Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 109 Antworten
und wurde 6.387 mal aufgerufen
 Edgar-Wallace-Forum
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8
Enrico Rosseni Offline




Beiträge: 124

25.03.2007 19:30
#46 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten

Ich halte beide Regisseure für gleich wichtig für die Reihe und ihre Filme gehören gemischt zu meinen Lieblingswerken.

Harald Reinl hat von der Stimmung betrachtet überwiegend die düsteren Arbeiten abgeliefert und vor allem mit "Die Bande des Schreckens" wohl auch den kriminalistisch als ernstesten Beitrag. Sieht man einmal von der "Puppen-Autopsie" in "Zimemr 13" ab, hatte er auch keine Ausfälle in Sachen Klamauk (Sorry, Joachim). Er hatte in der Regel den Witz immer wohl dosiert eingebaut, wie unter anderem Rudolf Schündler in "Der unheimliche Mönch", der in dieser Hinsicht ein sehr gutes Beispiel ist.

Aber auch Alfred Vohrer hatte vollends überzeugende Wallace-Filme geschaffen. "Die Toten Augen von London" ist einer meiner All-Time-Favorites und einer der düstersten und unehimlichsten. In manchen Szenen erinnerte er mich an den Stil der Hammer-Studios. Mit "Das indische Tuch" hat er einen weiteren, bei mir äußerst beliebten Wallace gedreht, der sich allerdings in seiner Art ein wenig vom Rest unterscheidet und sich teilweise mehr nach einem Agatha-Christie-Film anfühlt. In dem Film hat mir Eddie Arent in seiner Darstellung am besten gefallen, sieht man einmal von seinem Teewagen ab . "Der Hexer" hat mir persönlich nicht so sehr gefallen. Ich find den recht durchschnittlich. Die beschränkten Yard-Beamten und Fantomas-Miltion konnten mich persönlich nur wenig überzeugen. Mit dem "Bucklingen von Soho" hat Vohrer einen Film abgeliefert, der für mich schon fast eine Persiflage auf die Wallace-Filme war und den vorläufigen Tiefpunkt darstellte. Dieser wurde mit dem "Gorilla von Soho" aber sogar noch übertroffen, der wirklich mit den dämlichsten Einfälle und dem billigsten Eindruck daherkam, der je unter dem Namen Wallace abgeliefert wurde. Mit "Die blaue Hand" hat Alfred Vohrer dann aber den meiner Meinung nach einzigen, wirklich überzeugenden klassischen Farb-Wallace agelifert, der die Stimmung der s/w-Filme in Farbe brachte.

Alfred Vohrer kommt sicherlich dadurch schlechter weg, weil er mit der Zeit experimentieren musste, um etwas neues zu bringen. Dies ist oft daneben gegangen, aber das ist auch immer die Gefahr, wenn man lange bei einer Serie dabei ist. Wer weiß schon welchen Ideen Dr. Reinl eingebrachte hätte, wäre er noch länger dabei geblieben.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.698

25.03.2007 20:04
#47 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten

@Michael :

In Antwort auf:
"Die Toten Augen von London" ist einer meiner All-Time-Favorites und einer der düstersten und unheimlichsten


Ich hatte mich ja zu diesem Thread schon geäußert, siehe weiter vorne.
Mit obigem Statement sprichst Du etwas an, das bei mir voll ins Schwarze
trifft. Nachdem ich diesen Film gesehen hatte begann ich mich für die
Regisseure und Kameraleute der Wallace-Filme zu interessieren.

Ich finde die toten Augen aus der Sicht "Grusel" den besten in der
Wallace-Serie und aus Sicht der damals in Deutschland gedrehten
Kriminalfilme herausragend. Das ändert natürlich nichts daran, daß
mein Lieblings-Wallace das Verrätertor ist und ich als typischsten
Wallace "Das Gasthaus an der Themse" sehe.

Gruss
Havi17

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

30.04.2009 18:56
#48 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten
Da ja im Hitchcoch-Thread die Meinungen zu Alfred Vohrer & Dr. Harald Reinl ausuferten, können wir ja in diesem bereits vorhandenen Thread weiter diskutieren.
Bei den Äußerungen im Hitchcock-Thread hat mich vor allem die Aussage bezügl. des SPEKTRUMS gestört, dass es keinen Regisseur mit einem solchen gibt wie Alfred Vohrer. Dem habe ich widersprochen. Und daraus ist ja erst die Diskussion entfacht.

Ich habe einmal versucht die Reinl/Vohrer-Filme aufzulisten. Filme, für die es für mich bei Vohrer "kein entrinnen" gibt bzw. keinen Reinl-Ersatz habe ich rot markiert! Grün markiert habe ich Vohrer-Filme, die mir besser gefallen als die adäquate Reinl-Filme (Leider kann man hier keine genaue Gegenüberstellung technisch vornehmen.)

