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Dieses Thema hat 228 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

24.10.2010 12:49
#61 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

"Die Fotokopie" (Folge 4/ Erstausstrahlung am 4. Juli 1963)
mit: Dinah Hinz, Jürgen Goslar, Bert Fortell, Günther Schramm, Helmuth Rudolph, Erik Radolf, Iris von Cramon, Klaus Dahlen u.a.
Drehbuch: Maria Matray + Answald Krüger, Regie: Wolfgang Becker

Ähnlich wie bei "Der Schlüssel" oder "Die Nadel" begeben wir uns in dieser Episode wieder auf das Terrain der Großindustrie und der Familiendynastien. Die Folge beginnt mit dem Begräbnis des Familienoberhaupts und bietet somit in wenigen Bildern die Möglichkeit, alle Mitglieder des Clans vorzustellen. Ein nicht geladener Gast tritt an das Grab und wir ahnen bereits, dass das Erscheinen der jungen Frau wenig Begeisterung hervorrufen wird. Eva Sommer will durch ihren Anwalt erreichen, als uneheliche Tochter des Verstorbenen anerkannt zu werden, womit sie Anspruch auf einen Teil des Vermögens der Familie Delius hätte. Dinah Hinz gelingt es sehr gut, eine junge Frau zu zeigen, die ehrlich und vertrauenswürdig auftritt und somit nicht nur ihren Anwalt von ihrer Geschichte überzeugt, sondern zur Überraschung des Publikums sogar die Familie Delius. Günther Schramm vertritt die Interessen seiner Geschwister und kämpft zunächst mit allen Mitteln, um dann sehr bald in Verdacht zu geraten, den wichtigsten Beweis für die Richtigkeit der Aussagen Eva Sommers gestohlen zu haben - den Brief seines Vaters.
SPOILER:
Ist man bis zur Mitte der Episode durchaus geneigt, der jungen Frau zu glauben, was vor allem am aggressiven Verhalten ihres "Halbbruders" liegt, wendet sich das Blatt, als Eva Sommer sofort bereit ist, einen gerichtlichen Vergleich zu akzeptieren. Die Figur, die Bert Fortell spielt, ist zu auffallend und weckt deshalb den Verdacht, dass die Geschichte eine Finte sein könnte. Jürgen Goslar bleibt unbeeindruckt von den beiden konträren Positionen und bildet durch seine Ruhe und die Anwendung von wissenschaftlichen Analysen das ausgleichende Element. Wie leicht hätte das verräterische Detail im Brief übersehen werden können. In der langen Rückblende wird gezeigt, wie geschickt Eva Sommer davon überzeugt wird, die Tochter des Dr. Delius zu sein. Es handelt sich nicht einfach um einen glatten Betrug, sondern um ein Wunschdenken, das der vorbestrafte Mann in seiner Verlobten weckt, um sie zu manipulieren und für seinen Plan zu gewinnen. Dieser teuflische Aspekt ist entscheidend bei dieser Art von Verbrechen. Das emotionale Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Paar ist Voraussetzung für die Durchführung der Tat, wobei sich die schwächere Partei nicht nur schuldig macht, sondern auch noch menschlich enttäuscht wird.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

24.10.2010 21:16
#62 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

DIE ZÜNDSCHNUR

Diese Folge beginnt mit einem Knalleffekt: in Frankfurt wird ein Waffenhändler (Reinhard Glemnitz in einem witzigen Cameo ohne Text) mit einer Autobombe in die Luft gesprengt. Nicht das erste einer Reihe gleichgelagerter Verbrechen, die afrikanischen Extremisten zugerechnet werden. Als wenig später die Münchner Reisebüroangestellte Sabine Farian nur durch Glück einem Paketbombenanschlag entgeht, deuten zunächst alle Hinweise ebenfalls auf einen terroristischen Hintergrund. Sabine war kurz vorher einige Monate in Nordafrika und in ihrem Reisebüro werden Urlaube nach Afrika vermittelt. Doch bald weisen die Ermittlungen auf einen eher persönlichen Hintergrund …

Leider verschmelzen die beiden Hälften dieser Kriminalstory nicht richtig zu einem glaubwürdigen Ganzen. Während die Geschichte um Waffenhändler, Auto- und Paketbomben und afrikanische Hintermänner seltsam aufgesetzt und durch eine unfreiwillige Komik in Inszenierung und Darstellung unglaubwürdig wirkt, entwickelt sich das Psychogramm eines labilen jungen Mannes recht geradlinig und spannend – die Katastrophe am Ende kann erst in letzter Sekunde verhindert werden.

