Zeitung nach dem Mord an Basil Hale: Nur der Mordartikel ist auf deutsch, der Rest der Zeitung englisch. Und der Artikeltext besteht aus einem wahllos genommenen Text, der auch noch überall abgeschnitten ist.
So etwas fällt natürlich nur auf, wenn man den Film entweder schon öfter gesehen hat oder (bereits ab dem Zeitalter der VHS-Mitschnitte) die Möglichkeit hat, das Bild anzuhalten. Die Kombination einer deutschen Überschrift in einer ansonsten englischen Zeitungsausgabe sollte es aber Jahre später im "Verrätertor" erneut geben.
Zitat von Savini im Beitrag #229So etwas fällt natürlich nur auf, wenn man den Film entweder schon öfter gesehen hat oder (bereits ab dem Zeitalter der VHS-Mitschnitte) die Möglichkeit hat, das Bild anzuhalten.
Kann man auch gut bei der einen Seite von Radlow und dem Tagebuch aus dem Safe machen. Ist ganz interessant, was dort so steht!
Zitat von Savini im Beitrag #229Ich kannte zwar das Buch vor dem Film (siehe den Beitrag aus einem anderen Thread) und bin insofern befangen; aber trotzdem finde ich, dass man sich aus der ersten Blonberg-Szene schon zusammenreimen kann, dass eine Verschwörung gegen das junge Paar im Gange ist. Denn was für "Pläne" sollte man ansonsten mit Jane haben, NACHDEM sie mit Peter Clifton verheiratet wurde?
Es gibt genug Pläne mit Jane, die nicht beinhalten, dass Basil sie stalkt. Zum Beispiel die Frau ganz für sich alleine haben wollen.
Zitat von Savini im Beitrag #229Naja, die Sache mit der Zeitung, die Stunden vor Entdeckung des Mordes bereits einen Tipp erhielt, war schon ein Wink mit dem Zaunpfahl für jemanden, der nicht von vornherein gegen Clifton eingenommen war; und nach dem Mord an Radlow merkt er ja auch an, dass Mörder die Tatwaffe oder das eigene Zigarettenetui normalerweise ncht am Tatort zurücklassen würden - es sei denn, um eine falsche Spur zu legen. Und zusätzlich noch, dass die Zigaretten eine Marke gewesen seien, die Clifton gar nicht rauchen würde
Ja, die Zeitung ist schon ein Hinweis. Auch wenn der anonyme Hinweisgeber lediglich ein Zeuge sein kann oder Peter selbst in geistiger Umnachtung. Wobei ich mich gerade frage, was das eigentlich für eine unseriöse Zeitung sein muss, die auf bloßen Hinweis eines Unbekannten bereits eine Schlagzeile daraus macht, ohne die Information zu verifizieren. Das hätte für den Verleger auch nach hinten losgehen können.
Und Radlow war ja erst, nachdem Bourke bereits (falsches) Beweismaterial hat verschwinden lassen. Das wird er schließlich auch nicht grundlos getan haben. Zumal der Hammer die tatsächliche Mordwaffe war. Auch eine interessante Frage, ob es wirklich Basils Blut an dem Hemd und an Peter war und wie das letztendlich darauf gekommen ist. Das wäre sicher eine schöne Columbo-Episode gewesen, Dr. Wells dabei zuzusehen, wie er alles so herrichtet, dass es auf Peter hindeutet.
Zitat von Count Villain im Beitrag #230Es gibt genug Pläne mit Jane, die nicht beinhalten, dass Basil sie stalkt. Zum Beispiel die Frau ganz für sich alleine haben wollen.
Klar; aber dafür bräuchte man nicht unbedingt eine Verschwörung (zumindest, sobald die Ehe geschlossen wurde).
Zitat von Count Villain im Beitrag #230Wobei ich mich gerade frage, was das eigentlich für eine unseriöse Zeitung sein muss, die auf bloßen Hinweis eines Unbekannten bereits eine Schlagzeile daraus macht, ohne die Information zu verifizieren. Das hätte für den Verleger auch nach hinten losgehen können.
1948 gab es bekanntlich den legendären Fall, dass eine Zeitung falsch die Niederlage des Präsidenten bei seiner Wiederwahl verkündete und Exemplare in den Handel gelangten - eines davon präsentierte der "Verlierer" dann triumphierend:https://de.wikipedia.org/wiki/Dewey_Defeats_Truman
Zitat von Count Villain im Beitrag #230Auch eine interessante Frage, ob es wirklich Basils Blut an dem Hemd und an Peter war und wie das letztendlich darauf gekommen ist. Das wäre sicher eine schöne Columbo-Episode gewesen, Dr. Wells dabei zuzusehen, wie er alles so herrichtet, dass es auf Peter hindeutet.
Vor der Einführung des "genetischen Fingerabdrucks" dürfte es sicher nicht möglich gewesen sein, Blutspuren einer bestimmten Person zuzuordnen; man hätte allenfalls überprüfen können, ob es sich um dieselbe Blutgruppe handelt. Vermutlich hat Dr. Wells diese vorab unter einem Vorwand herausgefunden und sich die passenden Blutkonserven beschafft; für ihn als Arzt war beides sicher kein Problem. Den betäubten Clifton damit zu beschmieren und ihm die Mordwaffe in die Hand zu drücken war sicher einfacher als ihn in den Park und wieder zurück ins Schloss zu schleppen; oder auch nur, ihm nach der Tat ein Hemd überzuziehen, das zuvor mit der Leiche in Kontakt gekommen war.
Zitat von Savini im Beitrag #231Klar; aber dafür bräuchte man nicht unbedingt eine Verschwörung (zumindest, sobald die Ehe geschlossen wurde).
Basil soll die Finger von ihr lassen, da "Blonberg" eigene Pläne mit Jane hat. Mehr wird nicht gesagt. Für mich ist das unbestimmt genug, damit alles in der Schwebe bleibt. Daraus eine Verschwörung gegen das gesamte Paar abzuleiten, ist zwar möglich, aber zu dem Zeitpunkt im Film nicht zwingend. Zumal ja eigentlich auch noch nicht klar ist, dass hinter der Scheibe wirklich der Gerissene sitzt. Peter kann ja trotz Verschwörung gegen ihn bzw. seine Frau ein Fälscher und/oder potentieller Mörder sein. Aber man kann sicher festhalten, dass der Film auf jeden Fall ausreichend fair zum Zuschauer ist, was das Täterrätsel angeht.
Im Roman hat die ziemlich verrückte Mrs. Untersohn auch irgendwann im ersten Drittel eine Unterredung mit einem geheimnisvollen Geldverleiher namens Blonberg. Der sitzt in seinem dunklen Büro hinter einem Drahtverschlag, analog zum Film mit dem Einwegspiegel, und warnt sie, auf ihren unartigen Sohn aufzupassen. Der Unbekannte hätte aber auch Peter sein können, welcher seinen Konkurrenten Hale loswerden will, obgleich man natürlich ahnt, dass alles viel verwickelter ist. Ist in dieser Hinsicht doch noch sehr werkgetreu.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #233Im Roman hat die ziemlich verrückte Mrs. Untersohn auch irgendwann im ersten Drittel eine Unterredung mit einem geheimnisvollen Geldverleiher namens Blonberg. Der sitzt in seinem dunklen Büro hinter einem Drahtverschlag, analog zum Film mit dem Einwegspiegel, und warnt sie, auf ihren unartigen Sohn aufzupassen. Der Unbekannte hätte aber auch Peter sein können, welcher seinen Konkurrenten Hale loswerden will, obgleich man natürlich ahnt, dass alles viel verwickelter ist.
Im Roman ist diese Stelle übrigens der erste größere Bruch bei der Erzählperspektive, nachdem man zuvor sehr lange die Dinge allein aus der Sicht von Jane verfolgt hat. Für die Verfilmung hat man praktischerweise zwei Sachen kombiniert: Die Drohung durch Blonberg und die anschließende Information mittels einer Schlagzeile, dass ihr Sohn ermordet aufgefunden wurde (im Roman erfolgt Letzteres erst am nächsten Morgen).