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Dieses Thema hat 89 Antworten
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 Filmbewertungen
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Joe Walker Online




Beiträge: 738

15.07.2010 14:14
#46 RE: Bewertet: BEW - "Der Todesrächer von Soho" (12) Zitat · antworten

Zitat von Glasauge
Mit Vohrer als Co Regisseur wäre der Film vielleicht etwas geworden.

Witzig - Franco erwähnte mal in einem Interview, dass er diesen Film eher im Stil eines Alfred-Vohrer-Filmes inszeniert hat .

Gruß
Joe Walker

Blap Offline




Beiträge: 1.128

02.03.2011 12:09
#47 RE: Bewertet: BEW - "Der Todesrächer von Soho" (12) Zitat · antworten


Links das Cover der Box, rechts das Cover der DVD


Der Todesrächer von Soho (Deutschland, Spanien 1971, spanischer Titel: El muerto hace las maletas)

Horst im Zwielicht

In London geht die Angst um. Wer seinen Koffer gepackt vorfindet, endet wenig später mit einem Messer im Rücken. Inspector Rupert Redford (Fred Williams) baut auf die Hilfe seines Freundes Charles Barton (Horst Tappert), einem recht erfolgreichen Autor von Kriminalromanen. Doch Barton treibt seine eigenen Ermittlungen auf riskante Weise vorwärts, was in bald in grosse Gefahr bringt. In einem Nachtclub wird offenbar mit Drogen gehandelt, aber warum zeigt der Schriftsteller derartig grosses Interesse an den dortigen Umtrieben? Inspector Redford hat derweil ein Auge auf den windigen Mediziner Dr. Bladmore (Siegfried Schürenberg) geworfen, der zur Tatzeit stets in der Nähe der Opfer gewesen sein muss. Barton greift derweil zu radikalen Methoden, um der verruchten Celia (Barbara Rütting) Informationen zu entlocken...

"Der Todesrächer von Soho" ist gewissermaßen ein Remake des 1961 produzierten Streifens "Das Geheimnis der schwarzen Koffer". Der eher zähflüssige, von Werner Klingler inszenierte Vorläufer, wird von der Neuauflage ganz locker und lässig gedeckelt. Jess Franco erfreute bereits mit seinem Edgar Wallace Flick "Der Teufel kam aus Akasava", der innerhalb des "Wallace-Universums" ein echter Geheimtipp für aufgeschlossene Filmfreunde ist. Sein Beitrag zur "Bryan Edgar Wallace" Reihe fällt zwar deutlich hinter "Akasava" zurück, konnte mich aber trotzdem ansprechend (und vor allem sympathisch) unterhalten.

Zunächst fällt auf, dass Franco die Kamera weniger "pulsierend" einsetzt, als man es aus vielen anderen seiner Filme kennt. Mit Kameramann Manuel Merino arbeitete Franco -der bekanntlich auch gern selbst diesen Job übernahm- häufiger zusammen, ich mag seine kreativen und teils ungewöhnlichen Einstellungen sehr gern. Die musikalische Untermalung passt gut zum Treiben auf der Leinwand, die Kulissen weisen ab und an auf ein kleines Budget hin. Man schaue sich nur das angebliche Büro von Scotland Yard an, welches mehr nach Kellerräumen denn Behörde anmutet, aber dadurch umso knuffiger und liebenswerter wirkt.

Ein Schwachpunkt von "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" war nicht nur die biedere Inszenierung, sondern vor allem auch die sehr unscheinbare Besetzung. Da konnte selbst Senta Berger nicht viel retten, die erst wenige Jahre später in voller Schönheit erstrahlte. Jess Franco stand ein deutlich interessanteres Ensemble zur Verfügung, selbst kleinere Nebenrollen können für Begeisterung sorgen. Fred Williams (der als Friedrich Wilhelm Löcherer geboren wurde) war auch in "Der Teufel kam aus Akasava" in einer Hauptrolle zu sehen, seine Darbietung als leitender Ermittler überzeugt und wirkt erfrischend. Auch Horst Tappert wirkte in "Akasava" mit, seine Anwesenheit erfreut mich als Derrick-Fan natürlich sehr. Tapperts Rolle bietet mehr Raum zur Entfaltung, da er nicht wie Williams an die Fesseln eines Staatsdieners gebunden ist. Am herrlichsten finde ich Horst Tappert immer dann, wenn er sein schelmisches, breites Grinsen aufsetzt, welches er später in seiner Paraderolle Derrick perfektionierte. Barbara Rütting hat sogar einen ihrer besten Auftritte überhaupt! Die Rolle der kalten, bösartigen und verruchten Halbweltdame, passt perfekt zu ihrer kantig-charaktervollen Ausstrahlung. Die Szene in der Tappert seine Gegenspielerin auf harsche Weise "verhört", gehört zu den stärksten Momenten des Films. Ein weiterer Höhepunkt poltert in Form von Siegfried Schürenberg durchs Szenario, der hier nicht in seiner Stammrolle als "Sir John" zu sehen ist. Die Rolle des Scotland Yard Bonzen übernahm ein Bursche namens Ángel Menéndez, der ein paar schrullige Szenen mit Fred Williams veredelt. Rainer Basedow taucht als Sergeant auf, Dan van Husen sehen wir kriminelles Helferlein mit Bart (steht im gut, sollte er häufiger tragen). Sehr gut geraten ist der kurze Auftritt von Wolfgang Kieling, der in verschwitzter Panik durch die Kulissen taumelt. Herr Franco lässt es sich nicht nehmen, ebenfalls in einer kleinen Rolle aufzutauchen. Elisa Montés und Eva Garden sorgen für weibliche Anmut, insgesamt hält sich der Film im Bereich Erotik aber (leider) sehr bedeckt.