Positiv fallen auch die durchwegs großartigen Darsteller auf, besonders überzeugt Monika Peitsch als tüchtige, selbständige junge Frau, die unvermutet in das Fadenkreuz eines Killers gerät. Man mag nicht verstehen, warum sie sich mit dem eifersüchtigen, verwöhnten Muttersöhnchen Friedhelm Ptok verlobt, kann jedoch nachvollziehen, warum sie zum Objekt der Begierde ihres psychisch angeschlagenen Kollegen Werner Pochath wird. Und man kann ihr nur wünschen, dass sie nach den ganzen Aufregungen endlich einen netten normalen jungen Kerl kennen lernt. Paul Dahlke und Hesselbach-Sohn Joost Siedhoff arbeiten kompetent und sympathisch an der Aufklärung der Geschichte, wobei ersterer zum Schluss richtig aufdrehen darf, Werner Pochaths Psychopath erschreckt, wenn er mit den selbstgebastelten Bomben hantiert und seine Augen dabei unruhig durch den Raum schweifen, auch kleinere Rollen sind typgerecht besetzt: Til Erwig als flotter Journalist, Herbert Tiede als Reisebürobesitzer, Ilsemarie Schnering als freundliche Kollegin oder Elisabeth Neumann-Viertel als hilfsbereite Großmutter.


KALIBER 9

Im Fokus steht diesmal weniger die Arbeit der Polizei, geschildert werden nach dem Vorbild amerikanischer und französischer Gangsterfilme die Aktivitäten, Eifersüchteleien und Konflikte innerhalb einer nicht sehr homogenen Bande von Einbrechern, die bereits mehrere Verbrechen verübt hat. Jürgen Goslar gelingt mit seiner Regie und Gestaltung, eine außergewöhnliche Atmosphäre abseits der üblichen, oft hausbackenen 60er-Jahre Gemütlichkeit anderer Folgen aufzubauen. Auch die sorgfältig ausgewählten Schauplätze verströmen einen speziellen Flair, besonders die Nachtbar, die zum Ausgangspunkt des Geschehens wird und das rustikale abgelegene Landhaus der Gangster.

Lukas Ammann agiert als Kopf der Bande, ein Gentleman vom grauen Haarschopf bis zu den teuren Schuhen, von dem man meinen möchte, er wäre eher in groß angelegte Wirtschaftsverbrechen und Betrügereien verwickelt als in profane Raubüberfälle, Helmut Schmid als vierschrötiger, brutaler Killer, der erst schießt und dann denkt, Herbert Bötticher gibt mit seiner gewohnt nonchalanten, charmanten Frechheit den Benjamin im Team, dazu schlägt sich noch Heinz Leo Fischer als belgischer Onkel. Die Dame im Spiel ist eine attraktive Perserin, verkörpert von Carmela Corren, die unter ihrem Künstlernamen Aluma in dem Münchner Nachtclub als Sängerin auftritt und damit nicht nur kriminalistisches sondern auch musikalisches Talent unter Beweis stellt.

Nach einem Einbruch in einen Getränkemarkt führt ein wieder recht konstruiert wirkender Zufall die Beamten in jene Nachtbar. Gerhart Lippert als engagierter junger Inspektor gerät in die Schusslinie der Gangster und kommt nur mit Mühe mit dem Leben davon, Horst Michael Neutze ermittelt angenehm zurückhaltend, seine Vorgesetzten sind Hans Baur als Kommissar und Wolfgang Büttner als Kriminalrat. Wolfgang Völz ist ebenfalls etwas gegen seinen üblichen Rollentypus besetzt, als zwielichtiger Kellner werden ihm Gier und Erpressung zum tödlichen Verhängnis.

