Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 79 Antworten
und wurde 4.975 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6
Jan Offline




Beiträge: 1.217

12.09.2009 22:13
#31 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Zitat von horatio

diese mädchenmördergeschichte hätte man weglassen können,da sie nicht relevant war.


Hä? Diese Angelegenheit ist doch Dreh- und Angelpunkt der anderen Geschichte und erklärt das "geheime Gericht". Oder habe ich den Film nun nicht mehr korrekt in Erinnerung?!

Gruß
Jan

Joe Walker Offline




Beiträge: 738

12.09.2009 22:23
#32 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Die Geschicht um den Mädchenmörder ist nötig für die Storyline, da ja durch diese Morde u.a. auch an der Schwester des Inspektors, dieser erst zum Gerechtigkeitsfanatiker wird und damit das geheime Gericht gründet - ansonsten wäre John Hilliard wohl mit 65 als A14 in Pension gegangen und hätte sich nicht als "Henker von London" auf deutschen Kinoleinwänden umgetan .

Gruß
Joe Walker

Jan Offline




Beiträge: 1.217

12.09.2009 22:28
#33 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Zitat von Joe Walker
Die Geschicht um den Mädchenmörder ist nötig für die Storyline, da ja durch diese Morde u.a. auch an der Schwester des Inspektors, dieser erst zum Gerechtigkeitsfanatiker wird und damit das geheime Gericht gründet - ansonsten wäre John Hilliard wohl mit 65 als A14 in Pension gegangen und hätte sich nicht als "Henker von London" auf deutschen Kinoleinwänden umgetan .


Genauso lag's mir in Erinnerung, danke!

Gruß
Jan

Blap Offline




Beiträge: 1.128

11.12.2010 00:10
#34 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten




Der Henker von London (Deutschland 1963, Originaltitel: Der Henker von London)

Die Kapuzenmänner und der Strick

In London geht es Schwerverbrechern an den Kragen. Wer sich einst -auf welche Weise auch immer- dem Zugriff der Justiz entziehen konnte, wird vor ein unheimliches Tribunal gestellt, das bestens über die Taten des jeweiligen Angeklagten informiert ist. Stets enden die "Verhandlungen" mit einem Todesurteil, am nächsten Morgen wird die Leiche der Verurteilten vorgefunden, die immer mit einem historischen Galgenstrick gerichtet wurden. Die Presse hat sich längst auf den "Henker von London" eingeschossen, Scotland Yard steht unter massivem Druck. Der leitende Ermittler Inspector John Hillier (Hansjörg Felmy) tappt im Dunkeln, sein Vorgesetzter zeigt sich zunehmend ungehalten. Gerichtsmediziner Dr. Philip Trooper (Harry Riebauer) ist mir Inspector Hillier befreundet, er äussert den Verdacht, dass eventuell ein pensionierter Richter mit den Vorfällen zu tun haben könnte. Sir Francis Elliott (Rudolf Forster) war während seiner aktiven Zeit als gnadenloser Hardliner bekannt, noch heute führt er mit Hilfe seines Butlers groteske Rollenspiele durch. Hillier hält diese Vermutungen für absurd, ferner ist er Sir Francis Tochter Ann (Maria Perschy) sehr zugetan, pflegt mit dem alten Richter einen freundschaftlichen Umgang. Zu allem Überfluß wird die Stadt von einem weiteren Serientäter drangsaliert, ein offenbar wahnsinnger Triebtäter entführt junge Frauen, deren Leichen man wenig später enthauptet vorfindet. Auch die Schwester des Inspectors wurde zum Opfer des Killers, eine schwere Bürde für den Kriminalbeamten. Der emsige Journalist Gabby Pennypacker (Chris Howland) bietet Hillier immer wieder seine Unterstützung an, doch der Ermittler weist die wuselige Schnüffelnase mit stoischer Behaarlichkeit zurück. Weitere Kriminelle fallen dem Henker zum Opfer, schliesslich bittet der erfolglose Hillier um die Zuweisung des Falles um die geköpften Frauen. Für den Inspector gibt es keine Zeit zur Entspannung, denn bald wird seine Freundin Ann in grösste Gefahr geraten...