In Antwort auf:
Dr. Harald Reinl ./. Alfred Vohrer
Der Frosch mit der Maske ./. Die toten Augen von London
Die Bande des Schreckens ./. Die Tür mit den 7 Schlössern
Der Fälscher von London ./. Das Gasthaus an der Themse
Zimmer 13 ./. Der Zinker
Der unheimliche Mönch ./.Das indische Tuch

Der Hexer
Neues vom Hexer
Der Bucklige von Soho
Die blaue Hand
Der Mönch mit der Peitsche
Der Hund von Blackwood Castle
Im Banne des Unheimlichen
Der Gorilla von Soho
Der Mann mit dem Glasauge

Der Schatz im Silbersee ./. Unter Geiern
Winnetou 1. Teil ./. Old Surehand 1. Teil
Winnetou 2. Teil ./. Winnetou und sein Freund Old Firehand
Winnetou 3. Teil
Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten
Der Herrgottschnitzer von Ammergau ./. Edelweißkönig
Der Klosterjäger ./. Das Schweigen im Walde
Schloß Hubertus
Der Jäger von Fall
Bergkristall
Grün ist die Heide
Die Zwillinge vom Zillertal
Almenrausch und Edelweißkönig
Johannisnacht
Die Prinzessin von St. Wolfgang
Die Fischerin vom Bodensee
Die Nacht am Mount Blanc
Hinter Klostermauern
Gesetz ohne Gnade
Solange du lebst
Die grünen Teufel von Monte Cassino
U-47 Kapitänleutnant Prien
Paradies der Matrosen
Wir wollen niemals auseinandergehen
Der Würger von Schloß Blackmoor
Im Stahlnetz des Dr. Mabuse
Die unsichtbare Krallen des Dr. Mabuse
Der Teppich des Grauens
Die weiße Spinne
Der letzte Mohikaner
Die Nibelungen
Die Schlangengrube und das Pendel
Dynamit in grüner Seide
Der Tod im roten Jaguar
Todesschüsse am Broadway
Pepe der Paukerschreck
Wir hau'n die Pauker in die Pfanne
Dr. med. Fabian
Wer zuletzt lacht, lacht am Besten
Verliebte Ferien in Tirol
Kommissar X jagt die Roten Tiger

Sie liebten sich einen Sommer ./. Und der Regen verwischt jede Spur
Ein Herz schlägt für Erika
Der schweigende Engel
Rosen-Resli
Der Schrei der schwarzen Wölfe
Die blutigen Geier von Alaska
Ein toter Taucher nimmt kein Gold ./. Wer stirbt schon gerne unter Palmen
Im Dschungel ist der Teufel los
Erinnerungen an die Zukunft
Botschaft der Götter
Und die Bibel hat doch recht

Und Jimmy ging zum Regenbogen
Liebe ist nur ein Wort
Der Stoff, aus dem die Träume sind
Alle Menschen werden Brüder
Gott schützt die Liebenden
Die Antwort kennt nur der Wind
Sieben Tage Frist
Perrak
Das gelbe Haus am Pinnasberg
Herzblatt
Drei Männer im Schnee
Lange Beine, lange Finger
Wartezimmer zum Jenseits
Ein Alibi zerbricht
Bis dass das Geld euch scheidet
Verbrechen nach Schulschluß, 1959
Verbrechen nach Schulschluß, 1975
Mit 17 hat man noch Träume
Meine 99 Bräute
Schmutziger Engel
Jeder stirbt für sich allein
Anita Drögenöller oder die Ruhe an der Ruhr

Romarai - Das Mädchen mit den grünen Augen./. Unser Haus in Kamerun



...und nun kann die Diskussion hier - anstatt im Hitchcock-Thread - weitergehen!

Joachim.
tilomagnet Offline



Beiträge: 585

30.04.2009 21:18
#49 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten

Klar, eindeutig und unzweifelhaft Reinl. Er hat mit dem Erstling FROSCH gleich einen Klassiker geschaffen und das Erfolgsrezept für die Wallacereihe definiert. Jeder seiner Beiträge ist hervorragend und gab der Serie neue Impulse. Das treffsichere Gespür für fesselnde Szenen, Spannungsaufbau und die richtige Mischung aus Grusel und Humor hebt ihn eindeutig von Vohrer an. Sicher, auch A.V. hat mit GASTHAUS, AUGEN und ZINKER drei Top-Filme inszeniert, aber er war auch immer auf ein hervorragendes Drehbuch angewiesen. Sonst fabrizierte er einiges an Mittelmaß und mehrere Totalausfälle. Stoffe wie den FÄLSCHER und ZIMMER 13 auf gleichem Niveau wie Reinl zu verfilmen, traue ich Vohrer einfach nicht zu. Und über die Leistungen bei Karl May brauchen wir wahrscheinlich nicht zu diskutieren, da werden sogar ausgesprochene Vohrer Fans Licht und Schatten unterscheiden können.

