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Dieses Thema hat 50 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Havi17 Offline




Beiträge: 3.227

29.03.2020 14:51
#46 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Nennen wir es besser Reihe, also eine lose Folge von Madison Spielfilmen.

Gruss
Havi17

Ray Offline



Beiträge: 1.489

16.04.2020 13:27
#47 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Stimmt, aber wenn wir schon so genau sind, nennen wir die Figur besser auch gleich beim richtigen Namen: Madigan.


Der Mitternachtsmann (The Midnight Man, USA 1974)

Regie: Roland Kibbee, Burt Lancaster

Darsteller: Burt Lancaster, Susan Clark, Cameron Mitchell, Harris Yulin u.a.



Frisch von einer Haftstrafe entlassen, die er wegen der Tötung des Liebhabers seiner Ehefrau verbüßen musste, tritt Ex-Polizist Slade eine Stelle als Nachtwächter in einem College an. Und die Stellung entpuppt sich als aufregender als gedacht: Schon in der ersten Nacht werden Tonbänder mit sensiblem Gesprächsinhalt gestohlen und kurz darauf eine junge Studentin getötet, die von dem Diebstahl betroffen war. Slade beginnt, Ermittlungen anzustellen und macht sich damit nicht nur Freunde...

Burt Lancaster übernahm nicht nur die Hauptrolle in diesem 1970er-Jahre-Thriller, sondern teilte sich auch Produktion und Regie mit Roland Kibbee. Der Film nimmt offensichtlich Anleihen beim klassischen Film Noir. Lancaster gibt einen verkappten Detektiv und der Mordfall entpuppt sich bald als eine Intrige größeren Ausmaßes. Auch eine Femme Fatale findet sich unter den Figuren. Trotz kleinerer Actionszenen handelt es sich um einen ruhigeren Vertreter des Genres, Lancaster agiert seinem Alter entsprechend. Seine Figur ist sehr sauber herausgearbeitet, wodurch eine Identifikation leicht fällt. Man fiebert mit, wenn sich Slade entgegen aller Widerstände und Anschläge auf seine Person von seinen Ermittlungen nicht abbringen lässt. Trotz einer Lauflänge von zwei Stunden kommt keine Langeweile auf. Im Hinblick auf die Auflösung verhebt sich der Film jedoch ein wenig in seinem Bestreben, immer weitere Verwicklungen und Überraschungen zu präsentieren. Dies wertet den Film in der Gesamtbetrachtung ein wenig ab. Gleichwohl ist "Der Mitternachtsmann" allemal sehenswert. In weiteren Rollen sind die seinerzeit viel beschäftigte Susan Clark („Nur noch 72 Stunden“, „Coogans großer Bluff“, „Die heiße Spur“) und der im Thriller-Fach enorm präsente Harris Yulin (ebenfalls „Die heiße Spur“, „Scarface“, „Training Day“) zu sehen.

Die Blu-Ray von Koch und Explosive Media zeigt den Film in erstklassiger Bildqualität. Als Bonus gibt es ein Wendecover, den Kino-Trailer und eine Bildergalerie.


Klassischer Thriller mit einem starken Burt Lancaster als Hauptdarsteller, Produzent und Regisseur in Personalunion, dessen Auflösung den Zuschauer mit immer neuen Enthüllungen ein wenig überfordert. 4 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.489

22.05.2020 13:34
#48 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Der Tod kennt keine Wiederkehr (The Long Goodbye, USA 1973)

Regie: Robert Altman

Darsteller: Elliott Gould, Nina van Pallandt, Sterling Hayden u.a.



Eines Abends erhält Detektiv Philip Marlowe Besuch von seinem Freund Terry Lennox, der ihn bittet, ihn über die Grenze nach Mexiko zu fahren. Nach Ausführung des vermeintlichen Freundschaftsdiensts wird Marlowe prompt verhaftet. Grund: Die Frau seines Freundes Terry ist tot und Marlowe wird verdächtigt, seinem Kumpel zur Flucht verholfen zu haben. Nach seiner Entlassung erhält er von einer attraktiven jungen Frau den Auftrag, ihren Mann zu suchen. Als Marlowe abends von Gangstern aufgesucht und nach Geld gefragt wird, das Freund Terry ihnen schulde und die Gangster im Anschluss zu seiner neuen Auftraggeberin fahren, ahnt Marlowe, dass beide Fälle irgendwie zusammenhängen...

