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Dieses Thema hat 133 Antworten
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Prisma Offline




Beiträge: 7.541

15.01.2012 21:13
#46 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

Ich habe es vielleicht ein bisschen schwerer, an ihre verschwundenen Filme zu kommen, aber ich bin optimistisch, denn es sind ja nur noch gut 20 Stück Marisa Mell begab sich insbesondere in den 80er Jahren tatsächlich in primitivste Bereiche des Films und der berüchtigten Illustrierten, kehrte aber am Tiefpunkt ihrer Karriere auch wieder ans Thater zurück, genannt Off-Theater mit Zuschauerstärken von ein paar handvoll Leuten. Sie mochte das Theater noch nie, sie hatte wohl großes Lampenfieber, aus ihrem ersten Engagement wurde sie laut Erika Pluhar, wegen nichterscheinens sogar gefeuert.

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

16.01.2012 15:32
#47 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

KAPITEL 15 - DIARY OF AN EROTIC MURDERESS / LA ENCADENADA (1975)




DARSTELLER:

MARISA MELL
RICHARD CONTE
ANTHONY STEFFEN
JUAN RIBO
LILI MURATI
RICHARD BARON


Der Geschäftsmann und Millionär Alexander (Richard Conte) ist besorgt um seinen Sohn Marc (Juan Ribo), der seit dem Tod der Mutter an einer psycho-affektiven Störung leidet und seit diesem Zeitpunkt kein Wort mehr spricht, außerdem fällt er durch introvertiertes, sonderbar manisches und aggressives Verhalten auf, er terrorisiert die Menschen aus seinem Umfeld. Bislang hatte noch jede "Gouvernante" das Weite gesucht. Als professionelle Hilfe engagiert er schließlich die attraktive Psychologin Gina (Marisa Mell), die Mark betreuen, und ihn in die Normalität zurückführen soll. Schnell gewinnt sie das Vertrauen ihres Patienten und auch die Zuneigung ihres Arbeitgebers. Doch es scheint irgend etwas nicht mit der schönen Frau zu stimmen. Bald findet Alexander heraus, dass er sich mit Gina, die eigentlich Elizabeth heißt, eine gewöhnliche Diebin in sein Anwesen geholt hat, die es nur auf die Kunstschätze im benachbarten Kloster abgesehen hat und die obendrein noch auf der Flucht vor ihrem gewaltbereiten Ehemann Richard (Antony Steffen) ist. Elizabeth findet im Haus das Tagebuch der verstorbenen Ehefrau, welches sie gründlich studiert. Darin niedergeschrieben ist ein lückenlos ausgearbeiteter Mordplan um sich des verhassten, rücksichtslosen Millionärs zu entledigen. Wird Elizabeth diese ungeheuerliche Idee aufgreifen, wer ist der mysteriöse Fremde, der plötzlich auftaucht und welche Rolle wird Marc bei dieser Angelegenheit noch spielen...?

Regisseur Manuel Mur Oti inszenierte mit "La encadenada" einen Film, dem mehr unterschiedliche Einschätzungen nicht vorauseilen könnten. Für Marisa Mell-Anhänger steht hier unterm Strich jedenfalls einer ihrer ganz großen Klassiker, der jedoch erst ziemlich spät zu Aufmerksamkeit kam und etwas Anerkennung fand. Damals noch nicht mal ausgiebig von der Kritik zerrissen, musste er sich einem viel größeren Problem stellen, denn er wurde ignoriert, was viel schlimmer war. So entwickelte sich "La encadenada" leider zum wirtschaftlichen Misserfolg. Problem dieses Films ist sein diffuses Gerüst, seine Unentschlossenheit und die streckenweise inkonsequente Ausarbeitung der Handlungsstränge. Ambitioniert kann man ihn aber durchaus nennen. Viele Elemente kommen zum Tragen, wie beispielsweise Anleihen aus Giallo, Erotik- und Psychodrama, Thriller, Schocker...doch nichts wird in 'Diary of an Erotic Murderess' so ganz richtig zu Ende geführt. Das mäßige Tempo und die negative Auswirkung auf das komplette Szenaio kann man nicht wegdiskutieren, große Spannungsmomente kommen zu selten auf, es ist einfach nur schade, dass so viel vorhandenes Potential ungenutzt blieb.



Egal, was man im Endeffekt von diesem Streifen halten mag, man hat es mit einem der außergewöhnlichsten Marisa Mell Erlebnisse zu tun. Es ist nicht nur einer ihrer schönsten Auftritte insgesamt, wahrscheinlich handelt es sich sogar um ihren bemerkenswertesten 70er Jahre Auftritt. Mir fällt kein anderer Film mit Marisa Mell ein, in dem ihr die Kamera in solch exzessiver und offensichtlicher Art und Weise Liebeserklärungen gemacht hat. Und das ist vielleicht einerseits der große Hemmschuh, da die Österreicherin hier das übermächtige Zentrum darstellt, dem selbst Story und Handlung untergeordnet erscheinen, andererseits kann man sich dieser Präsenz und dieser Faszination aber auch nur schwer entziehen. In diesem Film gibt es quasi nur eine Rolle, und die spielt Marisa Mell als Gina/Elizabeth. Ihre hemmungslose Schönheit ist hier bestechend und regelrecht umwerfend, aber abgesehen davon überzeugt Marisa Mell mit handfester darstellerischer Finesse. In jenen Jahren oftmals unmotiviert und lustlos agierend, bekommt der Zuschauer noch mal eine Leistung geboten, die einem Brilliantschliff verdächtig nahe kommt. Es ist einfach schön, noch einmal dieses Repertoire miterleben zu können, diese grundeigene Spiellaune die einfach Spaß macht. Marisa Mell zeichnet mit Gina eine berechnende Person, die aber in einer Art Psycho-Thriller mit mehr Tiefgang hätte ausgestattet sein müssen. Wie gesagt, schauspielerisch holt sie das Optimum aus dieser Angelegenheit heraus, hat aber wie alle Beteiligten Probleme, sich gegen das wässrige Drehbuch durchzusetzen. Zielstrebig und unsentimental verfolgt sie ihre Pläne, die wie es scheint mehr aus der Bedrängnis geboren wurden und im weiteren Verlauf hat sie mit einigen Widerständen und diversen Komplikationen zu kämpfen. Die Interaktionsleistungen mit ihren Partnern sind facettenreich und glaubhaft, es ist ein Vergnügen ihr dabei zuzusehen, wie sie ihr Spiel treibt, sich hocharbeitet, Pläne schmiedet, zu außerordentlichen Mitteln greifen muss und dann und wann auch mal die Krallen ausfährt, manchmal sogar sympathisch erscheinen darf. Da man sich gerade in den 70ern befand, durften selbstverständlich einige Erotikeinlagen und Nacktszenen nicht fehlen, die aber hier nur eine Randerscheinung darstellen. Ich vermute mal, dass da so einiges dem Schnitt zum Opfer gefalen ist, denn die Originallänge wird mit fast zehn Minuten mehr Laufzeit angegeben.

Richard Conte spielt den arroganten Millionär und lieblosen Vater mit großer Präzision. Es besteht kein Zweifel daran, dass er für die Misere in seinem eigenen Haus einen großen Teil der Verantwortung trägt. Anstatt nur ein Ziel zu verfolgen, nämlich an der Genesung seines Sohnes interessiert zu sein, bemüht er sich lieber um die Gunst von Gina und hinterlässt im Bezug auf beteiligte Personen einen desinteressierten, anteilnahmslosen und kalten Eindruck. Alles was er besitzen möchte bekommt er auch, egal ob er es sich erobern, oder kaufen muss. Juan Ribo, der den verstörten und triebigen (außerdem natürlich hochbegabten) Sohn spielt, hinterlässt ebenfalls einen recht intensiven Eindruck. Natürlich verliebt er sich in Elisabeth und möchte sie am liebsten zur Hausherrin machen, ob er dabei einen Mutterersatz sucht oder eine Geliebte wird zur beschäftigenden Frage. Die gemeinsamen Szenen mit Marisa Mell wirken oftmals bizarr, teils sogar verstörend, er zeichnet eine durch und durch merkwürdige Figur, die mit Klischees überladen wurde. Anthony Steffen taucht relativ spät auf und hinterlässt einen gemäßigten Eindruck, bei Elizabeth darf er aber noch mal so richtig schön aufdrehen, sie beleidigen, schlagen und erpressen. In dieser Dekade kam man eben an diesen Inhalte nicht vorbei, Marisa Mell schien irgendwie prädistiniert dafür gewesen zu sein. Insgesamt ist die Besetzung in 'Diary of an Erotic Murderess' recht überzeugend, auch wenn sie einige Stufen unter der Übermacht Marisa Mell rangiert.

Zunächst muss ich einmal betonen, für wie einfallslos ich den Titel 'Diary of an Erotic Murderess' halte, der fast überhaupt nichts über den Film an sich auszusagen hat und ihn schwerlich charakterisiert. Einen deutschen Titel gibt es nicht, da er nie hierzulande herausgekommen ist. Überhaupt ist es schon sehr verdächtig, dass der Streifen wohl ziemlich lange nach seiner Fertigstellung auf Eis gelegen haben muss, man sieht es eindeutig an der Erscheinung von Marisa Mell, die 1975 nicht mehr die hier präsentierte Frische und Leichtfüßigkeit hatte. So ziehe ich gerne den direkten Vergleich zu "Parapsycho - Spektrum der Angst" heran, wo die Unterschiede ins Auge springen. Auf Marisa Mell reduziert, die hier das Epizentrum der Schönheit darstellt, hat man es mit einem satten und herrlichen Klassiker zu tun, der Film an sich kann diesen Anspruch dann doch nicht erheben. Zu wirr und wahrlos bediente man sich zu vieler zusammengewürfelter Elemente, wobei ich noch nicht einmal sagen möchte, dass die Geschichte nicht gut nachvollziebar und wenig unterhaltsam wäre. Es dauert, bis er in Gang kommt, doch man bekommt einige Wendungen zu sehen, die die Vorhersehbarkeit zwar nicht wegdividieren, aber der Geschichte eine eigenartige Note verleihen, das Finale präsentiert sich dann schließlich ganz abgefahren und kommt schließlich zu einem irritierenden Ende. Koryphäe Carlo Savina steuerte seine Musikthemen bei, die den höchsten künstlerischen Anspruch vermitteln. Wunderbare, träumerische Klavierklänge untermalen das Szenario und bleiben lange im Gedächtnis. Das Ambiente ist gut durchdacht und äußerst stilvoll hergerichtet, stellenweise kommt eine sehr dichte Atmosphäre auf und denkwürdige Szenen wecken Interesse. Ich persönlich mag diesen Film sehr, der bei dem Ein oder Anderen vielleicht die Erwartungen nicht erfüllen würde, da hier komplett auf blutrünstige Szenen und reißerische Effekte verzichtet wurde. Dass man sich vieler Klischees bediente, sollte wahrscheinlich die Spannung kolportieren, was jedoch nur bedingt funktioniert, die Figur des Marc erscheint zu überzeichnet und daher gelegentlich leider unglaubwürdig, aber insgesamt entfaltet sich langsam ein Netz aus Begierde, Berechnung, Erpressung, Mord und einigen Katastrophen, die doch reizvoll erscheinen werden, bis das Szenario in einem Alptraum gipfelt. Was man eben braucht ist etwas Geduld, wenn man "La encadenada" eben nicht gerade wegen Marisa Mell anschaut. Ich behaupte nicht zu viel, wenn ich sage, dass man mit 'Diary' ein nicht alltägliches, wenn auch vielleicht kleineres Erlebnis geboten bekommt, dass sich dem aufmerksamen Betrachter langsam erschließen kann, wenn er sich darauf einlässt. Ich jedenfalls übertreibe keineswegs wenn ich sage, dass dieser Film eines der schönsten Werke in meiner Marisa Mell Sammlung ist, zusätzlich in erheblichem Maße durch seine Eleganz und Eigenwilligkeit überzeugen kann...

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

20.01.2012 22:17
#48 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

ZWISCHENBILANZ


Meine Bewertung des ersten 15er-Packs an Filmen:

05 Punkte für ELISABETH, KAISERIN VON ÖSTERREICH (4)
08 Punkte für DAS NACHTLOKAL ZUM SILBERMOND (3)
06 Punkte für SCHARFE KÜSSE FÜR MIKE FORSTER (4+)
10 Punkte für DER TOLLWÜTIGE (2-)
10 Punkte für RUF DER WILDGÄNSE (2-)
04 Punkte für TAGE DES WAHNSINNS (4-)
06 Punkte für DER LETZTE RITT NACH SANTA CRUZ (4+)
10 Punkte für BEN & CHARLIE (2-)
06 Punkte für JAGD AUF BLAUE DIAMANTEN (4+)
11 Punkte für WEGEN VERFÜHRUNG MINDERJÄHRIGER (2)
04 Punkte für OBSZÖNE BEGIERDE (4-)
02 Punkte für CASANOVA & CO. (5)
13 Punkte für DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS (1-)
09 Punkte für DAS RÄTSEL DER ROTEN ORCHIDEE (3+)
13 Punkte für DIARY OF AN EROTIC MURDERESS (1-)


Meine persönliche Bewertung von Marisa Mell in den jeweiligen Filmen:

13 Punkte für ELISABETH, KAISERIN VON ÖSTERREICH (1-)
09 Punkte für DAS NACHTLOKAL ZUM SILBERMOND (3+)
11 Punkte für SCHARFE KÜSSE FÜR MIKE FORSTER (2)
08 Punkte für DER TOLLWÜTIGE (3)
11 Punkte für RUF DER WILDGÄNSE (2)
04 Punkte für TAGE DES WAHNSINNS (4-)
11 Punkte für DER LETZTE RITT NACH SANTA CRUZ (2)
12 Punkte für BEN & CHARLIE (2+)
11 Punkte für JAGD AUF BLAUE DIAMANTEN (2)
12 Punkte für WEGEN VERFÜHRUNG MINDERJÄHRIGER (2+)
03 Punkte für OBSZÖNE BEGIERDE (5+)
05 Punkte für CASANOVA & CO. (4)
13 Punkte für DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS (1-)
11 Punkte für DAS RÄTSEL DER ROTEN ORCHIDEE (2)
15 Punkte für DIARY OF AN EROTIC MURDERESS (1+)


Auf die nächsten 15

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

23.01.2012 15:16
#49 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

KAPITEL 16 - MILANO ROVENTE / GANG WAR IN MILAN (1973)




DARSTELLER:

ANTONIO SABATO
PHILIPPE LEROY
ANTONIO CASAGRANDE
FRANCO FANTASIA
CARLA ROMANELLI
ALESSANDRO SPERLI

und
MARISA MELL


Bei Tage ist Salvatore Cangemi genannt 'Toto' (Antonio Sabato) ein scheinbar angesehener Geschäftsmann, bei Nacht kontrolliert er jedoch die dunklen Bereiche der Mailänder Unterwelt. Glückspiele, Prostitution, Drogen und Gewalt sind sein Geschäft, welches bis zu dem Tag mehr als einträglich läuft, als sich plötzlich eine französische Gang in seine Angelegenheiten einmischt. Der Chef dieser Konkurrenzorganisation Roger Daverty (Philippe Leroy) scheut kein noch so hartes Mittel, um sich in Totos Monopol hineinzudrängen, mit dem großen Ziel, sich der Alleinherrschaft zu bemächtigen. Ein erbittertes Tauziehen um Territorien und Marktanteile beginnt, es kommt zu unmissverständlichen Warnungen, Erpressung, Gewalt und Mord, die Situation droht außer Kontrolle zu geraten. Welcher der beiden Kontrahenten wird dieses gefährliche Machtspiel für sich entscheiden können...?

Bei "Milano Rovente" hat man es mit einem Film zu tun, bei dem man sich an diversen Stellen unweigerlich an "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" erinnert fühlt. Das liegt natürlich daran, dass hier kein geringerer als Umberto Lenzi Regie führte, der seinem Film jedoch nicht den ganz typischen Stempel aufdrückte. Wie im Halbmond sieht man Teile der Besetzung mit Antonio Sabato, Franco Fantasia und Marisa Mell (die hier auch optisch gesehen, und vom Umfang ihrer Rolle an die der Maria/Anna erinnert), außerdem werden viele Szenen gezeigt, die sich im Setting und in der Umsetzung sehr stark ähneln. Trotzdem handelt es sich unterm Strich um zwei vollkommen unterschiedliche Filme, um hier keine falschen Erwartungen zu wecken. Lenzi fabrizierte einen größtenteils gelungenen Action-Thriller, der ein authentisches Milieu zeigt, glaubhafte Inhalte schildert und in den Bereichen Spannung und Tempo erfreuliche Ausrufezeichen setzen kann. Trotzdem darf man sagen, dass er sicher schon besseres aus dem Ärmel gezaubert hat, dennoch sind alle Zutaten für eine kurzweilige Unterhaltung gegeben.



Die Besetzung unterstützt "Milano Rovente" außergewöhnlich gut, auch der Regisseur beweist ein gutes Händchen seine Schauspieler auffällig, dennoch unterschiedlich in Szene zu setzen. Gerade Antonio Sabato, den ich prinzipiell immer wieder sehr gerne sehe, außerdem noch am liebsten neben Marisa Mell, verleiht seiner Person des Chefs der Organisation ein bemerkenswert klassisches Profil. Es scheint, als habe sich Toto von ganz unten hochgearbeitet und auf dem Höhepunkt seines Erfolges drängt sich schließlich die französische Konkurrenz in seine Geschäfte, so dass er und seine Leute immer weiter in die Enge getrieben werden. Er ist der Mann, der auch einmal selbst Hand anlegt, damit beispielsweise seine Mädchen spuren oder falls widerspenstige Kontrahenten zur Raison gebracht werden müssen. Seine Vorgehensweise ist dabei nicht gerade zimperlich, der Zweck heiligt bei ihm alle Mittel. Der Patron der französischen Konkurrenz wird von Philippe Leroy sehr nachhaltig und überzeugend dargestellt. Roger Daverty ist ein scheinbarer Gentleman, der sich die Hände selbst nicht schmutzig macht. Er handelt bedacht und seine Pläne scheinen lückenlos zu sein, ihn umgibt eine unendliche Ruhe und eine eiskalte, zynische Aura. Die gemeinsamen Szenen von Antonio Sabato und Philippe Leroy sind mitunter die stärksten im Film, da zwei komplett unterschiedliche Strategen aufeinander treffen. Die Charaktere sind hier und da mit raffinierter Tiefe ausgestattet, der Zuschauer bekommt keine omnipotenten Personen serviert, diese zwei Herren haben einige Ecken und Kanten und es zeigen sich im weiteren Verlauf sogar einige Schwächen, die gnadenlos zum gegenseitigen Vorteil ausgenutzt werden und möglicherweise verhängnisvolle Ausmaße nach sich ziehen könnten.

Marisa Mell übernahm hier eine typische italienische Frauenrolle und die einzige nennenswerte im gesamten Film. Die Österreicherin hatte drei gemeinsame Filme mit Partner Antonio Sabato, neben diesem sah man die beiden noch in "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" und "Fünf Klumpen Gold" zusammen agieren. Sie spielt hier die undurchsichtige Jasmina Sanders, die Salvatore Cangemi kennen lernt und zu seiner Geliebten wird. Er bringt ihr, für einen Mann ohne Skrupel unüblich, viel zu viele Emotionen gegenüber und verliert sich in fatalen Sentimentalitäten. Die Interaktionsleistungen der beiden wirken glaubhaft, Toto hofiert die schöne Frau, die ihm allerdings zunächst mit kaltem Stolz und ambivalentem Interesse gegenübertritt. Umberto Lenzi setzte seine Hauptdarstellerin sehr eingängig in Szene und übertrug ihr wieder eine Art Schlüsselfunktion in diesem Szenario. Marisa Mell sieht man in "Milano Rovente" genau so, wie man sie aus den frühen Siebzigern in Erinnerung hat. Sie zeichnet die Frau mit Kalkül, die ihren Interessen zielstrebig und unnachgiebig nachgeht, Jasmina zeigt keine Emotionen und ist daher nur schwer einzuschätzen. Marisa Mell sieht hier nicht ganz so umwerfend und frisch aus, wie in anderen Filmen aus gleicher Zeit, die Nahaufnahmen zeigen ihr Gesicht mal wieder ausgiebig, aber die Schauspielerin sah hier irgendwie ein wenig gezeichnet aus, man kann einige "Sorgenfalten" auf ihrer Stirn erkennen. Mitverantwortlich dafür halte ich das ungünstig gewählte Make-up, das in seiner mangelnden Nuancierung zwar ihren harten Charakter hervorhebt, aber auch exemplarisch eine gewisse Müdigkeit und Leere offenbart. Nichtsdestotrotz sieht man noch mal eine angenehme und gute Rolle von Marisa Mell, die man zum Kreise der Bereicherungen zählen darf.

"Gang War in Milan" ist alles in allem ein wirklich unterhaltsamer und relativ ausgekochter Reißer, der bestimmt viele Zuschauer ansprechen würde. Ausgezeichnet präsentiert wird hier das Schmuddelmilieu und die gängigen Machenschaften der Kriminellen, ich persönlich habe noch nie so viele Prostituierte auf einem Haufen in einem Film gesehen:), naja die Rolle der Frau im Allgemeinen wird hier wieder etwas problematisch und eindimensional dargestellt. Es gibt nur wenige Durchhänger, Action und Tempo werden in diesem Szenario groß geschrieben. Der Film liefert viele Liquidierungen, mit den Gewaltszenen wurde hier und da auch mal heftiger auf den Putz gehauen, eine Folterszene bleibt in diesem Zusammenhang ganz besonders stark im Gedächtnis, in der die französischen Handlanger einen von Totos Leuten bearbeiten (Elektroschocks an den Weichteilen). Überhaupt zeigte Lenzi mal wieder einige sehr ungewöhnlich ausgefallene und relativ schockierende Ermordungsszenen, die man gewiss nicht alltäglich nennen kann. Es bleibt jedoch alles im erträglichen Rahmen, da man kaum den Eindruck von unmotivierter Gewalt vermittelt bekommt, sondern eher die Brisanz der Lage zu verdeutlichen versuchte. Die eingängige Musik von Carlo Rustichelli gibt den aussagekräftigen Settings einen ganz besonderen Schliff, insgesamt hat man es mit einem gelungenen Unterhaltungsfilm zu tun, der seinen einmaligen Dienst mehr als angemessen tun wird, allerdings nicht als großartiges Unikat in Erinnerung bleiben wird. Die guten Hauptrollen, die markante Umsetzung und ein leicht konstruierter Spannungsbogen, lassen den Zuschauer das Finale ungeduldig erwarten und noch einen netten Twist hervorbringen. Als Marisa Mell Film funktioniert er darüber hinaus natürlich auch sehr gut...

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

08.02.2012 15:07
#50 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

KAPITEL 17 - DER BRAVE SOLDAT SCHWEJK (1960)




DARSTELLER:

HEINZ RÜHMANN
ERNST STANKOVSKI
FRANZ MUXENEDER
SENTA BERGER
URSULA VON BORSODY
ERIKA VON THELLMANN
RUDOLF RHOMBERG
FRITZ ECKHARDT


Die Szenenfotos zeigen den kurzen Gastauftritt von Marisa Mell als Olly in dieser CCC-Produktion von 1960. Dabei handelt es sich um den einzigen mir bekannten Film, in dem Marisa Mell keine namentliche Erwähnung in den Titelcredits bekam. Zwar wird vielerorts noch der Film "Das Licht der Liebe" von 1954 gelistet, in welchem sie einen Komparsenauftritt gehabt haben soll, was ich aber persönlich für weniger wahrscheinlich halte, da immer mal wieder Produktionen unter ihrer angeblichen Mitwirkung auftauchen (zum Beispiel "Niemand weint für immer" von 1984) und sich diese Informationen schließlich als falsch erweisen. Marisa Mell ist hier als Gschpusi von Ernst Stankovski zu sehen und tritt nicht mehr als zwei Minuten auf. Die Rolle stellt insofern ein Unikat in ihrer Filmografie dar, weil sie eigentlich nie einen derartigen Frauentypen zu verkörpern hatte. Das schmückende Beiwerk, das einfältige Püppchen, das nur naiv und etwas dümmlich daher kommt. Eine Filmbesprechung spare ich mir auf, da ich ihn eigentlich nicht so sehr mag, um ihn mir ein zweites Mal ansehen zu wollen. Jeder, der eine Analyse liefern möchte, ist natürlich herzlich eingeladen, dies hier zu tun;) Schon im frühen Stadium ihrer Karriere wurde klar, dass man Marisa Mell ein eindeutiges Image verpassen wollte. Die Verführerin, die aparte Schönheit, die Männern die Köpfe verdrehen sollte. Ich persönlich stelle es mir jedenfalls auch nicht gerade so vor, dass die Schauspielerin sehr viel dagegen gehabt haben dürfte.

In ihren Insider-Memoiren wusste Marisa Mell jedenfalls ein paar nette Anekdoten zum Besten zu geben, beziehungsweise der Produktionsfirma und dessen Chef ein ganzes Kapitel zu widmen, unter dem Namen "CCC - A.R.Schlochowsky". Hierbei bezieht sie sich allerdings eher auf den Film "Lebensborn" worauf ich dann bei passender Gelegenheit, also bei der Filmbesprechung dieser Produktion noch näher eingehen werde. Zu Artur Brauner gab es jedenfalls in diesem Kapitel recht wenige, aber schmeichelnde Worte, der Kapitelname führt da schon etwas in die Irre:
"Ich selbst kam mit Atze Brauner glänzend aus, und wir hatten ein gutes Verhältnis zueinander. Seine Frau Maria war ein besonderer Schatz." (Marisa Mell - Coverlove, Edition Strahalm 1990)

Es bleibt ein unbedeutender Auftritt und eine irrelevante Rolle in einem Film, der entgegen meines Eindruckes an sich vielleicht doch viel bedeutender ist als ich es vermute, dennoch füllt er bei mir persönlich aber nur einen Platz in der Marisa Mell-Vervollständigungskategorie aus.

Tarzan Offline



Beiträge: 900

23.02.2012 22:49
#51 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

Im März 1967 stellte sich Marisa Mell im Fachmagazin "Film-Echo" mit einem kleinen eigenen Beitrag vor (Anmerkung: Der Anfang mit dem Satz zu "Nachtlokal zum Silbermond" ist ein Setzfehler des Artikels und wird hier originalgetrau widergegeben):

Marisa Mell: Meine Wege führen nach Rom
Geboren am 24. Febraur in Graz. Wohnort: Wien, Frankenberggasse 3. Größe: 170 cm. Augenfarbe: blau-grün. Soweit mein Paß über mich. Nicht im Ausweis stehen meine Maße 92 – 58 – 94. Auch meine kastanienfarbenen Haare bleiben unerwähnt.
Für mich stand schon sehr früh fest, daß ich Schauspielerin werden wollte. Meine Mutter – sie ist Schriftstellerin – hatte nichts dagegen. So besuchte ich nach meiner normalen Schulzeit – 1959, ich war gerade 18 Jahre alt, bekam ich meine erste Film-Klosterschule und Handelsakademie – die Theaterschule in Graz und anschließend 2 Jahre das Reinhardt-Seminar in Wien. Außerdem habe ich eine tänzerische Ausbildung (7 Jahre klassisches Ballett). rolle in „Nachtlokal zum Silbermond“. 1962 schloß ich mit der britischen Kenwood-Production einen Vier-Jahres-Vertrag ab. Bis heute habe ich in über 20 Filmen gespielt, zuletzt in einer Kriminalkomödie mit Philippe Lorey als Partner. In meinem nächsten Film, der auch wieder in Rom gedreht wird, spiele ich eine „süße Dame“. „Vier süße Damen“ nennt der Titel. Die anderen Süßen sind Virna Lisi, Claudine Auger und Ursula Andress. Es sind nicht nur die Rollenangebote, die mich in letzter Zeit immer wieder nach Rom führen. Der gewichtigere Grund heißt Henri Tucci – seit einem Vierteljahr mein Ehemann.

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

25.02.2012 01:16
#52 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

SONSTIGES - RÜCKBLENDE I: WIE ALLES BEGANN

"Ich kam an einem 24. Februar um ein Uhr nachts zur Welt. Somit war ich im Zeichen des Fisches, Aszendent Skorpion, geboren. Zumindest glaubte ich mein halbes Leben daran, bis sich zufällig herausstellte, daß ich nicht um ein Uhr, sondern um ein Uhr fünfzehn geboren worden war, und daß sich somit auch mein Aszendent geändert hatte. Aus dem Aszendent Skorpion wurde somit ein Aszendent Schütze. Fische-Geborene haben eine künstlerisch-sensible Ausstrahlung und neigen zum Okkulten. So steht es wenigstens in den Lehrbüchern der Astrologie.
Kein Wunder also, daß mich der Film, eine Mischung aus Illusion, Kunst und harter Arbeit unter schwierigsten Bedingungen, besonders anzog. Im Film kann fast alles geschehen. Die Dreharbeiten können nach einem Vierteljahr bereits abgeschlossen sein, sich aber auch über mehr als ein Jahr hinziehen. Es gab und gibt Filme, die Millionen an finanziellen Mitteln verschlangen und die nie fertiggestellt werden. Film ist das totale Risiko, in finanzieller, künstlerischer und menschlicher Hinsicht. Das Schicksal des gemeinsamen Berufes - oder, im besten Falle, der gemeinsamen Berufung - führt Menschen zusammen, wirbelt sie durcheinander, in Höhen und Tiefen, läßt Beziehungen entstehen und bestehende Beziehungen zerbrechen. Die Arbeit kann schließlich ebensogut mit einem Riesenerfolg enden, wie auch mit einem völligen Flop.
Von all dem, meinem Leben, meinem Weg zum Film und meiner Filmarbeit in der ganzen Welt handelt dieses Buch, von großartigen Kollegen, - und solchen, die weniger großartig waren -, von Menschen, die ich liebte, - und solchen, die ich nicht sehr lieben konnte. Es ist alles in allem ein Buch über die vielen interessanten Menschen, die ich getroffen habe, und es dreht sich alles immer wieder um Film, Film, Film.
Denn um es kurz zu sagen: Film ist mein Leben - und mein Leben ist Film."
(Marisa Mell - Coverlove, Edition Strahalm, 1990)


Fast pünktlich zum Geburtstag von Marisa Mell dieses kleine, einleitende Kapitel aus ihrer Biografie, welches (wenn man das Buch gelesen hat) wenig aussagekräftig bezüglich des Gesamtwerkes ist. Es wird weniger der Film an sich abgehandelt, als hauptsächlich ihre hochkarätigen Männerbekanntschaften. Marisa Mell wäre gestern 73 Jahre alt geworden. Übrigens noch vielen Dank für Deinen Beitrag Tarzan, der Artikel aus dem "Film-Echo" war mir bislang unbekannt.

Tarzan Offline



Beiträge: 900

25.02.2012 10:51
#53 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

Interessant der Hinweis zu Marisa Mells Geburtstag. Da hatte ich beim Schreiben gar nicht dran gedacht. Nachdem ich beim Blättern in Unterlagen den Beitrag wieder sah, dachte ich, dass er hier in diesen schönen Thread passt.

Ich hoffe eines Tages auch ein Exemplar der Autobiografie zu finden. Notfalls in irgendeiner Bibliothek.

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

25.02.2012 20:36
#54 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

Zitat von Tarzan
Ich hoffe eines Tages auch ein Exemplar der Autobiografie zu finden.


Das ist wirklich eine schwierige Aufgabe. Ich erinnere mich noch, wie lange ich damals danach gesucht habe, es scheint nicht übermäßig viele Auflagen zu geben, so viel ich weiß, ist 'Coverlove' richtig gefloppt. Bei einem bekannten Anbieter musste ich schließlich ein Vermögen dafür bezahlen. Naja, wenn man etwas unbedingt haben möchte... Die Biografie ist wie gesagt keine Weltliteratur, für Fans aber durchaus interessant.

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

27.02.2012 15:34
#55 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

SONSTIGES - COVERLOVE (1990)



Großaufnahme: Alain Delon
Rückblende I: Wie alles begann
Überlebensgroß: Curd Jürgens
Rückblende II: Die Liebe erwacht
Nah - bis sehr nah: Warren Beatty
Rückblende III: Erste Versuche
König der Könige: Reza Pahlevi
Rückblende IV: Märchenwelt
Sehr nah: Steven Boyd
Rückblende V: Am Max-Reinhardt-Seminar
"Polnisch": Polansky - Katner
Rückblende VI: Totale - Film
Halbnah: Walter Giller
Rückblende VII: Im "Wilden Westen"
Black out: Pierluigi Torri
Gedanken
Schwenk: Sammy Davis Jr. - Elizabeth Taylor - Richard Burton
English spoken
Zoom: Bob Evans
Insert: Der Kardinal
Mein "Rocco"
Panorama: Frank Sinatra - Don Jaime de Mora y Arragon - Darryl F. Zannuck
"Zero"
Großaufnahme: Ivo Pitanguy
Überblende: Michel Piccoli
CCC - A. R. Schlochowsky
Weichzeichner: Anthony Perkins - Alexander Onassis
Zwischenblende
Zoom: Gianni Agnelli
Ganz nah: Helmut Berger

'COVERLOVE' (erschienen bei Edition Strahalm) erstreckt sich über 200 Seiten und bringt filmisch gesehen, kaum nennenswerte Höhepunkte. Marisa Mell berichtete lieber über ihre flüchtigen oder engeren Bekanntschaften, die unmittelbar mit dem Film zu tun hatten, beziehungsweise die durch Dreharbeiten, Kontakte und das Schauspieler-Dasein entstanden sind. Wenn ich sagte, dass dies für Fans doch ganz interessant sei, dann geht es eher in die Richtung, dass man als Leser, ansatzweise etwas über die "Privatperson" Marisa Mell erfahren kann. Das Buch ist im wesentlichen nicht außergewöhnlich gut geschrieben, viele Eindrücke und Erzählungen sind leider viel zu indiskret geraten, das Werk floppte. Eine andere Herangehensweise hätte wahrscheinlich keinen Bestseller daraus entstehen lassen, jedoch hätte Marisa Mell einen persönlichen Schlussstrich ziehen können, sie hielt aber an ihrem jahrzehnte alten Image fest, wovon jedoch nur noch Reste und Erinnerungen übrig geblieben waren. Das Buch entstand in einer Zeit der beruflichen und finanziellen Misere, die Österreicherin setzte wohl viele Hoffnungen in ihre Biografie, wie man sieht wurde eines ihrer Fotos aus besseren Zeiten verwendet.

In ihrem Buch "Marisa - Rückblenden auf eine Freundschaft" berichtet Erika Pluhar von 'Coverlove'. Marisa Mell bat ihre Freundin, das Vorwort für ihr Buch mit dem Arbeitstitel "Marisa Mell - Es muss nicht immer Sünde sein" zu gestalten. Erika Pluhar beschreibt, dass sie ein paar Zeilen des ersten Kapitels durchgelesen hatte und dieser Abschnitt folgt:

»Ich lese nicht weiter und breite das Deckblatt wieder über die Manuskriptseiten, langsam und sorgfältig, als müsse ich etwas zudecken. Oh Marlies, denke ich, auch dieser Mann ist stärker gewesen als du, die Frau. Jeder von ihnen ist stärker gewesen als du, die Frau. Sie waren stark genug, dich zu ramponieren, in all den Jahren. Und jetzt versuchst du aus all deinen Niederlagen und Beschämungen ein siegreiches Buch zu basteln, oder besser, eines, das einen gängigen Siegeslauf beschreibt, um wiederum das zu verkaufen, was man immer von dir haben wollte. Sex. Schon dieses Wort ist ein Schlag, ein Hieb, eine kurze Gewalttätigkeit. Sex. Dann die Verniedlichung durch ein angeschraubtes Y. Sexy. Beides hast du bedient, viel zu bereitwillig, viel zu lange. Ich brauche die restlichen Seiten deines Buches nicht zu lesen, ich weiß, was sie enthalten. Und ich werde kein Vorwort schreiben, Marlies. Weil ich dich kenne und dich verstehe und weil ich dich sehr gern habe.« (Marisa Rückblenden auf eine Freundschaft, Hoffmann und Campe, 1996)

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

04.03.2012 14:12
#56 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

KAPITEL 18 - NACKT ÜBER LEICHEN / UNA SULL'ALTRA (1969)




DARSTELLER:

MARISA MELL
JEAN SOREL
ELSA MARTINELLI
FAITH DOMERGUE
ALBERTO DE MENDOZA
JOHN IRELAND
JEAN SOBIESKI


Die Ehe des umstrittenen Arztes Dr. George Dumurrier (Jean Sorel) neigt sich dem Ende zu. Er und seine Geliebte, die Fotografin Jane (Elsa Martinelli) wünschen sich insgeheim, dass Georges Frau Susan (Marisa Mell) nicht existierte. Nach dem plötzlichen Tod der an Asthma erkrankten Susan, hinterlässt sie George eine sehr hohe Versicherungssumme, die wie gerufen kommt, da der Doktor in finanziellen Problemen mit seiner Privatklinik steckt. In einem Nachtclub lernt Dr. Dumurrier die Stripperin Monica Weston (Marisa Mell) kennen, die seiner verstorbenen Frau zum verwechseln ähnlich sieht und er fühlt sich von der aufreizenden Prostituierten magisch angezogen. Der Kontakt gestaltet sich enger, denn George möchte herausfinden, ob es sich nicht doch um seine Frau Susan handelt. Nach kürzester Zeit ergeben und verdichten sich jedoch Verdachtsmomente eines möglichen, bis ins kleinste Detail geplanten Mordes, so dass Polizei und Versicherungsgesellschaft misstrauisch werden und Ermittlungen anstellen. Dr. Dumurrier gerät unter Mordverdacht und die Beweise erscheinen erdrückend zu sein. Wird er seine Unschuld beweisen können, will man ihn vernichten oder steckt er tatsächlich selbst hinter diesem teuflischen Komplott...?

Wenn es neben 'Danger: Diabolik' noch einen anderen, ultimativen Marisa Mell-Klassiker zu nennen gibt, dann muss das unbedingt "Nackt über Leichen" sein. Lucio Fulci zeigte sich für diesen Film verantwortlich und er stellte seine Kompetenz, Spannung zu erzeugen und diese bis zum letzten Moment aufrecht zu erhalten, prächtig unter Beweis. Die Konstruktion der Geschichte erweist sich trotz einigen Unwahrscheinlichkeiten als sehr dicht, die Atmosphäre rund um San Francisco ist mit ihren vielen wunderschönen Bildern sehr professionell in Szene gesetzt worden, die musikalische Abstimmung reißt in jeder Minute mit und als Sahnehäubchen offenbart sich schließlich die Besetzung, die hier auf höchstem Niveau unterhalten kann. Gut gelungen sind die Kreationen der einzelnen Charaktere, die anscheinend alle etwas zu verbergen haben, Sympathiepunkte werden nur spärlich vergeben, ein dubioser Kreis an Verdächtigen nimmt den Zuschauer mit auf eine Tour, die Überraschungen bringen und konspirative Machenschaften aufdecken wird.



Marisa Mell be-und entkleidet eine Doppelrolle, die bei ihren vielen Versuchen die Überzeugendste geworden ist. Hier tat man sehr gut daran, die Unterschiede nicht nur anhand der Optik herauszuarbeiten, die beiden Frauen Susan und Monica ähneln sich zwar augenscheinlich sehr, könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. Susan Dumurrier ist neurotisch und quält ihren Ehemann mit Verachtung, heckt anscheinend täglich neue Allüren aus. Sie entzieht sich ihm vollkommen und nur ihrer Schwester Martha gewährt sie einen engen Kontakt. Die kurzen Zusammentreffen zwischen Susan und George verdeutlichen das eisige Verhältnis der beiden, Vorwürfe treffen auf Desinteresse es herrscht nichts als Konfrontation und womöglich bereits Hass. Marisa Mell wurde für ihre Rollen bemerkenswert in Etappen zu Recht gemacht. Die brünette Susan mit den tiefen Augenringen und dem unscheinbaren Ensemble, die bei Streitereien mit ihrem Mann in massive Atemnot gerät, da sie unter schwerem Asthma leidet, ist zunächst ebenso überzeugend, wie wenig später als Leiche. Als ihre Doppelgängerin Monica Weston hingegen, darf die Österreicherin schließlich alle Register ziehen. Als Stripperin Monica legt Marisa Mell in ihrem Club direkt einen ihrer unzähligen Karriere-Strips hin, dieser dürfte aber der legendärste von allen sein. Überhaupt fällt diese Dame nicht nur durch ihre unterschiedliche Erscheinung ins Auge, sondern vor allem durch ihre offenherzige und laszive Art im Umgang mit potenzieller Kundschaft. Oft darf sie betonen, dass ihre Kontaktfreudigkeit eigentlich nur von angemessener Bezahlung abhängig sei, wenig später wird sich George auch mit ihr treffen. In diesem Film sieht man Marisa Mell jedenfalls an, dass sie mit Motivation, Spiellaune und Spaß bei der Sache war und ich finde es merkwürdig zu sagen, dass sie einfach wie geschaffen war für diese Rolle(n), vielleicht war sie sogar der Prototyp, obwohl ich auch immer gerne die einseitigen Besetzungen bei ihr kritisiert habe. Doch bei "Nackt über Leichen" muss es tatsächlich gesagt werden. Was wäre dieser Film ohne Marisa Mell geworden?

Dieser Satz gilt übrigens auch für die weitere Besetzungsliste. Jean Sorel spielt von Anfang bis Ende sehr überzeugend. Geroge Dumurrier ist zu jeder Maßnahme bereit, um sich und seine Klinik, zwecks Gerüchten um angebliche Herztransplantationen, ins Gerede zu bringen. Er scheint ein Playboy im Ärztekittel zu sein und genießt das Leben (noch) in vollen Zügen. Sorel wird hier nicht als der strahlende Superheld gezeichnet, er scheint einiges auf dem Kerbholz zu haben, wirkt meistens sogar ziemlich naiv. Im Umgang mit seinen Partnerinnen erscheint er egoistisch und rücksichtslos zu sein, er wirkt eitel und unterschwellig arrogant, bis Monica Weston seinen Weg kreuzt. Plötzlich sieht man Zweifel, ungläubige, verwirrte Blicke und sentimentale Verirrungen. Elsa Martinelli als seine "knabenhafte" Geliebte Jane fällt optisch gesehen, neben Marisa Mell deutlich ab, sie gibt ihrer Person aber am meisten Tiefe und Geradlinigkeit. Neben George erscheint sie sehr ernst und nachdenklich, es machen sich Tendenzen der Resignation bemerkbar, da sie sich im Klaren darüber zu sein scheint, immer nur die zweite Wahl zu sein, eine gehemmte Person im Privaten, die nur im Beruf als delegierende Fotografin aus sich herauskommen kann. Im Besonderen sind noch die Leistungen von Alberto de Mendoza als Henry Dumurrier und Faith Domergue als Schwester von Susan hervorzuheben.

Lucio Fulci inszenierte mit "Nackt über Leichen" einen soliden und überzeugenden Triller, der neben den Schauspielern durch seine Optik und seine Experimentierfreudigkeit heraussticht. Die Kameraarbeit ist hervorragend und detailbewusst, für damalige Verhältnisse dürften die eingefügten Split-Screens und Zooms nicht alltäglich gewesen sein. Die Kamera integriert den Zuschauer sehr stark in die Szenerie, oft hat man das Gefühl, man könne die Akteure anfassen und dieses 'innocent bystander'-Prinzip wirkt nicht aufdringlich, sondern sehr aufregend. Die dosierte Prise Erotik bekommt diesem Film erstaunlich gut, die Szenen zwischen Jean Sorel/Marisa Mell/Elsa Martinelli zeigen einen sehr hohen Anspruch in Richtung Ästhetik, mir scheint es, dass man neben Jean Sorel einfach jede Schauspielerin stellen konnte. Wenn insgesamt und vor allem bei den erotischen Szenen die wandlungsfähige, jazzlastige Musik von Riz Ortolani ertönt, kann man nicht mehr anders, als nur noch gebannt zuschauen. "Nackt über Leichen" ist durchweg eine Hommage an die Optik und an die Schönheit als Ganzes und dabei verzichtete man vollkommen auf reißerische Elemente als mögliche Verstärker. Der Film ist für mich persönlich das beste Werk von Fulci das ich bislang gesehen habe, dem Marisa Mell den letzten Schliff gegeben hat. Ein Pflichtprogramm, das viele Genreelemente lückenlos vereint hat!

Tarzan Offline



Beiträge: 900

04.03.2012 15:47
#57 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

Für mich bei diesem Film interessant, ist die Begegnung zwischen der attraktiven Marisa Mell und der früheren Hollywood-Schönheit Faith Domergue. Interessant, dass sich im europäischen Film der Sixties beide über den Weg gelaufen sind.

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

18.03.2012 17:24
#58 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

KAPITEL 19 - AM GALGEN HÄNGT DIE LIEBE (1960)




DARSTELLER:

CARL WERY
ANNIE ROSAR
MARISA MELL
SIEGHARDT RUPP
BERT FORTELL
PAUL ESSER


1944. Griechenland während des zweiten Weltkrieges. Das alte Ehepaar Nikolaos (Carl Wery) und Marulja (Annie Rosar) muss mit ansehen, wie sich Deutsche und Partisanen erbitterte Kämpfe in der griechischen Provinz liefern und sie geraten unfreiwillig zwischen alle Fronten. Dennoch wollen sie sich dem sinnlosen Töten und dem Völkerhass widersetzen und sie zeigen lebensgefährliche Initiative. Sie gewähren Jedem Unterkunft und unterscheiden nicht zwischen Freunden oder Feinden, denn das gottesfürchtige Ehepaar sieht das Gastrecht als oberstes Gebot an, obwohl sie selbst nur das Nötigste zum Leben haben. Als sie zwei flüchtige Deutsche verbergen, wird Partisanenführer Petros (Sieghardt Rupp), der sich selbst einige Tage zuvor bei Nikolaos und Marulja versteckte, da er von Deutschen gehetzt wurde, auf sie aufmerksam und die Situation spitzt sich zu. Wird er das Versteck ausfindig machen können und die hilfsbereiten alten Leute zur Rechenschaft ziehen...?

Regisseur Edwin Zbonek inszenierte mit seinem mehrfach ausgezeichneten Film "Am Galgen hängt die Liebe" einen leider in Vergessenheit geratenen, unscheinbaren Meilenstein des Anti-Kriegs-Kino und ein unmissverständliches Plädoyer für Humanität und Nächstenliebe, so dass das Gesamtergebnis ohne jeden Zweifel sämtliche Prädikatsansprüche erheben darf, die dem Film damals hierzulande verwährt wurden. Selbst für mich wird die Mitwirkung von Marisa Mell (übrigens hier in ihrem dritten Kinofilm zu sehen) bezüglich dieser bemerkenswerten Umsetzung und vor allem der großen Schauspielkunst des Duos Annie Rosar und Carl Wery weitgehend irrelevant. Dieses Genre zählt nicht gerade zu meinen Favoriten, aber man lässt sich ja gerne überzeugen und "Am Galgen hängt die Liebe" gelingt das mit Leichtigkeit. Die Produktion schmückt sich durchgehend mit erstklassigen Landschaftsaufnahmen und aussagekräftigen Settings, die Ausstattung zeigt sich überaus bewusst und die schauspielerischen Leistungen lassen diese fast 90 Minuten zu einem Erlebnis werden. Trotz der Rahmenbedingungen ist und bleibt dieser Film für mich ein klassischer Schauspieler-Film.



Die "alte Garde" zeigt hier eindrucksvoll, wie es bestenfalls gemacht wird. Der knorrige alte Nikolaos, für den das Gastrecht die oberste Heiligkeit ist, macht keinen Unterschied zwischen Menschen, deren Herkunft und Nationalität, jeder der an seine Tür klopft und Hilfe benötigt, sei ihm willkommen. Carl Wery strahlt eine durch nichts zu störende Ruhe und Gelassenheit aus, bei Streitereien mit seiner Frau kann er sie schnell mit seiner besonnenen Art besänftigen. Das Ehepaar ist vom Krieg gezeichnet, da ihr junger Sohn für die Sache gefallen ist. Nikolaos ist es gewöhnt, das Leben so anzunehmen, wie es bestimmt ist. Er hat sich mit Tatsachen abgefunden, hat allerdings nicht resigniert, was durch seine unermüdliche Initiative verdeutlicht wird. Annie Rosar hingegen stellt zunächst einen deutlichen Kontrast dar. Die Umstände haben sie hart gemacht, doch auch sie hat gelernt, hinzunehmen. Wütend und schimpfend poltert sie durch das Szenario, doch immer wieder kommt ihre Gutmütigkeit zum Vorschein und sie ist milde zu stimmen. Die besten Momente entstehen im Zusammenspiel von Carl Wery und Annie Rosar, die das alte Ehepaar facettenreich und überzeugend interpretieren. Die bemerkenswertesten Momente entstehen jedoch mit Annie Rosar. Als der schwer verwundete, deutsche Offizier im Sterben liegt und nach seiner Mutter ruft, nimmt Marulja ihn mit den Worten "Ich bin ja schon da mein Kind, ich bin ja bei dir" den Arm und sie besteht darauf, dass er nicht in dem Versteck, unter einer Klappe im Stall, sondern im Bett sterben soll. Hier wird der Sterbende von Nikolaos begleitet, der ihm väterlich zuhört. Unbedingt erwähnenswert ist noch Sieghardt Rupp als Partisanenführer, der in bestechender wie auch beängstigender Manier den Vollstrecker einer sinnlosen Ideologie verkörpert.

Marisa Mell spielt Alka, die mit Nikolaos' und Maruljas Sohn Nikos verheiratet war. Der Krieg machte die junge Frau jedoch schon nach einem Tag nach der Hochzeit zur Witwe und das alte Ehepaar sieht immer noch die Tochter in Alka, die es zu beschützen gilt und die aus der Lebenserfahrung schöpfen soll. Bei Unstimmigkeiten setzt es daher auch schon einmal eine Ohrfeige von Annie Rosar, die aber trotz ihrer aufbrausenden Erscheinung stets aufrichtig und liebenswert mit Alka umgeht. Marisa Mell liefert eine hochklassige Leistung ab, sie habe ich in keinem anderen Film so unbändig-temperamentvoll und unter Feuer gesehen. Man sieht förmlich den Hass, die Ohnmacht und die Verzweiflung in ihren Augen, die sich gegen die große Geißel Krieg richten, doch sie hat keine Kraft mehr sich aufzubäumen. Immer wieder fleht sie ihren Geliebten Alexandros (den sie heiraten will) an, doch mit ihr das Land zu verlassen, und den Krieg hinter sich zu lassen, den Frieden zu suchen. Er jedoch ist ebenfalls einer der Partisanen und kann sich nicht aus der Gruppe loseisen. Die denkwürdigste Szene liefert Marisa Mell im weiteren Verlauf des Films, als griechische Geiseln exekutiert werden sollen, unter ihnen ist auch Alexandros (übrigens sehr eingängig interpretiert von Bert Fortell). Auf Knien fleht sie den deutschen Offizier um Gnade und Erbarmen an, hierbei ist ihr Schauspiel für einen ganz kurzen Moment beinahe schon so exzessiv, wie ich es nur von Romy Schneider gewöhnt bin. Für den Anfang ihrer Karriere zeigte sie eine ganz erstaunliche Leistung, die Anforderungen in ihren meisten Rollen die noch folgen sollten, waren kaum mehr auf diesem Niveau zu finden.

Mit seinem Film "Am Galgen hängt die Liebe" schuf Regisseur Edwin Zbonek einen bemerkenswerten und kritischen Beitrag, der zu Unrecht kaum bekannt ist. Sehr gelungen ist die generelle Aussage des Films, dass es im Krieg nur Verlierer und keine Gewinner geben kann, er klagt keine der Seiten voreingenommen an und erspart sich eine Kategorisierung in "Gut" und "Böse". Vielmehr hebt die Regie hervor, dass es Menschen gibt, die trotz aller Gefahren und Zwänge ihre Moralvorstellungen nicht ignorieren und nach ihrem guten Gewissen handeln. Die idyllische Landschaft, die man auch von ihrer unbändigen Seite zu Gesicht bekommt, wird immer wieder durch Schüsse und Schreie durchzogen, dabei zeigt sich die Kamera oftmals sehr flexibel, die musikalische Untermalung wirkt bedrohlich, nur wenn der alte Nikolaos auf seiner Flöte spielt, lässt sich erahnen, dass das Leben zuvor zwar karg und hart war, aber friedlich und vor allem frei. Harte Schwarz/Weiß-Kontraste untermalen die bedrückende und ergreifende Szenerie und Thematik, das Schauspiel sorgt für Momente, die nicht nur nachdenklich stimmen, sondern auch bestürzen. Trotzdem driftet die Geschichte nie in Kitsch ab und erspart sich unangebrachte sentimentale Anwandlungen. Das Finale verdeutlicht zwar die unerbittliche und gnadenlose Seite des Krieges, trotzdem ist der Schluss als einziger kleiner Schwachpunkt zu erwähnen, da er sich etwas zu sehr dahin zieht und sich einer zu großen Portion Rührseligkeit bedient. Dennoch sieht man eine kleine Sternstunde des deutschen Nachkriegskinos, die auch nach über 50 Jahren nichts an Brisanz und Aktualität verloren hat!

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

19.03.2012 14:04
#59 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

SONSTIGES - IM SPIEGEL DER KRITIK

Nachträglich ein sehr interessanter sowie informativer Artikel aus dem Spiegel vom Mai 1961, der über die Prädikatsverweigerung der Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW), bezüglich des oben besprochenen Films »Am Galgen hängt die Liebe« berichtet. Es ist erstaunlich zu erfahren, wie günstig sich die Vergaben der Prädikate »wertvoll« oder »besonders wertvoll« auf einen Film auswirken, beziehungsweise welche Annehmlichkeiten sie mit sich bringen konnten, aber auch welche negativen Ausmaße eine Nicht-Vergabe zur Folge haben konnte. Der Artikel zählt einige der Auszeichnungen des Films auf und präsentiert einige der außergewöhnlich guten Kritiken und Bewertungen. Für alle, die sich den Artikel gerne ansehen möchten, hier noch der Hinweis, den vierten kleinen Absatz (»Nachdem ein deutsches Jagd-Kommando...«) auszulassen, da sich dort Spoiler befinden.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43160995.html

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

21.03.2012 19:41
#60 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · antworten

SONSTIGES - MARISA MELL BERICHTET

»Film Nummer zwei hieß "Am Galgen hängt die Liebe" und erzählte in modernen griechischen Folklorekostümen die uralte Geschichte Ovids "Philemon und Baucis". Ich spielte die Tochter der Baucis, die von Annie Rosar dargestellt wurde. Philemon war übrigens Carl Wery. Seltsamerweise erhielt dieser urgriechische Stoff, gedreht im wenig urgriechischen Burgenland von einem österreichischen Regisseur mit dem slawischen Namen Edwin Zbonek, viele internationale Preise. Ich wurde sogar nach Madrid eingeladen und nahm den Preis dort in Empfang. Nachdem ich außer deutschösterreichisch und etwas Schulenglisch keine Fremdsprachen beherrschte, mußte ein Übersetzer die Preisrede für mich dolmetschen. Ob ich auch neugriechisch oder gar althellenisch angeredet wurde, habe ich leider nie erfahren.« (Coverlove)

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