Rückblickend ist es jammerschade, dass Vohrer und nicht Reinl zum Wallace-Stammregiesseur avancierte.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.698

30.04.2009 23:20
#50 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten

Zitat von Jan
Nochmal deutlich: Es gibt eine Reihe von Unterhaltungsfilmen, -serien oder wie auch immer man will, die in Deutschland den sogenannten Kult- oder Straßenfegerstempel aufgedrückt bekommen haben, somit auch heute noch eine gewisse Relevanz in den Köpfen der Deutschen oder sogar im Ausland vorweisen können. Meine Anmerkung war (und das ist ja nun einmal nachweislich), dass lediglich Vohrer in der von mir aufgelisteten Auswahl aktiv war und ich keinen weiteren Regisseur kenne, der ein vergleichbares Spektrum aufweisen kann. Gruß Jan
Ich denke man kann Reinl und Vohrer bzw. Hichcock und Vohrer nicht vergleichen. Für mich gibt es nur einen Regisseur der in einer so enormen Bandbreite erfolgreich Regie geführt hat (Krimi/Western/Filmkomödie ...) und das ist Howard Hawks. Für mich der vielseitigste erfolgreiche Regisseur überhaupt. Hier kann ich mir einen Vergleich mit Vohrer druchaus vorstellen, jedoch nicht mit dem eingleisigen Hitchcock.

Gruss
Havi17

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.562

01.05.2009 08:00
#51 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten

Ich finde schon, daß man Vohrer mit Reinl vergleichen kann. Beide haben Edgar Wallace-Krimis (und auch Epigonen) gedreht. Beide haben auch Karl May-Filme gedreht. Bei den Karl May-Filme hat m.E. Reinl ganz klar die Nase vorne, bei den Wallace-Filme ist es mehr ausgeglichen, wobei hier Vohrer eindeutig die schlechteren Beispiel ablieferte und Reinl keinen einzigen Film "versemmelte".

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

01.05.2009 09:52
#52 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten
Zitat von Havi17
Zitat von Jan
Nochmal deutlich: Es gibt eine Reihe von Unterhaltungsfilmen, -serien oder wie auch immer man will, die in Deutschland den sogenannten Kult- oder Straßenfegerstempel aufgedrückt bekommen haben, somit auch heute noch eine gewisse Relevanz in den Köpfen der Deutschen oder sogar im Ausland vorweisen können. Meine Anmerkung war (und das ist ja nun einmal nachweislich), dass lediglich Vohrer in der von mir aufgelisteten Auswahl aktiv war und ich keinen weiteren Regisseur kenne, der ein vergleichbares Spektrum aufweisen kann. Gruß Jan
Ich denke man kann Reinl und Vohrer bzw. Hichcock und Vohrer nicht vergleichen. Für mich gibt es nur einen Regisseur der in einer so enormen Bandbreite erfolgreich Regie geführt hat (Krimi/Western/Filmkomödie ...) und das ist Howard Hawks. Für mich der vielseitigste erfolgreiche Regisseur überhaupt. Hier kann ich mir einen Vergleich mit Vohrer druchaus vorstellen, jedoch nicht mit dem eingleisigen Hitchcock.


Howard Hawks gehört auch zu meinen Lieblingsregisseuren und hat die von Dir erwähnte Bandbreite - keine Frage. Aber auch Hitchcock hat diese Bandbreite - wenn man einmal das Western-Genre weglässt. Hitchcock hat auch nicht nur Suspence-Filme gemacht, sondern auch hist. Filme (Riffpiraten, Sklavin des Herzens), Komödien (Mr.und Mrs. Smith, Über den Dächern von Nizza), Spionage-Filme (Der zerissene Vorhang, Topas), Dramen (Der falsche Mann, Marnie), Abenteuerfilme (Der Mann, der zuviel wusste) und Kriminalfilme (Frenzy, Familiengrab). Nur wenn er den eigenen Stil gänzlich verlassen hat (Sklavin des Herzens, Der zerissene Vorhang) waren seine Filme meist Flops. Natürlich hat Hitchcoch immer versucht verschiedene Genre mit seinem Suspence-Stil zu vermischen.

