Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 426 Antworten
und wurde 26.974 mal aufgerufen
 Edgar-Wallace-Forum
Seiten 1 | ... 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29
Mr. Igle Offline




Beiträge: 68

29.05.2015 20:31
#376 RE: Romane Zitat · antworten

Zitat von Mamba91 im Beitrag #372
Mr. Igle, stell doch bitte noch mehr Wallace-Romane vor, gerne auch die Unbekannteren. Die Besprechungen lesen sich sehr gut! Nachdem ich lange keinen Roman von Edgar Wallace gelesen habe, ist das Interesse wieder geweckt.

Das freut mich! Gerne werde ich mir als nächsten Roman wieder einen der eher unbekannteren Titel vornehmen.
Ich habe da auch schon einen bestimmten Kandidaten im Auge.
Zitat von Count Villain im Beitrag #375
Für überraschende war Wallace ja eigentlich auch nie wirklich bekannt.

Das stimmt zwar, aber gerade bei einem Roman wie Gucumatz hätte man mit ein paar Änderungen bzw. etwas mehr Raffinesse es zu einer großen Überraschung kommen lassen können. Viele andere Wallace-Bücher sind ja von vorneherein gar nicht erst als Whodunit konzipiert.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

patrick Offline




Beiträge: 2.763

30.05.2015 00:24
#377 RE: Romane Zitat · antworten

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #371

Dem immer verworreneren Rätsel rund um die gefiederte Schlange auf die Spur zu kommen, bereitet dem Leser sichtlich Freude. Zumal ich schon immer von altertümlichen Götterwelten, Flüchen und dem Übernatürlichen fasziniert war. Aber auch den Leser, der dem Bizarren und Transzendentalen nicht zugeneigt ist, dürften die mysteriösen Ereignisse des Romans mit Sicherheit in seinen Bann ziehen.



Genau das ist es, was auch mich immer fasziniert hat. Du machst mir einmal mehr den Mund wässrig. Das liest sich für mich wie ein Thema, das sich besonders gut für eine Verfilmung geeignet hätte.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.837

30.05.2015 10:00
#378 RE: Romane Zitat · antworten

Zunächst liest sich das erstmal wie ein Roman, den ich unbedingt bald lesen sollte.

Aber erst mal liegt da noch "Der leuchtende Schlüssel" seit Monaten ungelesen bei mir herum. Da muss ich mich auch endlich ransetzen.

-----

Ein Toter im Beichtstuhl und Bibelverse, die weitere Morde androhen ...

Lady Bedfort und der Racheengel - seit 24.10. im Handel

Mr. Igle Offline




Beiträge: 68

30.05.2015 12:35
#379 RE: Romane Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #378
Aber erst mal liegt da noch "Der leuchtende Schlüssel" seit Monaten ungelesen bei mir herum. Da muss ich mich auch endlich ransetzen.

Da würde ich mich über eine Rückmeldung von dir sehr freuen, da ich diesen Roman weder kenne, noch er bisher den Weg in mein Bücherregal gefunden hat.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.275

30.05.2015 15:10
#380 RE: Romane Zitat · antworten

Was haltet Ihr eigentlich von den "amüsanten" Romanen wie z.B. Lord wider Willen oder Verdammte Konkurrenz? Von den Krimis finde ich auch noch DER UNHOLD (aka DER NEGER JUMA) sehr spannend.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 68

15.09.2015 16:36
#381 RE: Romane Zitat · antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #380
Was haltet Ihr eigentlich von den "amüsanten" Romanen wie z.B. Lord wider Willen oder Verdammte Konkurrenz? Von den Krimis finde ich auch noch DER UNHOLD (aka DER NEGER JUMA) sehr spannend.

Auch wenn die Antwort verspätet kommt: Die Komödien bzw. Gesellschaftsromane von Edgar Wallace kenne ich praktisch überhaupt nicht. Von dem Roman Ganz Europa zum Trotz, der wohl auch in diese Reihe gehört, habe ich von anderen Lesern aber bisher wenig schmeichelhaftes gehört. Trotzdem möchte ich diese Romane beizeiten auch einmal lesen, ebenso wie die Afrika-Geschichten und anderen Werke (z. B. Planetoid 127).

Da ich bereits wieder in der Wallace-Lektüre drin stecke, werden auch meine Romanbesprechungen an dieser Stelle bald ihre Fortsetzung finden.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Mr. Igle Offline




Beiträge: 68

21.09.2015 19:13
#382 RE: Romane Zitat · antworten

A. S. DER UNSICHTBARE, Original: The Valley of Ghosts, 1922, dt. Übersetzung A. S. der Unsichtbare von Jürgen Abel für den Scherz Verlag, 1. Auflage 1983.

