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Dieses Thema hat 228 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Georg Online




Beiträge: 3.049

15.10.2010 20:04
#46 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

16. Der Ring
Der Mord in einer Münchner Pension steht im Mittelpunkt dieser Episode, wichtigstes Indiz ist ein Ring. Als Kommissar tritt hier Werner Peters auf, der mir in dieser abseits seines üblichen Rollenklischees angelegten Rolle außerordentlich gut gefällt. Ein zum Großteil ruhiger aber doch bestimmter Kommissar. Auf der anderen Seite ist Willy Semmelrogge als Hauptverdächtiger zu sehen, dem man seine Krankheit und sein Unwohlsein 100%ig abnimmt. Theodor Grädler zeichnet ein schönes soziales Bild (die vernachlässigte Wohnung Semmelrogges, seine Lebensumstände, seine Nervosität und seine Ängste etc.), hätte aber wie so oft rasanter inszenieren können. Die bayerischen Gastdarsteller erfreuen, darunter Max Griesser als Semmelrogges Kollege und Rosl Mayr (uncredited) als Zeitungsfrau. Wieder einmal ist das winterliche München zu sehen, auch das Polizeipräsidium in der Ett-Straße, das sich - wenn man heutige ALTE- oder SOKO 5113-Folgen schaut - kaum verändert hat. Wegen der Kommissarsfigur aber auch wegen der Darstellung des von Anfang an verschüchterten Semmelrogge eine interessante Folge, die jedoch wie so oft an vielen Stellen an der zu lahmen Grädler-Regie krankt.

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.383

15.10.2010 20:44
#47 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Zitat von Georg

Als Kommissar tritt hier Werner Peters auf, der mir in dieser abseits seines üblichen Rollenklischees angelegten Rolle außerordentlich gut gefällt. Ein zum Großteil ruhiger aber doch bestimmter Kommissar.


In "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" ist Peters ja ebenso als Ermittler zu sehen, was aus meiner Sicht durchaus gelungen ist. Vielleicht ist auch der Kontrast zum üblichen Rollenklischee gerade das, was ihn in der Rolle interessant macht.
Ich habe mir innerhalb der Box im übrigen auch diese Folge als eine der ersten angeschaut.

Georg Online




Beiträge: 3.049

16.10.2010 15:23
#48 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

19. Die Brille
Ein Anhaltermord mit umgekehrten Vorzeichen wird in dieser Folge eindrucksvoll nacherzählt. Gleich drei Kommissare - ein Berliner, ein Münchner und ein Stuttgarter Ermittler - arbeiten an der Aufklärung des Verschwindens bzw. des Mords an Erwin Spindler. Unheimlich wird der Fall nacherzählt, er erinnert an einen schwarz-weiß-XY-Filmfall, die Spuren, die sich ergeben sind mysteriös: Spindler fährt nach München, von dort gibt es das letzte Lebenszeichen, weitere Spuren führen die Ermittler zum Brenner, zum Tegernsee und seltsamerweise ca. 250 km entfernt nach Stuttgart. Eine Brille, die ein aufmerksamer Mann zur Polizei gebracht hat (Robert Naegele (uncredited) als Dorfpolizist), bringt die drei Kommissare auf die richtige Spur. Interessant besetzt sind die Kommissarstypen. Heinz Schubert als Berliner Ermittler Weber strahlt Ruhe aus und ist hier - im Gegensatz zu seiner Rolle als Durbridge-Inspektor beim "Messer", wo er mich eher nervt - äußerst passend. Nicht nur äußerlich erinnert er mich an den "Alten" Rolf Schimpf, auch seine Vorgehensweise erinnert an die frühen Fälle von Leo Kress. Alfred Schieske ist der erfahrene Stuttgarter Kommissar, der bei den gemeinsamen Ermittlungen am Ende die Oberhand hat, Eduard Linkers strahlt als bayerischer Ermittler Gemütlichkeit aus. In Nebenrollen glänzen Ludwig Schmid-Wildy als grantelnder Tegernseer Parkwächter oder Karl Obermayer als Dorfgendarm. Lisa Helwig ist die Rolle der ältlichen etwas dümmlichen Dame auf den Leib geschrieben. Ein starkes Buch von "Kommissar Freytag"-Erfinder Bruno Hampel, eine beeindruckende Bildgestaltung von Klaus König und eine durchaus passable Inszenierung von Dieter Lemmel runden den Fall ab. Dazu passend die Musik von Hans-Martin Majewski. Überhaupt war Lemmel in meinen Augen ein begabter Krimiregisseur, das beweist er unter anderem bei dem 1970 entstanden Fernsehfilm "Auftrag Mord", der ebenfalls aus Bruno Hampels Feder stammt, aber auch auf dem Regiestuhl von "Sonne, Wein und harte Nüsse". Dass etwa die KM-Folge "Barockengel" oder auch manche Folgen der Reihe "Okay SIR" etwas flach wirken, muss wohl der Banalität bzw. Flachheit der Bücher angerechnet werden.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