Und nun zurück zum Thema Reinl ./. Vohrer. Meist werden bei Reinl die für ihn und für die Branche überaus erfolgreichen Filme der 50er Jahre vergessen. Handwerklich waren all diese Filme einwandfrei und zwei davon lagen jenseits der 8 Millionen Besuchergrenze (Der Klosterjäger, Die Fischerin vom Bodensee). Er hatte den ersten Ganghofer-Farbfilm erfolgreich in Szene gesetzt und das hatte man auch 1973 noch gewußt als er den ersten Ganghofer-CinemaScope-Film "Schloß Hubertus" erfolgreich inszenierte. Noch bevor Joanna Sypyri in der Bundesrepublik Deutschland durch ihre Figur "Heidi" etabliert wurde, hatte Dr. Harald Reinl den größten deutschen Kinderfilm nach Johanna Spyri geschaffen "Rosen-Resli", der ebenfalls weit über 5 Millionen Besucher in dieser Zeit hatte. 1965 wollte man ihm daher ebenfalls die Regie von "Heidi" anbieten, "Winnetou III" kam dazwischen und Werner inszenierte dann den Heidi-Film. Als Dr. Harald Reinl zu diesen beiden Genre (Heimatfilm, Kinderfilm) erfolgreiche Beiträge lieferte, wagte er sich an das Genre des Kriegsfilms welche er dann wiederum erfolgreich etablierte (u.a. Die grünen Teufel von Monte Cassino). Und dann ging's weiter mit Edgar Wallace,Karl May, Weinert-Wilton, James Fenimore Cooper, Edgar Allan Poe, Jerry Cotton, Kommissar X und zuletzt den Expeditionsfilmen (Erinnerungen an die Zukunft, Botschaft der Götter, Und die Bibel hat doch recht). Also ein durchaus sehr vielseitiges und zudem erfolgreiches Spektrum an Film-Genren, die Dr. Harald Reinl geschaffen hat. Zudem wird auch immer wieder vergessen, dass es Dr. Harald Reinl war, der den ersten Nachkriegsheimatfilm "Bergkristall" (nach Adalbert Stifter) erfolgreich inszenierte - lange vor "Schwarzwaldmädel" & "Grün ist die Heide". Und bei aller Verehrung für Alfred Vohrer (dessen Filme ich ja auch mag) so ein Spektrum hat er nicht vorzuweisen, selbst wenn man seine TV-Filme hinzuzählt. (Dr. Harald Reinl hatte auch einmal für's Fernsehen gearbeitet.)
Zum Schluß möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass es auch im Spektrum von Dr. Harald Reinl Filme gibt, die ich nicht mag und dadurch mir sehr, sehr selten anschaue (u.a. Hinter Klostermauern, Sie liebten sich einen Sommer) und es zwei Filme (Gesetz ohne Gnade, Solange du lebst) gibt, die ich bis heute noch nicht gesehen habe, wobei ich von "Solange du lebst" zumindest das Drehbuch kenne. Und was Alfred Vohrer betrifft wäre es vermutlich für die damalige Branche besser gewesen und für uns heute vermutlich auch wenn er anstatt "Verbrechen nach Schulschluß", "Jeder stirbt für sich allein" & "Anita Drögenöller" die angekündigten Roxy-Filme "Bis zur bitteren Neige", "Niemand ist eine Insel", "Das Netz" und "Elexiere des Teufels" inszeniert hätte. Gerd Oswald verstand es nicht Simmel's "Bis zur bitteren Neige" umzusetzen - und Manfred Purzer war - ähnlich wie Manfred R. Köhler und Kurt Nachmann - ein ausgezeichneter Drehbuchautor - aber seine Inszenierungen sind einfach nicht gut.

Joachim.
eastmancolor Offline



Beiträge: 2.595

01.05.2009 13:52
#53 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten

Reinl war ja auch für den Oscar nominiert, mit Erinnerungen an die Zukunft.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

01.05.2009 15:33
#54 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten

Zitat von eastmancolor
Reinl war ja auch für den Oscar nominiert, mit Erinnerungen an die Zukunft.

Korrekt! Zudem erhielt er als einziger deutscher Regisseur die Goldmedaille der Filmtheater für besondere Verdienste innerhalb der deutschen Filmwirtschaft.

Joachim.

Jan Offline




Beiträge: 1.752

02.05.2009 10:53
#55 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten
Zitat von Havi17

Ich denke man kann Reinl und Vohrer bzw. Hichcock und Vohrer nicht vergleichen. Für mich gibt es nur einen Regisseur der in einer so enormen Bandbreite erfolgreich Regie geführt hat (Krimi/Western/Filmkomödie ...) und das ist Howard Hawks.


Das ist sicher richtig, Havi, jedoch war das inhaltlich nicht der Aufreger des Hitchcock-Threads, durch den Joachim die vorhandene oder auch eher nicht vorhandene bzw. nachträglich gebastelte (oder wie auch immer) Reputation seines Lieblingsregisseurs gefährdet sah. Folgenden Sachverhalt stellte ich auf: Es gibt keinen Regisseur in Deutschland, der -wie Alfred Vohrer- ein vielseitiges Spektrum an Beiträgen zu Unterhaltungsfilmserien aufweisen kann, die bis heute Bestand haben. Dazu zähl(t)en:

- Derrick
- Der Alte
- Das Traumschiff
- Die Schwarzwaldklinik
- Edgar Wallace
- Karl May
- Johannes Mario Simmel