„Der Tod kennt keine Wiederkehr“ beruht auf dem Roman „Der lange Abschied“ von Raymond Chandler. Der Film ist anders als andere Produktionen dieser Zeit („Chinatown“, „Fahr zur Hölle, Liebling!“) kein Retro Noir, sondern verlegt die Handlung in das Los Angeles der 1970er. Der Marlowe in der Interpretation von Darsteller Elliott Gould („Ocean's 11-13“) wirkt dabei mit Anzug, Krawatte und Zigarette im Mund ein wenig wie aus der Zeit gefallen, zieht man seine Nachbarinnen zum Vergleich heran, die permanent barbusig auf dem Balkon Yoga-Übungen machen und Hasch-Kekse backen. Die Story ist eine genre-typische, wobei sogleich hervorgehoben werden muss, dass man anders als z.B. bei „Tote schlafen fest“ der Handlung von Anfang bis Ende gut folgen kann. Die beiden Fälle hängen wie schon in der Inhaltsangabe angedeutet letzlich zusammen, was vergleichsweise schlüssig dargetan wird. Der Handlungsverlauf punktet mit mancher Wendung und Überraschung, das Finale endet zudem mit einem kleinen Paukenschlag. Inszenatorisch bewegt sich das Werk von Robert Altman überdies auf hohem Niveau. Die Kamera bleibt ständig in Bewegung und hält die Neugierde des Zuschauers stets aufrecht. In einer Dialogszene wird der Betrachter durch Zoom auf ein dramatisches Geschehen aufmerksam gemacht, von dem die beiden in die Unterhaltung vertieften Figuren erst später Notiz nehmen. Durch diesen Wissensvorsprung kreiert Altman auf höchst effektive Weise Suspense. In musikalischer Hinsicht bemerkenswert ist, dass man weithin mit der Variation eines einzigen Musikstücks auskommt. Auf Seiten der Darsteller gibt es übrigens ein Wiedersehen mit Noir-Veteran Sterling Hayden, der den gesuchten Ehemann spielt, der sich als alkoholkranker Schriftsteller entpuppt. In einer Nebenrolle ohne Text ist zudem Arnold Schwarzenegger zu sehen.

Im Rahmen der Kinoauswertung war „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ kein großer Erfolg beschieden, im Laufe der Zeit erhielt das Werk jedoch die verdiente Anerkennung. Inzwischen ist der Film von Koch in guter Qualität und reichlich Bonusmaterial als Blu-Ray/DVD-Kombo im Mediabook erhältlich.


Inhaltlich wie inszenatorisch überzeugende Chandler-Adaption, die Detektiv Marlowe gekonnt in das Los Angeles der frühen 1970er-Jahre überführt. 4,5 von 5 Punkten.

DanielL Offline




Beiträge: 3.841

22.05.2020 19:27
#49 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Klasse, Der Tod kennt keine Wiederkehr liest sich gut und mit Koch als Label schreit das nach "In den Einkaufswagen".

Zunächst wage ich mich allerdings an eine Rückmeldung zu

NUR NOCH 72 STUNDEN.

Zitat
Der Film ist von dieser einzigartigen Atmosphäre durchtränkt, wie sie nur Polizeikrimis der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre ausstrahlen können.



Das ist DER Satz in deiner Besprechung, den ich total unterschreibe. Wenn Richard Widmark und Harry Guardino mit Anzug, Hemd, Krawatte und Hut zum Score von Don Costa durch die 1968'er Straßen Manhattans laufen - das hat schon das gewisse Etwas. Mein großes Problem ist nur: Das war's denn aus meiner Sicht fast, obwohl die Namen in der Cast & Crew-Liste da durchaus die Erwartungen hochschrauben. Nachdem ich bei der ersten Sicht im letzten Jahr noch dachte, der Film hätte mich vielleicht einfach an einem falschen Tag erwischt, traue ich mich nach der Zweitsichtung doch zu sagen: Alles in Allem ganz schön langweilig! Natürlich ist es interessant zu beobachten, dass Don Siegel hier im Prinzip schon sein großes Thema setzt: Die Staatsorgane und ihre Anfälligkeit, moralische Fragen, private Entbehrungen. Allerdings ist Dirty Harry mit Callahan, seinen Konflikten und der konstant erzählten Story um den Killer wirklich on point. NUR NOCH 72 STUNDEN beginnt und endet mit einer Situation, in der sich unsere Identifikationsfiguren wirklich selten dämlich anstellen. Dazwischen fragt man sich ständig, wo der Film nun eigentlich gerade hin will. Hier die Story um den gesuchten Verbrecher, hier Fonda als Polizei-Chef mit beruflichen Problemchen, dann ein bisschen Familienzwist bei jeder Hauptfigur privat,... Da will uns Siegel möglichst viele Studien seiner Charaktere auftischen und am Ende fehlt genau das, was auf der Rückseite der DVD Hülle behauptet wird: "Thriller mit atemloser Spannung". Kann ich wirklich überhaupt nicht bestätigen. Tolle Charakterköpfe in eindrucksvoller Atmosphäre und fadem, ereignisarmen Plot. Siegel wusste sich zu steigern. (2/5)

Gruß,
Daniel

Ray Offline



Beiträge: 1.489

22.05.2020 22:42
#50 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Interessant, danke für die Rückmeldung.

Normalerweise würde ich nach zwei Sichtungen auch sagen "Das war's dann", wenn es bei mir nicht ausgerechnet bei dem vorliegenden Film erst beim dritten Mal richtig "Klick" gemacht hätte. Allerdings muss ich gleich einräumen, dass ich den Film vor der diesmaligen Sichtung wenigstens mit 3,5/5 im Gedächtnis abgelegt hatte. Warum er mir nunmehr wesentlich besser gefallen hat als bei den ersten beiden Sichtungen, darüber kann ich natürlich nur mutmaßen. Seinerzeit kannte ich mich allgemein im Bereich Noir bzw. Polizeithriller noch weniger gut aus und auch mit Widmark war ich noch deutlich weniger vertraut. Außerdem war ich diesmal durch die Virgil Tibbs-Reihe gewissermaßen "im Flow" was Polizeithriller dieser Zeit angeht, als ich den Film sah. Wobei "Nur 72 Stunden" tatsächlich eher ein Cop-Drama ist im Vergleich zu Filmen wie "Dirty Harry", die wie du richtig sagst deutlcih geradliniger sind. Muss man mögen.

schwarzseher Offline



Beiträge: 557

23.05.2020 10:51
#51 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Ich muss zugeben das ich keine Filme nur deshalb mehrmals anschaue weil ich denke " hallo......das wars ? da muss doch mehr hinter stecken ....."
Aber einige Filme hat man ja irgendwie im laufe der Jahre doch mehrmals gesehen ( ohne besonderen Grund )
Ich glaube das der Polizeithriller auch über verschiedene Schienen läuft.
Virgil Tibbs eindeutig über den charismatischen Hauptdarsteller und der eindringlichen aber nicht aufdringlichen Beschreibung der Situation die alle oft nachdenklich zurück lässt.
Ganz anders Dirty Harry.....auch hier eine Situationbeschreibung ,ausufernde Kriminalität auf den Straßen.Und dann endlich mal einer der dem Pack mal richtig auf die F....haut.Im Grunde eher eine Linie mit Charles Bronson und seiner "Ein Mann sieht rot " Reihe.
Und dann die Widmarks usw. deren eigendlicher "Feind" sie selber mit ihrer Mittelmäßigkeit und ihren Problemen sind ( also die Rollen wohlgemerkt )

Alles funktioniert gut oder weniger gut mit dem jeweiligen Darsteller .Und oft sind die wirklich gut gewählt.

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