Inhalt:

Ermittler Andrew McLeod kommt in das verschlafene Örtchen Beverly Green, um den dort untergetauchten Kleinganoven Scottie festzunehmen. Kurz vor seinem Abtransport macht der erfahrene Langfinger merkwürdige Andeutungen über bevorstehendes Unheil. Manch einer hätte die Hinweise des Verbrechers als plumpes Geschwätz abgetan, aber McLeod kennt Scottie zu lange, um eine solche Warnung auf die leichte Schulter zu nehmen. Auch er selbst verspürt rasch ein Klima der diffusen Bedrohung in Beverly Green. Dabei bekommt es der hartgesottene Polizeiarzt ansonsten nicht so schnell mit der Angst zutun. Aber McLeod wittert eine tödliche Gefahr und quartiert sich mehrere Tage vor Ort ein. Verdächtige gibt es mehr als genug: Boyd Salter verlässt wegen einer mysteriösen Krankheit nie das Haus. Darius Merrivan, der Mäzen der Siedlung, hat viele Geheimnisse. Sein Neffe Arthur Wilmot ist nicht minder verschwiegen, weis doch keiner der Einwohner welcher Tätigkeit der umtriebige Junggeselle in Wahrheit nachgeht. Ferner wecken der dubiose Sweeny, der verschrobene Maler Kenneth Nelson und seine verschlagene Tochter Stella das Misstrauen McLeods. Und dann gibt es da noch den mysteriösen Abraham Selim, den bisher nie ein Mensch gesehen hat, aber nahezu jeder fürchtet. Wer in die Fänge von "A. S. dem Unsichtbaren" gerät, den richtet er mit Erpressung und Grausamkeit zugrunde. Und tatsächlich braucht McLeod nicht lange zu warten. Eines Nachts wird Merrivan brutal ermordet. Dem Ermittler stellen sich mehrere Fragen: Wer hatte den steinreichen Wohltäter noch spät am Abend besucht, wer versteckt sich hinter den Initialen A. S. und wieso trug der Ermordete grobschlächtige, lehmverkrustete Stiefel? McLeod kommt kaum zum Nachdenken, denn alsbald meldet man ihm die Entdeckung einer weiteren Leiche…

Besprechung:

Auf diesen Roman war ich besonders gespannt, da er von den Wallace-Lesern so konsequent gegensätzlich bewertet wird, wie kaum ein anderes Werk des Autors. Die Einschätzungen schwanken von "schlecht" bis "sehr gut". Nach der Lektüre des Romans kann ich diese unterschiedlichen Meinungen sehr gut nachvollziehen, bietet das Werk doch viele Aspekte, die man sowohl positiv, als auch negativ werten kann. Ich persönlich war etwas irritiert, dass der Aspekt des Transzendentalen, den der Originaltitel ja bewusst impliziert, erst sehr spät im Roman und dann auch nur recht beiläufig eine Rolle spielt. Wie nicht selten bei Edgar Wallace fügen sich am Ende alle Hinweise und Spuren sehr glaubhaft und mit detaillierter Raffinesse zu einem großen Ganzen zusammen. Das Problem liegt meines Erachtens in der Verworrenheit des Stoffes. Er wird im ersten Drittel von einer starken Spannung getragen, die jedoch bis zum Ende hin immer mehr abflacht. Einige Nebenaspekte der Geschichte ziehen sich in ihrer Schilderung sichtlich dahin und bremsen somit den Storyfluss. Außerdem gibt es einige Brüche in der Handlung. Kurzum: Die vielen durchaus interessanten Fragen und Rätsel halten den Leser in den zwei folgenden Dritteln des Buchs nur leidlich bei der Stange, da bis zur Auflösung kaum mehr etwas Nervenaufreibendes geschieht.

Auch die Lösung bietet letztlich keine große Aktion oder Spannung. Sie kommt bei gewissen Aspekten zwar überraschend daher, kann aber in einem zentralen Punkt den Leser auch nachhaltig verprellen. Und das ist wohl auch der Grund, weshalb manche Rezensenten der Geschichte eher wenig abgewinnen können. Dennoch ist der Roman in den Details durchaus überzeugend und besonders das Rätsel um den mysteriösen und unheimlichen Abraham Selim und die merkwürdigen Geheimnisse der Vergangenheit wissen zu gefallen. Die vielseitigen Figuren tun ihr Übriges dazu. Ich persönlich würde den Roman, was die Qualität im Gesamtwerk angeht, irgendwo in der Mitte platzieren. Es ist weder ein schwaches, noch ein überdurschnittlich gelungenes Buch. Gepflegter Wallace-Standard; das trifft es wohl am besten.

Die Charaktere dieses Werks fallen insgesamt individueller als gewöhnlich bei Wallace aus. Die beiden Hauptfiguren Andrew McLeod und Stella Nelson sind sehr plastisch und vielseitig beschrieben. Die obligatorische Liebesgeschichte darf natürlich nicht fehlen, aber sie hält sich angenehm dezent im Hintergrund, ohne den Fall zu sehr zu beeinflussen. McLeod ist als Polizeiarzt nicht nur vom Berufsstand, sondern auch von der Personenzeichnung her eine gute Abwechslung von den sonstigen Inspektor-, Detektiv-, Anwalts- und Reporter-Typen. Die weibliche Hauptfigur Stella Nelson ist insgesamt auch eine Bereicherung. In der Summe ist sie zwar keine starke Frau, hebt sich aber doch sichtlich von so manchen naiven Erbinnen und Töchterchen aus anderen Werken ab. Aufgrund der Vorgeschichte geht sie auch ihre eigenen Wege und hat teilweise ihre ganz eigenen Kämpfe auszutragen. Die Verdächtigen sind auch sehr schön beschrieben, wobei man einige kleinere Charaktere noch hätte aufwerten können, um den Verdächtigenkreis zusätzlich zu verstärken. Die Nebenfiguren des Sensationsreporters Downer und des Kleinganoven Scottie sind dem Altmeister besonders gut gelungen.

Fazit:

Der Roman gehört zu den eher unbekannteren Büchern von Wallace und dass keineswegs zu unrecht. Es ist kein großer Wallace-Roman und für einen echten Geheimtipp sind die Schwachpunkte des Werks doch einen Tick zu deutlich ausgeprägt. Dennoch kann A. S. der Unsichtbare mit verworrenen Ereignissen, unheimlichen Vorgängen und der rätselumwobenen Titelfigur eine gute Spannung erzeugen. Unterm Strich ein ordentlicher Wallace-Roman, der in der zweiten Hälfte jedoch fast durchweg Geradlinigkeit und Thrill vermissen lässt.

Meine Wertung: GUTER DURSCHNITT

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Mr. Igle Offline




Beiträge: 68

24.09.2015 14:21
#383 RE: Romane Zitat · antworten

DIE SCHULD DES ANDEREN, Original: A Debt Discharged, 1916, dt. Übersetzung Die Schuld des anderen von Edith Walter für den Scherz Verlag, 1. Auflage 1989.

Inhalt:

Durch den mysteriösen Cercle de Crime gelangten vor etlichen Jahren gefälschte Banknoten in Paris in Umlauf. Damals gerieten die Amerikaner Willetts und Bell in Verdacht, verließen Frankreich aber schnell genug, um einer möglichen Strafe zu entgehen. Polizeichef Trebolino ließ den Cercle de Crime daraufhin auflösen. Wenige Jahre später wird Trebolino im Dienst erschossen und sein Nachfolger entdeckt in dessen Schreibtisch den gefälschten Geldschein, der den Skandal um den "Klub des Verbrechens" einst auslöste. Der neue Polizeichef schickt das Beweisstück nach England. Wentworth Gold arbeitet im Auftrag der amerikanischen Regierung mit Scotland Yard zusammen, um einem transatlantischen Fälscherring gigantischen Ausmaßes das Handwerk zu legen. In London tauchen alsbald Blüten verschiedenster Währungen auf. Nach der Nachricht aus Frankreich, ist Gold alarmiert, weilt doch der steinreiche, aber verschwiegene Amerikaner Comstock Bell in London. Und ein gewisser Willetts hat ein Büro in der City angemietet, dass dieser jedoch praktisch nie nutzt. Auch sonst bleibt der Mann weitgehend unsichtbar. Aber noch mehr bereitet dem Ermittler Kopfzerbrechen: Sein Landsmann Cornelius Helder ist alles andere als ein Gentleman, möchte jedoch Zugang zu höchsten Kreisen erhalten. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Was weis er? Und welches Wissen bindet die unterschiedlichen Frauen Mrs. Granger Collack und Verity Maple an den undurchsichtigen Comstock Bell? Und dann verschwindet der Banknotenspezialist Tom Maple auch noch spurlos. Gold ist nicht überrascht, als bald darauf Blüten von nie gekannter Qualität in London auftauchen…

Besprechung:

Der Roman entstammt dem Frühwerk und zählt wohl zu den unbekanntesten Büchern von Edgar Wallace. Es ist ein sehr unaufgeregter Roman: Es gibt weder unheimliche Maskenmänner oder große Kriminelle, noch einen spektakulären Mord. Die beiden Dreh- und Angelpunkte der Handlung sind die Jagd nach der Fälscherbande und die Sühne eines lange zurückliegenden Verbrechens. Auch wenn Wallace diverse Rätsel streut und falsche Fährten legt: Der Leser durchschaut die meisten Geheimnisse doch recht schnell, weshalb es sich umso drastischer auswirkt, dass Spannungsmomente absolute Mangelware sind. Die Story ist zäh und schleppt sich sichtlich dahin. Allerspätestens nach der Hälfte des Buchs sind die Rollen klar verteilt, aber Wallace lässt trotzdem von seinem schwerfälligen Erzählrhythmus nicht ab und flickt lediglich gegen Ende einen halbherzigen Thrill-Moment ein, der jedoch fast so schnell wieder vorbei ist, wie er begann.

Das ist unterm Strich besonders schade, da dass Fälscherthema durch aus reizbar ist und die Verbindungen der einzelnen Figuren untereinander enger nicht sein könnten. Leider beschränkt sich die Interaktion der Charaktere über weite Strecken nur darauf zu reden, zu reden und zu reden. Zwar sind starke Rededuelle eigentlich eine Stärke von Wallace` Schreibstil, aber selten nehmen sie sich so lahm und gedehnt behäbig aus, wie in diesem Falle. Allein ein halbes Dutzend mal droht Gold dem Hauptverdächtigen, dass er ihn fassen würde, worauf der Andere nur zurückblafft, dass der Ermittler ja keine Beweise habe. Aber anstatt endlich welche zu finden, beschränkt sich Gold fast ausschließlich darauf den Delinquenten immer wieder mit denselben Vorwürfen zu konfrontieren, bis ihm schließlich Gevatter Zufall gleich mehrfach zu Hilfe eilt. Auch wenn ich um die Eigenheiten und Unwahrscheinlichkeiten des wallaceschen Kosmos weis: Einem so blassen, ineffizienten Ermittler bin ich in seinem Dunstkreis selten begegnet. Insgesamt ein Roman mit sehr guten Anlagen, aber doch sehr schwacher Ausarbeitung.

Die einzelnen Personen des Buchs würde ich sehr unterschiedlich bewerten: Während Wentworth Gold und Cornelius Helder zu den schwächsten Figuren ihres jeweiligen Rollentypus gehören, machen die restlichen Haupt- und Nebencharaktere einen besseren Eindruck. Verity Maple ist insgesamt ein runde Persönlichkeit mit Mut und Eigensinn, auch wenn Wallace sich in entscheidenden Situationen dann doch wieder darauf beschränkt, sie als Jungfrau in Nöten zu inszenieren. Über ihre endgültige Fügung kann der aufgeklärte Leser gewiss auch geteilter Meinung sein. Mrs. Granger Collack ist dagegen ein guter, teils über den Dingen stehender Nebencharakter. Tom Maple ist ein typischer Verwandter der weiblichen Hauptfigur mit düsterem Geheimnis, das sich dem aufmerksamen Leser jedoch schnell erschließt. Bleibt der ominöse Comstock Bell, der wohl die gelungenste Person des ganzen Ensembles ist. Eine schwer durchschaubare, widersprüchliche Figur bis zum Schluss. Fast genauso verworren und widersprüchlich wie der gesamte Roman.

Fazit:

Ein eher schwaches Werk aus dem frühen Schaffen des Autors. Fälscherkriminalität, verborgene Geheimnisse und alte Rechnungen bieten Wallace sonst eigentlich genug Stoff für eine spannende Erzählung. Bei diesem Roman nutzt er diese Elemente aber so nachlässig und ineffizient wie selten. Dem Buch fehlt es an Tempo, Thrill und Zielgerichtetheit. Auf der Habenseite stehen immerhin das atmosphärische Szenario, einige gute Figuren und ein halbwegs versöhnliches Ende. Alles in allem jedoch ein Kandidat für die hinteren Ränge.

Meine Wertung: UNTERDURSCHNITTLICH

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Mr. Igle Offline




Beiträge: 68

29.09.2015 18:44
#384 RE: Romane Zitat · antworten

DIE GEBOGENE KERZE, Original: The Clue of the twisted Candle, 1918, dt. Übersetzung Die gebogene Kerze von Gisela Stege für den Scherz Verlag, 2. Auflage 1985.

Inhalt:

Der berühmte Kriminalautor John Lexman ist ein guter Freund von Chefinspektor T. X. Meredith. So kann der Scotland Yard-Mann dem befreundeten Schriftsteller hin und wieder gute Hinweise und Anregungen für dessen Romane liefern. Doch Meredith ahnt nicht, dass sein Freund in argen Schwierigkeiten steckt. John Lexman hat Schulden bei dem gierigen griechischen Geldverleiher Vassalaro. Dessen Landsmann Remington Kara rät Lexman, sich von dem windigen Halsabschneider nicht bedrohen zu lassen, sondern diesem stattdessen die Stirn zu bieten. Mit fatalen Folgen: Noch am selben Abend erhält T. X. Meredith ein Anruf von seinem Freund. Lexman gesteht den Griechen erschossen zu haben. Meredith kann das nicht glauben, aber alle Beweise sprechen gegen Lexman und dieser wird verurteilt. Meredith aber bleibt unermüdlich und ermittelt weiter. Besonders die Rolle von Remington Kara erscheint dem Chefinspektor dubios, weis er doch um den immensen Einfluss und den schlechten Ruf dieses halbseidenen Lebemannes. Auch Johns verunsicherte Ehefrau Grace kennt Kara von früher und es sind nicht die besten Erinnerungen. Sie fürchtet um das Leben ihres Mannes. Da berichtet man Meredith, dass John Lexman aus dem Zuchthaus geflohen sei. Die Umstände erscheinen dem Kriminalbeamten reichlich mysteriös. Als am selben Tag auch noch Grace Lexman und Remington Kara spurlos verschwinden, ist T. X. alarmiert, aber ihm sind die Hände gebunden. Zwei Jahre später bringt ein brutaler Mord wieder Bewegung in den Fall und eine gebogene Kerze hilft dem Ermittler die Rätsel der Vergangenheit zu lüften…

Besprechung:

Wieder einmal ein frühes Werk aus der Feder von Edgar Wallace. Der Roman ist allerdings von der Struktur her sichtlich ausgereifter als etwa das rund zwei Jahre zuvor publizierte Buch Die Schuld des Anderen. Es geht um Intrigen, einen gefährlichen Schurken, ein rätselhaftes Verschwinden und einen spektakulären Mord, dessen "unmöglicher" Tathergang die Polizei vor Rätsel stellt. Das Werk hat den Vorteil keinen allzu großen Umfang zu besitzen, wodurch sich die Schilderung über weite Strecken erfreulicherweise auf das Wesentliche beschränkt. Besonders auf den ersten 100 Seiten hat der Roman dadurch einen gutes, zugkräftiges Tempo. Danach wird es leider ein wenig gediegener und Wallace jongliert mit einer recht willkürlich eingestreuten und eher überflüssigen Liebesgeschichte, die den Handlungsverlauf leider ausbremst. Auf den letzten Seiten wird es aber noch spannend, wenn endlich alle Fragen gelöst werden und es zudem für alle Beteiligten noch zu einer handfesten Überraschung kommt.

Die Handlung ist durch einen Zeitsprung von zwei Jahren gewissermaßen zweigeteilt, bleibt aber dennoch sehr linear. Es gibt keine großen Winkelzüge, falsche Fährten oder viele Verdächtige, da der Leser die meisten Personen schnell klar zuordnen kann. Im Wesentlichen spielt sich die Handlung zwischen sechs zentralen Personen ab: T. X. Meredith, John Lexman, Grace Lexman, Remington Kara und den zwei Jahre später hinzustoßenden Geheimnisträgern Miss Holland und George Gathercole. Den Leser beschäftigen vor allem zwei Fragen: Wo befinden sich die Eheleute Lexman und was ist das Geheimnis der gebogenen Kerze? Vielleicht hätte Wallace hier und da noch etwas mehr Verwirrung stiften und den einen oder anderen Nebencharakter verdächtiger machen können. So ist die Geschichte zwar durchaus gelungen und wird in den Details auch sehr geschickt aufgelöst, ist aber zugleich in diversen Punkten auch sehr schnell durchschaubar. Alles in allem ein guter Wallace-Roman, dem es vielleicht ein wenig an Besonderheit und Spektakel fehlt.

