Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 21 Antworten
und wurde 1.017 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Seiten 1 | 2
Ray Offline



Beiträge: 1.301

25.06.2019 19:35
#16 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Ich glaube dieser Absatz aus dem von dir zitierten Wikipedia-Artikel hilft hier weiter:

Zitat
Im Vergleich zum klassischen Film noir geht die Verwendung des Begriffs Neo-Noir meist mit einer wesentlich breiter gefassten Definition einher, in der Merkmale wie Farbe, Bildformat oder Produktionsland keine Rolle mehr spielen. Häufig erinnern auch die inhaltlichen Elemente nur noch entfernt an Werke des klassischen Zyklus. Unter anderem deswegen sehen Gegner des Begriffs Neo-Noir im Film noir ein zeitlich abgeschlossenes Phänomen. Letzterer sei durch seinen historischen Kontext definiert und habe in jüngerer Zeit keine Grundlage mehr. Befürworter äußerten in den 1990er Jahren, es würden nach wie vor Filme mit typischen Merkmalen des Film noir produziert; diese dürften auch als Neo-Noir bezeichnet werden.



Wenn ich deine Ausführungen richtig verstehe, gehörst du zu dem zweiten Lager, das dem Begriff Neo Noir an sich kritisch gegenübersteht. Demnach können Filme nach der klassischen Noir-Ära für dich nur zur Noir-Gattung gezählt werden, wenn sie die typischen Merkmale der klassischen Ära erfüllen. Der Einstiegsbeitrag in diesem Thread hat sich jedoch dem ersten Lager angeschlossen, das den Begriff Neo Noir anerkennt und in der Folge selbst Filme darunter subsumiert, die in den Worten des Wikipedia-Beitrags "nur noch entfernt an Werke des klassischen Zyklus" erinnern. Die Tony Rome-Filme würde ich persönlich tendenziell in der Mitte verorten, sprich weder ganz klassisch noch als Film vom äußeren Rand, der nur noch entfernt an die Filme der klassischen Ära erinnert. Eine Parodie oder Persiflage auf die klassische Noir-Ära erkenne ich in den Tony Rome-Filmen jedenfalls nicht. Genrell wirst du dich aufgrund der Entscheidung für das erste Lager, die mit der Threaderöffnung getroffen wurde, wohl oder übel damit begnügen müssen, dass hier auch Filme besprochen werden, die für dich mit Noir "nichts zu tun" haben. Ich hoffe aber dennoch, dass die Besprechungen bei dir weiter auf Interesse stoßen werden, da schließlich die Filme an sich und weniger die Zuordnung zu Genres oder Stilrichtungen im Vordergrund stehen sollten.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.153

25.06.2019 21:28
#17 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #16
Ich glaube dieser Absatz aus dem von dir zitierten Wikipedia-Artikel hilft hier weiter:
[quote]
Danke, mir sind die Lager bekannt, doch schon diese Tatsache zeigt, daß es sinnlos ist Begeriffe wie Neo Noir einzuführen die je nach Lager dazu führen diesem reinen und nachträglichen Marketingbegriff irgendeine Berechtigung zu geben. Um auf meine vorherigen Ausführungen zurückzukommen ist Neo Noir kein neues Filmgenre und auch kein Filmattribut eines Genres, sondern lediglich ein Verkaufstitel der suggieren soll, das solche Filme etwes besonderes sind weil sie den Anschein erwecken sollen mit Bogart & Co etwas zu tun zu haben. Insofern bin ich nicht in einem gar dritten Lager sondern bewerte sofern es kein neues Genre ist nach bestehenden Genre-Definitionen wie Krimi, Attribut Noir oder Komödie/Persiflage. Daß solche neue Definitionen gar schon 2 Lager benötigen finde ich, Sorry, schlichtweg unglaublich und zeigt mir daß hier "Haare beigezoen werden". Demzufolge wäre "Eine Nacht in Casablanca" ein weitaus eindeutigerer Neo-Noir was dieser Film überhaupt nicht ist. Da hinken dann plötzlich Vergleiche die ohnehin nur auf sehr sehr schwachen Füßen stehen. Danke Daß Du Dich bemüht hast zur Aufklärung beizutragen, es ist wichtig sich über Begriffe Gedanken zu machen und diese insbesondere kritisch zu hinterfragen und dabei Analysen auf die Probe zu stellen um Andere welche diese Begriffe verwenden verstehen zu können.

Gruss
Havi17
[small] We cannot solve the problems we have created with the same thinking that created them" Albert Einstein [/i]
"You will be assured in your thinking through people you know and search" B.H.
"Den Reifegrad einer Gesellschaft erkennt man daran, wie man mit dessen schwächsten Glied umgeht- den Alten und den Kindern" Hopi-Indianer
"Gefällt mir gut, daß Sie loyal sind - Eigentlich bin ich nur ehrlich" Rififi am Karfreitag [/small]

Ray Offline



Beiträge: 1.301

23.07.2019 23:08
#18 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Malta sehen und sterben (Pulp, UK 1972)

Regie: Mike Hodges

Darsteller: Michael Caine, Mickey Rooney, Lizabeth Scott u.a.



Mickey King, Autor von Groschenromanen, wird beauftragt, nach Malta zu fliegen, um dort als Ghostwriter für die Biografie einer bekannten Persönlichkeit zu arbeiten. In Malta angekommen, wird alsbald Kings Kontaktmann ermordet und der Auftraggeber entpuppt sich als ein ehemaliger Hollywoodstar namens Preston Gilbert, der bevorzugt in Gangsterrollen aufgetreten ist. Als auch sein Auftraggeber getötet wird, forscht King nach den Hintergründen. Gilbert war offenbar in eine höchste Kreise betreffende Affäre verwickelt...

Diese kleine Perle wurde Anfang der 1970er Jahre auf der Insel Malta gedreht und dem deutschen Publikum bis zu einer TV-Ausstrahlung 1992 vorenthalten. Michael Caine (Harry Palmer-Filme) spielt den Hard-Boiled-Autoren King, dessen Werke vielversprechende Titel wie "My Gun Is Long" tragen. Er entstammt somit der Sparte von Literatur, die häufig als Grundlage für den klassischen Film Noir dienten. Entsprechend sprüht der Film vor Anspielungen auf die Schwarze Serie. Das größte Bonbon für Fans ist sicher die Mitwirkung Lizabeth Scotts. Satte 15 Jahre war die Noir-Ikone in keinem Film mehr aufgetreten, der vorliegende war im Alter von 49 ihr letzter. Gelebt hat sie allerdings erfreulicherweise noch bis 2015. Scott spielt die Frau eines mächtigen Politikers. Mit langem, ergrauten Haar, in ihrer Mimik jedoch unverkennbar, gibt sie dem Film eine besondere Note. Aber auch Hollywood-Legende Mickey Rooney hat einen denkwürdigen Auftritt als Auftraggeber Kings.

Der Film ist äußerst schwarzhumorig angelegt und nimmt ein Stück weit spätere Krimi-Farcen wie den im Deutschen ähnlich lautenden "Brügge sehen und sterben" oder Werke Quentin Tarantinos vorweg. Regisseur Hodges arbeitet mit ungemein viel Liebe zum Detail. Die Story ist zwar natürlich gewollt skurill, aber dabei auch so geheimnisvoll, dass man als Betrachter durchaus neugierig auf die Hintergründe hinter den Morden wird. Atmosphärische Bilder von der Insel Malta machen "Pulp" zum idealen Sommer-Kino.

In Deutschland ist der Film bei MGM erschienen. Das Bildformat ist 1,66:1, die Bildqualität ist solide. Habe eben zufällig entdeckt, dass der Film inzwischen auch bei Arrow auf Blu-Ray erschienen ist.


Schwarzhumorige Krimifarce mit reichlich Noir-Anleihen vor der malerischen Kulisse Maltas. 4,5 von 5 Punkten.

DanielL Offline




Beiträge: 3.776

24.07.2019 23:07
#19 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Dieser Thread hat mich nachdenklich gemacht.

Zunächst einmal habe ich ihn erst jetzt entdeckt und bin recht angetan, da er viele außerordentlich liebgewonnene Filme sammelt. Dazu gehören DIE 27. ETAGE, POINT BLANK, DER SCHNÜFFLER, DIE LADY IN ZEMENT oder MALTA SEHEN UND STERBEN. Erfreulich, falls sich das Muster "Könnte Ihnen auch gefallen" bei den weiteren Filmen, die ich nicht kenne, hier für mich bewahrheitet.

Relativ witzlos fände ich es, wenn man sich hier konkret daran stößt, die verschiedenen Filme unter der Klammer "Post- und Neo-Noir" zu diskutieren, denn dann könnte das spannende Für und Wider ja nun gar nicht besprochen werden. Die Beiträge werden ja eindeutig eingeleitet mit dem Hinweis "ausgewählte Schattierungen dieser durchmischten Palette sichtbar (zu) machen." Das kann man ja dahingehend interpretieren, dass auch unterschiedlich klare, tiefe oder eindeutige Bezüge zum Film Noir bestehen. Legitim finde ich es auf der anderen Seite aber auch, dann jeweils diese Eindeutigkeit zu hinterfragen.

Das Begriffe zu Marketingzwecken inflationär benutzt werden, möchte ich nicht bestreiten. Der Begrifflichkeit deshalb generalistisch den Garaus zu machen, ist allerdings schwierig. Denn erstens geht es ja hier hoffentlich nicht darum, die aufgezählten Filme künftig allein auf eine mögliche Kategorisierung in Post- oder Neo-Noirs zu reduzieren. Zweitens entstammt der Begriff "Film Noir" aus der Filmkritik und wird nun mal weitläufig außerhalb irgendwelcher Marketingaktivitäten verwendet, weshalb es ja in der Folge nicht verboten sein kann, zu analysieren, welche Filme Einflussfaktoren des Film Noir tragen, sei es auch unter dem Label "Neo Noir". Auch macht mir die Einordnung von DER SCHNÜFFLER als Parodie große Bauchschmerzen. Ich bin immer wieder verwundert, wie schnell die Parodiekarte gezogen wird, sobald in einem Kriminalfilm Humor oder gewisse Referenzen ausgemacht werden. Eine waschechte Film-Noir-Parodie dürfte beispielsweise TOTE TRAGEN KEINE KAROS von 1982 sein.

Abseits so mancher Argumentationskette bin ich aber was die Tony-Rome-Filme DER SCHNÜFFLER und DIE LADY AN ZEMENT anbelangt auch skeptisch. Zweifellos hat Sinatras Rome seine Anleihen bei Bogarts Marlowe. Und der Plot erinnert in der Tat an MURDER, MY SWEET. Aber bewegen wir uns da nicht eher in einem neuen Gewand der Hardboiled Detective Crime Story? Oder macht es das schon zum Neo Noir? Jedenfall zielte die Filmkritik im Kontext des Begriffes Film Noir ja ursprünglich eher darauf, was Gubanov eingangs treffend beschrieben hat. Diese düstere Schwere usw. finde ich nun bei den Tony-Rome-Filmen aber überhaupt nicht vor. Vielmehr sind es unbeschwerte Unterhaltungskrimis mit Sex, Crime und massig cooler Sixties-Tonality aus dem sonnigen Miami. Bezeichnend finde ich dabei auch die Filmkritik hier (https://der-film-noir.de/v1/node/1071), die Eingangs eröffnet mit "Ein routinierter Thriller, der eindeutig in der Tradition des Film Noirs steht", dann allerdings fast ausschließlich Unterschiede statt Gemeinsamkeiten in der Anmutung zu thematisieren weiß - mal abgesehen von der Historie des Produktionsstabes, die eigentlich für die Einordnung keine Rolle spielen darf.
Dementsprechend gewinnen beide Tony Romes auch auf dieser Film-Noir-Website in den Bewertungen keinen Blumentopf. Im Prinzip ist's aber wie bei den Wallace-Filmen: Nicht viel Tiefgang, aber unglaublich viel Charme, Plakativität und Atmosphäre. Deswegen sind bei mir beide Filme für ihr Metier 5/5-Kandidaten.

Bei dem pessimistischen POINT BLANK geht mir das schon ganz anders. Aber nun waren ja genau die beiden Tony-Rome-Krimis als Beispiele scharf diskutiert worden. Soweit eine weitere Meinung dazu, ohne das Thema weiter überbordend verwissenschaftlichen zu wollen. Freue mich jedenfalls auf weitere Filmtipps.

Gruß,
Daniel

Ray Offline



Beiträge: 1.301

24.07.2019 23:54
#20 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Schön, dass du dich in diesem Thread zu Wort meldest und dich als Fan von "Der Schnüffler", "Point Blank" & Co bekennst! Ich sehe es auch als großen Vorteil dieser Sammelthreads an, dass man als Interessierter beim Stöbern auf Filme stößt, auf die man nicht gestoßen wäre, wenn sie sich in einem Einzelthread "versteckt" hätten. Auch deshalb packe ich Filmbesprechungen in diesen Thread, solange sie nach meinem (eher weiten) Noir-Verständnis noch passen. "Shaft" wird ja z.T. auch als Neo Noir bezeichnet, aber da wird es dann spätestens beim dritten Teil schwierig, der doch eher auf der Bond-Welle reitet. Diese Filme würde ich daher z.B. in einem separaten Thread besprechen, wenn ich mal dazu komme.

Ray Offline



Beiträge: 1.301

25.07.2019 22:50
#21 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Ein Köder für die Bestie/Kap der Angst (Cape Fear, USA 1962)

Regie: J. Lee Thompson

Darsteller: Gregory Peck, Robert Mitchum, Martin Balsam, Telly Savalas, Polly Bergen u.a.



Der erfolgreiche und glücklich verheiratete Rechtsanwalt Sam Bowden sorgte vor Jahren mit seiner Zeugenaussage dafür, dass der wegen Vergewaltigung angeklagte Max Cady ins Gefängnis kam. Nun ist Cady frei und sinnt auf Rache...

"Ein Köder für die Bestie" ist definitiv nichts für schwache Nerven. Robert Mitchum bricht als Max Cady in das Kleinstadtidyll rund um die Familie Bowden mit einer Unverfrorenheit ein, dass es den Zuschauer staunend zurücklässt. Von einem ersten noch vermeintlich harmlosen Anhalten von Bowdens Fahrzeug, in dem er dem Anwalt seine Perosna in Erinnerung ruft, geht Cady ganz schnell dazu über, die Familie bei ihren Freizeitaktivitäten zu verfolgen und sogar den Familienhund zu vergiften. Bowden ist "getriggert" und versucht zunächst über einen befreundetn Polizisten dem unliebsamen Verfolger und seinem Psychoterror ein Ende zu bereiten. Doch das geht ebenso schief wie die Anheuerung eines Privatdetektivs oder mehrerer Schläger. Im Gegenteil, der unerschütterliche Cady nimmt derlei "Angebote" nur allzu bereitwillig an und schlüpft in die Opferrolle, ohne dabei eigene Aktivitäten einzustellen. Er verfolgt die Familie weiter und lauert der Tochter nach der Schule auf. Unweigerlich läuft alles auf einen großen Showdown zwischen Bowden und Cady hinaus...

J. Lee Thompson gelingt es, mit kleinen Nuancen den Konflikt immer weiter voranzutreiben und treibt im Rahmen des epischen Showdowns die Spannung bis zum äußersten. Die Schwarzweiß-Fotografie ist absolut stimmungsvoll und trägt ebenso weiter zur Spannunng bei wie die hervorragende Musik Bernard Herrmanns. Robert Mitchum beeindruckt nicht nur auf schauspielerischer, sondern auch auf physischer Ebene. Wenn in der Verhörszene von ihm verlangt wird, sich bis zur Unterhose auszuziehen, wird dies für die Polizisten und Bowden im Raum sowie für das Publikum als körperliche Machtdemonstration genutzt. Diese Szene hat man zwangsläufig noch im Hinterkopf, wenn es zur finalen Auseinandersetzung kommt und man fragt sich, wie Bowden es mit der "Bestie" aufnehmen soll. Der Showdown ist für damalige Verhältnisse recht lang, dabei aber im Timing vortrefflich und ungemein intensiv. Gregory Peck gelingt es, einen Gegenpart zum Psychopathen Cady zu bilden, wenngleich sein Bild als aufrechter Anwalt und Familienvater angesichts der Wahl seiner Mittel zusehends zu bröckeln beginnt. "Ein Köder für die Bestie" ist ein echtes Meisterwerk des Spannungskinos. 1991 erschien ein durchaus hochklassiges Remake von Martin Scorsese mit Nick Nolte und Robert De Niro in den Hauptrollen, das es mit dem vorliegenden Original allerdings nicht aufnehmen kann.

Die kürzlich erschienene Blu-Ray von Universal zeigt den Film in sehr guter Qualität. Extras sind abgesehen von einem Wendecover Fehlanzeige.


Fesselndes Spannungskino mit den Hollywoodstars Gregory Peck und Robert Mitchum. 5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.301

27.08.2019 13:00
#22 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Der letzte Zug (Experiment In Terror, USA 1962)

Regie: Blake Edwards

Darsteller: Glenn Ford, Lee Remick, Ross Martin, Stefanie Powers u.a.



Die junge Bankangestellte Kelly Sherwood wird von einem Unbekannten erpresst. Sie soll ihm 100.000 Dollar beschaffen, andernfalls sei sowohl ihr Leben als auch das ihrer jüngeren Schwester in Gefahr. Entgegen der Anweisung des Erpressers, nicht die Behörden einzuschalten, wendet sich Kelly an den FBI-Agenten Ripley (Glenn Ford)...

Blake Edwards, eher durch Filme anderer Genres bekannt ("Frühstück bei Tiffany", "Der rosarote Panther"), gelang mit "Der letzte Zug" ein bisweilen atemlos spannender Thriller. Gleich die Anfangssequenz ist derart intensiv, dass es das Publikum an den Sitz fesselt: Kelly kommt von einer (schön stimmungsvoll fotografierten) Heimfahrt mit ihrem Cabrio zurück und stellt das Auto in der Garage ab. Während das Rollo des Garagentores runterfährt, hört sie ein Geräusch. Plötzlich hält ein behandschuhter Mann ihr von hinten mit der Hand den Mund zu und redet minutenlang mit angsteinflößender Stimme auf sie ein. Der Betrachter erkennt dabei nur die Silhouette des Mannes. Mit diesem fulminanten Auftakt beginnt dieser Thriller, der mit der Ermordung der Puppenrestaurateurin und anderen noch weitere derart spannungsgeladene Szenen zu bieten hat.

Lee Remick in der Rolle des Erpressungsopfers weckt sogleich den Beschützerinstinkt des Publikums, dennoch legt es ihr Schicksal bereitwillig in die Hände des besonnen agierenden Glenn Ford, den man die Aufklärung des Falls ohne weiteres zutraut. Es spricht für den Film, dass er die insoweit im Grunde "perfekte" Ausgangssituation (gut aussehende, junge und ledige Frau, lediger Ermittler) nicht für eine Romanze ausnutzt. Ross Martin agiert als Erpresser Red Lynch bisweilen geradezu beängstigend. Seine Asthma-Erkrankung wirken sich dafür freilich noch weiter begünstigend aus. Auch das Bemühen, dem Erpresser und Mörder nach Ermittlung seiner Identität auch sympathische Züge zu geben - er sorgt sich um einen behinderten Jungen mit alleinerziehender Mutter - erscheinen verdienstvoll. Überdies ist der Film erstklassig fotografiert und profitiert von der Musik Henry Mancinis (ebenfalls "Frühstück bei Tiffany"). Dennoch erweist sich die Laufzeit von zwei Stunden als etwas lang. Um die Spannung aufrechterhalten zu können, wären ein paar Kürzungen notwendig gewesen. Dennoch bleibt "Der letzte Zug" ein absolut sehenswerter Thriller, der sich vor heutigen Vertretern des Genres keinesfalls zu verstecken braucht.


Teilweise atemlos spannender Thriller von Komödien-Spezialist Blake Edwards mit einem routinierten Glenn Ford in der Hauptrolle. 4,5 von 5 Punkten.


Wer den Film gestern verpasst hat, erhält am kommenden Donnerstag (29.08.) um 14.00 Uhr (Arte) eine weitere Chance den Film zu sichten bzw. aufzunehmen. Dies erscheint umso mehr geboten, als die deutsche DVD von Sony vergriffen ist.

Seiten 1 | 2
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz