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Dieses Thema hat 201 Antworten
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tilomagnet Offline



Beiträge: 582

29.04.2019 19:20
#181 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Zumindest interessanter als der Vorgängerfilm und auch handwerklich besser gemacht ist die NONNE defintiv. Wirklich überzeugen kann aber auch der zweite Rialto - Farbwallace wohl kaum. Trotz sehr hohem Bodycount tritt der Mörder zu selten in Erscheinung, was diesen Whodunit ziemlich in den Hintergrund stellt. Dann gibt es einfach zu viele störende Elemente, wie die furchtbare Rolle des jungen Lord, das pseudo-psychologische Motiv der Mörderin und der seltsame Raketenwerfer wirkt leider unfreiwillig komisch und albern.

Stewart Granger hat mehrere Karl-May Filme auf dem Gewissen, hier gibt er aber einen durchaus überzeugenden, charismatischen Inspektor. Herrlich, wie er die schwarze Nonne mit einem gekonnten Hieb niederstrecken darf. Undenkbar in unserer von politcal correctness verseuchten Zeit heutzutage! Nur seine Szenen mit Susan Hampshire wirken bemüht und unpassend. Sehr gut Robert Morley und Brigitte Horney. Eddi Arent hat immerhin einen schönen Abschied bekommen.

Vielleicht hätte die NONNE so etwas sein können wie die NARZISSEN für die frühe Wallace Reihe war - ein Exot in der Reihe, der neue Impulse gibt. Leider sind Drehbuch und Inszenierung insgesamt zu schwach und zu unspektakulär. Was positiv in Erinnerung bleibt, ist die echt britische Athmosphäre und eine edle Optik der Schauplätze, ein krasser Gegensatz zu den deutschen Wallace dieser Phase. 3/5 Punkten.

Markus Offline



Beiträge: 668

29.04.2019 19:34
#182 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Zitat von Markus im Beitrag Bewertet: "Das Geheimnis der weißen Nonne" (1966, 22)
Hier gibt es einen Ausschnitt aus der englischen Fassung. Horney und Arent sprechen selbst!

https://youtu.be/xRhoqd7Gi4c

Gruß
Markus

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 551

30.04.2019 14:01
#183 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Das Geheimnis der weiße Nonne ist wieder mal eine deutsch-britische Co-Produktion, diesmal in Farbe. (Was bedeutet eigentlich der englische Titel The Trygon Factor ? Etwa „Der Stachelrochen-Faktor“ ? Wo ist da der Sinn?)
Entstanden sein soll der Film nach Motiven des Wallace-Romans Käthe und ihre Zehn. Wie weit das wohl stimmt ? Die junge Käthe Westhanger ist eine geniale Strategin, was die Planung von Raubüberfällen und großangelegten Diebstählen angeht. Strategische Genialität ist eine vererbte Eigenschaft in ihrer Familie, und ihr diesbezügliches Talent wird von ihrem Onkel, quasi eine Vaterfigur, nach Kräften gefördert. Längere Zeit ist sie die Anführerin von einigen (bzw. eben zehn) Berufsganoven, besser gesagt lässt man sie in dem Glauben, das zu sein, denn im Prinzip nutzen die Männer ihr Talent in dieser Hinsicht nur aus. Ihr Schicksal tritt in Gestalt des smarten Inspektor Pretherston auf den Plan, denn nun machen die Hormone der hübschen Käthe einen Strich durch die Rechnung. Lange Zeit treiben die beiden ein Katz- und Maus-Spiel, es hat im Prinzip eher etwas von einer unblutigen Kriminalkomödie an sich, doch zum Schluss, nach einem letztmaligen großen Unternehmen, zeigen Käthes Kumpane ihr wahres Gesicht, was in einem recht düsteren Finale endet, allerdings nicht für Käthe und ihren beruflichen Widersacher. Im Film gibt es statt einer mehrere Käthes, die verbrecherischen Damen des Nonnenordens samt ihrer adligen Vermieterinnen. Oder ist hier nur die psychopathische Killerin Trudy Emberday gemeint, mit ihrem Vaterkomplex ? Doch während die Roman-Käthe am Ende in den Armen des feschen Inspektors landete, hauchte Trudy ihr Leben ja unter besonders schrecklichen Umständen unter einer Kelle Flüssiggold aus. Außerdem sind Käthes Raubzüge meist gewaltlos, was man von denen der Film-Gangsterinnen nicht sagen kann. Das rücksichtlose Verwenden von tödlichem Giftgas bei einem Überfall auf einen Goldtransport gibt es auch bei John Flack, dem geistesgestörten Anführer einer weiteren Verbrecherbande aus Edgar Wallace' literarischem Schaffen, ein weiterer Bezug zu seinem Werk im Nonnen-Film. Da sollte auch noch die Übernahme des geistlichen Ordens durch verbrecherische (hier: weibliche) Elemente genannt werden, entgegen der Zielsetzung des eigentlichen Begründers, welcher einen seltsamen Unfalltod erlitten hatte. Das sind eindeutige Parallelen zu den ehemals recht esoterischen "Stolzen Söhnen von Ragusa" und ihrem heimlich um die Ecke gebrachten Gründer Mr. Stone im Roman Im Banne des Unheimlichen, dessen Handlung auf einigen Umwegen ebenfalls in einem großartig geplanten skrupellosen Goldraub mündet. Ich persönlich denke nicht, dass diese Einzelheiten nur Zufälle sind, offenbar haben die britischen Produzenten dieses viel gescholtenen Filmes tatsächlich ihren Wallace gelesen und mehr Elemente aus seinen Geschichten in die Handlung eingebaut als es bei einigen zurückliegenden deutschen Schwarzweiss-Produktionen der Fall war. Vielleicht findet man ja auch noch weitere Anspielungen ?

Aber natürlich ist es schon eine sehr modernisierte, eigenständige Handlung. Die deutschen und britischen Schauspieler sind recht erlesen, doch die Produktion ist ja noch internationaler. Der britische Wahlamerikaner „Old Surehand“ Steward Granger mimt den adeligen englischen Kriminalisten Cooper-Smith doch recht überzeugend. Ob er privat tatsächlich so ein arrogantes Ekel war wie behauptet ? Ich kann es mir gut überlegen, alle seine Rollen durchzieht etwas Hochnäsiges, doch tatsächlich passt es auch meist gut in die Handlung. Dass ihn die Damen mochten, kann man sich auch vorstellen, doch ob ein durchaus sehr attraktiver französischer Marylin-Monroe-Verschnitt wie Sophie Hardy wirklich auf einen Mann fliegen würde, der fast ihr Großvater sein könnte ? Kaum denkbar, doch vielleicht hat sie auch einen unbewältigten Komplex mit einem fehlenden Vater, der sie in die Arme älterer Männer treibt… ? Leider hat auch Sophie Hardy wie ihre berühmte amerikanische Berufskollegin das Schicksal gehabt, als das blonde Dummchen vom Dienst zu fungieren, obgleich es hier bei ihr nicht mehr ganz so schlimm wie beim Hexer war. Trotzdem hätte man ihr eine intelligentere Rolle gewünscht, ihre körperlichen Vorzüge konnte sie ja auch noch einmal großzügiger in Szene setzen.
Brigitte Horney ist als kaltherzige Mutter Oberin in ihrer zweiten und letzten Gastrolle bei Edgar Wallace einfach umwerfend, genauso wie ihr Ehegatte, der von dem geschätzten Robert Morley gespielt wird und eine tragikomische Figur abgibt. Eddi Arent gibt hier leider seinen Ausstand, ein trotz aller manchmal auch berechtigten Kritik wohlgelittenes Markenzeichen der Reihe, ohne den sie wohl auch kaum so unverwechselbar erfolgreich geworden wäre. Doch hier ist der komische Anteil fast gänzlich verschwunden, uns tritt ein gelackter und von sich eingenommener Edelganove entgegen. Sein Wandel vom ewigen Herumalberer der Anfangsfilme auf Seiten der Guten zum Bösewicht in den letzten vier Beiträgen ist schon beachtlich.
Ansonsten gibt es in der deutschen Variante auch den unvermeidlichen Siegfried Schürenberg alias Sir John und die Engländerin Susan Hampshire als Tochter der Schlossherrin mit seltsamen psychischen Störungen, nicht so schlimm aber wie ihr dümmlicher und nervender Bruder. Das war wohl doch ein wenig zu viel des Guten.
Ansonsten ist die Handlung recht durchgängig angelegt, ohne nun allzu viele Spannungsmomente zu setzen.