16.10.2010 17:39
#49 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Zitat von Georg
Überhaupt war Lemmel in meinen Augen ein begabter Krimiregisseur, das beweist er unter anderem bei dem 1970 entstanden Fernsehfilm "Auftrag Mord", der ebenfalls aus Bruno Hampels Feder stammt, aber auch auf dem Regiestuhl von "Sonne, Wein und harte Nüsse". Dass etwa die KM-Folge "Barockengel" oder auch manche Folgen der Reihe "Okay SIR" etwas flach wirken, muss wohl der Banalität bzw. Flachheit der Bücher angerechnet werden.



Da hast du sicher Recht, Georg, an "Auftrag Mord" hab ich gar nicht gedacht, die Schuld am lahmen "Barockengel" kann man Lemmel nicht wirklich anlasten, denke, das geht hauptsächlich auf das langatmige Drehbuch über uninteressante Verbrechen und die strudellange Laufzeit von 75 Minuten zurück.



DAS NUMMERNSCHILD

Helmuth Ashley schildert in einer zügigen, schnörkellosen Inszenierung einen minutiös geplanten und durchgeführten Juwelenraub in Düsseldorf, der in einer unerwartet schnellen Überwältigung der Täter mündet. Anlauf nimmt die Geschichte im Hamburger Hafen, wo Seemann Paul Albert Krumm verbotene Waffengeschäfte tätigt, um sich dann ins Ruhrgebiet zu verlagern. Für Schauspielerführung und abwechslungsreiche Inszenierung (Straßenszenen) muss man den Regisseur wieder hoch loben, während - wie hier schon angemerkt – Spannungsszenen (z.B. der Überfall) nicht immer ganz sein Metier sind – wobei ich hier auf hohem Niveau kritisiere. Die Laufzeit von 60 Minuten ist angemessen, eine weitere Viertelstunde hätte der Folge wohl nicht gut getan. Negativ fallen Schlampereien wie wechselnde Jahreszeiten (bis zum Überfall Sommer, dann plötzlich kahle Bäume) und Abspannpannen auf – z.B. wurde Paul Albert Krumm vollkommen unterschlagen.

Als „Gentlemen-Gangster“ sieht man Gunther Malzacher (mit Seitenscheitel, Goldrandbrille und Anzug), Werner Bruhns und Horst Michael Neutze ruhig und gelassen agieren, ihr polizeilicher „Gegenspieler“ ist der immer gern gesehene Hermann Lenschau, der selbstsicher den Fall von seinem Büro aus verfolgt, auch eine letzte Ungereimtheit bei den Ermittlungen, die sich schnell in Wohlgefallen auflöst, vermag ihn nicht aus der Ruhe zu bringen. Frauen spielen in dieser Gangstergeschichte einer untergeordnete Rolle, Ruth Maria Kubitschek bleibt in einem undankbaren Auftritt etwas blass.
Erwähnenswert die angenehme Musik von Martin Böttcher, bin da kein großer Experte, meine aber auch zwischendurch das "Kriminalmuseum-Thema" in Abwandlung erkannt zu haben.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

16.10.2010 22:22
#50 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

DER KOFFER

Eine Episode, die mich von Inhalt und Machart her wie kaum eine zweite bisher an den „Kommissar“ erinnert hat. Es geht um einen jugendlichen Gymnasiasten, intelligent und introvertiert, unglücklich in einem strengen und kalten Elternhaus (einmal mehr die berühmte Gereuth-Villa), der, als er in den schrecklichen Verdacht kommt, einen Wachmann getötet zu haben, darin eine Chance sieht, mit einem erfunden Geständnis seine Eltern zu „bestrafen“. Münchner Lokalkolorit, psychologisches Bla-Bla und – außer der Villa – ebenso bekannte Schauplätze wie ein Gymnasium und eine verrauchte Nachtbar sorgen für weitere „Kommissar“-Aha-Effekte.

