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Dieses Thema hat 66 Antworten
und wurde 5.354 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
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Mr. Igle Offline




Beiträge: 79

29.11.2016 22:51
#61 RE: Bewertet: Mabuse - "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (1) Zitat · antworten

Zitat von Marmstorfer im Beitrag #59
Das gilt aber nicht nur für Deutschland, sondern auch für andere große europäische Länder wie Frankreich, Spanien und Italien. Ich finde das ehrlich gesagt auch nicht verwerflich. Viele Länder haben eben einen speziellen, eigenen Humor. Und wenn ein Film tatsächlich so viele Zuschauer erreicht, ist es doch völlig egal, ob er außerhalb des eigenen Landes irgendjemanden interessiert.

Ja, aber viele zunächst nur nationale populäre Komiker aus diesen Ländern haben aber später auch international Erfolg gehabt wie etwa Louis de Funès, Bud Spencer & Terence Hill oder Roberto Benigni. Ich weiß nicht, ob Otto Waalkes oder Bully Herbig (im Kino die zwei erfolgreichsten Deutschen!) im Ausland so geschätzt werden. Das aber nur nebenbei. Meine Aussage bezog sich eher auf die Machart von Genre-Filmen allgemein und die Möglichkeit einer internationalen Auswertung.

Zitat von Marmstorfer im Beitrag #59
Das ist nun etwas zu pauschal. Es gab in den letzten Jahren durchaus deutsche Filmemacher, die erfolgreich in Hollywood reüssierten, etwa Robert Schwendtke, Christian Ditter und zuletzt Dennis Gansel. Gerade Schwendtke ist ein Mann fürs Genre - der Thriller "Flightplan" und die Actionkomödie "RED" waren Welterfolge. Seine Eintrittskarte nach Hollywood war kurioserweise auch ein deutscher Genrefilm - der grimmige Thriller "Tattoo" (den hierzulande aber - natürlich - kaum jemand sehen wollte). Auch die deutschen Regisseure, die sich zwei Jahrzehnte in Hollywood halten konnten (Emmerich und Petersen) sind ausgewiesene Genre-Spezialisten.

Das sind vielleicht kleine Achtungserfolge, aber mehr auch nicht. Wenn wir von Genre und Hollywood sprechen, dann müssen wir auch an die Hochkaräter bzw. großen Kassenfilme gehen. Und da gibt es gerade einmal einen deutschen Filmemacher, der hier einmal einen Film zu einer großen Filmreihe beisteuern durfte: Marc Forster bei James Bond. Und siehe da: Obwohl Forster Deutschschweizer ist, hat er seine gesamte Ausbildung in den USA absolviert. Ein Zufall?

Zitat von DanielL im Beitrag #60
Was ich initial meinte war, dass solche Kritiken dazu beitragen, dass der Genrefilm kein Standing hat. Im Sinne: Ihm wird nach wie vor ein geringer Stellenwert zugesprochen. Das betrifft aktuelle Produktionen, aber auch die Auseinandersetzung mit dem filmischen Nachlass.

Da wäre ich mir noch nicht einmal so sicher. Gibt es da nicht sogar eher eine rückläufige Entwicklung. In letzter Zeit gab es doch gefühlt gehäufter Würdigungen von vergangen Genre-Strömungen und ihren Regisseuren. Das ist zumindest mein Eindruck. Letztlich hat auch jemand wie Quentin Tarantino einen nicht unerheblichen Beitrag zur Wiederentdeckung und Rehabilitierung bestimmter Genre-, Trivial- und Trash-Richtungen geleistet.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

DanielL Offline




Beiträge: 3.744

29.11.2016 23:09
#62 RE: Bewertet: Mabuse - "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (1) Zitat · antworten

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #61
In letzter Zeit gab es doch gefühlt gehäufter Würdigungen von vergangen Genre-Strömungen und ihren Regisseuren. Das ist zumindest mein Eindruck. Letztlich hat auch jemand wie Quentin Tarantino einen nicht unerheblichen Beitrag zur Wiederentdeckung und Rehabilitierung bestimmter Genre-, Trivial- und Trash-Richtungen geleistet.