Die Figuren des Werks gehören weitgehend zum Wallace-Standardpersonal. T. X. Meredith ist einer von den typischen scharfsinnigen Junggesellen, die man bei Scotland Yard so häufig antrifft. John Lexman ist ein typischer Vertreter der Kategorie "Unschuldig Verfolgter". Bei den Frauen sieht es ähnlich aus. Während Grace Lexman als brave Ehefrau daherkommt, gehört die resolute Miss Holland zu den jungen, aber dickköpfig-verschwiegenen Damen aus dem Wallace-Kosmos. Die Nebenfiguren fallen dagegen nicht so gar stereotyp aus, auch wenn Wallace hier munter allerlei schräge Vorurteile gegenüber dem Balkan und dem Orient ausbreitet. So könnten Remington Kara und Hussein Effendi gewiss auch in gleicher Charakterzeichnung bei Karl May vorkommen. Ersterer ist zudem eine vortrefflich hinterhältige Figur, die auch jedem Karl May-Roman als Schurke zur Ehre gereicht hätte. Interessant sind zudem die Nebenfiguren Vassalaro, Fisher, Mansus und George Gathercole. Aus dem Charakter Fisher hätte man gewiss noch mehr herausholen können. Das wäre der Handlung sicherlich zugute gekommen.

Fazit:

Ein durchaus gelungener, wenn auch unspektakulärer Roman. Harmonisch geschlossen und logisch, dafür aber in vielem sehr vorhersehbar. Manche Sachverhalte hätten sich für eine stärkere Undurchsichtigkeit und Mystifizierung geradezu angeboten. Dennoch sorgen finstere Machenschaften, ein unschuldig Verurteilter und ein unfassbares Verbrechen für ordentliche Spannung. Das Buch ist über weite Strecken klar und temporeich geschrieben. Unterm Strich würde ich Die gebogene Kerze im Gesamtwerk irgendwo in der breiten bis gehobenen Mitte platzieren.

Meine Wertung: GUTER DURSCHNITT

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Mr. Igle Offline




Beiträge: 68

05.10.2015 14:44
#385 RE: Romane Zitat · antworten

RICHTER MAXELLS VERBRECHEN, Original: Mr. Justice Maxell, 1922, dt. Übersetzung Richter Maxells Verbrechen von Hardo Wichmann für den Scherz Verlag, 1. Auflage 1987.

Inhalt:

In Tanger wollen die ungleichen Freunde Alfred Cartwright und John Maxell Land erwerben, um eine große Goldader auszuheben. Cartwright ist ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann, der jeden Kniff nutzt, um ans Ziel zu gelangen. Der biedere Anwalt Maxell ist hingegen aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Cartwright macht die Bekanntschaft der jungen Sadie O`Grady und befreit sie aus einer misslichen Lage. Trotz ihrer charakterlichen Unterschiede sind sich die beiden Junggesellen Cartwright und Maxell enorm sympathisch. Doch ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt: Zurück in London wird Maxell zum Richter ernannt und muss alle gesellschaftlichen und geschäftlichen Beziehungen zu Cartwright kappen. Dieser ist alles andere als begeistert, steckt er doch mittlerweile in argen Schwierigkeiten und könnte seinen Freund nun gut gebrauchen. Doch Cartwright denkt positiv und glaubt, dass er sich wie schon so oft heil aus seinen dubiosen Finanzspekulationen herauswinden kann. Aber er irrt sich. Man erhebt Anklage gegen ihn und dieses Mal sind die Beweise erdrückend. Und ausgerechnet John Maxell ist der vorsitzende Richter, der den aschfahlen Cartwright als Exempel zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt. Cartwright schwört Rache. Maxell scheidet bald darauf aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt und wird geadelt. Neun Jahre später macht Thomas Anderson die Bekanntschaft der jungen Mary Maxell, der Nichte von Sir John Maxell. Eines Nachts geschieht im Haus des Richters ein brutales Verbrechen: Der Safe Maxells ist ausgeräumt und der Richter und seine Gattin sind verschwunden. Aber das viele Blut im Arbeitszimmer lässt keinen Zweifel an ihrem Schicksal…

Besprechung:

Der Roman unterscheidet sich von den meisten anderen Kriminalromanen von Edgar Wallace durch seine starke Fokussierung auf Geschäftsbeziehungen und Glücksspiel und seine reizvollen Schauplatzwechsel (Tanger, Paris, London, Paris/Südfrankreich, Monte Carlo). Es dauert lange bis die Geschehnisse so richtig ins Rollen kommen. Das fällt allerdings kaum ins Gewicht, da Wallace` plastische Schilderung von Orten, Beziehungen und Charakteren so flott gerät, dass den Leser die häufige Abwesenheit von Spannung und Nervenkitzel kaum stört. Hier fällt das fehlende Tempo nicht so sehr ins Gewicht, da die Geschichte von Anfang an so facettenreich und fesselnd ausfällt (und bis zum Ende bleibt), dass der geneigte Leser dafür erzählerische Gemächlichkeit gerne in Kauf nimmt. Spätestens mit den Vorgängen im Hause Maxell und jener verhängnisvollen Nacht nimmt die Handlung aber reichlich Fahrt auf und wird bis zum Finale von einer guten, wohldozierten Spannung getragen.

Auch dieser Roman ist durch einen Zeitsprung in zwei Hälften geteilt. Stehen im ersten Teil vor allem Alfred Cartwright und John Maxell im Vordergrund, so sind es im zweiten Teil die jungen Liebenden Thomas Anderson und Mary Maxell, während die meisten Nebenfiguren in beiden Zeitebenen eine Rolle spielen. Als Leser stellt man sich vor allem folgende Fragen: Wann werden die früheren Freunde und heutigen Feinde Cartwright und Maxell aufeinandertreffen? Was geschah im Arbeitszimmer des Richters? Welche Rolle spielt die Irin Sadie O`Grady? Und welcher mysteriöser Hintermann verfolgt Thomas Anderson? Auch wenn viele Rätsel schnell zu lösen sind, reißt auch hier die lebhafte Schilderung der Schiffsreise und des Casinos vieles heraus. Es ist eines der atmosphärischsten und, wegen der Handlungsorte, eines der exotischsten Bücher des Altmeisters. Zwar kein Meisterwerk, aber ein rundherum gelungener Roman.

So vielseitig wie die Handlung fällt auch das Figurenensemble aus. Thomas Anderson hat mit den sonstigen Wallace-Helden eigentlich nur seinen guten Charakter gemein, ist ansonsten aber ein frische, teils unverfrorene Person. Dagegen ist Mary Maxell leider etwas lahm geraten. Eine übliche Wallace-Heroine ohne große Besonderheiten oder individuelle Charakterzüge. Sadie O`Grady macht dagegen im Verlauf der Handlung eine interessante und sehr anschaulich beschriebene Wandlung durch und bleibt dadurch ein wunderbar ambivalenter Charakter. Alfred Cartwright und Sir John Maxell sind sehr gegensätzliche Typen und werden von Wallace äußerst detailreich und individuell gezeichnet. Selten bekommen Nebenfiguren vom King of Crime so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Bei den sonstigen Nebencharakteren fallen besonders die spleenige Mrs. Renfrew, José Ferreira, Chelwyn, Brown, Don Brigot und die mysteriöse Madame Serpilot ins Auge.

Fazit:

Ein äußerst gelungener Wallace-Roman, den nur wenig von einer Spitzenposition trennt. Spannende Milieuschilderungen, vielseitige Schauplätze und reizvolle Charaktere lassen den Leser oft vergessen, dass der Thrill nur ein seltener Wegbegleiter ist. In den entscheidenden Momenten blitzt er jedoch auf, und diverse Rätsel sowie ein starker atmosphärischer Biss sorgen bis zum Ende für Lesefreude. Insgesamt ein Werk, dass man guten Gewissens zu den gelungensten Wallace-Büchern zählen darf, wenngleich des den allerbesten Werken es Altmeisters sicherlich nicht den Rang ablaufen kann.

Meine Wertung: SEHR GUT

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Georg Offline




Beiträge: 2.773

26.10.2015 11:11
#386 RE: Romane Zitat · antworten

Nach langer Zeit habe ich wieder mal einen Roman gelesen (in meiner Jugend hatte ich über 2, 3 Jahre nichts außer Wallace gelesen). Und was für einen! Die unheimlichen Briefe standen seit 25 Jahren im Regal. Ungelesen. Welch ein Fehler!
Es handelt sich dabei in meinen Augen nämlich um einen der besten Romane des Autors, ein sehr guter Whodunit, der Spannung von der ersten Seite bietet. Das ist gar nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass das Gros des Wallace-Oeuvres erst nach 60, 70 Seiten zum Mord kommt und es bei der Vielzahl an Werken wirklich nur eine Handvoll herausragender Bücher gibt.
Die unheimlichen Briefe hat einen großen Unbekannten namens Kupie, dessen Identität niemand kennt (und wer sie kennt, stirbt) und endet bei jedem Absatz, bei jedem Kapitel mit einem starken Cliffhanger.
Francis Durbridges großes Vorbild war bekanntlich Edgar Wallace. Mich würde es arg wundern, wenn er bei der Konstruktion so mancher Geschichte/ so manchen Bestandteils davon nicht an Die unheimlichen Briefe (wenig reißerischer Originaltitel: The Missing Million) dachte.

Der gleichnamige Rialto-TV-Film dürfte übrigens recht wenig mit dem Buch zu tun haben. Werde ihn demnächst nochmals sichten (meine Erinnerungen daran sind allzu schwach).

P.S.: Angesichts des Titels unseres Forums halte ich es mittlerweile für etwas beschämend, dass die eigentliche Grundlage für alles - die Romane von Edgar Wallace - höchst stiefmütterlich in einem einzigen (!!!!) unübersehbaren Thread abgehandelt werden, während für alles andere, das im entferntesten Sinne gar nichts mit Wallace zu tun hat, eigene Threads bekommt, überspitzt formuliert bis hin zum Catering-Unternehmer bei einem der Wallace-Filme.

Mr. Wooler Offline




Beiträge: 417

27.10.2015 09:07
#387 RE: Romane Zitat · antworten

Danke an Georg für seine Einschätzung zu dem Roman, den ich beizeiten auch gerne mal lesen werde. Mir geht es wie ihm: Das Buch steht seit vielen Jahren schon ungelesen im Regal.
Ja, es ist in der Tat ein wenig schade, dass den Romanen hier im Forum relativ wenig Bedeutung beigemessen wird. Aber ich denke, es liegt einfach daran, dass die meisten von uns den Namen EDGAR WALLACE eben vorrangig mit den Rialto-Verfilmungen verbinden und nur die wenigsten von uns mal ein Buch des Altmeisters in die Hand genommen haben. Woran liegt das? Sollte man bei der Begeisterung für die Filme nicht meinen, dass diese auch zum Lesen der Romane anregen? Ich kann nachvollziehen, dass man bei dem Versuch leicht irritiert werden kann, nämlich dann, wenn man feststellt, dass z. B. die Verfilmung von "Das indische Tuch" rein gar nichts mit dem Original-Roman zu tun hat, bzw. umgekehrt. Zudem, das muss man leider zugeben, gehören die Wallace-Romane einer längst vergangenen Epoche an, auf die sich heutzutage nicht jeder so ohne weiteres einlassen mag. Dennoch, so meine ich, gibt es in vielen Wallace-Romanen Lohnenswertes zu entdecken. Nicht jeder Roman ist ein Highlight, aber viele wissen auch heute noch gut zu unterhalten. Daher bin ich froh über jeden neuen Beitrag in diesem Thread.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.783

27.10.2015 10:40
#388 RE: Romane Zitat · antworten

Ich bedaure die Marginalisierung der Romane ebenfalls, glaube aber nicht, dass dies an zu geringem Interesse liegt. Die Nachfragen nach einem separaten Roman-Forum werden immer wieder laut und im diesjährigen Oskar-Tippspiel wurden in der Kategorie "Beste Romanvorlage" nicht nennenswert weniger Punkte ausgespielt als z.B. beim Filmdrehbuch (742 : 806). Kenntnis und Interesse sind also durchaus vorhanden. Es liegt in erster Linie an @DanielL, sein Versprechen mit dem Roman-Unterforum endlich in die Tat umzusetzen, woraufhin ich auch gern die Aufgabe übernehmen würde, die lesenswerten Rezensionen aus diesem Sammelthread in einzelne Bücherbewertungs-Themenstränge herauszutrennen und romanverwandte ältere Themen zu migrieren.

Ggf. könnte man darüber nachdenken, dieses Romanforum auch für wallace-biografische Aspekte und Neuverfilmungsdiskussionen zu verwenden.

Ja, das war ein Wink mit dem .

Die Mendoza Offline




Beiträge: 48

29.02.2016 15:47
#389 RE: Romane Zitat · antworten

Zitat von Die Mendoza im Beitrag #229
Vielleicht kann mal jdm. berichten, wie es bei den Scherz -und Heyne-Übersetzungen ist! Ich meine jetzt konkret beim "Frosch"! Gibt es da das Vorwort?





So. Fünf Jahre später kann ich mir die Frage selbst beantworten; zumindest was die Heyne-Übersetzung betrifft: Ja, hier gibt es das Vorwort! Allerdings finden sich dennoch Kürzungen im Text, gleich auf der ersten Seite. Allerdings stimmt die Anzahl der Kapitel und die einzelnen Überschriften wurden auch übernommen. Nun müsste man doch noch mal bei "Scherz" nachschauen...

lasher1965 Offline




Beiträge: 382

21.03.2016 20:55
#390 RE: Romane Zitat · antworten

Bei Scherz fehlt das Vorwort.

Seiten 1 | ... 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen