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Dieses Thema hat 139 Antworten
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 Filmbewertungen
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Ray Offline



Beiträge: 1.304

20.06.2019 12:05
#136 RE: Wallace der Woche (32): Das Gesicht im Dunkeln (1969) Zitat · Antworten

Bei der Erstsichtung vor einigen Jahren hätte ich wohl auch nicht gedacht, dass es zu einer vierten Betrachtung kommen würde. Aber dann kam die Anschaffung der DVD-Box und dann zwei chronologische Sichtungen der Wallace-Reihe, wo man halt "muss".

Der einzige uneingeschränkt positive Aspekt des Films ist in der Tat die Musik von Nora Orlandi. Aber da hört man sich diese besser mit den anderen Melodien auf der CD "Best of Edgar Wallace" an, als sie zusammen mit den Bildern des Films ablaufen zu lassen. In wenigen Momenten kommt Geisterbahngrusel-Stimmung und damit im Ansatz so etwas wie Wallace-Atmosphäre auf, vor allem in der Szene, in der Kinski mit Kronleuchter die Stufen des Hauses hinaufsteigt und im Hintergrund das Gewitter tobt. Damit hat es sich aber im Grunde. Die Exposition ist abgesehen von der ungeschickten Spielzeugauto-Crash-Szene sehr gehetzt. Ohne dass man die Figuren wirklich kennen gelernt hat, wird dem Zuschauer in Windeseile vermittelt, dass Helen und John verheiratet sind, Helen aber wohl eine lesbische Beziehung zu Liz unterhält und offenbar eine Trennung bzw. Scheidung im Raume steht. Ruckzuck ist Helen tot und die Frage nach den Hintergründen kommt auf. Eine im Ansatz nicht uninteressante Ausgangssituation wird durch trashige Elemente nahezu vollends zu nichte gemacht. Diese setzen mit dem ersten Auftritt Christiane Krügers ein. Ihre Dialoge mit Kinski sind mies synchronisiert und inhaltlich zum Fremdschämen. Getoppt wird das Ganze dann in der Szene, in der der Softporno aufgeführt wird, in der vermeintlich Helen mitspielt. Problematisch ist ferner, dass Kinski abwesend und teilweise lustlos agiert, weswegen seine Figur trotz des im Ergebnis üblen Spiels, das mit ihr gespielt wird, kaum Sympathien erntet. Die weiteren Figuren sind nur rudimentär herausgearbeitet, was dem Rätsel-Faktor überaus abträglich ist. Von technischer Warte erweist sich der Film abgesehen von den bereits erwähnten Höhe- und Tiefpunkten unter dem bisher gewohnten Niveau. Viele Einstellungen wirken stümperhaft und unüberlegt. Mit dem "Abdriften" des Films (Auftritt Krüger, Softporno) setzt zudem rasch akute Langeweile ein.

Nicht wirklich nachvollziehbar bleibt es, warum man nach diesem einmaligen Flop mit völlig veränderter Herangehensweise nicht auf die bewährte Schiene zurückkehrte, auf der man bis einschlißelich zum Vorgänger immer noch gutes Geld machte. Vohrer war zwar nicht mehr verfügbar, aber Reinl oder eben schon Harald Philipp wären doch sicher in der Lage gewesen, einen "typisch deutschen" Wallace zu drehen, der dem Publikum wieder mehr zugesagt hätte.

Insgesamt hinterlässt "Das Gesicht im Dunkeln" durch die amateurhaften Auto-Crashs, die überwiegend schwache Kameraarbeit, die öden Erotik-Einlagen, die mitunter peinlichen Dialoge, die streitbare Farbgebung und den Mangel an sympathischen und interessanten Figuren einen in gewisser Weise "schmuddeligen", abstoßenden Eindruck. Interessant ist dann eigentlich nur noch, ob man den Film besser oder schlechter einschätzt als den ebenfalls misslungenen "Gorilla". Habe ich beim letzten Mal noch dem "Gesicht" den Vorzug gegeben, tendiere ich diesmal eher dazu, die "Ehre" des "Gorillas" zu retten und dem "Gesicht" daher nur 1,5 von 5 Punkten zu geben.

DanielL Offline




Beiträge: 3.776

20.06.2019 21:39
#137 RE: Wallace der Woche (32): Das Gesicht im Dunkeln (1969) Zitat · Antworten

Tja, soll ich auch noch mal draufhauen?

Na gut...

Folgenschwere Fehler werden wohl schon lange vor Drehbeginn im Produktionsbüro gemacht. Über die letzten Filme hinweg hatte man es völlig versäumt, für neue Impulse zu sorgen. Jetzt sollten sie ohne Not per Holzhammermethode kommen. 

Wenn man dabei schon dem Trend der internationalen Koproduktion folgen wollte: Hatte man nicht als Produzent dieser doch so erfolgreichen Kinofilmreihe die Chance, selbst europäische Geldgeber um sich zu versammeln, statt nur noch 30% der Produktionskosten zu tragen und damit die Federführung komplett aus der Hand zu geben? 

Die Grundidee des Films hat Potential, wobei man natürlich hier schon die Generalfrage stellen kann, warum man in einer etablierten Krimi-Reihe urplötzlich mit Psycho-Thriller Ambitionen um die Ecke kommen muss. Hatten bisher, wenn auch in unterschiedlichster Ausprägung, immer Ermittler-Typen die Handlung vorangetrieben, dreht sich hier alles um John Alexander.

Kinski, Stand 1969 international gefragt, hat sicherlich nach seinen unzähligen Schreck-vom-Dienst-Auftritten bei Wallace eine große Rolle verdient. Mit seiner hier dargebotenen lethargischen Art ist er allerdings der Falsche. Fördern die ausländischen Schnittfassungen auch noch eine kleine Backstory im Schnee von John und Helen zu Tage: Es hilft nichts. Die beiden trennen sich während des Pferderennens so emotionslos voneinander, dass man sie zu diesem Schritt nur beglückwünschen will. Augenblicke später soll man Kinski beim Stiefvater dann den Verzweifelten abkaufen?

Günther Stoll als Inspektor Steevens nimmt am Tatort federführend die Ermittlungen mit dem zunächst größeren Sprechanteil auf, nur um dann in der zweiten Filmhälfte zum Stichwortgeber zu verkommen. Im Finale wirkt er dann fast wie ein fälschlicherweise ins Bild geratenes Mikrofon. Freda setzt dem ganzen die Krone auf, in dem die Szene so abläuft, dass es einen Dialog zwischen Inspektor Gordon und Mr. Brown gibt. Das Bild ist jedoch so geschnitten, dass Gordon eine eigene Einstellung hat während Brown seine Worte im eigentlichen Gegenschnitt sichtbar an Inspektor Steevens richtet. Völlig irre! Hatte Freda etwa ursprünglich zwei Länderfassungen geplant und war durcheinander gekommen oder war es nur komplettes Unvermögen?

Zu den Auto-Trickszenen ist eigentlich alles gesagt. Zu gute halten kann man, dass es auch zwei bis drei stimmungsvolle Nachtaufnahmen mit Kinski in dunklen Gassen oder im von Blitzlicht durchzogenen Haus zu sehen gibt. Da Vohrer nicht anwesend ist, fällt dankenswerterweise dabei kein Skelett von der Decke oder aus dem Schrank. Auch manches Innendekor sieht eigentlcih prächtig aus, nachdem man sich etwas am CCC-Spätsechziger-Holzdekor satt gesehen hat. Die oft monierten Hippie-Parties sind letztlich eine ungezwungenere Annäherung an einen neuen Zeitgeist, als die letzten Barszenen von Vohrer. Die schummrig-versumpfte Atmosphäre hätte in Kontrast zu einer konservativen Londoner Prüderie, für die Kinski mit seinem Getue nicht steht, durchaus seinen Reiz gehabt. Der Effekt, die totgeglaubte Gattin auf einer Drogenparty plötzlich in einem schlüpfrigen Filmchen wiederzuentdecken ist ja schließlich viel größer, wenn man sie zu Lebzeiten als treue Gattin in Erinnerung hat. Da wurden Chancen vertan, die man aber ohnehin nicht weiter genutzt hätte, weil es dazu schon handwerklich an allen Ecken und Enden mangelt.

Die gelobte Musik von Nora Orlandi ist in der Tat ein sehr guter Soundtrack. Allerdings hilft sie dem Film auch nicht weiter und eben so wenig kann ich sie mir zu einem Wallace-Film mit traditionellerem Konzept gut vorstellen. 

Das war gut: Vielleicht am Ende der gute Wille, einen neuen Zeitgeist einfließen zu lassen, der sich aber schon in der Vorproduktion ermüdete
Das war schlecht: Der Film wird seinem eigenen Anspruch letztlich in keiner Weise gerecht
Moment des Films: Wohlwollend könnte man die Szene mit Kinski und dem weißen Jaguar in der verregneten Gasse nennen. Aufgrund der Obskurität entscheide ich mich allerdings für Kinski im Anzug inmitten der Hippie-Party
Moment zum Vergessen: Die Spielzeug-Filmtricks
Krimi-Phrasenschwein: „Irgendetwas gefällt mir nicht an dieser Geschichte!"

Gruß,
Daniel

Baal1985 Offline



Beiträge: 53

21.06.2019 02:49
#138 RE: Wallace der Woche (32): Das Gesicht im Dunkeln (1969) Zitat · Antworten

Nach gut 22 Jahren habe ich mir diesen Film zum zweiten Mal angesehen. Ich konnte dem Film damals nichts abgewinnen und heute noch weniger. Ich frage mich auch warum der Film "Das Gesicht im Dunkeln" heißt. Weiß das jemand?


Drehbuch: Die Geschichte erinnert mich irgendwie an Francis Durbridges "Melissa". Der hat uns auch gezeigt, wie man so eine Handlung richtig umsetzt. Immer nach dem Motto agierend "Jeder lügt." Dort gibt es genug Verdächtige und Wendungen, die zumindest beim ersten Mal überraschen. Charaktere werden zumindest so gut beschrieben, dass Schauspieler sie auch ausfüllen können und zueinander in Beziehung gesetzt.
ALL DAS GIBT ES IN DIESEM FILM WENIG BIS GAR NICHT! Gerade in den ersten 50 Minuten wirkt der Film einfach nur langatmig. Erst dann nimmt er ein wenig Fahrt auf. Erst dann fällt zum Beispiel der Polizei ein, dass der Ehemann ja vom Tod seiner Frau profiteren würde. Erst dann beginnen die Figuren miteinander zu interagieren. Und dann ist der Film auch schon vorbei. Das Ende wirkt wie eine einfallslose Notlösung mit vielen offenen Fragen. Hat eigentlich kein Produzent das Drehbuch vorher gelesen?

Regie: Das Drehbuch hat Ricardo Freda mit Paul Hengge versaut. Und wie bereits erwähnt die Regie auch. Gerade in den 30 Minuten kann man eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Es fehlt wirklich jegliches Gefühl um Spannung aufzubauen. Die wenigen guten Ideen wie der schwarze Schleier im Schrank, der Film oder das wiederholte Abspielen des Schlagers (Durbridge lässt grüßen.) verpuffen völlig wirkungslos. Auch gibt es überhaupt keinen Moment in denen sich die Figuren entfalten können.

Schauspiel: Wenn das Drehbuch keine Charakterzeichnung vornimmt, wie sollen Schauspieler das dann tun? Was Kinski angeht, glaube ich nicht, dass er diese Rolle nicht hätte spielen können. Es wirkt eher so, als hätte man ihm verboten Emotionen zu zeigen. Er wirkt stocksteif und kalt. -wir alle wissen, dass er besser kann. Die katastrophale Nachsynchronisation (Warum hat man die gemacht?) tut ihr Übriges.

Kamera, Aussattung etc.:
Für einen Wallace ist die Beleuchtung gerade am Anfang viel zu hell. Eine gute Kameraführung sucht man vergeblich. Wenn einmal Totalaufnahme oder Ähnliches eingesetzt wird, ergibt sie meist keinen Sinn. Über die fragwürdigen Autounfälle ist ja schon geschrieben worden.

Fazit: Es stimmt fast nichts an diesem Film. Es gibt eine gute Grundidee aber mehr auch nicht. Da gefällt mir selbste Gorilla noch besser, der hat wenigstens einen einheitlichen (trashigen) Stil, der bis zum Ende verfolgt wird.

1/5 Punkte.

Lord Peter Offline




Beiträge: 507

21.06.2019 11:38
#139 RE: Bewertet: "Das Gesicht im Dunkeln" (1969, 29) Zitat · Antworten

Zitat von Baal1985 im Beitrag #138
Die katastrophale Nachsynchronisation (Warum hat man die gemacht?) tut ihr Übriges.


Da außer Kinski, Krüger und Stoll keine deutschsprachigen Akteure dabei waren, hätte der Großteil ohnehin nachvertont werden müssen (anders als etwa bei "Im Banne des Unheimlichen", wo nur Siw Mattson von Renate Küster nachsynchronisiert wurde). Und Kinski hatte auf Nachsynchronisationen grundsätzlich keinen Bock, weshalb meist die Kollegen Gerd Martienzen (wie hier), Werner Uschkurat ("Das Rätsel des silbernen Dreieck") oder Fred Maire (Kinskis Favorit) einsprangen.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.248

10.08.2019 21:31
#140 RE: Wallace der Woche (32): Das Gesicht im Dunkeln (1969) Zitat · Antworten

Der schurkische Nachschuss: Was nützt eine stringente Handlung, wenn sämtliche Charaktere in ihr blass bleiben? Dazu konterkarieren minderwertige Tricks die hochwertigen Kulissen. Ein mehr als zäher Spaß. 2 von 5 Punkten.

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