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Dieses Thema hat 133 Antworten
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Prisma Offline




Beiträge: 7.549

31.01.2013 00:07
#91 Marisa Mell - Filme & Karriere · Kapitel 29 ("Höllenjagd auf heiße Ware") Zitat · Antworten



HÖLLENJAGD AUF HEIßE WARE / SECRET AGENT SUPER DRAGON (1966)

mit Ray Danton, Margaret Lee, Carlo D'Angelo, Jess Hahn, Adriana Ambesi, Jaques Herlin und Marisa Mell





Bryan Cooper (Ray Danton) ist der beste Mann des Amerikanischen Geheimdienstes und noch berüchtigter ist er unter dem Namen Superdrago. Er wird mit einer schwierigen Aufgabe betraut, indem er die rücksichtslosen Machenschaften eines international arbeitenden Drogen-Kartells zerschlagen soll. Dieses Kartell will die Weltmärkte mit einer synthetischen Droge namens Synchro überschwemmen um ihn unter alleinige Kontrolle zu bekommen. Superdrago entlarvt die Mittelsmänner un die Spur führt nach Amsterdam, wo er zusammen mit seinen Kollegen, der Agentin Gaby (Margaret Lee), und Baby Face (Jess Hahn) ermittelt, und sich schließlich in große Gefahren begibt. Schon bald kreuzt sich sein Weg mit der Agentin Charity (Marisa Mell), die ihm vor Ort bei den Ermittlungen zur Verfügung steht. Die Organisation fühlt sich von ihren Kontrahenten immer mehr bedroht und schickt schließlich zahlreiche Killer los, um Superdrago möglichst qualvoll zu liquidieren. Doch dieser hat noch ganz andere Methoden auf Lager...

Wer derartige Formate, oder besser gesagt Plagiate, gerne mag, wird sich dennoch bei "Höllenjagd auf heiße Ware" wohl eher nur bedingt einigermaßen gut unterhalten fühlen. Diese Produktion wurde von Regisseur Giorgio Ferroni ("Die Mühle der versteinerten Frauen") realisiert. Ihn als James Bond der C-Kategorie anzusehen, wäre sicherlich schon eine Auszeichnung, daher fällt es umso schwerer, diesen Film als gelungen zu bezeichnen. Das handwerkliche Geschick der Regie steht eigentlich außer Frage, doch das Produkt ist überaus langatmig ausgefallen, muss ohne nennenswerte Höhepunkte auskommen und ist quasi ohne jeglichen eigenen Charme, dass ich diese Produktion aus persönlicher Sicht als vollkommen belanglos einstufe. Die Geschichte besteht beinahe ausschließlich aus fadenscheinigen Ansätzen und Liebschaften des blass wirkenden Titelhelden, viele Passagen wirken daher so unglaublich stark gestreckt, dass unterm Strich kaum etwas Positives zurück bleibt. Der Plot mit seinen lächerlichen Spielereien ist leider nur dürftig, die Charaktere wirken ausnahmslos uninteressant und wurden vollkommen eindimensional gezeichnet, gähnende Langeweile wird in diesem Beitrag leider zum unausweichlichen Leitfaden.





Die Titelfigur wird von dem amerikanischen Schauspieler Ray Danton dargestellt, der alleine von seiner Optik schon einmal gut in eine derartige Rolle zu passen scheint. Es stellt sich jedoch heraus, dass dieser ausgekochte Herr ein großes Problem mit sich herumzutragen hat: er ist vollkommen langweilig und wirkt streckenweise sogar wenig motiviert. Es reicht einfach nicht aus, die apartesten Damen hintereinander für sich zu gewinnen, wenn dabei der eigentliche Fall komplett auf der Strecke bleibt. Es sieht nämlich so aus, als erledige sich diese Komplette Angelegenheit von selbst, und in allergrößter Lebensgefahr kann er sich bestenfalls selbst retten, ist aber in den entscheidenden Momenten auf fremde Hilfe angewiesen. Zwar wird versucht, ihn recht originell dastehen zu lassen, beispielsweise absolviert er immer wider einige Übungen, um sich vestibulär zu stimulieren, oder im Umgang mit diversen Damen, wo er sich gar nicht so ungeschickt anstellt. Auch zeigt er sich häufig, besonders in brenzligen Situationen, sehr cool, aber es fehlt trotzdem ein dichteres Profil! Danton ist allerdings kein Einzelfall, er kann sich im Dunstkreis der schwachen Nebendarsteller schon in den Vordergrund rücken. Margaret Lee, hier optisch gesehen tatsächlich eine Art Marilyn Monroe-Kopie, bleibt nichtssagend und blass. Sie wirkt weder sympathisch, noch aufregend genug, um die Aufmerksamkeit in gewohntem Maße auf sich zu lenken. Genau wie übrigens ein paar Jahre später in "Das Gesicht im Dunkeln", wurde sie hier wieder sehr angenehm von Ilse Pagé synchronisiert.