Diese Liste erhob nie Anspruch auf Vollständigkeit (siehe Hitchcock-Thread; zumindest über die Simmel-Filme könnte man hier trefflich streiten) und sollte symbolisieren, dass ab den 60er Jahren stets Vohrer dabei war, wenn es um das erfolgreiche Inszenieren marktgängiger Unterhaltungsware ging (ebenso Ganghofer - aber die 70er Jahre-Streifen sind heute m.E. vollkommen bedeutungslos), deren Stellenwert sich bis heute mehr oder weniger erhalten hat; er somit ein Spektrum abdeckt, welches kein weiterer Regisseur für sich in Anspruch nehmen kann, ebenfalls abzudecken. "Er hatte Sinn für Ökonomie", bemerkt Metzlers "Geschichte des Deutschen Films" lapidar und trifft damit wohl den Nagel auf den Kopf. Ebenso wie die wikipedia/Deutsche Filmhaus-Biografie, die zum TV-Schaffen meint: "Aber auch das Fernsehen interessiert sich für Vohrer, der schon seit 1974 für die Serie 'Derrick' arbeitet. Ab 1977 dreht er außerdem für die Serie 'Der Alte', für die er gelegentlich auch Drehbücher beisteuert. Seine Arbeit überzeugt und er zählt bald zu einem der meistbeschäftigten Regisseuren der beiden Serien. In den 1980er Jahren kommen noch zahlreiche Episodenfilme verschiedenster Genres dazu. 'Weißblaue Geschichten' mit Gustl Bayrhammer, 'Hessische Geschichten' mit Günter Strack und 'Krumme Touren' mit Manfred Krug haben hohe Einschaltquoten, so dass das ZDF nicht an Vohrer vorbei kommt, als es die Prestigeserien 'Das Traumschiff' und 'Die Schwarzwaldklinik' produziert. Daneben ist er weiterhin unentbehrlich, wenn es um 'Derrick' und 'Der Alte' geht."

Mithin gibt man sich eher der Lächerlichkeit preis, wenn man behauptet, Harald Reinl hätte auch dieses "Spektrum" abgedeckt, obwohl er damit in etwa so viel zu tun hatte, wie Jess Franco mit den James-Bond-Filmen. Eine diesbezügliche Diskussion ist zudem redundant und wird daher mit mir nicht geführt werden.

Das nur nochmals zu Erläuterung des von mir im Hitchcock-Thread geschriebenen Exkurses zum Thema Alfred Vohrer, den ich keineswegs über den grünen Klee zu geloben denke, was man eigentlich weiß, wenn man sich meine diesbezüglichen Beiträgen anschaut, die eher sachlich mit dem Thema umgehen und ohne Fanbonus verfasst sind (ich bemühe mich zumindest ). Meine Meinung zum Thema Reinl/Vohrer (ja, ich schreibe bewusst nicht Vohrer/Reinl, sonst wackelt wieder die Weltordnung ) steht im übrigen auf Seite 2 dieses Threads und ich gedenke auch nach der x-ten (nicht nachvollziehbaren) Ranking-, Bewertungs- oder Vergleichsliste nicht, diese zu wiederholen. Zumal ich das Thema "Mein Lieblingsregisseur ist aber toller als Deiner" ziemlich lachhaft finde!

Gruß
Jan
Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

02.05.2009 12:45
#56 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten
Zitat von Jan
Zitat von Havi17

Ich denke man kann Reinl und Vohrer bzw. Hichcock und Vohrer nicht vergleichen. Für mich gibt es nur einen Regisseur der in einer so enormen Bandbreite erfolgreich Regie geführt hat (Krimi/Western/Filmkomödie ...) und das ist Howard Hawks.


Das ist sicher richtig, Havi, jedoch war das inhaltlich nicht der Aufreger des Hitchcock-Threads, durch den Joachim die vorhandene oder auch eher nicht vorhandene bzw. nachträglich gebastelte (oder wie auch immer) Reputation seines Lieblingsregisseurs gefährdet sah. Folgenden Sachverhalt stellte ich auf: Es gibt keinen Regisseur in Deutschland, der -wie Alfred Vohrer- ein vielseitiges Spektrum an Beiträgen zu Unterhaltungsfilmserien aufweisen kann, die bis heute Bestand haben. Dazu zähl(t)en:

- Derrick
- Der Alte
- Das Traumschiff
- Die Schwarzwaldklinik
- Edgar Wallace
- Karl May
- Johannes Mario Simmel