"Der Henker von London" wurde von CCC-Film produziert, die "Bryan Edgar Wallace" Filme ritten auf der Erfolgswelle der "Edgar Wallace" Reihe aus dem Hause Rialto mit. Startete man mit "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1962) noch recht durchwachsen, gelang bereits mit dem folgenden "Der Würger von Schloss Blackmoor" (1963) ein echter Treffer. Der dritte Streifen kann an den Unterhaltungswert des Würgers anknüpfen, obwohl er teils auf holprigen Pfaden sein Ziel erreicht. Regisseur Edwin Zbonek inszeniert nicht immer punktgenau, so wechseln sich grandiose mit eher mittelprächtigen Momenten ab. Ähnlich ist es um die Filmmusik von Raimund Rosenberger bestellt, die zwar gefällt, jedoch nicht zu jeder Zeit den passenden Ton findet. Kamera und Schnitt sind solide und ohne nennenswerte Schwächen ausgeführt, im positiven Sinne dezent, solide, dabei aber nicht sonderlich kreativ oder gar spektakulär.

Zum Auftakt versprüht der Film geradezu Unmengen an liebenswürdiger Atmosphäre. Wir sehen die "Richter", allesamt in dunkle Gewänder und Kapuzen gehüllt, die in einem knuffig ausgestatten Ambiente ihr Werk verrichten. Särge statt Tische, Totenschädel und diffuses Licht, gewissermaßen Gothic Horror in all seiner schaurig-schöner Pracht. Sofort wird klargestellt, dass die "Angeklagten" keine Gnade erwarten dürfen. Ein einmal verkündetes Urteil, wird sofort mit aller Konsequenz und ohne weitere Diskussionen ausgeführt. Sehr humorig fällt die Bestrafung eines Mörders und Versicherungsbetrügers aus, den man passenderweise an der Werbetafel einer Versicherungsgesellschaft aufhängt. Wenn der Film später in Richtung Nebenplot kippt, scheint plötzlich eine ordentliche Dosis Sand ins Getriebe des Erzählflusses geraten zu sein. Tatsächlich ist die Art der Ausführung fragwürdig. Zwar ergibt letztlich alles einen Sinn, eine elegantere Verknüpfung der Handlungsstränge wäre meiner Meinung nach wünschenswert, dem Drehbuch hätte eine leichte Überarbeitung sicher gut zu Gesicht gestanden.

Wie ist es um die Leistungen der relevanten Schauspieler bestellt? Hansjörg Felmy kommt recht sachlich, vielleicht eine Spur zu glatt rüber, schlägt den äussert blassen und flachen Joachim Hansen aus "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" aber locker aus dem Feld. Harry Riebauer hatte den Job des Ermittlers in "Das Würger von Schloss Blackmoor" inne, er gefiel dort mir ein wenig besser als Felmy in "Henker". Diesmal muss er sich mit dem Part des eifersüchtigen Mediziners begnügen, seine Leistung ist erneut ansprechend. Chris Howland nagte in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" extrem an meinem Nervenkostüm. Meine Befürchtungen bezüglich eines erneuten Debakels wurden angenehm enttäuscht, Howland überzeugt als rasender Reporter, er ist sogar regelrecht sympathisch (...und das aus meiner Tastatur, stehe ich doch den albernen Figuren immer ein wenig skeptisch gegenüber). Rudolf Forster gibt als seniler Richter im Ruhestand erschreckende Aussagen von sich, aus heutiger Sicht unfassbar und faschistoid. Dies wird nun keine Rüge, denn betrachtet man den Film als Kind seiner Zeit, spiegeln solche Äußerungen durchaus das Gedankengut diverser Betonschädel wider. Rudolf Fernau kann sich als schrulliger Butler des Richters gut in Szene setzen, Dieter Borsche ist in der Rolle des wahnsinnigen "Forschers" absolut phantastisch, kommt aber leider zu kurz zum Zuge. Ein wenig traurig sieht es bei den Damen aus. Maria Perschy agiert als einzige nennenswerte Vertreterin des schöneren Geschlechts, sie kann sich leider nicht mit den "Top-Damen" des Wallace-Umfeldes messen.

Bedingt durch gleich zwei aufzuklärende Mordserien, ergeben sich reizvolle, interessante Möglichkeiten. Zu radikaler Selbstjustiz gesellt sich eine Prise Mad Scientist, wohlige Gruselatmosphäre, die mit Standards wie Särgen, Totenschädeln und sogar einer ehrwürdigen Kutsche erfreut. Zugegeben, die Kutsche ist eine Spur zu dick aufgetragen, ich finde die Idee trotzdem putzig. Hätte man die Handlungsstränge geschickter ineinander verwoben, ein wenig mehr Kreativität einfliessen lassen, dann wäre "Der Henker von London" wohl einer der besten Filme aus dem "Wallace Universum". Obschon diverse Schwächen nicht zu leugnen sind, das Drebuch im letzten Drittel wie ein angeschlagener Boxer taumelt, ist der Streifen insgesamt gelungen, sorgt für gute und liebenswerte Unterhaltung. Übrigens zeigt man sich bei der Auflösung recht mutig, doch darauf kann ich verständlicherweise nicht näher eingehen. Die letzte Einstellung finde ich großartig, denn sie weicht sehr deutlich von den üblichen Gefühlsduseleien ab.

"Der Henker von London" teilt sich mit zwei weiteren Filmen die "Bryan Edgar Wallace Collection 2". Dort sind ausserdem folgende Titel enthalten:

• Das Phantom von Soho
• Das Ungeheuer von London City


Die zweite Box präsentiert uns einen gelungenen Auftakt, man darf auf die folgenden Filme gespannt sein. Der im ersten Set vorliegende "Das 7. Opfer" wird später von mir gesichtet, denn es handelt sich um den sechsten Film aus der Reihe. Zunächst stehen folglich "Das Phantom von Soho" & "Das Ungeheuer von London" auf der Speisekarte.

Zwar ist "Der Henker von London" kein Überflieger, doch trotz seiner Schwächen mag ich den Film wirklich gern. Ergo ziehe ich aus Überzeugung knappe 7/10 (gut).

Lieblingszitat:

"Also was ist mit meinem Herzen, schlägt es überhaupt noch?"

***

Vom Ursprung her verdorben

Jacob Starzinger Offline



Beiträge: 1.413

12.10.2011 14:17
#35 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Ein ebenso gelungener Film wie das Ungeheuer von London City .

MfG Jacob

Prisma Offline




Beiträge: 7.468

24.10.2011 13:30
#36 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Für mich stellt "Der Henker von London" eines der Prunkstücke der BEW-Reihe dar, zum Einen durch seine düstere und ernste Grundstimmung, die viele faszinierende Momente hervorbringt, zum Anderen bietet er zwei interessante, glaubhaft ineinander verstrickte Parallelhandlungen. Hinzu kommt eine bestechende Besetzung, ausgestattet mit einigen Darstellern, die denkwürdige Leistungen präsentieren.

Hansjörg Felmy hat in seinen verschiedenen Filmen eigentlich Jahre gebraucht, um mich persönlich zu überzeugen. Vielleicht lag das ein bisschen daran, dass man von Wallace her mit so vielen angenehm-verlässlichen Interpretationen und markanten Typen verwöhnt war, und Felmy hier mit seiner Art zu Ermitteln doch aus der Reihe fällt. Ich sollte erwähnen, dass er es durchaus geschafft hat, ich sehe ihn heute sehr gerne. Inspektor Hillier hat so wenig von einem Higgins oder Wesby, seine Ermittlungsarbeit zeichnet sich durch Sachlichkeit und Ruhe aus. Hillier wirkt in sich gekehrt, ernst und gefühlskarg, es kommt nur zu wenigen temperamentvollen Anflügen. Es wird sich herausstellen, dass Partnerin Maria Perschy aus diesen Gründen sehr gut zu ihm und in die Rolle der Ann Barry passen wird. Ich habe der hübschen Österreicherin immer gerne eine gewisse Ausdruckslosigkeit unterstellt, doch mit der Zeit lernt man gerade diese unkonventionellen Interpretationen als kleine Farbtupfer zu schätzen. Maria Perschy zeichnet einen traurigen, temperamentlosen Charakter, sie vermittelt stellenweise fast Frustration und Resignation. Ihre Erscheinung ist makellos wie auch maskenhaft, ihre Szenen sind durch eigenartiges, absencenhaftes Schauspiel geprägt, welches aber wie gesagt nicht uninteressant daher kommt. Aus persönlicher Erfahrung muss ich allerdings auch sagen, dass ein mehrmaliges Anschauen des Films erforderlich ist, um derartige, schwerfällige, eisblockartige Leistungen schätzen zu lernen. Ann kann neben John nicht bestehen, denn er lebt für den Beruf und persönliche Absichten, hier gibt es keinen Platz für sie. Aus Verzweiflung biedert sie sich ihm förmlich an, um bei seiner Arbeit zu helfen und wird somit im Kabinett des Dr. MacFergusson landen. In einer 5 vor 12 Aktion kann sie gerettet werden, John nimmt sie dennoch nicht wahr.
Den Doktor spielt in einzigartiger Weise Dieter Borsche, dessen Rolle leider viel zu kurz, wenn auch hochpräzise ausfällt. Wenn er nach neuem Nachschub in Form von jungen Frauen sucht, schleicht er wie der Fuchs um die Gans, um sie letztlich in charmant-überzeugender Art und Weise einzuwickeln. Von der Kamera oftmals unheimlich eingefangen und und gruselig ausgeleuchtet entsteht ein starker, nachhaltiger Eindruck. Er landet natürlich später vor dem geheimen Gericht des Hernkers von London und hier bekommt man großartiges geboten. Im Gegensatz zu allen anderen Angeklagten leugnet er nicht, beantwortet überzeugt Fragen, liefert Erklärungen ab und er präsentiert sich als Unschuldiger, der der Menscheit als Koryphäe noch einen großen Dienst erweisen wird. Er warnt sogar das Gericht, ihn nicht davon abzuhalten...Gespielter Größenwahnsinn par excellence!
Wolfgang Preiss ist John's impulsiver und ungeduldiger Vorgesetzter, der sich geschickt in den Kreis der Verdächtigen rückt, ihn hatte man aber bestimmt schon besser gesehen. Den Gerichtsmediziner Dr. Trooper gibt Harry Riebauer, der sowohl beruflich wie privat nichts als Sachlichkeit vermittelt. Er erscheint wenig sympathisch, da er um die Protagonistin buhlt. Das Gespann Rudolf Forster und Rudolf Fernau zeigt sich hochmotiviert und in ausgezeichneter Schauspiellaune, verfehlt aber die Absicht, sich in den Kreis der Verdächtigen einzureihen. Chris Howland als "Mann mit den 1000 Masken" der C-Kategorie wirkt auf mich lange nicht so aufdringlich wie in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (oder Eddi Arent in einigen seiner Wallace-Rollen), sein Part im Film ist ja auch nicht gerade unwichtig für das Gesamtgeschehen, aber eine Prise Humor musste es ja wahrscheinlich geben. Seinen Schlager hätte man meinetwegen aber getrost weglassen können! Die Opfer spielen Alexander Engel, Albert Bessler...und Stanislav Ledinek in kürzesten Rollen sehr überzeugend und angstgeladen.
Eine wirklich gute Besetzung bereichert den Film, mir persönlich fehlt allerdings wenigstens eine weitere weibliche Nebenrolle, denn Maria Perschy ist zwar nicht uninteressant, aber bei Anlegung der Rolle alleine zu wenig.

"Der Henker von London" scheint ein überaus konservativer Zeitgenosse zu sein. Er transportiert seine Opfer in einer alten Kutsche mit Pferdegespann und scheint die Ruhe weg zu haben, er richtet nur mit dem historischen Henkerstrick, den er auch immer wieder trotz Bewachung in die Hände bekommt, sein Quartier ist in alten Gewölben, verhüllt sind er und seine Helfer in Kutten mit Kapuzen...Zum Teil sind diese Inhalte vielleicht eher unglaubwürdig oder ein bisschen komisch, aber definitiv als reißerisches Mittel für den Zuschauer gedacht. Störts oder nicht? Mich weniger. Man sieht viele erstklassige Settings, wie Friedhof, Gewölbe, Wohnung und OP-Keller des Dr. MacF., Lagerhaus, Friedhof, Nebel, Themse, die erste Hinrichtungsszene mit der düsteren Musik von Raimund Rosenberger, die den gesamten Film gut unterstützt, und so weiter...
Positiv bei all der düsteren und leicht tragischen Grundstimmung des Films ist, dass er sich trotz bekannter Struktur von seinen Konkurrenten abzuheben weiß. Das Ende lässt den Zuschauer in nicht gewohnter Stimmung zurück, die Auflösung überrascht, stellt aber keineswegs zufrieden, im herkömmlichen Sinne.
Insgesamt handelt es sich um einen sehr gelungenen Film von Edwin Zbonek voller Atmosphäre und Überzeugungskraft, den ich für einen der besten der BEW-Reihe halte. Anschauen lohnt sich immer wieder!