Natürlich bleibt auch hier ab und zu die Sinnhaftigkeit wieder auf der Strecke. Wozu „Herr Clossen“ unbedingt in dem albernen Sarg einreisen musste, wird nicht so recht klar, selbst wenn er polizeilich gesucht würde, müsste doch wohl eine Verkleidung samt falschem Pass möglich gewesen sein. Wie ist dann überhaupt seine von ihm entwickelte Tresorknack-Maschine nach England gekommen ? Immerhin konnte man die ja wohl schlecht in einen Sarg legen und samt Munition ins Land schmuggeln. Ob diese futuristische Waffe mit ihrer panzerbrechenden Munition tatsächlich funktionieren konnte oder eher die Querschläger und Explosionen alles andere in dem engen Bankgewölbe einschließlich des Schützen samt seiner Lego-Rüstung pulverisiert hätten, kann man als Nichtfachmann wohl kaum sagen. Immerhin ist es doch ein recht origineller Einfall.
Dagegen ist das Psycho-Motiv der Killerin wenig überzeugend. Eigentlich will sie ja ein Mann und kein Mädchen sein, obwohl sie auch Männer hasst und trotzdem verführen will… Ein bisschen viel Siegmund Freud für die Westentasche auf einmal !
Und der peinliche halb hirntote Sohn Luke der Schlossherrin, erst wird er von ihr erschossen, und dann im nächsten Moment stürzt sie sich jammernd über ihn. So was ist einfach nur dämlich !
Natürlich ist die Handlung auch sonst unrealistisch, doch irgendwie stimmiger als bei den meisten anderen Filmen der Reihe. Ein paar weniger Tote hätten auch gereicht, besonders das Vergasen der Bankangestellten ist doch ziemlich brutal und sinnlos. Ich bin beim Zählen „nur“ auf 21 Dahingeschiedene gekommen, doch da kann man sich auch mal schnell verzählen.
Steward Granger hat alle Hände voll zu tun, sich die mörderischen Damen und ihre Helfershelfer vom Leib zu halten. Imponierenderweise schreckt er auch nicht davor zurück, die pseudo-geistlichen Ladies, eine davon sogar mit Migrationshintergrund, mit der bloßen Faust ins Reich der Träume zu schicken.
Nachdem alles erledigt ist, trudeln dann auch typischerweise seine Kollegen ein und räumen die Trümmer weg.

Für einen englischen Farbfilm fehlt der „Nonne“ sicherlich der typische Schwarzweis-Grusel der rein deutschen Produktionen, aber auch die extreme Überdrehtheit der späteren bunten deutschen Filme.
Herausgekommen ist ein passabler Krimi mit einigen zeittypischen Klischees, aber durchaus auch Bezügen auf den berühmten Autor und guten darstellerischen Leistungen mit einer Prise action.
Ich gebe zu, dass ich ihn auch sehr selten sehe, was vielleicht unverdient ist.

Persönliche Wertung (Farbfilme) : 4 von 5 Punkten

Georg Online




Beiträge: 3.217

30.04.2019 14:09
#184 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Lat. trigonum ist das 'Dreieck', ebenfalls engl. trigon. Es bezieht sich wohl auf das Logo, das am Boden der Vasen zu sehen ist, siehe auch engl. Plakate.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 551

30.04.2019 17:11
#185 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Aha. Vielen Dank für diese wissenstechnische Bereicherung !.
Dann ist es aber bei Wikipedia falsch geschrieben. Da muss man wirklich vorsichtig sein, wenn man was verwenden will. Dafür steht es bei prisma.de oder rialtofilm.de richtig da: TRIGON.
Tatsächlich kann es sich wirklich nur auf die Dreiecke im Vasenboden beziehen. Vielleicht gar eine kleine Anspielung auf "Das silberne Dreieck ?"... ?

patrick Offline




Beiträge: 3.234

30.04.2019 17:32
#186 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #23
Ich finde, dass sie perfekt zu ihrer Rolle im Hexer passte. Wer hätte denn Deiner Meinung nach diese Rolle besser verkörpern können?