Ähnliches gilt leider auch Für Marisa Mell, die wie in "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" ziemlich gewöhnungsbedürftig von Beate Hasenau gesprochen wurde. Im Kampf der weiblichen Haupt- oder Nebenrollen stellt sich die Frage, wer die Nase eigentlich vorne hat. Marisa Mell taucht etwa nach zwanzig Minuten im Geschehen auf, und sie erscheint hier in jeder Beziehung sehr sparsam zu sein. Fast will ich sagen, dass ich sie nicht sehr oft derartig gelangweilt und unterfordert gesehen habe. Charity hat außer ihrer attraktiven Erscheinung nicht viel Zusätzliches zu bieten. Ein oberflächlicher Charakter ohne viel Charme oder Raffinesse, das ist leider komplett verschenkt worden. Ihre guten Szenen sind äußerst überschaubar und ich persönlich sehe einen der untertourigsten Leistungen ihrer gesamten Karriere! Gerade ihre Agentin, die ja einen doppelten Boden transportieren sollte, hätte wesentlich undurchsichtiger und unberechenbarer wirken müssen, doch leider kolportiert Marisa Mell, übrigens genau wie Regie und Drehbuch auch, die grenzenlose Vorhersehbarkeit. Wer nach der Hälfte dieses Films immer noch nicht geschnallt haben sollte, wohin die Reise geht, ist vermutlich längst eingeschlafen. Was bei der Veröffentlichung dieser DVD von Simple Movie (neben der miserablen Bild- und Tonqualität) negativ auffällt ist, dass man die Schauspielerin erneut als Sex-Zugpferd präsentierte; der running gag ihres Lebens! Die Rückseite zeigt ein Nacktfoto, vermutlich aus den 80er Jahren, es gibt sogar ein anderes Motiv mit einem Hardcore-Porno-Foto, und die eintönige Kurzbeschreibung von ihr ist schon sehr bedauerlich. Dass sie im Playboy posierte und eindeutige HC-Fotos machte, ist der Zielgruppe und der Fan-Gemeinde hinlänglich bekannt, und hat letztlich nicht das Geringste mit dieser überaus zugeknöpften Rolle zu tun, geschweige denn mit dem Film an sich.

Der Plot schwächelt, die Besetzung reiht sich ebenfalls in dieses Konzept ein, was gibt es eigentlich Positives über "Höllenjagd auf heiße Ware" zu sagen? Gedreht wurde in Amsterdam, und man bekommt einige schöne Außenaufnahmen und Schauplätze zu sehen. Auffällig wirkt außerdem die fast bizarre Farbgestaltung, häufig in grellen Pink-Rosa- und Lila-Tönen, die wenigstens im visuellen Bereich für Aufsehen sorgen können. Die Ausstattung wirkt größtenteils aufwendig, auch die vielen Spielereien à la James Bond, die Superdrago zur plötzlichen Verteidigung nötig hat, überzeugen gerade noch so in dieser sonst so schwachen Geschichte. Die neue Droge, die in Kaugummis an Jugendliche verteilt wird, und Exzesse, Aggressivität und Hysterie (wie im Zweifelsfall jeder Vollrausch auch) auslösen kann, wirkt weder bedrohlich noch außergewöhnlich, sondern einfach nur lächerlich. Die Tricks unterbieten beispielsweise einen Fahrzeug-Crash aus einem ganz bestimmten Film um Längen, die Musik ist uninteressant und schnell wieder vergessen, und der Humor, bei dem glücklicherweise etwas Diskretion geboten wurde, wirkt daher wenigstens noch durchschnittlich. Einige Quellen zeigen übrigens Pinkas Braun in der Besetzungsliste an, doch das kann ich nach erneutem Ansehen wieder einmal nicht bestätigen. Ohne Action, Dynamik und Spannung, ohne Würze und Originalität, und ohne Wenn und Aber ein äußerst hartnäckiger und schwerwiegender Fall von Langeweile! Tja, da hätte ich Marisa Mell im gleichen Jahr doch lieber einmal in einem echten James Bond gesehen, oder überhaupt. Zurück bleibt mit "Höllenjagd auf heiße Ware" jedenfalls nur vollkommen belangloses Material.

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

17.02.2013 18:51
#92 Marisa Mell - Filme & Karriere · Wegbegleiter: Sylva Koscina Zitat · Antworten



♦ SYLVA KOSCINA ♦ (* 22.08.1933 in Zagreb † 26.12.1994 in Rom)





Sylva Koscina im Film (Auswahl):

♦ Der Kurier des Zaren (1956)
♦ Die unglaublichen Abenteuer des Herkules (1958)
♦ In Ketten zum Schafott (1963)
♦ Unser Mann aus Istanbul (1965)
♦ Julia und die Geister (1965)
♦ Heiße Katzen (1967)
♦ Kampf um Rom [Teil 1 & 2] (1968/69)
♦ Schön, nackt und liebestoll (1972)
♦ Lisa und der Teufel (1974)
♦ Cinderella '87 (1984)
♦ C'è Kim Novak al telefono (1994)



Anlässlich des kürzlich besprochenen Films "Nel buio del terrore" macht die bezaubernde Wahl-Italienerin Sylva Koscina den Anfang in der Kategorie Wegbegleiter. Warum ist sie eigentlich zu nennen? Sie und Marisa Mell haben nur zwei gemeinsame Filme gedreht, und zwar den eben erwähnten aus dem Jahr 1970, und 1976 die Erotik-Klamotte "Casanova & Co." von Franz Antel, bei dem ich mir gar nicht so sicher bin, ob sie sich überhaupt bei den Dreharbeiten getroffen haben. Warum die beiden aber dennoch in einem Atemzug zu nennen sind, obwohl ihre Filmkarrieren in sehr unterschiedlichen Genres begannen, und sie kaum gemeinsame Filme gemacht haben, ist, weil sie damals zum erlesenen Olymp der italienischen Superstars zählten, und auch internationale Ausflüge vorzuweisen haben. Hauptrollen, Star-Gast-Auftritte und exponierte Darbietungen waren ihr Geschäft, ein großer Name als Lockvogel auf vielen Kino-Plakaten ließ ihre Partizipationen stets präsent erscheinen. Sylva Koscina war seinerzeit eine Viel-Spielerin, die es in ihrer Karriere auf gut 120 Produktionen brachte. Die Einsatzgebiete waren beinahe Deckungsgleich mit denen ihrer österreichischen Kollegin, und mündeten beim Abklingen der großen Karrieren im Erotik-Sektor, den sie allerdings auch schon vorher bereitwillig und ausgiebig bedient hatten, allerdings auf einem anderen Niveau. Bei beiden Darstellerinnen stagnierte der Beruf ab Mitte der Siebziger Jahre, so dass sich einige Kuriositäten, beziehungsweise auch sehr bedauerliche Auftritte in gewissen Produktionen, in ihren Filmografien ausfindig machen lassen. Sie standen einst für faszinierende Schönheit und die kompakte Vereinigung aller erdenklichen weiblichen Attribute, und genau so sind sie auch im besten Fall in Erinnerung geblieben. Sylva Koscina und Marisa Mell erwiesen sich beide als raffinierte Expertinnen für Nuditäten, wobei Koscina in fast jedem Film den ich kenne, wenigstens eine Nackt-Szene hatte. Wenn ich mir Sylva Koscina und ihre Karriere allerdings so betrachte, klingt das Wort Wegbegleiter eigentlich eher unpräzise. Konkurrentin ist vermutlich die passendere Umschreibung, und vielleicht sah man sie deswegen nicht oft in gemeinsamen Produktionen.

Sylva Koscina wurde in Zagreb geboren, studierte vor ihrer Filmkarriere Physik an der Universität Neapel und arbeitete als Fotomodell. Für die Filmindustrie wurde sie zufällig entdeckt, da ihr Foto in diversen italienischen Zeitungen kursierte, als sie bei der Preisverleihung einer Fahrrad-Tour, dem belgischen Rad-Rennfahrer Rik Van Steenbergen den Siegerkuss überreichte. Schnell wurde die Kroatin zu einem der Symbole für den Optimismus des italienischen Wirtschaftswunders und sie prägte das Frauenbild der Sechziger Jahre. Bereits ab Mitte der 50er Jahre war sie regelmäßig im Kino zu sehen und leistete wichtige Beiträge für den zeitgenössischen Film. Sie verzeichnete Erfolge in Monumental- Historien- und Unterhaltungsfilmen, und war später beinahe in jedem Genre gefragt und auch zu Hause, zeitweilig drehte sie über zehn Filme pro Jahr, bis ihre Karriere Mitte der 70er Jahre ins Stocken kam. Sylva Koscina war einer der gefragtesten Stars Italiens. Man versteht ihre Popularität, wenn man betrachtet, dass die meisten Hauptrollen an einen kleinen Kreis von männlichen Darstellern, wie beispielsweise Ugo Tognazzi (über 60 Filme) oder Enrico Maria Salerno (40 Filme) gingen. Koscina reiht sich in diesen erlesenen Kreis ein und hält mit über 45 Filmen den uneingeschränkten Rekord an Hauptrollen bei den Schauspielerinnen. Sie wurde die erste italienische Darstellerin, die es in die Ausgabe des amerikanischen Playboy schaffte, um 1975 im Alter von 42 Jahren erneut in der italienischen Ausgabe zu posieren. Es gab immer wieder Querelen in ihrem Privatleben und finanzielle Probleme zwangen sie schließlich zum Verkauf ihrer Super-Villa. In Produktionen war sie nur noch sporadisch zu sehen. Im Alter von nur 61 Jahren verstarb Sylva Koscina in Rom an Krebs, wobei einige Quellen auch Herzinsuffizienz als Todesursache angeben.

Sylva Koscina ist mir seit jeher ein Begriff, was einigen bestimmt auch so gehen wird. Damals zwar unbewusst, als sie neben Bonnie Bianco, Pierre Cosso und Adolfo Celi die Rolle der Principessa Gherardeschi in dem Kinder- und Jugend-Straßenfeger "Cinderella '87" interpretierte, den wir bei jeder sich bietenden Gelegenheit verschlungen haben. Bewusst zu der Schauspielerin bin ich tatsächlich über Marisa Mell gekommen, jedoch wäre ich auch ohne ihre Hilfe, bei der Häufigkeit ihrer Auftritte, auf gar keinen Fall an ihr vorbei gekommen. Dino Risi bescheinigte ihr »die typische Melancholie der Slawen« und Koscina selbst urteilte, dass sie es nie geschafft habe, die Schauspielerin und die Frau in einer einzigen Person zu vereinen. Meine erste Assoziation mit der Koscina ist stets ihre ausgezeichnete Interpretation in dem Historien-Zweiteiler "Kampf um Rom" als Kaiserin Theodora, über die ihr Mann Justinian urteilte: »Ich habe meinen Gott nicht so geliebt wie diese Frau!« Ich persönlich sehe Sylva Koscina unheimlich gerne, und viele Filme habe ich mir wegen ihr überhaupt erst angeschaut. Ihre natürliche, nicht angestrichen wirkende Schönheit, ihr sympathisches, dezentes aber dennoch alles sagende Lächeln, ihre freie und flexible Interpretationsgabe und das anscheinend unergründliche Wesen, machen sie für mich tatsächlich außergewöhnlich. Sicherlich war in ihren über 120 Filmen auch viel schwacher Stoff dabei und Sachen, die man einfach vergessen kann, aber begeistern konnte und wird sie mich trotzdem immer wieder. Sie hat sicherlich ihren Platz im Olymp der italienischen Superstars verdient! Film-Empfehlungen lauten unbedingt: "Heiße Katzen", "Lisa und der Teufel" oder "Der Mafiaboss"! Es bleibt noch anzumerken, dass Sylva Koscina es im Gegensatz zu Marisa Mell im letzten Drittel ihrer Karriere wieder schaffte, diese in geregelte Bahnen zu lenken. Ein internationaler Großerfolg blieb beiden verwährt. Fortsetzung folgt.

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

24.02.2013 18:15
#93 Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · Antworten



♦ IHR 74. GEBURTSTAG ??? ♦





Marisa Mell wurde am 24 Februar 1939 in Graz geboren und hätte heute ihren ihren 74. Geburtstag gefeiert. Immer an diesem Tag stellt sich der Fan natürlich die Frage, wie sie wohl heute aussehen, und was sie wohl spielen würde. Wäre sie immer noch in ihrem geliebten Film beschäftigt, oder würde sie, wie sie selbst oft betonte, mit Lampenfieber am Theater sein, TV-Auftritte absolvieren, einen komplett anderen Weg eingeschlagen sein oder eher zurückgezogen leben? Natürlich sind diese hypothetischen Fragen eigentlich sinnlos, und dennoch erwischt man sich ziemlich oft dabei. Vielleicht denken ja heute doch noch ein paar Leute an sie, sehen sich einen Film mit ihr an oder beschäftigen sich, egal in welcher Art und Weise mit der Schauspielerin. Das Foto (ursprünglich aus der französischen Serie "Sam et Sally" von 1978) ist ebenfalls nur eine Spielerei und vielleicht auch nicht besonders gut oder passend geworden, soll außerdem eher mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis genommen werden;)

Josh Offline




Beiträge: 7.923

10.03.2013 19:41
#94 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · Antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #16
RUF DER WILDGÄNSE (1961)




DARSTELLER:

EWALD BALSER
HEIDEMARIE HATHEYER
BRIGITTE HORNEY
MARISA MELL
HANS H. NEUBERT
GERTRAUD JESSERER
HORST JANSON


Der kanadische Farmer und Großgrundbesitzer Caleb Gare (Ewald Balser) ist gefürchtet für seine rücksichtslose Art, Geschäfte zu machen. Um Besitz und Reichtum immer größer werden zu lassen, treibt er viele Existenzen in den Ruin, da er seine Pächter und Schuldner immer gnadenloser auspresst, unerfüllbare Bedingungen stellt und hohe Zinsen verlangt, um an deren Besitz zu kommen. Auch innerhalb seiner eigenen Familie gibt er sich als Tyrann, seine Töchter Judith (Marisa Mell) und Ellen (Gertraud Jesserer) müssen sich unter seinem Regiment die Finger wund arbeiten und werden in jeder Beziehung genügsam gehalten. Calebs Frau Amelia (Heidemarie Hatheyer) hat nicht die Kraft sich gegen ihren Mann zur Wehr zu setzen, da er sie wegen ihres dunklen Geheimnisses in der Hand hat. Einst nahm er sie als Magd bei sich auf, da sie als verurteilte Sünderin auf der Flucht war. Sie brachte einen unehelichen Sohn zur Welt und wurde wegen Beihilfe zum Mord ins Gefängnis gesteckt. Auch nach über zwanzig Jahren Ehe behandelt er seine Frau nur wie eine Arbeiterin und ruft ihr die Vergangenheit wo er nur kann ins Gedächtnis. Eines Tages taucht ein junger Landvermesser namens Mark Jordan (Hans H. Neubert) in dieser Gegend auf, der sich in Judith verliebt. Nur zwei Personen sind sich über dessen Herkunft und Identität bewusst, bis es schleißlich zu einer dramatischen Eskalation kommt...

"Ruf der Wildgänse" ist ein klassischer Heimatfilm, der mit ausreichend Dramatik und wunderbaren Landschaftsaufnahmen ausgestattet ist. Leider ist dieser Streifen wieder einmal weniger bekannt, wobei ich mir fast sicher bin, dass er bei einer ordentlichen Veröffentlichung auf DVD auch seine Anhänger finden würde, weil er durchaus seine Vorzüge besitzt. Alleine die Besetzung spricht ja schon für sich, man bekommt hervorragende schauspielerische Leistungen zu sehen, die über die zum Teil etwas allzu glatte und langatmige Inszenierung wegtrösten können. Für die Regie verantwortlich zeigte sich Hans Heinrich, der eine sehr geradlinige und gut abgestimmte Arbeit abliefern konnte. Im Gegensatz zu, vom Prinzip her ähnlichen Produktionen, wie zum Beispiel "Und ewig singen die Wälder", kann dieser Film von 1961 (bei dem wie im Vorspann erwähnt, die Außenaufnahmen in Canada stattgefunden haben sollen) allerdings bei Weitem nicht mithalten. Trotz seiner bewährten Zutaten, bleibt "Ruf der Wildgänse" lediglich ein Versuch, sich an Vorbildern zu messen, ihm fehlt etwas die grundeigene Identität.



Der Film wird insbesondere von seinen Schauspielern getragen und hierbei ist zunächst mal ein Name zu hervorzuheben. Ewald Balser spielt genau so, wie man sich das bei ihm vorstellt. Er geht glaubhaft und präzise in seiner Rolle auf. Hier sieht man einen Tyrannen, der alle Personen im Würgegriff hält, aber sein Caleb ist kein Choleriker, der unbedacht handeln würde. Er verleiht dieser Person eine perfride, zynische Note, indem er sein Vorgehen als gottesfürchtiger Mann stets mit Bibelzitaten untermauert und rechtfertigt und Angelegenheiten stets umschreibt, diese also nie direkt beim Namen nennt. Er bleibt in jeder noch so unbequemen Situation ruhig und es bereitet ihm ein Vergnügen, seine Untergebenen zu brüskieren und sie sogar indirekt zu quälen. Dabei macht er keinen Unterschied, ob es sich nur um einen Schuldner handelt, oder sogar um seine eigene Familie. Geschickt schwätzt er anderen Farmern Hab und Gut ab und geht seinen Geschäften zielstrebig und unnachgiebig nach, er ist ein Geizhals aus dem Bilderbuch. Nicht nur berüchtigt, sondern vor allem verhasst, hat er keine Freunde oder Vertraute mehr, er ist ein zutiefst einsamer Mann geworden. Heidemarie Hatheyer spielt wie immer überzeugend, der Heimatfilm scheint ihre Domäne gewesen zu sein. Man sieht sie als unterdrückte und verängstigte Frau, bei der sich Resignation breit gemacht hat und die nur noch für ihre Töchter und die tägliche Arbeit lebt. Besonders gut funktioniert hier das Zusammenspiel mit Partner Ewald Balser, der sie gerne mit Geschichten aus der Vergangenheit terrorisiert. Ein sehr schönes Wiedersehen gibt es mit Brigitte Horney, die in diesem Szenario eine Rolle übernahm, die ihr auf den Leib geschneidert war. Sie spielt die verwitwete Lehrerin Mrs. Sandbo, die gute Seele der Gemeinde, die für Vertrauen und Aufrichtigkeit steht. Dabei sieht man eine Dame, die verhältnismäßig progressive Ansichten für damalige Verhältnisse (1910) vertritt und stets mit gutem Rat und starker Schulter zur Seite steht. Eine sehr amüsante Szene liefert Brigitte Horney, als sie zu der Musik des Grammophons eine sehr gelenkige Tanzeinlage zum Besten gibt. Große Hauptdarsteller bereichern "Ruf der Wildgänse", aber auch die größeren Nebenrollen sind eine Freude.

Marisa Mell war hier in ihrem ersten Farbfilm zu sehen und stand mit Anfang 20 noch am Beginn ihrer turbolenten Karriere. Natürlich ist wieder zu erwähnen, wie erfrischend dynamisch und unverbraucht ihre Leistung erscheint. Schon früh war zu erkennen, dass sie gerne mit ihrer Körpersprache und großen Mienen arbeitete. Der Film spart sich hier ungewöhnlicherweise Serien von Großaufnahmen, da er sich lieber auf die herrliche Landschaft und das überzeugende Schauspiel konzentrieren möchte. Marisa Mell spielt die ältere Tochter des Farmers, die ihren Vater verabscheut und hasst. Sie möchte raus aus dieser Hölle und träumt unabhängig von materiellen Dingen, von einem besseren Leben. Sie und Mrs. Sandbos Sohn Sven (Horst Janson), der seit mehreren Monaten unterwegs ist, sind ein Liebespaar. Der Gedanke an eine gemeinsame Zukunft lässt Judith vieles ertragen, bis sich herausstellt, dass ihr Vater das Verhältnis hintertrieben hat. Diese Rolle ist ein weiterer Beweis dafür, wie schnell sich Schauspieler allgemein in bestimmten Schubladen wiederfinden. Bei Marisa Mell war es schnell der Typ Frau mit eigenwilligem Kopf und unbändigem Temperament, der sich etablieren sollte, starke und intelligente Frauenrollen sollten ihr Metier werden. Für mich persönlich sind und bleiben ihre frühen Interpretationen mitunter die spannendsten ihres Werdegangs, die atemberaubendsten tragen jedoch andere Namen.

"Ruf der Wildgänse" ist sowohl Unterhaltungs- als auch Schauspielerfilm, der schon einen Blick verdient hat. Da ich mich generell schwer tue, Heimatfilme zu beschreiben und sie zu bewerten, weil das einfach nicht meine Zielgruppe ist, bleibt es lediglich bei pauschalen Eindrücken. Sicher ist auch, dass ich mich ohne die Mitwirkung von Marisa Mell wohl nicht um diesen Film bemüht hätte. Unabhängig von ihr bleibe ich dennoch bei den anderen Schauspielern hängen, und bewundere die hervorragenden Leistungen und kantig dargestellten Personen. Als Film funktioniert er auch, hat aber eben seine Durchhänger. Unerträglich finde ich persönlich Passagen, wenn aus heiterem Himmel angefangen wird zu singen, was hier von Horst Janson (synchronisiert) übernommen wurde. Auch dass man eine Armee von grundauf herzensguten Personen gegen Ewald Balser aufstellen musste, zeigt dem Zuschauer von Beginn an, dass die Gerechtigkeit natürlich siegen muss, sodass die allgegenwärtigen Konflikte an Brisanz und Glaubwürdigkeit einbüßen. Sicher sollte man für einen Heimatfilm keine Nerven aus Drahtseilen mitbringen müssen, aber ein wenig mehr Spannung und Intensität hätte diesem Kind ganz gut gestanden. Was wirklich sehr gut bei dieser Produktion gelungen ist, sind die Schauplätze und die vielen eingängigen Landschaftsaufnahmen. Musikalisch begleitet diesen Film eine klassische, sehnsüchtige und hoffnungsgebende Musik, die auch nach dem Ende im Kopf bleibt. Insgesamt gesehen ist "Ruf der Wildgänse" kein zu Unrecht in Vergessenheit geratener und unterschlagener Schatz, aber für Anhänger des Genres und Freunde guter Schauspielkunst ein sehenswertes, wenn auch einseitiges Fiilmvergnügen. Für eine (wenn auch nicht wahrscheinliche) DVD-Veröffentlichung zitiere ich noch gerne Ewald Balser: "Ja Kinder, da heißt es doppelt fleißig sein!"...;)

Der Film erscheint am 26.4.2013 auf DVD
http://www.amazon.de/s/ref=sr_pg_2?rh=n%...&qid=1362939782

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

11.03.2013 13:09
#95 Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · Antworten

Na das ist ja mal eine Überraschung, die legen sich ja mächtig ins Zeug. Ich hätte nicht gedacht, dass der Film überhaupt mal aus der Versenkung auftauchen würde. Auf jeden Fall vielen Dank für die interessante Information! Ich bin mir sicher, dass "Ruf der Wildgänse" dem Ein oder Anderen ganz bestimmt gefallen würde. Bei mir ist die DVD jedenfalls direkt einmal vorgemerkt worden.

Giacco Offline



Beiträge: 1.805

15.03.2013 15:59
#96 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere Zitat · Antworten

http://www.boxofficestars.com/

Hier gibt´s die Boxoffice-Zahlen der in Frankreich gezeigten
Marisa-Mell-Filme.

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

18.03.2013 21:02
#97 Marisa Mell - Filme & Karriere · Sonstiges (NDR Talk Show) Zitat · Antworten



♦NDR TALK SHOW CLASSICS VOM 22.02.1991♦


Am 22.02.1991 war Marisa Mell zu Gast in der NDR Talk Show, und es handelt sich um einen der letzten, mir bekannten Auftritte der Schauspielerin. Hochinteressant für Fans ist diese Runde wohl allemal, obwohl es mehr und mehr zu Entgleisungen kommt, und man daher nicht gerade von einem eloquenten Gespräch reden kann (was allerdings auch Teilen der gruseligen Moderation in die Schuhe geschoben werden kann). Marisa Mell findet sich in einer Art Kreuzverhör wieder, da es thematisch um ihr damals erschienenes Buch 'Coverlove' ging. Alain Delon, Walter Giller, Diskretion, und so weiter... Bei ihren Erläuterungen und Antworten kann man ihr zwar eine gewisse Souveränität nicht absprechen, doch viel schwerer fällt ihre beinahe gelangweilte Körpersprache ins Gewicht. Wen es also interessiert, sie als gereifte Frau oder gealterten Star zu sehen, bitteschön:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nd...lassics865.html

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

08.04.2013 15:36
#98 Marisa Mell - Filme & Karriere · Kapitel 30 ("Der grüne Kakadu") Zitat · Antworten



DER GRÜNE KAKADU (1963) [TV]

mit Hans Dieter Zeidler, Marisa Mell, Manfred Inger, Lukas Ammann, Götz von Langheim, Fritz Rémond, Anneliese Stöckl, Jörg Schleicher, Eberhard Maas, Wolfgang Zilzer, Kurt Zips, Georg Lehn, Gustl Weishappel, Karin Mai, Monique Ahrens, Carlos Werner, Walter Bach, Walter Buschhoff, Max Strassberg, Peter Fritsch, Dieter Geissler und Louise Martini
eine ZDF-Produktion der InterTel nach der Groteske von Arthur Schnitzler
ein Fernsehspiel von Michael Kehlmann






»Weiber! Weiber ihr Weiber! Ach das bringt einen auch wieder zum Leben!«


Paris, am Abend des 14. Juli 1789. In Prospères (Manfred Inger) Spelunke "Der grüne Kakadu" treffen sozial und kulturell gesehen Welten aufeinander. Einige Darsteller ohne Engagements, die zur ehemaligen Truppe des Wirtes gehörten, zählen zu den Stammgästen des Hauses und geben spektakuläre Darbietungen zum Besten. Diese Tatsache lockt Abend für Abend auch immer wieder Adelige an, die dort nach dem persönlichen Nervenkitzel und Sensationen suchen, und um sich ganz ungeniert allerhand Genüssen hinzugeben. Man sitzt Tisch an Tisch mit zwielichtigen Gestalten, Dieben und Dirnen, die von ihren Gaunereien prahlen und sich wie in einem Theaterstück inszenieren. Am Tage des Ausbruchs der Französischen Revolution dringt jedoch die Wirklichkeit in das Vergnügungslokal ein, und keiner der Anwesenden kann mehr zwischen Schauspiel und Realität unterscheiden...

Wer seine Schauspieler liebt, kommt deswegen auch in den unterschiedlichsten Genres herum. Dennoch fiel mir der Entschluss, mir Michael Kehlmanns Adaption von "Der grüne Kakadu" zu beschaffen, nicht gerade leicht. Bislang handelte es sich bei Marisa Mells Partizipation bei diesem Fernsehspiel nämlich nur um eine hin und wieder auftauchende Information, die jedoch nirgends bestätigt werden konnte. Ein Gerücht? Die Tatsache, dass diese TV-Produktion von 1963 in keiner geführten Filmografie von ihr auftaucht, sorgte ebenfalls für Unsicherheit. In einem französischen Filmmagazin erwähnte sie selbst in einem Interview, dass diese Produktion ihre liebste Arbeit fürs Fernsehen gewesen sei, doch auch derartige Informationen sind bei ihr immer mit Vorsicht zu genießen, da man schon häufiger von ihren charmanten Ausschmückungen gehört hat. Also: Blindkauf und Nervenkitzel, obwohl ich vermutete sie hier keineswegs zu sehen, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass sich ihre Mitwirkung in gut fünfzig Jahren immer noch nicht herumgesprochen hat. Nach guten zwanzig Minuten passierte dann das Unglaubliche. Marisa Mell betritt die Szenerie, und das in beachtlicher Manier. Bei aller Freude ging nebenbei sogar ein kleiner, persönlicher, und vor allem alter Traum in Erfüllung, irgendwann einen Film in Händen zu halten, der noch nicht einmal "verschollen" war, sondern quasi in ihrer Karriere gar nicht existierte. Ein sehr schönes, weil seltenes Erlebnis! Hinzu kommt, dass mir auch die Umsetzung wirklich sehr gut gefallen hat, obwohl es sich bei diesem Einakter um ein Format handelt, das mir eigentlich nicht besonders liegt. Aber Pidax hat mich tatsächlich an die damals so ungeliebten TV-Stücke heranführen können, die ich mir mittlerweile doch sehr gerne anschaue.





Ein solches Kammerspiel lebt in der Regel von der Qualität seiner Darsteller. Was man hier geboten bekommt kann man einfach nur exzellent nennen. Akteure wie beispielsweise Hans Dieter Zeidler, Manfred Inger, Lukas Ammann, Carlos Werner, Anneliese Stöckl - um nur einige zu nennen - aber auch Marisa Mell, übertreffen sich hier selbst. Ihre Interpretationen transportieren eine mitreißende Intensität und eine Präzision, die nicht nur überzeugend und erstklassig, sondern wirklich faszinierend wirkt. Für Marisa Mell-Fans gibt es hier einige ihrer weniger bekannten Facetten zu bewundern. Ihr Spiel erinnert an einen Bühnen- oder Theaterauftritt, und der Zuschauer kann sich hier genau vorstellen, wie sie dort gewirkt haben muss. Ihre Flexibilität wird oftmals deutlich, sie wirkt leichtfüßig und in blendender Spiellaune, was allerdings zu dieser Zeit ja eher die Regel, als die Ausnahme war. Im Film hat sie außerdem nicht sehr oft ihr unbändiges, oft von Erika Pluhar beschriebenes Lachen zur Schau gestellt, was sie sehr sympathisch und authentisch erscheinen lässt, obwohl ihre Léocardie eine zweifelhafte Schauspielerin ist, und womöglich eine gut kalkulierende Dirne sein soll. Optisch gesehen erinnert sie, wie ich finde, sehr stakt an Lilian Ranger aus "Das Rätsel der roten Orchidee", wird hier aber deutlich exponierter als femme fatale in den Fokus gerückt. Eine sehr schöne, und bemerkenswerte Frauen-Rolle in Marisa Mells Karriere-Kontext. Alle Rollen sind aufgrund des Einakters bei den Darstellern in Etappen eingeteilt, und daher natürlich von begrenzter Auftrittsdauer, was aber die unterschiedlichen Facetten der Charaktere vorzüglich herausarbeitet. Jeder neue Auftritt, beziehungsweise jede folgende Selbstinszenierung, wird zum Ereignis und darüber hinaus zum vollendeten Spaß. Insgesamt gesehen spielt wirklich ein Schauspieler besser als der andere. Absolute Spitzenklasse!

Die Voraussetzungen für dieses Fernsehspiel mit seinen engen Rahmenbedingungen und überschaubaren Möglichkeiten wurden nicht nur von den beteiligten Darstellern, sondern schließlich von Regisseur Michael Kehlmann optimal gelöst, und er kreierte eine eigenartige, sich immer mehr zuspitzende Spannung. Obwohl sich die Erzählung ausschließlich nur in einem Raum, also dem "Grünen Kakadu" abspielt, entstand nicht der Eindruck eines Vakuums. Dies liegt zum Einen an dem Regen Durchlauf in dem Lokal, zum Anderen aber auch an der brauchbaren Kamera-Arbeit und dem genauen Schnitt. Musik, beziehungsweise Gesang bekommt man lediglich am Ende der Vorstellung geboten, kurz bevor der Abspann einsetzt, der dann akustisch weiter begleitet wird. Die Kulissen wirken aus heutiger Sicht ziemlich angestaubt und es wirkt alles wenig aufwendig, was das berüchtigte Vergnügungslokal aber auch irgendwie treffsicher charakterisiert. Als es gleich zu Beginn eine Überprüfung der Spelunke durch den Commissaire gibt, der hinsichtlich des Umgangs und der Reden dort von »unsittlich und höchst aufrührerisch« zu sprechen beliebt, ist man gespannt, ob es den Tatsachen entsprechen wird. Die Dialog-Arbeit kann man wirklich als gelungen bezeichnen. Die Mischung aus Sarkasmus, Überspitztheit und manchen Wendungen, die die Wirkung von Peitschenhieben haben, unterhalten sehr gut. Mit fortlaufender Zeit hören nicht nur die Beteiligten dem Geschehen immer gefesselter zu, sondern dem Zuschauer ergeht es ähnlich. Insgesamt lieferte Michael Kehlmann eine gelungene Inszenierung und schildert ein interessantes und packendes Tauziehen zwischen Proletariat und Bourgeoisie. Vor allem aber kann ich endlich ein weiteres Häkchen bei Marisa Mell-Filmen machen (hier übrigens an zweiter Stelle im Abspann genannt), und da es ja auch nicht gerade immer der Fall ist, dass es sich dabei um Meisterwerke handelt, bin ich umso zufriedener! Durch diese Mischung aus vorerst einmaligem Anschauen und riesengroßer Marisa Mell-Euphorie, habe ich mich jetzt leider weniger mit einer Analyse der Vorlage von Arthur Schnitzler beschäftigt, was man mir hoffentlich großzügig nachsehen wird;)

Giacco Offline



Beiträge: 1.805

08.04.2013 18:56
#99 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere · Kapitel 30 ("Der grüne Kakadu") Zitat · Antworten

Da hast Du ja ein wirklich rares "Schätzchen" aufgestöbert.
Mir war übrigens Marisa Mells Mitwirkung in diesem Film bekannt, da ich eine alte
HÖRZU-Ausgabe besitze, in der die Sendung vorgestellt wird.
Ausstrahlungstermin war der 3.7.1963

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

13.05.2013 10:20
#100 Marisa Mell - Filme & Karriere · Kapitel 30 ("Der grüne Kakadu") Zitat · Antworten

Ja, ich bin auch unabhängig von Marisa Mell sehr froh, dieses TV-Stück gesehen zu haben! Kürzlich habe ich den Otto Schenk-Film "Der Reigen" (mit Helmut Berger, Erika Pluhar und Senta Berger) gesehen, der ebenfalls nach einem Bühnenstück von Arthur Schnitzler verfilmt wurde, und ich muss schon sagen, dass ich seine für den Film adaptierten Werke ganz gerne sehe. Giacco, stehen in dieser Hörzu-Ausgabe noch irgendwelche Informationen zu "Der grüne Kakadu"?

Giacco Offline



Beiträge: 1.805

13.05.2013 12:25
#101 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere · Kapitel 30 ("Der grüne Kakadu") Zitat · Antworten

Besondere Informationen gibt es leider nicht.

"Der grüne Kakadu" Groteske von Arthur Schnitzler.
Dann folgen Rollen- und Darstellerangaben und eine kleine Inhaltsangabe:

"Der grüne Kakadu" ist ein originelles Kellerlokal. In ihm verkehren jene Mitglieder
der höchsten Gesellschaft, die bald unter der Guillotine stehen werden.
Der Wirt unterhält die Gäste durch makabre Gruselszenen. Und plötzlich wird das Spiel Wirklichkeit.

Giacco Offline



Beiträge: 1.805

13.05.2013 12:35
#102 RE: Marisa Mell - Filme & Karriere · Kapitel 30 ("Der grüne Kakadu") Zitat · Antworten

Hier noch ein Szenenfoto mit Marisa Mell und Hans-Dieter Zeidler:

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

13.05.2013 12:43
#103 Marisa Mell - Filme & Karriere · Kapitel 30 ("Der grüne Kakadu") Zitat · Antworten

Oh, super, vielen Dank dafür, und dann auch noch in Farbe! Gerade das finde ich immer spannend, wenn man mal sehen kann, wie Ensembles, Requisiten oder Make-Up ausgesehen haben, oder überhaupt das Set. Interessant auch zu sehen, dass trotz der Schwarz/Weiß-Produktion dennoch alles gut abgestimmt war, wie man bei den beiden Darstellern sehen kann. Gerade bei Marisa Mell zieht sich hier ja buchstäblich ein roter Faden durch ihre Erscheinung.

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

13.05.2013 18:55
#104 Marisa Mell - Filme & Karriere · Ruf der Wildgänse auf DVD Zitat · Antworten



RUF DER WILDGÄNSE (1961)





Zitat von Prisma im Beitrag #16
Für eine (wenn auch nicht wahrscheinliche) DVD-Veröffentlichung zitiere ich noch gerne Ewald Balser: "Ja Kinder, da heißt es doppelt fleißig sein!"

Als hätte man ihn erhört;) Es ist schon sehr erstaunlich, was bei den "Filmjuwelen" zur Zeit alles veröffentlicht wird, und im Rahmen der Heimatfilm-Palette wurde nun auch dieser weitgehend unbekannte Film von 1961 ins Rennen geschickt, der vor allem ein hervorragender Schauspielerfilm ist, und durch seine eindrucksvolle Kulisse an Originalschauplätzen in Kanada überzeugen kann. Wie üblich zeigt sich die DVD in einer guten Aufmachung mit ebenso umfangreichem wie informativem Booklet. Besonders erfreulich sind die zahlreichen zeitgenössischen Kritiken, in denen Marisa Mell oftmals, und im Besonderen lobend erwähnt wird:

»Marisa Mell gibt der älteren Tochter jähe Leidenschaft mit...« [Nürnberger Zeitung, 23.09.1961]
»Besonders Marisa Mell erweist sich in diesem Film erneut als eine ebenso begabte wie attraktive Schauspielerin, die angesichts ihrer Wirkung auf das Publikum ohne jeden Zweifel eine große Karriere vor sich hat...« [Karlfriedrich Scherer in Film-Echo, 07.10.1961]

"Ruf der Wildgänse" ist in der Tat einer der besseren und aufwendiger inszenierten Heimatfilme, der für Anhänger des Genres ohnehin, aber auch allgemein von Interesse sein könnte. Insbesondere Ewald Balser, Heidemarie Hatheyer und Brigitte Horney laufen wie gewohnt zu Hochtouren auf, und sorgen neben den Jungschauspielern Marisa Mell, Hans H. Neubert, Horst Janson und Gertraud Jesserer für gute Unterhaltung und abwechslungsreiches, nuanciertes Schauspiel. Wieder einmal eine erfreuliche Veröffentlichung!

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

10.06.2013 18:56
#105 Marisa Mell - Filme & Karriere · Ruf der Wildgänse auf DVD Zitat · Antworten

Nur mal aus purer Neugierde. Hat sich eigentlich jemand getraut, sich den "Ruf der Wildgänse" zuzulegen und auch anzuschauen? Ist ja immerhin ein Heimatfilm!

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