Die Folge hat mich unter’m Strich recht gut unterhalten und ihre – vielleicht etwas versteckten - Qualitäten, obwohl die Psychostudio nicht sehr raffiniert und ohne überraschende Wendungen auskommt und Grädlers Regie gewohnt einfallslos bleibt. Kurt Meisel weiß in der für ihn eher ungewöhnlichen Rolle des Oberinspektors auf ganzer Linie zu überzeugen, seine ruhig-verhaltene Stimme unterstützt seine Darstellung, auch der wohl wieder in der Versenkung verschwundene Jürgen Clausen als verlorener junger Rebell meistert die schwierige Rolle glaubhaft. Gudrun Thielemann gibt gewohnt spröde eine Bardame, zugleich eine seltsame Zeugin der Bluttat – und ist im Prinzip auch nur ein Opfer. Max Grießer als buchstabentreu-genervter Bahnbeamter bei der Gepäckaufgabe kann schließlich sogar einen entscheidenden Tipp um den geheimnisvollen Titel-Koffer geben. Horst Sachtleben tritt als Polizei-Psychologe in Erscheinung und darf einige tiefgründige Analysen liefern.

Die Musik kommt wohl aus der Konserve (zumindest gibt der Abspann keine nähere Auskunft), bietet aber - gerade in den Barszenen - flotten Sound mit Edgar Wallace-Anklängen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

17.10.2010 12:19
#51 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

"Zahlen-Code N" (Folge 6/ Erstausstrahlung am 14. Oktober 1963)
mit: Wolfgang Völz, Jochen Brockmann, Thomas Braut, Norbert Kappen, Hans Richter, Sigfrit Steiner, Cordula Rasch, Nino Korda, Fritz Strassner u.a.
Drehbuch: Rolf und Alexandra Becker, Regie: Jürgen Goslar

Wolfgang Völz ist in Kriminalgeschichten stets eine angenehme Erscheinung. Man denke nur an "Stahlnetz", wo er seinen Witz gekonnt ausspielen kann, ohne albern zu wirken. Das Zusammenspiel mit Jochen Brockmann klappt aber weitaus weniger als das mit Heinz Engelmann oder Richard Lauffen.
Jochen Brockmann passt mit seiner protzigen Karosse ohnehin nicht ins Geschehen. Wohl als Vorbereitung auf seine Maurice-Messer-Rolle darf er die Sekretärin von Kriminalinspektor Michall mit "Fräuleinchen" betiteln und die versammelten Mitarbeiterinnen der einzelnen Dezernate kichern natürlich, als er den Raum betritt und sie um Mithilfe bittet. Dies sind nicht die einzigen Beispiele von dümmlichem Humor. Wolfgang Völz schießt sich total auf seinen "Mann vom Lande mit Bürstenhaarschnitt" ein, weswegen ein solcher kurz vor Ende in Erscheinung treten muss. Die Episode beginnt spannend, verliert sich jedoch bald in Mittelmäßigkeit. Bis zum Ende weiß man gar nicht mehr, was man von der Geschichte halten soll und einzig die brutale Seite, die der ansonsten auf Gemütlichkeit abonnierte Fritz Strassner uns enthüllt, rüttelt den Zuseher wach. Mit Verwunderung liest man im Abspann, dass Jürgen Goslar Regie führte. Von ihm haben wir schon Besseres gesehen.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

17.10.2010 20:00
#52 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

DIE KISTE

Die Aktivitäten eines Betrügers, der mit einem raffinierten Trick eine Berliner Bank um rund 250.000 Mark erleichtert und seine spektakuläre Flucht mit der kriminalmuseum’schen Kiste von Westberlin ins Berchtesgadener Land bilden die beiden Handlungsstränge dieser interessanten und abwechslungsreichen Geschichte, die in den Händen des erfahrenen Duos Bruno Hampel und Wolfgang Becker bestens aufgehoben ist. Ein weiterer Glücksfall: Wolfgang Kieling in der Hauptrolle, der als angeblicher Unternehmer mit Schirm, Charme und Melone genauso glaubwürdig agiert wie als Familienvater oder als unrasierter Flüchtling im Trainingsanzug und dem man trotz mancher unsympathischer Charaktereigenschaften fast wünscht, seine Flucht über die Berge möge ihm gelingen. Heinz Engelmann, immer und überall einsatzbereit, ermittelt diesmal im Berliner Betrugsdezernat und beweist einmal mehr, dass er das Zeug zu einem Serienkommissar gehabt hätte, hier eloquent unterstützt von Ralf Gregan.

Hannelore Schroth geht mit ihrem Mann durch dick und dünn und hält trotz Gerichtsvollzieher, Gefängnisaufenthalt und einem flotten Wochenende mit der charmanten Hannelore Elsner beim Oktoberfest unerschütterlich zu ihm. Elke Aberle gibt das in den Papa vernarrte Töchterchen, auch die kleineren Rollen vom Berliner Bankdirektor bis zum bayerischen Landpolizisten sind glaubwürdig und genau besetzt, stellvertretend erwähnen möchte ich Hanna Burgwitz als altjüngferliche Berliner Postangestellte, die sich dem Charme des Betrügers nicht entziehen kann. Wolfgang Beckers Gespür für die Wichtigkeit solch kleiner, eigentlich unbedeutender Szenen, die aber oft zum Gelingen eines Krimis beitragen, zeigt sich wieder.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

18.10.2010 16:35
#53 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

DIE ROTE MASKE

Die Ermittlungen zum Mord an einem Münchner Steinmetzmeister, die erst durch die hartnäckigen Bestrebungen eines pensionierten Oberkommissars von Erfolg gekrönt werden, stehen im Mittelpunkt dieser Episode, die einmal mehr beweist, dass das Leben wohl wirklich die besten Geschichten schreibt – einem erfundenen Krimi würde man bei manchen der hier geschilderten Wendungen vorwerfen, er sei konstruiert und unglaubwürdig. In der Rolle des Beamten begegnet uns ein alter Bekannter, Hans W. Hamacher, der einst schon Paul Klinger und seinen Handlager zur Strecke brachte.

Zunächst deutet alles auf einen schnellen Fahndungserfolg, als man den Gesellen des Opfers festsetzt, ebenso schnell aber stellt sich dessen Unschuld heraus. Den Kommissar lässt sein letzter unaufgeklärter Fall keine Ruhe, und so begibt er sich schließlich als Pensionist auf die Suche nach dem wahren Täter – einziges Indiz: die in der Hand des Opfers gefundene Maske. Leider verflacht die Folge nach der interessanten ersten halben Stunde (der Mord, begleitet vom Hämmern und Schlagen der Werkstattmaschinen, erste Verhöre und Befragungen, Szenen auf dem Friedhof und dem nahe gelegenen Werkstattgelände) und flüchtet sich trotz Hampel/Ashley in einen zu konventionell erzählten und auf mehr als 75 Minuten zu lange ausgedehnten Rest. Außerdem hätten vielleicht einige Reflexionen über die Tragödie eines sinnlosen Verbrechens, das vermutlich auch das Leben der Schuldigen zerstört, nicht geschadet (Grundsätzlich wären – ähnlich wie bei der DDR-Reihe „Der Staatsanwalt hat das Wort“ – auch bei der Kriminalmuseum-Serie ein paar erklärende Worte vor dem Abspann über Ausmaß des Urteiles oder das weitere Schicksal mancher Beteiligten interessant gewesen).

Hans W. Hamacher gibt noch einmal den gemütlich-hartnäckigen Beamten, an seiner Seite der sonst eher auf Gangster abonnierte Karl Walter Diess, Friedrich Georg Beckhaus liefert eindrucksvoll die Studie eines zu unrecht Verdächtigen, stur, aufsässig und cholerisch, Peter Thom, Friedrich Karl Grund und Horst Janson als Primaner, die von Zeugen zu Verdächtigen werden, die Frauen haben auch in diesem Kriminaldrama wenig Platz, ein paar schöne Szenen bekommt Lisa Helwig als Zeugin eingeräumt, während Heli Finkenzellers Part als verständnisvolle Ehefrau des Kommissars mehr oder weniger überflüssig ist.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

20.10.2010 20:08
#54 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

DIE REISETASCHE

Wenig spektakulär sind die Ereignisse, die im Mittelpunkt diese Episode stehen, trotzdem gelingt es durch ein abwechslungsreiches Buch und eine flotte, einfallsreiche Inszenierung die Spannung über die sonst mir oft eher zu langen 75 Minuten Laufzeit aufrecht zu erhalten. Das liegt sicher auch zu einem nicht unwesentlichen Teil an den beiden „Gegenspielern“ dieser Folge, die sich einen raffinierten, geschliffenen Zweikampf liefern.

Erik Ode beweist in seiner Rolle als ermittelnder Beamter erneut, warum er zu Recht als „Vater aller Kommissare“ in die deutsche Fernsehgeschichte eingegangen ist. Da wirkt es fast wie ein hellseherischer Insiderscherz, wenn ihn eine Verkäuferin als „Herr Inspektor“ tituliert und er darauf freundlich, aber bestimmt erwidert: „Ich bin Kommissar“. Voll Tatendrang, unermüdlich und immer unterwegs, höflich aber hartnäckig begibt er sich auf die Spur Herbert Fleischmanns, Boutiquenbesitzer am Berliner Kurfürstendamm, dem bei einem etwas zwielichtigen Einbruch Münzen und Bargeld im Wert von rund 200.000 Mark aus dem aufgeschweißten Tresor gestohlen werden. Nachdem sich die Suche nach dem Einbrecher zunächst trotz wichtiger Zeugenaussagen und eines Phantombildes schwierig gestaltet, mehren sich bald die Verdachtsmomente für einen Versicherungsbetrug. Das Katz- und Mausspiel zwischen dem Kommissar und dem Verdächtigen verlagert sich schließlich nach dem Fund der titelgebenden Reisetasche nach München.

Herbert Fleischmann überzeugt als Kaufmann in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und mit viel krimineller Energie, Siegurd Fitzek beweist als Assistent, dass er auch Rollen auf der richtigen Seite des Gesetzes glaubwürdig gestalten kann, in kleineren Rollen der wohl hauptsächlich in München gedrehten Folge bajuwarische Prominenz, Ludwig Schmidt-Wildy liefert als Zeuge ein witziges Gustostückerl, der falsche Mr. Antrobus Dietrich Thoms als Münchner Ermittler mit Berliner Wurzeln. Frauen tauchen in dieser Folge nur am Rande und hauptsächlich in Form von Verkäuferinnen auf, auch die kommissar'sche Ehefrau wird nur erwähnt, nie gezeigt.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

20.10.2010 23:12
#55 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

TEEROSEN

Noch einmal beschäftigt sich die Kriminalmuseum-Serie mit dem Schmuggel und Handel von Rauschgift und wiederum ist München Schauplatz der Ereignisse. Auch in dieser Folge stehen die kriminalistischen Untersuchungen im Mittelpunkt, während die schonungslos drastische Schilderung der Auswirkungen des Drogenkonsums den Krimis der 70er und 80er-Jahre vorbehalten bleibt. Allerdings geht man nicht mehr so gemächlich zur Sache wie im „Reisebegleiter“, die Zeiten haben sich geändert und diese Leute scheuen inzwischen auch vor Mord nicht mehr zurück. Opfer ist ein junger Mann, der – als Blumenverkäufer getarnt – in Schwabinger Lokalen Haschzigaretten an den Kunden bringt. Als er nach einer Razzia auspacken will, unterschreibt er damit sein Todesurteil …

Als Ermittler schalten sich erneut Siegurd Fitzek, dazu Günter Becker und der engagierte Horst Niendorf ein, wobei sich letzterer mit einer gefährlichen Aktion in Lebensgefahr begibt. Peter Pasetti bleibt in der Rolle des Drahtziehers, von dem nicht klar ist, ob die künstlerischen Aktivitäten Tarnung oder Herzensangelegenheit sind, seltsam unterfordert und austauschbar, wurde vielleicht auch vom Drehbuch im Stich gelassen – erst zum Ende hin kann er sein Talent aufblitzen lassen. Dafür präsentiert uns diese Folge starke Frauenrollen: Gisela Uhlen – überaus apart und elegant und wie immer von einem geheimnisvollen Hauch umweht – als Ballettlehrerin und Komplizin und Dunja Rajter als Freundin Pasettis und Schönheit aus 1001 Nacht. Herbert Fux gibt einen Zwischenhändler mit Verbrechervisage, Jochen Busse einen jugendlichen Haschkonsumenten.