Als zuckersüßes Püppchen ist sie natürlich sehr nett anzusehen. Und das Blondinenklischee hat sie perfekt bedient. Was mich stört ist DAS BLONDINENKLISCHEE - zumindest in einem Thriller. Es geht mir nicht darum, dass ich die Rolle anders besetzt bevorzugen würde. Derartig platte und seichte Charaktere haben m.E in einem wirklich guten Thriller oder Krimi grundsätzlich nichts zu Suchen. Leider hatte Vohrer in der späteren Phase der Filme anscheinend eine Vorliebe für solche Albernheiten, was auf der männlichen Seite von Hubert von Meyerinck in gar unerträglicher Weise dann völlig überspannt verdeutlicht wird.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

01.05.2019 09:04
#187 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Ausgerechnet Hubert von Meyerinck als Blondinenklischee ... wo ist die Perücke?

Markus Offline



Beiträge: 668

02.05.2019 10:36
#188 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Die englische Fassung gibt es anscheinend hier zu kaufen:

[...]

Gruß
Markus

Editiert von Gubanov am 04.05.2019, 1:50 Uhr - Link zu augenscheinlich nicht offiziellem Kaufangebot entfernt; es existiert von der UK-Fassung mit James Robertson-Justice zumindest eine offizielle Veröffentlichung auf VHS unter dem Titel "Factor One", z.B. hier

Ray Offline



Beiträge: 1.841

02.05.2019 22:34
#189 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Zwar ist die "Nonne" sicherlich "edler" als der "Bucklige". Dass man es vorliegend mit der teuersten Produktion der Reihe zu tun hat, sieht man dem Endprodukt aber auch nicht unbedingt an. Insgesamt eigentlich fast alles wie immer, wenn man es mit einer Co-Produktion aus dem Heimatland von Wallace zu tun hat: ein solider Kriminalfilm, der aber nicht aus der Masse heraussticht. Der "Nonne" geht einerseits das typische Wallace-Flair der deutschen Rialto-Produktionen ab, andererseits fehlt jedoch ein echter Mehrwert im Vergleich zu britischen TV-Produktionen der Zeit wie "Simon Templar" oder "Mit Schirm, Charme und Melone". Und die "Superwaffe" wirkt denn auch eher einer billigen Bond-Kopie entlehnt als aus der Original-Reihe und erscheint im vorliegenden Film ausgesprochen deplatziert. Auf unbeholfene Erotik-Einlagen wollte offenbar auch Cyril Frankel nicht verzichten. So bieten die Nonnen in Strapsen eine Steilvorlage für Parodien, die Kalkofe & Co in "Neues vom Wixxer" nur allzu gerne annahmen. Für Belustigung sorgt auch der Umstand, dass Sophie Hardy zwar ohne BH, dafür aber mit Slip in die Badewanne steigt.

Die Story läuft insgesamt ziemlich flüssig ab, wenngleich der Whodunit-Nebenplot eine offensichtliche Pflichtschuldigkeit darstellt, nachdem man im "Verrätertor" zum Unmut der Zuschauer gänzlich darauf verzichtet hatte. Stewart Granger agiert souverän, Sophie Hardy hat hingegen einen (noch) weniger dankbaren Part erwischt als im "Hexer" - entsprechend weniger überzeugend fällt ihre Performance aus. Beherrscht wird das Geschehen eindeutig von "Chef-Nonne" Brigitte Horney, die wie schon bei ihrem Auftritt im zweiten "Hexer"-Film jede Szene perfekt akzentuiert und stets dezent und trotzdem prägnant agiert. Auch Cathleen Nesbitt und Robert Morley setzen Akzente. Was sich die Produzenten bei der Figur des Luke Emberday gedacht haben, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Seine absolut überzogenen Auftritte überstrapazieren die Nerven der Zuschauer und werten den Film deutlich ab. Eddi Arent bekommt einen recht netten Ausstand ins Buch geschrieben und doch stellt sich die Frage, warum er bei dieser Co-Produktion noch unbedingt dabei sein musste, von nun an aber gänzlich entbehrlich war. Durch Arents Wandel in seinen Figurentypen und der überschaubaren Präsenz Siegfried Schürenbergs bleibt der Humor weitgehend auf der Strecke. Als gelungen können immerhin die Inszenierung der Morde und der Score von Peter Thomas bezeichnet werden.

Solides Heist-Movie, das im starken Teilnehmerfeld aber ins letzte Drittel gehört. 3 von 5 Punkten.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

04.05.2019 01:47
#190 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

@Dr. Oberzohn: Ganz herzlichen Dank fürs ausgezeichnete Aufdecken der verschiedenen Romanparallelen, die sich hinter dieser Verfilmung verstecken. Ich vermute auch, dass die Häufung der Anspielungen kein Zufall sein kann. Umso mehr wertet dies den Film für mich auf. Ein gelungenes Potpourri an Buchvorlagen-Versatzstücken kann sehr reizvoll sein, wie z.B. auch immer wieder die Rathbone-Holmes-Filme unter Beweis gestellt hatten.

@Ray: Zu schreiben, der Film steche nicht aus der Masse heraus, ist zumindest im Kontext der German Wallace Wave natürlich etwas ungünstig. Da ragt er schließlich so deutlich heraus wie nur irgend möglich (in welche Richtung auch immer, das möge ein jeder Zuschauer selbst beurteilen). Aber ehrlich gesagt finde ich die "Nonne" auch darüber hinaus sehr "eigensinnig", wenn man sie mit anderen britischen Filmen der damaligen Zeit vergleicht. Welche sind denn deiner Meinung nach konkret ähnlich? Die Balance, die der Film zwischen Krimi und Euroaction, zwischen Inhalt und Optik findet, ist in meinen Augen schon ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal, aber vielleicht finde ich noch interessante Vorschläge. Und dass er nicht ins unmittelbar Absurde zielt wie etwa "Mit Schirm, Charme und Melone", dafür bin ich als Krimifreund sehr dankbar. Ich würde diesbezüglich auch nicht unbedingt formulieren, dass der Humor "auf der Strecke bleibt", sondern dass er nach (und vor) verschiedentlichen Ausrutschern zur Abwechslung einmal ein wenig eingedämmt wird.

@Thematik Sophie Hardy: Eigentlich würde ich ganz gern mehr von ihr sehen. Ihre Filmografie ist aber leider nicht sehr umfangreich. Spontan fällt mir da am ehesten der 1969er-Thriller "Taste of Excitement" ins Auge. Lohnt es sich, ihn ihretwegen anzuschauen?

Count Villain Offline




Beiträge: 4.507

04.05.2019 14:03
#191 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Sehr britisch und zugleich sehr international. "Das Geheimnis der weißen Nonne" zeigt uns sehr eindrücklich, was hätte sein können, wenn die Wallace-Reihe ihren deutschen Schuhen auf Dauer entwachsen wäre. Dass es nur bei einem einmaligen "Ausflug" blieb, muss wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet werden. Fehlt der Nonne zwar zum einen die wohlige Gruselatmosphäre der rein deutschen Produktionen, muss man feststellen, dass auch die deutschen Filme, die folgen sollten, weder viel mit dem Roman-Wallace noch mit den packenden Thrillern der Anfangsjahre zu tun haben und stilistisch immer mehr auf der Stelle traten. Von daher lautet mein Urteil auch: Schade, dass es ein einmaliges Experiment geblieben ist. Das soll nicht heißen, dass ich die Vohrer-Farbfilme gerne missen würde, aber eine Art Parallel-Serie dazu wäre sicher sehr spannend gewesen.

Ansonsten ist natürlich schon ziemlich viel zu dem Film gesagt worden, so dass ich mich jetzt auf kurze Einwürfe beschränken werde.

- Titelmusik als eigenständiges Stück eher nichtssagend
+ Score als Ganzes sehr gelungen
+ brutales, realistisches, effektives Vorgehen der Gangster
- dadurch allerdings weniger sympathisch als die doch relativ gewaltlosen Gauner im Verrätertor, Nonnen sind eben keine Gentlemangangster à la Trayne
+ große Spielfreude bei der Damenriege, punktgenau gesetzte Akzente bei den Herren
- Schürenbergs überflüssigster Wallace-Auftritt
- Anfang etwas schleppend, der Film kommt erst mit dem Auftritt von Arent in einen wirklichen Fluss
+ gegen Ende zieht die Spannung gut an
+ die - auch und besonders von Arent getragene - gespannte Atmosphäre in der Bank sorgt förmlich für Knistern in der Luft
- die Taten des maskierten Mörders wirken im Vergleich mit den vielen Gas-Toten letztendlich sehr unerheblich, was dem Whodunnit ebenso schadet wie die Tatsache, dass er nur zwei Anfangsmorde begeht und dann aus der Geschichte verschwindet, wo er doch sehr gut auch Hamlyn und/oder Clossen hätte töten können
- ebenso unter dem missglückten Whodunnit leidet der Charakter des Luke Emberday, dessen augenscheinliche Rolle die des roten Herings in Bezug auf die Identität des maskierten Mörders ist, verschenktes Potential
+ einer der Gangster war bereits ein Gangster im Dreieck und beide Male muss er sterben
- überzeugt das Finale in seiner Dramaturgie, gibt es bei der Logik jedoch Abzugspunkte, da würgt ein Mann eine Frau und keiner tut etwas bis plötzlich die Mutter schießt, keiner kommt auf die Idee trotz Überzahl dazwischen zu gehen oder den schon bei Cooper-Smith erprobten Holzhammer zu benutzen, dämlich und unglaubwürdig
+ die Kritik an dem gelben Schutzanzug etc. kann ich zwar irgendwie nachvollziehen, empfinde das aber absolut nicht als störend, sogar im Gegenteil, ein bisschen Phantastik gehört schon seit jeher zu Wallace dazu

Ist die Musik beim Badewannenmord eigentlich ein bereits existierendes Stück gewesen oder eine Eigenkomposition von Thomas? Weiß das jemand?

Fazit
Hochwertiger und temporeicher "Brit-Wallace", dem zwar die typische Düsterkeit fehlt, der dafür aber mit einer knalligen Sixties-Atmosphäre und internationalem Flair punkten kann, auch wenn letztendlich im Vergleich mit ähnlichen Produktionen zu wenige eigenständige Qualitätsakzente gesetzt werden können.

Ray Offline



Beiträge: 1.841

06.05.2019 23:32
#192 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #33
@Ray: Zu schreiben, der Film steche nicht aus der Masse heraus, ist zumindest im Kontext der German Wallace Wave natürlich etwas ungünstig. Da ragt er schließlich so deutlich heraus wie nur irgend möglich (in welche Richtung auch immer, das möge ein jeder Zuschauer selbst beurteilen). Aber ehrlich gesagt finde ich die "Nonne" auch darüber hinaus sehr "eigensinnig", wenn man sie mit anderen britischen Filmen der damaligen Zeit vergleicht. Welche sind denn deiner Meinung nach konkret ähnlich? Die Balance, die der Film zwischen Krimi und Euroaction, zwischen Inhalt und Optik findet, ist in meinen Augen schon ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal, aber vielleicht finde ich noch interessante Vorschläge. Und dass er nicht ins unmittelbar Absurde zielt wie etwa "Mit Schirm, Charme und Melone", dafür bin ich als Krimifreund sehr dankbar. Ich würde diesbezüglich auch nicht unbedingt formulieren, dass der Humor "auf der Strecke bleibt", sondern dass er nach (und vor) verschiedentlichen Ausrutschern zur Abwechslung einmal ein wenig eingedämmt wird.


Aus den Wallace-Filmen sticht er natürlich schon heraus. Nur kann er das "Minus" an Vertrautheit (Atmosphäre, Darsteller) in meinen Augen nicht vollends kompensieren. Allein die Figur des Luke Emberday kostet schon 0,5-1 Punkt. Look und derartige Storys findet man in sehr ähnlicher Form in den genannten Serien (daher wahrscheinlich mangels Bedarfs weniger im Film, jedenfalls fällt mir jetzt spontan keiner ein), die zudem mit überzeugenderen Hauptdarstellern aufwarten können und die nötige Prise (mehr) an Humor haben, um das kuriose Treiben ein wenig aufzubrechen. Daher würde ich eine durchschnittliche Folge dieser Serien stets vorziehen.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.507

07.05.2019 06:40
#193 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #35
Look und derartige Storys findet man in sehr ähnlicher Form in den genannten Serien (daher wahrscheinlich mangels Bedarfs weniger im Film, jedenfalls fällt mir jetzt spontan keiner ein), die zudem mit überzeugenderen Hauptdarstellern aufwarten können und die nötige Prise (mehr) an Humor haben, um das kuriose Treiben ein wenig aufzubrechen. Daher würde ich eine durchschnittliche Folge dieser Serien stets vorziehen.


Dann ist es ja umso besser, dass ich noch nie irgendeine Folge dieser Serien gesehen habe. Dann kann ich die Nonne wenigstens noch weiterhin genießen.

TV-1967 Offline



Beiträge: 583

07.05.2019 20:51
#194 RE: Wallace der Woche (25): Das Geheimnis der weißen Nonne (1966) Zitat · Antworten

Da es ein anderer Musikverlag war, komponierte Thomas für diesen Film alles Neu.

Stephan Offline



Beiträge: 114

07.05.2019 23:03
#195 RE: Bewertet: "Das Geheimnis der weißen Nonne" (1966, 22) Zitat · Antworten

Gong:
*1/2(mäßig):“Spannung will nicht recht aufkommen.“

Pauer:
„…gelang dem Regisseur ein aktiongeladener Krimi mit großzügigen Außenaufnahmen und kostspieligen Regieeinfällen.“

Kramp:
„Alles in allem hatte man(…) ein außergewöhnliches Produkt hergestellt, dem man mit reinem Gewissen den Stempel „Ein echter Edgar-Wallace-Krimi“ aufdrücken konnte.“

Tses:
„Mit zwei echten Hollywood-Stars, sowie zwei echten Edgar-Wallace-Säulen sollte man nicht nur mehr erwarten, sondern auch mehr bekommen. Das ist aber nicht der Fall. Regisseur Cyril Frankel liefert eine Arbeit ab, die nicht befriedigt.““

Hohmann:
„Die Regie von Frankel war recht unkonventionell, aber handwerklich einwandfrei, das Tempo recht hoch und bis auf einem kleinen Hänger im Mittelteil gelang die Dramaturgie dank einer soliden Spannungskurve.(…) Er brachte vielmehr frischen Wind in die Reihe und war beileibe nicht so schlecht, wie er mitunter gemacht wurde. Kein Meilenstein, aber annehmbare Unterhaltung, fern von der 08/15- und Trashkost, die in naher Zukunft noch stärker Einzug und Relevanz erlangen sollte.“.“

Meine Meinung:
Nochmals eine deutsch-britische Partnerschaftsproduktion und nochmals weiß sie mich nicht recht zu fesseln. Dieser Club der verbrecherischen Nonnen mutet teilweise etwas merkwürdig an. Und wenn Stewart Granger sich als Haudegen in epischer Länge und Breite sich durch die Klostermauern prügelt, hat mich ein Film generell und ein Wallace im speziellen trotz aller wieder einmal handwerklich soliden Basis schon mal besser unterhalten. Trotz der von mir überaus geschätzten Brigitte Horney und dem immer wieder sensationellen Robert Morley 2,5 Punkte…

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