Georg Online




Beiträge: 3.049

25.10.2010 15:42
#63 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

24. Das Amulett
Diese Folge beginnt recht spannend, verliert in meinen Augen aber dann doch recht an Spannung. Die Geschichte hätte auch in 50 Minuten erzählt werden können, die ausführliche Schilderung der Charaktere erinnert mich eher an einer DDR-Polizeiruf-110-Folge aus den 1970ern. Interessant ist es, Günther Ungeheuer mal als Guten zu sehen, Manfred Heidmann als britischer Fiesling ist sehr gut besetzt. Er beweist schon wie bei Durbridge, dass er nicht nur den coolen Tatort-Kommissar, sondern auch die Gegenseite perfekt beherrscht.

Zitat von Jack_the_Ripper
Obwohl er das Potential der Story nicht immer voll ausschöpft, gelingt Dieter Lemmel wieder eine gute Folge, die – wie in der „Brille“ – recht detailliert die mühsame Arbeit der unterschiedlichen Ermittler zusammenfasst.


Lemmel kommt mit "Amulett" meiner Meinung nach nicht an "Die Brille" heran, das habe ich oben schon geschrieben. Die Detailliebe lag ihm aber wohl sehr am Herzen.

Zitat von Jack_the_Ripper
Ein Ärgernis dagegen leider die sehr schlampige und ungenaue Nachsynchronisation von Teilen dieser Folge, Günther Lamprecht, der einen Beamten spielt, spricht mit fremder Zunge, ein weiterer Beamtendarsteller wird völlig zum Typ unpassend zu jung und cool (ich meine, von Manfred Spies) synchronisiert.

Synchronisation scheint im Kriminalmuseums-Jahr 1965 überhaupt groß in Mode gewesen zu sein, schon beim BAROCKENGEL war's störend und auch beim Etikett wirkt es seltsam, wenn Franziska Liebig hochdeutsch spricht.

Bleibt noch etwas Positives bei "Das amulett": die Musik. Sie kommt zwar aus der Reserve, wird im Abspann nicht aufgeführt, ist aber mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit von Erich Ferstl. Sie hat nämlich streckenweise sehr starke Übereinstimmungen mit seinem Soundtrack zum Fernsehkrimi "Das ganz große Ding" mit Carl Heinz Schroth und Horst Tappert (1966, Regie: Erich Neureuther)

Georg Online




Beiträge: 3.049

25.10.2010 15:48
#64 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

22. Das Etikett
Interessante Besetzung, interessante Geschichte, interessante Auflösung. Nur: es krankt wie so oft an der Regie. Und hier wundert nicht, dass Langeweiler Theodor Grädler den Platz im Sessel inne hatte. Die Story beginnt rasant, doch dann hätten dem Film 20-30 Minuten weniger ganz gut getan. Ich habe mich gegen Ende hin ziemlich gelangweilt, ehe die Auflösung dann doch vom Hocker riss.

Zitat von Jack_the_Ripper
Wanninger-Haushälterin Franziska Liebing als hilfsbereite Nachbarin P.A. Krumms muss leider hochdeutsch sprechen.


... und ist in einer Szene nicht von ihr selbst synchronisiert! Am Ende hingegen spricht sie mit bayrischem Originalton. So ein Faux-Pas sollte eigentlich nicht passieren!
Im Abspann werden übrigens Max Griesser und Karl Obermayer als Polizeibeamte und Johannes Buzalski als einer der beiden Nachbarn am Beginn unterschlagen.

blofeld Offline




Beiträge: 407

25.10.2010 16:06
#65 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

In "Kaliber 9" ist Wolfgang Völz zum erstenmal ein zwielichtiger Kellner der mit seinem Wissen Kapital herausschlagen will, aber in "Babeck" probiert er es noch einmal, ebenfalls als Kellner in der Bar.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

26.10.2010 09:40
#66 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

DAS GOLDSTÜCK

Leider nur recht unspektakuläre kriminalistische Konfektionsware aus der Spätphase der Serie, die trotz Bruno Hampel und Dietrich Haugk eher verstaubt und klischeehaft wirkt. Ein reicher Onkel setzt seinen nichtsnutzigen Neffen, Nichten und deren Anhang den Stuhl vor die Tür und kündigt ihnen die finanzielle Unterstützung. In derselben Nacht dringt ein Einbrecher in seine Villa ein, schlägt ihn nieder und raubt aus dem Tresor Bargeld, Goldmünzen und Wertpapiere. Zwangsläufig gerät die geschasste Verwandtschaft in Verdacht, bis der Fall eine unerwartete Wendung nimmt …

Auch die Darsteller bleiben eher blass, einzig Franz Schaftheitlin als Generaldirektor und Walter Kohut als sein designierter Nachfolger vermögen zu überzeugen, Günther Neutze kann seine darstellerischen Qualitäten als Gangster meist besser ausspielen, Klaus Wildbolz, Helmut Schmid, die wie immer zauberhafte Hannelore Elsner, Charles Wirths und Signe Seidel bleiben als undankbare Familie in den üblichen Krimiklischees hängen. Wolfried Lier als kleiner Gauner, Klaus Höhne als Assistent und in der wie immer vergnügliche Karl Lieffen als Privatdetektiv sorgen immerhin für ein nettes Wiedersehen mit alten Bekannten. Eine weitere Hauptrolle dieser Folge „spielt“ die Gereuth-Villa, die man recht ausgiebig und aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln bewundern darf. Andere einfallsreiche Szenenaufnahmen wie z.B. das Verhör auf der Straße oder durch die Glasscheibe in einem Schwimmbad werden leider von allzu offensichtlichen und schwerfälligen Studioaufnahmen kontrastiert.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

01.11.2010 11:36
#67 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

DAS KABEL

Auftakt der Folge ist der gemeine Mord an einem jungen Polizisten, der einen Einbrecher stellen will. Erwin König (Wolfgang Völz in einem kurzen Gastspiel) schmiedet bei einem nächtlichen Spaziergang durch das vorweihnachtliche München Zukunftspläne mit seiner Braut, als er plötzlich Hilfeschreie hört. Beim Nachsehen trifft ihn ein Schuss aus dem Hinterhalt. Er stirbt er in den Armen seiner Verlobten ... Kurz darauf treffen wir auf Günther Ungeheuer, der bereits auf den ersten Blick einen zwielichtigen und seine wahren Absichten versteckenden Eindruck macht. Auch er schmiedet Zukunftspläne, die ihm jedoch seine wohlhabende junge Verlobte aus Erding finanzieren soll. Er belügt sie schamlos über seinen Status und seine Absichten, lebt er doch in Wirklichkeit von der Hand in den Mund in einem heruntergekommenen Männerwohnheim. Sein dortiger Mitbewohner ist der aufbrausende Kleingangster Klaus Höhne. Und der gerät in den Verdacht, an Einbruch und Mord beteiligt zu sein ...

Soweit der zunächst abwechslungsreiche und interessante Anfang einer am Ende mit 75 Minuten wieder zu lange ausgedehnten und zu vorhersehbar erzählten Folge, die sich bald nur noch auf die Aktivitäten des von Günther Ungeheuer mit kalter, schneidender Präzision gespielten Gangsters konzentriert. Als er merkt, dass sein Lügengebäude immer mehr in sich zusammenbricht, reagiert er mit brutaler, verzweifelter Gewalt. Die Ermittler dieser Folge gehören zur Kategorie angenehm, ruhig, aber auch farblos, Werner Bruhns, Otto Stern und Peter Neusser verleihen ihnen Gestalt. Angela Hillebrecht meistert ihre Rolle als Barfrau, die sich vom Charme und den Versprechungen des Verbrechers zu lange hat hinhalten lassen, sehr gut. Vergnüglich verschroben Eduard Linkers als Zellengenosse.