Besonderes Lob verdient die unglaublich stimmungsvolle Schwarzweißfotografie, die die vielen sorgfältig ausgewählten Schauplätze (Hinterhof, in dem der Mord geschieht, Ziegelei, in der der Showdown vonstatten geht als Beispiele) eindrucksvoll einfängt und dieser Folge einen besonderen Flair verleiht. Erich Ferstls orientalische Klänge gehen gut ins Ohr.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

23.10.2010 13:30
#56 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

DAS AMULETT

Ein anonymer nächtlicher Anruf alarmiert die Kripo in Oberhausen: eine Frau gibt an, dass am nächsten Tag ein Raubüberfall auf den Geldboten eines großen Kaufhauses geplant sei. Sofort beginnt der ganze Polizeiapparat unter der Leitung des smarten Günther Ungeheuer zu ermitteln. Einziger Hinweis ist zunächst nur ein Vorname, schnell können aber erste Erfolge erzielt und Zusammenhänge hergestellt werden: In einer Telefonzelle findet man eine Geldbörse, die der Hinweisgeberin zugeordnet wird, darin ein Amulett. Bald darauf taucht ein weiteres gleichartiges Amulett mit dem Tipp auf einen verdächtigen Engländer auf … So beginnt eine recht spannende und außergewöhnlich gut fotografierte (Kamera: Manfred Ensinger) Episode, die durch die Begrenzung der geschilderten Ereignisse auf einen Zeitraum von rund 16 Stunden (nachts bis nachmittags) eine zusätzliche interessante erzählerische Dynamik gewinnt. Leider häufen sich wieder einige recht konstruiert wirkende und schnell aufeinanderfolgende Zufälle, die der Polizei auf die richtigen Sprünge helfen. Es wäre mal interessant zu erfahren, inwieweit die jeweiligen Geschichten der Kriminalmuseum-Serie auf Tatsachen beruhen und was der künstlerischen Freiheit der Autoren, Regisseure und Darsteller geschuldet ist.

Obwohl er das Potential der Story nicht immer voll ausschöpft, gelingt Dieter Lemmel wieder eine gute Folge, die – wie in der „Brille“ – recht detailliert die mühsame Arbeit der unterschiedlichen Ermittler zusammenfasst. Die Aktionen der Verbrecher – geleitet vom unerwartet kaltschnäuzigen Manfred Heidmann mit britisch-militärischem Einschlag – werden zunehmend nervöser, nachdem sie merken, dass die Polizei von ihren Plänen erfahren hat. Walter Spiske und Friedrich Karl Grund agieren als unerfahrene und schließlich hilflose Handlanger, Karola Ebeling spielt überzeugend die junge Frau, die versucht, das Schlimmste zu verhindern.

Ein besonderer Pluspunkt dieser Folge wie gesagt die lebendige und atmosphärische Gestaltung durch die Kamera, man wähnt sich fast mitten im Geschehen und meint, den Rauch der Ruhrpott-Schornsteine zu riechen. Ein Ärgernis dagegen leider die sehr schlampige und ungenaue Nachsynchronisation von Teilen dieser Folge, Günther Lamprecht, der einen Beamten spielt, spricht mit fremder Zunge, ein weiterer Beamtendarsteller wird völlig zum Typ unpassend zu jung und cool (ich meine, von Manfred Spies) synchronisiert.

Georg Online




Beiträge: 3.049

23.10.2010 17:05
#57 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

20. Das Nummernschild
Mal eine andere Geschichte, keine Mörderjagd, sondern die präzise Planung eines Überfalls, je weiter der Film voranschreitet, desto spannender wird's. Interessant von Helmuth Ashley inszeniert und von seinem Kameramann Franz-Xaver Lederle eingefangen, typischer Böttcher-Sound, gute Darsteller. Hermann Lenschau als Kommissar ist sympathisch. Horst Michael Neutze ist wie gewohnt in einer Fieslingsrolle zu sehen.

Zitat von Jack_the_Ripper
Negativ fallen Schlampereien wie wechselnde Jahreszeiten (bis zum Überfall Sommer, dann plötzlich kahle Bäume) und Abspannpannen auf – z.B. wurde Paul Albert Krumm vollkommen unterschlagen.