Diese Liste erhob nie Anspruch auf Vollständigkeit (siehe Hitchcock-Thread; zumindest über die Simmel-Filme könnte man hier trefflich streiten) und sollte symbolisieren, dass ab den 60er Jahren stets Vohrer dabei war, wenn es um das erfolgreiche Inszenieren marktgängiger Unterhaltungsware ging (ebenso Ganghofer - aber die 70er Jahre-Streifen sind heute m.E. vollkommen bedeutungslos), deren Stellenwert sich bis heute mehr oder weniger erhalten hat; er somit ein Spektrum abdeckt, welches kein weiterer Regisseur für sich in Anspruch nehmen kann, ebenfalls abzudecken. "Er hatte Sinn für Ökonomie", bemerkt Metzlers "Geschichte des Deutschen Films" lapidar und trifft damit wohl den Nagel auf den Kopf. Ebenso wie die wikipedia/Deutsche Filmhaus-Biografie, die zum TV-Schaffen meint: "Aber auch das Fernsehen interessiert sich für Vohrer, der schon seit 1974 für die Serie \'Derrick\' arbeitet. Ab 1977 dreht er außerdem für die Serie \'Der Alte\', für die er gelegentlich auch Drehbücher beisteuert. Seine Arbeit überzeugt und er zählt bald zu einem der meistbeschäftigten Regisseuren der beiden Serien. In den 1980er Jahren kommen noch zahlreiche Episodenfilme verschiedenster Genres dazu. \'Weißblaue Geschichten\' mit Gustl Bayrhammer, \'Hessische Geschichten\' mit Günter Strack und \'Krumme Touren\' mit Manfred Krug haben hohe Einschaltquoten, so dass das ZDF nicht an Vohrer vorbei kommt, als es die Prestigeserien \'Das Traumschiff\' und \'Die Schwarzwaldklinik\' produziert. Daneben ist er weiterhin unentbehrlich, wenn es um \'Derrick\' und \'Der Alte\' geht."

Mithin gibt man sich eher der Lächerlichkeit preis, wenn man behauptet, Harald Reinl hätte auch dieses "Spektrum" abgedeckt, obwohl er damit in etwa so viel zu tun hatte, wie Jess Franco mit den James-Bond-Filmen. Eine diesbezügliche Diskussion ist zudem redundant und wird daher mit mir nicht geführt werden.

Das nur nochmals zu Erläuterung des von mir im Hitchcock-Thread geschriebenen Exkurses zum Thema Alfred Vohrer, den ich keineswegs über den grünen Klee zu geloben denke, was man eigentlich weiß, wenn man sich meine diesbezüglichen Beiträgen anschaut, die eher sachlich mit dem Thema umgehen und ohne Fanbonus verfasst sind (ich bemühe mich zumindest ). Meine Meinung zum Thema Reinl/Vohrer (ja, ich schreibe bewusst nicht Vohrer/Reinl, sonst wackelt wieder die Weltordnung ) steht im übrigen auf Seite 2 dieses Threads und ich gedenke auch nach der x-ten (nicht nachvollziehbaren) Ranking-, Bewertungs- oder Vergleichsliste nicht, diese zu wiederholen. Zumal ich das Thema "Mein Lieblingsregisseur ist aber toller als Deiner" ziemlich lachhaft finde!

Gruß
Jan

Schön über was man immer wieder diskutieren kann.
Ich habe nie behauptet, dass Reinl das TV-Spektrum abdeckt. Vielmehr habe ich behauptet, dass man bei den beiden Regisseuren nur das Kinofilm-Spektrum miteinander vergleichen kann. Zudem habe ich immer wieder behauptet, dass Vohrer bei den Simmel-Filmen eine Sonderstellung einnimmt. Mehr nicht. Und ich lobe meinen "Lieblingsregisseur" auch nicht über den froßen Klee hinaus, sondern versuche eine vernünftige Gegenüberstellung zu dokumentieren. Auch Alfred Vohrer zählt zu meinen "Lieblingsregisseuren". Gewehrt habe ich mich gegen den Satz, dass es keinen deutschen Regisseur mit einem Spektrum wie Alfred Vohrer gibt. Ganz zu schweigen davon, dass Vohrer-Filme max. 40% der Besucherzahlen in der BRD hatte wie die Reinl-Filme. Es hat auch nichts mit Lächerlichkeit zu tun, wenn ich erwähne, dass auch in der ausl. Presse (zumeist in Frankreich) Dr. Harald Reinl und seine Filme positiv erwähnt werden. Recht gebe ich Dir zudem, dass man nicht immer wieder die nachgewiesene Vorteile in Ranking, in Kritiken - die ja nicht meine Erfindung sind, sondern aus nachweislichen Tatsachen bestehen - zu wiederholen. Und es nun von Deiner Seite mit Kommentaren wie "Zumal ich das Thema "Mein Lieblingsregisseur ist aber toller als Deiner" ziemlich lachhaft finde!" ins Lächerliche zu ziehen, finde ich nicht in Ordnung zumal es ja auch wie Eingangs geschrieben es auch nicht stimmt, da bei Regisseure zu meinen Lieblingsregisseuren zählen.

Joachim.
P.S.: Ich bin jederzeit bereit eine vernünftige und sachliche Diskussion zu führen. Nur dürfen dabei bestehende Tatsachen nicht verfälscht werden!
Havi17 Offline




Beiträge: 3.698

02.05.2009 14:36
#57 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten
Zitat von Joachim Kramp
Vielmehr habe ich behauptet, dass man bei den beiden Regisseuren nur das Kinofilm-Spektrum miteinander vergleichen kann.
Wenn ich das Werk eines Regisseurs miteinander vergleiche dann zählen für mich nicht nur bestimmte Mediengenres dazu, sondern das Gesamtwerk. Und hier liegt für mich Alfred Vohrer ganz klar direkt hinter Howard Hawks. Hitchcock und Reinl spielen bei mir in der Betrachtung des Gesamtwerkes nur eine untergeordnete Rolle.

Gruss

Havi17

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

02.05.2009 14:50
#58 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten
Zitat von Havi17
Zitat von Joachim Kramp
Vielmehr habe ich behauptet, dass man bei den beiden Regisseuren nur das Kinofilm-Spektrum miteinander vergleichen kann.
Wenn ich das Werk eines Regisseurs miteinander vergleiche dann zählen für mich nicht nur bestimmte Mediengenres dazu, sondern das Gesamtwerk. Und hier liegt für mich Alfred Vohrer ganz klar direkt hinter Howard Hawks. Hitchcock und Reinl spielen bei mir in der Betrachtung des Gesamtwerkes nur eine untergeordnete Rolle.

Verstehe hier Deine Argumentation nicht so ganz. Ich betrachte nämlich auch das Gesamtwerk eines Regisseurs aus verschiedenen Perspektiven und da hat Dr. Harald Reinl keineswegs eine untergeordnete Rolle, vielmehr eine größeres Genrespektrum wie Alfred Vohrer. Auch bei Hitchcock kann ich dies so nicht nachvollziehen. Durch seinen "Suspence-Wahn" den er in all seinen Filmen einbaut glaubt man es sein ein Genre - nur dem ist ja nicht so. Und was Howard Hawks betrifft - mach mal 'ne Umfrage welche Filme ihm zuzuordnen sind. Die meisten kennen ihn noch nichteinmal und viele meinen er sei ein guter Western-Regisseur gewesen.
FAZIT: Man kann alle vier Regisseure nur zum Teil miteinander vergleichen. Eine persönliche Empfindung spielt dabei sicher eine große Rolle. Jeder hat nämlich einen eigenen Geschmack.

Joachim.
P.S.: Selbst Steven Spielberg hat ein breiteres Spektrum an Genren als Hawks - dennoch bevorzuge ich persönlich die Hawks Filme.
eastmancolor Offline



Beiträge: 2.595

02.05.2009 18:50
#59 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten

Zitat von Havi17
Zitat von Joachim Kramp
Vielmehr habe ich behauptet, dass man bei den beiden Regisseuren nur das Kinofilm-Spektrum miteinander vergleichen kann.
Wenn ich das Werk eines Regisseurs miteinander vergleiche dann zählen für mich nicht nur bestimmte Mediengenres dazu, sondern das Gesamtwerk. Und hier liegt für mich Alfred Vohrer ganz klar direkt hinter Howard Hawks. Hitchcock und Reinl spielen bei mir in der Betrachtung des Gesamtwerkes nur eine untergeordnete Rolle.



ist ja wohl nicht dein ernst!?

DanielL Offline




Beiträge: 4.142

11.05.2009 13:09
#60 RE: Reinl vs. Vorher Zitat · Antworten
Harald Reinl - Er hat erfolgreich die Edgar-Wallace- und die Karl-May-Reihe etabliert. Durch sein Mitwirken hat auch die Bryan-Edgar-Wallace-Reihe annähernd gleiches Niveau erreichen können. Seine Nibelungen-Saga wurde legendär. Er gab den Anstoß für ein Heimatfilm-Comeback. Bei fast allen Filmreihen, an denen mehrere Regisseure beteiligt waren, konnte Reinl jeweils die besten und häufig auch die erfolgreichsten Einzelleistungen abliefern, auch wenn tlw. andere Regisseure prägenderen Anteil an der Gesamtreihe hatten (Wallace, BEW, Karl May, und auch zusammen mit Werner Jacobs bei den Lümmelfilmen). Lediglich bei Jerry Cotton würde ich ihm diesen Titel nicht zweifelsfrei zusprechen. Selbst bei der schwierigen weil schnell ausgeschöpften Dr. Mabuse-Reihe konnte er das schwierige Erbe von Fritz Lang recht ordentlich antreten, auch wenn Langs Vorarbeit über allen nachfolgenden trivialen Verfilmungen schwebte. Bei Kommissar X kenne ich nicht alle Teile.

Harald Reinl war damit ein verlässliche Bank für die Produzenten, nur äußerst selten versemmelte er einen Film. Bei Reinl wusste man was man bekommt. Er machte handwerklich sehr solide Arbeit und hatte ein hervorragendes Gespür für die temporeiche Inszenierung. Damit waren bei ihm aber kaum Überraschungen zu erleben, er experimentierte nicht viel. Insgesamt sorgte er mit der von ihm angestoßenen Krimiwelle zwar für eine neue Messlatte, einzelne, aus speziellen Szenen heraus entwickelte stilistische Innovationen kamen von ihm aber weniger, weil er dazu aufgrund seines geradlinigen Arbeitsstils garnicht Gelegenheit bekam. Vohrer probierte viel hier und da und konnte dabei genial sein oder genial daneben. Immer wieder hört man von Schauspielern Reinl habe seine genaue Vorstellung gehabt wie sie zu spielen hatte und er gab ihnen das meiste genau vor. Dies merkt man seinen Filmen noch heute an und hat sich meistens bewährt. Vohrer ließ seinen Schauspielern wesentlich mehr freiheiten und konnte dabei gewinnen oder verlieren. Irgendjemand hat mal hier im Forum geschrieben Reinl hätte immer probiert, der A-Film Regisseur zu sein, während sich Vohrer zum B-Film bekannte. Aber dies ist eigentlich Quatsch, denn obwohl viele seiner Filme heute als Trivial angesehen werden, war Reinl immer ein A-Regisseur. Er hat die größten wirtschaftlichen Erfolge der 60er zu verbuchen, er war der erfolgreichste Mainstream-Regisseur. Die Wallace-Reihe wurde erst nach seinem Ausscheiden trashig, er war also weder aus künstlerischer noch aus wirtschaftlicher Sicht je ein B-Filmer, wenn man vielleicht von den allerersten und/oder vielleicht allerletzten Filmen seiner Karriere absieht bzw. Jerry Cotton als B-Filme ansieht.
Reinl hatte seine Prinzipien und auch diese taten häufig dem Produkt gut: Er bestand auf Außenaufnahmen, arbeitete weniger mit Rückprojektion während Vohrer auch reine Atelierfilme drehte. Auch deshalb wirken Vohrers Filme heute antiquierter, im Umkehrschluss der Liebhaber aber oft auch kultiger.

Vohrer war der Verspielte und er konnte genial sein dabei. Unzählige prägende Stilmittel brachte er in die Wallace-Reihe. Er machte aus der Edgar-Wallace-Reihe eine Popkultur. Seine Art von Humor, seine Effekte und seine Arrangements sollten Markenzeichen für die Wallace-Reihe werden. Einen Reinl Film erkennt man stets als gelungenen Film, aber seine stilistische Handschrift erkennt man dennoch weniger. Bei Vohrers Filmen merkt man nach kurzer Zeit, dass man es mit einem Vohrer zu tun hat. Die durch den Mund aufgenommene Karotte oder dergleichen sind da nur die Spitze des Eisbergs. Reinl wäre vermutlich nie auf so Sachen gekommen, wie Beethovens Fünfte zu den Morden des Jake gleichzusetzen, oder Einstellungen visuell so zu überzeichnen, das sie grotesk wirken aber letztlich den Krimi noch fantastischer machen.
Aber: Voher konnte dabei eben auch ins Klo greifen. Klappergespenster und Albernheiten á la Gorilla sind die Kehrseite dieser Medaille. Auch konnte Vohrer eindeutig schlechter mangelhafte Drehücher kompensieren als Reinl. Reinl hatte einfach mehr Konstanz. Letztlich bekam die Reihe durch all diese Späßchen auch ihre trashige Note, die zweifellos mit der Farbära der Reihe verbunden ist. Es wäre zu spannend gewesen zu beobachten, wie Reinl 1969 einen Wallace inszeniert hätte. Vohrer hätte ich gewüncht, das er mehr Möglichkeiten für Wunschprojekte bekommen hätte. Er wäre sicherlich auch der richtige für eine rabenschwarze Komödie gewesen. Ich hätte mir in der Farb-Wallace-Ära lieber 1,2 Wallace weniger und 1,2 Lange Beine - lange Finger mehr gewünscht, oder eben Filme in denen er seine Kreativität noch mehr hätte ausleben können. Auch bei Simmel hat er wieder seinen Spaß an filmästhetischen Einfällen, viele Blenden, Schwenks und surreale Atmosphäre.

Beide Regisseure waren unersätzlich für Wallace, beide haben Vorzüge, wobei Reinl unterm Strich und auf dem Papier die Nase vorn hat, während Vohrer das vielleicht interessantere Phänomen ist. Reinl hat der Suppe wunderbar gekocht, Vohrer hat sie mit seiner Gewürzmischung unverwechselbar gemacht. Für die deutsche Filmbranche ist es mehr als Peinlich, dass ihrer beider Wirken kaum noch gedacht wird. Über Reinl gibt es 2 Dokus, über Vohrer gleich null. Aber was soll man sich auch mit dem Unterhaltungsfilm der 60er beschäftigen, da muss erst ein angesagter Amerikaner kommen und "Vohrer is a genius!" sagen, dann ist der Name mal kurz hipp und für einige Tage in der Presse zu lesen... Traurig!

Gruß,
Daniel

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8
«« Der Zinker
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz