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Dieses Thema hat 109 Antworten
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Baal1985 Offline



Beiträge: 53

28.02.2019 20:16
#106 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · Antworten

Einigen wir uns, dass wir uns nicht einig sind. Für mich fehlt es sowohl dem Henker als auch dem Abt an Atmosphäre. Beim Henker, habe ich ja erklärt woran das liegt.

Und beim Abt stehe mit meiner Meinung, dass weiß ich, ziemlich allein da.

Jan Online




Beiträge: 1.453

28.02.2019 20:50
#107 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · Antworten

Gerade der Vorwurf der optischen Unzulänglichkeit überrascht mich beim Henker allerdings auch. Richard Angst zählt für mich zu den besten Kameramänner des deutschen Films. Zugegebenerweise sind ie Atelierszenen in den beiden Polizeibüros recht steril eingeleuchtet und wirken blässlich. Indes hielt ich das stets für gewollt, um gerade Inspektor Hilliers tagtägliche Einöde im Polizistenberuf zu ver(sinn)bildlichen. Bei den diversen Außendrehs hat Angst m.E. alles gegeben und wunderbar schaurige Bilder eingefangen, die Karl Löb vermutlich auch nicht viel besser gemacht hätte.

Gruß
Jan

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.561

01.03.2019 10:07
#108 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · Antworten

Richard Angst war in der Lage jede Menge toller Bilder zu produzieren, allerdings sind in jedem Film dann auch wieder extrem schwache Momente dabei - sehr seltsam kadrierte Heranfahrten, unfassbar flach komponierte Bilder,... diese extreme Unebenheit kann man durchaus auch als "Unzulänglichkeit" bezeichnen.
Die konstrastreichen, expressionistisch anmutenden Außenbilder hat er gut im Griff und ich bin ein großer Freund seiner verspielten Ideen - wie im "Henker" dem untersichtigen Schuss/Gegenschuss auf Felmy/Preiss, jeweils mit dem aufgehäuften Seil im Vordergrund oder im "siebenten Opfer" der untersichtige Schuss auf eine sitzende Person, wo zuerst nur beide Schuhsohlen den Vordergrund ausfüllen und erst anschließend den Blick auf das Gesicht freigeben.
Solche Bilder haben sich mir eingebrannt und beeinflussen mich wahrscheinlich noch heute, während ich mich ansonsten an wenig aus den Filmen so genau erinnere.
Aber um so stärker fallen dann wieder die einfallslosen, bis hin zu handwerklich tatsächlich unsauberen Bilder auf.

Es gab damals jede Menge (lichtsetzende) Kameramänner, die einwandfreie Bilder gestalteten - Nichts, was auffiel zwar, aber eben auch weder positiv noch negativ. Franz X. Lederle würde ich da beispielsweise nennen, der die Cotton- und St. Pauli-Filme ohne all zu große Spirenzien auf Zelluloid bannte und sich keine missratenen Bilder erlaubte.
Wenn nicht die Momente wären, wie das "Karottenkauen aus Kiefersicht" und Ähnliches, würde ich Karl Löb in die selbe Kategorie stecken - wobei diese Ideen wahrscheinlich eher auf Vohrers Kappe gehen.
Ansonsten hat Löb wohl weit weniger "Wow-Momente" produziert als Angst, aber bei ihm fehlen eben Bilder, die ein Stirnrunzeln verursachen völlig.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.227

01.03.2019 13:55
#109 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · Antworten

@Fabi: Danke für die aufschlußreiche Zusammenfassung!

Gruss
Havi17

Jan Online




Beiträge: 1.453

01.03.2019 19:22
#110 RE: Bewertet: BEW - "Der Henker von London" (4) Zitat · Antworten

Zitat von Fabi88 im Beitrag #108

Richard Angst war in der Lage jede Menge toller Bilder zu produzieren, allerdings sind in jedem Film dann auch wieder extrem schwache Momente dabei - sehr seltsam kadrierte Heranfahrten, unfassbar flach komponierte Bilder,... diese extreme Unebenheit kann man durchaus auch als "Unzulänglichkeit" bezeichnen.


Ich bin nicht vom Fach wie Du - und deswegen sehr dankbar, mal etwas zur Kameraarbeit von einem echten Profi zu erfahren. Diese Sache, die Du als Unebenheit bezeichnest, ist mir tatsächlich im Henker auch aufgefallen. Gerade die nüchternen Aufnahmen im Polizeibüro stehen im Kontrast zu den extrem atmosphärischen Bildern bei Nacht außen. Allerdings war ich tatsächlich davon ausgegangen, dass es nicht als Unzulänglichkeit aufzufassen ist, sondern tatsächlich absichtlich so gestaltet ist. Felmy als reichlich konsternierter Beamter in ebensolchen Bildern quasi. Auch die Kiebach-Bauten passen dazu: nüchtern, fast spröde, seelenlos, letztlich ohne jedes Leben. Die Einstellungen sind grell ausgeleuchtet, die Bilder matt und - ja, tatsächlich! - irgendwie flach. Für mich passt das alles in allem aber zu dem, was hier die Handlung

Seinen Platz in meiner ganz persönlichen Bestenliste der Kameramänner hat sich Richard Angst indes nicht durch den Henker erworben, sondern durch die John-Knittel-Verfilmung "Via Mala" von Paul May (1961). Ich bin bei jeder neuen Betrachten immer wieder begeistert über die durch und durch edel daherkommende Optik. Die Außenaufnahmen sind herlich tief und die Innenaufnahmen im Hause Lauretz oder im Sägewerk alle mit einem meisterlichen Kniff versehen: Um die Enge und Gedrungenheit noch optisch zu verstärken, hat Angst oft die Kamera auf Brusthöhe der Akteure montiert und leicht nach oben gefilmt. Eine Einstellung, die Innen wohl normalerweise recht selten vorkommt, weil es im Atelier normalerweise keine Decke gibt. Hier aber gibt es sie, bewusst tief eingezogen, und Angst hat da mit seinen Einstellungen eine echte Bedrückung geschaffen. Was die Außenaufnahmen anbelangt, fiele mir ansonsten nur noch Otto Heller ein, der in diesem Genre im Film "An heiligen Wassern" etwas der Angst'schen Aufnahmetechnik Vergleichbares zu Wege gebracht hätte.

Zitat von Fabi88 im Beitrag #108

Wenn nicht die Momente wären, wie das "Karottenkauen aus Kiefersicht" und Ähnliches, würde ich Karl Löb in die selbe Kategorie stecken - wobei diese Ideen wahrscheinlich eher auf Vohrers Kappe gehen.
Ansonsten hat Löb wohl weit weniger "Wow-Momente" produziert als Angst, aber bei ihm fehlen eben Bilder, die ein Stirnrunzeln verursachen völlig.

Löb schätze ich ähnlich wie Angst, wobei Löb eben auch einiges gemacht hat, was weniger nachhaltig war. Vielleicht auch deswegen, weil er einfach eine Unzahl an Filmen gemacht hat. Diese Impossible-Shots gehen sicher auf Vohrers Konto, ähnliches hat er ja beispielsweise auch mit Kurt Hasse als Kameramann gemacht. Allerdings bot auch Löb Wiedererkennungswert, selbst dann, wenn nicht Freddy Vohrer im Regiestuhl saß. Bei den "Herren mit der weißen Weste" (Staudte) gibt es einige Einstellungen (Türklinke in Großaufnahme mit blinkender Beleuchtung à la Kneipe am Fenster gegenüber), die sich bei Löb immer mal wieder finden. Ihm gebührt m.E. halt das Kompliment, den Wallace-Filmen trotz Farbe nicht den Garaus gemacht zu haben. Die Sache mit Licht und Schatten hat er selbst ab '66 noch recht gut im Griff gehabt.

Beide - Angst und Löb - eint in meinen Augen aber noch was anderes: Beide wurden dem als bildgewaltigen Regisseur bekannten Fritz Lang zur Seite gestellt und beide haben in ihrer jeweiligen Zusammenarbeit mit dem großen "Optiker" nicht gerade ihre besten Arbeiten abgeliefert. Ich erinnere mich gut daran, dass ich nach dem ersten Sehen der "Tausend Augen" ein wenig ernüchtert war, hatte ich doch optisch etwas Vergleichbares zu Langs Vorkriegskrimis erwartet. Das war vielleicht etwas naiv in der Herangehensweise, jedoch würde ich selbst bei heutiger Betrachtung sagen, dass Karl Löb im Zusammenspiel mit Vohrer besser war als mit Lang.

Gruß
Jan

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