Das ist ja bald schon typisch für Ringelmann-Produktionen, dass die Wetterverhältnisse nicht zusammenpassen. Der Regisseur Erich Neureuther erklärt das im Bonusinterview ja sehr schön: Ringelmann hat keine Rücksicht auf das Wetter genommen, wichtig war, dass die Produktion vorangetrieben wurde. In Insiderkreisen wurde aber über die Sommer-Winter-Filme oft geschmunzelt.

Georg Online




Beiträge: 3.049

23.10.2010 17:11
#58 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

21. Der Koffer
Eine äußerst interessante Geschichte, die da erzählt wird. Ein junger Mann gesteht einen Mord, um gegen seine snobistischen Eltern zu rebellieren. Kurt Meisel als Kommissar ist äußerst sympathisch, das stellt sich vor allem immer mehr gegen Ende des Films heraus.

Zitat von Jack the Ripper
Die Folge hat mich unter’m Strich recht gut unterhalten und ihre – vielleicht etwas versteckten - Qualitäten, obwohl die Psychostudio nicht sehr raffiniert und ohne überraschende Wendungen auskommt und Grädlers Regie gewohnt einfallslos bleibt.


Mich hat der Film ebenso gut unterhalten und das trotz der Regie von Theodor Grädler, der ja sonst immer für gediegene Langeweile sorgt. Da fragt man sich dann schon, was ein Regisseur wie Becker oder Goslar aus der Folge herausgeholt hätte.
Im Nachspann werden eine Menge Darsteller unterschlagen, darunter Max Grießer als grantelnder Gepäcksaufgabemann, Nino Korda als Gangster und der Regisseur Ralf Gregan, der damals noch eher als Schauspieler arbeitete. In Nebenrollen auch Horst Sachtleben als Anwalt (mit genauso dämlichen Nachnamen wie der Kommissar (wer kommt auf die Idee, den Ermittler "Neuwagen" zu taufen???) und Friedrich Karl Grund als Schüler Linke. Grund sollte sogar noch 2006 mit Produzent Ringelmann zusammenarbeiten. Nach dem Tod von Volker Vogeler schrieb er mehrere Episoden für "Der Alte".

Zitat von Jack the Ripper
Die Musik kommt wohl aus der Konserve (zumindest gibt der Abspann keine nähere Auskunft), bietet aber - gerade in den Barszenen - flotten Sound mit Edgar Wallace-Anklängen.


In der Bar am Ende des Films läuft Erwin Halletz' Thema zu "Die fünfte Kolonne" in einer flotteren Version.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

23.10.2010 23:27
#59 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

DIE TELEFONNUMMER

Ländlich gemütlich bayerisch geht’s in dieser Folge vonstatten, das meiste spielt sich im gleißenden Sonnenlicht zwischen saftig grünen Wiesen und auf Wald- und Feldwegen ab, in kleinen Dörfern und Landgasthäusern, man trifft auf Willy Schultes als Sparkassenbediensteten, Rosl Mayr als mütterlichen Greißlerin und Enzi Fuchs als pausbäckigen Kellnerin, bis – einmal mehr in der gern verwendeten Gereuth-Villa (die diesmal allerdings nach „Einöd“ verlegt wurde) – zum Showdown geblasen wird. An und für sich eigentlich nichts Negatives, im Gegenteil, Krimifolgen, die sich auf dem Dorf abspielen und in denen Dialekt gesprochen wird, gehören oft zu den interessantesten ihrer Reihe. Leider kann man das von diesem Exemplar nicht behaupten, für Drehbuch und Regie gilt auch eher gemütlich und unspektakulär, ohne Überraschungen und zu lange hingezogen.

Der Anfang ist noch recht vielversprechend, Überfall auf eine Sparkasse, Schüsse auf den Filialleiter (wobei sich diese Ereignisse allerdings alle im Off abspielen), der Räuber kann nach ein paar Tricks mit einem Auto flüchten, überfällt eine Ladenbesitzerin und wird schließlich nach einer Jagd über Stock und Stein auf einem Feld gestellt, wo er sich selber in den Kopf schießt. Hans Jürgen Diedrich schaltet sich als preußischer Beamter, unterstützt vom urbayerischen Helmut Fischer, ein. Über eine Telefonnummer kommen die beiden recht bald den Komplizen des Toten auf die Spur, einem Pärchen, das in einer Pension abgestiegen ist …

Hinter Louise Martinis nobler, damenhafter Fassade schimmern immer wieder ihre wahre Herkunft und ihre Absichten durch, Kurt Heintel spielt ihren nervösen Liebhaber/Komplizen, der junge Andras Fricsay noch mit vollem Haupthaar am Beginn seiner „Fernseh-Verbrecher“-Karriere, Diedrich und Fischer geben sich Mühe, bleiben aber als Ermittlerduo innerhalb der Reihe eher Durchschnitt.


DIE KAMERA

Auch hier gelingt dem erfahrenen Duo Bruno Hampel/Helmuth Ashley die gelungene, kurzweilige Schilderung eines spannenden Kriminalfalles, der sich diesmal um Versicherungsbetrug und einen besonders heimtückischen Mord dreht – und der im Gegensatz zur vorhin besprochenen Folge beweist, dass ländliche Krimis durchaus ihre Qualitäten haben. Vier Männer machen im spätwinterlichen Mittenwald einen Skiausflug, bei dem einer von ihnen, ein junger Mann, unter tragischen Umständen abstürzt. Nach vier Tagen stirbt der Schwerstverletzte im Krankenhaus. Alles deutet auf einen Unfall hin, der Chef des Toten, der Zahntechniker Konrad Pachmair, kümmert sich vorbildlich um die Versorgung bzw. um die Beerdigung. Wenig später taucht er jedoch zusammen mit einer jungen Frau, der angeblichen Verlobten des Toten, bei einer Versicherungsgesellschaft auf, um zusammen mit ihr als Begünstigter die Lebensversicherung zu kassieren. Es scheint zwar alles seine Richtigkeit zu haben, einem Versicherungsdetektiv fallen jedoch Ungereimtheiten auf und er schaltet schließlich die Polizei ein …

Wolfgang Preiss brilliert als kaltblütiger „Wolf im Schafspelz“, der einen von langer Hand und äußerst raffiniert geplanten Betrug mit mörderischem Ausgang ausführt und auch nicht davor zurückscheut, seinen ahnungslosen Bruder Siegfried Rauch in die tödlichen Ereignisse zu verwickeln. Seine Komplizen spielen der aufbrausende Thomas Braut als Handlanger und die schwerfällig-altjüngferliche Barbara Lademann als angebliche Freundin des Toten. Als Kriminalbeamte sieht man Alexander Kerst – auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich aber durchaus passend – und Werner Kreindl, der in knallharten Verhören auftrumpft. Für Ashleys Regiegespür sprechen leise Szenen – etwa mit der falschen Verlobten oder dem Vater des Toten – ebenso wie das spannend geschnittene Verhör mit den Verdächtigen zum Ende hin.

Georg Online




Beiträge: 3.049

24.10.2010 11:00
#60 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

23. Der Barockengel
Nicht die beste Folge der Serie, etwas zu lang. Immerhin sind die Gangster mit Ernst Ronnecker und dem "Vater der Nation" Joseph Offenbach interessant besetzt, Jean-Pierre Zola als französischer Kunst"sammler" ist ganz in Ordnung.
Artur Brauss in einer Nebenrolle ist total unauffällig und spricht genau zwei Sätze - und zwar 1 Minute vor dem Abspann: "Hast Du noch Schmerzen?" und "Geht's wieder?".
Störend wirkt, dass der gesamte Film nachsynchronisiert wurde und keinen Originalton aufweist (war wohl billiger/ einfacher für die Produktion).
Produktionsfehler: Jean-Pierre Zola müsste eigentlich ein Autokennzeichen aus dem Elsass haben, fährt aber mit einem Lieferwagen mit einer Pariser Nummer herum. Interessant ist das Strasbourg der 60er Jahre - man sieht, dass man vor dem Münster noch mit dem Auto fahren konnte (heute ist dort Fußgängerzone), die Sightseeingszenen sind willkürlich zusammengeschnitten, die Autofahrt durch Strasbourg ergäbe in Wirklichkeit keinen Sinn. (Das ist aber in Filmen oft so, dass man ausgerechnet bei den Sehenswürdigkeiten in willkürlicher Reihenfolge vorbeikommt...).
Unterm Strich bleibt eine Episode, die ich ehrlich gesagt schwächer in Erinnerung hatte, die mich jetzt aber auch nicht vom Sessel haut.

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