schwarzseher Offline



Beiträge: 331

20.03.2013 13:10
#37 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Habe mir den Film jetzt nochmal angesehen und meine erste Meinung beibehalten.
Für mich der beste BEW und auch besser als etliche original Wallace.
Grund : Diesmal kein Sunnyboy Gehabe des Ermittlers /tolles Ende (für damalige Geflogenheiten )gute "Wallace" Stimmung.Natürlich super Schauspieler (Felmy,Borsche usw )
Auf die humorige Einlage von Chris H. hätte ich noch am ehesten verzichten können.
Fazit:( ohne in weitere Einzelheiten zu gehen wie meine Vorbewerter )Gefühlte 5/5

tilomagnet Offline



Beiträge: 496

15.11.2013 20:08
#38 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Nach langer Zeit wieder einmal gesehen....

Meiner Meinung nach eine der besten Wallace - Epigonen, wenn nicht die beste überhaupt. Die Besetzung ist einerseits famos: Man freut sich besonders über Forster und Fernau, der aber etwas verschenkt in der Butler Rolle wirkt und nur wenig von seinem großen Können zeigen kann. Dieter Borsche kann sich dagegen voll austoben, wenn jemand den nackten Wahnsinn in der Gestalt eines biederen Beamtentyps darstellen kann, dann er. Die Story mit dem Köpfeverpflanzen hat man wohl aus der TÜR - sagen wir einmal - übernommen, dafür ist das Ganze hier aber nicht unfreiwillig komisch, Regie und Kulissen verhindern ein Abdriften in den Trash.

Auf der anderen Seite der Darsteller Riege stehen Felmy und Maria Perschy. Letztere ist einfach schwach und glänzt allein durch ihr Aussehen. Bei Felmy bin ich sehr zwiegespalten: Ist es einfach darstellerisches Unvermögen, dass er in diesem Film distanziert, regungslos und unmotiviert wirkt? Oder ist es Absicht, den Mann mit den zwei Gesichtern so darzustellen?

Das Scope Format ist eine Pracht, die Szene mit der Kutschenfahrt über die neblige nächtliche Straße ist einfach wunderbar. Das Verknüpfen der beiden Handlungsstränge ist zwar nicht wirklich raffiniert, aber letztlich doch sauber gelöst worden.

Im Gegensatz zu einigen Vorschreibern fand ich dagegen die Auflösung auch beim ersten Sehen wenig überraschend, da werden im Filmverlauf mehr Hinweise gestreut als man zählen kann....das ist z.B. in ZIMMER 13 schon anders gelöst und haut einen da tatsächlich vom Hocker.

Womit wir den Bogen zu den "echten" Wallace Filmen geschlagen hätten: Aus dem Hause Rialto kamen in dieser Phase neben ZIMMER 13, auch noch TUCH und GRUFT. Während der HENKER natürlich gegen Reinls Meisterwerk nicht ankommt, überholt die Epigone die anderen beiden "echten" Wallace doch deutlich. Das TUCH leidet unter der eintönigen Kulisse und die GRUFT versenkt Gottlieb irgendwo im Niemandsland zwischen Krimi und albernem Klamaukstreifen.

Fazit: Der HENKER ist ein sauber inszenierter Rialto Konkurrent mit größtenteils erstklassigen Darstellern, herrlichen Scope Bildern und einer ungewöhnlichen Story. Insgesamt beste Krimi Unterhaltung auf hohem Niveau mit ein wenig Gruselfaktor. Von mir gibts 4 1/2 von 5 Punkten.

schwarzseher Offline



Beiträge: 331

16.11.2013 10:14
#39 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Für meinen Geschmack stimmt bei diesem Film (fast) alles.Naja die "Humor" Einlagen waren eben früher fast unausweichlich ( kann ich damals wie heute drauf verzichten )
Felmy muss endlich mal keinen Ermittler Sunnyboy immitieren und Hand in Hand mit seiner geretteten Liebsten von der Leinwand schreiten.Felmys Art passt hier genau in die Story.Die Besetzung top,Gruselfaktor auch da,Auflösung /Ende mal etwas ausgefallender.
Der Film ist bei mir unter den top 10 insgesamt.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.326

16.11.2013 11:04
#40 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Zitat von tilomagnet im Beitrag #38

...die GRUFT versenkt Gottlieb irgendwo im Niemandsland zwischen Krimi und albernem Klamaukstreifen.



Merkwürdig, diese letzte Formulierung passt für mich (ohne Gottlieb, versteht sich) haargenau und viel besser auf den Henker . Die von mir zunächst auch nicht besonders geliebte Gruft (jedoch ohne übermäßigen Klamaukvorwurf) gewinnt bei jeder Sichtung, wohingegen beim Henker Klamauk für mich von Anfang an die überaus alberne Inszenierung der geheimen Gerichtsverhandlungen und das ganze Brimborium drumherum war, und weitere Sichtungen an diesem Bild leider rein gar nichts ändern konnten.
Großer Pluspunkt des Films ist allerdings Dieter Borsche, dieser kommt zwar etwas zu kurz, wenn auch gerade diese Kürze und gleichzeitige Prägnanz in gewisser Sicht schon auch wieder einen ganz eigenen Reiz hat. Für mich trotz auch des sehr geschätzten Felmy dennoch vielleicht sogar der schwächste schwarz-weiße BEW-Film.

tilomagnet Offline



Beiträge: 496

16.11.2013 13:07
#41 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Das ist aber kein Klamauk, sondern wenn dann unfreiwillige Komik. Dies betrifft aber in gewisser Form alle klassischen Wallace Streifen, sei es nun das Froschkostüm, der Bogenschütze oder der blinde Jack etc.

Die GRUFT ist dagegen schon von der Anlage im Drehbuch ziemlich verschenkt und letztlich scheitert der Film zu einem großen Teil an Eddi Arent, der hier hemmungslos übertreibt und unerträglich ist. Das ist im Übrigen der einzige Film, über den ich das sage, weil Vohrer und Reinl haben das meist gut hinbekommen, Arent wirkungsvoll zur Auflockerung einzusetzen. Aber eben wohl dosiert und nicht derart penetrant, dass es die Krimistory untergräbt. Die beste Szene in der GRUFT ist das Ende in der Mühle, das ist in jeder Hinsicht sehr gut inszeniert, allerdings zeigt sich gerade an dieser Szene wie verkorkst der ganze Streifen eigentlich ist: Während die 80 Minuten davor eher als locker leichte Unterhaltung mit (zuviel) Augenzwinkern zu verstehen sind, gibt es dann am Ende seltsamer kein Happy End, als Jimmy Flynn eben nicht die Seiten wechselt und Kathleen rettet. Da verstehe mal einer, wo Buchautor und Regisseur da eigentlich hinwollten.....

Giacco Offline



Beiträge: 1.449

16.11.2013 14:27
#42 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Ich möchte mal aus einem Schreiben des Regisseurs Zbonek an Artur Brauner zitieren:

"In einer ersten Fühlungnahme mit dem Drehbuchautor haben wir abgesprochen, bei der Herstellung dieses Films die Effekte um einen Schritt weiterzutreiben, als es sonst bei derartigen Produktionen hierzulande der Fall ist. Da eine Jugendfreigabe für den Film sowieso nicht in Frage kommt, möchten wir den Stil eines "Grand-Guignol" mit allen Grusel-Effekten finden, in welchem aber auch charmante Szenen (Liebeshandlung) und komische Szenen breiten Raum haben sollten. Ich rege an, dass man für gewisse Handlungsfäden eine Verkürzung mittels Gag-Technik anwenden soll, wie es in englischen Filmen oft der Brauch ist. Jedes parodistische Element hat aber zu unterbleiben."

Anmerkung zu "Grand-Guignol":
Das Pariser Grand-Guignol-Theater galt als "Theater des Schreckens" und setzte auf besonders drastische Horror-Effekte. "Die Stücke der Gruselbühne ließen Paris erschauern und etliche Zuschauer in Ohnmacht fallen." Hier soll auch Hitchcock einige seiner Tricks gelernt haben.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.326

16.11.2013 23:23
#43 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Vielen Dank, Giacco, für dieses aufschlußreiche Zitat!

So könnte, falsch, MUSS es gewesen sein... so ungefähr habe ich mir das auch vorgestellt

Blinde Jack Offline




Beiträge: 2.000

18.12.2013 17:44
#44 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Der Henker von London ist ein wirklich schöner BEW-Film und erinnert in seinen besten Szenen durchaus an die Originale.

Bereits die erste Szene macht großen Spaß und beschwört eindeutig eine altbekannte Atmosphäre herauf, die auch später noch das ein oder andere Mal im Film zu finden ist.
Leider gibt es dazwischen auch einige Schwächephasen, die dem Film die Marke "sehr gut" verderben.
Fangen wir mit den Darstellern an. Zwar ist es erfrischend zu sehen, dass hier auf die bekannten Gesichter größtenteils verzichtet wurde, aber nicht jede Rolle weiß wirklich zu bestechen und mitunter vermisst man einfach die Präsenz eines "alten Hasen" des Genres.
Fellmy fand ich bspw. deutlich schwächer als im Ungeheuer, aber mit Blick auf die gesamte Geschichte geht das noch in Ordnung. Er vermag zwar weder Sympathien, noch ausgefeilte Eigenschafen anzudeuten, aber bleibt damit sicherlich der vorgeschriebenen Rolle treu. Zudem habe ich es, vor dem Ende des Films, seiner Müdigkeit zugeschrieben und es somit als Ausdrucksmittel eingestuft.
Sein weiblicher Gegenpart hingegen vermag eigentlich keiner Wallace-Dame Konkurrenz zu bieten und zieht unscheinbar von Szene zu Szene.
An Riebauer habe ich nichts auszusetzen und sehr geschätzt habe ich das in diesem Film geniale Rudolf-Rudolf-Duo. Allein die Maske Fernaus macht einiges her und gibt den beiden schrägen Charakteren auch das entsprechende Auftreten. Die Beiden sind eine echte Bereicherung unter den Schauspielern dieses Krimis.
Genial in dem was er spielt ist ganz klar Dieter Borsche und seine Annäherungen sind wirklich sehr widerlich in Szene gesetzt. Diese gekonnte Darstellung trügt zu dem Teil der Geschichte auch über das brüchige Drehbuch hinweg. Mit einem schwächeren Schauspiel wäre der Film wahrscheinlich um einiges mehr abgefallen.
Und Howland...Es gab in der Tat einige gute Szenen mit ihm, obwohl ich ihn, auf die gesamten 90 Minuten bezogen, seiner Rolle nicht geecht werdend empfand. Es schmälert dem Bild seines Charakters doch sehr und mit der Auflösung am Ende hätte ich ein bisschen weniger Verkleidungen (etc.) doch als besser empfunden. Manches ist einfach zu viel...

Von den schauspielerischen Leistungen abgesehen wartet der Film mit wirklich schönen Motiven und gleichsam eindrucksvollen Schauplätzen auf. In diesen Kategorien steht er einem echten Wallace in nichts nach und es ist pures Vergnügen den Kutschfahrten durch Nebel, den Gerichtssitzungen, den Szenen im Schloss, etc. zu folgen. Hier verbreitet sich echtes Flair und dieses wird von der Kamera perfekt in Bilder festgehalten. Dadurch entsteht ein rundum atmosphärischer Film, der den Henker in "gutem" Licht erscheinen lässt und auch ansonsten eine schön düstere Dichte auszustrahlen vermag. Die Inszenierung halte ich also wirklich für sehr gut.
An der Musik habe ich ebenfalls nichts auszusetzen - im Gegenteil, mir hat sie sogar sehr gefallen und ergibt ein stimmiges Ganzes mit den begleiteten Bildern. Da kommt wirklich Spannung auf.

Wesentlich holpriger geht es derweil beim Drehbuch zu. Natürlich wird der Handlungsstrang um den Sexualmörder zu einem frühen Zeitpunkt eingeführt, aber wieso Dieter Borsche seinen ersten Auftritt erst nach etwa einer Stunde hat verstehe ich nicht. Erstens ist damit, zumindest dieser Täter, leicht entlarvt und es wirkt einfach sehr eingeschoben, vor allem weil die folgenden 20 Minuten nahezu ausschließlich ihm gehören und der eigentliche Handlungsstrang zu sehr auf der Strecke bleibt. Das war einfach nicht geschickt gemacht, wenngleich die Auflösung ein relativ versöhnliches Ende bietet. Eines ist klar: die Auflösung ist so unerwartet wie in sehr wenigen Filmen die ich kenne und damit sticht der Film auch gewissermaßen aus vielen seiner Kollegen heraus. Er bricht mit so einige Traditionen und deutlich unterstreicht das nochmal der Schluss, der eben kein formelhaftes Happy End ist. Genauso unkonventionell ist auch die Darstellung Scotland Yards. Zwar hatten wir mit Fürbringer bereits einen sachlichen Vorgesetzten, so sehen wir hier noch ein anderes Bild der Polizei. Druck und Angst werden reifer als in anderen Filmen skizziert.
Somit steckt bisweilen das Unerwartet im Bekannten, was in jedem Fall reizvoll ist.

Mein Fazit über diesen Film fällt auf jeden Fall positiv aus. Es macht Spaß von der Stimmung des Filmes zu kosten, die von einigen Schauspielern erzeugt wird, die in so manchem Bild steckt und auch von der Musik getragen wird. Die Auflösung ist so überraschend wie auch verständlich und führt, nur leider viel zu spät, die beiden Stränge der Handlung schlüssig zusammen.
Der Aufbau war mir zu sehr nach dem Additionsprinzip gestaltet (Handlung A + B) und mit mehr Raffinesse im Drehbuch und vielleicht einer ausdrucksstärkeren Frau, hätte dieser Film ein echtes Meisterwerk werden können.

Dennoch

4 von Punkte.

patrick Offline




Beiträge: 2.762

20.02.2014 21:01
#45 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · antworten

Der Henker ist einer meiner absoluten Lieblings-Wallace, der den besten Filmen aus der echten Edgar Wallace Reihe in nichts, aber absolut gar nichts, nachstehen. Die düstere Stimmung mit Nebel und alten Gemäuern ist so richtig schön Wallace-haft inszeniert. Die Musik ist sehr passend, die Handlung spannend. Die eingeschworene Henkers-Gesallschaft ist in schöne Kutten und Kapuzen im Stile des "schwarzen Abt" und des "unheimlichen Mönchs" gehüllt, wobei die Filmhandlung die vorgenannten Filme für mich deutlich übertrifft.

Die durch Nacht und Nebel fahrende Kutsche gibt dem Film einen richtig schönen, altmodischen Gothic-Style.Auch ist der Film, abgesehen von einigen Chris Howland Gags, sehr ernst, was ich bei den Wallace-Krimis gern habe.

Hansjörg Felmy verkörpert hier keinen lässigen Sunnyboy-Detektiv,sondern einen sehr ernsten,nachdenklichen,zerissenen,fast ausgebrannten Charakter,welcher der Rolle voll und ganz entspricht und diese glaubhaft macht.

Das Dr.Frankenstein-Element hat mir bei "Die Tür mit den sieben Schlössern" schon nicht so sehr gefallen und wäre auch hier nicht unbedingt nötig gewesen, dennoch konnte es mir den Film nicht verderben. Auch ist die Art und Weise, wie der bereits im gesetzten Alter stehende Dieter Borsche seine Opfer, junge hübsche Damen, anspricht und so leicht zu sich einlädt völlig unglaubhaft. Aber wie schon gesagt. Der Film ist von seiner Atmosphäre her so stark, dass ich darüber hinwegsehe.


Langeweile kam bei mir nie auf. Bilder, Musik, Atmosphäre, Handlung top. Tolle, sehr überraschende Auflösung.

5 von 5 Punkten ohne mit der Wimper zu zucken

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen