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Dieses Thema hat 39 Antworten
und wurde 1.658 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
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Ray Offline



Beiträge: 1.356

05.01.2020 17:41
#31 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Wenn der Postmann zweimal klingelt (The Postman Always Rings Twice, USA 1981)

Regie: Bob Rafaelson

Darsteller: Jack Nicholson, Jessica Lange, John Colicos, Anjelica Huston u.a.



Per Zufall macht der arbeitslose Frank Chambers Halt an einer Tankstelle, an die ein Restaurant mit dem Namen "Twin Oaks" angeschlossen ist. Das "Twin Oaks" gehört Nick Papadakis, einem Mann in den mittleren Jahren. Als dieser Frank einen Job im Laden anbietet, sagt Frank kurz entschlossen zu, als er durch einen Blick in die Küche die attraktive und einige Jahre jüngere Ehefrau von Papadakis namens Cora gesehen hat. Kurz nach Franks Einstellung beginnen er und Cora Papadakis eine Affäre, der Nick nur noch im Wege steht...

„Wenn der Postmann zweimal klingelt“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von James M. Cain, der schon als Vorlage für den klassichen Noir „Im Netz der Leidenschaften“ diente, der seinerzeit als Antwort auf Billy Wilders „Frau ohne Gewissen“ von MGM in die Kinos gebracht wurde und mit Lana Turner und John Garfield in den Hauptrollen besetzt war. Die 1981er-Verfilmung, in der Jessica Lange und Jack Nicholson die Hauptfiguren spielen, war von den Tabus, die die Version von Tay Garnett noch daran hinderten, die Affäre explizit auf die Leinwand zu bringen, befreit. Entgegen dem insoweit zweifelhaften Ruf des Films, speziell wegen einer Szene, in der das Paar beim leidenschaftlichen Geschechtsverkehr auf dem Küchentisch gezeigt wird, hält sich das Werk anders als spätere Erotik-Thriller aus heutiger Sicht betrachtet eher zurück und reizt das dahingehende Potential, welches die Story liefert, keineswegs voll aus, sondern begnügt sich oft mit Andeutungen. Wenngleich eine derart ikonische Szene wie die Einführung der Lana Tuner-Figur mit dem über den Boden rollenden Lippenstift in „Im Netz der Leidenschaften“ dem vorliegenden Film abgeht, handelt es sich dennoch um einen absolut hochwertigen Neo Noir. Die Retro-Inszenierung ist absolut stilvoll, wofür nicht zuletzt auch die starke Kameraarbeit von Sven Nykvist („Mörderspiel“) sorgt. Jessica Lange ist zwar keine Lana Turner, überzeugt aber durch eine immens natürliche Ausstrahlung. Jack Nicholson gibt der Figur mit seiner diabolischen Aura eine wuderbar desillusionierte Note. Wenn man dem Film etwas vorwerfen kann, dann, dass er wie die 1946er-Verfilmung vorlagenbedingt ein bis zwei Schlenker zu viel macht. Auf der anderen Seite führen die vielen Wendungen dazu, dass man sich beide Verfilmungen immer wieder mal ansehen kann, ohne vorher von vorne bis hinten Bescheid zu wissen.

Die Blu-Ray von Warner Bros. präsentiert den Film in sehr guter Bildqualität. Als Extras gibt es immerhin einen Audiokommentar.


Stimmige Neuverfilmung des Cain-Romans, die entgegen ihrem Ruf das erotische Potential der Vorlage nicht unnötig ausreizt. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.356

14.01.2020 00:16
#32 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

https://www.pidax-film.de/Film-Klassiker...leep::1764.html

Da hat sich Pidax genau den falschen Chandler-Film mit Robert Mitchum ausgesucht: "Tote schlafen besser" erscheint im April bei Pidax. Hoffentlich bringt das Label auch den (wesentlich besseren) "Fahr zur Hölle, Liebling" heraus...




Gegen jede Chance (Against All Odds, USA 1984)

Regie: Taylor Hackford

Darsteller: Jeff Bridges, Rachel Ward, James Woods, Jane Greer, Richard Widmark u.a.




Der aktuell vereinslose Footballer Terry Brogan wendet sich an einen alten Bekannten, den Clubbesitzer Jake Wise, um nach einem Job zu fragen. Dieser beauftragt ihn damit, seine Geliebte Jessica ausfindig zu machen, die sich mit einer stolzen Geldsumme aus Jakes Vermögen von heute auf morgen davongemacht haben soll. Terry spürt Jessica in Mexiko auf. Die beiden beginnen eine Affäre, während Terry Jake weiter mitteilt, Jessica sei nicht aufzufinden. Doch Jake wird misstrauisch...

Wem der Plot bekannt vorkommt, der liegt genau richtig: „Gegen jede Chance“ ist ein Remake des Noir-Klassikers „Goldenes Gift“ von Jacques Tourneur mit Robert Mitchum, Jane Greer und Kirk Douglas in den Hauptrollen. Für die Neuverfilmung übernahm Taylor Hackford die Regie, die tragenden Rollen wurden von Jeff Bridges („Die Letzten beißen die Hunde“), Rachel Ward und James Woods übernommen. Außerdem gelang es der Produktion, Jane Greer für eine Nebenrolle zu gewinnen. Sie spielt Jessicas einflussreiche Mutter. Mit Richard Widmark ist ein weiteres Schwergewicht der Schwarzen Serie mit von der Partie. Die Ausgangslage ist also recht vielversprechend und der Film löst dieses Versprechen auch zu einem guten Stück ein. Zwar ist "Gegen jede Chance" längst nicht so ambitioniert inszeniert wie das Vorbild. So wird auf den verschachtelten Aufbau mit seinen Rückblenden und Erzählungen aus dem Off zugunsten einer linearen Inszenierung verzichtet. Auch im Übrigen wirkt der Film über weite Strecken dem Zeitgeist entsprechend ein wenig „gelackt“, was durch den Phil Collins-Schmachtfetzen „Against All Odds (Take a Look At Me Now)“, der den ganzen Abspann über läuft und so das eher wenig „noirige“ Ende ausklingen lässt, unterstrichen wird. Und wenn auch Rachel Ward und vor allem James Woods nicht an ihre Vorgänger heranreichen, gibt Jeff Bridges im Gegenzug eine sehr überzeugende Vorstellung in der Rolle des leading man. Darüber hinaus hat der Film traumhafte Bilder Mexikos zu bieten und der Plot bleibt zeitlos spannend. Nebenbei gibt es ein paar kritische Untertöne in Richtung Korruption im Sport und Gemauschel in Politik und Wirtschaft. Da der Film nur die Grundkonstellation des Originals beibehält, das Übrige jedoch modernisiert und dabei eigene, neue Akzente setzt, entwickelt er eine gewisse Eigenständigkeit. Jane Greer und Richard Widmark werten die Produktion mit ihren Darbietungen weiter auf. In der Summe also ein allemal sehenswerter Thriller.

Die Blu-Ray von Explosive Media präsentiert den Film in knackigen Farben. Als Extras gibt es u.a. entfernte Szenen mit Kommentar.


„Gegen jede Chance“ transportiert den Noir-Klassiker „Goldenes Gift“ in die 1980er-Jahre. Wenngleich er weniger ambitioniert inszeniert und im Vergleich wesentlich weichgespülter daherkommt als sein Vorbild, handelt es sich doch um einen gut konsumierbaren Thriller, der durchaus eigene Akzente zu setzen vermag. 4 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.171

14.01.2020 05:18
#33 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #32
"Tote schlafen besser" erscheint im April bei Pidax. Hoffentlich bringt das Label auch den (wesentlich besseren) "Fahr zur Hölle, Liebling" heraus...

Auch "Fahr zur Hölle, Liebling" soll kommen, Anfang Juli. Kurioserweise allerdings nicht bei Pidax, sondern bei Filmjuwelen.
https://alive-ag.de/gesamtkatalog/20484/...ewell-my-lovely
https://alive-ag.de/gesamtkatalog/20485/...ewell-my-lovely

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.550

16.01.2020 09:09
#34 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #33
Zitat von Ray im Beitrag #32
"Tote schlafen besser" erscheint im April bei Pidax. Hoffentlich bringt das Label auch den (wesentlich besseren) "Fahr zur Hölle, Liebling" heraus...

Auch "Fahr zur Hölle, Liebling" soll kommen, Anfang Juli. Kurioserweise allerdings nicht bei Pidax, sondern bei Filmjuwelen.
https://alive-ag.de/gesamtkatalog/20484/...ewell-my-lovely
https://alive-ag.de/gesamtkatalog/20485/...ewell-my-lovely

"Tote schlafen besser" muss ich noch sehen, aber "Fahr zur Hölle, Liebling" war schon einmal eine grobe Enttäuschung.
Der Film erzählt zwar recht routiniert und schön ausgestattet die Handlung des Romans nach, aber so gern ich Mitchum mag - er latscht etwas zu gleichgültig durch die Kulissen. Darüber hinaus erlaubt sich der Film einige Ungenauigkeiten, bzw. Abweichungen von den Figuren im Roman. Marlowe hat eine Art besten Kumpel, referiert über Baseball (oder Football?), Moose Malloy ist quasi ein Abziehbild des Beißers aus "Moonraker" - Alles für sich genommen nicht dramatisch, aber in der Summe nervig. Vorallem, da diesen Freiheiten keinerlei spannende Inszenierungsideen gegenüber stehen. Die lieblos eingeworfenen Verweise auf Hitler und andere Geschehnisse wirken aufgesetzt anstatt den Film wirkungsvoll in der erzählten Zeit verorten zu lassen.
Ich habe die Chandler-Romane seit frühester Jugend immer wieder gelesen und habe daher vielleicht höhere Anforderungen an Verfilmungen, aber "Lebwohl, mein Liebling" wurde 1944 von Edward Dmytryk bereits als "Mord, mein Liebling" mit Dick Powell äußerst gelungen umgesetzt. Gegen dessen kreative Inszenierung wirkt "Fahr zur Hölle, Liebling" leider wie das, was er wahrscheinlich nur sein sollte - ein im Zuge des "Chinatown"-Erfolgs auf den Markt geworfener Retro-Noir ohne eigene Handschrift. Zeitweise fühlt sich das Ganze an wie ein gediegener Ustinov-Poirot-Film ohne Whodunit.
Robert Altman hat das bei "Der Tod kennt keine Wiederkehr" cleverer gelöst, indem er sich quasi mit Ansage noch weiter von der Vorlage löst und Erwartungen gezielt unterläuft.

Schade, dass Mitchum nicht früher den Marlowe geben durfte und schade auch, dass man sich mit "Lebwohl, mein Liebling" und "Der große Schlaf" ausgerechnet die beiden Vorlagen aussuchte, von denen es bereits sehr gelungene Umsetzungen gab. "Das hohe Fenster" wurde nur zweimal (schlecht) umgesetzt, über den POV-Film "Die Dame im See" kann man geteilter Meinung sein, "Die kleine Schwester" gibt unglaublich viel her, was "Der Dritte im Hinterhalt" in den 60s mit seinem TV-Film-Budget und -Anspruch aber kaum rausholen konnte und "Playback" wurde meines Wissens nie verfilmt. Da wäre Einiges an Potential gewesen, Mitchum als späte Version von Marlowe zu installieren, ohne sich der Konkurenz von Humphrey Bogart und Dick Powell (und besserer Regisseure) stellen zu müssen.

Aber apropos Chandler und Neo-Noirs: ich suche seit Jahren den SWF-TV-Film "Ich werde warten" von 1982 mit Armin Müller-Stahl und Monica Bleibtreu - gibt es hier jemanden, der ihn zufällig besitzt?

Ray Offline



Beiträge: 1.356

17.01.2020 00:03
#35 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Schön, dass "Fahr zur Hölle Liebling" von Filmjuwelen veröffentlicht wird - sowohl auf DVD als auch auf Blu-Ray.

Ich persönlich habe noch keinen Chandler-Roman gelesen. "Tote schlafen fest" liegt zwar im Regal, aber Dashiell Hammetts "Die Rote Ernte" hab ich z.B. nicht mal beendet. Irgendwie stilistisch nicht mein Ding und handlungstechnisch sehr kompliziert - zu kompliziert für eine Bettlektüre, müsste man wahrscheinlich im Urlaub in 1-2 Tagen durchlesen. Deshalb und weil mich keine der "Big Sleep"-Verfilmungen vom Hocker gerissen hat, werde ich wohl vorerst auch den Roman nicht lesen.

Von "Lebwohl, mein Liebling" kenne ich die Vorlage also auch nicht und schaue die beiden Filme natürlich unter einem anderen Blickwinkel. Würde dir definitiv darin zustimmen, dass die 1944er-Verfilmung insgesamt besser ist, weil ambitionierter inszeniert. Aber mir hat Mitchums Darstellung in dem Film eigentlich recht gut gefallen, gefühlt sogar ein bisschen besser als die von Dick Powell, wobei ich da wahrscheinlich einen direkten Vergleich bräuchte, um es definitiv sagen zu können. "Die Dame im See" habe ich noch auf der Watchlist.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 252

17.01.2020 14:14
#36 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Rote Ernte, ein Buch, wo die Leichen nur so purzeln, ohne dass es einen irgendwie berührt, hat auch filmischen Widerhall gefunden. Der erste der berühmten Dollar-Trilogie-Streifen (Für eine Handvoll Dollar mit Clint Eastwood) ist stark an Hammetts Buch angelehnt, aber ein Italo-Western. Darauf aufbauend gibt es noch Last Man Standing mit Bruce Willis, eine sehr brutale und schießwütige Geschichte, die man wohl nur mit viel Augenzudrücken als "Neo-Noir" bezeichnen kann. Beide Filme sollen aber auf einen japanischen Film zurückzuführen sein.

Von den Chandler-Verfilmungen hab ich noch keine einzige gesehen, obwohl die mich mal reizen würden. Konnte mich für die Romane nur mit Abstrichen begeistern, war aber auch gutes Zeugs dabei.
Welcher Film wäre denn als Einstieg zu empfehlen ?

Ray Offline



Beiträge: 1.356

18.01.2020 11:16
#37 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Habe jetzt nicht alle gesehen und bin wie gesagt auch (noch) kein Roman-Leser, aber am besten hat mir bisher tatsächlich "Lebwohl, mein Liebling" ("Murder, My Sweet") von 1944 mit Dick Powell in der Rolle des Privatdetektivs Philip Marlowe gefallen: Sammelthread "Film Noir" (29)

Ansonsten besitzt "Tote schlafen fest" mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall natürlich allgemein einen sehr guten Ruf. Von diesem Film gibt es auch eine sehr gute und günstige Blu-Ray von Warner. Allerdings hat mich persönlich der Film bei bisher zwei Sichtungen nicht wirklich überzeugt.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 252

18.01.2020 19:36
#38 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Ich glaube, den Film "Tote schlafen fest" mit Bogard habe ich doch schon mal gesehen, der war sehr stark an den Roman angelehnt. Das Buch ist leider sehr konfus, konnte damit auch nicht sehr viel anfangen. Der Autor hat ja selber zugegeben, dass er da den Überblick verloren hatte. Entsprechend wirr ist dann auch der Film geworden.
Obwohl er doch auf der Habenseite den Charme der Originalzeit hatte.
Chandler hat in seinen Anfangsromanen viele Handlungs-Elemente seiner short stories fast wörtlich eingefügt, später hat er es dann besser im Griff gehabt, ab der "kleinen Schwester" ging`s dann wieder abwärts. Aber das ist eine sehr subjektive Ansicht.
Als Einstieg kannst Du ja mal wirklich bei Lese-Lust und Laune ein paar seiner Geschichten aus den späten Dreißigern schmökern, ist wie gesagt das meiste aus den Romanen auch schon drin.

Aber die drei Filme aus den Vierzigern (Tote/Liebling/Dame) würde ich mir gern mal wieder oder neu ansehen. Mal sehen, das Jahr ist noch lang...

Ray Offline



Beiträge: 1.356

Gestern 22:55
#39 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Das mit den Kurzgeschichten ist ein guter Tipp, die kann man dann auch "in einem Rutsch" lesen.


Die heiße Spur (Night Moves, USA 1975)

Regie: Arthur Penn

Darsteller: Gene Hackman, Jennifer Waren, Susan Clarke, Harris Yulin, James Woods, Melanie Griffith u.a.



Harry Moseby ist Privatdetektiv in Los Angeles und mit sich und seiner beruflichen Stellung unzufrieden. Dies überträgt sich auf seine Ehe, die zu scheitern droht, als seine Frau ihn betrügt. Da kommt ein neuer Fall gerade recht: Eine alternde Schauspielerin engagiert Moseby, um ihre entlaufene Tochter wieder zu finden…

Arthur Penn, der mit „Bonnie und Clyde“ wenige Jahre zuvor bereits ein Schlüsselwerk des „New Hollywood“ abgeliefert hatte, wendet sich mit „Die heiße Spur“ dem Detektivfilm zu, der in der Schwarzen Serie einige berühmte Vorbilder hatte. Dabei überträgt er die Formel des hard boiled detective anders als Roman Polanski ein Jahr zuvor mit „Chinatown“ in die damalige Gegenwart der 1970er-Jahre. Er zeichnet das Porträt eines von Selbstzweifeln durchtränkten Mannes, der die Lösung des Falles auch als eine Art Selbstfindungstrip nutzt. Der Fall selbst beginnt überaus klassisch mit dem Aufspüren eines entlaufenen Mädchens. Doch nachdem diese Mission recht schnell erledigt ist, legt der Film eine kleine Pause ein und verlässt sich ganz auf seine Atmosphäre, um dann in der zweiten Hälfte in Sachen Tempo ordentlich anzuziehen. Das Finale fällt denn auch ziemlich spektakulär aus. Getragen wird der Film freilich ein gutes Stück durch Hauptdarsteller Gene Hackman, der wie schon in „French Connection“ eine enorme Präsenz entwickelt. In Nebenrollen sind James Woods und Melanie Griffith in jungen Jahren zu sehen.


Gelungene Übernahme des Detektivfilmgenres in das Hollywood der 1970er-Jahre. 4 von 5 Punkten.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.550

Heute 15:28
#40 RE: Tradition in neuem Gewand: Post- und Neo-Noirs ab 1959 Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #35
[...]
Ich persönlich habe noch keinen Chandler-Roman gelesen. "Tote schlafen fest" liegt zwar im Regal, aber Dashiell Hammetts "Die Rote Ernte" hab ich z.B. nicht mal beendet. Irgendwie stilistisch nicht mein Ding und handlungstechnisch sehr kompliziert - zu kompliziert für eine Bettlektüre, müsste man wahrscheinlich im Urlaub in 1-2 Tagen durchlesen. Deshalb und weil mich keine der "Big Sleep"-Verfilmungen vom Hocker gerissen hat, werde ich wohl vorerst auch den Roman nicht lesen. [...]

Chandler wegen der Handlung zu lesen ist auch die falsche Herangehensweise. Es hat seine Gründe, warum er zum damaligen Zeitpunkt zu den handvoll Krimi-Autoren gezählt wurde, die man guten Gewissens als "Literatur" bezeichnet. Wie der Mann mit Sprache Bilder malt, Situationen beschreibt, Figuren entwirft und seinen Blick auf die Gesellschaft in Worte fasst, ist meisterhaft und macht unglaublich viel Spaß zu lesen. Dass die Handlung oft konfus wirkt, bzw. schwer zu durchschauen ist, mag sein. Das ist aber nicht der Kern des Ganzen.
Mit Hammett kann ich dann irgendwie wiederum nicht warm werden. Es mag sein, dass seine Stoffe sogar besser aufgebaut sind, aber sprachlich hat mich das nie vom Hocker gerissen.

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