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Dieses Thema hat 69 Antworten
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 Filmbewertungen
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tilomagnet Offline



Beiträge: 497

15.11.2013 19:34
#61 RE: Bewertet: "Das Geheimnis des gelben Grabes" (1972, BEW 10) Zitat · antworten

Nachdem ich mir kürzlich die BEW - Boxen zugelegt habe, habe ich auch das GELBE GRAB zum ersten Mal gesehen - und bin positiv überrascht.

Im Prinzip kann ich einigen Vorschreibern zustimmen, das größte Problem ist die Länge bzw. die teilweise doch sehr träge Story. Der Film beginnt auch eher abschreckend....uninteressante Dialogszenen, dann ein Doppelmord, der eher plump, unbeholfen und künstlich blutrünstig wirkt. Anschließend schleppt sich die Story eine halbe Stunde so dahin und man ist schon dabei, sich anderweitig zu beschäftigen, als das Ganze auf Einmal Fahrt aufnimmt:

Die Schauplätze werden beeindruckender, die Kamera fängt sie toll ein, die Musik epochal, die Athmosphäre wird düsterer, die Story fügt sich langsam und baut Spannung auf. Das Finale ist relativ kurz, dafür aber gut, glaubwürdig gespielt und gekonnt inszeniert. Das Motiv der Täters finde ich sehr gelungen und das Ganze wirkt aufeinmal - für Giallo Verhältnisse - bündig und schlüssig.

Bin ich der Einzige, der bei der Rückblende mit dem Kindheitstrauma an die Schlüsselszene aus Profondo Rosso denken musste? Hat sich Argento hier vielleicht inspirieren lassen?

Fazit: Sehr sehenswerter Film, handwerklich sauber und gekonnt gemacht. Die Kulissen sind mit die Schönsten, die ich in einem Krimi überhaupt gesehen habe, die Musik Giallo typisch hervorragend. Leider hat man am Ende das Gefühl, einen 2 1/2 Stunden Marathon hinter sich zu haben....der Film zieht sich doch zu sehr in die Länge. Waren nicht gerade die deutschen Verleiher immer so schnell mit dem Ansetzen der Schere? Ein gekonnter Re-cut würde diesem Film - da bin ich sicher - zu deutlich mehr Anhängern verhelfen. Mit Argentos Tiertrilogie kann es das GRAB zwar nicht aufnehmen, aber es fehlt nicht allzu viel. Ich gebe mal 4,5 Punkte.

Joe Walker Offline




Beiträge: 738

25.03.2014 16:48
#62 RE: Bewertet: "Das Geheimnis des gelben Grabes" (1972, BEW 10) Zitat · antworten

Es geschehen noch Zeichen und Wunder - beim rührigen Digitmovies-Label erscheint demnächst der komplette Originalsoundtrack zu "Das Geheimnis des gelben Grabes" auf CD!

https://www.digitmovies.com/digitsoundtr...gitItem=CDDM250

Gruß
Joe Walker

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.412

23.08.2015 14:34
#63 RE: Bewertet: "Das Geheimnis des gelben Grabes" (1972, BEW 10) Zitat · antworten

BEWERTET: "Das Geheimnis des gelben Grabes" ("L'Etrusco uccide ancora" Italien, Deutschland, Jugoslawien 1971)
mit: Alex Cord, Samantha Eggar, John Marley, Carlo De Mejo, Enzo Tarascio, Horst Frank, Nadja Tiller, Daniella Surina, Christina von Blanc u.a. | Drehbuch: Armando Crispino, Lucio Battistrada | Regie: Armando Crispino

Der Archäologe Professor Jason Porter erforscht in der Toskana die Grabhöhlen der Etrusker und stößt dabei auf Wandmalereien, die einen Mord an einem Liebespaar zeigen. Kurz darauf werden in der Grabhöhle zwei junge Leute auf blutige Weise getötet und es scheint so, als habe Tuchulcha, der Todesdämon, persönlich die Schläge geführt. Die Polizei verdächtigt Porter, etwas mit den Morden zu tun zu haben, da er durch die Anwesenheit seiner Ex-Partnerin Myra aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht wurde. Diese hat den Dirigenten Nikos geheiratet und weist alle Annäherungen Porters brüsk zurück. Als weitere Morde geschehen und Myra ihre Treue zu Nikos infrage stellt, zeigt sich, dass die Wurzeln der Taten in die Vergangenheit zurückreichen....



Das Erforschen untergegangener Kulturen soll dem Menschen nicht nur die Vergänglichkeit seines Schaffens, sondern auch Erkenntnisse für die Gegenwart und die Auswirkungen des eigenen Handelns liefern. Die Funde in den Grabhöhlen zeigen Professor Porter, dass sich der Kreislauf des Lebens nicht geändert hat, sondern es immer noch um Liebe, Leidenschaft und Gewalt geht, wenn Menschen aufeinandertreffen. Seine persönliche Situation hat sich nach einer großen Krise stabilisiert und er widmet sich mit Eifer seiner Arbeit, die ihm Inspiration und Ablenkung zugleich ist. Sein Engagement kann jedoch nicht verbergen, dass er dazu neigt, die Beherrschung zu verlieren. Die Atmosphäre aus Sand und Staub vibriert in der Sonne förmlich und unterstreicht, wie aufgeladen die Stimmung zwischen den Personen ist, deren Beziehungen zueinander von Schuld, Abhängigkeit und Gewöhnung geprägt sind. Die Morde stellen darin kleine Explosionen dar, die Gefühle und Reaktionen provozieren. In ihrer profanen Realität wirken sie abstoßend, weil sie eine primitive Abkehr vom Streben nach dem Schönen zeigen. Die musikalische Umrahmung mit wuchtigen Klängen Giuseppe Verdis lassen sie zwar skurriler, aber keineswegs ästhetischer werden.

Alex Cord entspricht zunächst nicht dem Bild, das man sich von einem Professor der Archäologie macht. Durch seinen beruflichen Einsatz und seine verzweifelten Bemühungen um die ehemalige Geliebte, gewinnt er bald die Sympathie des Publikums. Er scheint der Einzige zu sein, der klar sieht und für die Gefahr gewappnet ist. Samantha Eggar zeichnet eine junge Frau, die man zunächst schwer einschätzen kann. Sie hat mehrere Gesichter und bewegt sich sicher auf dem öffentlichen Terrain der Unverbindlichkeit, zeigt aber zögerliche Scheu im privaten Bereich. Dort erwarten sie ihr Ehemann, der alte Dirigent und Egomane, dessen durch jahrzehntelange Verehrung gestärkte Selbstüberschätzung zu kritikloser Unterwürfigkeit seines Umfelds geführt hat. Ihr Ex-Partner Jay Porter steht mit beiden Beinen auf der Erde und ist allein durch seinen Beruf weitaus alltagserprobter als der sich der Kunst verschriebene Nikos Samarakis. Die heftigen Gefühlsausbrüche beider Männer machen es Myra nicht leicht, sich für die eine oder andere Seite zu entscheiden, suchte sie in der konventionellen Ehe doch zunächst Schutz und Ruhe.

Die Nebenrollen sind mit Horst Frank, Nadja Tiller und Carlo De Mejo stimmig besetzt, da ihre Figuren die Exaltiertheit ihrer Umgebung widerspiegeln. Die deutschen Schauspieler stellen wie bereits in "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" exotische Ausnahmen von der Regel dar und bewegen sich im Dunstkreis eines Mannes, der keinen Widerspruch gelten lässt. Ihr optisches Aufbäumen gegen die Vorgaben, welche Beruf und gesellschaftliche Stellung ihnen auferlegen, macht beide zu schillernden Figuren ohne wirkliche Bedeutung, was besonders die Rolle von Horst Frank betrifft. Optische Reize durch langhaarige Blondinen und der hohe Blutzoll machen den Film zu einem klassischen Vertreter des Giallo. Die authentischen Schauplätze im Gewirr enger Gassen, weitläufiger Palazzi und dampfender Landschaften stellen ein großes Plus dar und lassen die gestreckte Handlung abwechslungsreich erscheinen. Ob es an der Spielfreude der Regie und des Drehbuchs oder an stellenweiser Ratlosigkeit liegt, dass der Film überdurchschnittlich lang geraten ist, lässt sich nicht feststellen. Die Musik von Riz Ortolani zeigt einmal mehr, wie behutsam und kraftvoll zugleich einprägsame Klänge für Wohlfühlmomente inmitten des Chaos' sorgen.

Spannungsreiches Zusammenspiel zwischen Cord und Eggar, das die Beziehungsebene des Giallos über den Durchschnitt hebt. Brutale Morde und der Einsatz von Paradiesvögeln umrahmen die Geschichte von Jay und Myra und verleihen ihr Dramatik. 4 von 5 Punkten.

Georg Offline




Beiträge: 2.784

23.08.2015 20:47
#64 RE: Bewertet: "Das Geheimnis des gelben Grabes" (1972, BEW 10) Zitat · antworten

Das gelbe Grab fand ich immer besonders spannend und unheimlich. Ich weiß noch, wie ich mich damals gegruselt habe, als ich den Film erstmals sah.

Da ja leider auf der Universum-DVD der deutsche Vorspann fehlt, habe ich Dein Posting zum Anlass genommen und meine uralt-ORF-Aufzeichnung vom Oktober 1992 herausgekramt... et voilà, so sah's damals in deutschsprachigen Kinos aus. Kurioserweise war die letzte italienische Titeltafel auch in der dt. Fassung zu sehen.

Prisma Offline




Beiträge: 7.468

23.08.2015 20:52
#65 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Über die italienische Einblendung habe ich mich auch schon immer gewundert, der Vorspann im Clip ist identisch mit dem der Toppic-VHS. Mir gefallen hier ja die Schriftzüge der deutschen Titel-Einblendung besonders gut.

StefanK Offline



Beiträge: 897

23.08.2015 22:31
#66 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Das ist in der Tat kurios. Durfte den Film vergangenes Jahr im Kino sehen (dt. 35mm Kopie) und dort war es genau so. Da hat man wohl seinerzeit etwas geschlampt ;) Übrigens ebenfalls ein Film der auf der "großen Leinwand" noch intensiver wirkt.

Ray Offline



Beiträge: 829

04.03.2016 17:56
#67 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Das Geheimnis des gelben Grabes (BRD/I/J 1972)

Regie: Armando Crispino

Darsteller: Alex Cord, Samantha Eggar, John Marley, Horst Frank, Nadja Tiller, Enzo Terascio, Carlo De Mejo, Daniela Surina u.a.




Mit diesem in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannten Streifen, der an dem bemerkenswerten Datum 31.12.1972 in Deutschland den Weg in die Kinos fand, endete die große Kriminalfilmwelle endgültig. Eines vorweg: ein würdiger Abgesang sieht anders aus, ob unter Wallace- oder unter Giallo-Gesichtspunkten.

Der Cast setzt sich aus überwiegend wenig bekannten Darstellern zusammen. Die Hauptrolle übernahm Alex Cord, optisch Typ Schimanski, wie bereits treffend beschrieben wurde. Seine Darstellung geriet unsympathisch und uninteressant, der Zuschauer baut zu dieser Figur schlicht keine Beziehung auf. So ist es auch völlig gleichgültig, ob er nun der Täter ist oder nicht. Wirklich positiv in einem Ensemble, das sich ansonsten aus bestenfalls nicht negativ auffallenden Darstellungen zusammensetzt, fallen nur Nadja Tiller und Enzo Terascio in der Rolle des Inspektors auf.

Der Film an sich kommt bereits schwer in die Gänge und nimmt nie wirklich Tempo auf. Er verliert sich dagegen zeitweise in rückblickend völlig belanglosen Beziehungskisten. Dass kaum ein Darsteller überzeugt, tut dem Ganzen sein Übriges. In krassem Kontrast zu der allgemeinen Behäbigkeit stehen die z.T. unnötig stumpfen und im Falle der ersten Tötung gar dilettantisch inszenierten Morde, die für keinerlei Nervenkitzel, sondern allenfalls Ekel bzw. Belustigung sorgen. Das ließe sich verzeihen, wenn der Film sich selbst nicht so ungeheuer ernst nehmen würde. Bei Filmen wie „Der Killer von Wien“ ist das schauspielerische Niveau ebenso überschaubar, dafür ist der Film an sich gnadenlos unterhaltsam. Hier bekommt man hingegen ein langatmiges, pseudo-anspruchsvolles Filmchen kredenzt, das folglich unter keinem Gesichtspunkt zu unterhalten vermag.

Die stimmige Musik von Riz Ortolani und das handwerklich ansonsten ordentliche Niveau geben zumindest Anlass, den Film höher als den „Todesrächer“ einzuschätzen. Im Übrigen ist die Auflösung im Grunde recht gelungen, nur aufgrund des bis dahin präsentierten kaum mehr von Interesse.


Schwaches Schauspiel, langweilige Story und die Tendenz, sich in Belanglosigkeiten zu verlieren stehen stillos inszenierten Mordszenen gegenüber. Musik und Auflösung gehen in Ordnung. Trotzdem kein Beifall von meiner Seite. „Großzügige“ 2/5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.827

14.05.2017 20:50
#68 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten

Das Geheimnis des gelben Grabes (1971)



Regie: Armando Crispino

Produktion: Italien, BRD, Jugoslawien / Artur Brauner, 25.08.1971 - 13.10.1971

Mit: Alex Cord, Samantha Eggar, John Marley, Nadja Tiller, Horst Frank, Enzo Terascio, Enzo Cerusico, Carlo De Mejo, Daniela Surina, Vladan Holec (als Vladan Milasinovic), Christina von Blanc (als Christiane von Blank), Mario Maranzana, Wendy D’Olive, Pier Luigi D'Orazio, Ivan Pavicevac


Handlung:

Der Archäologe Jason Porter entdeckt in Italien ein etruskisches Grab mit dem verzerrten Bild eines Dämons und anderen gruseligen Wandmalereien. Kurz darauf werden mehrere Paare während oder nach dem Liebesspiel ermordet. Die Taten orientieren sich an alten etruskischen Ritualen, die auf den Bildern symbolisiert sind. Jason Porter selbst, ein jähzorniger, eifersüchtiger und konfliktbeladener Trinker, der sich kaum unter Kontrolle hat, gerät sehr rasch in den Fokus der Ermittlungen. Er scheint darüber hinaus auch an einer Teil-Amnesie zu leiden...

Anmerkungen:

Eigentlich bietet der Streifen interessante Schauplätze und eine ansprechende Farbgebung. Auch das Mysterium rund um den Dämon und die Wandmalereien machen einem den Mund richtig wässrig und lassen auf einen spannenden Grusel-Thriller hoffen. Leider werden diese Erwartungen bitter enttäuscht. Die 95 Minuten ziehen sich wie ein Kaugummi und die Langatmigkeit lässt rasch jegliches Interesse am Film schwinden. Regisseur Armando Crispino (1925-2003) verstand es einfach nicht, einen professionellen Spannungsbogen aufzubauen, der die Aufmerksamkeit des Zusehers zu fesseln vermag. Stattdessen muss man sich durch quälende Dialoge und die viel zu ausführliche Darstellung wenig interessanter zwischenmenschlicher Beziehungen hindurchkämpfen. Wie auch schon bei den beiden vorhergehenden Filmen dieser ausgesprochen fragwürdigen und ohne jeden Wiedererkennungswert willkürlich zusammengebogenen BEW-Fortsetzungsreihe, fehlt es auch diesmal an einem schönen runden Spannungsaufbau mit den zeitlich richtig eingesetzten Entladungen. Crispino scheint rein gar kein Gespür für ein passendes Ausbalancieren und ein richtiges Abstimmen gehabt zu haben. Die Dramaturgie tümpelt fad und überlang dahin. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, was ein guter Regisseur aus diesem eigentlich dankbaren Stoff alles hätte herausholen können. Die Auflösung und das Motiv für die Morde hingegen sind recht gut gelungen. Leider vergehen bis dahin gefühlte 3 Stunden, in denen es eine wahre Herausforderung ist erfolgreich gegen das Sandmännchen anzukämpfen.

Alex Cord (geb.1933) ist als Jason Porter ein für einen Professor ungewöhnlich grobschlächtiger und ungehobelter Antiheld, für den man kaum Sympathien entwickelt. Samantha Eggar (geb.1939) wirkt niedergedrückt, unglücklich und wenig nahbar. Diese Charakterzeichnungen stellen aber nicht unbedingt einen Kritikpunkt dar, sondern sind durchaus beabsichtigt und dementsprechend glaubhaft gespielt. Erwähnt sei noch, dass, obwohl Samantha Eggar eine schöne lange Haarpracht ziert, sie einmal am Tisch mit Kurzhaarschnitt in Erscheinung tritt. Hier hat man wohl eine vergessene Szene nachgeholt, nachdem sie sich die Haare geschnitten hat.

Horst Franks und Nadja Tillers Auftritte sind relativ belanglos. Ersterer scheint mittlerweile auf die Rolle des Homosexuellen festgelegt worden zu sein.

Fazit:

Rein handwerklich zwar ordentlicher, aber viel zu langatmiger und dramaturgisch vermurkster Thriller, der vermutlich großen Vorbildern nacheifert, dies aber um Lichtjahre verfehlt. 2,5 von 5.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.942

14.05.2017 20:55
#69 RE: Beweret: BEW - Das Geheimnis des gelben Grabes (11) Zitat · antworten



Bryan Edgar Wallace: Das Geheimnis des gelben Grabes
(The Dead Are Alive / L’Etrusco uccide ancora)



Kriminalfilm, IT / BRD / JUG 1971/72. Regie: Armando Crispino. Drehbuch: Lucio Battistrada, Armando Crispino, Lutz Eisholz (frei nach Bryan Edgar Wallace). Mit: Alex Cord (Jason Porter), Samantha Eggar (Myra Shelton), John Marley (Nikos Samarakis), Nadja Tiller (Leni Samarakis), Carlo de Mejo (Igor Samarakis), Enzo Tarascio (Commissario Giuranna), Horst Frank (Stephan), Enzo Ceruscio (Jasons Assistent Alberto), Daniella Surina (Nikos’ Sekretärin Irene), Vladan Milasinovic (Otello) u.a. Uraufführung (IT): 7. Januar 1972. Uraufführung (BRD): 31. Dezember 1972. Eine Produktion der Mondial Telefilm Rom, der CCC-Filmkunst Berlin und der Inex Film Belgrad im Cinerama-Filmverleih München.

Zitat von Das Geheimnis des gelben Grabes
Fotografien und Ausgrabungen an etruskischen Totenstätten bringen alte Legenden vom Dämon Tuchulcha in Erinnerung, der auf einer Grabmalerei beim Erschlagen eines Liebespaars gezeigt wird. Tuchulchas Wut scheint auch von einem Mörder in der Gegenwart Besitz ergriffen zu haben, denn in einem Etruskertempel werden zwei rituell aufgebahrte Tote gefunden. Die Spuren führen zum Archäologen Jason Porter und über ihn zum Komponisten Nikos Samarakis. Beide Männer verbindet die gewalttätige Liebe zur Amerikanerin Myra, vor der Nikos ein dunkles Geheimnis gewissenhaft hütet ...


Ebenso wie beim „Todesrächer von Soho“ verging auch beim „Geheimnis des gelben Grabes“ eine erstaunlich lange Zeit, bevor die im Frühjahr bzw. Spätsommer 1971 gedrehten Filme in Deutschland anliefen. Während dies beim „Todesrächer“ eher auf Qualitätsbedenken zurückzuführen sein dürfte und es entsprechend kein Land eilig hatte, den Film auszustrahlen, überrascht es, dass beim „Grab“ zwischen der italienischen und der hiesigen Uraufführung fast ein ganzes Jahr liegt. Der Film schließt stilistisch an die von den Argento-Filmen ausgelöste Giallo-Welle des italienischen Kinos an, liefert im unmittelbaren Vergleich mit den Argento-BEWs aber eine gänzlich eigenständige Kost, die der Farbphase der Serie ein neues, frisches Timbre hinzufügt.

Flirrend vor Sommerwärme und Sonnenschein, aber auch im kühl-gruseligen Schutz (?) der Nacht und der etruskischen Denkmäler und Grabkatakomben angesiedelt, platziert „Das Geheimnis des gelben Grabes“, dessen schauwertereichen Bildern man die Kameraführung des bereits von Argento beschäftigten Kamerafachmanns Erico Menczer ansieht, die von bitterer Romantik geprägte Geschichte vor dem äußerst attraktiven Hintergrund der Ausgrabungen und einer nahegelegenen Kleinstadt. In einem Liebesdreieck stehen sich ein alternder Komponist, ein dem Alkohol verfallener Archäologe und eine nicht besonders entscheidungsfreudige Frau gegenüber, die ebenso wie in „Die neunschwänzige Katze“ ein ausgefallenes Trio bilden, das dem Realitätsanspruch des Films immens zugute kommt. Alex Cord gelingt eine nachfühlbare Darstellung eines Außenseiters, während John Marley sich skrupellos um die Bewahrung der sozial akzeptierten Sonderstellung seiner Figur bemüht. Auf der anderen Seite steht eine plakative, mit dem von Gialli gewohnten Hang zur On-Screen-Gewalt inszenierte Mordserie an Liebespaaren, die geschickt mit der Haupthandlung verknüpft wird. Als problematisch erweist sich allerdings das Erzähltempo, das abseits zentraler Szenen als eher schleppend zu bezeichnen ist.

In der Tat lassen sowohl Tatmotiv als auch Täterfigur Vergleiche zum 1975 gedrehten vierten Argento-Giallo „Rosso – Die Farbe des Todes“ zu, wobei hier aufgrund der engen Konventionen des Genres auch zufällige Überschneidungen zwischen den beiden Filmen im Bereich des Möglichen liegen. Wichtig für den Zuschauer des „Grabs“ ist, dass Armando Crispino in den letzten 20 Minuten des Films alles an Dynamik und durchgehender Spannung aufholt, die im Rest des Films nur jeweils leuchtturmartig zum Einsatz kamen. Ein enorm fesselnder Showdown und herausragende Leistungen des Mörderdarstellers und des deutschen Gaststars Nadja Tiller tragen dazu ebenso bei wie das innige Verhältnis des Zuschauers zu den dramatisch geprüften Hauptfiguren.

Als besonders klug erweist sich der Musikeinsatz des Films, der zwei Hauptthemen verwendet. Einerseits wird für die Morde ein Requiem von Verdi eingesetzt, dessen voller, feierlicher Klang in herbem Kontrast zu der Brutalität der Taten steht, sich gleichfalls aber gut mit der Verbindung der Morde in die Vergangenheit ergänzt, die mit den unheimlichen Rückbezügen auf den garstigen Gott aus der Totenkammer eine interessante Ausgestaltung erfahren. Andererseits komponierte Riz Ortolani für den Film ein getragenes Thema, das zu den besten Giallo-Scores überhaupt zählt und mit seiner Qualität den gesamten Film auf ein gediegeneres Niveau hebt. Dies ausgerechnet bei einem Krimi, der von den Familiengeheimnissen eines Komponisten handelt – ein raffinierter Schachzug!

Mit „Das Geheimnis des gelben Grabes“ endet die Bryan-Edgar-Wallace-Reihe mit einem zwar nicht immer temporeichen, aber in seiner Wahl der Figuren, Schauplätze und Antiken-Motive überaus reizvollen Qualitätsgiallo, dessen Musik Maßstäbe im Genre setzt. 4 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.942

11.09.2017 07:36
#70 RE: Bewertet: "Das Geheimnis des gelben Grabes" (1972, BEW 10) Zitat · antworten

„Das Geheimnis des gelben Grabes“ belegt im Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017 Platz 41 von 48. Der Film erhielt von den Teilnehmern im Durchschnitt eine Bewertung von 3,21 von 5 Punkten.

zugrundeliegende Wertungen: 14 von 17 (11x „gut bekannt“, 3x „länger her“)
Top-10-Tipps: 0 von 8
Auswahlrunde: vorqualifiziert (Bryan-Edgar-Wallace-Film)


mit 3,28 Pkt. Platz 45 in der Kategorie Schauspieler (– 4)
mit 3,14 Pkt. Platz 35 in der Kategorie Inszenierung / Spannung (+ 6)
mit 2,94 Pkt. Platz 40 in der Kategorie Drehbuch / Logik (+ 1)
mit 3,40 Pkt. Platz 35 in der Kategorie Ausstattung / Wertigkeit (+ 6)
mit 3,82 Pkt. Platz 20 in der Kategorie Musik (+ 21)
mit 2,76 Pkt. Platz 44 in der Kategorie Epigonenfaktor (– 3)
mit 3,10 Pkt. Platz 39 in der Kategorie freie Wertung (+ 2)

Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017: Ergebnisse (#157) (11)

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