Da gebe ich dir Recht. Und das kann doch wohl nicht sein, wenn erst einer wie Tarantino kommen muss, um den deutschen Filmkritikern zu erklären, wer eigentlich Alfred Vohrer war.

Gruß,
Daniel

Gubanov Offline




Beiträge: 15.534

17.09.2017 10:28
#63 RE: Bewertet: "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (1960, Mabuse 1) Zitat · antworten

„Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ belegt im Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017 Platz 2 von 48. Der Film erhielt von den Teilnehmern im Durchschnitt eine Bewertung von 4,31 von 5 Punkten.

zugrundeliegende Wertungen: 17 von 17 (17x „gut bekannt“, 0x „länger her“)
Top-10-Tipps: 8 von 8 (höchster Tipp: 1x Platz 1)
Auswahlrunde: vorqualifiziert (Dr.-Mabuse-Film)


mit 4,56 Pkt. Platz 06 in der Kategorie Schauspieler (– 4)
mit 4,26 Pkt. Platz 12 in der Kategorie Inszenierung / Spannung (– 10)
mit 4,24 Pkt. Platz 03 in der Kategorie Drehbuch / Logik (– 1)
mit 4,53 Pkt. Platz 01 in der Kategorie Ausstattung / Wertigkeit (+ 1)
mit 3,97 Pkt. Platz 14 in der Kategorie Musik (– 12)
mit 4,32 Pkt. Platz 14 in der Kategorie Epigonenfaktor (– 12)
mit 4,29 Pkt. Platz 05 in der Kategorie freie Wertung (– 3)

Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017: Endergebnis (#243) (16)

Lord Low Offline




Beiträge: 633

15.11.2017 12:49
#64 RE: Bewertet: "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (1960, Mabuse 1) Zitat · antworten

Wo wurde denn die Szene am Friedhof gedreht?

michaelchan Offline



Beiträge: 16

18.11.2017 19:47
#65 RE: Bewertet: "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (1960, Mabuse 1) Zitat · antworten

Warum gibt es alle Jahre Wallace-Festspiele im Fernsehen, aber nicht von den Mabuse-Streifen?

Okay, vielleicht sind die vom FSK nicht geeignet, um schon Nachmittags damit zu starten.
Aber die Fantomas- und Gendarm-Streifen von de Funes werden ja auch gerne mal über mehrere Wochen verteilt im Abendprogramm gezeigt.

Würde die eigentlich genauso gerne sehen, wie die Wallacens. War die Beliebtheit damals nicht ähnlich?

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.562

27.05.2018 14:30
#66 RE: Bewertet: "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (1960, Mabuse 1) Zitat · antworten

BEWERTET: "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (Deutschland 1960)
mit: Wolfgang Preiss, Gert Fröbe, Peter van Eyck, Dawn Addams, Werner Peters, Andrea Checchi, Albert Bessler, Howard Vernon, Reinhard Kolldehoff, David Cameron, Nico Pepe, Marielouise Nagel, Wolfgang Völz, Manfred Grothe, Linda Sini, Hans W. Hamacher, Renate Küster, Lotti Alberti u.a. | Drehbuch: Fritz Lang und Heinz Oskar Wuttig nach Motiven von Norbert Jacques | Regie: Fritz Lang

Der Fernsehreporter Peter Barter ist unterwegs zu seinem Sender. Er hat den Knüller des Jahres im Gepäck, eine Enthüllung, die offenbar aus seinem jüngsten Besuch im "Hotel Luxor" resultiert. Doch Barter kann die Öffentlichkeit nicht mehr informieren, er wird am Steuer seines Wagens hinterrücks erschossen. Kriminalkommissar Jochen Kras erhält zeitgleich einen Anruf von Peter Cornelius, einem Hellseher, der der Polizei schon öfter wichtige Hinweise geben konnte. Er behauptet, Barter wäre das Opfer eines Mordes geworden, während die Polizei zunächst annimmt, es handele sich um einen Herzschlag. Bald darauf kommt es im "Hotel Luxor" erneut zu einer aufsehenerregenden Begebenheit: Frau Menil, ein Hotelgast, will sich durch einen Sprung in die Tiefe das Leben nehmen....



"Fritz Langs Versuch, seinen künstlerischen Erfolg mit demselben Stoff aus den Dreißiger Jahren zu wiederholen, geht gründlich schief. Kritiker in Frankreich erkennen darin hohe Kunst." Zweifellos war zu erwarten, dass Fernsehregisseur Michael Strauven in seiner Gert-Fröbe-Biografie "Jedermanns Lieblingsschurke" (Rotbuch Verlag 2012) die komplette Mabuse-Reihe als "uninteressant" abqualifiziert. Zum Glück differenziert der geneigte Filmzuschauer und bildet sich ein eigenes Urteil. Längst ist die sechs Filme umfassende Kriminalserie aus den Sechziger Jahren Kult geworden, wobei sich natürlich Stärken und Schwächen zeigen, wie immer, wenn aus einer Figur, die zum Selbstläufer geworden ist, der letzte Tropfen Gewinn herausgepresst wird. Den Auftakt bildet mit der Rückkehr Fritz Langs auf deutschem Regiestuhl "1000 Augen des Dr. Mabuse", eine moderne und temporeiche Hommage an die Klassiker der Weimarer Republik. Mittlerweile ist der "braune Spuk" vorbei, obwohl in den dunklen Ecken immer noch Überbleibsel wie Spinnweben hängen und der Schauplatz des Verbrechens von seinen Anfängen in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs überschattet bleibt. Bereits der Vorspann suggeriert eine Gefahr, die nicht greifbar ist. Das Gefühl, beobachtet zu werden, steht sinnbildlich für das zeitliche Umfeld, in dem der Film entstanden ist. Der technische Fortschritt, der eine totale Überwachung möglich macht und das Individuum im Atomzeitalter zu einer jederzeit angreifbaren Zielscheibe werden lässt, spielt natürlich auch dem Vorreiter des Verbrechens in die Hände. Dr. Mabuse ist kein Nostalgiker; er bediente sich zu jeder Zeit der neuesten wissenschaftlichen Errungenschaften und nutzte jede noch so futuristisch scheinende Erfindung für seine finsteren Zwecke.

In schneller Abfolge werden Ereignisse abgewickelt, die wie Zahnräder ineinandergreifen, auf den ersten Blick jedoch wenig miteinander zu tun zu haben scheinen. In perfekter Choreografie wird das Publikum in einen Strudel von Eindrücken hineingezogen, der das Interesse bereits in der ersten Filmminute weckt und sich nicht lange mit Porträts der handelnden Personen aufhält. Der unheimlich wirkende Hellseher, der joviale Versicherungsvertreter, die paralysierte Schöne auf dem Fenstersims, der zupackende Kommissar und der kühle Geschäftsmann aus den USA bilden ein Gespann, das sich zu einer authentischen Gemeinschaft fügt, wo jede und jeder seinen Platz einnimmt und unverwechselbar und glaubhaft agiert. Die elegante und weitgehend sterile Atmosphäre des Hotelkomplexes bildet den perfekten Rahmen für die Fäden, welche die Spinne Dr. Mabuse webt und an denen seine Figuren wie Marionetten hängen. Noch ist der Verbrecher in verschiedenen Verkleidungen präsent, noch zeigt er sich in einer seiner vielen Masken dem Publikum. Leider wird dieser Aktionismus mit jedem weiteren Film weniger, bis er nur mehr als Schatten an der Wand präsent ist und sein Geist still und leise entschwindet. Dabei ist es für das Gelingen des Filmes unablässig, dass die Anwesenheit des teuflischen Misanthropen immer wieder betont wird. Ein ebenbürtiger Gegner ist das Mindeste, was einer starken Ermittlerfigur wie Kommissar Kras oder Kommissar Lohmann zusteht. Nicht umsonst dominiert die Polizei in ihrer mannigfaltigen Erscheinung (Kriminalpolizei, Bundeskriminalamt, Interpol) den Film ebenso wie der titelgebende Kapitalverbrecher. Noch stimmt die Balance zwischen Gut und Böse, noch stehen sich ebenbürtige Männer gegenüber, deren Methoden unkonventionell und deren Erscheinungsbild charismatisch ist.

Zu den unbestrittenen Stärken der Produktion gehört in erster Linie die Besetzung. Das Who's who der deutschen Schauspielgarde geht eine Symbiose mit internationalen Darstellern ein, wobei nicht einmal der Fakt, dass einige Personen synchronisiert worden sind, störend ist. Im Gegenteil: Harry Wüstenhagen gibt dem Hoteldetektiv Berg erst seine schmeichelnde Unverbindlichkeit. Die Wahl für die Rolle des dominanten Kriminalkommissars fiel mit Gert Fröbe auf einen Schauspieler, der überzeugend sowohl Sünder als auch Pfarrer und sowohl Mörder als auch Polizeibeamte spielen konnte. Wenn man ihn bei seiner Suche nach dem Phantom hinter der dunklen Wolke beobachtet, hat man nicht das Gefühl, einem Darsteller zuzusehen, der seinen Text auswendig gelernt hat, sondern einen Mann zu begleiten, für den es nichts Wichtigeres gibt als den hinterhältigen Dr. Mabuse dingfest zu machen. Seine wuchtige Erscheinung, die unverstellte Mimik und sein deutlich hörbarer sächsischer Akzent, der ihn neben den kultivierten Preiss und van Eyck noch volkstümlicher wirken lässt, runden das Bild eines Kriminalers ab, dem man zutraut, sich mit dem Teufel höchstpersönlich zu messen. Werner Peters kann seine Stärken ebenfalls deutlich ausspielen und zieht alle Register seiner Kunst. Die Unverfrorenheit seines Auftretens, sein ausgeprägtes Selbstbewusstheit, seine Bauernschläue und die gekonnte Balance zwischen Sympathie und Aufdringlichkeit machen ihn zur wichtigen Schachfigur im Spiel um den König. Dieser begegnet uns in Wolfgang Preiss mit nordischer Distanz, präziser Kalkulation und willensstarker Fokussierung auf sein Ziel: die Ergreifung der Macht durch totale Kontrolle und Unterwerfung seiner Umgebung. Dawn Addams fungiert als elegante, jedoch gefühlsmäßig zutiefst verunsicherte Frau, deren Leben vom Wohlwollen der Männer abhängt, was im Kontrast zu ihrer souveränen, erhabenen Erscheinung steht.

Mabuse, der Großstadtmythos: Wieder einmal zeigt sich, dass ein Erbe sogar noch überzeugender agieren kann als der Erblasser. In Wolfgang Preiss hat Artur Brauner einen Mann gefunden, der Rudolf Klein-Rogge in Entschlossenheit und Überzeugungskraft übertrifft. Ebenso fungieren Gert Fröbe und Werner Peters ab sofort als kraftvolle Gegenspieler der unheimlichen Macht, wobei das Drehbuch präzise Abläufe und ein gelungenes Wechselspiel aus Deduktion und Action bietet. 4,5 von 5 Punkten

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.562

27.05.2018 15:14
#67 RE: Bewertet: "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (1960, Mabuse 1) Zitat · antworten

Ist jemandem eigentlich aufgefallen, dass im Buch der Reihe "Der klassische Kriminalfilm - Band 1 - Dr. Mabuse" von Peter Osteried und Thomas Wehlmann auf Seite 90 ein Fehler enthalten ist? Das sechste Bild (dritte Zeile rechts) stammt ganz offensichtlich nicht aus "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse". Allerdings ist es mit dem typischen Schriftzug und dem Logo der FSK-Prüfung versehen. Keine der abgebildeten Personen spielt im Film mit, es kann sich also nicht um eine geschnittene Szene handeln.

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