Mit einer gewissen Straffung und etwas weniger Vorhersehbarkeit (so ahnt man schon lange vor den Ermittlern, was es mit dem geheimnisvollen Kabel auf sich hat) hätte hier eine gelungene Folge entstehen können, so bleibt – trotz Ashleys Talent für „kleine“ Alltagsszenen und einer schönen Schwarzweißfotografie – nur besserer Durchschnitt.

Georg Online




Beiträge: 3.049

01.11.2010 11:39
#68 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

26. Die Kiste
Eine überaus interessante und spannende Episode. Wolfgang Kieling spielt den Gangster so sympathisch, dass man mit ihm mitfiebert und am Ende direkt enttäuscht ist, dass man ihn fasst. Eine intelligente Geschichte, die hervorragende Dramaturgie verdanken wir Bruno Hampel, einem meiner Lieblingsfernsehautoren. Und wenn dann auch noch Wolfgang Becker im Regiestuhl sitzt, dann fehlt zur perfekten Krimiunterhaltung nicht mehr viel. Heinz Engelmann spielt den Kommissar routiniert, Regisseur Ralf Gregan ist eine gute Ergänzung zu ihm. Interessant: Gregan und Hampel scheint seit "Kommissar Freytag" eine Freundschaft verbunden zu haben, denn die beiden tauchen immer wieder mal gemeinsam auf, so zB auch bei "Auftrag Mord" (TV-Krimi 1970, wo Gregan Regieassistent war) oder auch bei Gregans erstem Spielfilm mit Dieter Hallervorden, wo Bruno Hampel eine Gastrolle übernommen hat.

Zitat von Jack_the_Ripper
Die Aktivitäten eines Betrügers, der mit einem raffinierten Trick eine Berliner Bank um rund 250.000 Mark erleichtert und seine spektakuläre Flucht mit der kriminalmuseum’schen Kiste von Westberlin ins Berchtesgadener Land bilden die beiden Handlungsstränge dieser interessanten und abwechslungsreichen Geschichte, die in den Händen des erfahrenen Duos Bruno Hampel und Wolfgang Becker bestens aufgehoben ist.


Dem ist nichts hinzuzufügen!

Georg Online




Beiträge: 3.049

01.11.2010 11:43
#69 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

25. Die Telefonnummer

Zitat von Jack_the_Ripper
Krimifolgen, die sich auf dem Dorf abspielen und in denen Dialekt gesprochen wird, gehören oft zu den interessantesten ihrer Reihe. Leider kann man das von diesem Exemplar nicht behaupten, für Drehbuch und Regie gilt auch eher gemütlich und unspektakulär, ohne Überraschungen und zu lange hingezogen. [...] Diedrich und Fischer geben sich Mühe, bleiben aber als Ermittlerduo innerhalb der Reihe eher Durchschnitt.


Eher selten, aber hier hab ich eine andere Meinung als Jack. Diese Episode hat mir diesmal wesentlich besser gefallen als das letzte Mal. Die ländliche Atmosphäre ist gut getroffen und ich finde auch Fischer als Kriminalassistent durchaus gelungen besetzt. Diedrich als Kommissar zu sehen, ist eine interessante Alternative, Regisseur Otto Meyer - aus dem Heimatfilmgenre kommend - setzt auf zünftige Musik und ebensolche Charaktere. Rosl Mayr als überfallene Krämerin, die sich mehr darüber echauffiert, dass ihr Name nicht in der Zeitung genannt wird, als dass ein Mann erschossen wurde, ist schon genial. Passt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

01.11.2010 12:24
#70 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

"Die rote Maske" (Folge 27/Erstausstrahlung am 12. März 1967)
mit: Hans W. Hamacher, Karl Walter Diess, Friedrich G. Beckhaus, Peter Dornseif, Lisa Helwig, Heli Finkenzeller, Rolf Moebius, Peter Thom, Friedrich Karl Grund, Horst Janson, Claudia Butenuth, Ellen Umlauf, Erica Schramm u.a.
Drehbuch: Bruno Hampel, Regie: Helmuth Ashley

Kriminaloberkommissar Castorf steht kurz vor seiner Pensionierung. Er war 37 Jahre lang bei der Kriminalpolizei und freut sich auf einen ruhigen Lebensabend mit seiner Frau. Natürlich möchte er seinen letzten Fall noch auflösen, bevor er sich in den Ruhestand begibt. Leider bleibt ihm dies versagt.
Der Steinmetzmeister Wilhelm Nowacki wird in seiner Werkstatt erschlagen aufgefunden und der Verdacht konzentriert sich auf seinen Gesellen, den mürrischen Melchior. Er hat für die Tatzeit kein Alibi, da er sich für eine halbe Stunde von seinem Arbeitsplatz auf dem Friedhof entfernt hat. Da er sich in Widersprüche verstrickt, hält die Polizei ihn für den Mörder, muss jedoch bald erkennen, dass er es nicht war. Ein neuer Tatverdächtiger ist nicht in Sicht und die Ermittlungen verlaufen im Sande. Als Castorf in Rente geht, wandern die Akten ins Archiv.
Hans H. Hamacher wirkt wie ein gütiger Großvater, der plötzlich viel Zeit zur Verfügung hat. Wie meistens in solchen Fällen ist er unzufrieden mit sich selbst. Ihm fehlt der gewohnte Tagesablauf und der unaufgeklärte Mord nagt an seinem Gewissen. Er beschließt, seinen ehemaligen Kollegen Gerken aufzusuchen und ihn zu bitten, die rote Maske aus der Asservatenkammer zu holen. Im Gegensatz zum Ermittlerduo Rühmann/Lowitz aus "Es geschah am hellichten Tag" arbeiten die beiden Kollegen dieser Episode weiterhin gut zusammen und der junge Beamte zeigt Verständnis für den Wunsch des älteren Kriminalers.
Lisa Helwig hat einen kurzen Auftritt als Witwe auf dem Friedhof, die wichtige Hinweise liefern kann und ebenso wie Heli Finkenzeller für die Einblendung des ganz normalen Alltagsgeschehens sorgt. In der zweiten Hälfte der Folge konzentriert sich die Handlung auf die junge Generation (Butenuth, Grund & Co.), die fast beiläufig in den Fokus der Ermittler rückt und durch die Schauplätze Treibhaus, Flughafen und Warenhaus die ohnehin interessanten Drehorte ergänzt.
Mit bemerkenswerter Akribie rekonstruiert Castorf den Tathergang und zeigt einmal mehr, dass erfolgreiche Polizeiarbeit vor allem auf der Fähigkeit beruht, jeder kleinsten Spur nachzugehen und einzelne Punkte im Zusammenhang zu sehen. Der pensionierte Beamte hat nicht nur die wahren Täter zur Strecke gebracht und seine persönliche Zufriedenheit wieder hergestellt, sondern auch den Gesellen von der üblen Nachrede seiner Kunden befreit. Sie mieden seinen Betrieb, da sie ihn insgeheim weiterhin für den Täter hielten. Diese fast vergessene Nebenerscheinung einer Ermittlungsarbeit wird hier glaubhaft eingeflochten und beweist, dass ein Verbrechen das Leben vieler Menschen verändert, auch wenn ihre Namen bald aus den Zeitungsberichten verschwinden.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

01.11.2010 13:48
#71 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

"Gesucht: Reisebegleiter" (Folge 9/ Erstausstrahlung am 4. Juni 1964)
mit: Jürgen Draeger, Paul Dahlke, Thomas Alder, Franz Muxeneder, Alwy Becker, Erwin Strahl, Peter Paul, Karl Tischlinger u.a.
Drehbuch: Maria Matray + Answald Krüger, Regie: Helmuth Ashley

Die Episode beginnt bereits stimmig am schneebedeckten Grenzübergang Kiefersfelden, wo Jürgen Draeger mit seinem Wagen von zwei Beamten gestoppt wird. In gewohnt lässiger Art beginnt er eine Diskussion (in einer feinen Nebenrolle: Karl Tischlinger), aus der er dank seiner geschliffenen Ausdrucksweise als Sieger hervorgeht. In München bekommt er es mit dem besonnenen Paul Dahlke zu tun, der sich von dem Studenten nicht in die Irre führen läßt. Obwohl Draeger auf aufsässige, arrogante Rollen abonniert ist, schafft er es in dieser Folge, das Publikum von Beginn an vom Wahrheitsgehalt seiner Aussagen zu überzeugen. Man bewundert immer wieder seine Argumentation und die Schnelligkeit, mit der er auf Vorwürfe reagiert. Das Drehbuch belohnt ihn mit intelligenten Dialogen, die er überzeugend wiedergibt.
Die Suspenserolle der Alwy Becker ähnelt ihrem Auftritt in "Der Tod läuft hinterher". Ihre Existenz wird von den Behörden angezweifelt, ihre Verwicklung in dunkle Geschäfte vom Publikum jedoch nie in Frage gestellt. Durch die Präsenz der flotten Musik von Erwin Halletz kommt je nach Situation Gruselstimmung á la Mabuse oder Ferienlaune á la Peter Kraus auf. Für den Wallace-Freund gibt es ein Wiedersehen mit zwei Darstellern aus den ersten beiden Filmen der Rialto-Reihe: Thomas Alder (Jack Beardmore) und Erwin Strahl (Sergeant Balder), wobei besonders Alder wieder einmal einen ruhigen, sympathischen Eindruck hinterläßt.
Gerade diese vielen Gastauftritte machen die Reihe "Kriminalmuseum" so sehenswert.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

02.11.2010 16:32
#72 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

DIE REIFENSPUR

Berlin ist Schauplatz dieser Geschichte um den Mord an einer schönen jungen Frau, die selbstmitleidig und unglücklich in ihrem goldenen Käfig gefangen ist. Ausbruchsversuche aus der Ehe mit einem vielbeschäftigten Modeschöpfer, aus der Welt des Scheins, der schönen Kleider und der Repräsentationsabende mit Kunden ihres Mannes sind meist zum Scheitern verurteilt. Auch ihres neuen Verehrers, einem jungen Schauspieler, ist sie bald überdrüssig. Nach einem Abend voller Auseinandersetzungen, Frust und Alkohol flüchtet sie zu einem Ex-Liebhaber, findet auch dort keine Hilfe. Als sie sein Haus verlässt, wird sie absichtlich überfahren und getötet.

Horst Tappert überzeugt abseits seiner gewohnten Rollen hier als Ehemann der Toten, weltmännisch, elegant, kühl, ganz in seiner Arbeit aufgehend. Das Verbrechen an seiner Frau lässt ihn seltsam unbeteiligt. Gisela Uhlen bleibt als seine Mitarbeiterin zunächst ungewöhnlich zurückhaltend, fast ein bisschen unterwürfig. Erst zum Ende hin nimmt ihre Schärfe zu. Über das Verhältnis zu ihrem Chef bleibt man im Unklaren. Margit Saad als unzufriedene Frau, die nicht weiß, was sie will, geht einem bald auf die Nerven. Als Ermittler trifft man auf Christian Rode, eher als Synchronsprecher bekannt. Er tritt in seinen Untersuchungen freundlich und zuvorkommend auf, Eigenschaften, die ich bei einem Kommissar immer hoch einschätze. Wichtigster Anhaltspunkt für ihn ist der Reifenabdruck auf dem Mantel der Toten. In Nebenrollen u.a. Jürgen Draeger – als unglücklich verliebter Schauspieler das Gegenteil seiner Rolle des aufmüpfigen Studenten im „Reisebegleiter“ – und Paul Edwin Roth, den ich gern einen größeren Auftritt gegönnt hätte.

Rudolf Jugerts Regie kleidet Darsteller, Schauplätze und Handlung in elegante, abwechslungsreiche und stimmungsvolle Bilder, was sich vor allem in den Szenen in der Villa des Modeschöpfers und in den Friedhofsszenen zum Schluss besonders zeigt.

c.n.-tonfilm Offline




Beiträge: 133

02.11.2010 22:23
#73 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Zitat von Jack_the_Ripper

AKTE DR. W.

„Nur“ eine Fahrerflucht, und für mich doch eine der besten Kriminalmuseum-Folgen. Konrad Georg glänzt als Ingenieur Dr. Watzmann, der auf einer bayerischen Landstraße einen Fußgänger totfährt und verzweifelt versucht, seine Spuren zu verwischen. Bis zum Unfall wirkt er nervös und ungeduldig, nach der Schrecksekunde agiert er kaltblütig und arrogant.

Ashleys Regie kommt der eigentlich unspektakulären Geschichte zugute, er versteht sowohl actionbetonte Szenen wie die hektische Fahrt Watzmanns über die Landstraße und den tödlichen Unfall sowie später die rasante Verfolgungsjagd durch das München der 60er Jahre als auch ruhige Szenen (Verhör der Geliebten des Automechanikers, Schlussszene im Büro) mitreißend zu inszenieren. Heinz Engelmann agiert als abgeklärter Ermittler, den die Schicksale hinten seinen Fällen betroffen machen.

Witziges bayrisches Lokalkolorit (Sedlmayr als wichtigtuerischer Bahnwärter, Paula Braend als resolute Wirtin, Klaus Löwitsch als frecher Autodieb) runden die gelungene Folge ab. Erstaunlich für damalige Zeiten der relativ offene homosexuelle Auftritt („Dressman“) eines der Verdächtigen.





Bei dieser Folge fällt auf, dass bei den Szenen an der Tankstelle das Bild geblurrt wurde, um ein Logo zu verdecken das auf dem Overall von Gustavo Rojo zu sehen wäre (jedenfalls auf der DVD). Das Blurring ist technisch so unbeholfen umgesetzt dass die Vermutung nahe liegt, das Logo müßte wohl damals schon entfernt worden sein. Denkbar wäre, dass das Unternehmen darüber interveniert hat, das hier ein Angestellter gezeigt wird, der sich Kundenwägen ausborgt... Trotzdem würde mich interessieren, ob jemand eine alte 3sat-Aufnahme zum Vergleich zur Hand hat und kontrollieren kann, ob die Szenen hier auch schon geblurrt wurden. Bei welcher Tankstellenkette arbeitet Gustavo Rojo also?



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Filme im falschen Bildformat sind wie ein Gemälde, aus dem ein Dieb den Teil herausgeschnitten hat, der ihm am wichtigsten erschien, weil das Bild als Ganzes nicht durchs Fenster passte.

Alte Kinofilme nach Jahrzehnten nachträglich neu zu synchronisieren ist wie Süßstoff in einen guten alten Wein kippen: ungenießbar-pappige "Spätlese".

Was wären Jack Lemmon, Danny Kaye, Peter Sellers, Bob Hope und Red Skelton im deutschsprachigen Raum ohne die Stimme von Georg Thomalla ?

Tarzan Offline



Beiträge: 941

02.11.2010 22:46
#74 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Das "Logo" ist auch schon in der 3 SAT-Aufnahme verdeckt/geblurrt worden.

Ich frage ihn mal, ob er sich noch an das Detail erinnern kann... aber das ist schon fast 50 Jahre her.

www.gustavo-rojo.de

c.n.-tonfilm Offline




Beiträge: 133

03.11.2010 18:37
#75 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Ich schätze, es ist eine AVIA-Tankstelle. Schell, BP und Aral passen vom Logo her schon mal nicht.

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Filme im falschen Bildformat sind wie ein Gemälde, aus dem ein Dieb den Teil herausgeschnitten hat, der ihm am wichtigsten erschien, weil das Bild als Ganzes nicht durchs Fenster passte.



Alte Kinofilme nach Jahrzehnten nachträglich neu zu synchronisieren ist wie Süßstoff in einen guten alten Wein kippen: ungenießbar-pappige "Spätlese".



Was wären Jack Lemmon, Danny Kaye, Peter Sellers, Bob Hope und Red Skelton im deutschsprachigen Raum ohne die Stimme von Georg Thomalla ?

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