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Dieses Thema hat 93 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Billyboy03 Offline




Beiträge: 703

05.08.2018 23:07
#91 RE: Der deutsche Kriminalfilm vor 1945 Zitat · antworten

Zitat von Peter im Beitrag #88
Zitat von Jan im Beitrag #87
Zitat von Billyboy03 im Beitrag #86
.... Seite filmhauer.net? ....alte deutschsprachige Filme erwerben, ... Erfahrungen gemacht?......

.... Militaria .... suspekt .... nicht sonderlich seriöser Auftritt.

Ich habe dort im letzten Jahr den spannenden und höchst interessanten Film Nebel (DEFA 1963, Regie: J. Hasler) erstanden, den es in der Tat sonst nirgendwo zu kaufen gibt. Preis, Abwicklung (schneller Download) und Filmqualität (ältere TV-Aufnahme) waren absolut okay. Weiteren Bedarf habe ich nicht. Den ganzen Rest muss jeder für sich entscheiden.....

Ok, Danke. Etwas suspekt wirkt die Seite auch auf mich. Vor allem wegen des fehlenden Impressums und wegen des Verkaufs von Verbotsfilmen.

BillyBoy03

Gubanov Offline




Beiträge: 15.501

23.09.2018 14:30
#92 RE: Der deutsche Kriminalfilm vor 1945 Zitat · antworten




Sensationsprozess Casilla

Kriminalfilm, D 1939. Regie: Eduard von Borsody. Drehbuch: Ernst von Salomon, Eduard von Borsody, Robert Büschgens (Romanvorlage: Hans Possendorf). Mit: Heinrich George (Rechtsanwalt Cäsar J. Vandegrift), Jutta Freybe (Jessie Vandegrift), Albert Hehn (Peter Roland), Dagny Servaes (Sylvia Casilla), Siegfried Schürenberg (Diener James / Jeff Miller / Clarence Stoke), Richard Häußler (Staatsanwalt Adams), Alice Treff (Alma Galliver), Lissy Arna (Inez Brown), Käte Pontow (Binnie Casilla), Hans Mierendorff (Richter Corbett) u.a. Uraufführung: 22. September 1939. Eine Produktion der Ufa-Filmkunst GmbH.

Zitat von Sensationsprozess Casilla
Weil der unter Mordverdacht stehende Peter Roland sein Leben rettet, erklärt sich der Staranwalt Cäsar J. Vandegrift bereit, die Verteidigung im bevorstehenden Prozess zu übernehmen. Die amerikanischen Behörden beschuldigen Roland, die mit ihm befreundete Kinderschauspielerin Binnie Casilla entführt und dabei getötet zu haben. Der Staatsanwalt wähnt sich schon als sicherer Sieger, obwohl er mit Binnies Schwiegermutter, die mit Rolands Verurteilung finanzielle Interessen verfolgt, krumme Geschäfte macht. Wird Vandegrift es schaffen, diese Intrigen zu enttarnen und Roland freizusprechen? Immerhin hat er einen Trumpf im Ärmel: Binnie ist noch am Leben!


Relativ viele Kriminalfilme, die zwischen 1933 und 1945 entstanden, weisen Merkmale von Justiz- oder Gerichtskrimis auf und konzentrieren sich mehr oder weniger ausführlich auf die Zuverlässigkeit und Richtigkeit der deutschen „Recht“-Sprechung. Man nehme „Der Fall Deruga“, „Der dunkle Tag“ oder sogar den Euthanasie-Film „Ich klage an“ als Beispiele für diese Praxis. Ungewohnt, weil eine Umkehrung der genannten Strategie ist das Vorgehen von „Sensationsprozess Casilla“, der als Gerichtsfilm in den USA angesiedelt ist und im Kontrast dazu mit dem Finger auf die angeblichen Unzulänglichkeiten des dortigen justizialen Systems zeigt. Vordergründig wickelt sich eine einigermaßen komplexe Entführungsgeschichte ab, die immer wieder von Winkelzügen der gegeneinander antretenden Anwälte und ihrer Handlanger beeinflusst wird. Während sie innerhalb des Gerichtssaals große Reden schwingen, flirten sie „hinter den Kulissen“ privat mit der Anklägerin, schicken Spitzel, um die Gegenseite auszuhorchen, oder verheimlichen wichtige Beweise zugunsten der eigenen Wahrheitsverdrehung.

Zitat von Ian Garden. The Third Reich’s Celluloid War: Propaganda in Nazi Feature Films, Documentaries and Television. Stroud: The History Press, 2016. S. 113f
The denigration of the American way of life is found both in the negative portrayal of its legal system and in the values and behaviour of its citizens. [...] Any German viewer of the time would clearly have been shocked by this graphic presentation of the adversarial nature of American legal procedure compared to the more measured and inquisitorial style of the German system. The courtroom appears more like a theatre, with the key participants performing as actors on a stage and whose actions are applauded or jeered by the watching public. The fact that the proceedings are being transmitted live, and that journalists can constantly intervene to take photographs, clearly suggests that it is sensationalism rather than justice which will be the winner.


Bei aller Bissigkeit gegenüber den Amerikanern erweist sich der Fall letztlich als deutlich harmloser als gedacht und auch die Auflösung gestaltet sich nicht so niederschlagend, wie man sich hätte vorstellen können. Kurz vor Ende des Films sieht es so aus, als könne der von Anfang an siegessichere Staranwalt Vandegrift doch nicht mehr die Unschuld seines Mandanten beweisen. Wäre man diesem Weg in ein Fehlurteil – womöglich sogar mit der Hinrichtung eines unschuldigen Deutschen auf dem elektrischen Stuhl – gefolgt, hätte man zwar auf eine freundliche Schlusssequenz verzichten müssen, zugleich aber hätte man dem despektierlichen Tenor des Hauptteils sozusagen „die Krone aufsetzen“ und sich in eine Märtyrerrolle flüchten können.

Wie in so vielen Filmen mit eindeutigem Propagandagehalt übernimmt Heinrich George die Hauptrolle. Sein Anwalt Vandegrift ist ein hinterlistiger, letztlich jedoch gutmütiger Bursche, der unumwunden zugibt, dass er kein Problem damit hat, für eine beträchtliche Geldsumme der Unwahrheit zum Triumph vor Gericht zu verhelfen. Dass er Peter Roland ohne größere finanzielle Aufwendungen verteidigt, ist ein purer Zufall, der in einer spannenden, wenngleich etwas unrealistischen ersten Filmszene begründet wird. Als Peter Roland hinterlässt Albert Hehn einen etwas trockenen Eindruck; gleichwohl hat er nicht wirklich viel zu tun, außer anfangs möglichst schurkisch zu wirken, dann schnell alles aufzuklären und im dritten Viertel des Streifens eine große Ansprache an die Menschlichkeit zu richten. Interessanter fallen die Rollen von Dagny Servaes als intriganter Mutter des entführten Kindes, Richard Häußler als überambitioniertem Staatsanwalt und Siegfried Schürenberg als sehr unstandesgemäßem Diener aus, der als Schnüffler auf eine verdeckte Mission geschickt wird und dabei gegenüber einer altjüngferlichen Alice Treff seinen giftigen Charme spielen lässt.

Vielleicht nicht die optimale Wahl für einen solchen Gerichtsfilm war der sonst eher auf abenteuerlastige Stoffe spezialisierte Eduard von Borsody, der in der Figurenzeichnung nicht immer das richtige Maß findet, sodass sich stellenweise eine arg platte Komik in den Film einschleicht. Insbesondere die Rolle der Zeugin Inez Brown (Lissy Arna als falschaussagende Afroamerikanerin) hat einen klamaukigen Beigeschmack, der das Gesamtbild stört und die beabsichtigte verleumderische Wirkung allzu deutlich macht. Auch die Szene, in der neugierige Touristen bei einer überteuerten Sensationsführung Fotos vom Tatort machen, der mit allerlei beschrifteten Pfeilen wie „Murderer’s Spot“ oder „Murderer’s Route“ versehen ist, erweckt einen plumpen Eindruck. Gleichwohl ist von Borsody ein Garant für hohes Tempo, was auch auf „Sensationsprozess Casilla“ ohne Abstriche zutrifft.

Wer einen ernstzunehmenden Gerichtskrimi sehen möchte, sollte lieber zu anderen Filmen greifen. „Sensationsprozess Casilla“ ist hauptsächlich wegen seiner anti-amerikanischen Einsprengsel interessant und versammelt außerdem talentierte Darsteller vor der Kamera, die aus ihren gezwungenermaßen einseitigen Rollen das Bestmögliche herausholen. Knappe 4 von 5 Punkten.

Ruud Peters Offline



Beiträge: 1

19.10.2018 10:58
#93 RE: Der deutsche Kriminalfilm vor 1945 Zitat · antworten

Margarete war seine Frau.
Ursula Breisig seine Freundin.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.501

19.10.2018 21:38
#94 RE: Der deutsche Kriminalfilm vor 1945 Zitat · antworten

Du beziehst dich offenbar auf den Grabbericht über Erich Fiedler auf Seite 5. Danke für die Hintergrundinformation - es ist interessant, dass Fiedler zunächst eine 20 Jahre ältere Frau hatte, die dann 28 Jahre vor ihm starb, und dass seine (ich vermute: anschließende) Freundin / Lebensgefährtin ebenfalls wie er im Grab der Ehefrau mitbestattet wurde.

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