Wirft man die eingefahrene Erwartungshaltung über Bord, kann man mit "Der Todesrächer von Soho" seinen Spass haben. Wer generell nichts mit Filmen von Jess Franco anfangen kann, wird vermutlich auch mit dieser Sause nicht glücklich werden. Für einen Franco aus den frühen Siebzigern kommt der Todesrächer recht bodenständig daher, unterscheidet sich aber trotzdem deutlich von anderen Filmen aus dem "Wallace Universum". Auch wenn "Der Teufel aus Akasava" mich auf Anhieb weitaus stärker beeindrucken und packen konnte, bin ich mit "Der Todesrächer von Soho" durchaus zufrieden. Zwar scheint der eigentliche Fall manchmall ein wenig zur Nebensache zu geraten, doch warum sollte ich mich daran stören, wenn ich mich wohlig in der warmen, dezent schmuddeligen Atmosphäre suhlen darf!? Sicher kein Höhepunkt im Schaffen von Jess Franco, aber ein kantiger und beachtenswerter Film, der zusätzlich mit seiner sehr guten Besetzung punkten kann.

Die DVD aus dem Hause Universum geht völlig in Ordnung. In der "Bryan Edgar Wallace DVD Collection 3" sind neben "Der Todesrächer von Soho" folgende Filme enthalten:

• Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe
• Das Geheimnis des gelben Grabes


Es soll nicht verschwiegen werden, dass "Handschuhe" lediglich gekürzt und in mittelprächtiger Qualität vorliegt. Ergo sollte man sich bezüglich "Handschuhe" nach einer brauchbaren Alternative umschauen, die Box lohnt aber schon allein wegen "Todesrächer" und "Grab". Das Set ist für weniger als 20€ zu bekommen, was für zwei solide DVDs völlig in Ordnung geht.

Zunächst 6,5/10 (oberste Mittelklasse) ...aber da geht noch mehr...

Lieblingszitat:

"Und wenn Sie mich auch totschlagen, ich bin nur ein kleiner Fisch."

***

Vom Ursprung her verdorben

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.326

12.08.2011 08:48
#48 RE: Bewertet: BEW - "Der Todesrächer von Soho" (12) Zitat · antworten

Nachdem ich diesen Film nun erstmals gesehen habe, muss ich sagen, ist es doch immer wieder überraschend, wie die „kleine“ BEW-Reihe ihrem großen väterlichen Rialto-Freund nacheiferte, im Guten wie im Schlechten. Da nahm man sich bei Rialto 1968 eine gute, bewährte Vorlage („Die toten Augen von London“), drehte in Farbe, „wertete“ den Titel mit einem Bezug zu Soho (ja, richtig, eine Stadt voll Abenteuer, genau die, wobei die Entdeckung und Ausschlachtung dieses phonetisch so reizvollen wie auch so phantasievoll filmisch bebilderten dürfte wohl die BEW-Reihe für sich beanspruchen, bis zum „Buckligen von Soho“ anno 66 taucht Soho bei Rialto wohl nicht so prominent auf) , witzte das Ganze noch n bissl auf, auch mittels „peppiger“ Musik und fertig war die aufgewärmte Kino-Sause. Ein Film, der meiner Meinung in keiner Nuance dem Original auch nur annähernd das Wasser reichen kann.

Und was macht man bei der Konkurrenz? Man lässt noch ein paar Jährchen ins Lande ziehen, bis der Name Wallace im Kino auch wirklich völlig blutleer geworden zu sein scheint, greift sich den Stoff der (immerhin) am längsten zurückliegenden Bryan Edgar-Verfilmung und der Rest ist bekannt. Nur dass hier m. E. nicht nur der schwächste Bryan Edgar Wallace sondern wohl so ziemlich der mieseste Film im gesamten Wallace.Dunstkreis herausgekommen ist.

Das Beste am Film ist m. E. noch die Musik von Rolf Kühn, die recht ambitioniert und interessant wirkt, und (auch hier bleibt sich die BEW-Reihe treu) im Vergleich zu dem Thomas-Score beim „Gorilla von Soho“ eher nüchtern-neutral bis düster wirkt. Dies passt dann aber leider überhaupt nicht zu dem aufgesetzt wirkenden Humor, die teilweise recht unmotiviert eingestreuten „Wortspiele“ gleichen eher Buchstabennudeln in der trüben (ja, die bereits mehrfach erwähnte verschmierte Kameralinse geht einfach gar nicht!) Filmsuppe, bleiben ohne Widerhall und man spürt förmlich, wie vereinzelt die Kinolacher wohl gewesen sein werden. Während im Gorilla meines Erachtens durch das Trio Meyerinck, Friedrichsen, Tappert immerhin teilweise recht ordentlich prickelnd echte Situationskomik erzeugt wird, die dem schwachen Film bei einer lockeren Sichtung im Freundeskreis immer noch ein paar ehrliche Lacher beschert und ihn profitieren lässt!
A propos Tappert, er ist m. E. der Einzige Darsteller, der halbwegs überzeugt, auch wenn er die Rolle von Süchtigen (z. B. in „Wie die Wölfe“ in der Krimireihe „Der Kommissar“) und Rächern schon weitaus überzeugender gebracht hat. Wen wunderts, bei diesem Umfeld…
Wolfgang Kieling hat nur eine Minirolle, Barbara Rüttings Rolle ist doch nur sehr eindimensional und bietet ihr wenig Raum zur Entfaltung und Siegfried Schürenberg lässt die Gelegenheit jenseits seiner üblichen Rolle mal so richtig schön aufzuspielen (die der Film durchaus hergegeben hätte!) leider (ähnlich wie auch im „indischen Tuch“) weitestgehend aus… Ganz schlimm ist auch der Fotograf hier, eine undankbare Rolle, gewiss, aber auch völlig überzogen dargestellt.
Von Alfred Vohrer inspiriert lässt sich Franco tatsächlich zu der ein oder anderen ungewöhnliche Kameraperspektive hinreißen, jedoch trüben die Experimente mit der verschmierten Linse und offensichtliche (auch hier bereits angesprochene) Hell-Dunkel-Filmfehler das Bild im wahrsten Sinne des Wortes und jedes Lob muss im Halse stecken bleiben.
Wer meine Rezension zu dem „Original“-Film „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“ gelesen hat, weiß, dass ich doch eine ziemliche Schwäche für diesen Streifen habe. Aus diesem Grunde bin ich hier umso mehr enttäuscht, wie man diese Geschichte derart verhunzen konnte. Die Stärken, zum Beispiel das Finale im Schloss, welches doch zumindest eine geheimnisumwitterte Spannung und Atmosphäre bieten könnte verpufft in bloßer billig inszenierter Action vor gänzlich unenglisch wirkenden Schauplätzen, die übrigens den ganzen Film „prägen“.
Sehr enttäuschend das Ganze, den Film muss man wirklich nicht sehen…mir fällt zumindest überhaupt kein vernünftiger Grund (und sei er noch so abwegig) dafür ein.
Kein Wunder, dass die Produzenten danach eher vor Wallace-Filmen zurückscheuten, so manch Kinogänger mag sich danach so manches geschworen haben, bzw. haben Kinobesucher, die sich kurz vorher für so ehrliche Handwerksarbeit wie „Die Tote aus der Themse“ entschieden haben, im Vergleich so etwas wie das große Los gezogen.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.585

12.08.2011 13:26
#49 RE: Bewertet: BEW - "Der Todesrächer von Soho" (12) Zitat · antworten

Zitat von Mr Keeney
Sehr enttäuschend das Ganze, den Film muss man wirklich nicht sehen…mir fällt zumindest überhaupt kein vernünftiger Grund (und sei er noch so abwegig) dafür ein.


Es gibt einen recht simplen Grund: Der "Todesrächer" gehört zur BEW-Reihe, damit zu den Wallace-Epigonen an vorderster Front und ist also schon rein formal Pflichtprogramm. In der Tat handelt es sich nicht um einen starken Beitrag, aber gerade in der Besetzung und im Bereich "Humor" räume ich persönlich dem Film mehr Treffsicherheit ein.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.326

12.08.2011 13:39
#50 RE: Bewertet: BEW - "Der Todesrächer von Soho" (12) Zitat · antworten

Ja, genau das ist ja das Schöne, dass eben Geschmack individuell ist. Und diskutieren hat nichts mit Streiten zu tun. Deshalb lese und schreibe ich hier ja auch so gerne mit, ein wirklich tolles Forum!
In diesem Zusammenhang würde mich übrigens auch mal eine kurze (aber gewiss wie immer bei Dir sehr fundierte) "Koffer-Kritik" von Dir interessieren, bei diesem Film sind wir ja auch etwas unterschiedlicher Auffassung, will mir scheinen
Kannst Du Dir ja eventuell mal vormerken

Gubanov Offline




Beiträge: 14.585

12.08.2011 13:59
#51 RE: Bewertet: BEW - "Der Todesrächer von Soho" (12) Zitat · antworten

Dein Wunsch ist mir Befehl. Allerdings wird es noch ein Weilchen dauern, denn die "Koffer" habe ich momentan im Urlaub nicht zur Hand. In der Tat könnte meine kleine Schwäche für den "Todesrächer" darauf zurückzuführen sein, dass ich mir aus den "Koffern" nicht allzu viel mache. Aber wir wollen sehen: Neue Sichtungen können manchmal zu überraschenden Meinungsänderungen führen.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

12.08.2011 14:12
#52 RE: Bewertet: BEW - "Der Todesrächer von Soho" (12) Zitat · antworten

Als Franco-Fan fühle ich mich schon nahezu zum Einspruch genötigt. IMHO ist "Der Todesrächer..." ein frischer und augenzwinkernder Beitrag, Tappert ist gut drauf, die Rütting war nie besser.

Allerdings ist der Film -für einen Franco aus dieser Zeit- recht konventionell und brav, kein Vergleich zu wahren Großtaten wie "Vampyros Lesbos". Es hilft ja nichts, das Forum muss mit weiteren Beiträgen zu Francos Werk geflutet werden. Auch wenn es sich für manche Leser wie eine Drohung anhört...


Zitat von Mr Keeney
Ja, genau das ist ja das Schöne, dass eben Geschmack individuell ist. Und diskutieren hat nichts mit Streiten zu tun. Deshalb lese und schreibe ich hier ja auch so gerne mit, ein wirklich tolles Forum!



Da bin ich ganz bei dir. Dieses Forum gehört zu den angenehmsten Internet-Tummelplätzen für Filmfreunde.

***

Vom Ursprung her verdorben

Count Villain Offline



Beiträge: 3.788

25.05.2013 02:04
#53 RE: Bewertet: "Der Todesrächer von Soho" (1971, BEW 9) Zitat · antworten

In den letzten Tagen habe ich mir mal wieder die Bryan-Edgar-Wallace-Reihe vorgenommen und dabei zum zweiten Mal überhaupt auch den Todesrächer angeschaut. Allerdings möchte ich hier nicht die schon mehrfach angesprochenen Kritikpunkte wiederholen. Die handwerklichen Mängel sind allseits bekannt und auch die London-Atmosphäre lässt bis auf den Vorspann doch sehr zu wünschen übrig. Auf der Habenseite hingegen die Schauspieler, die alle den Vergleich zu denen im Original nicht zu scheuen brauchen und ihn oftmals sogar gewinnen. Einzig bei Ledinek und Kieling würde ich es unentschieden nennen und Schürenberg hat leider weniger Gelegenheiten zu brillieren als Steckel, aber allein schon diese Besetzung gegen den Typ ist mehr als reizvoll. Über weite Strecken sehe ich den Todesrächer auch als besser an als die Koffer. Die Änderungen gegenüber der Vorlage erweisen sich sämtlich als positiv, Längen wurden gut ausgebügelt. Leider führt dann aber das überhastete Finale dazu, dass sich der positive Eindruck ins Gegenteil verkehrt. Der Schauplatz wenig ansprechend und ohne Atmosphäre, eine bloße Ansammlung von meist tristen Sets. Man fühlt sich wahlweise wie in einem Filmstudio oder einer spanischen Burgruine, aber nie wie in einem englischen Schloss. Schürenberg zwar genial, aber verheizt. Die letzten Minuten bestehen nur daraus, dass einer nach dem anderen ins Jenseits befördert wird. Keine Erklärungen, keine Konfrontationen der Charaktere, ein Berg voller verschenktem Potential. Trotz guten Willens komme ich damit leider zu dem Ergebnis, dass der "knuffige" Todesrächer für mich der schlechteste Bryan-Edgar-Wallace-Film bleibt.

Wobei, die zweite Sichtung des gelben Grabes steht noch aus. Aber den zähle ich eigentlich nicht mehr so wirklich zur Serie.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.585

26.05.2013 08:36
#54 RE: Bewertet: "Der Todesrächer von Soho" (1971, BEW 9) Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #53
Trotz guten Willens komme ich damit leider zu dem Ergebnis, dass der "knuffige" Todesrächer für mich der schlechteste Bryan-Edgar-Wallace-Film bleibt.

Wobei, die zweite Sichtung des gelben Grabes steht noch aus. Aber den zähle ich eigentlich nicht mehr so wirklich zur Serie.

Das "gelbe Grab" ist ein unverkanntes Meisterwerk - vielleicht etwas behäbig, aber handwerklich viel ansprechender und spannender als "Der Todesrächer von Soho". Vergleiche verbieten deshalb eigentlich von selbst. Was den schlechtesten BEW angeht, so würde ich eher "Der Henker von London" oder "Das Ungeheuer von London-City", vielleicht auch "Das Phantom von Soho", ins Feld führen.

Mamba91 Offline



Beiträge: 745

26.05.2013 13:43
#55 RE: Bewertet: "Der Todesrächer von Soho" (1971, BEW 9) Zitat · antworten

DER TODESRÄCHER VON SOHO übt schon einen faszinierenden Reiz auf mich aus. Ich habe mit den Film schon öfter angesehen und muss nach jeder Sichtung verblüfft feststellen wie schlecht dieser Film ist. Aber irgendwie scheint der dillettante Stil des Film etwas zu haben, das mich immer wieder zur nächsten Sichtung treibt. Vor fast genau vier Jahren habe ich mal geschrieben das mich der Film auf seine ganz eigene Weise "fesselt". Trotz der vielen Sichtungen stimmt das aber wohl nicht mehr so ganz. Und meine damalige Bewertung korrigiere ich auch mal lieber auf 1,5 von 5 Punkten.

DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES ist ein hervorragender Thriller, aber ein schlechter BEW. Im Gegensatz zum TODESRÄCHER hat dieser eine angenehme Atmosphäre und ist im wunderbarem Scope gefilmt. Genauso wie das PHANTOM. Der vielleicht beste BEW!

Count Villain Offline



Beiträge: 3.788

26.05.2013 17:02
#56 RE: Bewertet: "Der Todesrächer von Soho" (1971, BEW 9) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #54
Das "gelbe Grab" ist ein unverkanntes Meisterwerk - vielleicht etwas behäbig, aber handwerklich viel ansprechender und spannender als "Der Todesrächer von Soho". Vergleiche verbieten deshalb eigentlich von selbst. Was den schlechtesten BEW angeht, so würde ich eher "Der Henker von London" oder "Das Ungeheuer von London-City", vielleicht auch "Das Phantom von Soho", ins Feld führen.


Genauso habe ich das Grab auch noch in Erinnerung. Umso spannender zu sehen, ob bei der nächsten Sichtung die Behäbigkeit oder die handwerkliche Qualität des Films in meiner Wahrnehmung überwiegt. In ersterem Fall hat der Todesrächer mehr zu bieten.

Die anderen drei von dir genannten Filme sehe ich allerdings im guten Mittelfeld. Den Henker sogar auf einem Top-Platz. Der Mut zum moralischen Grau, die kühl-distanzierte Inszenierung und die Tatsache, dass es vielfach Ensemblefilme sind (ohne einen Star-Ermittler und klare Identifikationsfigur wie Fuchsberger oder Drache) heben die BEW-Reihe wohltuend von der Wallace-Reihe ab und geben ihr Eigenständigkeit und eine eigene Vision. Brauner ist da schon ein großes Lob auszusprechen. Das geheime Gericht wirkt natürlich mit der Kutsche, den Särgen usw. komplett aus der Zeit gefallen (ebenso wie Forster und Fernau), was für mich allerdings nur zur künstlerischen Qualität des Films beiträgt.

Allerdings - so muss ich gestehen - bin ich auch erst über die Jahre so richtig mit der BEW-Reihe warmgeworden.

schwarzseher Offline



Beiträge: 327

26.05.2013 20:19
#57 RE: Bewertet: "Der Todesrächer von Soho" (1971, BEW 9) Zitat · antworten

Leider kann ich gerade mit den Filmen aus der dritten BEW Box garnichts anfangen.Auch die letzten EW Filme ( Gesicht im Dunkeln usw. )haben für mich keinen Anreiz auf mehr.
Die BEW Box 3 werde ich wohl bei Gelegenheit wieder abgeben.Ich habe da irgendwie keinen Zugang.Aber es gibt ja genug "Filmjuwelen"

Gubanov Offline




Beiträge: 14.585

26.05.2013 20:30
#58 RE: Bewertet: "Der Todesrächer von Soho" (1971, BEW 9) Zitat · antworten

So wie ich die Sache sehe, wurde BEW erst mit dem Einzug der Farbe richtig gut. Ab 1969 entstanden drei hochspannende und ein immerhin sehr unterhaltsamer Film, während die Serie vorher nicht das Niveau ihres Vorbilds erreichte und andere Epigonen auch häufig besser waren.

Prisma Offline




Beiträge: 7.464

30.05.2013 23:33
#59 RE: Bewertet: BEW - "Der Todesrächer von Soho" (12) Zitat · antworten


DER TODESRÄCHER VON SOHO (1971)

mit Horst Tappert, Fred Williams, Barbara Rütting, Elisa Montés, Dan van Husen, Rainer Basedow, Wolfgang Kieling, Luis Morris und Siegfried Schürenberg
ein Film von Jess Franco



Auch ich schaue mir zur Zeit nochmals mit Vergnügen die BEW-Reihe an, und kann insgesamt nur sagen, dass ich die Filme fast ausnahmslos als unterhaltsam und gelungen bezeichnen würde. "Der Todesrächer von Soho" sah ich damals lange von "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" und er empfahl sich mir schon immer als die interessantere Variante. Wie früher üblich, bekam ich Jess Francos Film auf Toppic-VHS, und um ehrlich zu sein, war ich nach der Erstansicht und nach Beendigung des Streifens etwas schockiert. Da die Szenenfotos in den schönsten Farben strahlten war das Erstaunen umso größer, dass man im Film nichts Derartiges sehen konnte. Und noch schlimmer, es war über weite Strecken überhaupt nichts zu erkennen, so dass man oft nur mutmaßen konnte was gerade passiert, da die Ausleuchtung miserabel war. Die DVD-Auswertung brachte schließlich Jahre später Licht ins Dunkel, offenbarte allerdings gleichzeitig viele inszenatorische Schwächen und entlarvte den Film noch mehr als unausgereiften Beitrag. Zum Beispiel erkennt man beim genauen Hinsehen das Gesicht des Mörders, die erste Messerszene wurde vom erst später gezeigten Rummelplatz einkopiert, beim Séparée mit Milly und Barton sieht man Flecken an der Decke und verranzte Tapeten, so das viele Sets insgesamt doch sehr schäbig aussehen, und ausschließlich nach Studio riechen. Andererseits kann man also schon sagen, dass es sich doch um einen Franco nach Art des Hauses handelt, obwohl er in der Reihe, als auch in seiner Filmografie einen Außenseiter darstellt.

Die Zusammenarbeit zwischen Artur Brauner und Jess Franco zählt zu einer sehr abwechslungsreichen und erfolgreichen Schaffensperiode, vor allem auch quantitativ gesehen. Da der spanische Regisseur vielleicht nicht vordergründig ein Garant für Qualität war, ist es umso erfreulicher, dass er ein Unterhaltungskünstler war, was sich auch in seiner Bryan Edgar Wallace-Interpretation zeigt. "Der Todesrächer von Soho" ist ein denkbar ungünstiger und im Endeffekt schwacher Titel für diesen Film, denn er sagt entweder gar nichts oder doch zu viel über den Verlauf aus, aber wie gesagt halte ich diese Neuauflage von 1971 im direkten Vergleich mit dem Langweiler "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" für die wesentlich ansprechendere, interessantere und deshalb gelungenere Variante. Bei Filmen von Jess Franco sollte man natürlich Relationen nicht unterschlagen, denn handwerkliche Schwächen lassen sich hier dutzendweise finden, die zum Teil noch nicht einmal charmant wirken. Aber die Vorzüge dieses Films erschließen sich erst beim mehrmaligen Anschauen! Die Grundidee, beziehungsweise die Geschichte um den Mörder, der seinen Opfern die Koffer packt, bevor er zuschlägt, ist nicht uninteressant, auch wenn es insbesondere unter Francos Regie zu diversen Ungereimtheiten kommt, und sich fehlende Logik bemerkbar macht. Ansonsten zeigt sich der Verlauf recht flüssig, oftmals sieht man über weite Strecken auch sehr spannende Phasen, auch an der gut dosierten Prise Humor sollte es nicht fehlen. Auch die Besetzung ist ansprechend und in weiten Teilen typisch für Filme des Spaniers.

Einige Einschätzungen bezüglich der beteiligten Darsteller haben sich mit den Jahren grundlegend geändert, und zwar im positiven Sinne. Obwohl ich beispielsweise Fred Williams immer noch nicht für den überzeugendsten Schauspieler halte, finde ich seine seine Leistung hier (und anderswo) mittlerweile jedenfalls ganz annehmbar, und er funktioniert besonders als Gegenpol zu Horst Tappert recht gut, den man allerdings sicherlich auch schon besser gesehen hat. Aber der letztliche Einsatz hing sicherlich auch viel von den allgemeinen Anforderungen der Produktion, und von der Leitung der Regie ab, die ich mir beim besten Willen nicht ganz lupenrein und konsequent genug vorstellen kann. Barbara Rütting mutete zunächst immer ein bisschen durchschnittlich an, doch ihre Rolle ist wesentlich interessanter angelegt, als man auf den ersten, und vielleicht auch zweiten Blick meinen könnte. Ich bleibe dabei, dass sie hier schrecklich ausgebrannt wirkt und heruntergekommen aussieht, doch dieser Anstrich untermalt ihre Glaubwürdigkeit recht gut. Ihr steht der herzlose Charakter, der zufrieden dabei zusieht, wenn ein Mord verübt wird, und es wirkt überaus befremdlich sie zu sehen, wenn sie ihre kriminellen Aktivitäten stets mir einem teilnahmslosen »Das wärs!« quittiert. Barbara Rütting blieb auch hier in ihrem typischen Rollenfach der Einzelgängerin, doch ihr kriminelles und aggressives Potential sorgen für überraschende Momente. Siegfried Schürenberg tut es seiner Kollegin in diesem Bereich gleich, und es ist schön zu sehen, dass er gerade unter Jess Franco hochinteressante Charaktere interpretieren durfte. Des Weiteren fällt noch die attraktive Elisa Montés sehr positiv auf, die weitere Besetzung auf deutscher Seite sorgt aufgrund der kurzen Auftrittsdauer nur für einen angenehmen Wiedererkennungswert.

Großartig finde ich persönlich die Leistung der Schauspielerin, die Linda, die Nichte und gleichzeitig Geliebte von Lord Cronsdale interpretiert. Überall wird ihre Identität mit Eva Garden angegeben, doch ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es sich tatsächlich um sie handelt, und nicht eher mit einiger Wahrscheinlichkeit um Lola, die momentane Freundin des Inspektors. Überhaupt kam man vielerorts mit den Darstellerinnen und den dazugehörigen Namen im Film durcheinander. Bei Mara Laso handelt es sich vermutlich nicht um Lizi, wer immer das übrigens auch sein sollte, aber es auf der DVD steht, sondern um Millie, die Tänzerin und enge Bekannte Bartons aus dem Flamingo-Club. Die Darstellerin der Linda spielte jedenfalls oft unter Jess Franco und ist bekannt für ihre zahlreichen Expeditionen in den Sex- und Erotikfilm, aber meistens sah man sie eben nur uncredited, so dass mir trotz vieler bekannter Rollen mit ihr leider die Vergleiche fehlen. Falls sich hier jemand auskennt, wäre ich für sachdienliche Erklärungen und Hinweise sehr dankbar. Jedenfalls entstehen köstliche Szenen mit Linda und ihrem Onkel oder auch mit Celia, denn vor allem die Dialoge machen dabei einen enormen Spaß.

Mein persönliches, ganz großes Highlight stellt in "Der Todesrächer von Soho" im Endeffekt aber etwas ganz anderes dar: die Musik von Rolf Kühn der Schacht Musikverlage. Es ist noch nicht einmal der Titeltrack, der am meisten begeistert, sondern es sind die vielen Zwischenstücke die meine Wertschätzung finden. Häufig wurden die Melodien aus diesem Pool auch in anderen Produktionen eingesetzt, wie beispielsweise in "Perrak", "Zum zweiten Frühstück heiße Liebe" oder "Das gelbe Haus am Pinnasberg". Rolf Kühns Kompositionen sind eingängig und wirken sehr gut abgestimmt. Besonders das Klavierstück, das man gegen Ende des Films und in der finalen Szene bei "Perrak" hört, finde ich außergewöhnlich, und wenn ich mir eine Soundtrack-Veröffentlichung aussuchen könnte, dann wäre Rolf Kühns Arbeit ganz oben auf meiner Wunschliste. Sein Orchester veranstaltet ein regelrechtes Tauziehen um die Gunst des Zuhörers, wenn die Bläser laut werden und die Streicher hysterisch dagegen halten, bis sie sich in bestimmten Sequenzen treffen und auch ein leichtfüßiges Zusammenspiel veranstalten können, was besonders die "Pinnasberg"-Musik veranschaulicht, die auch leider der einzige Track ist, der auf CD erhältlich ist.

Schön und gut, der Film hat also selbst im Bereich Vorzüge doch einiges zu bieten, auch wenn es gerne bestritten wird. Das die Inszenierung global gesehen dennoch schlampig und teilweise eckig ausgefallen ist, muss sich "Der Todesrächer von Soho" als Kritik verständlicherweise auch gefallen lassen. Auffallend ist die vollkommen miserable Ausleuchtung, die sich insgesamt negativ auf die allgemeine Bildgestaltung auswirkt, denn viele Teile die in der Dunkelheit spielen sollten, wurden offensichtlich bei hellichtem Tag gedreht, ein merkwürdiger Filter über die Kamera gelegt und man ließ das Archiv-Käuzchen rufen. Viele Bilder sehen daher verwaschen und milchig aus und wirken überaus gekünstelt, leider jedoch ohne notwendigen künstlerischen Anspruch. Ansonsten deckt das Set wirklich beinahe alles zwischen schäbig und modern ab, viele Kamera-Einstellungen sind tatsächlich gelungen, aber doppelt so viele wohl ungünstigerweise auch misslungen. Beim Thema Spannung hat Jess Franco für meine Begriffe zu sehr auf die Bremse getreten, obwohl es gute Ansätze gibt. Was aber verwunderlich bleibt ist, dass man im Bereich Effekte und obligatorischer Sex-Rangeleien so gut wie gar nichts geboten bekommt, was diesem Film nicht unbedingt Schaden zufügt. Im Endeffekt kann ich nur wieder betonen, dass der Film unterhält und Spaß machen kann, vorausgesetzt, dass man ihn nicht gerade unter ein Mikroskop legt. Oh ja, ich sehe dich als meine damalige Franco-Premiere wirklich gerne, "Todesrächer"!
Blinde Jack Offline




Beiträge: 2.000

20.12.2013 20:36
#60 RE: Bewertet: BEW - "Der Todesrächer von Soho" (12) Zitat · antworten

Der Todesrächer von Soho ist ein kleines Kunstwerk geworden.
Ist die Handlung zwar aus "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" bekannt und mitunter auch ein wenig schmucklos erzählt, strahlt der Film einfach nur eine unheimlich geniale Optik aus.

Der Film beginnt bereits sehr stark. Die Atmosphäre die skizziert wird, habe ich in der Form noch nie bewusst wahrgenommen. Die Personen wirken teils surreal, die Bildqualität ist auf unterem Niveau und die ganze Szene im Hotel wirkt wie ein Trancezustand. Begleitet von guter Musik ist der erste Mord eindeutig sehr gut inszeniert und sticht besonders durch die kunstvoll eingefangene Welt hervor. Das trifft es ziemlich gut. Mögen nämlich auch manchmal die Schauspieler in Konflikt mit diesen Kunstgriffen liegen, so bleibt die Optik eigentlich stetig auf diesem wundersam-tollen Niveau.
Wie hier in der ersten Szene ist im gesamten Film die Musik nur zu loben. Das Thema des Leierkastens ist genial! Auch hier verspürt man ganz deutlich wie Welt, wie die Filmemacher sie uns hier zeigen wollten. Eine ganz tolle Atmosphäre.
Spannende und unkonventionelle Bilder und Aufnahmen runden das Ergebnis wunderbar ab. Von diesem Standpunkt aus betrachtet ist der Film einfach genial. Ist noch jemandem aufgefallen, wie künstlich die Drehorte wirken? Oh man das reizt wirklich. Diese bunten, gewissermaßen weltfremden Wände, die teilweise als Drehorte dienen, verzaubern hier einfach. Um mich nicht weiter darüber auszulassen sei nur noch darauf hingewiesen, dass auch die Kameraführung ein echtes Highlight ist - sieht man zumindest vom gewohnten Standard der EW-Filme ab. Bei mir ging das gut in den Helm...

Zu den Darstellern...Klar, die zu sprechenden Dialoge sind grottig. So grottig, dass sie teilweise wieder lustig werden. Mir fiel es außerdem leicht, einen Großteil des Spieles einfach als Aspekt dieser wunderbaren Fiktion zu sehen. Von daher wurde zwar auch für mich manchmal das Maß ein wenig zu voll, aber im Großen und Ganzen konnte ich mich darauf einlassen.
Horst Tappert weiß seine Rolle durchaus gut auszufüllen, aber gut - was gibt die schon an Ansatzpunkten her, in einem Film wie diesem? Sagen wir lieber, dass ich seinen Part im weitesten Sinne überzeugend fand, auch wenn es nicht der ganz große Hit von ihm war.
Besser hat mir da schon Schürenberg gefallen, besonders auch durch die Tatsache, ihn mal in einer anderen Rolle zu sehen, als dem üblichen Sir John. Dass es gerade in diesem Film ist passt doch einfach nur wie die Faust aufs Auge.
Fred Williams ist in Ordnung. Auch hier entfernt sich der Ausdruck teils sehr weit von realistischen Darstellung, aber wie gesagt wirkt der ganze Film davon entfernt. Daher passt auch sein Inspektoren-Part in dieses verrückte Spiel. Seine weibliche Partnerin sticht nicht nur vom Äußeren her sehr positiv hervor, sondern auch in den Szenen von sie guter Laune ist. Wirken ihre "traurigen" Szenen doch etwas unreif, gefiel sie mir sonst wirklich sehr gut.
Sehr gut in den Film waren der (leider) sehr kurze Part von Wolfgang Kieling und der sensationelle Auftritt von Barbara Rütting. Habt ihr gesehen in welch genialem Licht sie eingefangen wurde? Die Optik hier überstrahlt echt so manche Schwachstelle.

Da wären wir beim Punkt. Die Witze dieses Films sind mitunter dermaßen schlecht, dass man sich wirklich fragt wie kurz der Film noch geworden wäre, hätte man dieses Szenene einfach raus gestrichen. Das Gespräch über die Zeitungsannonce und das anschließend gezeigte Foto...wer denkt sich so einen Blödsinn aus? Ein Glück, dass man genau aufgrund dieser Frage schon wieder lachen kann. Dem Film fehlt wirklich ein guter Bezug zur Realität - was ihn aber oft auch wie unverwundbar macht.
Schade fand ich die etwas steif geratene Erotik. Gerade hier hätte ich mehr erwartet, nicht nur weil der Regisseur Franco heißt, sondern auch weil der Film die Möglichkeiten dazu gehabt hätte. Hat man hier auf Logik, ausgefeilte Konflikte und konventionelle Erzählstil verzichtet, hätte eine gute Prise Sex den Film noch zusätzlich abgerundet.

Ja, also an dem Film habe ich wirklich einen Narren gefressen und natürlich stimme ich vielen Kritikern zu, wenn sie von einem schwachen Drehbuch und billiger Inszenierung sprechen, aber ich habe den Film einfach mit dem Hauch von Andersartigkeit aufgenommen, der er ganz einfach ausstrahlt. Eine toll eingefangene Welt, mit schlicht genialer Beleuchtung (gut, manchmal wird aus Nacht Tag) und einer TRAUMhaften Musik.
Da der Film unter BEW lief und mit den Anspruch an Wallace sehr wenig zu tun hat, gebe ich ihm

4 von 5 Punkten.

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