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Dieses Thema hat 219 Antworten
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 Filmbewertungen
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Gubanov Offline




Beiträge: 16.096

24.02.2019 22:09
#211 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Meine Güte: Hier im Thread herrscht ja ein echtes Servierwagen-Trauma vor. Wenn wir alle darin übereinstimmen, dass wir das nicht lustig finden, dann war es vielleicht auch genau das: gar nicht lustig gemeint ...

Zitat von Wallacefreund im Beitrag #11
H. Nielsen spielt den aufbrausenden US-Amerikaner, erinnert mich ein wenig an Fröbes Auftritt im Bogenschützen. Finde seine Darbietung ebenso wie in der"Tür"gut. [...] A. Berber spielt ordentlich, kommt aber an seiner Glanzleistung aus den Augen nicht annähernd heran. Fand ihn auch in der Tür besser, hat hier seinen schwächsten Wallace Auftritt.

Zu Hans Nielsen habe ich noch nichts geschrieben. Mir hat er diesmal auch deutlich besser in der Rolle des in die Ecke gedrängten Mr. Tilling gefallen, als ich es von früheren Sichtungen her in Erinnerung hatte. Nichtsdestoweniger halte ich an der Behauptung fest, dass Nielsen mit dieser Rolle (und auch mit der als Anwalt Haveloc in der "Tür") einigermaßen sträflich unterfordert war und er dementsprechend zwei im Rahmen seiner illustren Filmografie eher schwache Auftritte zu verbuchen hat. Das liegt aber gewiss nicht daran, dass er nicht überzeugen würde, sondern eher daran, dass er zu viel mehr imstande gewesen wäre, wenn man ihn im Wallace-Rahmen denn gelassen hätte. Das war leider nicht der Fall.

Bei der Berber-Rolle ist eher Umgekehrtes zu konstatieren. Da war dann eben sehr schnell eine schauspielerische Glasdecke erreicht, die Vohrer in den "Augen" sehr geschickt z.B. durch eine weitgehend dialogfreie Anlage der Rolle umschifft hatte. Aber andererseits krankt auch Berbers Chiko an einer Flachheit, die in den kommenden Filmen von einer Vielzahl der Charaktere Besitz ergreifen wird. Er ist einfach keine so interessante, runde Figur mehr wie zu "blinder Jack"-Zeiten, sondern mehr ein erwartbares Stück Inventar. Ähnliche Entwicklungen lassen sich in den Jahren 1963/64 auch bei den Kinski-Rollen konstatieren - und spätestens in der Farbära dann gleichfalls bei so ziemlich allen anderen Figuren auch.

Interessant beim Lesen der Bewertungen zum "Tuch" ist, wie ausgeglichen hier sehr stark positive und eher kritische Meinungen vorgetragen werden. Das hat man doch eher selten - hier liegt also wirklich mal ein echt polarisierender Film vor.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.248

27.02.2019 14:09
#212 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #13
Meine Güte: Hier im Thread herrscht ja ein echtes Servierwagen-Trauma vor. Wenn wir alle darin übereinstimmen, dass wir das nicht lustig finden, dann war es vielleicht auch genau das: gar nicht lustig gemeint ...


Falls es dich beruhigt, das einzige, was mich in Sachen Humor in dem Film stört, ist nicht der Servierwagen, sondern der Inspektor Brandt als billige Fuchsberger-Imitation am Telefon. Ich mag den High-Tech-Servierwagen! Und die Stühle-rückenden Geister der Ermordeten!

Ich habe das Gefühl, dass manche hier den Film zu ernst nehmen. Oder ihn sich ernster gewünscht hätten.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.155

27.02.2019 18:40
#213 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Dies Problem gibt es hier auch beim grünen Bogenschützen

Gruss
Havi17

Count Villain Offline




Beiträge: 4.248

27.02.2019 21:08
#214 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Gerade eben wieder gesehen und ich habe meinem alten Review nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht: Ich habe mein zehnjähriges Forenjubiläum verpasst...

Zitat von patrick im Beitrag #8
Zitat von Stephan im Beitrag #5
Ich glaube, ich kann vom Wohlfühlfaktor her – sieht man von den tatsächlich zwei peinlichen Schlussgags mit Inspektor Fuchsberger und dem erbenden Edgar Wallace ab – absolut hier von meinem Lieblings-Wallace reden.




volle Zustimmung.


Und auch das möchte ich so unterschreiben. Ich habe schon damals den Ton auf Kassette übertragen und das Tuch dann rauf und runter gehört. Dumm nur, dass der Lieblings-Wallace eigentlich kein Wallace, sondern ein Christie-Verschnitt ist.

Das ist dann aber auch der einzige Grund, warum er es bei mir nicht ganz auf Platz 1 schafft.

Jan Offline




Beiträge: 1.428

27.02.2019 22:39
#215 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #15
Dies Problem gibt es hier auch beim grünen Bogenschützen

Da sehe ich tatsächlich aber einen recht deutlichen Unterschied: Während der Bogenschütze seinen Humor - nennen wir es - übereddisiert, damit nach Arent'scher Machart allenthalben vorträgt und diesbezüglich seine deutsche Machart (in für Jürgen Roland eigentlich ungewöhnliche ungelenker Weise) kaum verleugnen kann, reiht das Tuch eher die eine oder andere amüsante Groteske aneinander, die ich nicht wirklich mit schief angeklebten Bärten oder um Bäume herumschleichende Darsteller aus der dritten Reihe in Verbindung bringe. Sicher, die Sache mit Inspektor Fuchsberger wäre nur dann treffsicher geglückt, wäre Blacky selbst am Telefon gewesen. Mit Rainer Brandt ist der Effekt verpufft und bleibt letztlich recht dümmlich zurück. Der viel zitierte Servierwagen hingegen torpediert die Geschichte nicht ansatzweise so derbe, wie es die vermeintlichen Humoresken dem Bogenschützen unmöglich machen, durchgehend als Krimi zu funktionieren. Sicher, das alles ist eine Frage des eigenen Geschmacks. Den Nervfaktor des Bogenschützen kann ich dem Tuch indes auch bei abschätzigster Betrachtungsweise nicht anlasten. Nicht einmal in Ansätzen.

Grundsätzlich würde auch ich ins Horn des Wohlfühlfaktors stoßen wollen, welcher das Tuch unter'm Strich m.E. am besten charakterisiert. Für sich genommen sicher auf Einzelleistungen bezogen kein Film der überragenden Nachhaltigkeiten. Alles zusammen kombiniert jedoch ergibt sich das sehr runde Bild eines mal ulkigen, mal schauerlichen, in jedem Fall aber stets verschrobenen Sehvergnügens. Das Tuch nistet sich in seiner Genre-Nische ziemlich perfekt ein, gibt auch gar nicht erst vor, mehr sein zu wollen als bloße Unterhaltung ohne tieferen Sinn und Zweck. Sowohl Inszenierung als auch Ensemble bieten eben jene Ironie und Leichtigkeit, die man von Christ.. äh... Wallace erwarten darf. Die bis ins Groteske überzeichnete Schauspiellerführung bietet einmal mehr eine tolle Show - gerade und vor allem betrifft dies natürlich den herrlich irren Hans Clarin (nebenbei bemerkt selbst das Klavier spielend) und den streckenweise völlig von Sinnen spielenden Klaus Kinski.

Dass wir es hier mit weniger aufregenden optischen Reizen zu tun bekommen als beispielsweise noch beim Zinker, liegt natürlich nicht zuletzt daran, dass es sich um einen reinen Atelierfilm handelt, der naturgemäß erheblich weniger Spielraum für allzu Extravagantes diesbezüglich bietet. Wettgemacht wird die bisweilen etwas konservative Optik durch den ersten echten Höhepunkt im Wallace-Schaffen des Peter Thomas. Die Idee, den Chopin für die Titelmusik mit quäkendem Getöse in die Sechzigerjahre zu holen, ist gleichermaßen künstlerisch reizvoll wie pragmatisch. Der Grundton, den Peter Thomas damit gleich einleitend setzt, passt bestens zum nicht gar so eiskalt angelegten Sujet des Films, ist daher durchaus auch Bestandteil des gesamten runden Bildes, das das Tuch so oder so hinterlässt.

Tatsächlich gehört "Das indische Tuch" zu den wenigen Romanen von Edgar Wallace, die ich vor rund 25 Jahren gelesen habe. Ich erinnere nicht mehr allzu viele Details, weiß aber mit Bestimmheit, dass auch ich mich damals immer wieder wunderte, warum man wohl diese wunderbare Originalgeschichte nicht verwendete. Ein ähnliches Bild hatte ich nach dem Lesen des Romans "Das Geheimnis der Stecknadel". Bezeichnenderweise sind die beiden nach den Originaltiteln entstandenen Filme für sich genommen dennoch rundum gelungen und die völlig abweichende Story tut dabei nicht weiter weh.

Fazit: Durch und durch ironisch angelegte Krimigroteske, die zwar von der Geschichte her eigentlich mit Wallace nichts zu tun hat und dennoch als Gesamtwerk kaum mehr Wallace sein könnte. 4,5 von 5 Punkten ist mir das allemal wert.

Ray Offline



Beiträge: 1.304

28.02.2019 00:19
#216 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Dem "indischen Tuch" sieht man an, dass Alfred Vohrer längst seinen (Wallace-)Stil gefunden hat. Die Eröffnungssequenz erweckt Vertrautheit. Einem heimtückischen Mord gehen ein imposible shot aus dem Kamin heraus und ein harter Zoom auf Eddi Arent voraus. Im Hintergrund hört man die (vermeintlich) von Hans Clarin "live" gespielte Musik. Vorspann und insbesondere die Titelmusik eröffnen dem Betrachter, dass er es mit einem reichlich mit Ironie durchtränkten Film zu tun haben wird. Inhaltlich gelingt der Einbau des Christie-Motivs in die Wallace-Geschichte sehr gut, insgesamt wirkt der Film auf mich stimmiger als sämtliche mir bekannten Christie-Interpretationen dieses Stoffs. Obwohl es sich um einen Ensemblefilm handelt, muss ich meinen Vorrednern Recht geben, dass es innerhalb der Reihe schon Filme gab, die auf schauspielerischer Ebene noch besser funktionierten. Hans Nielsens Interpretation wirkt immer ein wenig fremd, weil man ihn sonst eher als souverän agierenden Typen kennt. Aus seiner Rolle hätte Werner Peters wohl mehr herausholen können. Dass er mit Uhlen ein vortreffliches Filmehepaar abgeben kann, hat er in der "Tür" schon bewiesen. Corny Collins spricht in der ersten Filmhälfte gefühlt keinen vollständigen Satz, in der zweiten Hälfte darf sie sich mehr zeigen. Trotzdem geht sie im Ensemble einigermaßen unter, wenngleich einschränkend konstatiert werden muss, dass sie zumindest weniger stark abfällt als Grit Böttcher im "Abt" und daher kein echter Störfaktor ist. Dennoch hätten andere Schauspielerinnen die Rolle sicher aufwerten können und wohl auch mehr Screentime erhalten. Nach weniger spektakulären Auftritten im "Zinker" und "Abt" setzt Klaus Kinski mal wieder eine echte Duftmarke. Sein Peter Ross gehört mit Sicherheit zu seinen stärksten Darbietungen bei Wallace. Eine Freude sind seine Auseinandersetzungen mit Heinz Drache ("Sie unterschätzen mich, Tanner. Ich pflege meine Morde prinzipiell selbst zu begehen."). Die Flickenschildt bekommt zum Abschied aus der Wallace-Reihe eine standesgemäße Rolle als "Alphamuttertier", Hans Clarin überrascht durch seine präzise, in einigen Momenten geradezu beängstigende Darbietung. Der letzte Mord an der Mutter läuft einem immer wieder kalt den Rücken herunter. Abschied von der Reihe nimmt ebenfalls Adi Berber, der das "Pech" hatte, gleich im ersten Film seinen Zenit erreicht zu haben und nach Giacco in der "Tür" nun Chiko geben darf. Richard Häussler und Alexander Engel stellen die notwendige Breite im Cast her und liefern jeweils einen ordentlichen Auftritt ab. Siegfried Schürenberg und Eddi Arent sorgen für den notwendigen Humor, der im Falle Arents diesmal besonders schwarz ausfällt. Schürenberg gibt hier erstmals wiederkehrende Äußerungen von sich ("Was sind denn das für Sachen?"). Der Inspektor Fuchsberger-Gag verpufft aus bekannten Gründen, die sich erhebenden Stühle knüpfen an das sprechende Gemälde im "Zinker" an. Der unfreiwillig gelungenste Aspekt der Schlusspointe ist derjenige, dass Corny Collins, an der der Film in weiten Teilen vorbeiging, als einzige Überlebende der Familie trotzdem leer ausgeht. Auf Lord Lebanon scheint sie auch keinen großen Eindruck gemacht zu haben. Wegen der Grundkonstellation und der sich stetig dezimierenden Erbenzahl bleibt die Spannungskurve durchgängig auf gutem Niveau. Die ritualisierte Inszenierung der Morde gehört sicher zu den erinnerungswürdigsten der Reihe.

Auch wenn mich der Film schon mehr begeistert hat, finde ich nichts Erhebliches, was einen Punktabzug rechtfertigen würde und gebe daher erstmals seit dem "Fälscher" mal wieder die volle Punktzahl: 5 von 5 Punkten.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.155

28.02.2019 14:51
#217 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #17
Zitat von Havi17 im Beitrag #15
Dies Problem gibt es hier auch beim grünen Bogenschützen

Da sehe ich tatsächlich aber einen recht deutlichen Unterschied: Während der Bogenschütze seinen Humor - nennen wir es - übereddisiert, damit nach Arent'scher Machart allenthalben vorträgt und diesbezüglich seine deutsche Machart (in für Jürgen Roland eigentlich ungewöhnliche ungelenker Weise) kaum verleugnen kann, reiht das Tuch eher die eine oder andere amüsante Groteske aneinander, die ich nicht wirklich mit schief angeklebten Bärten oder um Bäume herumschleichende Darsteller aus der dritten Reihe in Verbindung bringe. [/b]
In der Tat kommt es immer darauf an wie man Humor definiert und wer diese Definition gar noch lustig findet. Ich habe diesbezüglich in meiner Aussage keinen Unterchied im Humor gemacht. Humor ist sehr vielfältig. Dabei ist es richtig, daß hier ein Vergleich zwischen Groteske oder nennen wir es englischen Humor und gar einer Persiflage vorliegt. Letztere nimmt sich selbt nicht ernst und schadet sich indem sie die eigentliche Geschichte belastet gar als Krimi in Frage stellt. Ich persönlich halte eine Persiflage für die höhere Kunst gegenüber dem vielfältigen grotesken dabei auch einfachen Humor.

Gruss
Havi17

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 209

07.03.2019 14:00
#218 RE: Bewertet: "Das indische Tuch" (1963, 14) Zitat · Antworten

Das indische Tuch dürfte einer der letzten Romane gewesen sein, den Edgar Wallace vor seinem frühen Tod schrieb. Er vereint noch einmal auf beste Weise vieles von dem, was für den Namen Wallace steht. Obwohl aus einem Theaterstück entstanden, ist die Handlung doch erstaunlich stringend und spannend. In den achziger Jahren wurde das Buch unter seinem Originaltitel "Die verängstigte Lady" von der BBC sehr werkgetreu verfilmt, aber der Vohrer-Film setzte hier andere Akzente. Natürlich musste die Zahl der Opfer wieder maßlos gesteigert werden, so wurde eine im Grunde völlig neue Handlung entworfen. Das Gemeuchel nach dem "Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip" mag ja nicht sonderlich originell sein, aber es ist immer sehr wirkungsvoll. Aus dem Buch wurden nur sehr wenige Elemente übernommen. Der unter der Fuchtel seiner herrischen Mutter stehende wahnsinnige Sohn und die Mordwaffe (eben das "Indische Tuch") sind wohl die wichtigsten Beispiele. Gleichfalls kommt die Figur des Dr. Amersham ihrer literarischen Vorlage am nächsten, sein Charakter, die Beziehung zu Lady Lebanon und sein Tod. Da hört es dann aber auch schon auf, aus dem Kriminalinspektor Tanner wurde
ein kriminalistisch nicht sonderlich begabter Anwalt, das sich nicht sehr zugetane Ehepaar Tilling im Film findet seinen Ursprung in einem gleichnamigen Parkwächter, der stets auf seine schöne und leichtlebige Frau eifersüchtig ist. Die entfernt verwandte Isla als potenzielle Gattin des jungen Lebanon und "Produzentin" entsprechender Stammhalter kommt auch im Buch vor, wird aber von der Lady Lebanon nicht abgelehnt, sondern geradezu erwünscht.
Dazu gedichtet wurde das Klavierspielen von Lebanon jr., und man trifft doch bei den Besprechungen im Forum dankenswerterweise immer wieder auf neue Zusammenhänge. Dass die Titelmusik von Peter Thomas ihren Ursprung in Chopins Klaviersonate hat, die bei den Morden immer gespielt wird, ist mir bisher noch gar nicht aufgefallen. Aber tatsächlich...
Heinz Drache ist wieder mal parademäßig schnodderig und selbstbewusst, Elizabeth Flickenschildt als Übermutter überzeugend, Klaus Kinski gibt seiner offensichtlichen Abneigung gegen Herrn Drache richtig Zucker, und Eddi Arendt hat hier eine mustergültige Rolle als englischer Butler. Ich finde es bedauerlich, dass man ihn oft in so albernen Rollen verheizt hat, seine Darstellung im "Tuch" finde ich, bis auf wenige Ausnahmen, wirklich komisch und überaus gelungen. Siegfried Schürenberg gibt den weltmännischen Forschungsreisenden, der doch auch ganz unverfroren hinter dem Geld her ist. Ady Berber hat hier leider seinen letzten Auftritt, diesmal nicht als mordendes minderbemitteltes Ungetüm, aber trotz allem nicht sonderlich mono- bzw. dialoglastig ("Regen - Regen" ; "Nur Dampf - Nur Dampf"). Im Prinzip sind die Gestalten und Opfer des Würgers austauschbar, man leidet nicht mit ihnen mit, einzig der Täter kann zumindest kurzzeitig mal Mitleid und gar Sympathie erwecken. Ich finde die Szene, wo er, der junge Lord, seiner Mutter eröffnet, dass er nie was von seinem Leben hatte und immer alleine war, immer recht rührend. Aber sein Irrsinn verbietet eine weitere schönere Zukunft.
Handwerklich finde ich den Film vor allem in denersten beiden Dritteln recht gut. Wie erst recht glaubhaft Verdächtige aufgebaut werden und dann immer wieder als Leiche enden, das ist doch recht geschickt inszeniert. Leider fällt der Film zum Ende hin ab, da zerfasert sich die Regie doch etwas stark, oder liegt es nur daran, dass die immer mehr zusammenschmelzende Schar im Schloss langsam auch die Nerven und den Verstand verliert ?
Logigschwächen ? Sicher jede Menge. Der aufmerksame Beobachter wird feststellen, dass der Butler Bonvit nach Tillings Ermordung auch sein Gedeck am gemeinsamen Frühstückstisch zusammenräumt und das Ei in die Hosentasche steckt (wozu hat er es überhaupt erst auf den Tisch getan ?), obwohl doch Tilling in die Kellerzelle gesperrt wurde und gar nicht hätte mitessen können. Derlei Dinge trüben doch nicht den Sehgenuss, aber ein arger Patzer ist die Darstellung des "insulinsüchtigen" Diabetikers durch Klaus Kinski. Insulinmangel mit den Symptomen von Rauchgiftentug gleichzusetzen, zeugt nun nicht gerade von medizinischer Fachkenntnis.
Warum schickt der Butler seine Brieftaube mit der Bitte um Hilfe eigentlich auch erst so spät los ?
Den häufig kritisierten selbstfahrenden Servierwagen finde ich immer sehr lustig, auch wenn er natürlich Blödsinn ist. Ein "Smart-Service-Kit" würde man sowas wohl heute nennen, vielleicht ist das Ding auch einfach durch ein Zeitloch aus der Zukunft auf Schloss "Marks Priory" gefallen...
Auch das Stühlerücken am Ende finde ich spaßig. Allerdings ist dann der "Inspektor Fuchsberger" am Telefon oberpeinlich, genauso wie Edgar Wallace als Alleinerbe des Vermögens, über dreißig Jahre nach seinem Tod. Wer würde das Geld dann wohl kriegen, Brian oder Penny vielleicht, oder ist das Testament vielleicht sogar ungültig... ? Man weiß es nicht.

Alles in allem ist Das indische Tuch für mich ein typischer Wallace-Film, einzigartig durch seine Kammerspiel-Atmosphäre.

Persönliche Wertung: 4 von 5 Punkten

Andreas Offline




Beiträge: 435

03.07.2019 14:29
#219 RE: Bewertet: "Das indische Tuch" (1963, 14) Zitat · Antworten

Der Film ist ein Volltreffer. Er hat alles, was ein guter sw- Wallace-Film braucht: Gute Darsteller, mysteriöse Figuren, falsche Fährten, Humor und ein dramatisches Finale. Ich würde einem Wallace-Anfänger diesen Streifen zum Einstieg empfehlen. Klare Sache: 5/5 Punkten.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.248

10.08.2019 21:26
#220 RE: Wallace der Woche (16): Das indische Tuch (1963) Zitat · Antworten

Der schurkische Nachschuss: Wallace und Christie verbinden sich unter Vohrers Führung zu einem ebenso spannenden wie ironischem Kammerspiel. Die exzellenten Darsteller trösten dabei locker über ein paar missglückte Gags hinweg. 5 von 5 Punkten.

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