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Dieses Thema hat 68 Antworten
und wurde 5.572 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
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Glasauge Offline




Beiträge: 1.321

18.06.2010 21:59
#46 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Mir selber hat der Film gut gefallen. Das liegt vor allem an der sehr gutem Musik von Riz Ortolani, leider aber schlechter als sein Halbmond Score.

Viele sagen ja, dass der Film keinerlei Wallace Atmosphäre hat. Diese Meinung teile ich nicht.

Besonders die Szenen im Schloss/Landhaus errinern mich an Wallace

Auch das es sich hier um einen "Helden" mit Problemen handelt kommt bei mir gut an. Ich sehe den Film ein wenig als Gemisch aus ZIMMER 13, DIE BLAUE HAND und DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS.

Ich kann diesen Film nur empfehlen, auch wenn die Gewalt ein wenig überzogen ist
8/10 Punkten

Glasauge
LEBEN UND STERBEN LASSEN

Prisma Offline




Beiträge: 7.464

05.09.2010 23:40
#47 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Bei "Das Geheimnis des gelben Grabes" und mir war es zunächst keine Liebe auf den ersten Blick. Als ich mir damals vor mehr als zehn Jahren die Toppic-VHS zugelegte, habe ich mich von den Szenenfotos irreleiten lassen und es kam zu einer völlig verzogenen Erwartungshaltung, die der Film nicht einhalten konnte. Abgesehen vom Film war die Besetzungsliste die größte Enttäuschung für mich, da mir seinerzeit nur Horst Frank ein Begriff war. Heute sehe ich die Besetzung als großes Plus des Films an.
Alex Cord als Professor Porter liefert eine sehr glaubwürdige Interpretation, er bewegt sich ständig zwischen Impulsivität und sich zusammennehmen, man hat den Eindruck, er könne jeden Moment ausflippen. Der Versuch, ihn in den Kreis der Verdächtigen aufzunehmen schlägt fehl, somit wird er weitgehend Sympathieträger. Sein Umgang mit Filmpartnerin Samantha Eggar ist eine Lehrstunde, sie wird beschimpft und verletzt so oft es geht und trotzdem gewinnt man schon schnell den Eindruck, dass Myra und Jay zusammengehören. Diese "progressive" Liebesgeschichte ist nicht uninteressant in Szene gesetzt worden und wirkt trotz aller Demütigung und Konfrontation so erfrischend.
Samantha Eggar verleiht ihrer Figur viel Chic&Charme, hervorzuheben ist wohl ihre Wandlungsfähigkeit, optisch macht sie einiges her und sie passt hervorragend zu Alex Cord. Myra ist hin und hergerissen, sie sucht einen neuen Lebensabschnitt, ich finde sie ungeheuer stolz und beherrscht, andererseits sieht man eine traurige und frustrierte Frau, die sich für eine langfristige Sicherheit entschieden hat. Somit sind die Hauptrollen in ihrer Ungewöhnlichkeit eine sehr positive Überraschung, sie bieten alles zwischen Zuneigung und erbittertem Kampf, gepfeffert mit zahlreichen Gossentoneinlagen.
Des weiteren ist John Marley als Majestro Nikos Samarakis zu bestaunen. Es ist herrlich ihm dabei zuzusehen, wie er bei jeder Gelegenheit in die Luft geht, er scheint die Starallüren erfunden zu haben, insbesondere der Umgang mit seinen Untergebenen ist sehr prägnant, damit ist er im Handumdrehen im Kreise der Verdächtigen. Seine Sekretärin Irène, gespielt von Daniela Surina, wird behandelt wie ein Fußabtreter, sie ist ein Musterbeispiel an Disziplin, Loyalität und Unterwürfigkeit, sie würde ihm sogar die Schuhe ablecken, wenn er es verlangte. Das selbe zeichnet Horst Franks Interpretation des Choreografen Stephan aus, durch Nikos' Spezialbehandlung werden beide zu Aggressionsherden, denen man vielleicht alles zutrauen würde.
Ein besonderer Leckerbissen ist die Interpretation von Enzo Tarascio als Inspector Giuranna, ich möchte das fast schon beispiellos nennen. Er ist alles: sachlich, präzise, manchmal auf dem falschen Dampfer, eigentlich sehr sympathisch. Seine Methoden erscheinen sehr eigen, er sammelt Indizien und erweist sich dabei als sehr hartnäckig und erfolgreich. Durch das Zusammenbringen von Indizien durchleuchtet er die beteiligten Personen, macht sie also für den Zuschauer transparent und dies trägt zum Gesamtverständnis bei. Allerdings erscheint seine Arbeit im Gesamtgeschehen oder letztendlich völlig irrelevant zu sein.
Die restlichen Darsteller, insbesondere Carlo de Mejo, sind recht gut zu gebrauchen, erwähnenswert ist noch Christina von Blanc, die sich in gewohnten Posen gibt und unter einem ihrer unzähligen Pseudonyme auftritt.
Der Film läuft und läuft und endlich taucht auch Stargast Nadja Tiller im Geschehen auf. Es handelt sich um eine ziemlich kurze Rolle, jedoch besticht sie durch einen Präzisionsauftritt, darüber hinaus fungiert sie als Schlüsselfigur in einer Asoziationskette. Ihr Gespräch mit Jason ist beeindruckend, bis sie sich im größten Überraschungsmoment des Films als lebendes Meisterwerk vorstellt. Leni ist eine Frau, die zwar aussieht wie eine Dame, aber einen sehr gewöhnlichen und fast nymphomanischen Beigeschmack vermittelt. Mir persönlich hat sie eine sehr perfide Note vermittelt.
Insgesamt gesehen, ist die Besetzungsliste eine sehr große Bereicherung, geprägt durch markante Charaktere, präzise Leistungen und stichhaltige Interaktion.
"Das Geheimnis des gelben Grabes" liefert einen soliden Spannungsbogen, glaubwürdig und stichhaltig untermalt von Riz Ortolanis Musik, nur der Titel ist mal wieder wenig aussagekräftig, da hätte mir persönlich "Die Etrusker töten wieder" schon besser gefallen. Aber damals musste ja immer irgend etwas gelb, grün oder rot sein. Das Motiv zum Mord, oder Die Inspiration dazu erscheint vielleicht etwas sehr abstrus zu sein, ist aber keineswegs uninteressant. Des Rätsels Lösung ist also fast schon exotischer Art, bietet jedoch eine gelungene Überraschung und Abwechslung. Das Finale ist atemberaubend, man sieht verzweifelte, fassungslose Gesichter, es ist still, der Film ist aus, wir machen den Recorder aus

Glasauge Offline




Beiträge: 1.321

06.09.2010 13:45
#48 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Danke für diese sachliche und ausführliche Meinung. Du hast vollkommen Recht,

Dieser Fil ist einfach nur zum

Glasauge
Der Perverse ist nicht der, der das perverse sagt, sondern der, der das perverse im gesagten sieht!!

Gubanov Offline




Beiträge: 14.585

04.12.2010 21:09
#49 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Gerade einmal wieder gesehen und folgende Meinung gebildet:



Das Geheimnis des gelben Grabes (L’etrusco uccide ancora)
Kriminalfilm nach Bryan Edgar Wallace, IT/DE/YU 1972. Regie: Armando Crispino. Drehbuch: Lucio Battistrada, Armando Crispino, Lutz Eisholz. Mit: Alex Cord (Jason Porter), Samantha Eggar (Mira), John Marley (Nikos Samarakis), Nadja Tiller (Leni Samarakis), Horst Frank (Stephen), Enzo Tarascio (Inspektor Giuranna), Enzo Cerusico (Alberto), Carlo de Mejo (Igor Samarakis), Daniella Surina (Irene), Vladan Milasinovic (Otello) u.a.

Zitat von Das Geheimnis des gelben Grabes
Ein brutaler Mord entweiht eine etruskische Grabstätte. Der wahnsinnige Mörder scheint nicht nur hervorragend über die Götter und Symbole der alten Etrusker bescheid zu wissen, sondern auch eine bislang ungeöffnete Grabkammer zu kennen, in der der Archäologe Jason Porter ein unheimliches Wandbild entdeckt. Es stellt offenbar den Tathergang dar...


- Darsteller:
Deutsche Namen sind in „Das Geheimnis des gelben Grabes“ rar gesäht, aber mit Horst Frank und Nadja Tiller dennoch in beruhigendem Umfang vorhanden. Beide Schauspieler verleihen ihren Rollen im Rahmen der Möglichkeiten Glaubwürdigkeit (sofern man bei Franks Part als homosexueller Choreograf von Glaubwürdigkeit im herkömmlichen Sinne sprechen kann).
Die interessantesten Auftritte sind indes an anderer Stelle zu suchen. Sowohl die bildschöne Samantha Eggar (später auch bei „Columbo“ in der Episode „Todessymphonie“) als auch die Amerikaner Alex Cord und John Marley hinterlassen die nachhaltigsten Eindrücke in ihrer recht herkömmlichen Dreieckssituation. Den Ausführungen von Prisma ist hier nur zuzustimmen.

- Regie:
Ebenso wie sich die Edgar-Wallace-Serie im Laufe der Zeit chamäleonartig an verschiedene Stile der Filmkunst anpasste und ihr Gesicht damit stetig veränderte, hat auch der letzte Bryan-Edgar-Wallace-Film nichts mehr mit dem ersten Streifen der Reihe zu tun. Während die Verfilmungen nach den Stoffen des Vaters allerdings bereits hervorragend begannen, kann man den Bryan-Edgar-Wallace-Krimis mit ein paar Ausnahmen eine starke positive Entwicklung zum Ende hin bescheinigen. Bei drei von vier Farbbeiträgen handelt es sich um ansprechende und handwerklich sehr ansehnliche Gialli. Wenngleich „Das Geheimnis des gelben Grabes“ das schwächste dieser drei Werke ist, so gehört es neben den „Handschuhen“ und der „Katze“ doch trotzdem deutlich in diese Gruppe.
Armando Crispino entschied sich bei der Inszenierung des Films mit dem wie immer viel gelungeneren italienischen Titel „Der Etrusker tötet wieder“ zu einer härteren Gangart als sie die Edgar-Wallace-Serie oder auch die beiden Argento-Stoffe für BEW präsentierten. Auf diese Weise arbeitete er in ausladenden Mordszenen Spannung und Brutalität zugleich als Merkmale italienischen Siebzigerjahrekinos heraus, ohne auf leise Zwischentöne oder interessante Verbindungen zwischen den Charakteren zu verzichten.

- Drehbuch:
Die verschiedenen Facetten des Films sind unter diesem Punkt gut aufgehoben. Die Handlung verzichtet dieses Mal auf einen stereotypen Selbstermittler mit Sympathiefaktor. Stattdessen verleiht der Archäologe Porter, ein Rauf- und Trunkenbold, der Hauptrolle eine starke emotions- und gewaltgeleitete, aber nur bedingt unvernünftige Seite. Alle handelnden Personen verfügen über eine weit zurückreichende Vergangenheit, was die Vielschichtigkeit des Drehbuchs umso mehr unterstreicht. Ebenfalls gut gelungen ist der trotz der Geschehnisse große Anteil von Humor, der sich vor allem auf den Inspektor konzentriert.
Leider wirkt die Story an mehreren Stellen recht schwerfällig, was, hier kommen wir wieder zu Crispino zurück, auch von der Regie unterstützt wird. Der Film läuft in der ungeschnittenen Fassung 102 Minuten und – etwa im Gegensatz zur ähnlich langen „Stecknadel“ – merkt man ihm das auch an. Sowohl die Morde und eine zwischenzeitlich eingebrachte Verfolgungsjagd als auch die gen Ende mehrfach eingebrachten Rückblenden und das relativ kurze Finale können nicht über viele lange Szenen im Hause Samarakis und auf dem Ausgrabungsgelände hinwegtäuschen. Wenn teilweise minutenlang einige Protagonisten von A nach B laufen oder fahren, hat man ebenso das Gefühl, eine Kürzung käme nicht ungelegen, wie auch bei der für die Handlung unnötigen Tierquälerei des Wärters Otello.

- Kamera:
Den größten Zauber des „gelben Grabes“ machen Kameraarbeit und Musik aus. Erico Menczer, der auch für Dario Argentos „Die neunschwänzige Katze“ verantwortlich zeichnete, legt den Focus auf weitschweifende Aufnahmen der Toscana. Die grünen und bräunlichen Farbkombinationen lassen sowohl die Grabstätten als auch die historische Altstadt von Spoleto bestens zur Geltung kommen. Viele Aufnahmen an Originalschauplätzen zeigen sowohl den Dom als auch das römische Theater der Stadt.

- Musik:
Geradezu hervorragend Riz Ortolanis Musik. Sie bedient sich bei klassischen Elementen und geht sofort ins Ohr. In den Szenen, in denen der Mörder ein Tonband mit Verdis Requiem abspielt, sorgt sie außerdem nicht unwesentlich selbst für ein beklemmendes Gefühl.

- Gesamtwirkung:
Optisch und akustisch ist „Das Geheimnis des gelben Grabes“ eine wahre Freude und auch in inhaltlicher Hinsicht könnte man von einigen Gialli weniger erwarten. Leider jedoch schleppt sich der Film teilweise arg. Weil ich den Film lange Zeit sträflich unterbewertet und erst bei der letzten vor der jetzigen Sichtung für mich entdeckt habe, möchte ich ihn mit vier guten Punkten bewerten: Gut, aber es wäre noch besser gegangen.

Meine Wertung: 4 von 5 Punkten.

Glasauge Offline




Beiträge: 1.321

04.12.2010 22:01
#50 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Tolle Rezi zu einem tollen Film

Auch eine schöne Grafik.

Glasauge
Ich bin geizig solange ich es mir leisten kann

Blap Offline




Beiträge: 1.128

09.05.2011 23:43
#51 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten


Cover des Schubers


Das Geheimnis des gelben Grabes (Italien, Deutschland, Jugoslawien 1972, Originaltitel: L'etrusco uccide ancora)

Blutrote Schuhe

Der amerikanische Archäologe Jason Porter (Alex Cord) erforscht in Italien antike Grabstätten der Etrusker. Noch immer hängt er der gescheiterten Beziehung zu Myra Shelton (Samantha Eggar) nach, die inzwischen mit dem alternden Dirigenten Nikos Samarakis (John Marley) Tisch und Bett teilt. Porter lebt während seines Forschungsaufenthalts in Samarakis Anwesen, die Atmosphäre ist verständlicherweise aufgeladen. Eine besonders aufwendig verzierte Grabkammer fasziniert den Forscher, doch bald sollen grausige Ereignisse das Szenario überschatten. Auf dem Gelände der Ausgrabungen findet man ein getötetes Liebespaar vor, die jungen Leute wurden von ihrem Mörder äusserst grausam zugerichtet. Der leitende Ermittler Inspektor Giuranna (Enzo Tarascio) steht vor einem Rätsel. Zunächst scheint der Choreograph Stephen (Horst Frank) verdächtig, doch nach einer Vernehmung wird er wieder auf freien Fuß gesetzt. Die schreckliche Bluttat soll jedoch erst der Anfang einer bizarren Mordserie sein. Wenig später entgeht Igor Samarakis (Carlo De Mejo), der Sohn von Nikos Samarakis, nur knapp dem Tod, während seine Freundin die erneute Attacke des Killers nicht überlebt. Stets lässt der Mörder ein Paar rote Damenschuhe zurück, was die Lösung des Rätsels nicht unbedingt vereinfacht. Inspektor Giuranna fühlt Jason Porter auf den Zahn, denn der Archäologe ist nicht nur stark alkoholabhängig, er scheint auch ab und an die Kontrolle über sich zu verlieren...

Dieser schöne und unterhaltsame Giallo wurde von Armando Crispino inszeniert, in Deutschland wurde der Film unter dem Banner "Bryan Edgar Wallace" vermarktet. Ganz passend erscheint diese Maßnahme nicht, denn der Streifen ist durch und durch ein Kind des italienischen Genrekinos. Da der deutsche Produzent Artur Brauner jedoch seine Finger im Spiel hatte, ist die hierzulande vorgenommene Einordnung in das "Wallace-Universum" durchaus nachvollziehbar. Mit weiteren Gialli wurde ähnlich verfahren, als Beispiel bietet sich der Klassiker "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" (L'uccello dalle piume di cristallo, 1969) von Dario Argento an. Selbst der Platzhirsch Rialto Film setze während der späten Wallace-Phase auf die Italiener. So gelang mit dem grandiosen "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" (Cosa avete fatto a Solange?, 1972), welcher unter der Regie von Massimo Dallamano entstand, gar mein Liebling aller Wallace-Filme.

"Das Geheimnis des gelben Grabes" ist stark besetzt, stilvoll inszeniert und vor allem wunderschön fotographiert. Die Kamera wurde von Erico Menczer bedient, der bei "Die neunschwänzige Katze" (Il gatto a nove code, 1971) mit Dario Argento zusammenarbeitete, ergo verwundert das herrliche Ergebnis nicht. Die prächtige Landschaft, dazu faszinierende Kulissen wie die etruskische Nekropole, zusätzlich das malerische Spoleto, perfekt von einem echten Könner mit untrügbarem Gespür eingefangen. Nicht zu vergessen der sehr stimmungsvolle Score von Riz Ortolani, der zu jeder Zeit den perfekten Ton trifft. Armando Crispino setzt auf ein angenehm gemäßigtes Erzähltempo. Zwar haut man dem Zuschauer recht flott den ersten Doppelmord um die Ohren, doch im weiteren Verlauf legt der Film Wert auf die Beziehung der zentralen Figuren zueinander. Dabei steht weniger eine besonders tiefschürfende Zeichung der Charaktere im Vordergrund, sondern vielmehr das ständig aufgeladene Wechselspiel der Figuren. Zerstörte Liebe, verletzte Eitelkeiten, Verlangen und Begehren. Anfangs wird eine Prise Grusel eingestreut, denn in der Grabkammer wird die Darstellung eines etruskischen Dämon gefunden. Haben hier etwa finstere Mächte ihre untoten Knochenfinger im Spiel? Naja, diese Finte lässt sich leicht entlarven, oder hegen antike Unholde neuerdings eine Vorliebe für rote Damenschuhe? Vermutlich nicht, daher wendet der Zuschauer sich den geschickt gestreuten Verdachtsmomenten zu, die in der realen Welt beheimatet sind. Steckt vielleicht tatsächlich Jason Porter hinter den Morden? Hat ihn die Alkoholsucht in den Wahnsinn getrieben? Welche Rolle spielt der tuntige Stephen, dem man nicht so recht über den Weg trauen mag? Vielleicht treibt ein widerwärtiger Wächter sein Unwesen, der gern Insekten verbrennt und sich als Erpresser versucht? Im packenden Finale fällt die Maske, doch ich schweige wie ein Grab (Ach was...).

Alex Cord gefällt mir als aufbrausender Archäologe sehr gut, besser hätte man die Rolle kaum besetzen können. Mir ist sein Jason Porter durchaus sympathisch, vielleicht gerade wegen der offenkundigen Schwächen, vor allem wegen seiner brennenden Leidenschaft, die nicht nur seinem Beruf und dem Suff gilt. John Marley stellt gewissermaßen den Gegenspieler der Hauptfigur dar, beide buhlen um die Zuneigung einer schönen Frau. Marley spielt den verschrobenen Künstler -der seine besten Jahre längst hinter sich hat- ganz großartig. Wie Alex Cord steht er ständig unter Strom, zwei Vulkane am Rande der totalen Explosion, immer wieder kommt es kleinen und mittelschweren Ausbrüchen. Dazwischen die damals sehr attraktive Samantha Eggar, die grösste Mühe hat nicht im Mahlstrom der Gefühle aufgerieben zu werden. Nicht minder phantastisch Horst Frank, der als homosexuelles Tanzmäuschen für manchen Schmunzler sorgt, dabei aber nicht zur debilen Knallschote verkommt. Enzo Tarascio steht als beharrlicher Ermittler auf dem Plan, seine Rolle ist etwas unscheinbarer angelegt, doch er kann sich in diesem Fegefeuer der Begierden recht souverän behaupten. Carlo De Mejo wirkt im Gegensatz zu seinem Filmvater eher unscheinbar, Nadja Tiller glänzt in einer Nebenrolle, auf die ich wegen akuter Spoilergefahr nicht näher eingehen kann. Damit sind die wichtigsten Rollen kurz angerissen, die weiteren Nebendarsteller fügen sich ansprechend in das Gesamtbild ein.

Wer von einem Giallo immer nur schwarze Handschuhe, Rasiermesser und blanke Brüste erwartet, Killer die sich durch stylische Großstadtwohnungen metzeln, der wird sich mit "Das Geheimnis des gelben Grabes" vermutlich nicht auf Anhieb anfreunden können. Doch es lohnt sich wirklich ganz genau hinzusehen, denn man wird mit einem sehr schönen und ansprechend inszenierten Genrebeitrag belohnt!

Dank der DVD-Box von Universum Film, kann man sich den Ausflug nach Spoleto zum fairen Preis ins Haus holen. Das Set enthält ferner folgende Titel:

• Der Todesrächer von Soho
• Das Geheimniss der schwarzen Handschuhe


Von mir erhält die Box eine klare Empfehlung, doch ich will die (leider) vorhandenen Schwachpunkte nicht unterschlagen. "Das Geheimis der schwarzen Handschuhe" liegt nur in der gekürzten Fassung vor, wer die deutsche Synchronisation nicht benötigt, sollte sich zusätzlich die Blu-ray von Blue Underground beschaffen. "Das Geheimnis des gelben Grabes" erfreut mit einer ordentlichen Bildqualität, zusätzlich liegt der Film in der deutschen Kinofassung und der italienischen Langfassung vor. Beide Versionen sind gut und sehenswert, allerdings hat man bei der Langversion die damals nicht synchronisierten Szenen nicht untertitelt. Ein ärgerlicher Schnitzer, doch letztlich kann man gut mit der DVD leben.

Für Giallo-Fans sowieso Pflicht, jedoch auch für aufgeschlossene Einsteiger eine klare Empfehlung!

7,5/10 (Gut bis sehr gut)

Lieblingszitat:

"Es ist wirklich nicht meine Spezialität, mich in die Lage eines Mörders zu versetzen."

***



Vom Ursprung her verdorben

Editiert von Gubanov am 10.05.2011 um 08:21 Uhr, Änderung wie vom Autor gewünscht

Grabert Offline



Beiträge: 247

01.10.2011 16:30
#52 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Zitat
Gesamtwirkung: Optisch und akustisch ist „Das Geheimnis des gelben Grabes“ eine wahre Freude und auch in inhaltlicher Hinsicht könnte man von einigen Gialli weniger erwarten. Leider jedoch schleppt sich der Film teilweise arg. Weil ich den Film lange Zeit sträflich unterbewertet und erst bei der letzten vor der jetzigen Sichtung für mich entdeckt habe, möchte ich ihn mit vier guten Punkten bewerten: Gut, aber es wäre noch besser gegangen. Meine Wertung: 4 von 5 Punkten.

von Gubanov

Ich bin doch überrascht von der sehr positiven Bewertung dieses Films hier im Forum. Ich habe ihn zum ersten Mal gesehen und mir ging es wie Prisma: Keine Liebe auf den ersten Blick! Denn trotz großartiger Musik und opulenten Bildern gibt es auch Langatmigkeit, die Story schleppt sich zum Teil dahin, die Kameraführung ist sehr traditionell, keine Logik bei der Ermittlung des Täters, die deutschen Schauspieler kommen kaum zur Geltung und wieder frage ich mich: warum ist Horst Frank synchronisiert worden (es störte mich erneut sehr, denn die Synchronisation ist schlecht)? Weiß das jemand? Überhaupt war die Tonqualität der DVD nicht berauschend. Bei der deutsch-italienischen Fassung hätte man auch Untertitel für die nicht synchronisierten Passagen anbieten können. Im Kontrast zu Gubanov sage ich, dass das Geheimnis des gelben Grabes (was sich ja recht schnell enträtselt) zu recht nicht hoch bewertet wird: maximal 2 von 5 Punkten.

schwarzseher Offline



Beiträge: 327

15.03.2013 15:48
#53 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Ich habe mir erst vor kurzem die dritte BEW Box zugelegt.
Leider finde ich alle drei Filme eher langweilig bis grottig.Das Geheimnis des gelben Grabes macht da für mich keine Ausnahme.Der größte Fehler ist wohl die Vermarktung unter " Wallace"
Also leider nicht mein Geschmack

Jacob Starzinger Offline



Beiträge: 1.413

15.03.2013 16:57
#54 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Nanana wie kannst du es dir erlauben das Geheimnis der schwarzen Handschuhe als grottig zu bezeichnen . Der Film ist ein Meisterwerk seines Genres.
Zur Vermarktung: hier läuft es ähnlich wie mit den drei Edgar Wallace Filme das Gesicht im Dunkeln, das Rätsel des silbernen Halbmondes und das Geheimnis der grünen Stecknadel. In Deutschland kann oder will man das Geld für weiter Wallace bzw. BEW Produktion nicht mehr aufbringen also kam es zu Co-Produktionen mit Italien. Daraus entstehen auch die drei BEW Filme Handschuhe, gelbes Grab und neunschwänzige Katze, die wie die drei schon erwähnten Wallace Filme dem Giallo Genre zuzuordnen sind .
Wenn du dich mal ein bisschen mit diesem Genre befasst wirst du hoffentlich schnell bemerken, dass du froh sein kannst über die tollen Wallace Filme ein anderes tolles Genre gefunden zu haben. Dann wirst du wohl auch erkennen das deine Einschätzung zum Geheimnis der schwarzen Handschuhe vlt. doch nicht ganz richtig war.

Jetzt aber erstmal herrzlich Wilkommen hier im Forum

Mfg Jacob

schwarzseher Offline



Beiträge: 327

15.03.2013 18:45
#55 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Vielleicht bin ich auch mit einer falschen Erwartungshaltung an diese Filme herangegangen.Mein Geschmack ist da leider sehr Wallace/Durbridge konservativ.
Mein erster Gedanke war tatsächlich ,diese Box direkt wieder zu verkaufen.Aber du hast recht ,ich werde mir die Filme noch mal in Ruhe ansehen und schauen ob ich doch einen Zugang finde.
Die letzten Wallace Filme ( zB.Gesicht im Dunkeln )sind für mich leider auch nicht mehr so interssant,da sie nichts mehr von dem alten Wallace Gefühl vermitteln.( ungeachtet sicher vorhandenen Stärken )

danke für die nette Aufnahme im Forum.Auch wenn ich ( wie ich durch längeres mitlesen gemerkt habe )bei vielen Filmen eine etwas andere Meinung habe wie die meisten hier,ist das Forum eine "Fundgrube" für mich.

Jacob Starzinger Offline



Beiträge: 1.413

15.03.2013 19:22
#56 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Nun ich muss dir gestehen das ich am Anfang genau so gedacht habe wie du. Mit den italienischen Co-Produtkionen konnte ich gar nichts anfangen und ich wollte auch die 8 Wallace Edition erst mal später kaufen als die anderen. Dieses Giallo Genre ist vor allem für Leute die Wallace/Durbridge fixiert denken (wie du es sehr treffend ausdrückst) am Anfang nicht ganz leicht zugänglich (ich weiß wovon ich rede ) aber wenn man sich dann Stück für Stück in das Genre einarbeitet macht es richtig Spaß. Ich bin jedenfalls heute großer Fan und sehr froh das ich meinen Horizont erweitert habe (Wallace und Durbridge ist ja auch irgendwann im Regal).

Mfg Jacob

Count Villain Offline



Beiträge: 3.788

16.03.2013 00:33
#57 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Zitat von schwarzseher im Beitrag #55
Auch wenn ich ( wie ich durch längeres mitlesen gemerkt habe )bei vielen Filmen eine etwas andere Meinung habe wie die meisten hier,ist das Forum eine "Fundgrube" für mich.


Das sehe ich eher positiv. Auch andere Meinungen sind hier gerne gesehen zund vielleicht entwickelt sich ja die ein oder andere fruchtbare Diskussion daraus.

schwarzseher Offline



Beiträge: 327

16.03.2013 08:42
#58 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Das Hintergrundwissen ( um nicht zu sagen Insiderwissen ) vieler Mitglieder hier ist schon beeindruckend.Als "Neuer" läuft man natürlich immer Gefahr zu vielen Themen Meinungen zu schreiben die so schon zig mal gesagt worden sind (nur eben noch nicht von allen )
Was mir hier auch gefällt ist der immer moderate Ton,auch bei etwas gegensätzlichen Meinungen.

Josh Offline




Beiträge: 7.833

16.03.2013 20:27
#59 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Zitat von schwarzseher im Beitrag #58
Was mir hier auch gefällt ist der immer moderate Ton,auch bei etwas gegensätzlichen Meinungen.

Das finde ich hier auch klasse, hier wird keiner dumm angemacht, nur weil er eine andere Meinung hat. Das ist nicht in jedem Forum so.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.585

14.09.2013 22:08
#60 RE: Bewertet: "Das Geheimnis des gelben Grabes" (1972, BEW 10) Zitat · antworten

„Das Geheimnis des gelben Grabes“ belegt mit 56,63 von 70 Punkten Platz 10 von 35 im Giallo-Grandprix 2013. Der Film wurde also mit durchschnittlich 4,05 Punkten pro Person bewertet. Unter zwölf Teilnehmern erhielt er fünf Top-Ten-Nominierungen.

Anzahl der abgegebenen Bewertungen: 8
mit 54,25 Punkten auf Platz 24 in der Kategorie Stil (Inszenierung und Bild)
mit 56,00 Punkten auf Platz 15 in der Kategorie Schock und Provokation
mit 56,00 Punkten auf Platz 16 in der Kategorie Plot und Spannung
mit 52,50 Punkten auf Platz 26 in der Kategorie Darsteller
mit 60,38 Punkten auf Platz 13 in der Kategorie Musik
mit 60,38 Punkten auf Platz 17 in der Kategorie Giallo-Faktor
mit 56,88 Punkten auf Platz 18 in der Kategorie Freie Wertung
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