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 Film- und Fernsehklassiker international
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Peter Offline




Beiträge: 2.795

30.01.2017 19:08
#241 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Zitat von Lord Peter im Beitrag #240
... Wußte ich zwar schon, aber der genaue Termin fehlte mir noch, danke!...

So ging es mir auch, und ich freue mich ja schon seit langem darauf. Nun weiß ich also, dass die VÖ auf meinen Geburtstag fällt. Es gab schon schlimmere Termine...

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

01.02.2017 12:30
#242 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Bruno Cremer erstmal als willkommener Gast im Rupert-Davies-Thread. Er verdient
demnächst einen eigenen: >Bruno Cremer als "Kommissar Maigret" (auf DVD!)<

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Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

01.02.2017 12:38
#243 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

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Von dem, was Kommissar Maigret im Film peu à peu aufdeckt, nimmt dieser Beitrag schon viel vorweg. Wer das nicht mag, sollte sich lieber erst den Film anschauen und danach diesen Text lesen (Spoiler!).

Die Familie le Cloaguen lebt in einer geräumigen und noblen Villa an der Südküste Frankreichs, in Saint-Raphaël: Madame le Cloaguen mit ihrem Mann Octave, der Kapitän bei einer westafrikanischen Dampfschifffahrtslinie ist, und deren Tochter Giselle. Der Captain, vom Typ her ein ausgesprochener Egoist, hält die beiden recht knapp, denn er steckt fast all sein Einkommen in seine Rente, schließlich auch sein Aktienvermögen. Lange kommt er allerdings nicht in den Genuss dieser Rente, denn er verstirbt schon bald - an einem schweren Leberleiden.

Madame le Cloaguen sieht sich und ihre Tochter nun vor dem Nichts. Sie will unbedingt, dass die Rente weiterhin ausgezahlt wird. Darum hält sie den Tod ihres Mannes geheim und begräbt die Leiche im Keller. Die Familie zieht daraufhin sofort um, nach Paris, Boulevard Clichy, in eine kleinere Wohnung.

An die Stelle des Captains tritt nun ein "Double", den Madame von der Straße her aufgelesen hat, ein alter Vagabund, der das Spiel gerne mitmacht, wenn doch Unterkunft, Verpflegung und zudem ein Taschengeld von 15 Franc die Woche dabei herausspringt. In der Wohnung weist man ihm einen eigenen kleinen Raum zu, der eher einer Zelle gleicht, sogar mit Riegel versehen. Dieser Alte wird den Pariser Behörden als Octave le Cloaguen präsentiert, obwohl er eigentlich viel zu klein ist und sein Gesicht anders aussieht als das des echten Captains. Der Ausweis ist gefälscht. Die veränderte Unterschrift, die er beispielsweise auf Rentenquittungen zum Besten geben muss, wird dadurch plausibel gemacht, dass seine Schreibhand durch ein Malheur beim Holzhacken für immer verstellt sei. Deshalb müsse er den Wickelverband an der Hand tragen. Seine anscheinende Verwirrtheit und Verrücktheit, wegen der man zweckmäßigerweise keine klaren Antworten von ihm erwarten kann, wird mit einem Schlaganfall, auch aus der Saint-Raphaël-Zeit, begründet.

Dieser alte Mann besucht - wenn er nicht nach dem Entwischen aus seiner Zwangs-Kajüte gewohnheitsmäßig in den Pariser Straßen herumstreunt - ab und zu seine eigene Tochter, Marie, die unter dem Namen Jeanne Picard in der Rue Coulaincourt als Wahrsagerin ihre Croissants verdient, jedenfalls einen Teil ihres Verdienstes. Denn ein Zusatzeinkommen beschert ihr die Funktion als Spitzel. Gelegentlich gibt sie vielversprechende Informationen von Kunden, die sich ihr anvertrauen und von ihr wahrsagen lassen, weiter an einen Erpresserring. Jetzt erfährt sie von ihrem eigenen Vater dessen Double-Dasein und die ganze Betrugsaffaire der Familie le Cloaguen. Die Erpresser schlagen schnell zu und kassieren gleich beim erstenmal 50.000 Franc von Madame, die darüber verbittert und es dem Alten sofort spürbar schlechter ergehen lässt. Deshalb will die Wahrsagerin, die Erpressung solle aufhören, ansonsten würde sie die Sache auffliegen lassen. Sie weiß wahrscheinlich nicht, mit wem sie sich da eingelassen hat - und dass sie bereits in Lebensgefahr schwebt. Die Polizei erhält unterdessen einen schriftlichen Hinweis: "Die Wahrsagerin ist zum Tode verurteilt, Samstag Punkt drei Uhr!", unterzeichnet mit "Picpus" ...

"Unterschrieben Picpus" ist denn auch - wörtlich übersetzt - der Originaltitel des Kriminalromans, der diesem Film zur Vorlage diente. Von Georges Simenon.

"Maigret und die Wahrsagerin" (OT: "The Crystal Ball", BBC tv, 1962). Fernsehfilm nach dem Originalroman "Signé Picpus" von Georges Simenon. Dramatisierung: Roger East. Mit Rupert Davies (Maigret), Helen Shingler (Madame Maigret), Ewen Solon (Lucas), Neville Jason (Lapointe), Veronica Turleigh (Madame le Cloaguen), Deirdre Doone (Giselle), Tristram Butt (der "Captain"), Phyllis Montefiore (Wahrsagerin), Neal Arden (Blaise), John Barrett (Isadore), Robert Bernal (Mascouvin), Peter Brett (Justin), Joan Duan (Madame Roy), Linda Gardner (Emma), Gerald James (Drouin), John Kidd (Inspektor Larouche) und anderen. Französische Studioausstattung: Eileen Diss. Musik der deutschen Fassung: Ernst August Quelle. Regie: John Harrison.

Der Film wurde 3x im bundesdeutschen Fernsehen gezeigt: Samstag, 10. Juli 1965, 21.00 Uhr, 2. Programm. Samstag, 21. Oktober 1967, 17.05 Uhr, 2. Programm. Mittwoch, 8. November 1967, 10.20 Uhr, 1. Programm. Nur das 1. präsentierte damals ein Vormittagsprogramm, welches aber aufgeteilt war in Sendungen aus der ARD und aus dem ZDF.

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

02.02.2017 18:53
#244 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

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Wenn man aus dem Fenster von Maigrets Arbeitsplatz schaut, sieht man entfernt einen Teil der Hausfassaden am anderen Ufer der Seine. Ist die Kamera etwas höher als Kopfhöhe positioniert (Foto 5), rückt die Seine selbst mit ins Bild. Die Fensteraussicht nach links ist versperrt durch eine Außenwand des übrigen Kommissariatgebäudes.

Diese Ausblicke geben zwar Hinweise, wo Maigrets Arbeitszimmer in dieser Serie angesiedelt ist, ganz klar wird das aber erst durch Außenansichten (Fotos 6 - 8). In "Maigret als Zuschauer" schaut Maigret von außen auf sein "Büro", in dem Inspektor Lucas einen Fall ohne Maigrets Anwesenheit allein zu lösen versucht, auch in Nachtarbeit. Das Fenster Maigrets ist in der Nacht als einziges von Lampenlicht erhellt, die Position des Verhörzimmers wird eindeutig gezeigt.

In genau dem Raum wurden die Filmaufnahmen sicher nie gemacht. Maigrets Büro - und das angrenzende Inspektorenzimmer - gab es nur als Nachbildungen in den Londoner BBC-Studios. Durch das Fenster blickte man nicht auf die originalen Hausfassaden und auf die Seine, sondern auf ein beleuchtetes Großfoto davon. Maigrets Arbeitsplatz war aber von Serienbeginn bis zum Ende fest konzipiert. Es ist überhaupt fast ein Wunder, dass diese Serie außergewöhnlich viel Standhaftigkeit über 4 Entstehungsjahre hinweg (1960 - 63) durchgehalten hat: Alle Mitarbeiter Maigrets blieben bis zur 52. Folge am Ball (Inspektor Torrance stirbt allerdings in Folge 51 den Drehbuchtod), auch verlor oder wechselte Maigret in dieser Serie nie seine Frau, die selbst dann bei den Zuschauern im Geiste präsent ist, wenn sie, in 22 oder 23 Folgen, überhaupt nicht persönlich in Erscheinung tritt. Anmerkung: Die "4 Entstehungsjahre" enthalten 3 halbjährige "Semesterferien" zwischen den 4 Staffeln, so dass die eigentliche Drehzeit zweieinhalb Jahre betrug.

In den Romanen, die es anfänglich ja schon seit den 30er Jahren gibt, wird öfters der in kalten Wintern ständig bullernde und einheimelnde gusseiserne Kohleofen mit dem Ofenrohr erwähnt. Maigret stochert vor Wut oder wegen innerer Spannungen, wenn die Aufklärung eines Falles ins Stocken geraten ist, mit dem Schürhaken im Feuer herum, bis dass der Ofen zum Bersten glüht. In dieser Serie gibt es diesen berühmten Bullerofen nicht, sie wurde gegenwartsbezogen gedreht, die Büros haben Zentralheizung, wie man auf den obigen Fotos sieht. Die Gegenwartsbezogenheit wird dadurch noch unterstrichen, dass manchmal, im Hintergrund, ein wie zufällig gezeigter Tageskalender an der Wand sozusagen den tatsächlichen Drehtag dokumentiert. In der Serie mit Gino Cervi gibt es übrigens den Kohleofen, Bruno Cremer hingegen hat auch Zentralheizung.
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Foto 1 aus "Maigret und die Wahrsagerin". Fotos 2 - 5 aus "Maigret und die Tänzerin Arlette" (erste Folge). Fotos 6 - 8 aus "Maigret als Zuschauer" (letzte Folge). Quelle Panorama-Farbbild: Street View / Google Maps.

Und hier der Link, um sich dort hinzubeamen, um einen kleinen Spaziergang zu machen am Quai des Orvèvres:

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Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

08.02.2017 13:29
#245 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

Ein paar zusätzliche Szenenbilder - mit Madame Maigret (Helen Shingler) -
aus "Maigret und die Wahrsagerin":
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Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

14.02.2017 21:05
#246 RE: Rupert Davies als "Kommissar Maigret" (auf DVD!) Zitat · antworten

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Als "Maigret" Anfang der 60er Jahre ganz neu im englischen Fernsehen lief, waren die Hauptdarsteller der Serie äußerst populär. Als besondere Attraktion bei Einweihungen - etwa von Krankenhäusern - waren sie eingeladen, um das symbolische Trennband mit der Schere publikumswirksam zu durchschneiden. Das traf vor allem auf Rupert Davies zu, der etlichen Eröffnungen von Straßen, Plätzen und Hospitälern ehrenamtlich ein besonderes Gewicht verlieh.

Aber auch Madame Maigret Helen Shingler (Shingler ist ihr Künstlername, ihr bürgerlicher Name: Head of Hampton) war in dieser Hinsicht sehr gefragt. Zum Beispiel gab es am 2. Juni 1962 eine öffentliche Feier aus Anlass der Präsentation des Verbesserungsplanes des Teddington Memorial Hospitals in Twickenham, einem westlichen Vorort von London, und Helen Shingler verteilte die Preise, die es bei der Feier zu gewinnen gab und ließ sich vom lokalen Blatt für die Juni-Ausgabe interviewen. Es ist das einzige Interview mit ihr, das ich je gelesen habe, auch scheinen Farbfotos von ihr als Madame Maigret äußerst rar zu sein. Das obige stammt aus der Zeitschrift "The Australian Women's Weekly" vom 16. Oktober 1963.

Das Interview initiierte Sheila Purcell. Auf die Frage, wie Helen denn die Rolle der Madame Maigret bekommen hätte, bekam sie die Antwort, Madame Simenon hätte sie aus vielen Fotos herausgesucht. Das sei gar nicht so einfach gewesen, Denise Simenon musste sich die Bilder lange und ganz genau anschauen, bevor sie sich entschied. Zum Glück stellte sie danach erleichtert fest, dass ihr Mann, Georges, genau die gleiche Auswahl getroffen hatte. Man war sich einig: Helen schaute wirklich wie eine schicke Französin aus. Es gab daraufhin auch persönliche Treffs mit den Simenons, die sie beide als charmant beschrieb.

"Madame Maigret benötigt alle idealen Qualitäten einer Detektiv-Frau," kommentierte Helen Shingler. "Sie mischt sich niemals in die Arbeit ihres Mannes ein, ist aber immer bereit zu helfen und zu beraten. Tatsächlich ähnelt mir Madame Maigret in mancherlei Hinsicht. Wir haben viele gemeinsame Eigenschaften, wir lieben beide das Kochen, die Wohnung herzurichten und die Gartenarbeit. Obwohl Madame Maigret häufig nur für einen Moment auftritt, hilft sie ihrem Mann manchmal bei der Aufklärung eines Falles durch eine zufällige Bemerkung oder Handlung. Dann merke ich, dass ich wirklich nützlich gewesen bin."

Es gäbe Außenszenen für die Serie, die direkt vor Ort aufgenommen werden müssten, oft in dunklen Pariser Gassen oder am Ufer der Seine, erzählte Helen Shingler. Zum Beispiel würde sie an diesem Pfingst-Wochenende nach Frankreich reisen, so dass sie beim Aussteigen aus einem französischen Zug und beim Einkaufen auf einem typischen französischen Markt gefilmt werden könne. Innenaufnahmen würden in den riesigen Londoner Studios geprobt und aufgenommen werden, groß genug, um für all die Schauspieler, Techniker, Bühnendekorationen und andere Ausrüstungen Platz zu haben. Die Arbeit beginne am frühen Nachmittag, und obwohl Mme. Maigret vielleicht nur einen kurzen Auftritt hätte, müsse sie dort ständig anwesend sein, bis die Episode abgedreht sei, für den Fall, dass sie doch noch für eine weitere Aufnahme gebraucht werden würde. Das könne bedeuten, bis 10 Uhr spät oder gar bis Mitternacht dazubleiben.

Obgleich sie bei den Zuschauern jetzt wohlbekannt sei als die Frau des Detektivs, wäre sie kein Neuling beim Fernsehen, denn sie sei Schauspielerin seit ihrem 15. Lebensjahr. Gleich nach ihrer Schauspielausbildung spielte sie in Theaterstücken mit. Während des Krieges ging sie auf Tournee mit Tom Walls und spielte Possen, das zwar nicht so gerne, aber sie hätte unglaublich viel dabei gelernt, sagte sie. "Dann wurde ich für ABC Filme unter Vertrag genommen. Ein paar Jahre lang war das frustrierend für mich als Schauspielerin, weil mir die Theaterbühne sehr fehlte. Als der Vertrag auslief, arbeitete ich beim Arts Theater und danach fürs ITV Fernsehen mit Hattie Jacques und John Le Mesurier. Aber seitdem ich bei 'Maigret' mit dabei bin, habe ich keine andere Fernseh- oder Filmarbeit gemacht." In ihrer freien Zeit würde sie es genießen, ihr Hampton Landhaus weiter einzurichten und zu pflegen, das sie und ihr Ehemann zwei Jahre zuvor gekauft hatten, und sich um dessen großen Garten zu kümmern. "Es gibt einen großen Unterschied zwischen mir und Mme. Maigret," sagte sie mit einem Lächeln. "Die Maigrets haben keine Kinder. Ich habe zwei Söhne, 16 und 8 Jahre alt."

Sie würde noch nicht wissen, ob die Maigret-Serie, die zu der Zeit seit über zwei Jahren lief, ab November fortgesetzt werden würde, aber die BBC hätte die Schauspieler gefragt, ob sie bereit seien für ein weiteres Jahr. "Wir hoffen alle, dass es weitergeht," sagte Helen Shingler. "Vielleicht passiert es sogar, dass Madame Maigret ihrem Mann etwas mehr dabei helfen kann, Kriminalfälle zu lösen!"

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